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Full text of "Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins"

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Zeitschrift 



für die 



Tcschichte des Oberrheins 



herausgegeben 



von der 



Badisohen Historisohen Kommission. 



Neue Folge. Band XVII. 

[Der ganzen Reihe 56. Band.] 




Heidelberg. 
Carl Winter's Universitätsbuchhandlung. 

1902. 

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•* 



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Inhalt. 



Seite 
Bericht über die zwanzigste Plenarsitzung der Badischen Historischen 

Kommission vom 15./16. November 1901, erstattet vom Sekretär 

der Kommission i 

Die Briefsammlung des bischöflichen Ofißcials Nicolaus Lindenstumpf 

aus Strassburg, von Hans Kaiser 17 

Beiträge zur badisch-pfälzischen Reformationsgeschichte von Gustav 

Bossen 37» 251, 401, 588 

Geschichte der Reichsvogtei Kaysersberg, von Josef Becker . . 90, 217 

Die Statue des Markgrafen Karls II. von Baden in Durlach, im 
Zusammenhang mit süddeutschen Brunnenfiguren, von Ernst 
Wagner 123 

Strassburgs Garnison während des siebenjährigen Krieges, von Karl 

Engel 142 

Zur Frage der Gottesfreunde. I. Rulman Merswin oder Nikolaus 
von Laufen? II. Bischof Heinrich III. von Konstanz und die 
Gottesfreunde, von Karl Rieder , 205, 480 

Ein Anschlag gegen die Unabhängigkeit Strassburgs i. J. 1579» von 

Alcuin Holländer 291 

Zur Geschichte der Karlsruher Gemäldegalerie. Fran^ois Boucher 

und Markgräfin Karoline Luise, von Karl Obser .... 331 

Badische Geschichtslitteratur des Jahres 1901, zusammengestellt von 

Fritz Prankhauser 340 

Zwei Elsässer Dörfer zur Zeit Karls des Grossen. Ein Beitrag zur 
wirtschaftsgeschichtlichen Verwertung der Traditiones Wizen- 
burgenses, von G. Caro 450, 563 

Zwei Bücherverzeichnisse der Palati na, von Bruno Albers . . . 497 

Markgrafin Agnes von Baden, Herzogin von Schleswig, von Heinrich 

Witte 503 

Die wirtschaftlichen Beziehungen Elsass-Lothringens zu Frankreich 
und Deutschland vor der französischen Revolution, von Adal- 
bcrt Wahl 531 

Oberrheinische Stadenten im 16. u. 17. Jahrhundert auf der Univer- 
sität Padua (Nachträge u. Register), von Gustav C Knod . ^>20 



VI 

Seite 
Bergbau im Kanton SchafFhausen in den Jahren 1678 — 1770, von 

Robert Lang 640 

Ein badisch-preussisches Vermählungsprojekt aus dem Jahre 1792 

von Karl Obser 670 

Elsassische Geschichtslitteratur des Jahres 1901, zusammengestellt 

von Hans Kaiser 679 

Miscellen: 

Ergänzungen zur Kostenrechnung einer bischöflich-strassbur- 
gischen Gesandtschaft an die Kurie (1478 — 79), von Aloys 
Postina 168 

Zur Geschichte der Klosterbibliothek von St. Peter auf dem 

Schwarzwald, von Friedrich Pfaff 169 

Vermeintliche Irregularität des Surburger Dekans Nikolaus an- 
lässlich eines zu Hagenau im Jahre 1279 verübten Mordes, 
von Aloys Postina 539 

Zu Voltaires Briefwechsel mit der Markgräfin Karoline Luise 

von Baden-Durlach, von Karl Obser 540 

Markgraf Ernst Friedrich von Baden-Durlach in Schweden, 

von Ernst Weydmann . . • 717 

Tobias Stimmer am baden-badischen Hofe, von Karl Obser 718 

Nekrologe : 

Franz Xaver Kraus f, von Friedrich von Weech . 162 

Paul SchefFer-BoichoTst f, von Fritz Kiener 381 

Zeitschriftenschau 171, 386, 541, 722 

Annales de TEst. XV, 4; XVI, i — 3. 176, 389, 543, 723. 

— Basler Zeitschrift für Geschichts- und Altertumskunde I. 
544. — Bulletin du Mus6e historique de Mulhouse XXV. 723. 

— Freiburger Diözesanarchiv N.F. II. 171. — Jahrbuch für 
Geschichte, Sprache und Litteratur Elsass-Lothringens XVII. 
174. — Mannheimer Geschichtsblätter II, 11 — 12; III, i — 9. 
"73» 386, 541, 722. — Mitteilungen der Gesellschaft für Er- 
haltung der geschichtlichen Denkmäler im Elsass. II. Folge XX, 
2. Halbband. 542. — Mitteilungen zur Geschichte des Heidel- 
berger Schlosses IV, 2. 723. — Neues Archiv für Geschichte der 
Stadt Heidelberg IV, 4; V. i. 172, 722. — Neue Heidelberger 
Jahrbücher XI, I. 386. — Revue catholiquc d'Alsace. Nouvelle 
Serie XX, 9—12; XXI, 1-7. 175, 388, 543, 724. — Revue 
d'Alsace. Nouvelle S6rie II, 6; III, 1—4. 175, 388, 542, 724. 
Schau»in*s-Land XXVIII. 174. — Strassburger Diözesanblatt 
N.F. III, 9—12; IV, 1—8. 175, 387, 542, 725. 

Litteraturnotizen »76, 389, 544, 725 

Basler Zeitschrift f. Gesch. u. Altertumskunde I. 544. — 
Baum, Mathilde, Johann Wilhelm Baum. 734. — Beiträge zur 
Schul- u. Erziehungsgeschichte von Elsass-Lothringen. 550. — 



vin 



Scheffel u. seine Familie. 198. — Krafft, Serments Carolingiens. 
554. — Kräkl, Ant. Klein. 559. — Künstle-Beyerle, Pfarr- 
kirche St. Peter u. Paul in Reichenau-Niedcrzell. 201. — Lang, 
Butzers Evangelienkommentar. 197. — Lang, A., Die Begründer 
der reformierten Kirche: Zwingli, Butzer, Calvin. 731. — 

— Lauchcrt, Stiudenmaier. 199. — Lederle, C. F., Rastatt und 
seine Umgebung. 737. — Lieboldt, Albertine Friederike von 
Baden'Durlach. 557. — v. Loeffler, E., Marx, Vater u. Sohn. 
732. — Lorenz, Friedrich Grossherzog von Baden. 544. — 
Ludwig, Th., Aktenstücke zur Geschichte der badischen Con- 
cordatsbestrebungen in der Zeit Napoleons I. 734. — Martens, 
Grossherzog Friedrich. 548. — Mayer, Gesch. der Freiburger 
Gymnasiumsbibliothek. 550. — Moon, W., The oldest type- 
printed book in existence. 740. — Neu, Wertheimer Kirchen- 
visitationen. 562. — V. Obernitz, Stammbücher. 180. — Olivier, 
Les com^diens fran^ais dans les cours d'Allemagne au 17« siecle. 
I: La cour 61ectorale Palatine. 203. — Pfaff, Heidelberg. 395. 

— Pfister, Hansjakob. 198. — Pfleger, Beteiligung elsäss. Klöster 
an der Rheinschiffahrl. 190. — Pfleger, Nicolaus Salicetus. 389. 

— Pick, Ein Zoller als Rektor der Erfurter Universität. 199. 

— Postina, Beiträge zur Gesch. der Cistercienserklöster. 191. 

— Proelss, Johannes, Scheffel. 736. — D. Reichsland Elsass- 
Lothringen. 726. — Reuss, Huguenots fugitifs i Strasbourg. 
192. — Ritzentbaler, Wörter.* 200. — Roller, Ahnentafeln der 
letzten reg. Markgrafen von Baden-Baden und Baden-Durlach. 

551. — Saftien, K., Johann Fischart. 731. — Sanders v. Loo, 
Bald. Grien. 561. — Schäfer u. Stiehl, Romanische und gothische 
Baukunst. Die mustergiltigen Kirchenbauten des Mittelalters 
in Deutschland. 740. — Schiffmann, D. Schulwesen ob der 
Enns. 397. — Steinschneider, Christliche Hebraisten. 198. — 
Stolberg, Tobias Stimmer. 561. — Stouff, Les origines de 
l'annexion de la Haute-Alsace ä la Bourgogne. 555. — Strass- 
burger Codex 222. 398. — Strassburger Festschrift für die 
46. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner. 549. 

— Strickler, Johannes. Aktensammlung aus der Zeit der Hel- 
vetischen Republik. 733. — Verhandlungen der 46. Versamm- 
lung deutscher Schulmänner u. Philologen. 548. — Veröffent- 
lichungen der Gr. Bad. Sammlungen für Altertums- u. Völker- 
kunde in Karlsruhe und des Karlsruher Altertumsvereins, 
in. Heft. 725. — Walter, Chronik v. Mannheim. 193. — 
V. Weech, Grossherzog Friedrichs Persönlichkeit. 548. — 
Weller, Württemberg in der deutschen Geschichte. 194. — 
Wendland, Volksbewaffnung in Süddeutschland. 392. — v. Werra, 
J. K. Fischer. 202. — v. Werra, A. F. Maichclbeck. 203. — 
Will, Erbauung der Stiftskirche in Neresheim. 399. — Will, 
Brief von Emanuel Sylva Taronca. 400 — Wille, Karl Zange- 
meister. 562. — Winkelmann, Verfassungsgescbichte. 195. — 
Wintterlin, Friedr., Gesch. der Behördenorganisation in Württem- 



Seite 
berg. 738. — Witte, Ortsnamenforschung und Wirtschafts- 
geschichte. 558. — Wyss, Litteratur der Guten bergfeier. 397. 
— Zedier, Gutenbergforschungen. 396. 

Mitteilungen der Badischen Historischen Kommission Nr. 24: 
Bericht über die Ordnung und Verzeichnung der Archive 
und Registraturen der Gemeinden etc. im Jahre 1900/01 durch 
die Pfleger der Badischen Historischen Kommission .... mi 

Die Archivalien des Münsterarchivs zu Breisach, verzeichnet 
von Dr. Karl Rieder in Karlsruhe m5 

Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Neustadt i. Schw., 
verzeichnet von Landgerichtsrat Adolf Birkenmayer in Freiburg m4 1 

Archivalien aus Orten des Amtsbezirks OfFenburg, verzeichnet 
von Prof. Fr. Platz und Prof. Ignaz Scheuermann in 
OfFenburg m50 

Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Kehl, verzeichnet 
von Pfarrer Ludwig Hilspach in Auenheim m6i 

Konig Sigmunds Einkünfte aus dem Zehnten des Bistums 
Stmssburg, von Dr Hans Kaiser in Strassburg (5>chluss und 
Register) mi95* 



i 



XI 



Mitarbeiter dieses Bandes der Zeitschrift 

Albers, P. Bruno, O. S. B. Maria Laach. 

Baist, Dr. Gottfried, Universitätsprofessor. Freiburg i. Br. 

Bei ker, Dr. Josef, Oberlehrer. Strassburg. 

Beyerle, Dr. Konrad, Universitütsprofessor. Breslau. 

Bi/k:h, Dr. Hermann, Universitätsprofessor. Strassburg. 

B<»ssERT, Dr. D. Gustav, Pfarrer. Nabern i. \V. 

Brandi, Dr. Karl, Universitätsprofessor. Göttingen. 

Brinner, Dr. Karl, Archivassessor. Karlsruhe. 

Caro, Dr. Georg, Privatdozent. Zürich. 

DiMouLix-EcK-VRT, Graf Richard, Dr., Prof. 

a. d. Technischen Hochschule. München. 

Engle, Dr. Karl, Oberlehrer. Colmar. 

Fraxkhauser, Fritz, Hilfsarbeiter am General- 

I^ndesarchiv. Karlsruhe. 

Holländer, Dr. Alcuin, Professor. Strassburg. 

Kaiser, Dr. Hans, Archivassistent. Strassburg. 

Kikxer, Dr. Fritz. Strassburg. 

Knoi», Dr. Gustav, Professor. Strassburg. 

Krimm, Dr. Ferdinand, Arzt. Karlsruhe. 

L\NG, Dr. Robert. Schaf fliausen. 

b»RExr/EX, Dr. Tlieodor, Professor. Heidelberg. 

LiDWic;. Dr. Theodor, Universitätsprofessor. Strassburg. 

• »bnkr, Dr. Karl. Archivrat. Karisruhe. 

I'i-AEF, Dr. Friedrich, Universitätsbibliothekar. Freiburg. 

PiiSTiNA, Dr. Aloys, Pfarrer. Münchhausen i. E. 

Rikder, Dr. Karl, Hilfsarbeiter am General- 
Landesarchiv. Karlsruhe. 

RoDLR. Dr. Christian, Professor. Überlingen. 

S H< »RBACH, Dr. Karl, Universitätsbibliothekar. Strassburg. 

Varrentratp, Dr. Konrad, Universitätsprof. Marburg. 

\Va«.xEr, Dr. Ernst, Geh. Rat. Karlsruhe. 

\Vahl. Dr. Adalbert, Privatdozent. Freiburg 

Walter, Dr. Friedrich. Mannheim. 

W'hn H. Dr. Fried r. v.. Geh. Rat u. Direktor 

des Generallandesarchivs. Karlsruhe. 

Wer MLvr; HOPF, Dr. Albert, Privatdozent. Greifswald. 

Weviimaxn, Dr. Ernst, Hilfsarb. a. St;iatsarchiv. Basel. 

^\"i'f«fANi), Dr. Wilh., Univ.-Prof. u. Ardiivdir. Strassburi;:. 

Wiii.t, Dr. Jac, Universitätsbibliothekdirektor 

un<I -professor. Heideibtri:. 

^^::if. Dr. Heinrich, Professor. Strassburg. 



i 



XII 



Redaktion. 

Archivrat Dr. Obser. Archivdirektor Prof. Dr. Wiegand. 
Füt die »Mitidlungetn : Archivdirektor Geh. Rat Dr. von Weech, 



Redaktionsausschuss. 

Universitätsprofessor Hofrat Dr. Dove. 
Universitätsprofessor Geh. Hofrat Dr. Marks. 
Archivrat Dr. Obser. 

Universitätsprofessor Hofrat Dr. von Simson. 
Archivdirektor Geh. Rat Dr. von Weech. 
Archivdirektor Prof. Dr. Wiegand. 



Bericht 

über die 

zwanzigste Plenarsitzung 

der 

Badischen Historischen Kommission« 



Karlsruhe, im November 1901. Die Plenarsitzung fand, 
infolge längerer Krankheit des Sekretärs der Kommission 
spater als sonst, am 15. und x6. November statt. Anwesend 
waren die ordentlichen Mitglieder: die Professoren Geh. 
Rat Dr. Schröder, Geh. Hofrat Dr. Schäfer, Geh. Hof- 
rat Dr. Marcks und Dr. Wille aus Heidelberg, Hofrat 
Dr. Dove, Dr. Finke, Dr. Fuchs und Dr. Stutz aus 
Freiburg i. B.; Archivdirektor Professor Dr. Wiegand 
aus Strassburg; Archivdirektor Geh. Rat Dr. von Weech, 
Geh- Rat Dr. Wagner und die Archivräte Dr. Obser 
und Dr. Krieger aus Karlsruhe; Archivrat Dr. Tumbült 
aus Donaueschingen; femer die ausserordentlichen Mit- 
glieder: Professor Dr. Roder aus Überlingen, Professor 
Maurer aus Mannheim, Privatdozent Dr. Cartellieri aus 
Heidelberg, Stadtarchivar Dr. Albert und Professor Dr. 
Beyerle aus Freiburg, Archivassessor Dr. Brunn er aus 
Karlsruhe. Die ordentlichen Mitglieder Geh. Hofrat Pro- 
fessor Dr. Kraus und Geh. Hofrat Professor Dr. von 
^imson aus Freiburg; Geh. Kirchenrat Dr. Hausrath 
aus Heidelberg, sowie das Ehrenmitglied Reichsarchivrat 
I>r. ßaumann in München hatten ihr Ausbleiben ent- 
schuldigt. 

Als Vertreter der Grossh. Regierung waren zugegen 
der Präsident des Ministeriums der Justiz, des Kultus und 

Zcitsckr. f. Gesch. d. Oberrh. N. F. XVII i. i 



2 Bericht 

Unterrichts, Staatsrat Freiherr von Dusch, die Ministerial- 
räte Dr. Böhm und Seubert. 

Den Vorsitz führte, auf grund des § 5 des Statuts in 
Ermanglung eines Vorstandes, der Sekretär der Kommission, 
Geh. Rat Dr. von Weech. 

Vor Eintritt in die Tag'esordnung- widmete der Vor- 
sitzende dem Andenken des am i.Märzd. J. verstorbenen 
Vorstandes, Geh. Hofrat Professor Dr. Erdmannsdörffer, 
dessen Verdienste und hingebende Wirksamkeit im Inter- 
esse der Badischen Historischen Kommission und der 
badischen Landesgeschichte er rühmend hervorhob, warme 
Worte dankbarer Anerkennung; zu Ehren des Verstorbenen 
erhob sich die Versammlung von ihren Sitzen. 

Zum ersten Male seit dem Jahre 1883 hat infolge seines 
Rücktritts Seine Excellenz der Herr Staatsminister Dr. 
Wilhelm Nokk der Plenarsitzung nicht beigewohnt. In 
dankbarer Würdigung der grossen Verdienste, die der 
hochverehrte Staatsmann sich als Präsident des Grossh. 
Ministeriums der Justiz, des Kultus und Unterrichts durch die 
Gründung der Kommission und durch die Förderung ihrer 
Arbeiten erworben hat, sowie um den Herrn Staats- 
minister in dauernder Verbindung mit der Kommission zu 
erhalten, hat die Plenarsitzung einstimmig beschlossen, ihm 
den Ehrenvorsitz der Badischen Historischen Kommission 
anzubieten. Diesen anzunehmen, hat Seine Excellenz sich 
durch Schreiben vom 18. November bereit erklärt. 

Seit der letzten Plenarsitzung erschienen im Buchhandel 
nachstehende Veröffentlichungen der Kommission: 

Badische Neujahrsblätter. N. F. Viertes Blatt 
1901. Albert, P., Baden zwischen Neckar und Main in 
den Jahren 1803 — 1806. Heidelberg, C. Winter. 

Kindler von Knobloch, J., Oberbadisches Ge- 
schlechterbuch. IL Band , 3. Lieferung. Heidelberg, 
C. Winter. 

Obser, K., Politische Korrespondenz Karl Friedrichs 
von Baden. V. Band. Heidelberg, C. Winter. 

Witte, H., Regesten der Markgrafen von Baden 
und Hachberg. II. Band, i. u. 2. T-ieferung. Innsbruck, 
Wagner. 



^ Bericht 

der Plenarsitzung Bericht erstattet, beraten und beschlossen 
worden ist. 



I. Quellen- und Regestenwerke. 

Von dem durch Privat dozent Dr. Cartellieri bear- 
beiteten zweiten Bande der Regesten zur Geschichte 
der Bischöfe von Konstanz wird die unter Mitwirkung 
der Hilfsarbeiter Dr. Eggers und Dr. Rieder fertig 
gestellte fünfte (Schluss-) Lieferung im Laufe des nächsten 
Jahres ausgegeben werden. Zur Ergänzung des Materials 
sollen noch einige kleinere Archivreisen, für die haupt- 
sächlich die Archive in Arbon, Ravensburg, Stuttgart, 
Tübingen und Würzburg in Betracht kommen, unter- 
nommen werden. Die Arbeiten im vatikanischen Archiv 
konnten wegen schwerer Erkrankung des Bearbeiters 
Kurt Schmidt im Berichtsjahre nicht gefördert werden. 
Das Register — welches ein Verzeichnis der benützten 
Hilfsmittel, ein Namen- und Sachregister umfassen soll — 
wird der, an Stelle des auf i. April in den preussischen 
Archivdienst einberufenen Dr. Eggers, am 17. März neu 
eingetretene Hilfsarbeiter Dr. K. Ried er aus Freiburg 
bearbeiten. 

Über die Fortführung der Regesten der Mark- 
grafen von Baden und Hachberg hat Professor Dr. 
Witte in Hagenau einen ausführlichen Bericht erstattet, 
der als Beilage des Sitzungsberichtes abgedruckt ist. 

Für den zweiten Band der Regesten der Pfalz- 
grafen am Rhein hat der Bearbeiter Dr. Sillib, unter 
Leitung von Professor Dr. Wille, einen grossen Teil des 
gedruckten Materials gesammelt und gedenkt diese Arbeit 
auch im nächsten Jahre fortzusetzen. 

Von der Sammlung der Oberrheinischen Stadt- 
rechte wird das von Dr. Köhne, unter Leitung von Geh. 
Rat Professor Dr. Schröder, bearbeitete 6. Heft der 
fränkischen Abteilung, welches die Stadtrechte der 
Städte Wiesloch, Zuzenhausen, Ladenburg, Bretten, Gochs- 
heim, Heideisheim, Zeutem, Eppingen und Boxberg um- 
fassen soll, voraussichtlich im nächsten Jahre erscheinen. 
In der schwäbischen Abteilung bearbeitet Dr. Hoppeler 



6 Bericht 

Den zweiten Band der Wirtschaftsgeschichte des 
Schwarzwaldes und der angrenzenden Landschaften 
hofft Professor Dr. Gothein in Bonn im Lauf des nächsten 
Sommers zum Abschluss zu bringen. 

Für die Geschichte der rheinischen Pfalz hat 
Professor Dr. Wille die Vorarbeiten begonnen; zur Ver- 
vollständigung des Materials hat er für das nächste Jahr 
eine archivalische Reise in Aussicht genommen. 

Die Vorarbeiten für den 5. Band der Badischen 
Biographien, dessen Herausgabe Geh. Rat Dr. von 
Weech und Archivrat Dr. Krieger übernommen haben, 
konnten zu dem ursprünglicVi in Aussicht genommenen 
Termin nicht zum Abschlüsse gebracht werden, da bisher 
nur ein Teil der Beiträge eingeliefert worden ist; doch 
wird der Druck bestimmt im nächsten Jahre beginnen. 

Die Sammlung und Zeichnung der Siegel und 
Wappen der badischen Gemeinden wurde fort- 
gesetzt. Der Zeichner Fritz Held hat im Berichtsjahre 
für 7 Städte und 219 Landgemeinden neue Siegel bezw. 
Wappen entworfen und aus den Urkundenbeständen des 
Generallandesarchivs ca. 200 Siegel von Stadt- und Land- 
gemeinden verzeichnet. 

Von der Veröffentlichung der Siegel der badischen 
Städte liegen für das zweite Heft, welches die Kreise 
Baden und Offenburg umfassen wird, bereits die Probe- 
drucke vor. 

Von den vom Grossh. Statistischen Landesamt be- 
arbeiteten historischen Grundkarten des Grossherzogtums 
Baden konnten die zwei fertig gedruckten Sektionen Mann- 
heim und Mosbach vorgelegt werden. Der Abschluss des 
ganzen Kartenwerks wird im Jahr 1902 erfolgen. 



III. Ordnung und Verzeichnung der Archive der 
Gemeinden, Pfarreien u. s. w. 

Die Pfleger der Kommission waren auch im ab- 
gelaufenen Jahre unter der Leitung der Oberpfleger 
Professor Dr. Roder, Stadtarchivar Dr. Albert, Professor 
Maurer, Archivrat Dr. Krieger und Professor Dr. Wille 



8 Bericht 

der Kommission, für die Amtsdauer von 5 Jahren, den 
Hofrat Professor Dr. Alfred Dove in Freiburg vorzu- 
schlagen. Die Bestätigung erfolgte mit Allerhöchster Staats- 
ministerialen tschliessung vom 7. Dezember 1901. 

Ausserdem hat die Kommission den Dr. Friedrich 
Walter in Mannheim zum ausserordentlichen Mitgliede 
erwählt. Die Wahl wurde durch Erlass des Grossh. 
Ministeriums der Justiz, des Kultus und Unterrichts vom 
30. November 1901 bestätigt. 

Ständige Subkomniissionen: 

I. Für die Herausgabe der oberrheinis9hen 

Stadtrechte: 

Geh. Rat Dr. Schroeder, Vorsitzender, Stadtarchivar 
Dr. Albert, Professor Dr. B e y e r 1 e , Archivrat Dr. 
Krieger. Professor Dr. S t u t z , Professor Dr. Wieg and. 

n. Redaktionsausschuss der Zeitschrift für die 

Geschichte des Oberrheins: 

Der Vorstand, Hofrat Dr. Dove, der Sekretär, Geh. 
Rat Dr. von Weech, Geh. Hofrat Dr. Marcks, Hofrat 
Dr. von Simson und die beiden Redakteure Archivrat 
Dr. Obser und Professor Dr. Wiegand. 



über die XX. Plenarsit2UDg. 



Beilage. 



Bericht 

des Professors Dr. Heinrich Witte in Hagenau 

über seine Thätigkeit für die 

Regesten der Markgrafen von Baden und Hachberg 

während des Arbeitsjahres Herbst 1900 — 1901. 



Zunächst konnte der 2. Band der Regesten, diejenigen der 
Markgrafen von Hachberg enthaltend, eröffnet werden mit 
zwei Lieferungen, über die ich mir noch am Schluss einige 
Bemerkungen vorbehalte. An dieser Stelle möchte ich vor 
allem rühmend das ausserordentliche Entgegenkommen hervor- 
heben, das man mir für die Fertigstellung dieser Lieferungen 
namentlich in der Schweiz bewiesen hat, sowohl durch Zu- 
sendung einzelner Archivalien, Urkunden und Akten aus den 
Kantonalarchiven zu Bern und Zürich, dann aber auch 
einer Reihe von Regesien, aus St. Gallen durch Herrn Pro- 
fe>sor Dr. Dierauer, aus Bern durch Herrn Staatsarchivar Dr. 
Türlcr. 

Ganz besonders aber war das verflossene Arbeitsjahr ergebnis- 
reich für die badischen Regesten, sodass die Zahl der Regesten, 
namentlich für die Regierungszeit der Markgrafen Karl und 
Ciiribtof in erdrückender, ich möchte sagen, fast beängstigender 
Fülle zugenommen hat; ob in dieser Hinsicht der Höhepunkt 
trreits erreicht ist, lässt sich einstweilen noch nicht sagen. 

In erster Linie spendeten die Kopialbücher des Karls- 
ruher Archivs, deren Durcharbeitung systematisch weiter 
j;»rtührt ist, ein sehr reiches Material. Ich erfreute mich dabei 
C'-r Unterstützung des Hilfsarbeiters der Kommission Fritz 
hrankhauser, der gegen Oo Kopialbücher erledigte; seine 
Ke;:r^tfn zeichneten sich ebensosehr durch Genauigkeit, iils 
.:ur<. h sachkundiges Verständnis aus, sodass ich eine nochmalige 
K'jijationieruiig nicht mehr vorzunehmen brauchte. Ganz erheblicl» 
»iirdr die Arbeit dann noch dadurch gefördert, dass Frank - 
:.du&er in einem längeren Urlaub, einem früher von mir 
..'fäuiserten Wunsche gemäss, das Bezirksarchiv zu Strass- 
bcrg systematisch durcharbeiten konnte. Zwar bewies sich das- 



lO Bericht 

selbe nicht in einem solchen Masse ergiebig, wie ich erwartet 
hatte, aber gleichwohl war die Ausbeute recht annehmbar, und 
bei archivalischen Forschungen ist auch ein negatives Resultat 
nicht zu unterschätzen. 

Da ich die Karlsruher Kopialbücher hier in Hagenau 
bearbeiten musste, so wurde das Entgegenkommen der Herren 
vom Generallandesarchiv auf die härteste Probe gestellt und 
versagte nie. Ganz besonders muss ich hervorheben, wie sehr 
die Regesten noch dadurch gefördert wurden, dass diese Herren, 
so oft sie beim Repertorisieren auf nova bezüglich der Mark- 
grafen stiessen, mir davon Mitteilung machten oder machen 
Hessen, Wenn ich dann noch erwähnen darf, dass ich die 
Archivbibliothek in weitestem Umfang zu Hagenau benutzen 
durfte, so ist damit genügend ausgedrückt, in welchem Masse 
die Regestenarbeit dem Grossh. Generallandesarchiv verpflichtet 
ist. Auch ungeachtet der engen Beziehungen, die zwischen dem 
Herrn Direktor des Grossh. Landesarchivs und dem Herrn 
Sekretär der Badischen Historischen Kommission bestehen, halte 
ich es für recht und billig, dies hervorzuheben und der Histo- 
rischen Kommission kundzugeben. 

Nächst dem badischen Generallandesarchiv hat auch jetzt 
wieder bei der Weiterführung der badischen Regesten am meisten 
beigesteuert das Strassburger Stadtarchiv; zwar nicht mehr 
in solchem reichen Masse wie bei den letzten Lieferungen des 
ersten Bandes der Regesten der Markgrafen von Baden, sondern 
mehr sporadischer Natur, aber doch von unschätzbarem Wert 
für die politischen Beziehungen der Markgrafen, gerade weil das 
Karlsruher Archiv für diese Verhältnisse sehr arm ist. Wie im 
vergangenen Jahr habe ich auch jetzt wieder die einzelnen 
Faszikel der Abteilung AA des Stadtarchivs systematisch erledigt, 
und ich brauche nur zu bemerken, dass die Zahl der Post- 
sendungen von Urkunden und Akten des Strassburger Stadt- 
archivs die der gewaltigen Pakete aus Karlsruhe annähernd 
erreicht, um damit anzudeuten, wie sehr ich Herrn Stadtarchivar 
Dr. Winckelmann zu Dank verpflichtet sein muss. 

Die archivalische Frucht gedeiht nicht bloss an Ort und 
Stelle; je nach ihrem Besitzer kann man sie unter Umständen 
in derselben Güte zugesandt erhalten. Ich betone das, weil mir 
in neuerer Zeit auch aus preussischen Staatsarchiven sehr dankens- 
werte Förderung der Regestenarbeit zu teil wurde. Ich hatte 
die Ehre im vergangenen Jahre der historischen Kommission zu 
berichten, wie vortreffliche Aufnahme ich im Staatsarchiv zu 
Koblenz gefunden, welche Ausbeute ich dort gemacht hatte. 
Von Urkunden, die ich mir damals verzeichnet hatte, erhielt ich 
zweimal eine grosse Sendung von Pergamenturkunden mit hän- 
genden Siegeln. Aus Düsseldorf erhielt ich auf Anfrage 
wegen der Vehme zuvorkommendste Antwort, und aus Schleswig 
wurde ich von Herrn Geh. Archivrat Dr. Hille auf ein dänisches 



12 Bericht 

Wenig befriedigt war ich hingegen von dem Ergebnis meiner 
Nachforschungen in dem Bezirksarchiv zu Colmar, so 
reichlich die Ausbeute in den früheren Jahren war. Es handelte, 
sich damals um einen verhältnismässig kleinen Kreis von Beständen 
für die das dürftige, unvollendete Inventar des alten Departements- 
archivs nur halbwegs ausreichende Fingerzeige bieten konnte. 
Da dieses für die fernere Arbeit aber fortfallt, und Repertorien 
in nennenswertem Masse nicht vorhanden sind, so steht der 
spärliche Gewinn in keinem Verhältnis zu dem Arbeitsaufwand. 
Hingegen gestaltete sich der diesmalige Besuch des Stadt- 
archivs recht lohnend; namentlich fand ich noch verschiedene 
Urkunden aus dem 14. und eine Originalurkunde aus dem 
13. Jahrhundert. Da mir nun alles, was das Archiv sonst noch 
an Material enthält, zugesandt werden kann, darf auch das 
Stadtarchiv zu Colmar als erledigt gelten. In der Pfingstwoche 
besuchte ich dann noch das reichhaltige Stadtarchiv zu 
Oberehnheim, das ebenfalls verschiedene Nummern spendete ; 
die städtischen Rechnungen, die verschiedene die Markgrafen 
und ihre Pfeifer betreffenden Einträge enthielten, wurden von mir 
hier in Hagenau erledigt. 

Am II. Juli trat ich meine grosse Archivreise an, 
auf die ich hier nicht näher eingehe, nachdem ich darüber aus- 
führlich an den Sekretär der Kommission berichtet habe. Es 
mag genügen, wenn ich kurz das reiche Ergebnis andeute. Im 
ganzen wurden an 700 Regesten gewonnen; viel wichtiger aber 
ist es, dass Beziehungen angeknüpft wurden, die jetzt hier in 
Hagenau ausgenützt und verwendet werden können. In erster 
Linie handelt es sich hier um Esslingen. Das Archiv dieser 
ehemaligen badischen Schirmstadt steckt voll badischer Sachen. 
Von der grössten Bedeutung für die Regesten ist es aber, dass 
die Stadt fortlaufende Missivenbücher für das 15. und 
16. Jahrhundert hat, die eine geradezu unerschöpfliche Fund- 
grube darbieten. Ihre Bearbeitung nimmt daher sehr viel Zeit 
in Anspruch, und es ist ein sehr grosser Gewinn, dass Herr 
Oberbürgermeister Dr. Mühlberger seine Zustimmung gegeben 
hat, dass die Missivenbücher nach Hagenau gesandt werden. 
Von grossem Wert würde es sein, wenn sich etwas Ähnliches 
von dem Königlichen Staatsarchiv zu München erreichen Hesse. 
Es handelt sich hier um einige Kopialbücher des ehe- 
maligen Spon heimer Archivs, das mit Pfalz -Zweibrücken 
nach München gekommen ist, deren Bearbeitung in München 
sehr viel Zeit erfordern würde, die ohnehin dort schon vollauf 
für die nächsten Jahre in Anspruch genommen werden wird. 
Wie in Esslingen, so wird auch der Besuch in Wien erst 
dadurch recht fruchtbar, dass ich mir aus der Handschriften- 
abteilung des K. und K. Haus-, Hof- und Staatsarchivs eine 
Reihe von Bänden notiert habe, die mir nach Hagenau geschickt 



H 



Bericht 



briefe und Reverse sowie über Privilegien werden demnach wohl 
erst die Regesten der Markgrafen Karl und Christof Vorteil 
ziehen. 

Damit komme ich auf die Weiterführung der Regesten 
überhaupt. Der Druck der ersten Lieferung des 3. Bandes der 
Regesten, diejenigen der Markgrafen von Baden behandelnd, 
hat bereits begonnen. 

Einem mir kundgegebenen Wunsche des Verlegers der 
Regesten, Herrn von Schumacher (Wagnerische Universitäts- 
buchhandlung) in Innsbruck, auf raschere Weiterführung des 
Regestenwerkes entsprechend, glaube ich, mich verpflichten zu 
können, dass jährlich einstweilen zwei Lieferungen der Regesten 
der Markgrafen von Baden erscheinen. Dabei rechne ich 
bei Markgraf Jakob auf drei Lieferungen, während ich lür 
Markgraf Karl erst im nächsten Jahr einen Überschlag machen 
kann. Das Manuskript für die zweite Lieferung ist beinahe fertig; 
es könnte sich also der Druck der zweiten Lieferung gleich 
anschliessen. Es wäre ausserdem möglich, in diesem Jahre 
noch eine dritte Lieferung der Regesten der Markgrafen von 
Hachberg erscheinen zu lassen, die etwa bis 1467 reichen 
würde; zuvor ist aber noch eine Reise in die West-Schweiz 
nötig, namentlich nach Biel, Neuchätel und Freiburg, die um 
Ostern auszuführen wäre. Fernerhin würde dann ein um das 
andere Jahr eine Lieferung Hachberger Regesten erscheinen 
können; ein rascheres Tempo ist hier nicht wohl möglich, weil 
das Herbeischaffen des Materials auch innerhalb der vorgesehenen 
Beschränkung grosse Schwierigkeiten haben wird. Voraussicht- 
lich würden dann der 2. Band und der i. Halbband des 
3. Bandes, die beiden Markgrafen Jakob und Karl betreffend, 
zu gleicher Zeit fertig werden. 

Für die dritte Lieferung der Regesten des Markgrafen 
Jakob sowie für die Regierungszeit des Markgrafen Karl 
bedarf es noch umfangreicher archivalischer Reisen, die haupt- 
sächlich in den grossen Ferien auszuführen wären. Für Mark- 
graf Jakob handelt es sich hauptsächlich um seine Beteiligung 
an dem Städtekrieg, sowie um die Feststellung des latenten 
diplomatischen Krieges, den er gegen die Kurpfalz führte, 
in seinen einzelnen Phasen. Die überaus bedeutende Rolle, 
die Markgraf Jakob in der Bekämpfung der Vehme spielte, 
wird vielleicht eine Reise nach Münster notwendig machen, 
allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der Besuch wirklich 
lohnend sein wird. In erster Linie wird wieder ein längerer 
Aufenthalt in München notwendig sein, auch, wenn die Frage 
der Verschickung der gewünschten Kopialbücher in befriedigender 
Weise gelöst wird. Von der 3. Hauptabteilung des Münchener 
Staatsarchivs »Schwarz« habe ich noch keine Repertorien ein- 
sehen können, und es ist anzunehmen, dass für den Städtekrieg 
sich dort viel finden wird; ausserdem habe ich aus den 



l5 Bericht über die XX. Plenarsitzung. 

vielen Sponheimer Lehensurkunden. Da9 hatte um so weniger 
Bedenken als wenigstens der Orts-Name fast immer nur einmal 
vorkommt und gemäss den darüber festgelegten Prinzipien in 
späteren Fällen auf diese eine Urkunde verwiesen wird. In 
diesem Fall soll im Register durch den Druck auf die betreffende 
Urkundennummer, wo die Bestimmung gegeben ist, verwiesen 
werden. 

Dadurch wird viel Raum gewonnen. Eine andere Frage, 
die ich für spätere Zeit der Erwägung der Kommission unter- 
breiten möchte, ist, ob jeder Band sein Register erhalten oder 
ein Generalregister etwa im Ergänzungsband oder separat 
erscheinen soll. Ersteres würde handlicher sein, letzteres aber 
eine erhebliche Ersparnis bedeuten und ausserdem einen besseren 
Oberblick gewähren, namentlich insoweit es sich um einzelne 
historische Geschlechter handelt. 



Die Briefsammlung 

des 

bischöflichen Offizials Nikolaus Lindenstumpf 

aus Strassburg. 

Von 

Hans Kaiser. 



An andrer Stelle habe ich bereits den Codex G 4918 
des Strassburger Bezirksarchivs ausführlich beschrieben und 
darauf hingewiesen, dass in ihm auf 51 Seiten (437—487) 
eine Briefsammlung erhalten ist, die uns die Kenntnis 
schätzbarer Nachrichten zur Geschichte des vierzehnten 
und fünfzehnten Jahrhunderts vermittelt 1). Sie soll an 
dieser Stelle eine kurze Würdigung erfahren, da ihr Ver- 
tasser, wie sich aus dem Verlauf unserer Darstellung 
ergeben wird, ein Strassburger ist und ihre Bestandteile 
für das Arbeitsgebiet dieser Zeitschrift von Interesse sind. 

Einen Titel und den Namen des Sammlers weist das 
Brief buch nicht auf, doch ist die Persönlichkeit, der wir 
die Erhaltung der Stücke danken, nicht allzuschwer zu 
ermitteln. Einen ersten allerdings nur unvollkommenen 
Anhalt gewährt das eigne Werk, das gleich der den Band 
eröffnenden Sammlung des Petrus Blesensis bis zur Seite 458 
sorgfältig niedergeschrieben ist, worauf eine flüchtige Hand 
den Rei>t verzeichnet. Von dieser letzteren Hand finden 
Mch bei den aus den Jahren 14 17 und 14 14 stammenden 
Nummern 8 und 26 die Vermerke »ego dictavi*: und »ego 
cnncopic. Das erste Schreiben geht von der Stadt Strass- 
burg aus, das andere nur von einem Strassburger Bürger 



I) Historische Vierteljahrschnft III, S. 380 Anm. 2. 
Zcttsdir. L GmcIb. d. Oberrh. N.F. XVII. i. 



l3 Kaiser. 

und fällt daher für unsere Beweisführung fort, da es von 
jedem beliebigen öffentlichen Notar konzipiert sein kann. 
Die dem erstgenannten Briefe aber beigefügte Bemerkung 
giebt der Vermutung Raum , dass der Sammler der Schrift- 
stücke im Dienst der Stadt Strassburg gestanden hat. 

Mit dieser Erkenntnis allein wäre freilich nicht viel 
gewonnen , da es bei unserer höchst unvollkommenen 
Kenntnis des städtischen Kanzleiwesons im fünfzehnten 
Jahrhundert kaum möglich wäre, die vielleicht nur eine 
untergeordnete Rolle spielende Persönlichkeit zu ermitteln. 
Infolge der Vielgestaltigkeit des Materials läge vielleicht 
am nächsten, an den bedeutenden und vielgereisten Proto- 
notar Ulrich Meiger von Waseneck^) zu denken: die 
Schriftvcrgleichung beweist jedoch, dass er nicht der Ver- 
fasser sein kann. Aber glücklicherweise sind noch einige 
andere Anhaltspunkte vorhanden, die uns auf die richtige 
Spur zu leiten vermögen. Ein im Codex befindliches Lese- 
zeichen stellt sich als Bruchstück eines Briefes dar, der im 
Jahre 1439 an den bischöflichen Offizial Nikolaus Linden- 

• 

stumpf gerichtet ist. Denselben Namen weist ferner eine 
auf den Innendeckel der Handschrift geklebte Urkunde 
auf und der unsere Briefsammlung enthaltende Band 
endlich stammt aus der Bibliothek des Stifts Jung St. 
Peter 2j, dem Lindenstumpf, wie sich aus den weiter unten 
gebotenen Nachrichten zu seiner Lebensgeschichte ergeben 
wird, in den letzten Jahren seines Lebens als Kanonikus 
angehört hat. 

Nachdrücklich legen diese Entdeckungen uns nahe, 
der genannten Persönlichkeit weiter nachzugehen, zu er- 
forschen, ob die auf das Jahr 14 17 anzunehmende 
Beschäftigung in städtischen Diensten für sie zutrifft und 

*) Vgl. über ihn meinen Aufsatz in dieser Zeitschr. NF. 16, S. 161 — 206. 
— *) Laut Veimeik. Er ist verzeichnet in dem aus dem Jahre 1688 
stammenden Catilogus librorum S. Petii junioris Argentinensis (S. 6 u. 1 1), 
der Ch. Schmidt (Zur Geschichte d. ältesten Bibliotheken u. Buchdruckereien 
zu Strassburg S. 14) unbekannt geblieben ist iStrassb. liezirksarchiv G 4OI7). 
A. Schulte hat in einer Anzeige des Schmidlschen Werkes das Verzeichnis 
irrigerweise der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts zugewiesen 
(Westdeutsche Zeitschr. III, S. 150). Vgl. auch den inzwischen erschienenen 
Aufsatz von Gass im Strassb. Diözesanblatt NF. 3, S. 147 — 149. 



£0 Kaiser. 

richten verwerten kann» die aus urkundlichem Material 
gewonnen sind. 

Nikolaus Lindenstumpf entstammte einer in Strassburg 
ansässigen Familie, die aus Ofienburg eingewandert zu sein 
scheint. Häufig fehlt jedoch in den Urkunden der Familien- 
name, und er tritt uns nur als Nicolaus de Offenburg ent- 
gegen. In selteneren Fällen lernen wir ihn unter dem 
Namen Nikolaus Sonnenschein (Sunenschin, Sunescheyn) 
von Offenburg kennen*). Von seinen Familienverhältnissen 
ist uns nur bekannt, dass sein Vater den Namen Berthold 
führte. 

Im Jahre 1396 bezog Nikolaus die Universität Wien, 
wo er am 29. Juni 1398 die Würde eines baccalarius in 
artibus erlangte 2). Seine Studien setzte er später auf der 
Pariser Hochschule fort, wo er im Jahre 1401 zuerst auf- 
taucht. Zwei Jahre später erwarb er sich die Licenz und 
hatte wohl die Absicht, mit Vorlesungen in der philo- 
sophischen Fakultät zu beginnen »). Ob er diesen Plan 
iedoch ausgeführt hat, steht dahin: man könnte dagegen 
wohl anführen, dass er sich als Magister in artibus nun- 
mehr dem Studium des kanonischen Rechts zuwandte*). 
1407 siedelte er nach Bologna über, um dort am 5. Juli 
14 10 die Würde eines Licentiatus in decretis zu erwerben. 

Nach Strassburg zurückgekehrt trat er beim bischöf- 
lichen Hofgericht als Sachwalter ein^), um bald darauf 
nebenbei noch in ein Dienstverhältnis zu der Stadt Strass- 



*) Die Identität wird durch die Thatsache bewiesen, dass Lindenstumpf 
und Sonnenschein dasselbe Wappen führen: einen Baumstumpf mit zwei 
Lindenblättern, vgl. Strassb. Bez. Archiv G 3003 (i) und 4227 (4) sowie 
anderseits G 2968 (9). — *) Auctarium chartularii universilatis Parisiensis I, 
S. 838 Anm. 7. — 3) Ebenda S. 838, 841, 858, 859. — *) Ich beziehe auf 
L. folgendes auf S. 508 des Codex unter den Rotuli der deutschen Provinz 
zu Paris sich findende Bittschreiben: Supplicat sanctitati vestre devotus vester 
orator Ny[colaus] clericus Argentinensis dyocesis, m[agistcr] in artibus Pary- 
siensis et studens in facultate decretorum, quatenus sibi graciam facicntes 
specialem de beneficio ccclesiastico vacante vel vacaturo cum cura vel sine 
spectante communiter vel divisim ad collacionem etc. talis etc., non obstante 
quadam capella, cuius fructus in portatis ultra 12 libras se non cxtendunt, 
cum aliis dausulis oportunis etc. — Auf welche Pfründe der Bittsteller sich 
bezieht, wissen wir nicht. — *) Zuerst bezeugt am 6. September 1412 (Str. 
Bez. A., Aust. m. Baden I, Nr. 240). 



22 Kaiser. 

das er 1424 1) etwa übernahm und auch unter Wilhelms 
Nachfolger Ruprecht zunächst versah. Als Vertreter seines 
Herrn nahm er seit dem Dezember des Jahres 1431 an 
den Verhandlungen des Conzils zu Basel teil 2), 

Ungefähr zu gleicher Zeit, um 1441, hat Nikolaus 
den bischöflichen Dienst und die Dekanatswürde bei St. 
Thomas aufgegeben»). Die Ursache seines Rücktritts 
dürfte in körperlichen Gebrechen zu suchen sein, wenig- 
stens muss er um dieselbe Zeit Bischof Ruprecht auf 
seine Aufforderung, nach Zabern zu kommen, aus diesem 
Grunde einen verneinenden Bescheid geben*). Freilich 
war ihm noch ein längeres Leben beschieden als er ahnen 
mochte. 

In den Kreisen des Strassburger Klerus nahm Linden- 
stumpf, nach seinem Verzicht auf die oben genannten 
Würden mit einem Kanonikat bei Jung St. Peter ent- 
schädigt*), zweifellos eine angesehene Stellung ein: zu 
wiederholten Malen tritt er als Schiedsrichter in Streitig- 
keiten geistlicher Personen und Institute auf. So ver- 
mittelte er, um nur einige Beispiele anzuführen, zwischen 
Kloster Selz und dem alten Hospital zu Hagenau, zwischen 
Alt St. Peter und dem Domkämmerer Friedrich von ZoUem, 
zwischen dem Letzteren und dem Dompropst Johann von 
Ochsenstein, zwischen St. Thomas und Jost Albrant«). 
Auch der Bischof nahm, wie wir gesehen haben, seinen 
Rat in Anspruch. 

Der Prozess zwischen Albrant und dem Stift St. 
Thomas (1451 — 53) giebt die letzten Nachrichten zu 
Lindenstumpfs Lebensgeschichte, Jahr und Tag seines 
Todes sind nicht bekannt. 



*) Vgl. den von Knod angeführten Beleg. Die beiden in seinem Artikel 
dtierten Aktenstücke aus dem Thomas-Archiv konnten infolge der dort z. Z. 
vorgenommenen Neuordnung der Bestände nicht aufgefunden werden. — 
*) Haller, Concilium Basiliense, II, S. 20 u. 8i. — ^) 1442 erscheint Conrad 
Brach als Dekan bei St. Thomas (Schmidt a. a. O.). Als bischöflicher 
Offizial erscheint am 12. März 1442 Johann v. Steinborn, vgl. Strassb. Bez. 
A. G 347 (11). — *) Konzept auf einem Blatt im Codex. 1442 eingereiht 
wegen der im Schreiben erwähnten Angelegenheit des Erhard Rüdiger, 
vgl. Strassb. Bez. A. G 347. — *) 1441 zuerst als solcher bezeugt (Knod 
a. a. O.). — •) Vgl. Strassb. Bez. A., Aust. m. Baden I, 246; G 4227 (4); 
G. 3003 (I); Knod a. a. O. 



Briefsammjung Lludenstumpf. 23 

Es erübrigt noch, über die Anlage des Briefbuchs und 
seine Zwecke ein Wort zu sagen. Man wird mit Sicher- 
heit annehmen können, dass diese Zusammenstellung der 
aus den verschiedensten Schreibstuben stammenden Schrift- 
stücke wie die den grossten Teil des Bandes einnehmende 
Sammlung des Petrus Blesensis die Vervollkommnung des 
Stils ins Auge fasste. Der Codex mag als Hand- und 
Xachschlagebuch für die Entwerfung von Schriftstücken 
gedacht sein, darauf weisen wenigstens die zahlreichen 
Randnoten hin. 

Die sorgfaltiger geschriebene Sammlung des Petrus 
Blesensis ist nach Lindenstumpfs eigenhändigem Eintrag 
am 22, August 14 18 abgeschlossen, die 16 ersten For- 
mulare seiner Zusammenstellung sind ebenfalls noch von 
dem Schreiber eingetragen, dann hat der Autor selbst die 
Arbeit weitergeführt. Aus dem Schriftduktus scheint 
hf*r vorzugehen, dass er in mehreren Absätzen die Briefe 
abschrieb, auch verglich er die von ihm nicht eingetragenen 
Nummern mit den Vorlagen und versah sie gegebenenfalls 
mit Überschriften. Die beiden letzten Stücke können aus 
zeitlichen Gründen erst nach 1420 hinzugefügt sein; auch 
5ie sind nicht gleichzeitig niedergeschrieben. Das Original 
des letzten Briefes fand sich noch im Codex vor. 

Dem Zweck des Briefbuchs zufolge legte Nikolaus 
auf Namen und Daten an und für sich keinen grossen 
Wert: sie fehlen häufig oder sind stark gekürzt, bei wich- 
tiijeren Schriftstücken mag indessen doch, wenn man so 
sagen darf, ein historisches Interesse die vollständige Ab- 
schrift veranlasst haben. 

Das verschiedenartige Gepräge, das die Zusammen- 
stellung inhaltlich aufweist, legt es nahe, auf die unschwer 
zu beantwortende Frage einzugehen: wie sammelte Linden- 
stumpf? Ein grosse Anzahl der Briefe ist zweifellos in 
i^trassburg durch seine Hände gegangen J), zwei hat er 
s*>i^ar selbst entworfen. Andere Briefe über kirchliche 
Vt.-rhaltnisse des Elsass konnte er als Geistlicher leicht 
kennen lernen 2), eine weitere Anzahl von Schriftstücken 

) Nr. 7. 8. 15. 16. 23. 26. 27. 31. 32. Auch Nr. 14 ist wohl in 
diesem Zusammenhang zu nennen. — *) Nr. 17. 20. 24. 28. 



24 



Kaiser. 



ist allgemeiner Natur und wohl in weiteren Krei&en bekannt 
gewesen'). Auf den Pariser Studienaufenthalt endlich 
weisen mittelbar oder unmittelbar die Briefe französischer 
Herkunft •). 

Ich darf an dieser Stelle den Hinweis nicht unter- 
lassen, dass die der Briefsammlung folgenden Papierlagen 
ebenfalls Aufzeichnungen Lindenstumpfs übermitteln. Ver- 
schiedene Schreiber sind hierbei thätig gewesen, wir finden 
ausser der bekannten Praktik des Laurentius von Aquileja 
zahlreiches Material zur Geschichte der Universität Paris»); 
die drei letzten Stücke scheint der Sammler aus Italien in 
die Heimat gebracht zu haben, sie liegen zeitlich alle kurz 
vor seiner Ankunft in der Stadt des Petronius, für deren 
Geschichte grade das letzte Schreiben in Betracht kommt*). 



I. 

Das Domkapitel von Lüttich an den Herzog von 
Burgund: ist seinerzeit bei der Obedienz des verstor- 
benen Papstes Urban VI. verblieben, dessen Absetzung 
es für ungiltig hält. Bittet, in Zukunft jede Beein- 
flussung in anderem Sinne unterlassen zu wollen und 
warnt vor den Umtrieben der clementistischen Partei. 

[1390]» Januar 4 [!]. 
Epistula ista fuit r[evcreDdissimo] Leodiensi ad ducem Burgundie 
super facto scismatis. »Ut dominacio vestra super illis«. Scriptum 
mense Januarii die quarta. — Zweifellos identisch mit dem von Valois 
(Le grand schisme d'occident II, S. 299) erwähnten Brief des Dom- 
kapitels, das aber das Datum des fünften Januar trägt Linden- 



^) Nr. 9. 10. 18. 21. 22. 30. — *) Nr. i. 2. 3. 4. 5. 6. 11. 12, 13. 
25. 29. Auszuscheiden ist Nr. 7, da das Schreiben an die Stadt Strassburg 
gerichtet und dort wohl dem Autor bekannt geworden ist. — '') Die Rotuli 
der deutschen Provinz (vgl. oben S. 20 Anm. 4) sind leider stark gekürzt und 
flüchtig geschrieben. — *) Schreiben P. Gregors XII. an Petrus de Luna 
1406, Dezember 5; Wahlinstrument P. Gregors XII. 1406, November 23 
und Schreiben P. Benedikts XIII. an die Stadt Bologna 1406, November 24. 
— Unter dem Wahlinstrument Gregors steht der Satz: Et coronabitur in 
die nativitatis domini, qui, ut dicitur, devotissimus est et conscienciam habens 
opdmam. Das Futurum legt nahe, anzunehmen, dass Nikolaus zur Zeit der 
Wahl in Rom gewesen ist und das Schriftstück zwischen Wahl und 
Krönung abgeschrieben hat. Von Rom wird er dann nach Bologna 
gezogen sein. 



20 Kaiser. 

drei Erzbischöfe und des Pfalzgrafen am 4. Juli 1400 in Paris sein 
sollten (vgl. Reichstagsakten III, S. 199 — 201, bes. S. 200, Anm. i). 
Kurz danach muss der Brief geschrieben sein. Über den Aufenthalt 
des griechischen Kaisers und den geistigen Zustand des Königs vgl. 
Berger de Xivrey i. d. M6moires de Tlnstitut de la France XIX, 
S. 99 u. 106. Der Patriarch von Alexandria ist Simon von Cramaud. 



Magister Livinus [Neveling] an Nikolaus [Linden- 
stumpf]: bittet um bri efliche Nachrichten und wünscht, 
dass ihm das Andenken des Adressaten niemals ent- 
fremdet werde. Schreibt über die vom Adressaten im 
Rotulus des Herzogs von Orleans und der Universität 
Paris erbetenen Beneficien, in Paris habe er fünf Mit- 
bewerber, vielleicht werde er aber doch an's Ziel 
seiner Wünsche gelangen. 

Gent, erstes Jahrzehnt des fünfzehnten Jahrhunderts. 

Sequitur alia epistula rethoricalis. »Vestrarum mihi nuper trans- 

missarum«. Scriptum Gandavi. — Über Neveling vgl. Chartul. un. 

Paris. IV und Auctarium chartularii II, sowie Repertorium Germa- 

nicum I, passim. 

5. 

Derselbe an denselben: beklagt sich, dass der 
Adressat seiner ganz vergessen habe, erinnert an die 
zwei Jahre lang gepflegte Freundschaft und bittet ihn, 
seine Saumseligkeit wieder gut zu machen. Wünscht 
Bericht darüber, was der Rotulus dem Adressaten 
gebracht habe und erbittet Briefe nach Gent, wo er 
mit seinem Herrn von St. Peter wohnt. 

[Gent, Datum wie oben]. 
Sequitur alia pulcherrima epistula rhetoricalis et iocosa. »Votiva 

reco:nendacione quamquam vestris negliencia«. — Wer mit dem »Herrn 

von St. Peter« gemeint ist, bleibt fraglich. 

6. 

Derselbe an denselben: ist im Auftrage seines 
Herrn von St. Peter nach Paris zurückgekehrt und 
bittet den Adressaten um Nachric hten über sein Wohl- 
befinden [Bruchstück], [Paris. Datum wie oben]. 

Ohne Überschrift. — »Votiva recommendacione quamquam predictum 

certis ex causis«. 

7. 

König Karl VI. von Frankreich an die Stadt Strass- 
burg: schildert den gewaltigen Aufstand der Pariser, 
der sogen. Cabochiens. [14 13, September 18]. 



Briefsammlung Lindenstumpf. 27 

Ohne Oberschrift, offenbar gekürzt. 9Res et negocium ingens«. — 
Dasselbe Schreiben vom gleichen Tage mit der Adresse König Sigmunds 
in der Vatikanischen Bibliothek Cod. Pal. 594« fol. 6 (vgl. Finke, 
Acta Concilii Constantiensis I, S. 219 Anm. 2). Sachlich, öfter auch 
wörtlich fil>ereinstimmend mit dem breiter angelegten Schreiben, das 
in der Chronique du Religieux de Saint-Denis V, S. 170 ff. über- 
liefert ist. 

8. 

Meister und Rat der Stadt Strassburg an Papst 
Martin V.: bitten ihn, den nach dem Tode Bischof 
Hamberts von Basel von dem dortigen Capitel erwählten 
Domcantor Hartmann Munch zu bestätigen. 

[1418, Juni 22 — September 2]. 
Recommendatoria epistula. »Quoniam certissime constat«. — Hum- 
bcrts Todestag ist der 22. Juni (Vautrey, Hist. des 6vÄques de Bäle I, 
S. 4601, Hartmann ward am 2. September providiert (Eubel, Hierarchia 
cathol. S. 133). Seine Candidatur war offenbar auch von der Stadt 
Basel unterstüt7t, da die Strassburger als Erklärung ihrer Bitte angeben 
dem Elekten und der Stadt »singulari federe amicicic« verbunden zu 
sein. Der Brief ist vielleicht durch den Protonotar Ulrich Meiger 
überbracht, der im Juli 14 18 am päpstlichen Hof lager zu Genf weilte, 
V|»l. meinen Aufsatz in dieser Zeitschr. NF. XVI, S. 193. 

Der Cardinal von Genf an Kaiser Karl IV.: zeigt 
die einmütige canonische Wahl Urbans VI. an. 

Rom. 1378, April 1 4. 
Cardinalis Gebennensis direxit sequentem cpistulam ad imperatorem 
Karolum quartum super eleccionc archiepiscopi Barcnsis in summum 
ptintiticem. >Post felicis recordacionis occasum«. Scriptum Rome die 
XHII. Aprilis indicione prima anno 1378. — Abgedruckt bei Pastor, 
Gesch. der Päpste I*, S. 686—687, ^'ß^- *"ch S. 104. Neuerdings hat 
Steinherz in den Mitt. d. Inst. f. östcrr. Gesch. 21, S. 608 Anm. i aus 
einer Wiener Hs. eine Reihe von Abweichungen verzeichnet, die sich 
fast sämtlich auch in unserem Texte finden. 



10. 

Das CardinalkoIIegium an König Wenzel: teilt die 
Wahl Papst Urbans VI. mit. Rom. 1378, Mai 8. 

Imperatori K.arolo quario collegium cardinalium. »Quia plcrumque 
vmmo plurimumc. Datum Rome die VIII. mensis Muii indicione 
prima anno a nativiute domini MoCCCOLXXVliP. — Abgedruckt bei 
Palacky, Über Formelbücher in: Abhandl. d. K. bohm. Ges. d. Wiss. 
V. Folge V, S. 29 ohne Datierung. Die hier gescizte Überschrift ist 
falsch, wie aas dem Anfang des zweiten Satzes hervorgeht. 



28 Kaiser. 

II. 

Herzog Ludwig von Orl6ans an Herzog [Leopold IV.] 
von Österreich: tadelt ihn, dass er der väterlichen 
Tradition entgegen die ihm unterworfene Bevölkerung 
der Constanzer Diöcese der vor 25 Jahren erwählten 
Unterordnung unter Avignon und dem zum ständigen 
Administrator ernannten Bischof Heinrich von Alet zu 
entfremden suche. Bittet um Duldung der Clementisten. 

Paris. [1405, etwa November]. 
Epistnla directa daci Austrie per ducem Aurelianensem. »Vot 
vestrique coDsilii sapieotes«. Für die zeitliche Bestimmung bietet ausser 
dem folgenden Brief die Erwähnung einen Anhalt, dass die Bevöl- 
kerung des Bistums seit 25 Jahren zum clementistischen Obedienzkreise 
gehöre: Leopolds. IV. Vater war im Jahre 1380 auf die Seite Clemens* VII. 
getreten (Haupt in dieser Zeitschr. NF. V, S. 273). Dieser Brief 
dürfte Haupts Urteil über die Duldung der Clementisten durch die 
österreichischen Herrscher (S. 297) doch modificieren. Ober Heinrich 
von Alet vgl. Poinsignon im Freiburger Diözesan- Archiv 14, S. 239 — 248. 

12. 

Herzog Ludwig von Orleans an die Stadt Freiburg: 
hat vernommen, dass die dortigen Bürger mit Gewalt 
der Obedienz Papst Benedikts und des Administrators 
der Constanzer Diözese entfremdet werden sollen, ist 
deshalb bei den Herzögen von Österreich vorstellig 
geworden und mahnt zur Ausdauer. 

Paris. [1405, November 16]. 
Dux Aurelianensis misit etc. »Laudabilibus tide dignorum rela- 

cionibus«. Unediert, weil ganz ähnlich abgefasst wie das Schreiben 

König Karls VI. vom 8. November, vgL Schreiber, U-B. der Stadt 

Freiburg II, S. 205. 

13. 

Die Stadt Florenz an König [Karl V.] von Frank- 
reich: bittet um Schutz für ihre in seinem Reiche sich 
aufhaltenden Bürger mit dem Bedeuten, dass der Kampf 
mit dem Papsttum beendet sei. Der Friede ist mit 
Urban VI. abgeschlossen worden, der damals noch all- 
gemein — auch von dem ehemaligen Cardinal von 
Genf — als rechtmässiges Oberhaupt der Kirche be- 
trachtet ward. ['379» Frühjahr], 

Ad regem Francie per Florentinos missa est deprecatoria. >LitterES 
gloriosissime maiestatis vestre«. Vielleicht richtet sich dies Schreiben gegen 
Repressalien, die eine Folge des im Frühjahr 1379 von Karl V. unter- 
nommenen vergeblichen Werbens für Clemens waren (vgl. darüber Valois I, 
S. 1 54 ft.). Die Präliminarien des Friedens mit der Kirche waren am 28. Juli 



I 



Briefsammlun^ LiodeDstumpf. 2Q 

1378 za Tivoli festgesetzt worden, die feierliche Verkündigung erfolgte 
indessen erst nach der Wahl des Gegenpapstes, am 23. Oktober 
(Peirens, Hist. de Florence V, S. 176—179). 

14. 

Bischof Raban von Speier an den päpstlichen 
Kammerauditor Hermann Twerch: bittet ihn, beim 
Papste die Bestätigung der durch das Augsburger 
Capitel getroffenen Wahl des Strassburger Dekans 
Eberhard von Kirchberg zu betreiben. Auch der 
Köcig habe in diesem Sinne an den Papst geschrieben. 

Heidelberg. 1404, April 25. 
Recommendatoria epistula. »Augustensi ecclesia per obitum«. Datum 
Heidelberg ipsa die Marci e wangeliste anno domini millesimo quadrin- 
gentesimo quarto. Eberhards Wahl ward am 30. Mai bestätigt (Eubel 
S. 118). Der seine Erhebung befürwortende Brief König Ruprechts 
scheint nicht bekannt zu sein, ist wenigstens bei Chmel nicht auf- 
geführt. Ober Twerch vgl. Knod, Deutsche Studenten in Bologna 
Nr. 697. 

15. 

Wilhelm, Elekt von Strassburg, an Magister Georg 
von Pala, Scriptor und Abbreviator der päpstlichen 
Kanzlei: will seine an den Papst gerichtete Bitte um 
Erhebung Eberhards von Kirchberg auf den Augs- 
barger Bischofsstuhl befürwortet wissen. 

Strassburg. [1404], April 15. 
Ohne Überschrift. »Scribimus domino nostro pape«. Scriptum 

Arg[cntine] die XV. mensis Aprilis. — Vgl. das vorige Schreiben. 

Georg von Pala besass auch bei St. Thomas in Strassburg eine 

Pfründe, vgl. Ch. Schmidt, Hist. du chapitre de Saint-Thomas de 

Strasbourg S 277. 

16. 

Eberhard, Domdekan zu Mainz, an Dekan und 
Capitel zu Strassburg: hat vernommen, dass der neue 
Papst Martin V. dem römischen König den Zehnten 
Aller geistlichen Einkünfte im Gebiete der deutschen 
Nation verliehen hat, und fordert zur Hescliickung 
eil» er auf den 7. September anberaumten Capitclvi-r- 
>ammlung auf, in der über die dieser \'erlei hiinu: 
gegenüber zu treffenden Massnahmen beraten werden 
iol:. Mainz, i 4 i 8, August 20. 

Ohne Überschrift. »Quia multorum relacione«. Datum Ma},'un[oic] 
feria sexta proxima pobt dicm bc^^ti Bartholomci apo^t(>li anno lioniini 
M* quadringentesimo decimo octavo. — Die Verleihung de.s Papstes 
«ummt vom 26. Januar 1418 (Altmann, Die Urk. K. Sigmunds Nr. 2851a). 



30 



Kaiser. 



17- 

Peter, Prior von St. Valentin in Rufach, an den 
Prior von St. Maria in Campis bei Metz: ersucht ihn, 
drei oder vier Ersatzleute für einige von der Pest 
hinweggeraffte Brüder beim Prior von Ch6zy-sur-Marne 
zu erbitten. Strassburg. 1418, September 24. 

Ohne Überschrift. »Quia pestilencialis morbusc Datum Arg[enune] 
VIII. kal. Octobris anno XVIIP. — Über das Verhältnis von St. 
Maria in Campis zu St. Valentin in Rufach und ihre Stellung zu 
Ch6zy-sur-Marne (Cassiacum) vgl. Grandidier-Ingold III, S. 238, Anm. I 
und Repertorium Germ. I, Nr. 488 u. 2644. Unter dem Rufacher 
Prior wird Petrus Mercatoris de S. Innerula zu verstehen sein, der am 
5. September 1430 gestorben ist (Grandidier-Ingold HI, S. 240). Eine 
Pestkrankheit wird von Strobel (Vaterl. Gesch. d. Elsasses III, S. 186) 
zum Jahre 141 9 erwähnt. 

18. 

Manifest der dreizehn in Anagni versammelten 
Cardinäle: Urbans VI. Wahl wird für ungiltig erklärt 
und die Erledigung des päpstlichen Stuhles aus- 
gesprochen. Anagni. 1378, August 9. 

Sequens epistula missa fuit a cardinalibus, qui fuerunt pro de- 
mente 7", Omnibus Christi fidelibus. »Exigit sancte et katholice fidei 
puritas«. Datum Annanie . . . anno a nativitate domini 1378^ die 
IX* Augusti ... — Gedruckt bei Baluze, vitae paparum Avenionen- 
sium I, S. 542 — 547. 

19. 
Titulaturen und Exordien. 

20. 

Johann, Abt von Selz, an den Abt Robert von 
Clugny: hat die Weisung erhalten, zwei seiner Mönche 
nachClugny zuschicken, was ihm jedoch nicht möglich 
war. Er erklärt die Verzögerung dieser Benachrich- 
tigung durch die Anwesenheit des Königs und andere 
Vorgänge und beglaubigt den Dekan des Klosters. 

14 I 9, Juli. 
Epistula abbat! Cluniacensi. »Dudum placuit vestre patemitati«. 
Datum in Salsensi michi commisso monasterio die tali anno XIX. — 
Schreiber des Briefs ist der Abt Johann von Fleckenstein (vgl. über 
ihn Vautrey, Hist. des 6v6ques de Bäle I, S. 468 ff.). Das Verhältnis 
zwischen den beiden Klöstern war am 18. April 14 18 dahin klargestellt 
worden, dass Selz Clugny unterstellt sein sollte (Strassb. Bez.-Archiv, 
Aust. m. Baden I, Nr. 248). In der gleichen Urkunde wird als Dekan 



BriefsammlüDg Lindenstumpf. ßl 

ein gewisser Thidericus genannt. Über die beiden mit Jo. und Dye. 
bezeichneten Mönche lassen sich bestimmte Nachweise nicht geben. Für 
die zeitliche Bestimmung vgl. Altmann, Nr. 3262 — 3313. 



21. 

König Eduard III. von England an den Papst 
Clemens VI.: wendet sich im Einverständnis mit dem 
Parlament gegen jede Bevormundung in kirchlichen 
Fragen; der Papst soll sich nicht in kirchliche Wahlen 
einmischen und keine Beneficien verleihen. 

Westminster 1343, September 7 [!]. 
Missiva, quam rex Anglie misit domino pape, ut beneficia in partibus 
Anglie conferre posset. »Pensata sedis apostolice clemenciac. Datum 
apud Westmon. etc. die VII. Septembris anno regni nostri Francie 
quinto, regni vero nostri Anglie decimo septimo. — Druck bei Rymer, 
Foedera IP, S. 1233 ff. mit dem wohl vorzuziehenden Datum vom 
to. September. 

22. 

Auszug aus der JubiläumsbuUe Papst Clemens' VI. 
vom 27. Februar 1349 nebst Glossen aus dem Appa- 
ratus des Johannes Monachus. 

Über Job. Monachus und seine Werke vgl. Hurter, Nomenciator 

literahus IV, S. 414 ff. 

23. 

Der Clerus aus Stadt und Diözese Strassburg an 
den Papst: entschuldigt sich, dass er die Sentenzen 
gegen den im Lande allzu mächtigen Ludwig den Baier 
nicht vollstreckt habe und beglaubigt Meister Ulrich 
[von Döffingen], Canon ikus bei St. Adelphus in Neu- 
weile r. 134Ö, Ende Juli. 

Missiva missa per derum dyocesis Arg[entinensis] domino Clementi 

pape sexto super excusacione etc. 

Sanctissimo in Christo patri ac domino suo domino Clementi 
divina providencia sacrosancte Romane ac universalis ecclesie 
sammo pontifici devotissimi sui archiprespiteri, plebani, sacerdotes 
et universi clerici civitatis et dyocesis Arg[entinensis] cum omni 
humiiitate devota pedum oscula beatorum. Si conscienciarum 
et nature dominus et magister de se dicens >spiritus quidem 
promptus est, caro autem infirma«, humane nature persecucionis') 
tempore fragilitatem ostendit, quod et monstrarunt gutte sudoris 
eiui tamquam saguinis currentis in lerram. Si apostolorum 
priiiCeps ad loquelam mulieris magistrum negavit et tamen fidclior 



*> Cod. undeutlich. 



32 



Kaiser. 



resargenti post lapsum, si beatus Greg[orius] cum potpnti patricio 
de bonis ecclesie propter scandalum non contendit, quis nobis 
heu mente et corpore fragibilibus corpora dabit ferrea aut corda 
adamantina, ut exasperatam ^) in nos hüs diebus provocemus 
amplius furiam populorum? £cce convocavit nos pridem reve- 
rendus in Christo pater dominus noster Bertholdus episcopus 
Argentinensis ad opidum suum Mollisheim ad feriam quartam 
ante diem beati Jacobi apostoli, apostoiica et sua auctoritate 
nobis iniungei^s, ut litteras vestre sanctitatis sibi nuper directas 
nobisque cxhibitas et intimatas contra dominum Ludewicum de 
Bauwaria, magnum et potentem illarum parcium principem, 
aspera continentes in ecciesiis nostris publicaremus et wlgariter 
exponeremus singuhs diebus dominicis et festivis^) iuxta earundem 
continenciam litterarum. Cui unanimiter cum filiali obediencia 
et paterna reverencia respondimus, quod, cum idem potens 
dominus teneat Alsaciam, in qua est Arg[entinensisJ dyocesis, 
per se et presides suos adhuc adeo potenter, sicud aliquis regum 
Romanorum eam tenuit hüs temporibus retroactis, nee in hiis 
partibus adhuc senserimus potenciam nos volentem defensare 
illustrissimi principis domini Karoli de Bohemia novi regis electi 
nee ipse pater dominus noster episcopus nos defensare posset 
a provocata in clerum propter eorundem dominorum guerram 
de presenti tyrannide laycorum, nos publicare huiusmodi rigida 
mandata pre timore non solum perdicionis et mortis nullatenus 
audcremus, petentes ab ipso domino nostro episcopo, quatenus 
huiusmodi iniunccioni ex causa huius iustissima supersedere 
dignaretur, quousque huiusmodi necessitatem nostram ad vestram 
possemus deducere clemenciam sanctitatis, cuius paternam pie- 
tatem non confideremus nos ad hec artaturam, quod racio 
refugit, demones vitant et a quo omne ius et equitas nos 
excusant. Hoc enim, quod scribimus, est^) omni manifestius 
manifesto. Timemus enim, si exasperetur fervescens*) Caritas 
laycorum extincta scintillula, si quam habent, omnis destruatur 
in partibus reverencia clericorum. Quocirca vestre beatitudiuis 
clemenciam voto flebili deprecamur, quatenus more pii patris 
nos devocionis et obediencie filios ab execucione huiusmodi 
processuum subportatos et excusatos habere dignemini de pre- 
senti. Nam si predicti domini ac domini nostri episcopi adeo 
vigere cerneremus in illis partibus potestatem, quod nos possent 
ab huiusmodi oppressionibus defensare, devoto auimo exequere- 
mur, sicud et hactenus fecimus omnia et singula, que nobis a 
sanctitate vestra et a sancta matre ecclesia mandarentur, quam 
electam utique sponsam suam imperator celestis adunare et ad 
terrorem infidelium pacificare dignetur. Pro quibus vestre^ dar ius 
beatiludini exponendis industriosum virum magistrum Ülricum 



*) Cod. urspgl. ex aspera tarn, die richtige Lesart am Rande. — 
*) Cod. festis. — ») Cod. urspgl. in, dann est, auch dies ist getUgt. — 
') Cod. fergescens. 



34 



Kaiser. 



kard Burggraf im Besitze der vor Jahresfrist etwa 
erlangten Propstei von St. Thomas zu Strassburg 
belassen möge. Hofft selbst zum Conzil kommen zu 
können. Strassburg. 1414, November. 

Missiva directa comiti Sabaudie. »Noverit vestra dignitas«. Datum 
Arg[entine] sabbati post Martini episcopi anno XIIII. — Der Ab- 
sender ist wohl mit dem 1401 nach Italien ziehenden Ritter gleichen 
Namens identisch (Strobel, Vaterl. Gesch. d. Eis. III, S. 62, Anm. 2). 
Burkard B. studierte 1397 in Heidelberg, wird im gleichen Jahre als 
Cunonikus bei St. Thomas, 1408 als Custos erwähnt, f 28. August 
1437 in Worms, wo er eine Dompfründe besass (Ch. Schmidt, Hist. 
de r^glise de St. Thomas S. 271 und Knod in dieser Zeitschr. 
NF. VII, S. 338). 

27. 

W[ilhelm] von Mülnheim, der Meister und der Rat 
der Stadt Strassburg an das vom Konstanzer Conzil zur 
Entscheidung ihres Streites mit dem Elekten bestellte 
Richterkolleg: sprechen ihm ihr Zutrauen aus und 
bitten um geneigtes Wohlwollen. [1417]. 

Missiva directa per magistrum et consules civitatis Arg[entinensis] 

iudicibus per concilium Constan[cienseJ deputatis in causa episcopi 

Arg[entinensisJ. »Ad vestras reverendissimas paternitates«. — Wilh. 

V. M. war 14 17 Stettmeister (Hertzog, Edelsasser Cronick: Von der 

Stadt Sirassburg das 8. Buch, S. 72). 

28. 

Jacobus de Orbaco, Prior von St. Valentin zu 
Rufach, an Magister Wildericus de Mitra, Dekan der 
Metzer Kirche und päpstlicher Kammerauditor: erinnert 
daran, dass er und der Präceptor von St. Anton zu 
Isenheim auf ihn, den Insiegler Rudolf und Johannes 
Magistri compromittiert haben. Bittet um Beschleuni- 
gung seiner Entscheidung und Mitteilung derselben 
an die beiden anderen Schiedsrichter. 

Strassburg, 1412... 
Alia missiva. »Nostis qualiter dominus«. — Scriptum Arg[entine] 
anno XII". — Über die genannten Personen ist folgendes zu bemerken : 
Der Schreiber des Briefes ist im Jahre 141 1 zuerst als Prior nachweis- 
bar und am 7. März 14 14 gestorben (Grandidier-Ingold III, S. 240). — 
Der Adressat ist doch wohl der Wormser Canonikus W. de M., der 
1368 als Mitglied der deutschen Nation in Bologna genannt wird. 
Wenn Knod (Nr. 2396) aus zeitlichen Gründen zwischen ihm und 
einem in Humbrachts Adelslexikon genannten Träger dieses Namens 
scheidet, der 1445 gestorben sei, so ist er wohl im Irrtum: bei Hum- 
bracht steht wenigstens nur, dass W. in dem betreffenden Jahr als 
bereits verstorben erwähnt wird. — Zu Isenheim war nach Grandidier- 
Ingold III, S. 391 im Jahre 1412 Joh. Jonaldanus (Jovaldani?) Frftceptor 



.M 



BriefsammluDg Lindenstumpf. 3 c 

(+ 1422). — Über Rudolf von Reinach vgl. Strassb. U. B. VII, 
Register; noch 1417, November 6 wird er als Insiegler en**ähnt (Str. 
Bez. A., Aust. m. Baden I, 246). — Johannes Magistri endlich ist der 
bekannte Geheimsekretär Wilhelms von Diest (vgl. über ihn Finke, 
Elektenprozess passim), der eine Zeit lang das Amt eines Vicarius in 
spiritualibus versah, dessen er aber laut Bekenntnis seines Herrn nach 
seiner Verheiratung enthoben ward (vgl. Sir. St. A., AA 1446 an vielen 
Stellen, z. B. fol. 101, 136, 410, 720). 

29. 

Der »kurze Brief« des Konrad von Gelnhausen. 

Bereits abgedruckt und erläutert in der Hist. Vierteljahrschrift III, 
S. 379—394- 

30. 

Die Stadt Florenz an Papst Gregor XII: entzieht 
ihm die Obedienz, wenn er nicht bis' zum 26. März 
nach Pisa komme oder geeignete Massnahmen zur Her- 
stellung der kirchlichen Einheit treffe. 

Florenz. 140Q, Februar 27 [!J. 
Missiva per Florentinos missa Gregorio XII^, in qua comminntur 
snbtraccio obediencie, nisi veniat ad concilium Pisanum. »Nemo est 
tarn expers racionis«. Datum Florencie die XXVII Febr. indicione 
secunda anno domini M^CCCC^IX^. — Druck: Martine et Durand, 
amplissima collectio VII, S. 942 undatiert; Mansi, Sacrorum conciliorum 
Dova et amplissima collectio XXVII, S. 432 mit dem Datum des 
26. Januars Letzteres muss richtig und Lindenstumpfs Angabe fehler- 
haft sein, weil schon am 11. Februar die Stadt von den Cardinälen 
ihres Entschlusses wegen beglückwünscht ward (Erler in Räumers 
histor. Taschenbuch 6. Folge 8 (1889). S. 214 ff.). 

3«. 
König Sigmund an Papst Martin V.: hat gerücht- 
weise vernommen, dass der Papst den Bischof Johann 
von Lebus, seinen Rat, nach Strassburg transferiert 
habe, ist darüber hoch erfreut und bittet, falls das 
Gerücht nicht die Wahrheit gesagt habe, nachträglich 
in die.sem Sinne zu handeln. Breslau. 1420, März 5. 
Missiva domini Romanorum regis ad papam M. quartum [!]. 

Sanctissimo in Christo patri et doraino domino Martino 
digna dei providencia sacrosancte Romane ac universalis ecclesie 
Sümmo pontifici domino nostro reverendissimo. Beatissime pater 
et domine reverendissime. Fama clam vadens dubia forte auribus 
liOstris induxit, quomodo sanctitas vestra prefata merito pen- 
ttcda virtute venerabilis Joh[annis] episcopi Lubucensis, principis 
consiliarii et devoti nostri dilecti, eum dt sua Lubucensi tran- 
ttalerit ad ecclesiam Arg[entinensem], et quamquam premissorura, 

3* 



%() Kaiser. 

ut pretactum est, nondum certam habuerimus relacionem, affectus 
tarnen, quibus eundem Johannem episcopum diligimus, nos 
exultare fecerunt non abs merito. Nota enim est valde probata 
fides, qua incorrupte semper emicuit, sibi favores nostros tantum 
adoptat, quod promocione sua reddimur iocundiores. Si autem, 
beatissime pater, pretacta nobis facta relacio veritatis adhuc non 
obtinet effectum, dignetur e[adem] sanctitas vestra, diligenter 
poscimus, sibi de eadem Arg[entinensi] ecclesia generöse ad 
supplicaciones nostras providere, sicud super hiis crebro scripsisse 
recolimus sanctitati vestre. £t licet ad iaudes eius, quibus 
digne veniret promovendus, merito assurgeret stilus noster, 
tacebit tarnen, nam quantus sit, sentit cor sanctitatis vestre, in 
cuius, ut presumitur, grato conspectu frequenter assistit. Admissa 
denique tarn devota prece nostra, promocione utili et necessaria 
ac piis effectibus, quociens opus fuerit, studiosius ipsi ecciesie 
aderit maiestas nostra. Personam vestram sanctissimam sanam 
et incolumem conservare dignetur altissimus in dierum felicitate 
longeva regimini ecciesie sue sancle. Datum Wratislavie quinta 
die Marcii regnorum nostrorum anno Hungarie etc. XXX HI, 
Romanorum vero decimo. 

Nicht bei Altmann. — Johann von Borsnitz, Bischof von Lebus, 
ward um dieselbe Zeit nach Gran transferiert, am 27. März 1420 ver- 
pflichtet er sich dem Papste (Eubel S. 326 u. 490). Sigmunds Brief 
beruht also auf einem falschen Gerüchte, mittelbar tritt auch aus ihm 
der seit Kurzem bestehende Gegensatz zwischen dem Strassbur/^er 
Elekten Wilhelm von Diest und dem König hervor (vgl. Finke i. d. 
Strassburger Studien II, S. 427 und meinen Aufsatz über Ulrich Meiger 
in dieser Zeitschrift NF. XVI, S. 195). 

32. 

W.[alter von Hallwil, Jakob und Ymericus Höri], 
Canoniker in Beromünster (ecciesie sancti Michaelis 
Beronensis) an den Stiftspropst R.[udolf von Hewenl: 
laden ihn zu dem am 7. Dezember (in octava sancti 
Andree apostoli) stattfindenden Generalcapitel. 

[Bern], 14 10, November 10. 
Ohne Überschrift. »Quia, ut sapientis testatur auctoritas«. Datum 
[Berone] . . . vigilia [sancti Martini episcopi] anno [domini millesimo} 
quadringentesimo decimo. — Die Ergänzungen nach dem im Codex 
liegenden Originalschreiben. Zahlreiche Nachweise zu den genannten 
Personen finden sich im Geschichtsfreund V, z. B. S. 107, 113, 120, 
123, 129, 144. Über den Adressaten vgl. noch Mülinen, Helvetia 
Sacra I, S. 36 und Haupt in dieser Zeitschr. NF. V, S. 307. 



38 Bessert. 

Das Bedürfnis ist neuerdings durch einen geradezu 
verblüffenden Irrgang Ludwig Kellers grell beleuchtet 
worden, indem er für 1524 einen Prediger der böhmischen 
Brüder in Heidelberg mit Namen Wenceslaus entdeckt 
haben wollte (Die Anfänge der Reformation und die 
Ketzerschulen, S. 14)0» während es sich in seiner Quelle 
um den Hofprediger des Kurfürsten Ludwig Wenceslaus 
Strauss handelte. Die schmerzliche Enttäuschung, welche 
Keller über dieser Entdeckung erfahren musste«), wäre 
ihm erspart geblieben, wenn es eine genügende Darstellung 
der Regierung des Kurfürsten Ludwig oder eine Geschichte 
der Reformation in Heidelberg geben würde, wie wir sie 
für Göttingen und Leipzig besitzen. Allein über Ludwig 
giebt es noch keine befriedigende Monographie, und für 
Heidelberg ist man immer noch auf das merkwürdiger- 
weise der theologischen Fakultät in Heidelberg gewidmete 
Büchlein von Lic. Seisens) angewiesen, das ebenso durch 
seine Dürftigkeit, wie durch nicht geringe Verstösse und 
sonderbaren Stil überrascht*). Die Geschichte der rhei- 
nischen Pfalz von Hau SS er aber giebt für die erste Zeit 
der Reformation nichts anderes als einen dürftigen Auszug 
aus Struves pfälzischer Kirchenhistorie, dessen falsche 
Angaben samt und sonders wiederholt und noch dazu 
durch Druckfehler entstellt werden, während Häusser für 
unseren Zeitabschnitt keine Studien aus unbenutzten Quellen 
gemacht hat 5). Die Verdienste Häussers liegen anderswo, 
als in seiner Darstellung der Anfänge der Reformation 
der Pfalz. 



*) Vorträge und Aufsätze aus der Comenius-Gesellschaft, 4. Jahrg. 
I . u. 2. Stück. — •) Haupt, Beiträge zur Reformationsgescl\ichte der Reichs- 
stadt Worms (Giessen 1897) S. 28. — ') Geschichte der Reformation zu 
Heidelberg (Heidelberg 1846). — *) Von den Hofpredigern Ludwigs, Strauss und 
Gailing, weiss er z. B. nichts. Die Disputation zu Heidelberg 1518 ist ihm 
ein Stück von Luthers Romreisc S. 17. Begleitet wird Luther von Staubitz. (!) 
1537 ist ein Religionsgespräch zu Frankfurt, auf welches (?) Melanchthon 
Heidelberg besuchte S. 63. Sein zweites Kapitel hat die Aufschrift: Erster 
Ausbruch (!) der Reformation in Heidelberg S. 23. — *) Vgl. Struve S. 24. 
Häusser S. 541, 542. Hatte Struve Solisfelda, das Chyträus erwähnt (s. u.), 
mit Sonnenfeld übersetzt, statt an Sulzfeld zu denken, so fragt Häusser nichi, 
wo in der Pfalz dieser unbekannte Ort ist; dass Sulzfeld gemeint ist, bemerkt 
er nicht. Aus Chyträus wird Chytränus, aus Erbermann Eberman, aus 
Rana Rave. 



40 



Bosßert 



befindlichen Aktenbände des Bistums Speier, die mit 
Bruchsal und Philippsburg an Baden gekommen sind, 
benützt worden. Der Grossh. Archivdirektion habe ich 
für das Entgegenkommen und die Liberalität, mit der mir 
die Benützung dieser Akten ermöglicht wurde, und die 
anderen Archiven als Vorbild dienen dürfte, den ehrer- 
bietigsten Dank zu sagen. 

Die von mir benützten Aktenbände sind: 

1. Die Protokolle des Speirer Domkapitels, die meist 
sehr gut abgefasst sind, von 152 1 — 46 (Protokollsammlung 
nr. 6939 — 43). Ich eitlere, da sich der Band aus der 
Jahreszahl ergiebt, diese Protokolle nur mit P. 

2. Das Protokoll des bischöflich speirischen Hofrats 
zu Udenheim, von dem für unsere Zeit nur der Band 
nr. 7206 erhalten ist. Dieses meist wenig sorgfältig 
abgefasste Protokoll sticht materiell und formell sehr stark 
von den Protokollen des Domkapitels ab. Citiert wird 
es mit HR. 

Ausserdem wurden von mir benützt die Kopialbücher 
nr. 166, 231 — 34 (alte Zählung) und das Aktenfaszikel 
Bruchsal Generalia 1625. 



Die Rücksicht auf den Mangel an Zeit und auf meine 
Gesundheit, wie die Reichhaltigkeit des Stoffs nötigten 
mich, vorerst mit dem Jahr 1546 abzubrechen, als Kur- 
fürst Friedrich II. die Reformation der Pfalz begann, die 
aber durch die Religionspolitik des Kaisers sofort wieder 
in Frage gestellt wurde. Als Anfangstermin empfiehlt 
sich die Zeit nach dem Reichstag in Worms. Denn jetzt 
erst findet die neue Bewegung Beachtung v^on seiten der 
öffentlichen Gewalten. 

Der Stoff gliedert sich am einfachsten in die Zeit des 
Bischofs Georg 1521 — 29 und die Philipps IL 1529-1546. 
Für jene erste Periode bildet der Bauernkrieg einen 
gewissen Wendepunkt, so dass sich zwei Abschnitte 



42 



Bossert. 



welchem diese Ermahnungen gehalten sind, verrät noch 
nichts von der tiefen Erregung, welche in die Geister 
gefahren war. Das Bild, das der Bischof von seiner 
Diözesangeistlichkeit und seinem Volk entwirft, unter- 
scheidet sich nicht wesentlich von den Zuständen, wie sie 
schon im 15. Jahrhundert herrschten. Ehrbares Leben 
und kirchlicher Eifer im Gebet, in der Festfeier und 
allerlei Gebräuchen bildet das Grundthema der bisherigen 
bischöflichen Ermahnungen. Im Frühjahr 15 18 rügt der 
Bischof un geistliche Kleidung und Haartracht, Verbergen 
der Tonsur, Wirtshausbesuch, Waffentragen , nächtliches, 
lärmendes Umherschweifen, gewinnsüchtiges Spiel, Trunk- 
sucht. Unkeuschheit, Entweihung der Busstage, des Marcus- 
tages (25. April) und des Fronleichnamstags durch Tänze 
und leichtfertiges Treiben *). 

Im Herbst desselben Jahres hören wir von grosser 
Unordnung im Gottesdienst, besonders in den Stiftskirchen 
zu Speier, wo die Nebenstifte am Sonntag etwa einen 
Heiligen feiern, während im Dom die gewohnte Sonntags- 
liturgie gebraucht wird, wo beim gemeinsamen Gebet oft 
die grösste Verwirrung herrscht, indem der eine dies, der 
andere jenes Gebet spricht, sodass die Feier zur Komödie 
herabsinke. Deshalb sollte der Ritus der Domkirche beob- 
achtet werden 52). Die hier gerügte Unordnung hat mit der 
Reformation und den durch sie hervorgerufenen Ausständen im 
Gottesdienst des Doms nichts zu thun, sondern konnte ebenso 
100 Jahre früher eintreten. Die Synodalbescheide des Jahres 
151g schlagen noch schärfere Töne an. Am 2. Mai 15 19 klagt 
der Bischof, dass seine Ermahnungen meist von tauben 
Ohren überhört werden 8). Im Herbst sieht er seine unter- 
gebene Geistlichkeit von Anfechtungen und Widerwärtig- 
keiten bedroht, aber nichts verrät eine Erschütterung der 
Kirche durch den neuen Geist der Zeit*). Die bischöflichen 
Ermahnungen bewegen sich in den nächsten Zeiten in 
gewohntem Geleise. Neben sittlichen Forderungen (Keusch- 
heit, Massigkeit, Eintracht, Meiden schamloser Reden, 



*) Proc Syn. S. 35, 12. April 15 18. — «) Pr. S. S. 39. 3. Nov. 1518: 
nullam in orando comoediam renuentes. — ^) Pr. S. S. 41 — *) Pr. S. 
6. Okt. 1519: calamitates et adversitates subditis nostris imminere videmus. 



Badisch-pßllzische Reformationsgeschichte. 12 

Gehorsam gegen die Obern) stehen gleichwertig Mahnungen 
zur Beobachtung des kirchlichen Rituals, Meiden unpriester- 
licher Kleidung») und des Verkehrs mit Juden, wie der Pro- 
zesse gegen Kleriker vor weltlichen Richtern «). Besonders 
wird die pünktliche Bezahlung der bischöflichen Steuer aus 
dem Xachlass der Kleriker und pünktliche Fertigung der 
Inventare über diesen Nachlass eingeschärft 3). Die Pre- 
diger und Pfarrer von Stadt und Diözese Speier werden 
angewiesen, das Volk zur Besserung seines verkehrten 
und frevelhaften Lebens, aus dem so viel Lbel entstehen, 
und zum fleissigen Gebet zu crmahnen <). Von einer War- 
nung vor dem Verkehr mit Ketzern oder verdächtigen 
Predigern, von einer Mahnung an die Pfarrer, dem Volk 
Treue gegen den alten Glauben zu predigen, ist nirgends 
eine Spur. Luther und sein Werk galt dem Bischof von 
Speier noch nicht als eine Gefahr. Es schien noch alles 
beim Alten zu sein. Aber schon zeigte sich die Wirkung 
des neuen Geistes an dem Punkt, wo das Erkalten der 
frommen Begeisterung sich am schnellsten zu offenbaren 
pflegt, am Geld. Der ferdo argenti*), der beim Tode eines 
Priesters zum Schutz seines Testaments an den Bischof 
geleistet werden musste, ging schwer ein. Die Dekane 
und Kämmerer scheinen Schwierigkeiten bei der Auf- 
stellung der Inventare gefunden zu haben, was sie mit 
Sterbensläufen, Entlegenheit der Orte und Gefährlichkeit 
der Wege zu entschuldigen suchten, weshalb jetzt jeder 
Kleriker, der vom Tod eines Confraters hört, zur Inven- 
tarisation von dessen Nachlass ermächtigt wird^). 

Aber schon während des Reichstags zu Worms erlässt 
der Bischof am 2. April 1521 einen Synodalbcscheid, der 
ein leises Zittern vor der neuen Bewegung und schwere 
Besorgnis vor der Zukunft verrät. Der Klerus ist >pervc?r- 

) Pr. S. S. 40: 6. Okt. 1519: non tiinitas undiquaque apcrlas aul in 
snar.Kis incisas aut ex humcris pcndentt's, non calccos excisos, non birola 
iiuaba*> auribus asininis insignila, non coloros prohibilo«,. 

• l'r. S. S. 40. 30. Okt. 1520. — ») Pr. S. 6. Okt. 1510. 30. Okt. 15:0. 

• ; r. S f». Okt. 1519. - - *) Ein Vierdun;:, eine Viertelsniark. \\\. die 
R-.h::unj;ibücher des crzbischotlich niain/.i^^chen Kornniissürs J(Oi lUuns 
r;i, — 31, ed. Tschackert, ZcitM:hrift für Kirchen^eschichte XXI, v^'^ — 

\W. Pr. S. 2 Mai 1519. 3. Okt. 1520. Inventar 4. Okt. 15 19. 



AA Bossert. 

sorum calumniosis machinationibus« ausgesetzt. Das Laster- 
leben der Geistlichkeit erregt unter dem Volk »tumultus«. 
Der Protest Luthers gegen das Commendenunwesen 
findet sogar beim Bischof von Speier einen Widerhall. 
Denn es führt zum Verwaisen der Gemeinden, welche 
fremden, in der Diözese nicht belehnten und anerkannten 
Mietlingen überlassen werden, während Frühmesser und 
Kaplane den Pfarrern die Beihilfe in Gottesdienst und 
Seelsorge versagen. Freilich das Commendenwesen der 
höheren Geistlichkeit lässt der Bischof unberührt. Aber 
immer stärker schwillt die Bewegung an. Der Synodal- 
bescheid vom 12. November 152 1 zeigt, wie der Bischof 
jetzt die Gefahr für die Kirche welche Luther mit seinen 
Schriften hervorgerufen hatte, erkannt hat. Jetzt zum 
erstenmal nennt er den Namen Luthers, indem er von 
»errores Lutherani« redet, denen weder des Papstes Bann 
noch des Kaisers Acht ein Ende machen konnte. Der 
Bischof klagt, dass eine Anzahl Kleriker nicht nur in der 
Diözese, sondern auch in der Stadt Speier den vom Papst, 
Kaiser und Reichstag verdammten Irrlehren Luthers an- 
hangen, ^sie verteidigen und als Evangelium preisen. Ganz 
besonders gefahrlich dünken dem Bischof die Flugschriften. 
Denn der Christenglaube und die Kirche werden durch 
die schmutzigsten Schriften umgestürzt. Das gemeine 
Volk sinne auf viel Böses gegen den Klerus, der gehasst 
und verhöhnt werde. Das sei nicht unverdient, weshalb 
der Klerus durch Besserung seines Lebens den Gegnern 
den Anlass zur Ausführung ihrer bösen Absichten ab- 
schneiden solle. 

Der Gesichtspunkt, unter dem der Bischof eigentlich 
die ganze Bewegung ansieht, ist nicht der religiöse, 
wenn er darin auch einen Angriff auf alle Religion und 
speziell den christlichen Glauben fand. Es sind nicht 
heilige Gewissensfragen, um die es sich hier nach dem 
Urteil des Bischofs handelt, sondern die Frage nach der 
Macht der Kirche, der kirchlichen Autorität und Freiheit. 
Der stolze Bau, den das Papsttum in heissem Kampf mit 
dem Kaisertum aufgerichtet, droht in sich zusammen- 
zubrechen. Der Schaden der Zeit ist für den Bischof 
mit einem Wort der Ungehorsam gegen die kirchliche 



^6 Bossen. 

Bistums Speier massgebenden Universität Heidelberg nicht 
umsonst gehabt und auch in dem mit der Universität eng 
verbundenen Speier Boden gefunden. Mochte in der 
theologischen Fakultät die Scholastik wieder stramme 
Vertreter haben, unter der akademischen Jugend wirkte 
die Begeisterung für die neue Wissenschaft. Der junge 
Pfalzgraf Wolfgang, der Bruder des Kurfürsten Ludwig, 
war 1515 nach der neuen Humanistenuniversität Wittenberg 
gekommen und war dort im Sommersemester 15 15 Rektor 
gewesen. Seine Begleiter hatten dort mit Luther und 
Spalatin Freundschaft geschlossen^). Unter ihnen steht 
ohne Zweifel jener Petrus oben an, der am 23. Jan. 1520 
Hofkaplan des Pfalzgrafen Wolfgang war*) und vielleicht 
identisch ist mit dem Luther nahe befreundeten Petrus 
Francisci, der ihm Ende 1520 von Hagenau aus zwei neu 
erschienene Schriften Thom. Murners sandte »). Francisci 
wird er sich nach seinem Vater genannt haben. 

Luther hatte bei seiner Disputation im April 15 18 eine 
ehrenvolle Aufnahme von Seiten des Hofes und der Uni- 
versität in Heidelberg gefunden*). Mit Begeisterung hatten 

>) Butzer an Beatus Rhcnanus 2. Apr. 1520. Kolde, Analecta Luthe- 
rana S. 16. Enders, Luthers Briefwechsel 2, 373. — *) Enders 2, 299. 
Enders hält ihn für den 15 15 in Wittenberg inskribierten Petrus Beumann 
ex Hentschuchsheini, cliens Wolfgangi comitis Palatini, ecclesiae sancte 
Trinitatis Spirensis vicarius. — ') Enders 3, 30. — *) Die Heidelberger 
Dispuiation ist 1895 Gegenstand einer Preisaufgabe der theologischen Fakultät 
zu Heidelberg gewesen. In der Zeitschrift für Kirchengeschichte XXI, 
233 ff. u. 299 ff. hat K. Bauer seine preisgekrönte Arbeit veröffentlicht. 
Sein Hauptaugenmerk geht auf die Bedeutung der Disputation für Luthers 
Leben und auf das Verhältnis seiner damaligen Thesen zu Augustin, der 
mittelalterlichen Mystik und den 95 Thesen. In den Angaben über pfälzer 
Dinge ist die Arbeit etwas unsicher. S. 236 nennt sie den Pfalzgrafen, der 
Rektor in Wittenberg war, statt Wolfgang Wolfgang Wilhelm , der doch 
dem 17. Jahrhundert angehört, und unterscheidet ihn nicht von seinem 
Bruder, dem abwesenden Kurfürsten Ludwig. S. 246 Z. 2 u. Anm. ist die 
Korrektur des Namens des theologischen Professors ganz verunglückt. Die 
dem Verfasser unbekannt gebliebene Matrikel von Heidelberg beweist, dass 
Vierordt und Enders mit Stiess völlig Recht haben. Der andere theologische 
Professor heisst nach der Matrikel elier Hösser als Hosser. Der Brief 
Butzers an Luther vom 23. Jan. 15 20 (Enders 2, 298) mit den Erinnerungen 
an die Heidelberger Disputation ist ihm entgangen, obgleich er den Brief 
Luthers an Spalatin vom 12. Febr. 1520, in welchem Luther jenen Brief 
ciliert (Enders 2, 322) wohl kennt. Vgl. S. 247 Anm. 2 Die Sage vom 



^8 Bessert. 

Stätte, als er Ende November 1520 die Klosterzelle in 
Heidelberg verliess. Hatten war es auch, der Butzer 
durch einen päpstlichen Curtisanen die Erlaubnis zum 
Austritt aus dem Orden erwirkte *), obwohl der päpstliche 
Nuntius Aleander von Worms aus am 5. April 1521 eine 
Zurückweisung Butzers empfahl*). Wie mit Butzer, war 
Hatten auch mit Brenz befreundet»). Wir werden ihm 
später noch einige Male begegnen, bis er 1527 endlich 
aus Speier verdrängt wurde und in Strassburg Aufnahme 
fand, wo er als Stiftsherr zu S. Thomas am 4. März 1546 
starb*). 

Als Hattens Gesinnungsgenossen in Speier darf man 
wohl die beiden Vikare Emerich Geir und Joh. Schwind 
betrachten, die sich für ihn in einer Schuldsache 1525 ver- 
bürgten ß). Johann Schwind kennen wir als den Verfasser 
einer gereimten Evangelienharmonie, mit welcher wir uns 
später zu beschäftigen haben werden«). Sie hat wohl 
Anlass dazu gegeben, dass Bischof Georg ihn verhaften 
und als lutherischen Ketzer auf die Feste Kisslau bringen 
Hess, bis er widerrief'). Wenigstens wurde er später vom 
Domkapitel eine Zeitlang als gfuter Katholik zur Ver- 
waltung des wichtigen Pflegeramtes in Esslingen gebraucht 
und machte auch bei seinem Tode Stiftungen zur Heran- 
bildung von katholischen Theologen»). Etwas später 
lernen wir als sehr entschiedenen Vertreter des neuen 
Glaubens unter der Domgeistlichkeit den Vikar Jak. 
Bering er kennen»). Unter den Weltgeistlichen der 
Stadt hatte Wernher von Goldberg, ein Reutlinger 
Patriziersohn, der seit ca. 1507 Pfarrer zu S. Martin in 
der Vorstadt war, ein sehr selbstbewusster, aber unklarer 
Kopf, schon 10 Jahre vor Luthers Auftreten, wie er sich 
rühmte, als strenger Sittenprediger gewirkt und dabei 



*) Erichscn, Butzer. Theol. Realenc. 3, 604. — ^) Kalkoff, Die Depeschen 
des Nuntius Aleander (Halle 1886) S. 119. — •) Pressel, Anecdota Brentiana 
S. I. — *) Hauschronik des Kon. Pellikan, übersetzt von Vulpinus S. i, 
Anm. 3, S. 71. — *) P. zum 14. Juni 1525 fol. 125. — *) Mitteilungen des 
historischen Vereins der Pfalz XIX, S. 102, wo er Geschwindt heisst. — 
') Remling a. a. O. 2, 253, Anm. 835. — *) Darüber später nach den 
Protokollen des Domkapitels. — •) Vgl. Mitteilungen des hist. Vereins der 
Pfalz XIX» S. 103 und die Protokolle des D. K. 



50 



Bessert. 



Bisher hatte sich die Reformationsbewegung un- 
gehindert ausbreiten können, ohne dass ihr von oben her 
entgegengetreten worden wäre. Das erklärt sich aus der 
Eigenart der regierenden Fürsten und Herren, die wir 
für einen Augenblick ins Auge zu fassen haben. 

Der mächtigste Herr in unserem Gebiet war der Kur- 
fürst Ludwig von der Pfalz, den man mit dem Beinamen 
des Friedfertigen beehrt hat, obwohl der Hinweis auf den 
Zorn des Kurfürsten immer wieder auf die Geistlichkeit 
als Schreckmittel wirkte, das sie zum Öffnen des Beutels 
willig machte. Er war unter dem Eindruck des für die 
Macht, das Ansehen und die Finanzen der Pfalz höchst 
unglücklichen bairischen Erbfolgekriegs zur Regierung 
gekommen. Eine ideale Begeisterung für des »güldenen 
Friedens wertes Gut« kannte seine kühle Natur nicht. 
Hohe Ziele, die er durch einen kühnen Kriegszug hätte 
erreichen können, lockten ihn nicht. Wenn er kriege- 
rischen Verwicklungen möglichst aus dem Weg ging und 
sie auch in seiner Reichspolitik überall zu beseitigen 
suchte, so war es einerseits die Rücksicht auf die Lage 
seines Landes, wie der Mangel an Entschlossenheit, und 
Thatkraft, die ihn bestimmten i). War ein Kriegszug 
schlechterdings nötig, wie der gegen Sickingen und wider 
die Bauern, so musste er der Überlegenheit der ihm zu 
Gebote stehenden Mittel und Bundesgenossen gewiss sein. 
Das Schirmrecht über das Hochstift Speier aber gab ihm 
den Rechtstitel, um sich die Geldmittel zu verschaffen, die 
er für seine Kriegszüge bedurfte. 

Obwohl die pfälzer Witteisbacher die starken Verluste 
im Erbfolgekrieg auf dem Boden der Kirche zu decken 
gesucht hatten, indem sie für die nachgebornen Söhne eine 
Menge der reichen Pfründen gewannen 2j, war der Kur- 



') überaus interessant ist das Urteil Luthers über ihn am i. Sept. 
1524: Palatinus sinit ire omnia socors et opibus insidians pontificiorMOT 
Kolde, Analccta Lutherana S. 55, der sordcns-pontificium liest. Enders, 
Luthers Briefwechsel 5, 15. — *) Johann war Administrator von Regens- 
burg 1507 — 1538, Philipp Bischof von Freising 1499 -—1541, zugleich von 
Naumburg seit 15 14, Georg Bischof von Speier 1513 — 29. Heinrich Propst 
in Ellwangen, Koadjutor in Worms, Bischof in Utrecht 1524 — 29, in 
Worms 1529 — 52. 



52 



Bessert. 



nicht, und das mit vollem Recht. Denn auf der andern 
Seite achtet Hans Landschad den Kurfürsten nicht für die 
evangelische Sache verloren, sondern mahnt ihn ein- 
dringlich zur Entschiedenheit, hält ihm alle Vorteile des 
Anschlusses an die Reformation vor und will ihm zur 
Pflicht machen, »das Wort Gottes mit vermöglichen Fleiss 
schützen zu helfen«^). Eck aber betont dem Papst gegen- 
über immer wieder, der Kurfürst bedürfe der Mahnung 
zur Bekämpfung des Luthertums «j. Die neue erweiterte 
Bannbulle, welche Eck von Papst Clemens VII. fordert, 
will er allerdings nicht nur an die Metropoliten, sondern 
auch an die drei weltlichen Kurfürsten, Ludwig voran, 
und 7 weitere Fürsten, darunter den Pfalzgrafen Ottheinrich 
und Markgraf Philipp von Baden, geschickt wissen »). Auch 
sollte mit ihm wegen einer Mustersynode in München 
verhandelt werden*). Ja um die Zeit des zweiten Nürn- 
berger Reichstags empfiehlt Eck dem Papst als besonders 
vertrauenswürdige, dem päpstlichen Stuhl nützliche Fürsten 
neben Ferdinand den Kurfürsten von Trier, den Kurfürsten 
Ludwig und den Herzog Wilhelm von Baiern ^). Man 
sieht. Eck sah sehr stark durch die Brille der Witteis- 
bacher Hauspolitik und täuschte sich gründlich. 

Denn in jener Zeit der kühleren Gefühle gegenüber der 
kaiserlichen Politik gestattete sich Ludwig die Freiheit, nach- 
einander zwei scharfe Vertreter der neuen Lehre als seine 
Hofprediger anzustellen, wenn er auch aus Rücksicht auf 
den Kaiser nichts mit dem Namen Luthers zu schaffen 
haben wollte«). 

Der eine dieser Prediger ist Wenceslaus Strauss 
aus Alzei. seit 20. Dez. 15 19 Dekan der Artistenfakultät 7). 
Wann Strauss auf die Hofprädikatur berufen wurde, lässt 



*) Kück a. a. O. S. 24. — *) Friedensburg a. a. O. S. 182: adhuc 
monendus est, S. 186: hortandus, adhortandus. — ^) Ebd. 240. — *) Ebd. 
236. — *) Ebd. S. 247. — •) Hans von der Planitz an den Kurfürsten 
Friedrich von Sachsen, Esslingen Sommer 1524: Szo wyrtt das ewangelium 
zw Heydelberg lauter vnd dar geprediget, wollen aber dennochst nicht 
lutherisch sein. Förstemann, Neues Urkundenbuch 198. — "') ROhrich, 
Geschichte der Reformation im Elsass 2, 400 f. Strauss wurde 27, Okt 
1508 in Heidelberg inskribiert, 24. Jan. 15 10 Baccalaureus, i. März 1515 
Magister, als er schon Priester war. Töpke a. a. O. i, 468. 2, 435, 439. 



54 



Bossert 



untergraben betrachtet und sich an Oekolampad wegen 
eines anderen Amtes gewendet zu haben. Dieser gedachte 
Strauss als deutschen Prediger zu Herzog Ulrich von 
Württemberg Anfang August 1524 nach Mompelgard zu 
schicken, falls Bonifacius Wolfhard das Amt nicht annehmen 
würdet). Aber zunächst gelang es den Altgläubigen 
nicht, Strauss aus seiner Stellung am Hofe zu verdrängen. 
Denn noch im Anfang des Jahres 1525 verteidigte er den 
Pfarrer Nie. Thomä, gen. Sigelsbach, zu Bergzabern«) gegen 
die Anklagen des bischöflichen Fiskals in Speier. Dann 
aber verschwindet er aus dem Gesichtskreis, bis er 1535 
als hochgeachteter Pfarrer zu Urach in Württemberg 
erscheint, wo er 1537 am sog. Götzentag zu Urach der 
Beratung über die Beseitigung der Bilder anwohnte und 
im Interim zur Ruhe gesetzt wurdet). 

Gewonnen hatte die altgläubige Partei mit dem 
Wechsel nichts, denn an seine Stelle trat ein unmittelbarer 
Schüler Luthers. Es war dies Joh. Gailing von Ilsfeld, 
der mit seinem Freund Leonh. Neubeck nicht weniger als 
vier Universitäten besucht hatte, nämlich Heidelberg, 
Erfurt, Wittenberg und Tübingen. Er rühmte sich später, 
der erste Prediger des Evangeliums im Herzogtum 
Württemberg gewesen zu sein, wurde aber von der öster- 
reichischen Regierung aus seiner Heimat Ilsfeld vertrieben 
und flüchtete sich zu dem vertriebenen Herzog Ulrich 
nach Mompelgard, wurde dessen deutscher Prediger*) und 

.brüdern«. MD. XXIII. Vgl. Haupt, Beiträge zur Reformationsgeschichte 
der Reichsstadt Worms (Giessen 1897) ^* ^^ ^ VIII, 2. Die Annahme 
L. Kellers, dass der Name Wenceslaus auf Zusammenhänge mit Böhmen 
weise, zeigt, wie wenig Keller die damals gebräuchlichen Namen in Süd- 
deutschland kennt. Seine auf den »Trostbrieff« gegründete Hypothese ist von 
Haupt genügend beleuchtet. Ein Blick in Medicus, Geschichte der evangel. 
Kirche in Baiern, Suppl. S. 8 hätte Keller das Richtige gezeigt. 

*) Herminjard, Correspondance des R6formateurs des pays de langue 
fran^aise, i, 256. H. vermutet mit Recht, dass statt Stuthion Struthion zu 
lesen ist, der aber hier nicht Jakob Strauss, sondern unser Wenceslaus ist — 
') Röhrich i, 400. Der Mann hiess Nie. Thomä von Siegelsbach bei Sins- 
heim, kam 1510 nach Heidelberg, magistrirte 1520 als Pfarrer von Flins- 
bach. Töpke i, 475. 2, 439. — •) Schneider, Württemb. Reformations- 
geschichte S. 70. Württemb. Kirchengeschichte (Stuttg. u. Calw) S. 355. — 
*) Am 19. Aug. 1524 geht Gailing mit einem Brief Oekolampads an 
W. Farel nach Mompelgard. Herminjard i, 266. 



^6 Bessert. 

passt nicht zu der damaligen antipäpstlichen Richtung am 
Hofe Ludwigs. Fasst man die Stellung des Kurfürsten 
Ludwig, wie sie auch in der Wahl seiner Hofprediger sich 
ausprägt, näher ins Auge, so wird man sie als Protest- 
stellung gegen Rom und die kirchlichen Missbräuche 
bezeichnen dürfen. Die religiöse Seite der Bewegung, die 
Gewissensfragen, die sie in sich schloss, traten bei Ludwig 
in den Hintergrund, von Luther selbst wollte er nichts 
wissen. So ist es auf der einen Seite zu verstehen, dass 
Landgraf Philipp hoffen konnte, ihn zu den Evangelischen 
hinüberzuziehen, während doch andererseits nach dem 
Bauernkrieg bei Ludwig ein Umschlag eintrat. 

Was wir beim Kurfürsten Ludwig beobachteten, tritt 
noch stärker bei seinem Bruder Friedrich hervor, die 
schwankende, durch die Politik und die persönliche Stellung 
zum Kaiserhaus beeintiusste Haltung in der Glaubensfrage. 
Friedrich kommt allerdings für unsere Periode nicht 
unmittelbar in Betracht, da er bis zum Tod seines 
Bruders keinen unmittelbaren Anteil an der Regierung 
der Kurpfalz hatte, aber er, der offenbar begabteste und 
beweglichste unter den Söhnen des Kurfürsten Philipp, 
hatte mit seinem Rat vielen Einfiuss auf seinen Bruder. 
Friedrich war in seiner Jugend, ja bis ins tiefe Mannes- 
alter hinein ein »bis zur Leichtfertigkeit lebenslustiger« 
Mann, den Gewissensfragen nicht plagten, der deswegen 
in seiner Stellung zur Reformation die Farbe wie ein 
Chamäleon wechseln, und nachdem er eine Zeitlang den 
Feind Roms gespielt hatte, als Werkzeug des Kaisers auf 
den Reichstagen den Evangelischen mit Härte begegnen 
konnte. 

Bei seinem langen Aufenthalt am spanisch-nieder- 
ländischen Hof hatte Friedrich sich einen feinen Umgangs- 
ton angeeignet, der den päpstlichen Nuntius Aleander in 
Worms aufs höchste entzückte, sodass er ihn nach der 
ersten Begegnung für den feinsten, klügsten und besten 
Herrn von der Welt erklären konnte und auf seine ausser- 
ordentliche Gefälligkeit rechnete '). Aber bald änderte sich 

*) Judicio omnium h il piü gentile Segnore et prudente et bon ; che sia 
non solum in Alemagna, ma ancora altrove et a rae fa grande carezze. Brieger, 
Aleander und Luther 1521 S. 26. 



eg Bossert. 

Dezember 1524 war der Reutlinger Reformator Matth. 
Alber vor das Reichskammergericht in Esslingen geladen. 
67 ketzerische Artikel hatte der Fiskal gegen ihn ein- 
gegeben, Pfalzgraf Friedrich hatte mit Graf Wolf von 
Montfort die Vorladung Albers unterzeichnet. Er ist als 
kaiserlicher Statthalter ohne Zweifel »der Herr von hohem 
Stamme, der oben am Brett sass«, der Präsident des Gerichts- 
hofs, der am Schluss nach der vortrefflichen Verteidigung 
Albers ihn fragte, was für ein Unterschied zwischen des 
Papstes und Christi Ablass sei. Rasch besonnen ant- 
wortete Alber: des Papstes Ablass fegt die Beutel rein, 
Christi Ablass die Gewissen, worauf der Vorsitzende unter 
dem Lachen der Versammlung Alber erklärte, er möge 
in Frieden heimkehren, er habe sich wohl verantwortet. 
Die Frage beweist den stark antirömischen Geist Friedrichs 
noch Ende 1524^). 

Der dritte weltliche Bruder des kurpfälzischen Hauses 
war der schon oben genannte Wolfgang«). Wenn ihn 
Aleander in Worms als seinen einstigen Pariser Schüler 
begrüsste und Unterstützung von ihm hoffte, so dürfte er 
sich sehr getäuscht haben »). Wolfgang, der 1518 Luther 
mit Auszeichnung in Heidelberg aufgenommen hatte*), 
ist wohl sein Leben lang ein treuer Anhänger Luthers 
geblieben, tritt aber ganz zurück in der Geschichte, da er 
nur seinen wissenschaftlichen Neigungen lebte*). Vielleicht 
hat sein Einfliuss seinen Paten, den Pfalzgrafen Wolfgang 
von Zweibrücken, in seine stramm reformatorische Richtung 
geführt. 

Wichtiger als Wolfgang ist der vierte Bruder, der 
Bischof Georg von Speier, der durch kaiserliche Gunst 
mit siebenundzwanzig Jahren auf den Speirer Stuhl ge- 
kommen war, indem das Domkapitel auf seinen Kan- 
didaten, den Domsänger Philipp von Flersheim, verzichten 
musste. Man hoffte viel von dem jungen Bischof, dessen 
Milde und Klugheit seine Zeitgenossen rühmten«). Kon. 



^) Gayler, Historische Denkwürdigkeiten der Reichsstadt Reutlingen. 
S. 265. Bossert, Der Reutlinger Sieg 1524. S. 45. — *) S. 10. — 
') Brieger, Aleander und Luther S. 26. — *) Enders a. a. O. i, 192. — 
^) Medicus S. 4. — '') Chronic. Hirsaug. 2, 683. Remling 2, 33 und 
Zimmerische Chronik 2, 426. 



6o Bessert. 

alten Kirche gegenüber dem gewaltigen Ansturm der 
neuen Gedankenwelt. Weder die weltlichen Gewalthaber 
noch der Bischof eigneten sich dazu. 

Aber auch in dem an die Pfalz anstossenden nord- 
lichen Teil der Markgrafschaft Baden hatte die alte Kirche 
keine feste Stütze. Markgraf Philipp, der Schwager 
des Kurfürsten Ludwig, der Gatte einer bairischen Prinzessin, 
darf zwar nicht mehr in dem Mass wie bisher als »Freund 
der reformatorischen Bewegung« angesehen werden, nach- 
dem Fester seine Religionsmandate vollständig veröffent- 
licht hati). Auch sein Kanzler Hieronymus Vehus, der 
schon in Worms eine vermittelnde Rolle gespielt hatte, 
ist stets ein Erasmianer geblieben, der wohl die Miss- 
bräuche abthun, aber die alte Kirche erhalten und das 
Wort Gottes und das Regiment des Papstes und der 
Bischöfe nicht als unverträgliche Gegensätze ansehen 
wollte, wie noch Melanchthon in Schmalkalden 2). 

Allerdings hatte Eck den Markgrafen Philipp der 
Kurie als ergebenes Werkzeug hingestellt»). Aber das 
Domkapitel zu Speier sah ihn keineswegs als einen zuver- 
lässigen Freund der alten Kirche an. Denn am 27. Juni 
1522 beschloss es im Zusammenhang mit Klagen über die 
Aufhebung des Bannes und Bedrohung der Geistlichkeit 
durch die Bürgerschaft von Speier, den Abgang des Mark- 
grafen auf Donnerstag den 3. Juli zu begehren*). Der 
Markgraf war offenbar als Gast eingekehrt, war aber dem 
Kapitel unbequem geworden, sodass man ihm nur noch 
kurze Zeit vergönnen wollte. 

Was den Markgrafen nach Speier geführt hatte, ist 
leicht verständlich, wenn man das Religionsmandat vom 
30. August 1522 ins Auge fasst. das sicher lange erwogen 
war. Der Markgraf dürfte bei Bischof Georg in Uden- 
heim wie beim Domkapitel den Boden sondiert haben, 
wie weit er bei seinen Reformgedanken auf Entgegen- 



^) Fester, Die Religionsmandate des Markgrafen Philipp von Baden. 
Zeitschr. f. Kirchengeschichtc XI, 307. — -) Müller, Die symbol. Bücher 
der evangel.-luth. Kirche S. 326. — •) Eck zählt ihn zu den zelosi contra 
Ludderanos, nennt ihn bonus und empfiehlt ihn auch als einen der Fürsten, 
denen man die erweiterte Bannbulle schicken solle. Beiträge z. bair. K.. G« 
1896, 2, 182, 237. — *) P. 38. 



52 Bessert 

seitigen Verketzern auf den Kanzeln und dem Vortrag 
»widerwärtiger« Lehren, welche »Ärgernis, Trennung, Ab- 
sonderungen oder Sekten« hervorrufen. Dagegen befiehlt 
er dem Volk den »unwidersprechlichen Text der heiligen 
Schrift und besonders der heiligen Evangelien und die 
evangelische Lehre mit Erklärung und Auslegung« vor- 
zutragen. »Die disputierlichen Punkte« aber, darin die 
Gelehrten streitig seien«, und »schmähende, parteiische, 
neidische Zornreden«, auch wie das Mandat etwas später 
sagt, »unnötig Gedicht der Menschen« sollen »unterlassen 
bleiben«. Des Markgrafen Hoffnung geht auf ein künftiges 
Konzil oder »die christliche Versammlung der christgläubigen 
Menschen«, welche, durch göttlichen »Inspruch« (Inspiration) 
erleuchtet, Wege und Mittel finden werde, die Zwietracht 
in Glaubenssachen zu heben. Statt der konfessionellen 
Streitigkeiten wünscht der Markgraf Bekämpfung der 
Gebrechen und Laster des Volks, also statt dogmatischer 
Streitigkeiten Hebung der Sittlichkeit seines Volks. 

Was der Markgraf von den Pfarrern verlangt, entspricht 
dem Sinn der Häupter des Humanismus, Erasmus und Reuch- 
lin, der noch Mai 1522 zu Liebenzeil seinen »brennenden Eifer 
für die Verteidigung der Wahrheit und die Förderung des 
Schriftstudiums« gegenüber von Kon. Pellikan kundgethan 
hatte 1). Man darf aber auch die Stellung eines badischen 
Landeskindes, D. Kaspar Hedio aus Ettlingen in der 
Religionsfrage vergleichen. Hedio wollte »gar nicht 
Luthers Lehre, sondern ' allein Gottes Wort rein und 
klar predigen« 2). Der Standpunkt des Markgrafen ist ein 
wohlthuender, aber war auf die Dauer unhaltbar. Wollte 
man die Schrift als die höchste Lehrnorm anerkennen und 
daneben das Konzil als entscheidende Instanz für die Lehr- 
streitigkeiten , so stellte man das Prinzip der neuen 
Bewegung und das Prinzip der alten Kirche noch ver- 
trauensvoll nebeneinander, wie das Luther in seiner 
früheren Zeit auch gethan hatte, bis ihn die Disputation 
mit Eck 15 19 an den Konzilien irre machte. Es konnte 
nicht ausbleiben, dass die beiden Prinzipien zuletzt als 



*) Die Hauschronik Kon. Pellikans, deutsch von Th. Vulpinus S. 80. 
•) Erichson, Hedio in der Th. Realencyclopädie 7*, 516. 



56 Bossert. 

sass in dem festen Schloss Udenheim jenseits des Rheins 
und kam nur etwa zu den hohen Festen oder bei beson- 
deren Anlässen, auch auf Einladung des Domkapitels, 
nach Speier. Hatte das Kapitel ein Anliegen, so musste 
es Abgeordnete an den Bischof schicken. 

Der Bischof hatte seine eigene Kanzlei. Sein General- 
vikar, welchen der Bischof aus der Mitte des Domkapitels 
zu nehmen pflegte, sass in Speier, der Weihbischof aber, 
der ein wissenschaftlich tüchtiger Mann sein sollte, sass 
als Pfarrer in Bruchsal. Die adeligen Kapitularen waren 
selten vollzählig. Sie besassen viele auswärtigen Pfttlnden, 
die zur Residenz bei andern Domstiften verpflichteten. So 
hervorragende Mitglieder des Kapitels wie der Dompropst 
Georg von Schwalbach waren oft nur wenige Monate des 
Jahres in Speier. Die Leitung der Geschäfte lag meist in 
der Hand des Domdekans. Die Kräfte, die notwendig 
ganz fest zusammenarbeiten sollten, waren somit zer- 
splittert, der Geschäftsgang ein schleppender. Die ein- 
flussreichsten Männer in der Bischofsstadt waren die Dom- 
vikare. Man hat den Verkehr des Bischofs Georg mit 
dem Domkapitel noch besonders gerühmt. »Mit seinem 
Domkapitel stand Bischof Georg stets in freundlichem 
Benehmen. Er that nichts Wichtiges ohne dessen Vor- 
wissen und Einwilligung und Hess sich gerne von ihm 
beraten«, sagt Remling in seinem panegyrischen Buch^). 
In Wirklichkeit ist der Verkehr keineswegs ein über- 
mässig inniger und vertrauter. Der Bischof kam selten 
genug herüber, das Kapitel aber schickte zum Bischof nur, 
wenn man keinen andern Weg wusste. Gefragt wurde 
das Kapitel vom Bischof und der Bischof vom Kapitel 
nur in dringenden Fällen und bei Gefahren durch Prediger 
der neuen Lehre. Das Kapitel zeigte auch keinesw^egs 
besondere Verehrung und Hinneigung für den Bischof. 
Die Art, wie der Bischof aus Udenheim herübercitiert und 
ihm nach langer Vorbereitung in der Generalkongregation 
am 17. Januar 1528 der Kopf wegen mangelnden 
Glaubenseifers gründlich gewaschen und, wie im Vorüber- 
gehen, mit des Kaisers Ungnade gedroht wurde, war 



') Remling a. a. O. 2, 236. Vgl. Geissei, Kaiserdom 2, 160. 



68 Bessert. 

non posse aboleri, nihil refragor ecclesiae iudicio sensum- 
que meum vel reclamantem ad huius oraculum accommodoc, 
und wiederum: »me monet auctoritas et consensus eccle- 
siae«. Unwillig äussert sich der Bischof auch über die 
Pfarrer, welche ihren Gemeinden den Genuss von Milch, 
Käse, Eiern und anderer tierischer Nahrung gestatten. Noch 
interessanter ist die Kundgebung des Bischofs bei der 
Herbstsynode am i8. November 1522. Er klagt, dass die 
meisten Kleriker der Stadt und Diözese Speier sich 
ungehorsam beweisen, und verlangt, von allen zur Predigt 
und Seelsorge zugelassenen Geistlichen Predigt des Evan- 
geliums, aber lauter, vorsichtig und entsprechend den 
Sätzen der von der Kirche anerkannten Lehrer im Gegen- 
satz zur Verkündigung »abergläubischer, apokrypher, irriger, 
von der Kirche verworfener Lehren oder Schimpfen und 
Schelten, »ne, ubi causa dei agi debet, haereses, Schismata, 
scandala, odia et seditiones seminentur et tractenturc '). Ja 
am 28. April 1523 klagt der Bischof, die Lehre Luthers 
werde in den meisten Pfarreien durch Prediger, Pfarrer 
und unberufene Leute ausgebreitet 2). Stärker kann wohl 
die Verbreitung der Reformationsbewegxmg, der gegen- 
über der Bischof machtlos dasteht und nur über Ungehor- 
sam klagen kann, nicht charakterisiert werden. Man muss 
diese Klage des Bischofs, wenn man sie auch nicht pressen 
darf, im Auge behalten, wenn wir gleich von den zahl- 
reichen Predigern, die der Bischof kennt, nur verhältnis- 
mässig wenige mit Namen zu nennen wissen. 

Oben haben wir Wenceslaus Strauss in Heidelberg 
erwähnt») und in Speier Wernher von Goldberg*). 
Letzterer verdient nähere Beachtung, da wir durch eine 
kleine Flugschrift über ihn und sein Schicksal wie seinen 
reformatorischen Standpunkt unterrichtet sind. Diese Schrift 
führt den bezeichnenden Titel: Eyn klaggeschrifft des Ersame 
vnd I wirdigen Herren Wernher von | Goldberg, pfarrer 
zu Speyer zu | sant Martin gewesen, an alle | Stende Teüt- 
scher nation, | wie unförmlicher weyss gatz geschwind | on 
erfordert einiges rechten mit eygen tyrann | ische gewalt 



*) Pr. Syn. f. 63, — *) Pr. Syn. f. 67 ff.: in plerisque nostrae 
dioecesis locis et parochiis. — •) S. 52. — *) S. 49. 



70 Bessert. 

verzeren. Aiijv. Bijv. Mit dem Kolben lausen. B. Sy 
sehent, daß mancher frummer Priester in der kirchen g^oß 
arbeyt hat, der muß essen die sprewer mitsampt den 
ackerpferden, die den habern im feld bawen müssen. Bv. 
Den kern fressen. Aiijv. ßv. Die faulfressigen pfaffen- 
megt, Bv. Einem eins ins liecht geben. Bij. Den arß 
verbrennen. Biij. Aus einem hafen essen lassen. Biij. Das 
geistlich Recht ist krank. Biiij. Das Recht wenden wie 
ein boßkugel (gedrehte Kugelj. Biij. So man tausend 
Choresel zusammen thet vnd ließ sy heulen zu zeiten, als 
geschieht, wie die esel in den mülen thunt. Biij. 

Reime: Der gemeyn laye wirt gemacht zu einem 
afFen von wegen der bösen pfafFen. Aiij. Du gemeyner 
man, du siehst es vor dir stan. B. Ob der Teuffei hierten 
vnd schaff mit einander holet, dann farent sie hernach zu 
mit großem schall, all hernach, all hernach, damit wirt die 
Hell voll. Aiiij. 

Goldberg klagt, dass infolge der Inkorporation der 
Kirchen an die Stifte und Klöster die Pfarrer kein aus- 
kömmliches Einkommen haben i). Er habe den Bischof 
um Schaffung einer genügenden Kompetenz gebeten, aber 
dieser habe ihm nicht helfen können. Denn in Speier 
gelte nur der Dom als einzige Pfarrkirche, welcher der 
Zehnten zustehe. Die andern Pfarrkirchen seien es nur 
nominell, ihre Pfarrer eigentlich nur Kapläne, die beim 
Pfarrer Wohnung und Tisch haben sollten. Diese Titular- 
pfarrer nehmen ihr Amt ohne Zugabe einer Vikarei, die 
ihnen mehr trägt, als die Pfarrei, gar nicht an. Aber der 
Gottesdienst mit Lesen und Singen leide dabei Not, da 
sie die Vikarei in Anspruch nehme. Er lobt die Strass- 
burger Domgeistlichkeit, welche den Pfarrern ihrer Kollatur 
eine Kompetenz geschaffen habe^). 

Ein zweiter Mangel ist das Fehlen eines Pfarrhauses. 
Der Pfarrer sollte sein eigenes Haus haben, das zinsfrei 
sein sollte, und nicht an der Gasse liegen wie ein Schaf- 
rüde (Schäferhund). Die Pfarrei S. Martin liege in der 
Vorstadt, die nachts von der Stadt abgesperrt sei, sodass 
die Pfarrkinder in der Nacht des Seelsorgers entbehren 



*) Aiij. — *) Aiiij. 



72 



Bossert 



i8 fl. trage, davon nehme ein Pfaffe lo fl. Absent und 
lasse die Actus durch einen Dritten versehen, der dafür 
8 fl. bekomme. Die Messverpflichtung der nicht residieren- 
den Priester führe zu viel Unordnung. Die Messen werden 
nicht auf die gestifteten Tage oder gar nicht gelesen. 
Die Kurtisanen, die mit Hilfe Roms viele Pfründen zu- 
sammenbringen, laufen von einer Kirche zur andern, um 
ja rechtzeitig zur Prim zu kommen und dann die Präsenz 
einzunehmen; um Andacht und Singen sei es ihnen nicht 
zu thun. Unter den Kurtisanen nennt Goldberg besonders 
Hans Schleyer zu S. Wido, der viele Pfründen, auch in 
der Stadt Speier besitze und dabei zwei oder drei Mägde 
halte. Goldberg machte nun nach Kaiser Sigmunds Refor- 
mation den Vorschlag, man sollte die Pfaffen, Pfarrer und 
Kapläne alle zu, einem gemeinsamen Leben nötigen wie 
die Mönche, wo sie die Bibel lesen, gemeinsam speisen 
und zusammen auf dem Dormitorium schlafen. Die Pfarrer 
sollte man auf kein anderes Opfer anweisen als die vier 
Opfer an den hohen Festen und ihnen dagegen aus- 
reichende Pfründen geben i). Nun brach ein Sturm los. 
Die Frauen von S. Wido fürchteten, »von ihren Pfaffen 
vertrieben zu werden« 2), und schürten. Die Geistlichen 
warfen einen tödlichen Hass auf Goldberg, er wurde von 
seiner Pfarrei vertrieben 3). 

Was Goldberg uns erzählt, ist der Sturm im Wasser- 
glas. Die grossen Prinzipien der Reformation kommen 
hier in Form hitziger Streitigkeiten um Stücke des täg- 
lichen Lebens jener Zeit zum Austrag. Man kann sich für 
eine Gestalt von Wernher von Goldberg nicht sehr 
erwärmen. Er ist ein unbesonnener Mann, der die Laien 
auffordert, den Pfaffen mit dem »Kolben zu lausen«, und 
die Ritterschaft, ja das ganze heilige römische Reich 
mahnt, die »Büberey der Simonie der bösen Pfaffen, wie 
das Unkraut auszureuten«*), obwohl Sickingen eben gefallen 
war. Er droht auch mit seinen Angriffen fortzufahren und 
in der Presse vor die Öffentlichkeit zu bringen, was er vor- 
mals in seiner Kirche unter dem Dach gepredigt habe«). 

M Bij. — *) Biij. — *) Der nun von solchen sagt, den wollen sy 
haben todt. Biij. — *) Bl. B. Mit dem Kolben lausen d. h. mit dem Streit- 
kolben dreinschlagen. — •) Bl. Biiij. 



74 



Bossert. 



Denn die Annahme, dass sich 1523 Mönche »ärger- 
licher Entweihungen des Predigtstuhles schuldig gemacht« 
hätten i), ist durchaus unhaltbar. Allerdings hat das Kapitel 
dem Domprediger den Befehl gegeben, künftig keine 
Mönche mehr an seiner Stelle im Dom predigen zu lassen. 
Allein die Überlassung des Predigtstuhls im Dom an 
Mönche war schon früher dem Domkapitel widerwärtig 
gewesen. Schon 1504 wurde der hochangesehene Dom- 
prediger Jod. Gallus beim Bischof vom Kapitel verklagt, 
weil er während seiner Krankheit die Prädikatur durch 
Mönche und nicht, wie herkömmlich, durch Weltgeistliche 
habe versehen lassen. Gallus erschien am 24. Mai 1504 
vor dem Kapitel, um sich zu entschuldigen, er hätte 
lieber dem Herkommen gemäss Weltgeistliche verwendet, 
wenn er solche hätte bekommen können«). Ganz dasselbe 
war der Fall, als das Domkapitel am 3. Nov. 1523 sein 
Missfallen an den Mönchspredigten aussprach»). Der alte 
Domprediger Hans Kriech war kaum der Mann, der 
neuerungssüchtige Mönche ohne Not auf die Kanzel 
geschickt hätte; das vornehme Kapitel aber hielt an der 
alten Tradition fest, wornach Mönche für sie zu tief standen. 
Dagegen erfahren wir kurz nachher von einem Pre- 
diger der Grundprinzipien der Reformation, dessen Auf- 
treten umsomehr überraschte, je angesehener die Stellung 
des Predigers war, der neben dem Domprediger gewöhn- 
lich als der gelehrteste Priester in Speier galt. Es ist 
dies der Kreuzherr Eucharius Henner von Bretten, der 
1523 geistlicher Richter des Bischofs war und am 20. März 
den Landauer Reformator Job. Bader bei seiner Verant- 
wortung vor dem bischöflichen Gericht unfreundlich behan- 
delt hatte-*). Henner oder Gallinarius war Humanist und 
als solcher ein Verehrer Wimpfelings^). Obwohl wahr- 
scheinlich, wie Wimpfeling, der Besserung der Geistlichkeit 
geneigt, war es ihm doch möglich gewesen, der alten 
Kirche als geistlicher Richter zu dienen, vielleicht mit der 



») Remling a. a. O. 2, 248. - ») P. 260. — ») p. 71. — *) Ney, Art. 
Bader. Theol. Realcncyclop. 2^ 354. — *) Er widmete 1. Sept. 1494 den 
Stilpho Wimpfelings dem Mag. Berthold Kyrsmann von Horb (Mitteilungen 
des bist. Vereins der Pfalz XIX, 41) und wurde 1479 Magister in Heidel- 
berg. Töpke 2, 412. 



76 



Bossert. 



um Rat und Hilfe angehen. Wirklich muss es gelungen 
sein, .Henner von seinen polemischen Predigten zurück- 
zubringen, denn künftig machte er nur mit unregelmässiger 
Haltung der Messen und deren schlechter Bezahlung an 
die celebrierenden Priester dem Kapitel zu schaffen '). 

Sehr misslich war es, dass es dem Kapitel und dem 
Bischof nach dem Tod des bisherigen Dompredigers Hans 
Kriech, des Nachfolgers von Jod. Gallus, im Frühjahr 1524 
nicht gelungen war, einen Mann zu finden, der im Stand 
gewesen wäre, den Predigern der neuen Lehre mit Erfolg 
gegenüber zu treten und das Volk wieder für die alte 
Kirche zu gewinnen. Aber dazu war weder der Dekan 
des Trinitatisstifts Jak. Hartlieb, der interimistisch die 
Domkanzel bis August 1524 versah 2), noch der neue Dom- 
prediger Dr. Friedrich Gro von Dirmstein 3) im Stande. 
Gro hatte gar nichts Volkstümliches an sich und wusste 
auch im Kreise der Altgläubigen sich keinen besonderen 
Ruf zu erwerben. Der wohl aus der Hand Joh. Fabris 
stammende Bericht über die im katholischen Glauben 
standhaften Doktoren aus dem Jahr 1535/36 nennt wohl 
eine Reihe katholischer Prediger, darunter sogar Friedrich 
Schaup in dem einfachen Landstädtchen Riedlingen, Zwicks 
Nachfolger, und Peter Wickgram, Pfarrer in Bruchsal, 
aber von Gro nimmt er keinerlei Notiz, obwohl er ihn vom 
Reichstag her kennen musste*). Um so mehr Zulauf hatte 
jeder Prediger im Dom, der für die neue Lehre eintrat. 
Am 24. März 1525 war ein solcher aufgetreten. Der Dom- 
vikar der Martinskapelle Matern Hatten verliess den Chor, 
als der Prediger beginnen sollte, lieh ihm sein Neues 
Testament und hörte der Predigt zu. Als ihn der Provisor 
Laur. Herdegen darüber zur Rede stellte, gab Hatten eine 
trotzige Antwort und drohte, es den Bürgern sagen zu 
wollen, eine Drohung, die damals bei der herrschenden 
Aufregung sehr gefahrlich war, die aber auch beweist, wie 
die Gunst der Bürger ganz auf Seiten der Neuerer war *). 



*) P. 99. Zu beachten ist, dass auch in Strassburg der Fiskal Ger- 
vasius Sopher, nachdem er eben noch gegen die Vertreter des Evangeliums 
vorgegangen war, zu ihnen übertrat — *) P« 10 1. — ^) S. oben S. 53. — 
*) Zeitschrift für Kirchengeschichte 1900, 89. — *) P. 122. 



•jS Bessert. 

Bischof, die Schlösser und Flecken mit Besatzung zu ver- 
sehen und das österreichische Regiment in Stuttgart, das 
eine starke Stütze für die alte Kirche zu sein schien, um 
Rat anzugehen. Der Bischof aber ritt zu seinem Bruder 
nach Heidelberg. Dieser war für sofortige Entlassung des 
Weihbischofs, da er die Stimmung in Bruchsal nicht für 
nachhaltig hielt. Engelbrecht aber forderte entweder ein 
Verhör samt rechtlichem Austrag oder Belassung seiner 
Pfründen und Ersatz aller Unkosten bei Erlangung seiner 
bischöflichen Würde. Keiner der beiden Wege war für 
den Bischof gangbar. Jener Hess Engelbrecht Zeit, in 
Bruchsal seinen Anhang zu verstärken, musste Aufsehen 
erregen und war in seinem Ergebnis unsicher, wie dies 
im Dezember bei Albers Prozess in Esslingen der Fall 
war. Der andere Weg kostete finanzielle Opfer, die der 
bischöflichen Kasse beschwerlich waren, und machte ihm 
die Anstellung eines neuen Weihbischofs unmöglich. Des- 
wegen wollte der Bischof die Sache dem Legaten Cam- 
pegius übergeben, als er seine Räte zum Regensburger 
Konvent sandte. Doch entschloss sich der Bischof schliess- 
lich Ende Juli, gestützt auf den Rat seines Bruders und 
des Kapitels, ohne Rücksicht auf die Gemeinde Bruchsal 
vorzugehen und Engelbrecht zu entfernen. Zuerst aber 
musste man die etwa von der Gemeinde drohende Gefahr 
beseitigen. Zu diesem Zweck sojlte eine feierliche Gesandt- 
schaft von bischöflichen Räten und drei Abgeordneten 
des Kapitels nach Bruchsal reiten. Dcis Kapitel ordnete 
jetzt die obengenannten drei Mitglieder ab. Das Erscheinen 
der grossen Gesandtschaft und der Ernst ihres Auftretens 
konnte nicht ohne Eindruck in Bruchsal bleiben. Der Aus^ 
schuss der Gemeinde wurde vor die hohen Herren be- 
schieden, welche ihnen erklärten, der Bischof könne aus 
vielfältigen wichtigen Ursachen ihnen nicht willfahren. Der 
Ausschuss, dem aller Mut vergangen war, bestrebte sich, 
die Bitte von Ende Juni in möglichst günstigem und unschul- 
digen Licht erscheinen zu lassen und bestritt jeden Hinter- 
gedanken, obgleich gerade dieser Eifer etwas verdächtig 
klang. Sie wollten nur für ihren getreuen Seelsorger, der 
sie christlich und zum Heil ihrer Seelen geweidet habe, 
gebeten und für ihr Seelenheil gesorgt haben. Jetzt, da 



8o Bessert. 

Fragen wir weiter nach den Trägem der vom Bischof 
als bedeutend anerkannten Verbreitung der neuen Lehre, 
so sei nur an Joh. Bader in Landau*), Joh. Schwebel 
in Zweibrücken 2) und Nik. Thomä von Sigelsbach in 
Bergzabern») erinnert. Hier kann nicht weiter davon die 
Rede sein, da sich für sie nichts Neues bieten lässt. 

Wenden wir uns nach Osten, so muss zuerst betont 
werden, dass die Vorstellungen, welche Struve von der Refor- 
mation der Pfalz verbreitet hat, völlig irrig sind. Es ist 
falsch, dass im Jahr 1521 und 1522 die päpstliche Religion 
im Kraichgau und in der Unterpfalz nicht allein in 
ritterschaftlichen, sondern auch in den kurfürstlichen 
Flecken und Dörfern abgeschafft und dagegen die neue 
evangelische Lehre überall eingeführt worden sei, 
ohne dass diesfalls einige Hinderung gemacht wurde. Die 
Liste evangelischer Prediger, welche Struve für jene Jahre 
aufstellt, indem er des Dav. Chyträus*) oratio de Grechgaea 
ausschreibt, ist unhaltbar. Schon Vierordt hat bemerkt, 
dass Chyträus für die Behauptungen Struves und seiner 
unkritischen Nachschreiber keine Grundlage bietet, denn 
Chyträus unterscheidet ganz deutlich drei Schichten von 
Männern, welche um die Reformation des Kraichgaus sich 
verdient gemacht haben. 

Erst nennt er vier Männer, welche um 1521 xmd 1522 
den Grund für die Reformation in jener Gegend gelegt 
haben, nämlich Erh. Schnepf erst in Guttenberg, dann 
in Wimpfen, M. Bernhard Griebler^) in Gemmingen, 
M. Martin Germanus in Fürfeld und Joh. Gallus in 
Sulzfeld 6). Etwas später") setzt er Wolfgang Busius 
d. h. Busch, Pfarrer in Gemmingen, und seinen Kollegen 
Franz Irenicus und ihnen gleichzeitig») Joh. Rudolph! 
und Matth. Chyträus in Menzingen, Nik. Trabantius 

1) Ncy, Art. Bader in der Theol. Realencyclopädie 2\ 353. — ») Th. 
Realencyclopädie 14*, 57. — •) Röhrich, Gesch. der Reformation im Elsass 
3, 400. 401. — *) Wieder abgedruckt bei Joh. Jak. Reinhard, Renim pala- 
tinanim scriptorum volumen I. Carolsruhae (!) MD. CC. XLVIII. S. 487 
—520. Der Abschnitt über die Reformation steht S. 511— 512. — *) Chy- 
traeus S. 511 nennt ihn Grubler. — *) Hi quatuor viri eodem fere tempore 
c. annum christi 1521 et 1522 prima sincerioris religionis fundamenta in 
ea regione iecerunt. Ebenda. — ^) Hos secuti sunt. — >) Docuerunt eodem 
tempore. 



3 



82 Bessert. 

Wenn neben ihm noch zwei andere Pfarrer, die 
gleichzeitig unter Strauss magistrierten , genannt sind, 
Peter Reinhardi von Eppingen und Beatus Hor- 
nick von Hochhausen, so sind das wohl auch Gesinnungs- 
genossen i). Ganz mit Recht weist Chyträus Wolf- 
gang Busch, Franz Irenicus, Joh. Rudolphi, Matth. Chyträus 
und Nik. Trabantius einer späteren Zeit zu. Wolfgang 
Busch oder Buss aus Gemsbach 2) war wohl nach dem 
Abzug des letzten katholischen Pfarrers von Wolf von 
Gemmingen berufen worden, während Irenicus erst 153 1 
nach Gemmingen kam, und zwar als Prediger und Prä- 
ceptor. Am Palmsonntag 1531 war er aus seiner Stelle 
als Hofprediger in Baden ausgeschieden s). Joh. Rudolphi 
war noch im Oktober 1525 bei Unterzeichnung des Syn- 
grammaSuevicum in Öhringen*); Matth. Chyträusaber war 
1525— 1530 noch Pfarrer in Ingelfingen OA. Künzelsau^). 
Nik. Trabantius, eigentlich Trabolt«) aus Heubach 
am Main, der 15 19 in Heidelberg studierte, war noch 
1529/30 Diakonus in Hall'). 

Die dritte Generation, welche Chyträus unterscheidet, 
gehört wohl erst in die 40er Jahre. Joh. Siderokrates oder 
Eisenmenger war, wie ich in der Geschichte der Refor- 
mation in Kümbach gezeigt habe«), erst von 1544 an Pfarrer 
in Bretten. In Eppingen aber starb 1518 Joh. Rautland 
als Pfarrer»). Sein Nachfolger war Peter Bernhardi^^^). 
1525 aber war Anton Eisenhut, früher Pfarrer zu Weiler 
OA. Brackenheim. Pfarrer in Eppingen und wurde wegen 
Teilnahme am Bauernkrieg zu Bruchsal am 25. Mai 1525 ent- 
hauptet 1^). Die von Chyträus für Eppingen weiter genannten 
Namen dürften eine Reihe bilden, in der einer dem andern 
nachfolgte. Ihre Zeit lässt sich freilich bis jetzt nicht 
sicher ermitteln. Die von Georg Junior oder Jung lässt 

^) Töpke 2, 439. I, 487, 498. Hornick heisst auch Calliopodii. — 
*) Töpke I, 507. 1516 in Heidelberg. — ») Keim, Schwab. Reformations« 
geschichte S. 282. — *) Er unterzeichnet als Orengiacensis. Wibel, Hohen* 
lohische Kirchen- und Reformationsgeschichte 4, 164. — ^) Wibel a. a. O. i, 
299. - «) Töpke I, 519. — ^) Er ist der Nikolaus, den Brenz 12. Juli 153c 
grüssen lässt. Corp. Ref. 2, 187. Pressel, Anecd. Brentiana 92. — 
») Vgl. diese Zeitschrift N.F. Band XH, 97. ») Töpke 2, 435. — ») Töpke 
2> 439* — ^^ Haarer, Beschreibung des Bauernkriegs c. 64. 



8j_ Bessert. 

dort im Amt. Ob Renneisen der erste evangelische Pfarrer 
war, bleibt noch zu erforschen. 

Ausser den von Chyträus genannten Predigern kennen 
wir jetzt noch eine Reihe Anderer, so in Michelfeld 1525 
M. Seb. Dietz und seinen Kaplan Matthias Ritter in 
Eichtersheim, der 1533 nach Frankfurt kam ^), Dionysius 
Melander oder Schwarzmann, Dominikaner aus Ulm, der 
in Pforzheim im Dominikanerkloster eine Zeitlang das 
Evangelium predigte, bis ihm seine Ordensgenossen das 
Predigen wehrten und ihn mit ehrenvollem Zeugnis und 
guter Zehrung aus dem Kloster entliessen, damit man ihn 
nicht für einen entlaufenen Mönch halte. Nunmehr predigte 
Melander an verschiedenen Orten in der Pfalz und in 
Schwaben, kam aber 1525 nach Frankfurt und wurde 
1535 Hofprediger des Landgraten Philipp von Hessen in 
Kassel 2). 

In Neckarzimmern stand schon 1522 unter Götz von 
Berlichingen JörgAmerbacher^j, der sich aber nach dem 
Bauernkrieg dort nicht mehr sicher gefühlt haben dürfte. 
Wenigstens sprengte sein kirchlicher Gegner, der branden- 
burgische Amtmann Christoph von Wolmershausen aus, 
der pfälzische Amtmann zu Mosbach habe das Dorf zu 
Ross und Fuss überfallen, um den Pfarrer gefangen zu 
nehmen, aber er sei entronnen. Ende 1525 oder Anfang 
1526 fand Amerbacher einen Dienst als Pfarrer in Blau- 
felden unter Markgraf Georg von Ansbach, wo er in 
nahem Verkehr mit Brenz in Hall stand und sich von ihm 
unterrichten Hess, aber auch als entschiedener Gegner des 
alten Wesens auftrat, so dass ihn der ebengenannte 
Wolmershausen beim Markgrafen verklagte*). 

Für Kürnbach habe ich früher Wendel Ziegler 
als evangelischen Pfarrer vor dem Bauernkrieg nach- 



*) Evangelisches Denkmal der Stadt Frankfurt a. M. (Frankfurt 1726) 
S. 86. Eichtersheim soll nach Kitter in Michelfeld eingepfarrt gewesen sein. 
Dietz wäre also Pfarrer in Michelfeld und Ritter sein Vikar oder Kaplan 
in Eichtersheim gewesen. — *) Ebd. S. 85. Vgl. oben S. 55. — ^) Über 
seinen Zusammenstoss mit dem Heilbronner Barfüsser vgl. Vierordt S. 142. 
— *) Theol. Studien aus Württemberg i, 170, 185 nach Akten des Kreis- 
archivs Nürnberg. Ebd. S. 185 die interessanten 15 Klageartikel gegen 
Amerbacher. 



86 Bossen. 

Wir haben auch oben gefunden, dass Wemher von Gold- 
berg Luthers und andere Schriften kennt. Noch klarer 
aber ergiebt sich die Bedeutung der Flugschriftenlitteratur 
aus dem bischöflichen Synodale vom 13. Mai 1522, in 
welchem geklagt wird, dass viele Geistliche lutherische 
Büchlein als ihre unzertrennlichen Begleiter in der Hand 
und im Busen führen, so gut als Augustins Enchiridion und 
sie nicht nur während des Psalmengesangs in den Hören, 
sondern selbst während der Messe hervorholen und lesen ^). 
Halbgelehrte PfafFlein, ruft der Bischof unmutig, lesen diese 
giftigen Büchlein Tag und Nacht für sich allein in der 
Einsamkeit und verbreiten sie ohne Rücksicht auf Per- 
sonen, Zeit und Ort allenthalben, bringen auch jeden zum 
Schweigen, der ihnen wehre 2). Was* der Bischof zu klagen 
hat, ist nur der Widerhall der Klagen des Generalkapitels 
am 5. Mai und 21. Juli 1522, wo das Lesen sonderer oder 
lutherischer Büchlein während des Gottesdienstes mit dem 
Entziehen der Präsenz und Gefängnis (Legen ins Kloster) 
bedroht wurde »). Aber die Drohung half nichts, denn am 
15. April 1523 w^urde wieder über Lesen von Büchlein im 
Chor sub divinis geklagt und besonders die Martinenses, 
die Vikare der S. Martinskapelle im Dom, darüber an- 
geklagt *). 

An der Produktion von Flugschriften ist nach dem 
bisherigen Stand unseres Wissens unsere Gegend nicht 
gerade sehr stark beteiligt. Wir kennen von Hans Land- 
schad zwei kleine Schriften, die eine aus dem Jahr 1522*), 



*) Sunt, qui exotico isto Lutherianae pravitatis dogmate adeo absorpti 
dementatique sint , ut non vereantur huiusmodi depravatissimae doctrinae 
libellos aeque ac magni illius Aurelii Augustini enchiridion et manu et sinu 
individuos secum comites gestare depromentes eosdem non modo inter 
psallendum septenas illas horas canonicas, . . verum etiam inter decantandum 
sacrosanctae missae officium. Lib. proc. synod 57 if. ~ ') Quidquod eosdem 
sacrificuloSy etsi semidoctos, toxico tamen Lutherani dogmatis veneno refertos 
non pudet hos ipsos pestiferos libellos non modo diurna noctumaque manu 
sibi solis amotisque arbitris versare, verum etiam conceptum intra se 
Lutheranum virus nulla prorsus habita ratione vel personarum vel loci vel 
temporis passim diffundere etc. Ebd. — *) P. 34. 41. — *) P. 55. — 
^) Ain Missiue an Ludwygen Pfaltzgrauif bey Reyn. Von wegen der göt- 
liche leer, zu beschirmen. 4 £1. (Kgl. Bibliothek in Berlin). 



88 Bessert. 

magistrierte ^) und 15 17 den 31. März Baccalaureus juris 2), 
1527 26. Febr. aber Licentiatus juris wurde s) und ein Ver- 
wandter des spätem Kindmeisters Peter Kirscher war. 
Meister Heinrich hatte alle Freude an seinem Beruf ver- 
loren, in dem er viel mit seinen Schülern beim Gottesdienst 
zu singen hatte, und kam selten zur Schule, die er seinen 
Gehilfen überliess, so dass man ihn immer wieder zum 
Fleiss ermahnen musste^). Seine Schule hatte unter allen 
Schulen in Speier die geringste Schülerzahl. Zum Ent- 
setzen der Geistlichkeit und Laien kam auch im März 
1524 zu Tag, dass er die Schüler ein eigenes Confiteor 
gelehrt hatte, in welchem Maria und die Heiligen aus- 
gelassen waren. Man wird wohl annehmen dürfen, dass 
ihm der Nürnberger Schulmeister und Kantor bei der 
h. Geistkirche Seb. Heyden mit seiner Änderung des 
»Salve regina« in »Salve Jesu Christe« den Anlass gegeben 
hattet). Das Kapitel drang nunmehr auf seine Entlassung 
und auf Neubestellung der Schule zwischen Pfingsten und 
Joh. Baptista (24. Juni)6). Allein die Sache ging nicht so 
rasch. Meister Heinrich glaubte dem Kapitel keine 
Ursache zur Unzufriedenheit gegeben zu haben. Wenn 
das Kapitel auf seiner Entlassung beharre, möge es ihn 
wenigstens bei seiner Bewerbung um eine erledigte Stelle 
im Kollegium zu Heidelberg unterstützen"). Wirklich 
erstreckte man ihm den Termin bis zur Zeit von Jakobi 
(25. Juli) bis Maria Geburt (8. Sept.) und unterstützte seine 
Bemühung um die Professur in Heidelberg»). Sie blieb aber 
erfolglos, darum bat Meister Heinrich um Frist bis Ostern 
1525, falls man nicht ganz auf seine Entlassung verzichten 
wolle, versprach aber, sich ganz der lutherischen Sekte zu 
entschlagen und sich durch Fleiss die Zufriedenheit des 
Kapitels zu erwerben 9). Da aber seine Entlassung durch 
das Generalkapitel beschlossen worden war, musste er bis 
zum nächsten Generalkapitel an Allerheiligen auf einen 
endgiltigen Bescheid warten. Wirklich Hess man ihm sein 
Amt. Das Kapitel musste froh sein, dass Heinrich 



') Töpke 2, 436. — ') Töpke 2, 522. — ») Töpke 2, 537. — *) P. 55. 

— ^) Medicus, Geschichte der evangel. Kirche in Baiem S. 9. — *) P« 83. 

— 1) P. 83. - 9) P. 86. — ») P. 105. 



Badisch-pfälzische Reformationsgeschichte. 8o 

Besserung in seiner kirchlichen Haltung und seiner Schul- 
thätigkeit versprach. Denn ein Schulmeister, der in alt- 
glaubigem Sinn arbeitete, war schwer zu bekommen'). 
Die mangelnde Frequenz aber hatte ihren Grund nicht 
etwa nur im Unfleiss des Lehrers, sondern in der Ent- 
fremdung der Geister von der Kirche, der die Domschule 
dienen sollte, wie das später klar zu Tage trat. 

{Fortsetzung folgt.) 

h P. 108. 



i 



Geschichte der Reichs vogtei Kaysersberg, 

Von 

Joseph Becker. 



I. Äussere Entwicklung, 
Verleihungen und Verpfandungen bis 178g. 

Die Reichslandvogtei Elsass, nach ihrer Residenz auch 
einfach Landvogtei Hagenau genannt, umfasste bekanntlich 
das Territorium der etwa 50 Reichsdörfer in der Umgebung 
Hagenaus, den heiligen Forst daselbst und die Zehnstädte: 
Hagenau, Weissenburg, Rosheim, Oberehnheim, Schlett- 
stadt, Kolmar, Mülhausen*), Kaysersberg, Münster und 
Türkheim ^). Diese drei letzteren Städte waren im engeren 
Verbände zu einer Reichsvogtei geeinigt. Zur Zeit ihrer 
vollen Ausbildung umfasste diese »Reichsvogftei Kaysers- 
berg« ausser Türkheim und Münster mit dem Gregorien- 
thaie auch die Reichsfeste Plicksberg samt ihren Depen- 
denzien und teilweise die Orte Ammerschweier, Nieder- 
morschweier und Winzenheim. 



^) Mülhausen schied 1515 aus dem Decapolisbunde aus; Landau war 
vorher schon in den Bund aufgenommen worden. — *) Man vergleiche 
darüber meine früheren Abhandlungen: a. »Die Landvögte des Elsass von 
1308 — 1408«. Strassb. Inaugural-Dissertation 1894. ^* *^^^ Wirksamkeit 
und das Amt der Landvögte«, diese Zeitschrift, Bd. X Heft 3, 1895. 
c. »Die Verleihung und Verpfändung der Reichslandvogtei Elsass von 
1408 — 1648«, ebenda Bd. XII Heft i, 1897. ^' ^Geschichte der Reichs- 
dörfer der Landvogtei imd Pflege Hagenam, ebenda Bd. XIV Heft 2, 1899. 
e. »Das Beamtentum der Reichslandvogtei Hagenau«. Mitteilungen der 
Gesellschaft für Erhaltung der geschichtlichen Denkmäler des Elsass Bd. XIX, 
1898. f. »Vorgänge bei der Präsentation eines Reichslandvogts in den 
Städten des Elsass«, Jahrbuch des Vogesen-Clubs, 1899. 



92 



Becker. 



Eschbach, sowie Hohrod, Stossweier, Sulzern. Diese Dorfer 
bildeten mit Münster selbst eine Gemeinde, zu deren Stadt- 
rat die Stadt 6, die Abtei 3, die Dörfer aber 7 Mitglieder 
stellten. Dieses Münster mit dem Gregorienthaie wurde 
seit 1235 durch die Begünstigung der Staufer und der 
folgenden Könige aus der kirchlichen Immunität aus- 
geschaltet: es wurde eine freie Reichsstadt. In wieder- 
holten Verträgen verständigten sich Stadt und Abt in der 
Folgezeit über ihre gegenseitigen Rechte, so 1287 durch 
Vermittlung des kaiserlichen Vogtes Dietrich vom Rande 
und 1339 durch einen Vertrag des Abtes Marquart mit 
der Bürgerschaft*). 

Türkheim, am Eingange des Münsterthaies gelegen, 
war 896 durch König Zwentibold von Lothringen der 
Abtei Münster geschenkt worden. Gegen Ende des 
13. Jahrhunderts blühte dort eine beträchtliche Gemeinde. 
Auch hier war der Sinn für städtische Freiheiten erwacht, 
und Abt Johann musste 131 1 die Erbauung von Stadt- 
mauern und Türmen genehmigen. Bereits ein Jahr später 
erhob Kaiser Heinrich Vll Türkheim zu einer freien Reichs- 
stadt und verlieh ihr dieselben Stadtrechte wie Kolmar. 
Die folgenden Kaiser haben diese Rechte wiederholt 
bestätigt und erweitert. Dem Abte von Münster verblieb 
ein Dinghof, eine Kapelle mit Ackern, Gärten, Wiesen, 
Reben, eine Mühle und eine Ziegelbrennerei. Ausserdem 
behielt die Abtei das Fisch- und Jagdrecht, sowie einen 
nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Administration 
der Stadt. Ein kaiserlicher Schultheiss wahrte die Rechte 
und Interessen des Reiches neben einem landsbergischen 
Schultheissen. Der südöstliche Teil Türkheims nämlich, 
rechts der Fecht, etwa ein Drittel, war alter Ostreichisch- 
Landsbergischer Besitz. Aus dieser Doppelherrschaft in 
Türkheim erwuchsen höchst schädliche Zwiste. Im Jahre 
1400 wurde inbetreff der fremden Ansiedler zu Türkheim 
folgende Vereinbarung getroffen: »Alle Einwanderer, welche 
aus dem Landstrich zwischen dem Eckenbach, den »Ottonis 
Colles«, dem Blindbach und dem Kamme der Vogesen, 

*) Vgl. Ohl, Geschichte der Stadt Münster und ihrer Abtei. 1897. 
S. 104 und 118 f. 



Die Reichsvogtei Kaysersberg. gi 

dann aus dem obern Mundat, aus dem Gebiete der Abtei 
Murbach und der Edlen von Hattstadt, aus den Reichs- 
städten und den Reichsdörfern kommen, sollen der Reichs- 
vogtei unterworfen sein; alle aber, welche anderswo her- 
stammen, insbesondere die aus österreichischen Gebiets- 
teilen, sollen der Landsbergischen Herrschaft zugeteilt 
werden« >). 

Trotzdem hatten die Reichsvogteibeamten später viel- 
fach Veranlassung, sich beim Oberlandvogt und Kaiser zu 
beklagen, dass die Inhaber der Herrschaft Laridsberg das 
Reich schädigten, indem sie die zuziehenden Bürger zu 
Türkheim sich willkürlich mit »Bete, Steuer und Fronden« 
dienstbar machten. Derartige Beschwerden gegen die 
Herrn von Lupfen, als damalige Pfandinhaber von Lands- 
berg, führten am 5. Januar 1^88 durch die Vermittlung 
des Abtes von Münster und der vStadt Colmar zu folgendem 
Vertrag zwischen dem Oberlandvogt Pfalzgrafen Philipp 
und dem Grafen Sigmund von Lupfen: ^Alle, welche jetzt 
zu Türkheim innerhalb der Ringmauer sesshaft sind, Edle 
und Unedle, und alle künftigen neuen Ansiedler sollen 
Reichsbürger sein und eine einzige Gemeinde bilden. 
Demnach sollen alle Sonderungen und Teilungen der 
L*-ute zu Türkheim aufhören. Trotzdem können auch der 
Herr von Landsberg und der Abt von Münster fortab 
ihre Ämter in Türkheim wie von altersher besetzen und 
bei der Ratssatzung mitwirken. Der Stettmcister aber soll 
von des Reiches wegen die Siegel und Schlüssel der Stadt 
besitzen. Die vereinigte Bürgergemeinde muss den ein- 
zelnen Herrschaften ihre hergebrachten Einnahmen an 
>rrewerfen, Zinsen, Gülten« leisten. Insbesondere aber 
beziehen die Grafen von Lupfen jährlich von Türkheim 
ein Fuder Wein dafür, dass sie fortan auf Fron- und 
Reisedienste seitens der Stadt verzichten. Der Reichs- 
«hultheiss und der Landsbergische Schultheiss sollen beide 
n Gericht sitzen, den Stab führen, richten und versiegeln. 
Alle niedern Frevel in Bann und Stadt Türkheim werden 
^ieichmässig geteilt. Jedoch bleiben ^Priester, l^dle, 

h SchöpÜin, Als. ill. II S. 420. 



94 



Becker. 



Bastarde, Juden, sowie alle Blutsachen dem Oberlandvogt 
von des Reiches wegen vorbehalten« >). 

Türkheim gegenüber auf dem rechten Ufer der Fecht 
beherrschte die Reichsfeste Plicksburg den Eingang des 
Münsterthaies. Ihre Entstehung ist unbekannt. Erwähnt 
wird das Schloss Plicksberg zuerst in den Annales Kol- 
marienses zum Jahre 1276. Damals scheint es eine Zeit- 
lang der Wohnsitz des von König Rudolf bestellten Land- 
vogtes im Elsass, Konrad Werner von Hattstadt, gewesen 
zu sein«). König Adolf hat dann 1298 das >St. Gregorien- 
thal mit der Burg Plicksbergc an einen Herrn von Usen- 
berg verpfändet*). Im Jahre 1316 war der elsässische 
Reichslandvogt Otto von Ochsenstein im Pfandbesitze von 
Plicksberg*). 

Türkheim erscheint kurze Zeit darauf um 200 Mark 
dem Johann von Eckerich, Münster mit dem Thale an 
Johann von Rappoltstein verpfändet*). 

Von einem ausgebildeten politischen Begrifif, von einer 
einheitlichen Reichs vogtei Kaysersberg kann in den ersten 
Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts demnach keine Rede 
sein. In einer Hand vereinigt wurden: »des Reiches 
Burg und Stadt Kaysersberg, Plicksberg die Burg 
mit der Stadt Türkheim und die Stadt Münster 
mit dem Thal« erst 1330. Am 8. August dieses Jahres 
nämlich wurden sie von Kaiser Ludwig dem Bayer an 
König Johann von Böhmen verpfändet. Dieser hatte ihn 
im Kampfe gegen Friedrich von Österreich mit 7200 Mark 
Silbers unterstützt, wofür Ludwig ihm die Städte Alten- 
burg, Zwickau und Chemnitz verpfändet hatte. Der Böhme 
verzichtete jetzt auf diese Pfandschaft und erhielt dafür 
die genannten Reichslehen. Münster aber musste er 
lösen von Johann von Rappoltstein um 500 Mark Silbers, 
Türkheim von Johann von Eckerich um 200 Mark. Des- 
halb wurde die neue Pfandsumme erhöht auf 7900 Mark«). 
Zu seinem erblichen Vogt und Verwalter, der auf Plicks- 
burg für sich und seine Kinder ein Sesslehn haben sollte, 



*) Kolraarer Bezirksarchiv, Artikel Andlau-Kaysersberg, Liasse 7 Orig. 
Perg. — 2) MoD. Germ. SS. XVII p. 200, 31. — ^) Als. Ul. II S. 12a 

— *) Vgl. meine Abhandlung a. S. 5. — ^) Vgl. die folgende AnmerkiiDg. 

— *) Rappoltsteiner Urkundenbuch I nr. 412. 



i 



q6 Becker. 

und ihr Gesinde, welche keine Schuld tragen an dem 
Schaden , der den Bürgern zu Münster und Türkheim 
zugefugt wurde, dorthin fahren und ihre Güter bebauen i). 
Die Bürger Kaysersbergs und deren Verbündete während 
der Belagerung bleiben straflos. Der Vertrag aber hat 
keine Gültigkeit, Vogt, Rat und Bürger Kaysersbergs 
sollen ihres Eides entbunden sein, falls König Johann 
inzwischen mit einem Entsatzheer ins Elsass vordringt und 
sich zwischen Kolmar und Kaysersberg lagert, oder auch 
falls Kaiser Ludwig und König Johann sich einigen oder 
der Kaiser inzwischen stirbt. 

Wenn die Herzöge von Österreich oder sonst ein 
Feind die Stadt Kaysersberg inzwischen bekriegen sollte, 
werden die übrigen Reichsstädte Kaysersberg unterstützen. 

Alle gegenseitig geleisteten Bürgschaften bleiben bis 
zu dem vereinbarten Ziele bestehen. Gefangene können 
gegen Bürgschaft freigegeben werden. Nachdem Burg 
und Stadt Kaysersberg thatsächlich übergeben sein werden, 
sollen auch die Bürger und ihre Helfer vollständig mit 
Kaiser und Reich ausgesöhnt sein. Der Vogt und seine 
Kinder haben dann wieder freien Ein- und Ausgang zu 
Münster« 2). 

Von Böhmen kam aber für Kaysersberg keine Rettung. 
Am 28. August machte der König den — wie es scheint — 
vergeblichen Versuch, an Steinungs Stelle seinen Neffen 
Gottfried von Leiningen bei den drei Städten als Vogt 
einzuführen 3). 

Bereits am 12. Juni 1336 hatte Kaiser Ludwig an den 
Rhein-Pfalzgrafen Rudolf und seine Erben »des Reiches 
Burg und Stadt zu Kaysersbergc um 6000 Pfund Heller 
verpfändet unter dem Vorbehalt, dass der Pfalzgraf den 
Forst zu Hagenau an Kaiser und Reich zurückgeben müsse, 
wenn ihm Stadt und Burg thatsächlich überantwortet sein 
würden*). Letzteres scheint nicht der Fall gewesen zu 
sein, denn 1348 und 1349 befand sich Burkhard Mönch 

') Münster und Türkheim scheinen von vornherein auf Seiten des 
Kaisers gestanden zu haben und deshalb von dem Vogt stark geschädigt 
worden zu sein.. — *) Cart. de Mulh. 1. c. - ') Schöpflin, Als. dipl. II 
S. 156. — *) Kolmarer Bezirks- Archiv 1. c. Liasse 3. Orig. Perg. mit häng. 
Kaisersiegel, dat. Esslingen Mittwoch vor St. Veitstag 1336. 



Die Reichsvogtei Kaysersbcrg. g^ 

von Basel im Pfandbesitz von Kaysersberg, Plicksberg, 
Münsterthal und Türkheim. Von neuem wurde Rhein- 
pfalzgrraf Rudolf am 15. Mai 1349 durch Kaiser Karl IV 
ermächtigt, ausser der Landvogtei und dem Schultheissen- 
amt zu Hagenau auch jene Reichsgebiete um 1000 Mark 
Silbers an sich zu lösen 1). Während der Pfälzer die Reichs- 
landvogtei Hagenau wirklich erwarb 2), scheint er die Unter- 
vogtei Kaysersberg nicht an sich gelöst zu haben. Denn 
1352 finden wir Karl IV noch mit der Auslösung beschäf- 
tigt. Am 10. August nämlich schrieb er an die Stadt 
Mülhausen, er wolle um des Reiches Nutz und Ehre willen 
xüe Pflege Kaysersberg und was dazu gehöre« auslösen 
und sie bei den übrigen Reichsstädten bleiben lassen »). 

Obschon der Kaiser früher die Stadt Mülhausen von 
der Reichssteuer befreit hatte, so ersuchte er sie jetzt 
dennoch, für dieses Jahr ihm dieselbe zu entrichten. Aus 
wessen Händen die Reichsvogtei entnommen werden sollte, 
ist nicht ersichtlich. Zweifellos aber erfolgte damals die 
Auslösung und Angliederung von Kaysersberg, Türkheim 
und Münster an die übrigen Reichsstädte. Denn gemein- 
sam mit diesen schlössen jene drei am 23. September 1354 
c«.'n bekannten Dekapolisbund. wodurch sie offiziell unter 
den Schutz und die oberste Leitung des Reichslandvogtes 
von Hagenau gestellt wurden*). Viele Jahre später noch 
musste Karl IV mit der Tilgung der Schulden rechnen, 
welche die Auslösung ihm zugezogen hatte. Am i ö. April 
1501 beurkundete er, dass er dem Burkhard Sporer von 
Eptingen und seinen Flrben 700 Mark Silbers kolmarischen 
iVandes und Gewichtes schuldig sei wegen der Lösung 
von Kaysersberg, Türkheim und Münster. Deshalb vcr- 
*-:hrieb er ihm die nächstfällige Reichssteuor zu Kolmar, 
Kaysersberg und Münster, die 400 Mark Silbers betrug: 
ausserdem sollten Burkhard und seine Erben das LiTtigeld 
zu Kolmar und Schlettstadt vom Sonntag nach St. Georgen- 

•> Als. dipl. II S. 193; cfr. auch Rap. Urkb. I nr. 604 zum 20. Juni 

:;4S; Karl IV. ßicbt Buikhard Münch dem Alteren von Basel Vollmacht, 

-.* rjT Reichsfcste Plicksberjj jjehürij^e Dorf Hausen durch freundschaftliche 

Verein barung mit Heinrich von Rappoltstein an sich zu bringen. — -'• Ver^jl. 

:i-ine Abhandl. a. S. 12 f. — •"») Cart. de Mulh. I nr. 261. — *) Verjil. 

xfine Abhasdl. b. S. 328. 

Zcäzschr. C Gesch. d. Oberrh. N. F. XVII. i. n 



k. 



g8 Becker. 

tag ab solange einziehen, bis die übrigen 300 Mark voll- 
ständig gedeckt seien ^). Von jetzt ab scheint die Reicbs- 
vogtei Kaysersberg das Schicksal der Reichslandvogtei 
Hagenau geteilt zu haben. Die Reichssteuem Türk- 
heims z. B. werden durch kaiserlichen Befehl dem Land- 
vogteiinhaber wiederholt überwiesen«). Herzog Wenzel 
von Luxemburg, Bruder Karls IV, welcher vom März 1367 
bis Oktober 1371 Pfandinhaber der Reichslandvogtei war, 
bezeichnet den Hubart von Elter am 3. Oktober 1369 als 
seinen »Burggrafen zu Kaysersberg«»). Zum zweitenmale 
erfolgte die pfandweise Übertragung der elsässischen Land- 
vogtei an Wenzel von Luxemburg am 14. September 1377*). 
Er hatte sie um 30000 Gulden aus der bairischen Pfand- 
schaft ausgelöst. Diese Pfandsumme wurde vom Kaiser 
noch erhöht um 1 1 000 Mark Silbers und 1 5 000 alte Schild- 
thaler, welche von einer frühern Verpfändung Kaysersbergs 
herrührten. Demnach scheint der Luxemburger seit 1367 
noch im Besitz der Vogtei geblieben zu sein »). Beim Tode 
Herzogs Wenzels am 7. Dezember 1383 fiel die Landvogtei 
und mit ihr die Reichsvogtei Kaysersberg an das Reich 
zurück 6) und scheint von jetzt ab mit der Reichslandvogtei 
eng verbunden geblieben zu sein. Dafür spricht, dass die 
Steuern Türkheims 1394 und 1397 dem jedesmaligen Land- 
vogt überwiesen wurden '). Im Namen des Landvogts 
Friedrich von Leiningen quittierte Jakob Leriche von 
Dirmestein als Vogt von Kaysersberg der Stadt Kolmar 
am 18. Dezember 1399 über 200 Gulden ihrer jährlichen 
Reichssteuer 8). Kaysersberg wurde, ebenso wie die andern 
Reichsstädte des Elsass, von König Wenzel benachrichtigt, 

*) Glafey, Anecdotorum collectio S. 624. — *) Vgl. meine Abhand- 
lung a. Anhang. — *) Vgl. meine Abhandl. a. S. 19. — *) Als Reichsvogt 
und Schultheiss zu Kaysersberg wird um 1370 — 1380 Hessemann Stammler 
bezeichnet. Rap. Urkb. V, 557. An die Stadt Strassburg schreibt einer 
ihrer Juden, Simon Ross, er sei zu Ammerschweier gefangen genommen und 
an »des rychs vogt vnd schultheiss Hessemann Stammler, vogt ze Kcysers- 
berge, ausgeliefert worden. — *) Vgl. meine Abhandl. a. S. 23. — «) Viel- 
leicht war die engere Verpfandung der Reichsvogtei Kaysersberg an den 
Luxemburger der Grund dafür, dass Kaysersberg, Münster und Türkheim 
sich nicht beteiligten an der Erneuerung des Bundes, den die sieben andern 
Städte am 14. August 1379 eigenmächtig geschlossen haben. — "^ Vgl. Anhang 
zu meiner Abhandl. a. S. VII f. — *) Ebenda S. 35 Anm. 13. 



lOO Becker. 

zwischen Stephan, als Vogt zu Kaysersberg, und Clara 
von Hunaweier eine Einigung wegen eines der letzteren 
zustehenden Wittums. Am 2. März 1448 wird Stephan 
noch als Vogt genannt und hat wahrscheinlich bis 1452 
das Amt versehen. Denn Kaspar Beger, welcher laut 
seines Rechnungsberichtes vom St. Nikolaustag 1452 ab 
Amtmann und Vogt des Pfalz grafen zu Kaysersberg war, 
nennt jenen Stephan von Baiern als seinen Vorgänger 1). 
Am 14. März 1462 verwandte sich Beger als Vogt zu 
Gunsten der Frauen zu Unterlinden in Kolmar*J. Ihn 
scheint Ritter Hans von Landsberg abgelöst zu haben. 
Am 13. Dezember 1464 entschied dieser Vogt zu Kaysers- 
berg als Obmann Streitigkeiten zwischen den Herrschaften 
Württemberg und Rappoltstein »). Sein Nachfolger war 
Heinrich von Ratsamhausen. In einem Briefe des Zins- 
meisters Emerich Ritter von Hagenau wird Heinrich 1477 
als Vogt von Kaysersberg genannt. Er half dem Zins- 
meister Güter eines Bürgers zu Kaysersberg zu Gunsten 
des Oberlandvogts verkaufen*). Am 24. Dezember 1481 
schrieb er einen Brief an die Stadt Basel; am 18. Dezember 
1497 hat er von Amtswegen Klage erhoben in Streitig- 
keiten, welche die Fischereirechte von Kaysersberg be- 
trafen »). Auf Heinrich folgte Lützelmann von Ratsam- 
hausen. Sein Tod wurde 1504 am 24. Juli von seinem 
Schwiegersohn Heinrich Wetzel dem Unterlandvogt Jakob 
von Fleckenstein gemeldet ßj. Der Pfalzgraf entschied in 
einem Schreiben an den Zinsmeister zu Hagenau, weil 
Kaysersberg Pfandschaft sei, hätten die Schwiegersöhne 
des verstorbenen Lützelmann von Ratsamhausen, Jakob 
von Hattstadt und Heinrich Wetzel, das Recht der Nach- 
folge. In einem Vertrage von 1520 zwischen der vorder- 
österreichischen Regierung und den Erben der Witwe 
Lützelmanns ist gesagt, dass Pfalzgraf Philipp 1480 am 
28. Januar die Vogtei Kaysersberg denen von Ratsam- 
hausen um 1700 Gulden verpfändet hatte"). Die Erben 
Lützelmanns erfreuten sich indessen nicht lange der Aus- 



*) Strassb. Bez.-Arch. C 43 nr. 37- — *) Rap. Urkb. IV nr. 227. — 
*) Ebenda nr. 341. — *) Strassb. Bez.-Arch. C 43 nr. 38. — •) Rap. 
Urkb. V nr. 292 u. 504. — «) Strassb. Bez.-Arch. C 43 nr. 41. — "0 Kolro. 
Bez.-Arch. 1. c. Liasse 3 nr. 4. 



Die Reichsvogtei Kaysersberg. lOI 

sieht auf die Reichsvogtei. Kaiser Maximilian entriss dem 
Pfalzgrafen Philipp in offenem Kampfe mit der Reichs- 
landvogtei Hagenau auch die Vog^tei Kaysersberg i). 

Mit der Witwe Lützelmanns von Ratsamhausen, Mar- 
g^arete von Mörsberg, und ihren Verwandten verhandelte 
der Kaiser 1504, um sie wegen ihrer Ansprüche zu 
befriedigen. Für ihren Rücktritt und die Auslagen bei 
der baulichen Unterhaltung des Schlosses wollte er ihnen 
300 Mark bewilligen. Die Rückkaufssumme sollte nach 
der Absicht des Kaisers innerhalb Jahresfrist aus den 
Gefallen der Landvogtei Hagenau bezahlt werden. Es 
konnten aber der Witwe bloss 250 Gulden gegeben 
werden. Deshalb übernahmen die Erben die weitem An- 
sprüche der Witwe und zahlten dieser seit 1508 bis zu 
ihrem Tode 15 18 zu ihrem Unterhalte jährlich 100 Gulden. 
Am 16. Mai 1520 kam es zum Abschluss eines Vertrages 
2\iischen jenen Erben und Kaiser Karl V. Die vorder- 
^»sterreichische Regierung verpflichtete sich, den Erben für 
-HauptgTit, Zins und Kosten« im ganzen 3000 Gulden zu 
bezahlen, und zwar 1000 Gulden an Weihnachten 152 1 
und je ein Drittel in den zwei folgenden Jahren*). 

Zu Hagenau beurkundete Maximilian am 11. April 1505, 
dass er die Pflege und das Schloss zu Kaysersberg nebst 
den Städten und Flecken Türkheim, Münster, Ammersch- 
weier. Nieder- Morschweier und Winzenheim samt allen 
ihren Erträgen seinem Hofkanzler Dr. Konrad Stürzel um 
:i40 Gulden übergeben habe. Ausgenommen wurde die 
Stadtsteuer von Kaysersberg und Münster, welche, wie 
bisher, in das Zinsmeisteramt zu Hagenau geliefert werden 
musste. Da Stürzel dem Kaiser jene 2140 Gulden bar 
geliehen hatte, sollte er sein Lebenlang und nach seinem 
lüde seine Erben die Vogtei solange besitzen, bis diese 
Summe erstattet sei. Für den Fall einer etwaigen Aus- 
>*»hnung zwischen Kaiser und Pfalzgrafen sollten die 
Ptalzer nur nach Entrichtung jener Ptandsumme in den 
•.erlorenen Besitz wieder eintreten können^). Xach dem 

•» Vgl. meine Abhandl. c. S. 129 tV. — '» V^'l. den Orij*inalvcrlraj; 
Knlni. Bez.-Arch. 1. c. Liasse 3 nr. 4. — ^) Sialthalterci- Archiv zu Innsbruck 
.<opijLlbuch »Bekennen« zu 1505. 



I02 Becker. 

Tode des Konrad Stürzel erneuerte Maximilian am 26. April 
1 509 zu Speier die Pfandschaft in der obigen Form wieder 
für dessen Sohn Konrad Stürzel; dieser hat darauf am 
2. Mai 1509 in einem schriftlichen Revers für den Kaiser 
anerkannt, dass er bei seiner Treue und Ehre gelobt habe, 
allen seinen Pflichten als Reichsvogt nachzukommen und 
dem Kaiser etwaigen Schaden, der aus seiner Pflicht- 
vemachlässigung diesem erwachse, zu vergüten *). Am 
19. Mai 1510 forderte der Kaiser die Stadt Münster auf, 
dem neuen Vogt zu huldigen und die Ratsemeuerung zu 
gestatten 2). 

Konrad Stürzel erschien nicht zur ordnungsmässigen 
Huldigung und Übernahme seines Amtes. Er blieb mit 
seiner Familie in Freiburg und Hess die Vogtei durch einen 
»reisigen Knechte verwalten. Deshalb erhoben die Unter- 
thanen der Reichsvogtei Klage bei der österreichischen 
Regierung zu Innsbruck und bei dem Kaiser. Sie behaup- 
teten, jeder Reichsvogt müsse persönlich mit Weib und 
Kind auf der Burg zu Kaysersberg seine Behausung und 
Wohnung nehmen. Falls aber die Abwesenheit des Vogtes 
durch kaiserliche Geschäfte erfordert würde, müsse die 
Verwaltung und Bewachung der Burg dem Reichsschult- 
heissen von Kaysersberg übertragen werden. Einem andern 
»Anwalt« Gehorsam zu schwören, sei nicht Brauch und 
Herkommen 8). Die Reise nach Freiburg in wichtigen 
Geschäftssachen sei zu umständlich und kostspielig. Ver- 
gebens suchte der Kaiser die Unterthanen umzustimmen^). 
Er beauftragte schliesslich eine Kommission, wozu der 
Unterlandvogt von Hagenau gehörte, mit der Beilegxing 
der streitigen Fragen*). Wie und wann diese erfolgte, ist 
nicht ersichtlich. 

Am 17. April 15 17 teilte Kaiser Maximilian den 
Städten und Flecken der Reichsvogtei mit, dass er dem 
Konrad Polsnitzer erlaubt habe, die Vogtei an sich zu 



^) Kolm. Bez.-Arch. I. c. Liasse 3 Dr. 3. Orig. Perg. Siegel hängt 
— 2) Münster Stadt- Archiv AA 43. Orig. Brief hinten versiegelt. — 
3) Kaysersberger Stadt-Arch. AA Fach 5 nr. 71. — •♦) Ebenda zwei Orig.- 
Briefe des Kaisers vom 19. Mai 1509 u. 12. Nov. 15 10. — *) Ebenda Orig.- 
Brief vom 4. Juli 1 5 1 1 . 



I04 



Becker. 



Räten zu Hagenau vortragen. Das Schloss musste er dem 
Kaiser stets offen halten zu seinem Dienste und durfte 
innerhalb oder ausserhalb seines Bezirkes nicht eigen- 
mächtig Krieg führen noch viel weniger die Feinde des 
Reiches unterstützen. Weiterhin war dem Vogt zur Pflicht 
gemacht, bauliche Veränderungen oder Verbesserungen im 
Schloss nur mit Bewilligung des Landvogts auf kaiserliche 
Kosten vorzunehmen, die Unterthanen in ihren Rechten 
nicht zu schädigen, sich zu begnügen mit den hergebrachten 
Erträgen, gleiches Gericht zu führen den Armen wie den 
Reichen, überhaupt den Nutzen des Kaisers zu fordern. 
Der kaiserlichen Entscheidung blieben vorbehalten Appella- 
tionen, Schätze, Bergwerke, geistliche und weltliche Lehn- 
schaften. Auch die Städtesteuern von Kaysersberg und 
Münster sollten der Landvogteikasse zu Hagenau zustehen. 
Die Ablösung war dem Kaiser und seinen Nachfolgern 
jederzeit gegen Erlegung der Pfandsumme von 3000 Gulden 
gestattet, doch sollte sie ein halbes Jahr vorher angekündigt 
werden. 

Am I. Dezember 1524 war Prunner bereits gestorben 
und Ferdinand, der Bruder Karls V., beauftragte den 
Heinrich von Spechbach, die Pflege Kaysersberg um jene 
3000 Gulden an sich zu lösen. Auch diesmal sollten davon 
ausgenommen sein »alle Obrigkeit, als Landsteuern, Land- 
reisen, Appellationen, Schätze und Bergwerke, geistliche 
und weltliche Lehn seh aften , sowie die zwei Stadtsteuem 
von Kaysersberg und Münster«*). Am folgenden Tage 
verpflichtete sich der zukünftige Vogt dem Erzherzog 
gegenüber durch einen schriftlichen Revers, dass er sein 
Amt getreu und gewissenhaft verwalten werde ^). Zugleich 
versprach er, falls Prunners Witwe und Erben noch Bau- 
geld zu fordern hätten, auch dieses zu bezahlen; es sollte 
ihm dann auf jene Pfandsumme geschlagen werden»). Die 
Ablösung der Reichsvogtei von den Erben Prunners ver- 
zögerte sich sehr lange. Wiederholt wurden zwischen 
ihnen und der österreichischen Regierung Verhandlungen 
gepflogen über die Ansprüche der Witwe und Erben 



*) Innsb. Statth.-Arch. »Bekennen« zu 1524. — ■') Kolm. Bez.-Arch. 
1. c. Orig. Perg. Siegel fehlt. — *) Ebenda nr. 11, Orig. Brief. 



Die Reichsvogtei Kaysersberg, 105 

bezüglich ihrer Bauunkosten zu Kaysersberg und Brei- 
sach 1). 

Am 24. Dezember 1526 erkannte Ferdinand ihre 
Gesamtforderung im Betrage von 5000 Gulden an. Am 
31. Oktober 1530 wurden noch weitere 1400 Gulden auf 
jene Pfandschaft Kaysersberg geschlagen. Schliesslich 
aber ward die Pfandsumme auf 8020 Gulden erhöht. 

Georg Gerhard hatte die Vogtei im Namen von 
Prunners Witwe und Erben um diesen Pfandschilling inne, 
und um diesen Preis löste Pfalzgraf Ludwig, Oberlandvogt, 
dieselbe an die Landvogtei Ilagenau*). Im Jahre 1535 
verpfändete der Oberlandvogt die Reichsvogtei Kaysers- 
berg um jene 8020 Gulden wieder an seinen Unterland- 
vogt Grafen Georg zu Erpach. Dieser sollte sie mindestens 
20 Jahre lang besitzen, falls die Reichslandvogtei solange 
den Pfälzern angehörte 3). 

Bereits 1541 trug sich der von Erpach mit dem 
Gedanken, die Reichsvogtei an Wilhelm von Rappoltstein 
abzutreten. Am ig. Dezember dieses Jahres gab Ober- 
landvogt Pfalzgraf Ludwig seine Einwilligung dazu, dass 
der Rappoltsteiner die Pflege die noch übrigen Jahre 
besitzen solle, sofern die Landvogtei nicht in der Zwischen- 
zeit an Osterreich komme*). Der Graf von Erpach schrieb 
am 10. Januar 1542 an Kaisersberg: »Nachdem ihr uns 
eine Zeitlang von wegen des hl. Reichs mit Gelübden und 
Eiden verwandt gewesen seid, und wir aber jetzt die 
Vogtei mit Vorwissen und Bewilligung dos Oberlandvogts, 
Halzgprafen Ludwig, dem Herrn Wilhelm von Rappoltstein, 
unserm lieben Schwager, übergeben haben, so sagen wir 
euch solcher Pflichten und Eide, womit ihr uns bisher 
verwandt gewesen, los und ledig. Wir weisen euch auf 
jenen Herrn von Rappoltstein. Ihm möget ihr hinfüro 
illes, was einem Reichsvogt gebührt, leisten«.«»). 

Der Oberlandvogt selbst benachrichtiyfte die Unter- 
thanen von dem Übergänge der Vogtei an den Kappolt- 

*'. Kh«nda IJasse 3 nr. 12 — 15, u. Stra^sb. Bcz.-Auh. C 43 nr. i>^. 

— •■ Kolni. Bcz.-Arch. 1. c. nr. 15. — *) Ebenda. — *) Ebenda ni. n»; 

- >tras5h. Bez.-Arch. C 43 nr. 64. — ^) Kayscrsb. Stadi-Arch. nr. 72 C'ri;:. 
snsi. 



Io6 Becker. 

Steiner und forderte, dass man diesem »Pflicht und Hul- 
digung« thuei). 

Am i8. März 1548 war Wilhelm zu Rappoltstein bereits 
gestorben. Seine Söhne Georg und Egenolf schrieben an 
den Unterlandvogt Heinrich von Fleckenstein, nach ihres 
Vaters Tode sei ihnen die Vogtei Kaysersberg pfandweise 
zugefallen. Sie hätten dieser Tage von der Stadt Kaysers- 
berg die übliche Huldigung verlangt. Diese aber habe 
geantwortet, dass sie nur auf ausdrücklichen Befehl des 
Landvogts huldigen könnten. Der Landvogt möge die 
Huldigung anordnen, dann werde man sie zu Vögten auf- 
nehmen, wie man ehemals ihren Vater anerkannt habe. 
Am 25. April schrieb Pfalzgraf Wolfgang, der Statthalter 
für seinen Bruder, den Oberlandvogt Friedrich, an den 
Unterlandvogt Heinrich von Fleckenstein, dass nach dem 
Tode Wilhelms von Rappoltstein dessen Söhne Georg und 
Egenolf Pfandinhaber der Vogtei Kaysersberg seien. Der 
Unterlandvogt möge die Kaysersberger schriftlich auf- 
fordern, den beiden Brüdern, sofern sie die Pfandschaft 
gemeinschaftlich besitzen wollten, gebührende Huldigung 
zu thun 2). Egenolf scheint allein die Vogtei übernommen 
zu haben. 

Im Jahre 1557 trug sich Kaiser Ferdinand mit der 
Absicht, zugleich mit der Landvog^ei Hagenau auch die 
Vogtei Kaysersberg aus der pfälzischen Pfandschaft an 
das Haus Österreich zu lösend). Am 20. Dezember ver- 
ständigte er den Egenolf von Rappoltstein von diesem 
Plane, indem er ihm zugleich die Versicherung gab, dass 
er ihm jene Vogtei nur nach Entrichtung des Pfand- 
schillings von 8020 Gulden entziehen wolle*). Die öster- 
reichische Regierung zu Ensisheim hatte den Herrn von 
Rappoltstein vorgeladen, um mit ihm über die Auslosung 
der Vogtei zu verhandeln. Dieser antwortete, er habe die 
notwendigen Pfandbriefe wegen der Kriegsläufe nicht in 
seinem Hausarchiv, sondern an einem andern sichern Orte 
verwahrt. Falls er sie bis zu der festgesetzten Frist erhalten 
könne, werde er kommen s). 



*) Ebenda. — *) Strassb. Bez.-Arch. C 43 nr. 45. — ') Vgl. meine 
Abhandl. c. S. 140. — *) Innsb. Statth.-Arch. »Bekiennen« lu 1557. — 
*) Strassb. Bez.-Arch. C 43 nr. 63. 



lo8 Becker. 

Fechingen zu seinem Untervogt und Verwalter bestellt; 
dessen Besoldung sei Sache des Vogtes i). Der Fechinger 
aber hat bereits im Juni 1572 die Stadt Kaysersberg ver- 
lassen und seinen Diener mit der Geschäftsführung betraut. 
Die Stadt machte deshalb in einer Beschwerde an den 
Landvogt zu Hagenau geltend, es sei alter Brauch, dass 
ein Vogt, wenn er längere Zeit abwesend sei, die Schlüssel 
zur Burg, insbesondere zu dem hinteren heimlichen Ein- 
gang und kleinen Thürlein, dem kaiserlichen Schult- 
heissen oder in dessen Abwesenheit dem Stettmeister von 
Kaysersberg anvertraue, damit die Stadt vor einem Über- 
fall gesichert sei. Deshalb möge die Landvogteiregierung 
die Übergabe der Schlüssel verordnen*). Am 24. Sep- 
tember 1572 war der Rücktritt des Untervogts Johann 
Wellinger von Fechingen erfolgt, und Oberlandvogt Fer- 
dinand bestallte auf Wunsch seines Hofkanzlers den kaiser- 
lichen Reichsschultheissen zu Kaysersberg, Johann Baptist 
Gebweiler, zum Untervogt und Verweser 8). 

* Bereits im folgenden Jahre erreichte dessen Amts- 
thätigkeit ein Ende. Denn der Obervogt, Hofkanzler 
Johann Wellinger, Freiherr zu Schneeberg und Herr zu 
Steinach, verzichtete gegen eine Entschädigung von 
1000 Gulden auf die Vogtei zu Gunsten des Herrn Lazarus 
von Schwendi, Freiherrn zu Hohenlandsberg. Für diesen 
vollzog Oberlandvogt Ferdinand zu Innsbruck am 26. Sep- 
tember 1573 die pfandweise Übertragung um 16020 Gulden. 
Der neue Inhaber sollte »Pfleg, Schloss und Stadt Kaysers- 
berg mit allen Obrigkeiten, Herrlichkeiten, Rechten, Leuten, 
Gütern, Zinsen, Renten« u. s. w. 20 Jahre lang unabgelöst 
für sich und seine Erben besitzen, sofern die Land vogtei 
Hagenau solange in österreichischen Händen bliebe. Für 
schwierige Fälle der Verwaltung wurde auch der neue 
Pfandherr an die landvögtische Regierung zu Hagenau 
und an die vorderösterreichische Regierung zu Ensisheim 
verwiesen. Auch diesmal behielt sich der Oberlandvogt 
vor ^Landsteuern, Landreisen, Appellationen, Confiskationen, 
Bergwerke, Schätze, geistliche und weltliche Lehnschaften 



1) Ebenda zu 157 1. — «) Strassb. Bez.-Arch. C 43 nr. 51. — *) Innsb. 
Statth.-Arch. zu 1572. 



Die Reichsvogtei Kaysersberg. lOq 

und die jährlichen Stadtsteuem« J). Gleichzeitig forderte 
Ferdinand die Bürgermeister, Schultheissen, Vögte, Heim- 
burger, Schöffen, Gemeinen und sonst jede Unterthanen 
der Reichsvogtei auf*), Lazarus von Schwendi als »After- 
pfandinhaber« anzuerkennen. Am folgenden Tage bekräf- 
tigte der Herr von Schwendi in einem schriftlichem Revers 
für Ferdinand, dass er seine Amtspflichten treulich erfüllen 
werde«). Der Erzherzog schuldete von jenem Pfandschilling 
10700 Gulden verzinslich an folgende Gläubiger: i. An 
Frau Priorin und Convent zu St. Nikolaus in Sylvio 
50 Gulden, mit 1000 Gulden ablöslich. 2. An Veiten GoU 
100 Gulden, ablöslich mit 2000 Gulden. 3. Ebensoviel an 
Hans Georg Hausern. 4. An Sebastian Ergersheim 200 
Gulden, mit 4000 Gulden ablöshch. 5. An Hans Jakob 
Ergersheim 50 Gulden, mit 1000 Gulden ablöslich. 0. An 
Valentin Goll 35 Gulden, mit 700 Gulden ablöslich. Am 
:o. Januar 1574 verpflichtete sich Lazarus von Schwendi, 
diese Summe zu übernehmen und innerhalb zweier Jahre 
diese Zinsverschreibungen an sich zu lösen*). Seine Ein- 
führung in das Amt wurde von den Commissaron des 
I^ndvogts am 22, Januar 1574 vorgenommen &). Für bau- 
liche Ausbesserungen an dem Schlosse, dem Herrschafts- 
keller und der Mühle zu Kaysersberg hatte der neue Vogt 
laut Rechnung 1579 bereits soviel ausgelegt, dass von 
Ferdinand die Pfandsumme von 16020 auf 16 317 Gulden 
erhöht wurde. Gleichzeitig wurde der Herr von Schwendi 
aber auch an jene Verpflichtung erinnert, wonach er 
10700 Gulden in 2 Jahren an die Gläubiger des Erzherzogs 
haue bezahlen sollen. Jetzt seien bereits 4 Jahre verflossen. 
und diese Zinsverschreibungen seien der tirolischen Kammer 
noch nicht als ausgelöst eingeliefert worden; er möge die 
Gläubiger unverzüglich befriedigen«). 

Am 8. September 1580 erfuhr die Pfandschaft eine 
^'esentliche Abänderung. Erzherzog Ferdinand gab seine 
Einirilligung, dass die Familie Schwendi von diesem Tage 
ib die Vogtei Kaysersberg 100 Jahre lang unabgolö^t im 

'■ Innsb. Statth.-Arch. zu 1573; auch Kolm. Rez.-Arch. 1. r. Lia^se 3 
-. 19. — •) Ebenda. — •) Strassb. Bez.-Arch. C 43 nr. 65. — *) Kbcnda. 
~ • KATsersb. Stadt- Arch. nr. 81, französischer Bericht — *) Strassb. Bez.- 
Ath- C 43 nr. 67, Kopie. 



I lo Becker. 

Pfandbesitz behalten solle, falls die Reichslandvogtei 
solange dem Hause Österreich verbleiben würde ^). 

Im September 1583 war Lazarus von Schwendi bereits 
gestorben'). Sein Sekretär schrieb am 26. dieses Monats 
an den österreichischen Kanzler, dass sein Herr kurz vor 
seinem Tode noch jene 10700 Gulden den verschiedenen 
Parteien bezahlt habe, der Kanzler möge deshalb von der 
vorderösterreichischen Regierung die Rückgabe der Obliga- 
tion seines verstorbenen Herrn veranlassen s). Der Sohn 
des Lazarus, Johann Wilhelm von Schwendi, wandte sich 
mit der gleichen Bitte an die vorderösterreichische Regierung 
am 26. November 1583*). Lazarus von Schwendi hatte 1579 
testamentarisch über Hohenlandsberg und seine Annexen 
verfügt. Infolge dessen ging die Reichsvogtei Kaysersberg 
über in den Pfandbesitz des genannten Sohnes Johann 
Wilhelm von Schwendi. Er wurde »mit gebührendem 
Brief und Siegel« als Reichsvogt präsentiert*). Bei seiner 
Erhebung waren ihm die Pflichten seines Amtes recht ein- 
dringlich vorgehalten worden ß). Am 27. Juli 1590 handelte 
es sich um die Präsentation eines neuen Untervogts und 
am 2;^. Juni 1593 wurde als solcher Friedrich Zorndörfer 
vorgestellt"). 

Gelegentlich der Huldigungsfeier für den Unterland- 
vogt von Hagenau, Friedrich Grafen zu Fürstenberg, erhob 
Kaysersberg schwere Klage gegen die Amtsverwaltung 
des Johann Wilhelm von Schwendi. Man verweigerte ihm 
bei der Ratssitzung den üblichen Eidschwur, weil er »in 
Malefizsachen« beim Einziehen der Verbrecher und bei der 
Confiskation ihrer Habe gegen das Urteil, Gewissen und 
Altherkommen der Stadt verfahren habe, obschon er 
geschworen habe, nur zu richten nach der Bürger Urteil. 
Er habe sich nicht damit begnügt, die Güter solcher 
malefizischer Personen einzuziehen, sondern habe auch die 

^) Innsb. Statth.-Arch. zu 1580; auch Kolm. Bez.-Arch. 1. c. 3 nr. 96 
u. 97. — ^) f am 28. Mai 1583 zu Kirchhöfen im Breisgau, nicht 1584, 
wie Martin :^[-azarus von Schwendi.; in dieser Zeitschrift 1893 S. 403 
angicbt. — ') Kolm. Bez.-Arch 1. c. L. 4 nr. 90. — *) Ebenda nr. 91; auch 
Strassb. Bez.-Arch. C 43 nr. 68, Brief des Johann Wellinger an Hagenau 
24. Dezember 1583. — ») Vgl. den Bericht von 1606 Kaysersb. Stadt.- Arch. 
nr. 74. — «) Ebenda nr. 80. — ') Ebenda. 



I I 2 Becker. 

weja^en der Kriegsläufe verschoben und sollte später 
gelegentlich mit der Ratserneuerung verbunden werden. 
Inzwischen sollte man den bestellten Vormund als Reichs- 
vogt anerkennen und ihm die Gefälle abliefern*). Ritter 
Hans Werner auf Raitnau wurde 1609 als Vogteiverwalter 
präsentiert 2). 

Am 21. Januar 161 2 schrieb er an den Rat von 
Kaysersberg, dass sein gewesener Untervogt, Friedrich 
Zorndörfer, unlängst gestorben sei; deshalb habe er seine 
Amtleute mit der Einsetzung eines neuen Untervogts 
beauftragt»). 

Gegen 16 13 heiratete Helene Eleonore von Schwendi 
den Grafen Jakok Ludwig von Fürstenberg, Unterlandvogt 
zu Hagenau. Dieser wandte sich an den Oberlandvogt 
Erzherzog Maximilian mit der Bitte, ihn, »den legitimen 
Administrator« seiner Gemahlin, als Reichsvogt zu Kaysers- 
berg afterpfandweise zu präsentieren. Maximilian beauf- 
tragte seine vorderösterreichischen Statthalter am 25. Januar 
161 6, in seinem Namen die Einsetzung des Fürstenbergers 
als Reichsvogt zu Kaysersberg zu vollziehen*). Diese 
haben die Huldigungsfeier für Türkheim auf den 16. Oktober* 
und für Münster auf den 17. festgesetzt. Daraufhin erhob 
die Stadt Münster Beschwerde, indem sie geltend machte, 
die Präsentation müsse zuerst in Münster und darnach in 
Türkheim geschehen , so sei es alter Brauch*). Am 
23. Oktober bedankte sich die Stadt dafiir, dass man 
ihren Wunsch erfüllen wolle, und hob noch einmal hervor, 
dass es 1609 seitens der »Schwendischen Vormundschaft« 
ebenso geschehen sei^). 

Am 24. Oktober wurde die Einführung des Unterland- 
vogts Jakob Ludwig, Grafen zu Fürstenberg, als Reichsvogt 
zu Kaysersberg vollzogen*^). Durch den Tod Kaiser 



M Kaysersb. Stadt-Arch. 1. c. nr. 80. — *) Strassb. Bez.-Arch. C 46 
nr. 47; auch Münster Stadt-Arch. AA 43. — *) Kaysersb. Stadt-Arch. 1. c. 
nr. 80. — *) Kolm. Bez.-Arch. 1. c. Liasse 4 nr. 2. — *) Strassb. Bez.-Arch. 
C 46 nr. 47; auch Münster Stadt-Arch. AA 43. — ^) Ebenda. — ^ Kaysersb. 
Stadt-Arch. 1. c. nr. 75; auch Münster Stadt-Arch. AA 43. Vgl. auch meine 
Abh. c. S. 151 ff. Am 23. November 161 5 hatte die Stadt Kolmar der 
Reichsvojjtei ein Gutachten verfasst inbetreff mehrerer Anfragen über die 
Aufnahme des Unterlandvogts als Reichsvogts. Man entschied: i. dass jener 



I i^ Becker. 

der Vogtei, dass man im Einverständnisse mit dem Unter- 
landvogt am 3. April die Huldigungsfeier zu Kaysersberg 
vornehmen wolle»). Der Gräfin- Witwe und den Städten 
aber Hessen die Ensisheimer am 23. März verkünden, dass 
der Termin für die Präsentation verschoben werden müsse, 
weil die Vormünder ihres Sohnes selbst »blödig seien an 
ihrem Leibec und der Präsentation auf den festgesetzten 
Termin nicht beiwohnen könnten'). Wiederum meldeten 
ebendieselben am 12. August 1629, dass man am 10. oder 
12. September die Huldigung vornehmen wolle. Noch ein- 
mal wurde diese aber auf Wunsch des Unterland vogts 
Grafen zu Spaur aufgeschoben'), und erst im folgenden 
Jahre ging sie thatsächlich vor sich*). 

Am 14. Mai 1635 führten die Schwendisclien Beamten 
zu Kienzheim in einem Schreiben an Kaysersberg Klage, 
dass die Stadt ihren reichsvogteilichen Verpflichtungen 
nicht nachkomme. Das Urbar der Vogtei besage aus- 
drücklich, dass dem Reichsvogt die hohen Frevel und alle 
hohe Gerechtigkeit, das »Malefiz« betreffend, einzig und 
allein zustehe. Dem Reichsvogt gebühre auch der halbe 
Teil der Frevel, welche halbjährig getädingt und von den 
>Unzüchtern« empfangen würden. Nun habe aber seit 1618 
die Stadt das jährliche Schirmgeld — 24 Gulden — nicht 
bezahlt, die halbjährigen Frevelregister nicht vorgelegt, 
malefizische Frevel unterschlagen, von 21 Ohmen Wein, 
die der Vogtei gehörten, wider Gebühr 7 Kronen 19 Schilling 
Umgeld behalten, den Reichsuntervogt durch den Stadt- 
waibel vor den Rat geboten und von der Ratssitzung aus- 
geschlossen und ihm auch sein Leinen für Ratshosen nicht 
geliefert. Ferner habe die Stadt den Weissbäckern ver- 
boten, in der Reichsvogteimühle mahlen zu lassen; sie 
habe einen Todschlag nicht »malefizisch« behandelt, sie habe 
dem »Schlosskerchen« ein Wildkalb, das er in dem Dritteil 
Wald mit seinem Hund gefangen hatte, abnehmen lassen 
und bei der letzten französischen Einquartierung auch 

') Kolm. Bez.-Arch. 1. c. Liasse 4 nr. 2, 4, 6; Ivaysersb. Stadt-Arch. 
1. c. nr. 80. — 2) Ebenda nr. 8 u. 9. — ') Ebenda. — *) Vgl. Kaysersb. 
Stadt-Arch. 1. c. nr. 80 zu 1645 4. Sept., wo gesagt ist, dass man 1630 der 
Gräfin gehuldigt habe. 



1 15 Becker. 

Das Edikt des Königs von Frankreich, wonach den alten 
Besitzern alle ihre Schenkungen im Elsass bestätigt 
würden, sichere auch ihm seine alten Besitzungen zu. Am 
23. Dezember antwortete ihm der Herr von Erbach, die 
Gesetze berücksichtigten nur die eingezogenen Güter der- 
jenigen, welche unter dem Schutze des Königs ständen, 
keineswegs aber die Schenkungen; derenthalben müsse 
man sich an den König selbst wenden »). 

Dem Baron Philipp Nikolaus von Layen glückte es, 
vom Könige von Frankreich den Besitz sowohl der »eigentüm- 
lichen Herrschaft Hohenlandsberg als auch der pfandbaren 
Reichsvogtei Kaysersberg« zu erlangen. Die drei Städte 
beglückwünschten ihn dazu am 30. Juli 1649, verweigerten 
aber jede officielle Anerkennung, bis die »Realimmission 
der Vogtei an die Krone Frankreich erfolgt« und die Ober- 
land vogtei Hagenau wieder ordnung.sgemäss besetzt sei*). 
Erst am 9. Mai 1651 kam es zu einem Interimsvertrag 
zwischem dem Herrn von Layen und den 3 Vogteistädten «). 
Von einer förmlichen Präsentation wurde einstweilen Ab- 
stand genommen, Folgendes aber wurde ausbedungen: 

1. Weil die Städte nach dem Ableben des Grafen 
Jakob Ludwig von Fürstenberg seiner Gemahlin, der 
Gräfin Helene Eleonore, als Pfandinhaberin der Reichs- 
vogtei gehuldigt hätten, so wolle man auch jetzt den 
Grafen von Layen als Reichsvogt anerkennen; dies werde 
man mit »Handtreu« an Eidesstatt bekräftigen. 

2. Inbetreff des Reichsschultheissen und des Lands- 
bergischen Schultheissen zu Türkheim wurde vereinbart, 
dass der letztere, auch künftig im Amte bleiben solle. 
Die Stadt solle aber für das Reichsschultheissenamt dem 
Herrn von Layen zwei oder mehr Kandidaten aus den 
Ratsmitgliedern oder Schöffen bezeichnen. Der Graf möge 
unter den Vorgeschlagenen seine Wahl treffen. Anstatt 
des gebührenden Eides solle auch der neue Reichsschult- 
heiss durch »Handtreuc auf sein Amt verpflichtet werden. 



') Kolm. Bez.-Arch. L c. französ. Bericht Liasse i nr. 2. — *) Kaysersb. 
Stadt- Arch. 1. c. nr. 80 zum 30. Juli 1649 und 3. März 1651. — *) Ebenda 
Original mit Siegeln. 



Il8 Becker. 

aufgebaut wird, soll er wieder dort seine Wohnung 
nehmen.f 

Auch jetzt noch gab es seitens der Stadt und Vogtei- 
verwaltung vielfache Klagen über gegenseitige Übergriffe »)• 
In der Familie Schwendi selbst machte man sich den Besitz 
der Vogtei streitig. Bekanntlich hatte Lazarus von Schwendi 
1579 über Hohenlandsberg und seine Annexen verfügt 
Bei seinem Tode 1583 fand ein Vergleich statt zwischen 
seinem Sohne Johann Wilhelm und dessen Onkel Alexander 
von Schwendi. Die Reichsvogtei ging über auf den Sohn 
und nach dessen Ableben auf dessen Tochter Helene 
Eleonore. Gegenüber deren Kindern aus erster und zweiter 
Ehe, Franz Karl, Grafen zu Fürstenberg, und Wilhelm 
Casimir, Baron von Layen, erhob Franz von Schwendi, 
Herr zu Hohenlandsberg, wahrscheinlich ein Sohn jenes 
Alexander von Schwendi, Ansprüche auf die Reichsvogtei 
Kaysersberg. Durch königliches Urteil, ergangen zu Paris 
1656 am 4. April, war dem Franz von Schwendi nach seiner 
Meinung nicht nur Hohenlandsberg, sondern auch dessen 
»Annexe , die Reichsvogtei Kaysersberg« zugesprochen 
worden. Dagegen protestierte Gräfin Helene Eleonore, 
indem sie geltend machte, dass es sich in dem zu Inns- 
bruck bereits angeregten und zu Paris durchgeführten 
Prozess gar nicht um die Reichsvogtei Kaysersberg 
gehandelt habe. Durch einen Spruch der königlichen 
Kammer zu Breisach vom 11. April 1658 wurde die Gräfin 
zwar wieder in den Besitz der Reichsvogtei eingesetzt, 
deren Gefalle aber blieben sequestriert, und wurden durch 
ein Edikt Colberts vom 22. Juni 1658 solange der Ver- 
waltung des Herrn Dy Lyz anvertraut, bis die streitenden 
Parteien zur Erläuterung des obigen Urteils wieder vor 
den königlichen Kommissionsrichtern in Paris erschienen 
wären und endgültigen Bescheid erlangt hätten. 

Seitens des Herrn Franz von Schwendi wurde ander- 
weitig behauptet, dass er auch iure creditoris ein Recht 
auf die Reichsvogtei Kaysersberg habe, falls ihm dieselbe 
trotz der klaren Transaktion von 1583 und des Pariser 
Urteils abgesprochen werde. Lazarus von Schwendi 



*) Ebenda, Schreiben von 1654. 



120 Becker. 

lassen die Herrn von Fürstenberg und Layen ihrem Ver- 
wandten, Herrn Franz von Schwendi, Herrn' zu Hohen- 
landsberg, die Reichsvogtei Kaysersberg samt allen ihren 
Einkünften und Lasten, wie solche beschaffen war zur Zeit 
der ersten Transaktion im Jahre i583«>). 

Franz von Schwendi hat sich indessen nicht lange des 
ihm zugesicherten Besitzes der Reichsvogtei erfreut. Am 
i8. Mai 1674 übertrug der König von Frankreich die 
Reichsvogtei mit allen Einkünften und Rechten auf 
Widerruf an PVanz Demadry. Begründet wurde diese 
Übertragung damit, dass der hundertjährige Pfandbesitz 
der Familie Schwendi abgelaufen sei*). Im Jahre 1697 
hat der König den temporären Besitz in ein Erblehn um- 
gewandelt »). Herr Demadry, Intendant von Dünkirchen, 
scheint um 17 10 gestorben zu sein. Sein »Erbe«, Herr 
Joseph Depecherie, Oberamtmann der Stadtvogtei Ensis- 
heim, wurde am 16. Februar 17 10 von dem Könige mit 
der Reichsvogtei betraut und vom Conseil souverain 
d'Alsace am 2. April 17 10 als solcher proklamiert. Erst 
am 29. August 1715 wurde er als Reichsvogt in der Stadt 
Türkheim präsentiert*). 

Nach dem Tode Depecheries gegen 17 19 folgte dessen 
Erbe Alexis Tranchant, Comte de La Verne, Seigpieur de 
Borrey. Dieser Hess die Vogtei verwalten durch seinen 
Amtmann Hirsinger, welcher am 31. Dezember 1736 starb, 
dann durch Johann Franz Priquelu^). Durch Beschluss des 
königlichen Staatsrats vom Oktober und November 17 19 
war die Erblichkeit aller Vogteiämter aufgehoben worden. 
Auf Grund dieser Staatsbeschlüsse und trotz des Einspruchs 
und der Gegenbemühungen des Grafen de Borrey«) ver- 
fügte der König im September 1739 den Übergang der 

*) Vgl. die beglaubigte Abschrift des Vertrages Kolm. Bez.-Arch. 1. c. 
Liasse 3 nr. 32. — *) Kaysersb. Stadt- Arch. 1. c. nr. 81. — •) Schöpflin, 
Als. ill. II, 288; auch Kaysersb. Stadt-Arch. 1. c. nr. 81 zu August 1742. 

— *) Kaysersb. Stadt-Arch. 1. c. nr. 81 Auszug aus dem RatsprotokoU Ton 

» 

Türkheim und ebenda Extrait des Registres du Conseil d'Etat 7. Aug. 1742. 

— *) Ebenda, Extrait ... 27. April 1743; auch Kolm. Bez.-Arch. 1. c. 
Liasse 3 nr. 34 u. 36 zu 1739 Sept. — *) Kaysersb. Stadt-Arch. 1. c. 
nr. 81 Kopie, Extrait . . . zum 7. Aug. 1742 und Münster Stadt-Arch. 
AA 44. 



122 Becker. 

Thatsächlich unterblieb die Huldigungsfeier in den übrigen 
Städten, und zwar in Münster, wie es scheint, gänzlich, in 
Türkheim bis 1767 oder 1768, angeblich deshalb, weil der 
Baron darauf bestand, der Akt müsse vorgenommen werden 
durch den königlichen Commissar, während die Städte 
geltend machten, dass der Unterlandvogt von Hagenau 
nach altem Herkommen allein dazu berechtigt sei'). 

Jahrelang bemühte sich der Vogteiinhaber vergebens, 
auf Grund königlicher Patente, die Aufstellung eines neuen 
vollständigen Urbars zu erwirken*). 

Im März 1755 wurde auf Wunsch des hochverdienten 
Barons Franz Anton von Andlau, — er hatte in den 
Schlachten bei Dettingen und Fontenay ruhmvoll gefochten, 
war aber noch unverheiratet, — durch einen königlichen 
Patentbrief die Nachfolge geordnet. Für den Fall, dass 
jener ohne männliche Nachkommen aus legitimer Ehe 
sterben würde, sollte seinem Bruder Franz Leonor von 
Andlau, beziehungsweise dessen ältestem Sohne die Reichs- 
vogtei als Mannlehn zufallen »). Dieser Franz Leonor hatte 
1750 den Grafentitel erhalten, starb aber bereits 1763. 
Auch sein ältester Sohn Ludwig war 1760 auf dem Schlacht- 
felde geblieben. So ging die Reichsvogtei nach dem Tode 
des Barons Franz Anton von Andlau 1786 über auf den 
zweiten Sohn Franz Leonors, den Grafen Franz Anton von 
Andlau, den Gesandten Ludwigs XVI zu Brüssel. Im 
Auftrage desselben unterhandelte dessen »procureur fiscal« 
der Reichsvogtei mit den Städten über die Präsentation des 
neuen Vogtes*). Am 8. Oktober 1787 hat seine E&cellenz 
der Graf von Andlau der Stadt Kaysersberg als Reichs- 
vogt den Schutzeid geleistet. Sein Untervogt war Herr 
Dupont •>). (ScMuss folgL) 

*) Ebenda, Briefe Türkheims und Münsters, 20. u. 2i. Juni 1786. — 
-) Vgl. unter anderm Kxtraits ... zu 7. Aug. 1742 und Lettres patentes 
24. April 1747.^— 3) Kolni. Bez.-Arch. 1. c. 3 nr. 57; auch Kaysersb. Städte 
Arch. 1. c. nr. 81. — *) Vgl. die Briefe vom Jahre 1786 Kaysersb. Stadlr 
Aich. ]. c. nr. 81. Voizard ist bezeichnet <i1s soi-disant charg6 des affidies 
de M. le comte d'Andlau, succcsscur de Mr. feu le baron d'Andlan. 
Demnach wäre die Notiz bei Lehr, I'Alsace Noble II S. 16, dass Banm 
Franz Anton von Andlau 1787 gestorben sei, irrtümlich. — *) Kaysersb« 
Sladt-Arch 1. c. nr. 81; auch Münster Stadt-Arch. AA 44. 



124 ^" ^^g"®*"' 

und ihrem korinthisierenden Kapital noch vollkommen unver- 
letzt erhalten; in derselben ist die Jahreszahl 1567 eingehauen. 

Das Monument befindet sich aber hier nicht mehr auf 
seiner ursprünglichen Stelle; Statue und Säule hatten früher 
den auf dem Marktplatz befindlichen Marktbrunnen 
der Stadt geziert. 

Im Anfang des Jahres 1862 gab nämlich der Gemeinde- 
rat von Durlach die Absicht zu erkennen, »als notwendige 
Folge der Umpflästerung des Marktplatzes« J) den »seinem 
Zweck nicht mehr vollständig entsprechenden« Marktbrunnen 
zu verlegen und an seiner Stelle einen neuen gusseisemen 
in der Mitte des Platzes zu errichten. »Dass der alte 
Brunnen kein Kunstdenkmal sei, werde man wohl nicht 
zu beweisen haben.« Die Statue wünschte man auf den 
steinernen sog. Fischbrunnen seitwärts vom Schlosse in 
der Nähe des Wachlokals als »an einen ebenfalls würdigen 
Platz« zu setzen; damals erklärte sich auch das Grossh. 
Oberamt Durlach mit dem Plane einverstanden. 

Nicht so die öffentliche Meinung über die Stadt Durlach 
hinaus, wie sie sich bald von verschiedenen Seiten kund 
gab. Besonders kräftig kam sie zur Äusserung durch einen 
kleinen Aufsatz des Grossh. Archivrats Dr. Jos. Bader im 
II. Band seiner »Badenia« unter dem Titel: »Das neue 
Durlach und sein alter steinerner Markgraf«. Dort heisst 
es u. A.: »Die Statue stellt den Markgrafen Karl II. von 
Baden dar, der die Reformation in seinen Landen einführte, 
die Residenz von Pforzheim nach Durlach verlegte und 
diese Stadt mit der Befreiung vom Leibeigenschaftsjoch 
und mit andern Begünstigungen begnadete. Damals 
wussten die beglückten Durlacher ihre Dankbarkeit für die 
erlangten Wohlthaten nicht sprechender auszudrücken, als 
eben dadurch, dass sie das Bildnis des trefflichen Fürsten 
noch während er regierte, lebensgross in Stein aushauen 
Hessen, um ihren Stadtbrunnen auf dem Marktplatze damit 
zu zieren.« Bader bezieht sich dabei auf das ältere Zeugnis 
von Schöpflin, der (Hist. Zaringo-Badensis IV.) 1766 schreibt: 
»Oppidani in animi grati memoriam publico urbis suae 
fonti statuam ejus imposuerunt, quae perstat hodiequecs). 

') Aus den Akten. — -) S. auch Geh res, kl. Chronik von Durlach 
1824, p. 92 



126 E« Wagner. 

und an seine Stelle der jetzt noch stehende viel kleinere 
gesetzt, den v. Bayer mit Recht in einem weiteren Bericht 
als »mageres, unbedeutendes Eisengusswerk« bezeichnet^ 
während man die Statue auf dem Altan des modernen 
Rathauses unter dem Schatten von Oleandersträuchen an 
der Hauswand anlehnte. Man ging aber nachher doch 
auf den Vorschlag des Conservators ein, sie auf dem 
Schlossplatz, als selbständiges Denkmal des Markgrafen 
Karls II, inschriftlich »von der dankbaren Stadt Durlach 
gewidmet«, aufzustellen. Herr v. Bayer lieferte im Januar 
1863 Plan und Modell zum Unterbau mit 4 in Eisen 
gegossenen heraldischen Löwen im Renaissance-Geschmack, 
das Grossh. Ministerium des Innern gab die Genehmigung 
zur Aufstellung, der Gemeinderat von Durlach verwiUig^te 
dazu einen Kredit von 1000 fl., und im Sommer 1865 stand 
die ursprüngliche Brunnenstatue, von einem Eisengitter 
umgeben und von Bäumen beschattet, auf ihrem neuen 
Postament. 

Seitdem hat der Zahn der Zeit sich an dem neuen 
Denkmal geltend gemacht. Schon im August 1894 schrieb 
der damalige Bürgermeister, die Inschriften am Sockel 
seien vollkommen unleserlich geworden und dachte an 
deren Wiederherstellung. Ferner scheint eine aus Eisen 
gefertigte Tasche, das Attribut des Markgrafen, welches er 
am Schilde hielt *), vor noch nicht langer Zeit, wahrscheinlich 
als defekt, weggekommen zu sein. Und nun berichtet der 
Gemeinderat von Durlach unter dem 28. Mai 1901, das 
Denkmal sei durch die Witterungseinflüsse stark beschädigt, 
und wünscht Auskunft darüber, ob es noch soviel Kunst- 
wert repräsentiere, dass dessen Wiederherstellung und 
Erhaltung wünschenswert erscheine. 

Die daraufhin erfolgte Untersuchung ergab Folgendes: 
Die seiner Zeit vom Brunnen herüber genommene 
Standsäule aus dem roten besseren Sandstein ist noch 
unversehrt und wird voraussichtlich noch lange brauchbar 
bleiben. An dem gelben Sandstein der Statue dagegen 
zeigen sich bedenkliche Spuren der Verwitterung und es 
wird schwer sein, die letztere aufzuhalten. Das Stand- 



*) S. Gehres a. a. O. p. 92 Anm. 



128 E. Wagner. 

gefunden hätte. Gehen wir zunächst auf die Beschreibung 
einiger weiterer dieser Denkmale etwas näher ein. 

Am nächsten berührt sich mit Durlach, wenigstens 
von historischen Gesichtspunkten aus betrachtet, Pforz- 
heim. Dort steht, allerdings auch nicht mehr an ursprüng- 
licher Stelle, aber doch noch auf einem Brunnen, auf dem 
Leopoldsplatz, eine Ritterfigur aus Sandstein, die als das 
Standbild des Markgrafen Ernst von Baden, Vaters 
Karls II. (1515 — 1553) angesprochen wird. Früher stand 
sie auf dem Marktbrunnen, der am Aufgang zum Schloss- 
berg auf der nördlichen Seite des Marktplatzes diesen 
beherrschte. 1861 musste derselbe wegen der Nähe des 
Bahnhofs entfernt werden und das Standbild samt 
der Krönung seines Postaments wurde auf den andern 
kleineren Brunnen versetzt. Der Ritter erscheint hier in 
der Rüstung der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, 
barhäuptig, mit auffallend grossem Kopf und mit Schnurr- 
bart; seine Rechte stützt sich auf einen in der Mitte mit 
einer Löwenmaske gezierten Schild, die Linke ruht auf 
dem Schwertknauf. Den mit herüber genommenen oberen 
Teil des Standpfeilers*) umgibt ein Kranz von acht leider 
sehr zerstörten , spätgotischen rosettenartigen Gebilden, 
deren Mitte je von einer männlichen Halbfigur, manchmal 
anscheinend mit Spruchband, eingenommen wird. 

Nach Pflüger (Geschichte der Stadt Pforzheim 1862) 
wurde im Jahr 1687 *^^r Mann auf dem oberen Markt- 
brunnen«, d. h. unser Standbild, von einem Maler Walter 
»erneuert und gemalt, wieder aufgezogen und frisch gesetzt«. 
Wahrscheinlich ist es bei dieser Erneuerung schon vor 
700 Jahren nicht ohne willkürliche Änderungen abgegangen. 
Allerdings hat sich die Befürchtung, dass selbst der un- 
behelmte Kopf damals neu aufgesetzt worden wäre, nicht 
bestätigt; dagegen passt der rechteckige Schild mit der 
Löwenmaske statt des Wappens soviel mehr für 1687, dass 
vielleicht dieser samt dem rechten Unterarm neu angefügt 
sein dürfte. Wäre der Unterarm ursprünglich nach vorne 

*) Nach einer lithographischen Ansicht des Marktplatzes von Obach aus 
den 1840er Jahren, welche das Standbild noch auf dem ursprünglichen 
Platz zeigt, war sein Postament, wie die ganze steinerne Brunneneinfassung 
rechteckig. 






IßO E« Wagner. 

schwer erklärlich in der Mauer hinter dem Thor der 
Burg Eberstein im Murgthal eingelassen wieder gefunden 
worden ! 

Genau genommen ist also bisher durch nichts urkund- 
lich bewiesen, in welchem Jahre Brunnen und Standbild 
errichtet sind, oder dass letzteres in der That den Mark- 
grafen Ernst darstellen soll. Immerhin passt die ritterliche 
Erscheinung mit Ausnahme des Schildes in die erste Hälfte 
des i6. Jahrhunderts, somit in seine Zeit. Nehmen wir 
aber an, die Inschrift beziehe sich wirklich mit auf den 
Marktbrunnen, so besagt sie doch nur, dass letzterer unter 
seiner Regierung 1538 durch die Stadt errichtet worden 
sei, nachdem der Fürst 1535, also drei Jahre vorher, seine 
Residenz in dieselbe verlegt hatte. Ob in dem Standbild 
wirklich seine Person wiedergegeben werden sollte, Hesse 
sich am ehesten durch Vergleichung mit seinen Bildnissen 
feststellen. Solche sind sehr befriedigend vorhanden auf 
einer Medaille und auf dem schönen Sarkophag des Fürsten 
im Chor der Schlosskirche zu Pforzheim, auf dem er 
liegend neben seiner dritten Gemahlin dargestellt ist. In 
beiden Fällen sind die Züge individuell, den älteren Mann 
darstellend, der einen Vollbart und auf dem Kopf eine 
Mütze trägt. Die Ähnlichkeit mit dem unbedeckten Haupt 
mit Schnurrbart auf unserer Statue ist aber zum mindesten 
nicht augenfällig, es müssten denn die Gesichtszüge durch 
die früheren Restaurationen verändert worden sein. 

In Bretten steht noch der alte Marktbrunnen mit 
eisengeschmiedeten Verzierungen im Renaissancestil an 
den Röhren, einer Mittelsäule mit korinthisierendem Kapital 
(wie in Durlach) und auf derselben eine behelmte, bärtige 
Rittergestalt, welche in der Rechten die Fahne aus Eisen- 
blech hält, während sie die Linke auf den Schild mit dem 
städtischen und dem pfälzischen Wappen stützt ; alles noch 
ursprünglich, unversehrt aus der Zerstörung von 1689 
erhalten. An dem Denkmal stehen die Anfangsbuchstaben 
M. N. L. des bis jetzt noch unbekannten Namens des Ver- 
fertigers, sowie die dem Stil des ganzen entsprechende 
Jahreszahl 1555. Urkundliches über den Brunnen ist nicht 
mehr vorhanden. Man möchte in Bretten in der Statue 
den Pfalzgrafen Friedrich den Siegreichen erkennen; der- 



^j 



1^2 E. Wagher. 

ein schon ursprünglich in die Hand eingelassenes Eisen- 
schwert und stützt die Linke auf den Schild mit dem 
Reichsadler und Stadtwappen. Da er auf dem Haupt eine 
vergoldete Kupferkrone und an der Kette über den Harnisch 
hängend das goldene Vliess trägt, so erscheint er in kaiser- 
licher Würde; das bärtige Gesicht (die Nase ist stark 
beschädigt) verrät einige Ähnlichkeit mit Karl V. Nach 
brieflicher Mitteilung von Professor Dr. Roder, der das 
Ganze als eine sorgfaltig ausgeführte Steinhauerarbeit 
bezeichnet, ist eine urkundliche Notiz über dessen Her- 
stellung nicht mehr zu finden; der Kaiser, der eben 1552 
gegen den Willen der Bürgerschaft die Zünfte in der Stadt 
abgeschafft hatte, war in derselben damals wohl kaum 
beliebt, der Gedanke, ihm aus Verehrung oder Dankbarkeit 
ein Denkmal zu errichten, lag somit nicht nahe. Oder 
wollten die Überlinger ihn wieder freundlich für sich 
stimmen behufs Aufhebung der drückend empfundenen Ver- 
fügung? Diese geschah erst durch Kaiser Ferdinand 1563. 

Wir begnügen uns mit diesen Beispielen aus Baden 
und fügen noch einige weitere aus Württemberg, soweit 
sie uns zu Gebote stehen, bei. 

In Öhringen steht auf der im Renaissancestil ge- 
haltenen Säule des vierröhrigen Marktbrunnens die Sand- 
steinstatue eines geharnischten Ritters, die Linke auf einen 
Schild mit dem Hohenlohe'schen Wappen (2 Leoparden) 
gestüzt, in der Rechten ein Scepter (ob ursprünglich?) 
haltend. Am Fuss ist die Jahreszahl 1554 angebracht. 
Eine erst in neuerer Zeit hinzugekommene Inschrift lautet : 
»Albrecht (III.) Grav von Hohenlohe 15,^5.« Von beachtens- 
werter Seite wird indessen bemerkt, die Statue gleiche 
nicht Graf Albrecht, sondern eher seinem Bruder Georg I. 
Beide Brüder regierten gemeinschaftlich 1503 — 15 11, waren 
also bei der Herstellung des Brunnens nicht mehr am 
Leben, somit bleibt im Dunkeln, wen das Standbild 
ursprünglich dargestellt haben mag. 

Auch in Markgröningen steht auf der Renaissance- 
säule des Marktbrunnens ein geharnischter Ritter, in der 
Rechten einnn »Commandostab« (ob ursprünglich?), in der 
Linken einen Schild mit dem Württembergischen und dem 
städtischen Wappen haltend; zwischen beiden Wappen 



12 E. Wagner. 

den Marktbrunnen Ritterfiguren mit entsprechen- 
den Attributen, hauptsächlich mit Fahne und 
Wappenschild, aufzustellen. Gewöhnlich, aber keines- 
wegs immer, werden sie als Standbilder der jeweils 
regierenden Landesfürsten gedeutet; sie sind dann während 
des Lebens derselben, nicht etwa nach deren Tode, errichtet, 
wie man, modernem Empfinden entsprechend, annehmen 
möchte. Manchmal, wie eben in Durlach und Pforzheim, 
lässt sich an besondere Anlässe für die Errichtung von 
Statuen der jeweiligen Fürsten denken, sonst sind solche 
mindestens zweifelhaft, oder überhaupt nicht anzunehmen. 
Es ist somit eine befriedigende Erklärung für den damals 
verbreiteten Brauch erst noch zu finden. 

An einzelnen Orten, wenn auch, soweit zu übersehen, 
nicht im südwestlichen Deutschland, führen Marktbrunnen 
mit ähnlichen Standbildern den Namen »Rolandsbrunnen«. 
Einen solchen besitzt die Stadt Hildesheim (abgebildet 
in der »Denkmalpflege« vom 26. Juni 1901) mit der Jahres- 
zahl 1540; auch hier eine Brunnensäule im Renaissancestil 
des mittleren 16. Jahrhunderts und auf derselben stehend 
die Gestalt des Gewappneten, der die Linke auf den Schild 
mit Wappen stützt, während die Rechte eine lange Speer- 
stange hält, an der früher auch vielleicht eine Fahne 
befestigt gewesen sein könnte. Auch in Regensburg 
steht auf dem Fischmarkt ein »Rolandsbrunnen« von 
1551, und neuestens wird bekannt, dass S. M. der 
Deutsche Kaiser für Berlin die Errichtung eines solchen 
plane. Nun lässt sich (s. Hildesheimer Allg. Zeitung vom 
31. Okt. 1900 und Fr. Drexel, der Brunnen auf dem Fisch- 
markt zu Regensburg«, in den Verh. d. Histor. Vereins 
von Oberpfalz und Regensburg LU. Bd. 1900) für die 
beiden erstgenannten Beispiele allerdings nachweisen, dass 
ihre Bezeichnung als Rolandsbrunnen neueren Datums ist 
und mehr aus den Kreisen von Gelehrten und Gebildeten 
^'romantischer Zeit<, als aus dem Volksmund stammt (für 
den Brunnen zu Hildesheim steht aus dem 1 6. Jahrhundert 
in einer Chronik der einfache Name Pipenbom = Rohren- 
brunnen). Aber dass sie überhaupt aufkommen konnte, 
beweist, wie bei dem Blick auf unsere Brunnenstatuen sich 
deren, wenn auch vielleicht nur mittelbare Verwandtschaft 



138 E- Wagner. 

hundert an die äussere sinnbildliche Gewähr für die kaiser- 
lich geschützten städtischen Freiheiten, sei es ursprünglich 
Marktrecht und Marktordnung, seien es andere erweiterte 
Berechtigungen in der Gemeindeverfassung, oder erblickt 
man vom 16. Jahrhundert ab in denselben mehr die 
Bezeugung dieses Schutzes durch die mächtiger gewordenen 
Landesherren. 

In die süddeutschen Territorien scheint die Er- 
innerung an Roland nicht eingedrungen zu sein, was man 
schon auf verschiedene Weise zu begründen gesucht hat. 
An Symbolen, zunächst für die Marktgerechtigkeit, hat es 
aber auch hier nicht gefehlt. Es gab die Marktkreuze, 
und die Fahne wird noch bis auf die neueste Zeit auf 
manchen Marktplätzen als Zeichen des geltenden Markt- 
rechts ausgehängt. War aber der Gedanke da, so wird 
auch seine Verkörperung in der Gestalt des gewappneten 
Ritters eben in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts 
analog den norddeutschen Vorgängen begreiflich, wenn es 
auch leider bis jetzt an urkundlichen Zeugnissen über ihre 
allmählige Entwickelung im Süden fehlt. 

Für die Aufstellung der Standbilder eigneten sich nun 
ganz besonders die in der Mitte des Marktes angelegten, 
ihn gleichsam beherrschenden Brunnen, die man schon 
von früherer Zeit her oft mit grosser Kunst monumental 
zu gestalten gewohnt war. So kam die Ritterfigur aui 
den Marktbrunnen von Hildesheim und so steht sie auj 
unseren süddeutschen Marktbrunnen gleichsam als monu- 
mentale Urkunde des landesherrlichen Schutzes über die 
städtischen Freiheiten und die Gemeindeverfassung. Dass 
man ihr gerne die Fahne als Erinnerung an die Markt- 
gerechtigkeit im engern Sinne in die Hand gab, isl 
erklärlich, und ebenso, dass der Schild mit dem Wappen 
dem städtischen und dem Reichsadler, wenn es sich un: 
freie Reichsstädte handelt, sonst dem landesherrlichen ah 
Zeichen der landesfürstlichen Hoheit, nie fehlte Hatter 
aber in Süddeutschland seit dem Beginn der Renaissance 
zeit die besprochenen Statuen auf den Brunnen der 
genannten Sinn, so diente es nur zur Verstärkung de; 
gewünschten Eindrucks und wäre nicht eben zu verwundern 
wenn dann die über dem Volksgetriebe des Markts siel 



Strassburgs Garnison 
während des siebenjährigen Krieges^). 

Von 

Karl Engel. 



Obgleich Strassburg fern vom Kriegsschauplatze lag, 
machte sich der siebenjährige Krieg doch in mancher 
Hinsicht auch in seinen Mauern fühlbar, besonders natürlich 
bei der Garnison. Strassburg war für die in Deutschland 
operierenden Armeen ein Hauptdepotplatz, von dem aus 
in den sieben Jahren unaufhörlich Miliztruppen, Rekruten- 
abteilungen zur Armee nach Norden abströmten, zu dem 
andererseits ergänzungs- und erholungsbedürftige Truppen- 
teile und die nicht ausgewechselten Kriegsgefangenen 
zurückgeschickt wurden. Die Anwesenheit der letzteren 
in Strassburg zeigt, mit w^elcher Q)urtoisie man damals 
Krieg zu führen pflegte und welches Vertrauen man damals 
dem gegebenen Worte entgegenbringen zu können glaubte. 
Die Kriegsgefangenen wurden zunächst gegenseitig aus- 
gewechselt, dann aber die überschiessenden dem Gregner 
zurückgegeben unter der Bedingung, sie während einer 
bestimmten Frist nicht mehr im Kriege zu verwenden. 
Aus den nicht ausgewechselten Kriegsgefangenen wurden 
Bataillone zusammengestellt, welche Gamisondienste thaten, 
bis die Frist ihrer Verpflichtung abgelaufen war. 

In Strassburg sammelte sich ferner ein grosser Teil 
der nach den ersten Schlägen des Krieges neugebildeten 
sächsischen Armee, die von Frankreich in Sold genommen 
wurde. 

*) Quellen: Stiassburg. Stadiarchiv, EE, VI, 14, 15. 



144 Engel. 

Elsasse sammeln und von da zur Vereinigung mit der 
österreichischen Armee nach Böhmen marschieren. Bald 
aber wurde diese Absicht aufgegeben und schliesslich fast 
das gesamte französische Heer für den Krieg in Deutsch- 
land aufgeboten. Eswurden zwei Armeen gebildet: die eine, 
stärkere, sammelte sich am unteren Rheine und operierte 
in Westfalen, die andere, schwächere, bildete sich am 
oberen Rheine und operierte in Hessen. Das Operations- 
ziel beider war in erster Linie Hannover. 

Die Garnison Strassburgs bestand im Oktober 1756 
aus folgenden Truppenteilen: 
I. Infanterie: 

1. Französische Regimenter: 

a) Vaubecourt, 2 Bataillone; es lag in der Fischer- 
thorkaserne *), von Januar 1757 ab auch zum 
Teil in den Metzgerthorkasernen ^J. 

b) Lyonnais, 2 Bataillone; es lag in der Kaserne 
Saverne-infanterie») und der an der Cour- 
tine St. Johann*). 

c) La Roche-Aymond, 2 Bataillone; es lag in 
der Finkmattkaserne und der Kaserne an 
der Courtine des Juifs^). 

2. Deutsche Regimenter: 

Elsass, 3 Bataillone; es lag in den Kasernen 
bei den Gedeckten Brücken^). 
II. Kavallerie: 

a) Colonel-General, 3 Schwadronen; es lag in 
den Kasernen auf der Esplanade''). 



*) Besteht heute noch als Kaserne; 1729 — 31 erbaut. — ') Die heutige 
Artillerieknserne; bestand aber damals nur aus den drei Gebäuden, welche 
den vorderen, am Metzgerplalz liegenden Hof umgeben ; an Stelle einer alten 
1681/82 errichteten Kaserne von 1753 — 55 neu erbaut. — ') Besteht heute 
nicht mehr; sie stand da, wo heute die westliche Häuserreihe der Kagenecker 
Strasse sich erhebt, und war 1721 22 erbaut worden. — *) Besteht heute nicht 
mehr; sie stand da, wo jetzt Gebäude des Schlachtviehhofs sich erheben, hinter 
dem Bczirksgefangnis in der Nähe der grossen Schleuse; errichtet 1682. — *) Die 
frühere (bis 1900) Pionierkaserne. — ') Besteht nur noch zum Teil; das etwa 
ein Dutzend Gebäude umfassende Kasernement lag da, wo heute die Schleusen- 
kaserne steht, an der Strasse >auf den Eisgrubcn<, und auf der Stelle, wo sich 
heute das Fouragemagazin erhebt; errichtet 1681 und 1682; die jetzt noch 
bestehende Schleusenkaserne wurde 1788 -90 erbaut. — '') Da, wo heute der 



146 Engel. 

berufen worden. Die beiden elsässischen Milizbataillone. 
Strassburg und Colmar, traten Oktober in Strassburg 
zusammen und wurden in die Kasernen auf der Rsplanade 
und am Kloster St. Nikolaus i) gelegt; jedes derselben 
hatte 10 Kompagnien und war 590 Mann stark. April 
1757 kamen die französischen Milizbataillone Brioude, Mont- 
brison, Montpellier und im Dezember Limoges in Strass- 
burg an. Brioude lag April in den Esplanaden- und St. 
Nikolauskasernen, Mai — Juni in der Finkmatt*), Juli — Ok- 
tober in den St. Nikolauskasernen, von Oktober ab in 
Saverne-infanterie, Montbrison Mai und Juni in Saveme* 
infanterie, Juli in den Kasernen bei den Gedeckten Brücken, 
Montpellier Mai in der Metzgerthorkaserne, Juni bis August 
in den Esplanaden- und St. Nikolauskasernen, von Sep- 
tember ab in Saverne-infanterie; Limoges wurde in die 
Fischerthor- und St. Nikolauskasernen gelegt. Das Bataillon 
Strassburg quartierte April in die Fischerthorkaseme um. 

Sämtliche Milizbataillone gaben im März 1757 ihre 
beiden Grenadierkompagnien an die Feldarmee zur Bildung 
der Regimenter der grenadiers royaux ab. Die vier Gre- 
nadierkompagnien von Strassburg und Colmar kamen unter 
das Regiment Solar, welches im März zu Strassburg in der 
Kaserne Saverne-infanterie zusammentrat und im April 
nach dem Kriegsschauplatze abmarschierte. 

Ausserdem wurden aus den Milizbataillonen Detache- 
ments zur Bildung von Ersatz- und Etappentruppen heraus- 
gezogen. Um in letztgenannter Eigenschaft verwandt zu 
werden, verliess Colmar im April die Stadt und im August 
Montbrison. 

') Besteht nicht mehr; das Kasernement bestand aus dem alten, teil- 
weise in Trümmern liegenden St. Nikolauskloster und drei, 1681 — 82 errich- 
teten barackenähnlichen Gebäuden; es lag da, wo heute ein Teil des Pro- 
viantamts, der Akademieplatz und die Südwestecke des Hofes der Nikolaus- 
kaserne liegen; das Kasernement wurde 1783 und in den folgenden Jahren, 
ja teilweise erst Anfang des XIX. Jahrhunderts abgebrochen. — •) Bestand 
bis vor einigen Jahren; 1757 war aber erst das südöstliche Gebäude vor- 
handen, das längs der heutigen Strasse Dreizehn ergraben da lag, wo der 
westliche Teil des I^ndgerichtsgebäudes steht; die Kaserne war 1746— 1749 
erbaut worden ; das nordwestliche, in der Verlängerung des genannten von der 
Graumanngasse bis in die Nähe des heutigen Steinnngs sich erstreckende 
Kaserngebäude wurde erst 1764—66 gebaut. 



150 Engel. 

mentem: Aumont, Hainault, Royal-Suedois (Deut 
(Graubündtner). 

4. In Saveme-infanterie: vom Infanterieregimc 
Baviere (Deutsche). 

5. In der Kaserne an der Courtine St. Jol 
Husarenregimente: Berchiny (Deutsche); vom 
CJermont: von den Infanteriereg^mentern: Brancaj 

6. In den Kasernen bei den Gedeckten Brü 
Husarenregimente: Turpin (Deutsche); vom 
regimente: Harcourt; von den Kavalleriere 
Moncalm, Grammont, Bezons, Des Salles, B< 
Freikorps: Hainault; von den Infanteriereg^imente 
Elsass (Deutsche), La Marche, Auvergne, Roh 
(Schweizer). 

Am I. Januar 1759 bestand die Garnison ai 
I. Infanterie: 

Royal-Suedois, Abteilung, ioo>) M., i 

Nikolauskasernen ; 
Diesbach, Abteilung, 160M., Lochmann, 
350 M., beide in den Kasernen bei den 
Brücken; 
Salis, I Bataillon, 650 M., in der Fischerth 
Eptingen, 2 Bataillone, 1300 M., in Sav 
terie und der Kaserne an der Courtine i 
Sachsen, 370 M., in der Finkmattkaserr 
Brioude (Miliz), 650 M., in der Käsen 

Courtine des Juifs; 
Anduce (Miliz), 650 M., in der Metzgerth 
Grenadiers Royaux von Solar, später 
genannt, 400-600 M.. in den Kaserm 
Gedeckten Brücken, von Februar a 
Esplanadenkasernen ; 
2 Invalidenkompagnien in den Forts. 
II. Kavallerie: 50 M. von Wirtemberg, in ( 

nadenkasernen. 
III. Artillerie: vom Bataillon La Motte, 32 ] 
Metzgerthorkasernen . 

') Die Stärken sind ungefähr berechnet nach der Zahl 
Stadt gestellten Betten; die Sergeanten aller Truppenteile ui 
lagen zu 2, die Infanteristen zu 3 in einem Bette. 



Strassburgs GarnisoD im siebenjährigen Kriege. 1 ^ i 

Von diesen Abteilungen marschierten Salis, Meli<'?gan, 
Hriöude, Eptingen März und April. Diesbach und Ixich- 
mann Juni, die Sachsen im Juli ab. iJafür kamen die 
Milizbataillone Strassburg und Colmar und ein aus nicht 
ausgewechselten Kriegsgefangenen deutscher Regtment^^r 
zusammen geseutes Bataillon im Mai und bereits im April 
die ArtiDeriebrigade Loyaute vom Kriegs<K;hauplatz^i zurück. 
Lolmar wurde in die Fischerthorkaserne. Strassburg in 
>*veme-infanterie, das deutsche Bataillon in die Kasernen 
^i den Gedeckten Brücken und die ArtilU*riebriga/Je in 
die Metzgerthorkasemen gelegt. Strassburg verliess die 
*iamisan im November und an seinem Stelle \}ftT/)^ das 
n«i angekommene Milizbataillon Perrigueux die Kjdhf*Txi*t 
^averne-2nfa.nt€rrie. In die durch die Sachv^n g^rräumie 
FmkTr.cLtikaif,eme kam das vom Kriegsschauplatze turüfM- 
<rk*-hrt*- Milizbataillon Monibrison. 

iiXt^mihj^ vom KhegsschaupLitze kamen ^,\AMxu^f*ir 
-nc '.*ktor#er da*» stanze Kavall€frieregimeni Mestre de 
<-.aini.-*j*hvercLl und Abteilungen der Kavallerieregimenf-r 
^^fc* >*eLli€*** und Escouloubre. Sie wurden in die fcspla^ 
nad^TiküHemer. ar^rlegi- Mesire de ^Jamp seute nach mehr' 
•«igurer Xjüs: Q*n Ruckmarsch in das Jnnere Frankreichs 
•*jn nnc iaTic In^ zum Friedensschlüsse bei der K ^stjer.' 
'»acht Ver"w*-n'^-^'ni:' 

J<.eknii*snittiie:jun;(ren "waren in den Winterrrj'^riat-eTi 

1t - oer: £.sT»ianaäerikasen>€jn : von äeri Kavalierie' 
•'•inirj^nri'eTT. O-mö*^ und V':i;jue; 2. in den St. Nikvlaus- 

vun: KtialJeriereirimeTile i>es SaTie*-. v'.»m Jr Tar*' 
*fme ZlibÄair I>eutsc'?je : s. in der Kaserrj*r av der 
* i.»i2nrrHr cj*?^ judt ^ jil Ir.ianierieregiTiiente lj\xri'jr\\ c. in 
■^t '■ • TTf *r- '_:ii \-kLt^TrH: \ -.»Tl. J T.:' fcTiieriereg"; m enie V^w/i i*. : « . jt 1 
^^•ent*^nTTaTH*r-i*- .-.ir, derj Iiifanienere;nmeTiierri Liaupimie 
I*eut!«»ciie- utjc i-'itTiiini: . : . :i. det Kasemeii be: der. 0*^je'>:>rt^i 
i>ru'-K*n:. \ xrr oer. KfcvalieneregimenierT, . Berry. Po^iy und 
K.t»i ö,-i-^oiL»^ErTM- \ yi_ der. inianienerei^inieTiierT. }^ia.iita 
Vjnwtfiz-^-r.. ii-LJUiIi'jT. Aniith. xilisasf^. -Be^trt. diese vier 
>^ut?»ci**r, ''_oir-ieL Oas*.*-lii: neioe Sci:ve:z*r-: '. ir. dei: 



-ueizij'enn'jre '. :it oei iTiiaiiienereg.- 
^ÄLVirrT*:. Pieni-Jir.. 1 '.»unieLisis- uiid 'i'aaitaT. vvi 



152 Engel. 

den Artilleriebrigaden Chabrie, Invilliers, Mouy und 
Villepatour. 

Am I. Januar 1760 bestand die Garnison aus: 

I. Infanterie: Royal-Suedois, 100 M., in den St. Nikolaus- 
kasemen; Colmar (Miliz), i Bataillon, 600 M., in der Fischer- 
thorkaserne; Montbrison (Miliz), i Bataillon, 550 M„ in der 
Finkmattkaserne; Perrigueux (Miliz), i Bataillon, 550 M., in 
Saverne-infanterie; Anduze (Miliz), i Bataillon, 600 M„ in 
den Kasernen bei den Gedeckten Brücken (seit Dezember 
1759); Deutsches Bataillon nicht ausgewechselter Kriegs- 
gefangener, 550 M., in der Kaserne an der Courtine des 
Juifs (seit Dezember 1759). 

II. Kavallerie: Wirtemberg, 50 M., Des Salles, 20 M., 
in den Esplanadenkasernen ; Escouloubre, 40 M., in den 
Esplanadenkasemen, von Januar ab in den Kasernen bei 
den Gedeckten Brücken. 

III. Artillerie: Brigade Loyautd (zum Teil) in den 
Metzgerthorkasernen. 

Ausserdem die Invalidenkompagnien in den beiden Forts. 

Von den Garnisontruppen marschierten Des Salles- 
cavalerie Januar, das deutsche Bataillon März, Escouloubre- 
cavalerie Mai, die Milizbataillone Anduze und Perrigueux 
Juni und September, die Artilleriebrigade Loyaute Sep- 
tember ab. Dafür kamen März das Milizbataillon Chau- 
mont (280 M.), das aber August wieder abrückte, Juli und 
Oktober die Milizbataillone Villeneuve d'Agenois (400 M.) 
und Montpellier (450 M.) und Oktober ein zusammen- 
gesetztes Artilleriedetachement von 600 Mann. 

Chaumont quartierte sich in der Kauseme an der Cour- 
tine St. Johann, Villeneuve d'Agenois und Montpellier in 
Saverne-infanterie, das Artilleriedetachement in den Metzger- 
thorkasernen ein. 

Durch Strassburg kamen April und Mai die Kavallerie- 
regimenter Aquitaine, Trasegnies und Bourbon-Busset und 
Oktober das Schweizerregiment Boccard, 2 Bataillone, ca. 
1300 Mann. Aquitaine fand in Saverne-cavalerie , Tra- 
segnies in den Esplanadenkasernen, von Bourbon-Busset 
eine Schwadron in den St. Nikolauskasernen, die zweite 
in den Kasernen bei den Gedeckten Brücken Unterkunft. 
Trasegnies war Februar 1759, Aquitaine später zur Erholung 



154 Engel. 

Ebenfalls sehr schwer gelitten hatte im Feldzuge von 
1760 im Gefechte bei Emsdorf am 16. Juli das deutsche 
Infanterieregiment Royal-Baviere. Zu seiner Erholung und 
Ergänzung kam es Ende August nach Strassburg in die 
Kasernen an den Gedeckten Brücken. Als es so weit 
ergänzt war, dass seine drei Bataillone annähernd wieder 
auf Kriegsfuss gekommen waren, wurde Januar 1761 das 

1. Bataillon in die Kaserne an der Courtine des Juifs gelegt. 

In den Wintermonaten des Jahres 1760 lagen Rekruten- 
abteilungen: 

I. In den Esplanadenkasemen : Kavallerie, Carabiniers; 

2. in der Kaserne an der Courtine St. Johann: Infanterie, 
Dauphine (Deutsche); 3. in den Kasernen bei den Gedeckten 
Brücken: Husaren: Turpin (Deutsche); Kavallerie: Escou- 
loubre; Infanterie: Courten, Castella, beide Schweizer; 
Elsass, Anhalt, Bergh. Bouillon, alle vier Deutsche; 4. in 
den Metzgerthorkasernen: Artilleriebrigaden: Mouy und 
Villepatour. 

Ausserdem lagen Rekruten und Rekonvalescenten der 
verschiedensten Regimenter in den St. Nikolauskasernen. 
Die Garnison bestand am i. Januar 1761 aus: 

I. Infanterie: Royal-Suedois, 40 M., in den St. Niko- 
lauskasernen; Royal-Baviere, 3 Bataillone, 1800 M., I. Ba- 
taillon in der Kaserne an der Courtine des Juifs, II. und 
III. Bataillon in den Kasernen bei den Gedeckten Brücken; 
Colmar (Miliz), ein Bataillon, 680 M., in der Fischerthor- 
kaserne; Montbrison (Miliz), ein Bataillon, 560 M.. in der 
Finkniattkaserne; Villeneuve d'Agenois (Miliz), ein Bataillon, 
430 M., Montpellier (Mihz), ein Bataillon, 450 M., beide in 
Saverne-infanterie. 

II. Kavallerie: Wirtemberg, 40 Mann, in den Espla- 
nadenkasemen. 

III. Artillerie: Zusammengesetzte Abteilung, die sich 
im Laufe des Jahres bis auf 100 M. verringerte, in der 
Metzgerthorkaserne. 

Ausserdem die beiden Invalidenkompagnien. 

Von diesen Truppenteilen verliessen Strassburg Royal* 
Baviere Februar, das Milizbataillon Colmar ApriJ. Es kamen 
dafür April das Milizbataillon Amiens, 550 M., und November 
das Schweizerregiment Jenner; Amiens kam in die Kasernen 



156 Engel. 

Die Rekrutenabteilungen waren 1761 nicht mehr so 
zahlreich wie in den früheren Jahren. Es lagen: 

I. In den Esplanadenkasernen: von den Kavallerie- 
regimentern Roi und Bourbon-Busset ; 2. in den St. Niko- 
lauskasernen: von den Infanterieregimentern Salis (Grau- 
bündtner), Jenner (Schweizer) und Grenadiers royaux de 
Narbonne; 3. in der Kaserne an der Courtine des Juifs: 
vom Infanterieregimente Grenadiers royaux de Narbonne; 
4. in Saverne-infanterie : vom Husarenregimente Turpin 
(Deutsche); 5. in den Kasernen bei den Gedeckten Brücken; 
vom Infanterieregimente Elsass (Deutsche). 

Rekonvalescenten lagen, meist 50 Mann stark, das 
ganze Jahr hindurch in Saverne-infanterie. 

Am I. Januar 1762 bestand die Garnison aus: 

I. Infanterie: Royal-Suedois, 40 M., in den St. Nikolaus- 
kasemen: Jenner (Schweizer), 2 Bataillone, 1300 M.; in 
den Kasernen am Fischerthor und an der Courtine des 
Juifs; Montbrison (Miliz), ein Bataillon, 430 M., in der Fink- 
mattkaseme; Montpellier (Miliz), 450 M., Villeneuve d'Age- 
nois (Miliz), 430 M., beide in Saverne-infanterie. 

IL Kavallerie: Wirtemberg, 40 M. in den Esplanaden- 
kasernen. 

in. Artillerie: Zusammengesetzte Abteilung von 100 
— 140 Mann in den Metzgerthorkasemen. 

Von den Gamisontruppen marschierte die Abteilung 
von Royal-Suedois April ab. Durch Strassburg kamen auf 
dem Rückmarsche vom Kriegsschauplatze die Kavallerie- 
regimenter St. Aldegonde, Royal-Pologne (i Schwadron). 
Royal-Bourgogne im Januar und Rauhgraf (Lütticher 
Kavallerie) im Februar; St. Aldegonde wurde in die Fink- 
matt- und Metzgerthorkasernen gelegt, Royal-Pologne in 
die bei den Gedeckten Brücken. Royal-Bourgogne in 
Saverne-cavalerie und Rauhgraf in die Esplanadenkasernen. 
Die drei erstgenannten Regimenter blieben nur einige 
Tage und marschierten dann ab, St. Aldegonde nach St. 
Mihiel, um dort unter La Reine-cavalerie gesteckt zu 
werden, Royal-Pologne an die Küste der Normandie, 
Royal-Bourgogne an die Flandrische Küste zur Verstärkung 



158 Engel. 

marschierte Schweizerregiment Erlach (früher Jenner 
genannt), geräumt hatte, in die Finkmattkaseme und in 
Saverne-infanterie, Royal-Suedois in die Kasernen bei den 
Gedeckten Brücken und an der Courtine St. Johann, das 
Dragonerregiment Roi in die Esplanadenkaseruen , La 
Ferronnays in Saverne-cavalerie, Villepatour und die 
Artilleriearbeiter in die Metzgerthorkasernen gelegt. Die 
Soldatenfamilien von Elsass, die bisher in der Kaserne an 
der Courtine St. Johann Unterkunft gefunden hatten, quar- 
tierten in das alte Klostergebäude St. Nikolaus um. La 
Ferronnays verliess Strassburg schon nach einigen Tagen 
wieder und marschierte nach Dole und Besanfon weiter. 

Die Regimenter entliessen in Strassburg die Leute, 
deren Dienstzeit abgelaufen war, in die Heimat, andere, 
die nicht mehr diensttauglich waren, zu den Invaliden- 
kompagnien. Das Invalidendepot befand sich in den St. Niko- 
lauskasernen. Die dritten Bataillone der meist drei Bataillone 
starken deutschen Regimenter wurden nach Ordonnanz 
vom 21. Dezember 1762 aufgelöst mit Ausnahme von 
Elsass, dessen IV. Bataillon aufgelöst wurde. Elsass zählte 
nun 3, die übrigen deutschen Regimenter 2 Bataillone. 
Das deutsche Regiment Bouillon verlor sein 2. Bataillon 
und zählte nur noch eine». 

Am I. Januar 1763 bestand die Garnison aus: 

I. Infanterie: Chastellux, 4 Bataillone, 2260 M., in den 
St. Nikolaus- und Fischerthorkeisemen, in der an der Cour- 
tine des Juifs und in der Finkmattkaserne; Royal-Suedois. 
3 Bataillone, 1700 M., in den Kasernen bei den Gedeckten 
Brücken und an der Courtine St. Johann, Elsass, Rekruten- 
depot, 90 M., und Abteilung, 130 M., in den Kasernen bei 
den Gedeckten Brücken. 

II. Kavallerie: Dragonerregiment Roi, 500 M., und 
Royal-Allemand, 36 M., beide in den Esplanadenkasernen, 
letztere waren das alte Detachement vom Regimente Wirtem- 
berg, das aufgelöst und unter Royal-Allemand gesteckt 
worden war. 

III. Artillerie: Brigade Villepatour, 800 M., und St. 
Auban, Artilleriearbeiterkompagnie, 45 M., beide in den 
Metzgerthorkasernen. 



l6o Engel. 

und mehrere Stuben der Fischerthorkaseme verwandt, 
Offiziere des Regiments wurden auch noch in die Kaserne 
an der Courtine des Juifs und in die Finkmatt gelegt. 
Das Regiment schritt in Strassburg zu der am 21. Dezember 
1762 befohlenen Reorganisation. Es entliess alle nicht mehr 
Felddiensttauglichen sowie alle, deren Dienstzeit abgelaufen 
war und die sich nicht wieder anwerben lassen wollten, und 
formierte sich in 3 Bataillone von je 9 Kompagnien. Im 
November, als die Reorganisation zum Abschluss gekommen 
war, hatte es noch 1550 Mann unter den Fahnen, von denen 
nochmals bis Januar 1764 150 Mann zur Entlassung kamen 
oder desertierten. Es bezog November Saveme-infanterie 
und die Kaserne an der Courtine St. Johann. 

Nachdem im Juni eine Abteilung Aquitaine-Infanterie 
von 80 Mann nach Strassburg gekommen war und in den 
Esplanadenkasernen Unterkunft gefunden, rückte das Regi- 
ment selbst November mit 4 Bataillonen an, die 1500 Mann 
stark waren. Sie bezogen die Kasernen bei den Gedeckten 
Brücken; 2 Bataillone verliessen die Stadt noch in dem- 
selben Monat wieder, die beiden andern kamen dann, 
750 Mann stark, in die St. Nikolaus- und Fischerthor- 
kasernen. An Stelle von Aquitaine bezogen November 
zwei Bataillone von Royal-Ba viere, 650 Mann stark, die 
Kasernen bei den Gedeckten Brücken, dazu kamen noch 
im Dezember 2 Bataillone vom Schweizerregiment Boccard 
mit 800 Mann Stärke. 

Am I. Januar 1764 bestand die Garnison aus: 

I. Infanterie: Picardie, 4 Bataillone, 1600 M., Kaserne 
an der Courtine des Juifs und Finkmattkaseme; Aquitaine, 
2 Bataillone, 750 M.. St. Nikolaus- und Fischerthorkasernen; 
Elsass (Deutsche), 3 Bataillone, 1400 M., Saveme-infan- 
terie und Kaserne an der Courtine St. Johann; Boccard 
(Schweizer), 2 Bataillone, 800 M., Royal-Baviere (Deutsche), 
2 Bataillone, 750 M., beide in den Kasernen bei den 
Gedeckten Brücken. 

II. Kavallerie: Royal- Allemand (Deutsche), 4 Schwa- 
dronen, 400 M., Saveme-cavalerie; Roi-dragons, 3 (?) Schwa- 
dronen, 310 M., Esplanadenkasernen. 

III. Artillerie: Brigade Villepatour, 750 M., Metzger- 



Strassbnrgs Garnison im siebenjährigen Kriege. i5i 

tborkaseme; eine Kompagnie Artilleriearbeiter und Mineurs, 
120 M., Esplanadenkasernen. 

Ausserdem 2 Invalidenkompagnien in den Forts. 

Mit dem Jahre 1764 traten wieder stabilere Verhält- 
nisse innerhalb der Regimenter ein, wenn auch die Gar- 
nison selbst, den im französischen Heere bis 1870 geltenden 
Grundsätzen getreu, fast jährlich wechselte. Doch ist die 
Zusammensetzung der Garnison nicht mehr so bunt, wie 
zur Zeit des Krieges. Mit dem Jahre 1763 verschwanden 
auch die letzten Nachwirkungen des siebenjährigen Krieges 
auf die Garnison der alten Reichsstadt. 



Ztttackr. t Gcscb. d. Oberrh. N. F. XVII. i. II 



Franz Xaver Kraus f. 



Am 28. Dezember iQOi starb zu San Remo der ordentliche 
Professor der Kirchengeschichte an der Universität Freiburg, 
Dr. Franz Xaver Kraus, seit Gründung der Badischen Historischen 
Kommission im April 1883 deren ordentliches Mitglied, dem 
auch in diesen Blättern, in einer Zeitschrift, der er jederzeit 
seine lebhafte Teilnahme schenkte, ein Wort ehrender Erinnerung 
gebührt. 

Geboren zu Trier am 18. September 1840 hat er wenige 
Monate vor seinem Tode das 61. Lebensjahr vollendet; ein 
Rückblick auf sein Wirken als Lehrer, Gelehrter und Schriftsteller 
stellt dem Dahingeschiedenen das Zeugnis aus, dass er mit dem 
ihm anvertrauten Pfunde im grossen Stile gearbeitet und eine 
ebenso tief eingreifende als vielseitige wissenschaftliche Thätigkeit 
entfaltet hat. 

Es soll an dieser Stelle weder eine eingehende Würdigung 
dieser Thätigkeit versucht, noch eine Aufzählung der grossen 
Zahl seiner Schriften unternommen werden. Wir wollen nur 
einen kurzen Überblick über seine so mannigfachen Leistungen 
als Kirchenhistoriker, Kunsthistoriker und Archäolog geben. 

Nach Vollendung seiner Studien, da Kraus, nachdem er 
1864 die Priesterweihe empfangen hatte, als junger Beneüciat 
eine Reihe von Jahren in Pfalzel an der Mosel ein ruhiges 
Leben führte, entwickelte er bald eine emsige schriftstellerische 
Thätigkeit, die in den Kreisen der Kirchen- und Kunsthistoriker 
auf ihn aufmerksam machte. 

Im Jahre 1872 bei Gründung der Universität Strassburg 
erhielt er einen Ruf an diese als ausserordentlicher Professor 
für christliche Kunstgeschichte. Er erfasste die ihm gestellte 
Aufgabe in weitestem Sinne , wie ein Blick auf den reichen 
Inhalt der von ihm angekündigten Vorlesungen in den Lektions- 
katologen der neuen Universität darthut. Seine Neigung für 
lokalgeschichtliche Forschungen und wohl auch die engen freund- 
schaftlichen Beziehungen zu Ludwig Spach, dem hochverdienten 
elsässischen Archivar und feinsinnigen Kenner der Künste, 
führten Kraus zur Bearbeitung des grossangelegten Werkes 
»Kunst und Altertum in Elsass-Lothringen«, das in vier 
Bänden von 1876 — 1892 veröffentlicht wurde. 



\ 



164 ^- ^Veech. 

hundert zu erlöschen und den nationalen Tendenzen der 
romanischen Periode Platz zu machen«. Diese Studien führten 
ihn zur Herausgabe der Miniaturen der Manesse'schen Lieder- 
handschrift und zu kritischen Untersuchungen der Wandgemälde 
von St. Angelo in Formis. 

Die in Vorstehendem erörterte Thätigkeit hat Kraus zum 
Teil auf Gebieten entfaltet, welche die beiden Nachbarländer 
berühren, die seit Jahren unter seinem lebhaften Beifall in dieser 
Zeitschrift einen gemeinsamen Boden für die Veröffentlichung 
der Arbeiten ihrer Historiker gewonnen haben. Wenn wir nun 
auf andere Gebiete hinweisen, denen sich sein ausgedehntes 
und vielseitiges schriftstellerische Wirken zuwandte, so sollen 
hier nur einige seiner Hauptwerke angeführt sein: die Realen- 
cyklopadie der christlichen Altertümer, die, wenn auch eine 
Reihe von Fachgenossen an ihrer Bearbeitung beteiligt war, doch 
im wesentlichen nicht nur ihm, ihre Entstehung verdankt, 
sondern auch durchaus von seinem Geiste .geleitet und durch- 
drungen ist, die Roma soterranea, die sich würdig den grund- 
legenden Forschungen de Rossi's zur Seite stellen darf, sein 
Lehrbuch der Kirchengeschichte, die christlichen Inschriften der 
Rheinlande, seine leider nicht vollendete Geschichte der christ- 
lichen Kunst, von der mit Recht gesagt wurde, dass sie »als 
das eigentliche Werk seines Lebens betrachtet werden müsse«, 
in welchem »alle Vorzüge seines Genius: die immense Gelehr- 
samkeit, die Vielseitigkeit des wissenschaftlichen Interesses, die 
feine Empfindung für Schönheit und ideale Gedanken, die 
vollendete Kunst der Darstellung sich zu einem Ganzen vereinigt 
haben, das selbst wieder ein Kunstwerk ist.« Nicht minder 
bildet das grosse Werk über Dante ein dauerndes Ehrendenkmal 
seiner Meisterschaft, das Werk, in dem er nicht nur die Einzel- 
heiten im Leben des grossen Dichters mit kritischer Schärfe 
feststellt und umschreibt, seine Dichtungen in ihrem Ideengehalt 
eingehend und verständnisvoll darlegt und erläutert, sondern 
auch diesem gewaltigen Mann in seinem Verhältnis zur Kunst 
und Politik die Stelle anweist, die ihm gebührt und von der 
auf die spätesten Zeiten noch sein Erdenwallen fortwirkt. Wie 
dieses grosse Dantewerk hervorgegangen ist aus der wohl von 
wenigen Mitlebenden erreichten gründlichen Kenntnis Italiens, 
deren Kraus sich rühmen durfte und von seiner wannen Liebe 
zu dem schönen Lande, das er seine zweite Heimat nannte, so 
finden wir diese beiden Faktoren auch bedeutungsvoll wirksam 
in der letzten Arbeit seines Lebens: »Cavour. Die Erhebung 
Italiens im neunzehnten Jahrhundert«^, dessen Bedeutung durch 
die Bekämpfung seitens voreingenommener Kritiker nicht be- 
einträchtigt werden kann. Ich darf und will auch die stattliche 
Zahl seiner meisterhaften Essays nicht übergehen, welche in zwei 
Bänden gesammelt vorliegen, eben so wenig wie die Kirchen- 
politischen Briefe des Spectator und andere unter seinem 



lt>6 V- Weech. 

Stoffes sich nur mit der urkundlichen Feststellung der alten und 
neueh Ortsnamen beschäftige. 

Bei der grossen Zahl der eingegangenen Anträge, An- 
regungen und Wünsche musste sich die Plenarsitzung darauf 
beschränken, nur einige derselben zur sofortigen Inangriffnahme 
zu bestimmen. Dieses geschah mit dem Antrag von Kraus auf 
Herausgabe einer Badenia sacra, deren Leitung er und ich 
übernehmen sollten Zunächst wurde die Bearbeitung der 
Regesten der Bischöfe von Konstanz bis zum Ausgang des 
I 5. Jahrhunderts beschlossen und mir die Leitung dieses Unter- 
nehmens sowie die Anstellung eines Hilfsarbeiters übertragen. 

In den folgenden Plenarsitzungen beteiligte sich Kraus 
regelmässig sehr lebhaft an den Verhandlungen und liess es 
nie an Hinweisung auf verwandte Arbeiten und an wert- 
vollen Anregungen fehlen. £r legte dabei besonders Interesse 
für die Verzeichnung der Archive und Registraturen der 
Gemeinden, Korporationen und Privaten an den Tag, verwies 
in der 2. Plenarsitzung auf die einschlägige französische Gesetz- 
gebung, die im Elsass noch in Kraft sei, machte in der 
3. besonders auf grundherrliche Archive aufmerksam, welche 
reiche Ausbeute versprächen, wies auf Urkunden badischer 
Klöster hin , die sich im Elsass befinden , und regte den 
Gedanken an, analog der Bestellung von Pflegern für die Ver- 
zeichnung des Inhalts der kleineren nicht staatlichen Archive 
im Inland, im Auslande Korrespondenten zu ernennen, welche 
der Kommission Mitteilungen über das im Ausland befindliche, 
auf badische Geschichte bezügliche Material zu machen hätten. 
Anschliessend an diese Anregung stellte Kraus in der 4. Plenar- 
sitzung den Antrag: es sollen sowohl ausserhalb als innerhalb 
Badens wohnende Gelehrte, welche den Zwecken der historischen 
Kommission in irgend einer Weise gedient haben oder von 
welchen solche Dienste zu erwarten stehen, zu korrespondieren- 
den Mitgliedern der Badischen Historischen Kommission ernannt 
werden, ein Antrag, über den sich nach längerer Beratung die 
Kommission vorerst nicht schlüssig machen konnte. Mit Be- 
friedigung konnte Kraus in dieser Sitzung die Verwirklichung 
eines von ihm vor zwei Jahren ausgesprochenen Wunsches 
begrüssen, indem die Bearbeitung eines Topographischen Wörter- 
buchs des Grossherzogtums Baden beschlossen wurde. Der 
7. Plenarsitzung hatte er den Antrag eingesandt: die Kommission 
möge beschliessen, es solle einer geeigneten wissenschaftlichen 
Kraft die Abfassung einer Geschichte der Abtei Reichenao 
übertragen werden. Der Gedanke wurde, obwohl der Antrags 
steller durch Unwohlsein verhindert war der Sitzung beizuwohnen 
und ihn selbst zu begründen, zustimmend begrüsst, aber aus 
äusseren Gründen die Inangriffnahme der Arbeit vertagt. Im 
Laufe der nächsten Jahre erschienen dann als Vorarbeit zu 
diesem, auch heute noch . der Verwirklichung harrenden Unter- 



M i s c e 1 1 e n. 



Ergänzungen zur Kostenrechnung einer bischöflich- 
strassburgischen Gesandtschaft an die Kurie (1478 — 79). 
Der Inhalt dieses interessanten Schriftstückes wurde von Dr. 
H. Kaiser im 14. Bd. dieser Zeitschrift, NF. S. 180 — 193 mit- 
geteilt. Über die Häupter der Gesandtschaft enthält der »Liber 
Confraternitatis s. Spiritus et s. Mariae in Saxia de Urbe« einige 
Notizen. 

Vier Tage vor der am 11. Februar 1479 erfolgten Abreise 
aus der ewigen Stadt Hessen sich die Abgesandten mit ihrem 
Dienstpersonal in die Bruderschaft des berühmten Heiliggeist- 
spitals in Rom aufnehmen. Die Einschreibungen haben folgenden 
Wortlaut: 

Ego Henricus de Hewen, canonicus Argen tinensis ecciesie 
intraui hanc fraternitatem 7. die februarii anno 1479 una cum 
Conrado Kapp, famulo meo (f. 220b sub H). 

Ego Johannes Symler, canonicus s. Petri iunioris Argen* 
tinensis hanc ingressus sum fraternitatem septimo die februarii 
anno LXX nono una cum famulo meo Ulrico de Andalo. 

Ego Jacobus Dedinger, prepositus ecclesiae ss. Martini 
et Arbogasti Surburgensis Argent. dioec. una cum Johanne 
Smerlin, subdiacono ecciesie ss. Petri et Michaelis Argent., 
clerico meo, intraui hanc s. fraternitatem anno et die, quibus 
immediate supra (f. 272b sub J). 

Diese Angaben sind bestimmt; der Herr erscheint mit 
seinem Knecht. Nicht genannt ist bei Kaiser der Subdiakon 
Johann Smerlin. Diesen aber möchte ich mit dem in der 
Kostenrechnung öfters erwähnten Knecht Symlers, Namens 
Johann, identifizieren, da wohl nicht anzunehmen ist, dass der 
Kanonikus von Jung St. Peter von zwei Dienern begleitet war. 
Die ganze Gesandtschaft zählte demnach mit Einschluss des 
Kassenführers Veit Studeler wenigstens sieben Personen. 

Über Veit Studeler habe ich im Bruderschaftsbach nichts 
gefunden. Indes enthält dasselbe noch eine Notiz von Symler. 
Unter^ dem obigen Datum Hess er kraft seiner Bevollmächtigong 
die Äbtissin von St. Stephan in Strassburg, Wibelinde von 
Merseburg, in die Bruderschaftsliste eintragen {J. 449h sub V). 



I70 



Miscellen* 



geführt, welcher das betreffende Werk angehört. Mehrfach steht 
auch wirklich unter Pret.: Materia. 

Nach den Einträgen, d. h. der Druckzeit der aufgeführten 
Bücher, ist der Katalog wohl zwischen 1770 und 1780 verfasst» 
Demnach ist er ein Werk des Vollenders des Bibliotheksbaues 
in St. Peter und eifrigen Förderers der Bibliothek selbst, des 
Abts Philipp Jakob Steyrer. 

Der Katalog zeigt noch an vielen Stellen die Rötelstriche,, 
mittelst welcher die nach Karlsruhe abzuliefernden Bücher 
bezeichnet waren. 

Ks würde sich wohl verlohnen, den Inhalt dieses Bücher* 
Verzeichnisses genauer zu betrachten; doch überlasse ich diese 
nützliche Arbeit gern dem Fleisse jüngerer und weniger ander- 
weit in Anspruch genommener Kräfte. 

Unerwähnt will ich jedoch nicht lassen, dass die Freiburger 
Universitätsbibliothek unter der Handschriftennummer 561 auch 
besitzt den Caialogus Librorum Collegii CC: R. R: Ceüae 
S: Mariae in Silva nigra MDCCLXXX, 

Dieser eine mächtige Folioband von 30 : 45,5 cm Blatt* 
grosse Papier, in braunes Leder gebunden, umfasst ausser dem 
Titelblatt 728 gezählte Seiten. Die Rubriken lauten hier: 
Author ! Titulus A,\ — Z.] j Form, \ Tom, \ Locus ed. \ Annus, 

Auch dieser Katalogband der Bibliothek von >t. Märgen 
auf dem Schwarzwald ist im wesentlichen von einer Hand 
geschrieben, mit Nachträgen von anderer Hand, Rötelstrichen 
und Bleistiftzeichen. Seine Herstellung dürfte wohl auf das 
Beispiel des Katalogs von St. Peter oder aber auf unmittelbare 
Anregung Abt Steyrers zurückzuführen sein, Friedrich Pf äff. 



172 



Zeitschriftenschau und Litteratumotizen. 



kl oster in Bruchsal. S. 171 — iq8. Schildert vorwiegend auf 
Grund der handschriftlichen Klosterchronik die Schicksale des 
1670 gegründeten Gotteshauses, dessen Patres von 1712 — 1804 
auch die Seelsorge für die in Durlach und Karlsruhe ansässigen 
Katholiken übernahmen. — B. Stengele: Geschichtliches 
über die Burg, den Ort und die Pfarrei Frickingen. 
S. igQ - 244. Zusammenstellung der urkundlichen Nachrichten 
auf Grund der gedruckten Litteratur, die durch die Bestände 
des Oberlinger Spital- und Freiburger Ordinariatsarchivs ergänzt 
wird. — K. Rieder: Beitrag zu den wirtschaftlichen 
und kirchlichen Zuständen in der Diöcese Konstanz 
in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. S. 245 — 254. 
Mitteilungen über den Niedergang des wirtschaftlichen und kirch- 
lichen Lebens, unter Beifügung einiger darauf bezüglicher 
Urkundenauszüge und Abdruck einer die streitige Kreuzlinger 
Abtswahl betreffenden interessanten Urkunde B. Heinrichs von 
Konstanz von 1375. — K. Reinfried: Visitationsberichte 
aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts über die 
Pfarreien der Landkapitel Ottersweier, Offenburg und 
Lahr. S. 255 — 297, Von Wert für die Kenntnis der kirchlichen 
.Verhältnisse, namentlich durch genaue Beschreibung der Pfarr- 
einkünfte; auch kunstgeschichtlich interessant. — Kleinere 
Mitteilungen. I. J. Mayer: Das Testamentum des 
P. Basilius Meygle von St. Peter bei der Ablegung 
der Klostergelübde. S. 298 — 299. — U. J. Mayer: Con- 
firmation und Bestettigung der Ordnung gemeyner 
Bruderschafft zu Bruchsall. S. 300 — 301. Durch Bischof 
Ludwig von Speier, dat. 1502. — IH. P. Albert. Obersicht über 
die kirchengeschichtliche Litteratur des Erzbistumes 
Freiburg seit dem Bestehen des »Freiburger Diöcesan- 
archivs« 1862 — 1899. S. 302 — 359. Giebt als Ergänzung 
zu dem in Bearbeitung befindlichen Gesamtregister eine syste- 
matische Inhaltsübersicht über Band i — 27 des »Diöcesanarchivs«, 
sowie eine dankenswerte Zusammenstellung der gesamten, in 
den letzten 37 Jahren erschienenen, auf die badische Kirchen- 
geschichte katholischen Anteils bezüglichen Litteratur, die das 
Werk von Kienitz und Wagner vielfach ergänzt, mitunter aber 
auch durch dieses ergänzt wird. 



Neues Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg. 

Band IV, Heft 4. A. Thorbecke: Eine Einladung der 
Stadt Heidelberg vom i 5. Nov. 1 5 23 zu einem Schützen- 
fest in Heidelberg auf den 29. Mai 1524. S. 193 — 96. 
An die Stadt Mülhausen i. E. gerichtet, zu einem Festschiessen, 
über das auch Leodius berichtet. — F. W. Roth: Geschichte 
und Bibliographie der Heidelberger Druckereien 1485 
— I 5 I o. S. 197—226. Mitteilungen über die ersten HeideU 



f n ± Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 

Schau-in's-Land. 28. Jahrlauf. 1901. Erster Halbband. 
K. Schumacher: Neues vom alten Riegel. S. i- 12. Mit- 
teilungen über die bei den Grabungen von 1900 eimittelten 
Funde aus der Bronzezeit, Hallstattperiode und Römerzeit, sowie 
Feststellung der Ausdehnung des römischen Vicus. — H. Mayer: 
Zur Geschichte der Pest im 15. und 16. Jahrhundert. 
S. 13 — 32. Veröffentlicht aus dem Freiburger Universitätsarchiv 
ein von dem Heidelberger Arzte Heinr. Munsinger verfasstes, 
der Mitte des 15. Jahrhunderts angehöriges Pestbüchlein und 
verfolgt Auftreten und Wirkungen der Seuche in der Stadt, in 
der sie sich zum letztenmale 1633 nachweisen lässt. — F. Wibel: 
Die Burg Keppenbach im Brettenthai. S. 33 — 52. Be- 
schreibung der ehemaligen 1396 erstmals und 1525 endgiltig 
zerstörten Burganlagen aufgrund der jüngsten Ausgrabungs- 
ergebnisse. — Fr. Kempf: Alte Freiburger Buchbeschläge. 
S. 53 — 62. Hinweis auf zahlreiche beachtenswerte Werke der 
Kleinkunst mit Abbildungen. — H. Schweitzer: Ein Renais- 
sance-Brettspiel. S. 63 64. Aus dem Jahre 165Q, in der 
Freiburger Altertümersammlung. — Fritz Geiges: Der alte 
Fensterschmuck des Freiburger Münsters. S, 65 — 88. 
Bespricht zunächst in Einleitung und Vorwort den Bestand und 
die Schicksale des alten, aus dem 13. bis Ende des 16. Jahr- 
hunderts stammenden wertvollen Fensterschmuckes und die bis- 
herigen Veröffentlichungen. 



Jahrbuch für Geschichte, Sprache und Litteratur Elsass- 
Lothringens. 17. Jahrgang 1901. Winkler: Geschichtliche 
Mitteilung über eine Zeichnung Dürers die Ortenburg 
und den Ramstein bei Schlettstadt darstellend, S. 12 
— 16, sucht den Zeitpunkt der Anfertigung auf 1490 zu ver- 
legen und die Stelle zu fixieren, von der aus die Skizze auf- 
genommen ist. Nach neueren Forschungen geht dieselbe, wie 
hier bemerkt werden mag, auf Hans Baidung Grien zurück. — 
Knepper: Ein elsässischer Arzt der Humanistenzeit 
als deutscher Poet, S. 17 — 24, Proben aus den Schriften 
des Johann Adelphus Muling. — Ettlinger: Ein ungedrucktes 
Gedicht von Moscherosch, S. 25 - 32, auf einen Vorgang 
von 1649 bezüglich. — Hertzog: Die letzten Jahre des 
Kolraarer Barfüsserklosters und lakob Einfalt aus 
Geberschweier, dessen letzter Guardian, S. 113 149, 
ergänzt unsere Kenntnis von den die Einführung der Refor- 
mation in Kolmar begleitenden Erscheinungen. — Eimer: 
Züricher Flüchtlinge im Elsass zur Zeit der Revolution 
und Restauration, S. 150- 181, behandelt die Schicksale 
einer Reihe von Männern, die in den Jahren 1795 — 1798 und 
1 804 — 1 83 1 aus der Heimat ausgewiesen im Leberthal eine ne ue 
Heimat fanden. — Spach: Autobiographische Aufzeich- 



176 



Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 



R. die Entwicklung der kirchlichen Fragen im Ausland verfolgte. 
— B[lumstein]: La biblioth^que municipale de Stras- 
bourg et son histoire (Suite), S. 694 — 700, weitere Mit- 
teilungen aus dem Bericht des Bibliothekars Saum vom 20. Februar 
1871. — A. M. P. Ingold: Mabillon en Alsace (Suite), 
S. 721 — 732, behandelt litterarische Beziehungen M.'s zur Abtei 
Münster, zu dem Marquis de Puysieulx und Dom Ruinart, die 
von Murbach aus angerufene Vermittlung M.'s, als es sich um 
die Besetzung der Abtei handelte. 

Annales de TEst: Band 15. Jahr 1901. Heft 4. Reuss: 
Les suites d'un emprunt, S. 538 — 591, schildert die dahin 
zielenden in den Jahren 1646 — 1648 zwischen Frankreich und 
Strassburg gepflogeneu Verhandlungen, die mit der Person des 
bekannten Josias Glaser aufs engste verknüpft sind. — Auer- 
bach: Les travaux geographiques de G. Bleicher, 
S. 592 — 609. — In der Bibliographie ausführliche Anzeigen 
der Protokolle der Generalversammlung des Gesamtvereins der 
deutschen Geschichts- und Altertumsvereine zu Strassburg 1899 
und des dritten Heftes der Landes- und Ortsbeschreibung »Das 
Reichsland Elsass-Lothringen« durch Th. Schuell, von Stouff, 
Les origines de l'annexion de la Haute-Alsace k la Bourgogne 
en 1469 durch Daville. 



Aus Anlass der Gedenkfeier zur Erinnerung an die Auf- 
nahme Schaff hausens in den Ewigen Bund (1501), die in den 
Augusttagen dieses Jahres begangen worden ist, haben die 
Regierung des Kantons und die Stadtverwaltung in rühmlichem 
Wetteifer und in löblicher Bethätigung historischen Sinnes zwei 
stattliche, Festschriften in vornehmem Gewände herausgegeben, 
die eine Reihe trefflicher Beiträge tüchtiger einheimischer Ge- 
lehrter darbieten und zunächst weiteren Kreisen der Bevölkerung 
des Kantons die Kenntnis ihrer Vergangenheit zu vermitteln 
bestimmt sind, aber auch von allen Freunden der oberrheinischen 
Geschichtsforschung dankbar begrüsst werden. In der Fest- 
schrift des Kantons Seh., einem umfangreichen Bande von 
782 S., dem neben einer Anzahl Karten nicht weniger als 
29 Vollbilder und 104 Abbildungen im Text beigegeben sind, 
soll eine Geschichte des Kantons von den ältesten 
Zeiten bis zum Jahre 1848 gegeben werden. J. Meister 
behandelt die Eiszeit und älteste Steinzeit, welch' letzterer die 
frühesten Funde angehören, G. Wann er die jüngere Steinzeit, 
die vorrömische Metallperiode und die Zeit der Römerherrschaft. 
J. Meyer verfolgt die Geschichte des Hegaus und Klettgaus 
von der Ansiedelung der Schwaben bis zum Jahre 1050 in einer 
Abhandlung, die mit unwesentlichen Änderungen auch in die 
»Schriften des Vereins f. Geschichte des Bodenseesc übergegangen 



ijS Zeitschriftenschau und Litteratumotizen. 

vorragender einheimischer Gelehrter und Staatsmänner führt uns 
R. Lang in kurzen Lebensbildern vor: in die Reihe der ersteren 
gehören Hans Stockar, J. C. Ulner, Joh. Jezler, J. J. Rüger, 
J. J. Wepfer, J. K. Peyer, J. J. Ammans, Christ Jezler, Johannes 
von Müller und sein Bruder Joh. G. Müller, zu den letzteren 
' H. Schwarz, J. J. Stockar, Tob. Holländer und David Stockar. 
Die Entwicklung der Industrie, insbesondere im 19. Jahrhundert, 
würdigt H. Pf ister. AT. Obser, 

Von dem »Dizionario di Abbreviature latine ed italiane«, 
welchen Adriano Capelli, Archivar am Staatsarchiv in Mai- 
land, im Jahre 1899 als Bestandteil der Manuali Hoepli heraus- 
gab, ist eine von dem Verfasser besorgte deutsche Bearbeitung 
in der Sammlung von Webers Illustrierten Katechismen unter dem 
Titel »Lexicon Abbreviaturarum, Wörterbuch lateinischer 
und italienischer Abkürzungen« im Verlag von J. J. Weber 
in Leipzig 1901 erschienen. Sie schliesst sich im wesentlichen 
der italienischen Ausgabe an, ist aber vielfach erweitert und 
verbessert. Die Zahl der Abkürzungen ist um etwa 3000 ver- 
mehrt worden, welche als Anhang zu dem betreffenden Abschnitt 
der italienischen Ausgabe 58 Seiten füllen; die Zusammen- 
stellung der Siglen und Abkürzungen von Inschriften wurde 
gänzlich umgearbeitet und bedeutend vermehrt. Die als Schrift- 
proben mitgeteilten Faksimiles und die Monogramme sind weg- 
geblieben. Die Zeitbestimmungen bei den Abkürzungen hätten 
füglich ebenfalls wegbleiben können, da sie in der Allgemeinheit, in 
der sie angegeben sind, wenig Wert haben. Im übrigen darf die 
Anerkennung, welche in dieser Zeitschrift 14, 332 der italienischen 
Ausgabe gezollt wurde, durchaus auf die vorliegende deutsche 
Bearbeitung übertragen werden. v, Weech, 



J. Ficker und O. Winckelmann. Handschriftenproben 
des sechzehnten Jahrhunderts nach Strassburger Originalen, 
102 Tafeln in Lichtdruck mit Text. Erster Band. Tafel i — 46: 
Zur politischen Geschichte. Strassburg, Trübner 1902, 

Zwei Rücksichten sind es, die zur Herausgabe des Werkes 
in erster Linie die Anregung gegeben haben, beide sind 
praktischer Natur. Einmal wollen die Tafeln Unterrichtszwecken 
dienen, indem sie dem jungen Historiker die Möglichkeit bieten, 
sich verhältnismässig rasch in die immer individueller sich 
gestaltende Schrift des Reformationszeitalters einzulesen, zum 
andern aber sollen die Proben eine feste Grundlage für die 
nähere Bestimmung undatierter und namenloser Schriftstücke 
abgeben. Es ist klar, dass diese beiden Zwecke am ehesten zu 
erreichen sind bei örtlicher Beschränkung, die einzig und allein 
Vollständigkeit, auch nur im relativen Sinne, ermöglichen kann. 
Die in dem Werke gebotenen Proben beschränken sich dem- 



l8o Zeitschriftenschau und Litteratumotizen. 

aufrichtig freuen, dem von so vielen fleissigen Händen begonnenen 
Bau der das Reformationszeitalter behandelnden Forschung diesen 
neuen Stein eingefügt zu sehen, der wahrlich von keiner Seite 
verworfen werden wird. Welche Vorteile die Proben aber für 
die nähere Bestimmung anonymer Schriftstücke gewähren, habe 
ich bereits bei archivalischen Ordnungsarbeiten zur Genüge 
erfahren. Ich will ausserdem nur hervorheben, dass wir nun- 
mehr beim Studium der Akten die wahrhaft staunenswerte 
Thätigkeit, die der Bischof Johann von Manderscheid auf dem 
Gebiet der Verwaltung entfaltet hat, weit deutlicher denn bisher 
verfolgen können, dass vermöge der Kenntnis der einzelnen 
Schreiberhände auch für die Geschichte des alten Archivs gar 
mancher Anhaltspunkt zu gewinnen ist. 

Dass eine solche mit ganz erheblichen Schwierigkeiten 
ringende Arbeit durchaus abschliessenden Charakter tragen solle, 
wird kein einsichtiger Beurteiler verlangen. Die Herausgeber 
führen selbst im Vorwort eine Reihe bekannter Persönlichkeiten 
auf, von denen trotz aller Bemühungen eine handschriftliche 
Probe nicht aufzuspüren war. Hervorzuheben wäre etwa noch, 
dass man beim Abschnitt »Bistum und Domkapitel« ungern nur 
eine Probe des mehrfach hervorgetretenen Weihbischofs Job. 
Delfius vermisst. Die Herausgeber haben nach einer solchen, 
wie ich weiss, ohne Erfolg gesucht, zu spät erst sehe ich, dass 
nach dem Ecclesiasticum Argentinense 15 (1896), S. 242, 
Anm. 3 das Frankfurter Stadtarchiv einen eigenhändigen Brief 
von D. bewahrt. Auch einzelne noch nicht festgestellte Schreiber- 
hände werden in Zukunft wohl noch identificiert werden können, 
durch Zufall kann ich selbst hier gleich eine kleine Ergänzung 
bieten. Die Beschwerdeschrift des bischöflichen Vikars Odern- 
heim (Tafel 39) ist nämlich, wie aus einigen dem in der Ein- 
leitung S. XII erwähnten Zaberner Fonds angehörigen Schrift- 
stücken des Offizialats klar hervorgeht, von Johann Schenckbecher 
aus St. Leonhard geschrieben, der in den Jahren 1523, 1524 
und 1529 als bischöflicher Hofgerichtschreiber nachweisbar ist. 
Weitere Nachrichten über seinen Lebensgang werden wohl noch 
im 2. Bande nachträglich Aufnahme finden können. 

Es war eine Freude, diesen reichhaltigen ersten Teil des 
Werkes, dem wir die weiteste Verbreitung wünschen, zu besprechen. 
Auch der vortrefflichen Ausstattung des Bandes sei zum Schlüsse 
rühmend gedacht. Insbesondere verdienen die von dem Hof- 
photographen Krämer in Kehl angefertigten Tafeln alles Lob. 

Hans Kaiser, 



In der »Vierteljahrsschrift für W^appen- Siegel- und 
Familienkunde« XXIX, S. 285 — 389 giebt G. von Obernitz 
aus der reichhaltigen, gegen 450 Nummern enthaltenden Samm- 
lung von Stammbüchern des 16. — 18. Jahrhunderts, die sich in 
der Weimarer Bibliothek befindet, eine Anzahl von Auszügen, 



l82 Zeitschriftenschau und Litteratumotizen. 

Von der »Badischen Bibliothek« liegt seit kurzem die 
zweite Abteilung vor; sie enthält in einem stattlichen Bande von 
715 S. die Litteratur der Landes- und Volkskunde des 
Grossherzogtums Baden, nach dem Stande vom i. Jan. iqoo, 
bearbeitet von Otto Kienitz und Karl Wagner (Karlsruhe, 
Liebermann & Cie. 24 M.) In jahrelanger, entsagungsvoller 
Arbeit und selbstloser Hingebung an ihre Aufgabe haben die 
beiden Männer sich um die Sammlung der landeskundlichen 
Litteratur bemüht und ein Werk geschaffen, das allseitig Dank 
und Anerkennung in hohem Masse verdient und jedem, der 
sich fortan mit badischer Landes- und Volkskunde im engeren 
und weiteren Sinne befassen will, als unentbehrlicher, zuverlässiger 
Wegeweiser dienen wird. Gegenüber den beiden bisher ver- 
öffentlichten Bänden der Badischen Bibliothek bezeichnet der 
vorliegende insofern einen erfreulichen Fortschritt, als nicht nur 
die selbständig erschienenen Publikationen, sondern auch das 
umfangreiche und wichtige Material, das sich in Zeitschriften 
und mitunter selbst in grösseren Zeitungen zerstreut findet, 
berücksichtigt worden ist. Gelegentlich begegnen sogar Hinweise 
auf handschriftliche Quellen; sie wären freilich, da die Bearbeiter 
hierbei ohne jede Consequenz und jedes Prinzip verfahren sind, 
besser weggeblieben: wer einmal die für das Land inbetracht 
kommenden Handschriften der französischen Provinzbibliotheken 
aufnimmt, der muss folgerichtig auch die übrigen im In- und 
Auslande zerstreuten an der Hand der gedruckten Archivinventare 
und Handschriften-Kataloge verzeichnen. Statt mit dem Aus- 
land anzufangen und dann stecken zu bleiben, hätten die 
Bearbeiter, wenn sie durchaus auch Handschriftliches heranziehen 
wollten, besser gethan, die Grundsätze zu befolgen, die Heyd 
in seiner Bibliographie, I, S. IV aufgestellt hat, und sich auf 
Baden zu beschränken. — Leider wird auch in dieser Abteilung 
der Badischen Bibliothek auf die unbedingt erforderliche 
Numerierung verzichtet: infolge dessen wird nicht nur jedes 
eitleren unmöglich, sondern auch der Umfang des Buches 
unnötig vermehrt, indem überall da, wo in anderm Zusammen- 
hange auf ein und dasselbe Werk verwiesen wird, der 
volle Titel wiederholt werden muss (vergl. Lallemand S. 94 
u. 182). 

Die systematische, sachliche Einteilung, die zu Grunde 
gelegt wird, ist im allgemeinen wohl zu billigen, mitunter freilich 
auch gekünstelt und verfehlt: man vergl. S. IV der Inhalts- 
übersicht, wo dem Begriffe: Siedelungskunde z. T. Dinge unter- 
geordnet werden, die wenig oder nichts damit zu thun haben. 
Auch mit der Einreihung des Rechtsgeschichtlichen unter das 
Kulturgeschichtliche (S. 92) wird man sich nicht befreunden 
können. Was die Durchführung des Einteilungsprinzips betrifft, 
so fällt auf, dass S. 3 unter den Periodischen Schriften ein 
Aufsatz Brunners genannt wird; statt seiner wäre ergänzend die 



1 84 Zeitschriftenschau und Litteratumotizen. 

zeichneten 14 Flugschriften aus dem Jahre 1676. Bei Rastatt 
ist die »Liste des in R. sich befindenden hohen Gesandschafts- 
personals« fälschlich unter dem Friedenscongresse von 17 14 
(statt 1797 ff.) eingereiht worden; die Congresslitteratur selbst 
ist nicht vollständig. 

Dies Alles aber sind im Grunde nur kleine Mängel und 
Versehen , die mehr oder minder wohl bei jedem ähnlichen 
Unternehmen begegnen werden und der vollen Wertschätzung 
des Ganzen keinerlei Abbruch thun. In der Hauptsache liegt, 
dies sei nochmals anerkannt, die Frucht gründlicher und 
umsichtiger Arbeit und ein Werk von bleibendem Verdienste 
vor, dessen wir alle uns mit Recht freuen mögen. 

Nach dem Vorwort S. IX. soll eine weitere Abteilung der 
x-Bad. Bibliothek« die auf die politische Geschichte des Landes 
bezügliche Litteratur zusammenstellen. £s wird abzuwarten sein, 
nach welchen Grundsätzen dies geschehen wird. Sollte die 
eigentlich selbstverständliche Forderung, dass eine derartige 
Publikation sich nicht auf die Bestände der Karlsruher Hof- und 
Landesbibliothek zu beschränken und auch die gesamte ein- 
schlägige Zeitschriftenlitteratur zu berücksichtigen habe, ebenso 
wenig erfüllt werden, wie dies im ersten Teile, der Staats- und 
Rechtskunde, der Fall gewesen ist, so würde die Bad. Histor. 
Kommission den vielen Verdiensten, die sie sich um die landes- 
geschichtliche Forschung erworben, ein neues hinzufügen, wenn 
sie ihrerseits die Bearbeitung einer allen berechtigten Ansprüchen 
entsprechenden Bibliographie der badischen Geschichte, die 
wirklich dringend not thut, in Angriff nehmen würde. Württem- 
berg verdankt seiner Historischen Kommission das mustergiltige 
Werk von Heyd, dessen bescheidener Preis die Anschaffung 
für jede Privatbibliothek möglich macht; Sachsen wird nach 
einem der letzten Sitzungsbeschlüsse der dortigen landesgeschicht- 
lichen Kommission ein gleiches in Bälde erhalten: hoffen wir, 
dass auch Baden ein dem Forscher und Geschichtsfreunde 
unentbehrliches Hilfsmittel nicht mehr allzulange wird entbehren 
müssen 1 K. Obser, 

Die im Auftrage des Karlsruher Altertumsvereins von 
K. Brunner unter dem Titel »Die Pflege der Heimac- 
geschichte in Baden« (Karlsruhe, Reifi'. i M. 50) veröffent- 
lichte Schrift wendet sich >an weite Kreise der Gebildeten«, 
denen es , sofern sie dem reichen geschichtlichen Leben der 
Heimat nachzugehen verlangen, als Wegweiser und Berater dienen 
will. Die Absicht, die dem Büchlein zu Grunde liegt, ist durch- 
aus lobenswert, auch die Disponierung des Stoffs zu billigen; in 
der Ausführung aber hat nicht überall eine glückliche ELand 
gewaltet. Schon die beiden ersten Hauptabschnitte, in denen 
die öffentlichen Anstalten zur Pflege der Heimatgeschichte und 
die staatlichen und privaten Vereinigungen , die dem Zwecke 



l86 Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 

Litteratur angeführt wird, ist dürftig und die Auswahl nicht immer 
geschickt: eine Monographie über die Schlacht bei Seckenheim 
z. B. wird angeführt, die weit allgemeineres Interesse darbietenden 
Publikationen von Bezold, Kluckhohn und Lipowsky dagegen nicht. 
Das Gleiche gilt von der Litteratur über die einzelnen Bistümer: 
Strassburg ist lediglich durch Fritz vertreten, Basel durch Trouillat's 
bis in's 15. Jahrhundert reichende Quellenwerk, neben und vor 
dem doch für den ;^Laien« unbedingt das bis in die Neuzeit 
sich erstreckende darstellende Werk von Vautrey hervorzuheben 
gewesen wäre. In dem Abschnitt über die landesgeschichtlichen 
Zeitschriften hätte die Billigkeit erfordert, auch ein paar Worte 
über den Inhalt des »Schau-ins-Land und der Schriften des Vereins 
für Geschichte des Bodensees zu sagen; zum mindesten hätten 
die Leser darüber belehrt werden müssen, dass für Jahig. i — 25 
der erstgenannten Zeitschrift ein sorgfaltiges Gesamtregister vor- 
liegt. Unter den periodisch erscheinenden Veröffentlichungen 
werden die »Mitteilungen der Grossh. Hof- und Landesbibliothek« 
zwar erwähnt, von den vorliegenden acht Heften jedoch nur das erste 
angeführt (S. 77). — Den Schluss bildet ein Verzeichnis der 
wichtigsten Litteratur zur badischen Geschichte, für das natürlich 
die gleichen Bemerkungen gelten, wie für die vorausgehende 
orientierende Übersicht. Ergänzend sei hier nur darauf hin- 
gewiesen, dass die Zusammenstellung der Einzelbiographien wohl 
das Mangelhafteste an diesem Teil der Arbeit ist, oder was soll man 
anders darüber sagen, wenn Werke, wie Bluntschlis und Wein- 
brenners Denkwürdigkeiten, Andlaws und Webers Erinnerungen, 
Creuzers Selbstbiographie, Reichlins Paulus, Geigers Reuchlin und 
Becks Wessenberg nicht namhaft gemacht werden? Der Verfasser 
legt im Vorwort besonderes Gewicht auf die eingehende Berück- 
sichtigung der ortsgeschichtlichen Litteratur, und sein Verzeichnis 
derselben wäre vor einem Jahre vielleicht noch, trotz aller Un- 
vollkommenheit, als ein erster Versuch manchem willkommen 
gewesen. Inzwischen aber ist es durch andere gleichzeitig 
erschienene Veröffentlichungen überholt worden, und wer künftig 
über Ortsgeschichte arbeiten will, wird sich, um sicher zu gehen, 
an das Werk von Kienitz- Wagner oder, wenn es sich um 
katholische Orte handelt, an Alberts verdienstliche Zusammen- 
stellung halten, nicht aber an das überaus lückenhafte Brunner'sche 
Verzeichnis, das auf beschränktem Räume nur eine höchst 
bescheidene Auswahl bieten will und kann. Mit Halbheiten ist 
niemandem gedient, und so wird auch, fürchte ich, das Büchlein, 
das nicht immer mit derjenigen Sachkenntnis und Sorgfalt 
gearbeitet ist, die zu wünschen gewesen wäre, den Nutzen nicht 
stiften, den der Verfasser davon erwartet. K. Ohser, 



R. Forrer, Zur Ur- und Frühgeschichte Elsass- 
Lothringens nebst vor- und frühgeschichtlicher Fund- 
tafel mit 192 Abbildungen in Licht- und Farbendruck. Strass- 



jSS Zeitschriftenschau und Litteratumotizen. 

allen vorgeschichtlichen und geschichtlichen Perioden so reichen 
Reichslande ein ähnliches volkstümliches Anschauungs- und Unter- 
richtsmittel geschaffen zu haben. Der von ihm in besonderem 
Heft gegebene Text orientiert in nur hie und da vielleicht zu 
gelehrt klingender Sprache über die sich glücklich gegenseitig 
ergänzenden Funde aus elsässischem und aus lothringischem 
Boden, erläutert das Charakteristische der verschiedenen ur- 
geschichtlichen Perioden, der Stein-, Bronze- und Eisenzeit, zeigt 
ihren Zusammenhang und ihre allmählichen Übergänge auf und 
führt passend zu den späteren römischen und den germanischen 
Einflüssen der Völkerwanderungszeit über. Die Fundtafel eignet 
sich vorzüglich zur Aufhängung in Schulräumen. Sie enthält in 
sachverständiger Auswahl und in einfacher, deutlicher Darstellung 
naturgetreu die typischen Formen — gleichsam die Leitfossilien — 
der einzelnen Perioden und legt, was besonders beachtenswert 
erscheint, durch passende Einteilung des Raums auch Gewicht 
auf die Zwischenformen, welche den Übergang von einer zur 
anderen vermitteln. Bei Gräbern sind die verschiedenen 
Bestattungsarten bildlich wiedergegeben. Auch der Hinweis auf 
sorgfaltige Behandlung von Funden und das Verlangen, sie am 
richtigen Orte anzuzeigen, ist nicht vergessen. So mögen Text 
und Tafel auch an dieser Stelle der reichsländischen Öffentlich- 
keit empfohlen sein; bei der so vielfach wiederkehrenden Ähn- 
lichkeit der betreffenden Formen in den Gegenden nördlich der 
Alpen überhaupt wird das Werk aber auch in den •Nachbar- 
ländern mit Interesse benützt werden und gute Dienste thun. 

jfi*. Wagner. 

Die Leser dieser Zeitschrift haben ein Recht darauf, Kenntnis 
zu erhalten von dem Fortgang der Erörterungen über die 
Reichenauer Geschichtsschreibung. J. R. Dieterich hatte 
1897 in seinen »Geschichtsquellen des Klosters Reichenau bis zur 
Mitte des XI. Jahrhunderts« die These aufgestellt, dass die bisher 
nicht weiter ableitbaren, aber offenbar einheitlichen Nachrichten 
einer weilverzweigten Familie von Geschichtwerken des IX. bis 
XI. Jahrhunderts nicht, wie H. Bresslau u. a. im Neuen 
Archiv II, 539 ff. ausgeführt hatte, auf eine verlorene, vielleicht 
in St. Gallen entstandene »Schwäbische Weltchronik«, sondern 
auf verschiedene Stufen einer verlorenen Reichenauer Annalistik 
zurückgehen, insbesondere auf eine umfassende historiographische 
Thätigkeit Hermanns des Lahmen. Die Frage interessierte die 
Lokalgeschichte nicht minder wie die allgemeine Geschichte. 
Der anregenden und befruchtenden Thätigkeit der Reichenauer 
Schule ist man neuerdings auf den verschiedensten Gebieten 
nachgegangen; besonders die Wand- und Buchmalerei der 
Reichenau ist soeben nach Leistungen und Anregungen sehr 
hoch eingeschätzt worden (Heseloff, der Psalter Erzbischof 
Egberts von Trier etc., 1901). Ist auch der Reichenauer Ge- 



igo 



Zeitschriftenschau uod Litteraiurnotizen. 



manns kennt, betont B. gegen Dieterichs Annahme von ver- 
schiedenen Geschichtswerken Hermanns des Lahmen. Als posi- 
tive Argumente gegen Hennanns Autorschaft des chronicon 
Suevicum führt B. in erster Linie den Gesamtcharakter dieses 
Werkes auf, das ein »ganz rohes, in der Chronologie oft ver- 
wirrtes Excerpt« sei, was aufs neue belegt wird; dem berühmten 
Reichenauer ist etwas derartiges nicht zuzutrauen. Ausserdem 
kann, wie auch ich früher betont habe, die Stelle »Sanctus 
Gallus nobiscum remansit« nicht aus der Feder eines Reichenauer 
Mönches geflossen sein. Wie ist nun aber das Verhältnis der 
beiden Geschichl3werke besser zu erklären? Dass Hermann 
das Chronicon benutzt und nur nach dessen eigenen Vorlagen 
(wie er es allerdings mit dem Martyrologium Notkers in gewissen 
Grenzen durchgeführt) redigiert und berichtigt habe, ist eine 
nicht unsinnige, wohl aber künstliche Annahme. Es kommt 
hinzu, dass das Chronicon wohl in St. Gallen geschrieben ist, 
seine Quellen aber wieder Reichenauer Codices sind. So ist 
die natürlichste Erklärung unzweifelhaft die Annahme einer altern, 
in der Reichenau entstandenen Weltchronik. Da aller Wahr- 
scheinlichkeit nach Hermann an die Bearbeitung dieser Welt- 
chronik (auch nach Bresslauj noch eine sehr respektable Arbeit 
gewandt hat, so ist das Hauptverdienst dem berühmten Lehrer 
gewahrt, und auch die ältere Kompilation ist wenigstens als ein 
Erzeugnis seines Klosters anzusehen. 

Bezüglich der »Schwäbischen Reichsannalen« stimmt dann 
Bresslau (a. a. O. 157) insofern Dieterich zu, als auch nach ihm 
»die gemeinsame Quelle in der Reichenau« gesucht werden muss. 
Für das wichtige Stück von 966 — 1041 hatte auch Dieterich nur 
eine Hypothese gewagt; er nahm hier wie für die ältere Zeit 
gleichzeitige Annalistik an. Ich habe dagegen, wie schon früher 
bemerkt (Hist. Vierteljahrschrift 18Q9.104), Bedenken, die zer- 
streut würden durch Ikesslaus Annahme der einheitlichen Ent- 
stehung »um 1044«. Auf die Rolle, die Wipos Gesta chuonradi 
in diesem Zusammenhange spielen, will Bresslau in einem dritten 
Aufsatze zurückkommen. — K, Brandt. 

In den Studien und Mitteilungen aus dem Benedik- 
tiner- und Cistercienserorden XXI (iQOi), S. 389 — 396 
handelt Luzian Pfleger über die Beteiligung elsässischer 
Klöster an der Rheinschiffahrt. Nach seinen durchweg 
auf erste Quellen zurückgehenden Darlegungen sind es fast aus- 
schliesslich Klöster des Cistercienserordens, die den Strom ihrem 
Wirtschaftsbetriebe dienstbar machen, unter ihnen nimmt die im 
heiligen Forst gelegene Abtei Neuburg die erste Stelle ein. Der 
auf S. 396 vertretenen Ansicht, dass die Handelsbestrebungen 
des letztgenannten Klosters bereits im 15. Jahrhundert ihr Ende 
gefunden hätten, steht übrigens die Bestätigung der Urkunde 
Kaiser Sigmunds (1434, April 8. Altmann Nr. 10234) durch 



IQ^ 



Zeitschriftenschau und Litteratumotizen. 



Band eine wertvolle Bereicherung unserer Kenntnisse der badischen 
Kirchengeschichte erwarten. K. Brunner. 



Das Bulletin historique et littdraire de la Societ6 
de l'histoire du protestantisme frangais bringt im lo. Jahr- 
gang der 4. Serie (1901) S. 225 — 242 einen Aufsatz aus der 
Feder V.-L. Bourillys über Sleidans ersten Aufenthalt in Frank- 
reich (1533 — 1540)» der die Einleitung zu einer grösseren Arbeit 
über Jean Sleidan et le cardinal du Bellay bilden soll. 
B. bringt Ergänzungen zu dem von Baumgarten entworfenen 
Lebensbilde, hauptsächlich vermöge Entdeckung der beiden in 
einem Bande der Sammlung Dupuy enthaltenen Briefe des Kar- 
dinals (15. Mai) und Sleidans (27. Okt. 1538), die für die 
Beurteilung der damaligen politischen Lage von Wert sind. — 
Im gleichen Bande der Zeitschrift (S. 528 — 531) giebt Reuss 
unter dem Titel »Huguenots fugitifs a Strasbourg au 
XVle si^cle« ein Verzeichnis französischer Protestanten, die in 
den sechziger Jahren zu Strassburg das Bürgerrecht erlangten. 

H, Kaiser, 



Die beiden populärsten Helden der Türkenkriege auf der 
Freite schildert uns eine höchst beachtenswerte, auch in ihren 
kulturgeschichtlichen Einzelnheiten fesselnde Abhandlung K. Th. 
von Heigels über »Die Brautwerburg des Markgrafen 
Ludwig Wilhelm von Baden und des Prinzen Eugen 
von Savoyen« (Sitzungsberichte der philos.-philol. und der 
histor. Klasse der königl. bair. Akademie der Wissenschaften. 
1901 Heft 5, 609 — 5q), die einem glücklichen Funde im 
Münchner Staatsarchiv ihre Entstehung verdankt und auf der 
Korrespondenz des Pfalzgrafen Christian August von Pfalz-Sulz- 
bach beruht, der sich nach dem Tode seines Schwiegersohnes 
Franz Julius von Sachsen-Lauenburg der beiden verwaisten 
Enkelinnen annahm und um ihre standesgemässe Vermählung 
bemüht war. Die dramatisch bewegte Geschichte des Ehehandels 
gewinnt, abgesehen von der Person der Brautwerber, auch dadurch 
Interesse, dass die grossen politischen und religiösen Fragen 
der Zeit überall hineinspielen. Dass unter der stattlichen Schar 
von Freiern, die die reichen Erbinnen umschwärmte, neben dem 
Türkensieger Ludwig Wilhelm, der durch die Heirat seinen 
Finanzen wieder aufzuhelfen suchte, auch sein Vetter Eugen sich 
befunden, war bislang unbekannt. Während aber der Markgraf, 
von dem kaiserlichen Vormund und dem Grossvater der Prin- 
zessinnen unterstützt, seine Bewerbung um die ältere Schwester 
in kurzer Frist durch den Erfolg gekrönt sah, scheiterten trotz 
seiner Fürsprache — man darf sagen, glücklicherweise — die 
Bemühungen des Savoyers um die hochfahrende und launische 
Jüngere, die schliesslich freilich gezwungen war, ihre Aosprüche 



IQ4 



Zeitschriftenschau und Litteratnrnotizen. 



alter im Schoosse der Bürgerschaft angeregt wurde, deren Aaa- 
fiihrung von einem bescheidenen Versuche abgesehen aber bis 
heute unterblieb. Über diese Vorgeschichte der Chronik, wie 
über ihren Zweck und ihre Anlage unterrichtet ein Vorwort des 
Bearbeiters, Dr. Friedrich Walter. Die Gliederung des 
Sto£fes, die von der herkömmlichen vielfach abweicht, ist höchst 
geschickt, zweckmässig und übersichtlich. Die Darstellung berück- 
sichtigt sorgfaltig und in weitestem Umfang alle Erscheinungen 
und Ereignisse des städtischen Lebens; es versteht sich von 
selbst, dass dabei besonderes Gewicht auf die Verarbeitung des 
reichhaltigen statistischen Materials gelegt wird, und, da es sich 
um ein Gemeinwesen von hervorragender industrieller Bedeutung 
handelt, werden die darauf bezüglichen Abschnitte auch für den 
Wirtschaftshistoriker eine wertvolle Quelle bilden. Die würdige 
und vornehme Ausstattung des vorliegenden Bandes, der 236 
Druckseiten umfasst, verdient besonderes Lob, K. O, 



Württemberg in der deutschen Geschichte (Stuttgart, 
W. Kohlhammer, 1900 65 S. 8^) betitelt sich eine anziehende 
Studie Karl Wellers, die in treffender Kürze den Anteil 
Württembergs an der deutschen Geschichte mit besonderer 
Betonung der stark ausgeprägten Eigenart des Landes und seiner 
Bewohner kennzeichnet. Zu vergleichen sind dazu die Aus- 
lassungen J. Gm e lins über dasselbe Thema in der Beilage zur 
Allg. Zeitung, 1900, Nr. 132. K. B. 

F. Keutgen, Urkunden zur städtischen Verfassongs- 
geschichte. Zweiter Halbband, Seite 220 — 671, Berlin, Felber 
1901. Preis 5 M. 40 Pfg. (Ausgewählte Urkunden zur deutschen 
Verfassungsgeschichte von G. v. Below und F. Keutgen Bd. 1). 

Mit dem vorliegenden Halbband hat die erste Abteilung 
des verdienstvollen Unternehmens ihren Abschluss erreicht. Keine 
Frage, dass uns mit Keutgens Sammlung ein Hülfsmittel ersten 
Ranges für die Verfassungsgeschichte der deutschen Städte 
unter Berücksichtigung der wirtschafts- und kulturgeschichtlichen 
Seite geboten ist, wie wir es bisher nicht entfernt besassen. Von 
Hause aus als Übungsbuch für den Seminarunterricht der Uni- 
versität gedacht, wird die Chrestomathie sicherlich auch jedem 
Forscher willkommen und in Bälde ein unentbehrliches Nach- 
schlagewerk sein. In erster Linie verdankt das Buch diese hohe 
Brauchbarkeit seinem überaus eingehenden Sachregister (S. 548 
— 667 1). Erst dadurch wird es möglich , die mannigfaltigsten 
Dinge, die in den einzelnen Stücken berührt sind, zu übersehen. 
Was die schwierigste Arbeit, die hier im zweiten Halbband zu 
bewältigen war, angeht, die richtige Auswahl aus dem überreichen 
Quellenschatze der hier behandelten Blütezeit des deutschen 
Städtewesens, so wird man Keutgen einräumen müssen, dass er 
aus den wichtigsten Quellenwerken älteren und jüngeren Datums 



IQÖ Zeitschi iftenbchau und Littcraturnolizen. 

der Herausgeber bemerkt, war dies das LieblingscoUeg seines 
Vaters, von dem er stets mit besonderer Befriedigung sprach 
und das er bis in seine letzten Lebenstage mit der neuesten 
Forschung in Einklang zu bringen bemüht war. Denen, die einst 
zu den Füssen des verehrten Lehrers gesessen haben, erzählt 
er damit nichts Neues. Sie erkannten deutlich, dass dieser 
seinen Schülern hier etwas ganz Besonderes bot, was ihnen kein 
Hand- und Hilfsbuch ersetzen konnte. Und deshalb bewahrten 
die Einsichtigen gerade dies Collegheft als einen teuren Schatz. 
Wie manchen hat es in den Nöten der Examina sicher geleitet 
wie ein treuer Freund, wie mancher, der selbst den Lehrberuf 
ergri/T, freute sich des sicheren Führers, der ihm in wenigen, 
aber inhaltsreichen Worten das Vergessene zurückrief! 

Ganz anders werden diese unschätzbaren Vorzüge noch 
hervortreten bei dem Original, das von dem Herausgeber sorg- 
faltig geordnet, sprachlich verbessert, mit Nachträgen über die 
neueste Litteratur und einem Sachregister versehen, vor uns liegt 
und sich an den grossen Kreis aller Historiker wendet. Es 
bedarf der Empfehlung nicht: der Name des hervorragenden 
Gelehrten, der einen Teil seiner Lebensarbeit in diesen Vor- 
lesungen niedergelegt hat, die Thatsache, dass es ein ähnliches, 
dieVallgemeine Verfassungsgeschichte in ihren Grundzügen 
kurz und treffend darstellendes Werk nicht giebt, bürgen hin- 
reichend dafür, dass es als Handbuch für die Zwecke, denen 
es dienen soll, hochwillkommen sein und freudig begrüsst werden 
wird. Freilich reicht es nicht bis in die neueste Zeit und bricht 
überall etwa 1700 ab, aber auch so ist es wertvoll genug, und 
als ein besonderer Vorzug mag es gelten, dass die Verfassangs- 
geschichte Deutschlands, Englands und Frankreichs eingehender 
geschildert ist, wie die der übrigen Kulturländer, und dass 
wieder hierin die schwierige Frage der Entwicklung der Städte 
mit grösserer Liebe erörtert ist. Es wird sich hoffentlich bald 
ein anderer Gelehrter finden, der als Anhang dazu nach dem 
vorliegenden Muster auch die Verfassungsgeschichte der neuesten 
Zeit in ähnlicher Weise skizziert. 

Für die Schüler aber hat das Werk, das die pietätvolle 
Liebe des Sohnes der Öffentlichkeit übergeben hat, noch einen 
ethischen Wert: sie werden es als ein teures Vermächtnis an- 
sehen, und während andere einen Einblick in die arbeitsreiche 
Lehrthätigkeit Winkelmanns bekommen, wird ihnen bei dem 
erneuten Studium dieses Handbuchs deutlicher wieder die ehr- 
würdige Gestalt des Lehrers vor Augen treten, der in Charakter- 
festigkeit und Pflichttreue, sowie in liebevoller Fürsorge für seine 
Schüler ein leuchtendes Vorbild war. Th. Lorenizen. 



Eine Pariser Th^se von Louis Büchsenschütz behandeil 
die »Histoire des liturgics en langue allemande dana 



(q8 Zeitschriftenscbau und Litteraturnotizen. 

1782, sowie Auszüge aus dem Briefwechsel Joh. Georg Schlossers 
mit Lavater aus den Jahren 1773 — 77 enthält. Statt Göntgen 
S. 319 ist zweifellos Röntgen zu lesen. K. O, 



Einen neuen Beitrag zur Scheffellitteratur hat die kurzlich 
verstorbene Gemahlin des K. bayr. Staatsrats v. Eisenhardt, 
Louise von Kobell unter dem Titel »Josef Victor von 
Scheffel und seine Familie. Nach Briefen und mundlichen 
Mitteilungen« (Schwetzingen-Heidelberg und Wien 1901. Verlag 
des SchefTelbundes) veröffentlicht. Nicht ohne Wert sind in 
diesem 99 Seiten umfassenden Büchlein die meisten der für 
Scheffels Leben und Eigenart charakteristischen Briefe, die der 
Dichter an seinen Freund Eisenhardt im Laufe einer langen 
Reihe von Jahren gerichtet hat. Manche in diesen Briefen wie 
in den sie begleitenden Ausführungen enthaltenen intimen Einzel- 
heiten der häuslichen Verhältnisse Scheffels hätten aber wohl 
ungedruckt bleiben können. v. W. 



Unter dem Titel Heinrich Hansjakob. Aus seinem 
Leben und Arbeiten veiöffentlicht Albert Pfister im Verlag 
von Adolf Bonz & Comp. Stuttgart 1901 aufgrund der Schriften 
des bekannten Freiburger Pfarrers zu St. Martin und Volks- 
schriftstellers sowie persönlicher Beziehungen zu diesem Mit- 
teilungen aus dessen Leben und eine Charakterisierung seiner 
Person und seiner Werke, die im wesentlichen einer panegyrischen 
Auffassung huldigen. Ein Porträt Hansjakobs und Illustrationen 
nach * Photographien , sowie ein Verzeichnis seiner sämtlichen 
Schriften bilden eine hübsche und nützliche Beigabe des 
192 Seiten starken Büchleins. 



In den »Württembergischen Jahrbüchern für Statistik und 
Landeskunde«, Jahr 1900, Heft 2, S. 34—53 gibt J. Hartmann 
eine Zusammenstellung der «Aus Württemberg stammenden 
Lehrer an fremden Universitäten«. Wohl die grösste Ziffer 
weist neben Wien die Freiburger Hochschule auf, an der im 
ganzen 88 Würtlemberger gewirkt haben; Heidelberg ist mit 55, 
Strassburg mit 18 Dozenten vertreten. 

Moritz Steinschneider setzt in der Zeitschrift für 
hebräische Bibliographie Bd. IV u. V (Frankf. 1900—01 seine 
Notizen über »Christliche Hebraisten« fort. In den neu 
erschienenen Artikeln finden sich wieder einige Strassburger 
Theologen des 17. Jahrhunderts, so z. B. Professor Baltbasar 
Scheidius, der bekannte Prediger Sebastian Schmid nnd 
Professor Jo. Ulmann. — h. 



200 Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 

und von seinem historischen Talente legt seine »Geschichte 
der Bischofswahlen« glänzendes Zeugnis ab. Dogmatische 
wie philosophische Studien Hessen später jedoch diese Thätig- 
keit in den Hintergrund treten. — Der Verfasser beabsichtigte 
»eine eingehende Darstellung der wissenschaftlichen Thätigkeit 
Staudenmaiers« und hat auch mit anerkennenswertem Fieisse das 
Material dazu gesammelt und selbst ganz unbedeutende Zeit- 
schriftenartikel oder Recensionen verzeichnet. Aber leider findet 
man nicht dasjenige, was man von einer wissenschaftlichen 
Biographie heutzutage erwarten darf. Oder kann man es wissen- 
schaftliche Arbeit nennen, wenn man in chronologischer Reihen- 
folge eine Schrift Staudenmaiers an die andere reiht, ihre Vor- 
reden zum Teil abdruckt, ihren Inhalt excerpiert und darauf 
als unfehlbares Urteil der Zeitgenossen in ermüdend langweiliger 
Weise Recension um Recension folgen lässt?! (Vgl. S. 5, 16 — 27, 
43 ff., 62 fr., 77, 128, 154, 277 fr., 316 fr., 386 fr., 452 etc.). 
So muss jeder, der dieses Buch mit Gewissenhaftigkeit studiert, 
zum Urteile kommen: der Verfasser zeigt dem Leser gleichsam 
der Reihe nach schön behauene Bausteine, die zum Teil noch 
unter Geröll und Schutt hervorschauen, vertröstet ihn aber auf 
eine künftige Meisterhand, die aus diesen Bausteinen einen 
herrlichen Bau aufführen soll, an dem man Staudenmaiers 
Bedeutung für die Wiedergeburt theologischer Wissenschaft 
erkennen kann. — d — 

Dem Nachfolger Staudenmaiers auf dem theologischen Lehr- 
stuhle, dem jüngst verstorbenen Geist!. Rat Dr. Friedrich 
Wörter, ist eine Gedächtnisrede von Emil Ritzenthaler, 
Dekan und Stadtpfarrer in Offenburg, (Freiburg, Herder 1902) 
gewidmet, welche mit der Liebe eines Schülers gegen seinen 
Lehrer in aller Kürze den äusseren Lebensgang des Verstorbenen 
und dessen Bedeutung für die Entwicklung der Apologetik wie 
Dogmatik in unserm Jahrhundert schildert. — d — 



»Zur Erinnerung an Heinrich von Treitschke« benennt 
sich das zweite der »Gedächtnisblätter«, die Adolf Hausrath 
unter dem Titel »Alte Bekannte« im Verlag von Hirzel in Leipzig 
erscheinen lässt. Das erste war bekanntlich seinem Schwager 
Julius Jolly gewidmet. Diese Erinnerungen dürfen im grossen 
und ganzen als treue Bilder aus dem Leben des hervorragenden 
Historikers und grossartig angelegten Menschen, den sie schil- 
dern, anerkannt werden, wenn es auch im einzelnen, namentlich 
soweit dabei die Freiburger Zeit in Betracht kommt, nicht an 
manchen Stellen fehlt, welche zu Beanstandungen Aniass geben 
dürften. Auf solche können wir aber hier nicht eingehen, um 
so weniger, da sie keine wesentlichen Züge des Charakterbildes 
Treitschkes betreffen. Einen Druckfehler auf Seite 8: 1846 
statt 1864 wird der aufmerksame Leser berichtigen. W^arura 



202 Zeitschriftenschau und Littcraturnotizen. 

wir beklagen, von zweien seiner Schüler herausgegeben worden. 
Wenige Tage vor diesem Geburtstage hatten Künstle und 
Beyerle in der Kirche zu Niederzeil Wandgemälde entdeckt auf 
derselben Insel Reichenau, wo in einer anderen Kirche (St. Georg) 
zu Oberzell zwanzig Jahre früher Wandmalereien aufgefunden 
worden waren, welche Kraus eingehend beschrieben und gewürdigt 
hatte. Diese Arbeit des bewährten Kenners der kirchlichen 
Kunst war 1884 ™ gleichen Verlag wie diese neue Veröffent- 
lichung erschienen. Die Oberzeller Fresken stammen wohl 
unzweifelhaft aus dem 10. Jahrhundert, die Niederzeller werden 
durch Künstle und Beyerle auf Grund der Baugeschichte der 
St. Peter- und Paulskirche, und ihres Verhältnisses zu anderen 
Bildern dieser Zeit in das 1 1 . Jahrhundert gesetzt, dagegen von 
anderer fachmännischer Seite nicht der ältesten Malerschule 
der Bodenseegegend, sondern erst dem Ausgange des 12. oder 
dem Beginne des 13. Jahrhunderts zugerechnet, da sie im 
Gegensatz zu jenen, bei denen byzantinischer Einfluss un- 
verkennbar ist, eine freiere Behandlung der Malerei zeigen, die 
eben erst einer späteren Zeit angehören kann. Diese Frage zu 
lösen oder auch nur eingehender zu erörtern hält sich Referent 
weder für competent, noch dürfte diese Zeitschrift dazu bestimmt 
sein. Wir haben an dieser Stelle auch nicht eine Beschreibung 
dieser Wandmalereien zu geben, beschränken uns vielmehr 
darauf unsere Leser auf diese bedeutsame und in jeder Hinsicht 
wertvolle Veröffentlichung aufmerksam zu machen und die 
gediegene Bearbeitung, welche alle bei Untersuchung des neuen 
Fundes in Betracht kommenden Fragen mit Ernst und einer auf 
gründlicher Forschung und Vergleichung mit anderen kirchlichen 
Gemälden beruhenden Sachkenntnis erörtert, als sehr verdienst- 
lich anzuerkennen. Die Ausstattung ist des Gegenstandes würdig, 
und es darf wohl auch der Preis (20 M.), den der Verlag für das 
Werk festgesetzt hat, als sehr massig bezeichnet werden, v. W, 



In der Zeitschrift »Der Tag« (Nr. 301 vom 17. Juli igoi) 
giebt unter dem Pseudonym E. Palm Jos. Haas aufgrund des 
Karlsruher Aktenmaterials eine kurze Geschichte des »Turenne- 
denkmals bei Sasbach«; eingehender behandelt derselbe Ver- 
fasser das Thema in den >Monatsblättern des Bad. Schwarzwald- 
vereins«, Jahrg. IV, Nr. 1 1 , wo namentlich die Frage nach dem 
Eigentumsrecht des Grund und Bodens näher untersucht wird. 
Auf den Mitteilungen im »Tag« beruht der kleine Aufsatz Funck- 
Brentanos: Le champ de Turenne ä Sasbach in der Revue 
des 6tudes historiques, J. 1901, S. 451 ff. K. O, 



In dem Vorwort zu der Ausgabe der »Sämtlichen Werke für 
Klavier und Orgel von Joh. Kasp. Ferd. Fischer« (Leipzig, 
Breitkopf & Härtel), teilt Ernst v. Werra' das Wenige mit, was 



2o6 Rieder. 

»Rulman Merswin^, erklärt Denifle, »ist der Dichter 
der Schriften und der Schöpfer der Gestalt des Gottes- 
freundes«. Dabei lässt er es unentschieden, ob Rulman 
einen Gehilfen oder Abschreiber zu seinem betrügerischen 
Unternehmen beigezogen hat oder nichts). Wohl wurde 
mit dieser Annahme mit einem Schlage das Dunkel ge- 
lichtet, das über den Schriften des Gottesfreundes ruhte 
und wenn nicht alle, so haben doch die meisten Fragen 
dadurch eine glückliche Losung gefunden. Die Resultate 
seiner Untersuchung lassen sich kurz in die beiden Sätze 
zusammenfassen : 

1. Die Schriften des Gottesfreundes vom Oberlande 
sind Dichtungen, denn es finden sich in ihnen unvereinbare 
geschichtliche Widersprüche. 

2. Nur derjenige kann diese Schriften gefälscht haben, 
der sie den Johannitern zu Strassburg und damit auch uns 
überlieferte: Rulman Merswin. 

Denifle kam es vor allem darauf an, die erste These 
zu beweisen, was ihm auch in überzeugender Weise 
gelungen ist. Wie verhält es sich aber mit der zweiten? 
Niemand wird verkennen, dass bei dieser Annahme sich 
eine Reihe von Schwierigkeiten ergeben, die eine be- 
friedigende Lösung verlangen. Ist Rulman Merswin der 
Dichter, wie ist es dann zu erklären, dass die Johanniter 
sich auf solche Weise täuschen Hessen? Wie ist es denk- 
bar, dass sie dem Betrug, den Rulman Merswin mit den 
angeblichen Briefen des Gottesfreundes trieb, nicht auf die 
Spur kamen? Sollen die Johanniter wirklich auch nur 
einen ernsten Versuch gemacht haben, den Gottesfreund 
und seine Genossen aufzusuchen? Und wie ist es begreif- 
lich, dass trotz aller gescheiterten Versuche nicht der 
geringste Verdacht an der Existenz der Gottesfreunde in 
ihnen aufstieg 2)? Mit der Annahme, die Johanniter waren 
»einfaltige, unverständige und leichtgläubige Leute«, hat 
man solche Probleme noch nicht erklärt. 

Denifle*s zweite These enthält aber auch eine un- 
bewiesene Voraussetzung. Denn wo ist je bewiesen 

*) Vgl. Ztschr. f. deutsches Altertum NF. XIII S. loi, ili, 120. — 
•) Über diese Versuche berichtet Nikolaus von Laufen. Vgl. Schmidt NvB. 63 fF. 



2o8 Rieder. 

und daz ir darnoch schribent, daz gent den jungen 
br öderen«. Falls Nikolaus von Laufen diesen Auftrag 
nicht erfüllen wolle, solle er Rulman Merswin damit beauf- 
tragen. Fertigt aber Nikolaus von. Laufen die Abschrift 
an, so will der Gottesfreund doch, dass Rulman Merswin 
»darbi sige«, wie er es diesem eindringlich befohlen habe. 
Den gleichen Wunsch äussert der Grottesfreund gegenüber 
den Johannitern zu Strassburg: »Lieben brüder, ist es nu, 
daz ir dise ding nit wol künnent gelesen und noch uwer- 
me dütsche anderwerbe abegeschriben , so befelhent ez 
brüder Nycolause de Löfene, daz er es abeschribe; 
und darumbe so habe ich in öch gebetten und habe es 
ime ernstliche geschriben und habe es mime heime- 
liehen fründe öch befolhen.« Gewiss wird Nikolaus von 
Laufen bei seiner Verehrung und Begeisterung für den 
Gottesfreund solch ehrenvollen Auftrag nicht abgelehnt 
haben. Und in Wirklichkeit sind auch alle Urkunden- 
bticher von seiner eigenen Hand geschrieben i). 

Nikolaus von Laufen ist auch eifrig bemüht, die 
Schriften des Gottesfreundes bei andern zu verbreiten. 
Als er sich aufmachte, von dem Prior zu Engelberg, 
Johannes von Bolsenheim, über den Aufenthaltsort der 
Gottesfreunde etwas näheres zu erfahren, aber keinen 
Erfolg hatte, da »gap brüder Claus von Löfen demselben 
von Bolsenheim vil kuntschaft, briefe und ein abe- 
geschrift der drier weltlicher pflegere buch in 
dem derselben gottesfninde leben geschriben stot und 
öch etteliche materien dis gegenwertigen büches, die 
denselben von Bolsenheim allereigenlichest in kuntsame 
uiFe sü [die Gottesfreunde] wisen möhte, wenne gar vil 
erber gottesfründe zu ime wandeltent von vil gegenen 
dezselben landes, alse er selber seite br&der Clausen von 
Löfene«2). 

Nikolaus von Laufen legt ferner in allen seinen Be- 
richten grossen Wert darauf, dass man ihm Glauben 
schenke. Wie oft betont er nicht, dass er all sein Wissen 



^) Zu beachten ist, dass das Brief buch später als die Memorialbücher 
von Nikolaus von Laufen angelegt wurde. — •) NvB. 64. 



2IO Rieder. 

Dann galt es dem Johanniterhause feste Regeln zu 
geben; auch diese sind mit Hilfe des Gottesfreundes ab- 
gefasst. »Us sollicher flissiger fiirsiechtikeit und mit rote 
der erluchteten gottesfrunde und ettelicher gelerter Juristen 
under in, sint die artikele des brieffes alle in sollicher 
bescheidenheit begriffen und gemacht, das sie der orden 
mit guter consciencien wol halten mag one alle über- 
trettunge irre regelen und Statuten« i). Beim Umbau ihrer 
Kirche, bei ihrem Verhalten im Schisma, überhaupt in 
allen Angelegenheiten handeln sie nur unter dem Einflüsse 
und nach dem Willen des erleuchteten Gottesfreundes*). 
Unwillkürlich drängt sich einem dabei der Gedanke auf, 
dass die Johanniter damit ihr Thun und Lassen vor der 
Welt rechtfertigen wollten ; denn aus verschiedenen Stellen 
im Berichte des Nikolaus von Laufen lässt sich erkennen, 
dass die Johanniter mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen 
hatten 5), die sie jedoch alle überwanden, weil sie so treue 
Ratgeber und sorgsame Freunde zur Seite hatten. 

Und wenn so Gründer und Gründung, Lebensweise 
und Verhalten der Johanniter verherrlicht und sozusagen 
in ein übernatürliches Licht gerückt werden, dann soll 
dieses alles den kommenden Geschlechtem zugleich zum 
erhabenen Vorbilde dienen, sie aufmuntern und trösten in 
Widerwärtigkeiten von aussen und in' Versuchungen von 
innen, damit sie nie wanken und das hohe Ziel aus dem 
Auge verlieren, das ihr Stifter, Rulman Merswin, auf An- 
regung des Gottesfreundes ihnen angewiesen*). Das alles 



*) Ebenda S. 48. — *) »Was in demselben huse zu dem Grünenwerde 
by des lieben stifFiers Rulman Merswins zitten ie wart anegefangen, das ist 
alcsament kommen us rote dez heiligen geistes.» . . . »Alsus ist die alte kirche 
und der nuwe chor und alle ding eigenliche gemacht und geordent noch 
diseme [des Gottesfreundes] brieffe, rechte in aller wise alse es der engel von 
der heiligen drivaltikeit wegen verkündete und offenborete dem lieben erluch- 
teten gottesfrunde im Oeberlant.« Ebenda S. 48, 49, 50. — ') Vgl. ebenda 
S. 40 und 51 52: Gott Hess »das hus zö dem Griinenwerde dicke swattichen 
und s wanken und vil grosser frcemder trucke daruff vallen, die nut alle zu 
schribende noch uszüsprechende sint, und hielt es doch allewegent mit sinre 
almechtikeit uff vor allen sweren sorglichen vellen.« — *) Vgl. ebenda S. 55 
und 119: Das Fünf-Mannenbuch »sol uf diser hofestat zu dem Griinenwerde 
ewekliche bliben und gar erwurdekliche gehalten werden glich eiroe grossen 



\ :^ 



212 Rieder. 

lung, das Brief buch, wurde sorgsam verwahrt und nie- 
mandem zu lesen gegeben*). Em vorzügliches Mittel 
jedem Unberufenen die Einsicht in die geheimnisvollen 
Schriften zu versagen, war schon die unleserliche und nur 
mit grosser Mühe zu entziflFemde Schrift des angeblichen 
Originals, das der Gottesfreund über sein und seiner 
Brüder Leben den Johannitern gesandt hatte. 

Wenn Nikolaus von Laufen die Dichtungen im Auf- 
trage der Johanniter ausführte, dann erklärt sich auch die 
sonst unverständliche Thatsache, dass im Briefbuche nicht 
einmal die Hälfte der Briefe, die der Gottesfreund angeblich 
an die Johanniter gerichtet hatte, erhalten sind*). Sollte man 
sich so wenig Mühe gegeben haben, diese Briefe sorgsam 
zu verwahren, während man doch so begeistert ist für den 
Gottesfreund und seine asketischen Traktate wie ein 
»Heiligtum« verehrte? Die Erfindung von Briefen und 
Begleitschreiben war ohne Zweifel das beste Mittel, andere 
zu täuschen. Und um in niemanden auch nur den ge- 
ringsten Zweifel an der Wirklichkeit des Erzählten auf- 
steigen zu lassen, wird so oft und eindringlich betont, dass 
der Gottesfreund oder Merswin diese oder jene Schrift 
eigenhändig geschrieben habe oder dass alles nur auf den 
Rat des Gottesfreundes geschehen sei»). 



1) »Ouch stot in diseme gegenwertigen bappirinen buche [Fünf- 
Mannenbuch] ettewie vil heimelicher rede und artickele, die in keime 
b&che niergent anderswo geschrieben sint, wenne su niemanne z&gehcerent 
denne alleine nuwent dem huse und den brftderen hie z& dem Grftnenwerde ; 
und were ouch nut g&t, daz su ieman anders lese der nut zft dem hose 
gehöret. Es het ouch der liebe frunt gottes in Oeberlant, unser getmwer 
vatter, nut also gemeinet, und er befulch es ouch sunderliche mit grosseme 
erneste in eime briefe, daz men dis gegenwertige b&ch abe solte schriben 
und dieselben heimelichen artickele alle usse Hesse, also daz su niemanne 
frcemedes zft lesende wurdent. Schmidt, Gottesfreunde 1 19/120. Man ver- 
gleiche dazu den Text des 10. und ii. Briefes. — *) Vgl. Jundt, Les amis 
de Dieu 27 ff. — «) Vgl. Schmidt, Gottesfreunde 54/55, 76, 79. Das Buch 
von den 4 Jahren des anfangenden Lebens von Ruiman Merswin beginnt: 
»Allen den si kunt getan die dis bftchelin lesent oder herent lesen, was 
heran geschribben stot, das es also ist und luter worheit ist, und das 
behebe ich bei der gungensten fehrte , also ich usser der zit gescheiden 
bin; und zh. eime gerehten geworen worzeichen so sol men finden han- 
gende min eigin ingesigel an eime riemen an dieseme b&chelin. Schmidt, 
Gottes freunde 56. 



214 



Rieder. 



eime andern menschen, der in disen selben materien 
genennet ist der eitere.« 

Und während in der Urschrift jeweils steht »der eine« 
und »der andere«, setzte Nikolaus von Laufen in der Ab- 
schrift »der eitere« und »der jüngere« mit dem Zusatz 
^Rülemannes geselle«. Damit war die Fälschung ein- 
geleitet, und so konnte Nikolaus von Laufen mit kühler 
Resignation schreiben: Alsus dürffent wir unverbildet sin 
die lieben gottesfriinde und irre heimüte hie in zit me 
zu suchende, wenne sü got wol verbergen kan, daz sü 
mit menschlichen sinnen noch mit natürlicher wisheit nüt 
zu vindende sint«^). Wahrlich, wir brauchen den Gottes- 
freund und seine Genossen nicht mehr zu suchen, denn 
die ganze Gottesfreundfrage erklärt sich am einfachsten 
und ungezwungensten durch die Annahme: Nicht der 
Gottesfreund vom Oberlande und Rulman Mers- 
win sind die Verfasser der in Frage kommenden 
Schriften, sondern einzig und allein Nikolaus 
von Laufen. Sein Zweck war, im Auftrage der 
Johanniter Gründer und Gründungsgeschichte des 
Hauses zum Grünen-Wörth zu verherrlichen, das 
Institut der drei weltlichen Pfleger zu rechtfer- 
tigen und den kommenden Geschlechtern ein 
leuchtendes Vorbild für alle Lagen des Lebens 
vor Augen zu stellen. 

Die nähere Ausfuhrung des hier skizzierten Beweises 
würde über den Rahmen dieser Zeitschrift hinausgehen 
und muss darum eigener Abhandlung vorbehalten werden, 
bei der ich den folgenden Gedankengang einzuhalten 
gedenke: 

1. Wir» setzen als bewiesen das Resultat Denifle's 
voraus: Der Gottesfreund vom Oberlande hat nicht exi- 
stiert und die ihm zugeschriebenen Schriften sind Dich- 
tungen. 

2. Es handelt sich also um die Kernfrage: Ist Rul- 
man Merswin der Dichter der Gottesfreundschriften? Oder 
hat Rulman überhaupt selbst verfasste Schriften hinter- 
lassen? 

') NvB. 65. 



2i6 Rieder. 

Laufen selbständig verfasste oder besser aus bereits 
vorhandenen Vorlagen kompilierte. Hieher rechnen wir 
vor allem Rulmans Vier Jahre seines anfangenden Lebens, 
das Fünf-Mannenbuch imd die Briefe*). 



1) Als dieser Aufsatz bereits druckfertig vorlag, erfuhr ich, dass Herr 
Professor Dr. Strauch in Halle sich ebenfalls mit den Schriften Rulman 
Merswins beschäftigte. Wie er mir auf eine Anfrage mitzuteilen die Grüte 
hatte, wird nächstens eine Studie über die Neun Felsen von ihm erscheinen. 
Ich begrüsse seine, von philologischem Standpunkte ausgehenden, Unter- 
suchungen um so mehr, als sie die schönste Ergänzung zu den meinigen 
bilden werden. 



2i8 Becker. 

2. Der Reichsvogt hat die halben Frevel zu Kaysers- 
berg; diese müssen laut der Frevelzettel ihm halbjährig 
überantwortet werden. Die Kommission soll sich deshalb 
erkundigen, welcher Art diese Frevel sind, und wie die- 
selben »abgtädingt« werden*). 

3. Der Vogt muss an dem Wochenmarkt zur Fron- 
fasten den Zoll zu Kaysersberg durch den Gerichtswaibel 
einsammeln. Es ist wünschenswert zu wissen, was das für 
ein Zoll ist^). 

4. Zur Vogtei gehört das Fischwasser zwischen Als- 
pach und dem Geisberg. Wie weit reicht dasselbe? Kann 
sein Zins nicht etwa gesteigert werden? 

5. Die Kaysersberger Mühle ist jetzt einem Müller 
dergestalt verpachtet, dass er wöchentlich Samstags 
10 Sester halb Weizen und halb Roggen auf das Schloss 
liefern muss. Der Müller weigert sich, mehr zu liefern, 
weil jetzt auch fremde Müller gegen das alte Herkommen 
in die Stadt Kaysersberg mahlen, man muss den Rat ver- 
anlassen, dies zu verhindern 8). Auch muss man unter- 
suchen, ob nicht Kaysersberg und Ammerschweier ver- 
pflichtet sind, für die notwendigen Bauten an der Mühle 
das Bauholz zu liefern. 



*) »Der Reichsvogt hat von allen Schlagfreveln, sie seien hoch oder 
nieder, auch von andern, welche 5 U erreichen und darüber steigen, den halben 
Teil. Die andere Hälfte, sowie die ganzen »Bann, Scheit- u. d. gl. Bußen«;, 
so unter 5 U sind, samt dem ganzen Umgeld gebühren der Stadt allein. Der 
Reichsvogt hat die Confiscation, so ein ersamer Rat und Schöffen ihm zuer- 
kennen, jedoch nur über die Güter, so im Zwing und Bann von Kaysers- 
berg liegen.« Vgl. Münster Stadt-Arch. AA 44, Bericht über die Vogtcirechte. 
Zweimal jährlich sollte Frevelgericht gehalten werden, an Johann Baptist 
und an Weihnachten. Der Stadtschreiber musste jedes halbe Jahr genau 
detaillierte Rechnung machen vor dem Vogt. Kolm. Bez.-Arch. Liasse 7 
nr. 18. — *) Ein Rechnungsbericht von 141 4 verzeichnet: 7'/« /? 2 *S zu 
Pfingsten von dem Zolle zu Kaysersberg; 2 Gld. zu Zoll auf Michaeli; S\'^ ß 
3 -A zu Zoll in der Fronfasten ; 7 ff vom Zolle auf Montag nach Reminiscere. 
Ein anderer Bericht von 14 16 verrechnet: i U \ ß auf St. Michaelstag; 7 ß 
auf Weihnachten ; S^/j ß auf Montag nach Reminiscere. — •) Um 1622 führt 
der Reichsvogt Klage, »dass Meister und Rat die Reichsmühle zu KajTsers- 
berg schädigen, indem sie den Weißbäckem verbieten, dort mahlen zu 
lassen, und dieselben wider ihren Willen zwingen, sich an die Stadtmühle 
zu halten.c 



22.0 Becker. 

10. Der Vogt darf in der Stadt den »Scholderc ver- 
leihen; wie und wann darf das an den Jahrmärkten und 
»Schiessen« geschehen? 

11. Warum geben die »Leitterer« alle Fronfasten 
2 Sester Salz? 

12. Wohl hat der Reichs vogt in jenen Städten imd 
Flecken allerlei Zins und Gülten an Geld, Kappen und 
Früchten auf Häusern und Gütern. Doch findet sich, dass 
diese Zinse von den Zinsleuten nur als Grrund- und Boden- 
zins gerechnet werden, obschon dieselben keine »Erbver- 
leihungen oder andere briefliche Gerechtigkeiten« auf- 
weisen können. Deshalb sollen die Kommissare diese 
Zinspflichtigen veranlassen, ihre brieflichen, diesbezüg-lichen 
Urkunden und Scheine vorzulegen und prüfen zu lassen. 

13. Inbetreff der Kappenzinse muss man untersuchen, 
ob es Gemeinde- oder Bodenzins ist, von welchen Gütern 
sie fallen, und was die, welche sie liefern, deshalb zu 
eigen haben. 

14. Beim Schloss und auch sonst hat die Vogtei Reben 
und Weinzins. Etliche Zinsleute sagen, dies seien teils 
Lehen und Erblehen, teils Grund- und Bodenzins. Sie 
können oder wollen aber teilweise die Güter, wovon sie 
solchen Weinzins liefern, nicht angeben. Man muss deshalb 
ausfindig machen, welche Reben von alters her zum 
Schlossbau gehört haben, und wie solche Reben und Güter 
durch »Erb- und andere Leihungen auch andere briefliche 
Gerechtigkeiten« an jene Leute gekommen sind. 

15. Bisher hat der Reichsvogt dem Stadtschreiber zu 
Kaysersberg jährlich ein Fuder Wein gegeben, dass er 
auch ihm in seinen Amtssachen behilflich sein und schreiben 
möge. Verdient der Schreiber dies? 

16. Türkheim giebt dem Reichsvogt auf Michaeli 8 it 
Pfennig Kappengewerf, wovon der Stadtschreiber jährlich 15/? 
erhält für die Schreiberdienste, die er dem Vogt und seinen 
Amtleuten thut. Welcher Art ist dies Gewerf? Entrichtet 
Türkheim noch sonst jemand dergleichen Gewerf*)? 

*) Die Stadt Türkheim erwähnt um 1 520 in einer Beschwerdeschrift an 
den Reichstag, dass »sie dem hl. Reiche diene, indem sie der Vogtei 
Kaysersberg jährlich 8 S Rappen, 7 Fuder Weingeld und einen Teil der Frevel 
zahle.« Strassb. Bez.-Arch. C 40 nr. 72. 



222 Becker. 

27. Jeder Bürger zu Münster und im Thal, deren 
etwa 500 sind, muss jährlich ein Herbst- und ein Fast- 
nachtshuhn geben. Man soll das genaue Verzeichnis aller 
Bürger verlangen^). 

28. Der Abt zu Münster liefert jährlich dem Vogt 
2 Sester Bohnen und 2 Sester Erbsen. Dies sollen die 
Kommissare bei den Schaffnern des Gotteshauses ordnen. 

29. Der Unter vogt in Münster hat an den Jahr- 
märkten von der Herrschaft wegen das Standgeld (ausser- 
halb der Laube) einzunehmen. Wieviel erträgt es wohl? 
Was für Gefalle hatte der Untervogt sonst noch bisher? 

30. Da ein Untervogt frei ist von allen bürgerlichen 
Lasten und im Rat und Gericht sitzt, so darf ihm hierin 
durch die von Münster kein Eintrag geschehen*). 

31. Weil die Reichsbürger von Ammerschweier nur 
1/2 Fuder Wein und ein Pfund zu Gewerf oder Bet geben, 
muss man nachforschen, warum ihre Steuer so gering ist. 
Geben sie den Herren von Schwendi und Rappoltstein 
nicht etwa mehr? 

32. Das Umgeld daselbst ist so geteilt, da,ss der 
Reichsvogt 1/4. die Stadt 1/4 und der Herr von Schwendi 



Zugang im Rat, ob und wann er will. Vgl. Münster Stadt-Arch. Bericht 
über die Vogteirechte. 

*) Vgl. ebenda: »Sie geben jährlich einem Vogt Herbst- und Fastnacht- 
hennen. Der Vogt nimmt dieselben im grossen Thal, der Abt im kleinen. 
Das grosse Thal hat fünf Meister, nämlich einen zu Mühlbach und Senden- 
bach, einen zu Sondernach, einen zu Metzeral, einen zu Breitenbach-Eckers- 
berg, Oberbreitenbach, Tiefenbach, Simonsberg und einem zu Luttenbach, 
Eschbach, Hohrod und Weier. Solche Bürger alle sollen jährlich einem Vogt 
ein Herbst- und ein Fastnachthuhn geben. Wenn ein Bürger zu der Zeit 
eine Kindbetterin hat, so empfängt der Waibel das Huhn von ihm, würgt 
aber dasselbe ab und giebt es ihm wieder. Ein Meister gicbt auch nichts. 
Den Waibeln werden jährlich für das Sammeln 20 Hennen gegeben.« Ein 
anderer Bericht ebenda AA 43 besagt: »Ein Vogt zu Kaysersberg hat in 
den 4 Meisterlumen oder Dörfern in dem Grossthal, nämlich Sondemach, 
Metzeral, Mühlbach und Breitenbach, item in den Dörfern oder Höfen 
Fronzeli, Luttenbach, Hohenstaden, Frosch weier, Nagelstall und Eschbach 
von jeder Herdstatt, so Feuer- und Rauchgeld zahlt, jährlich ein Fast- 
nacht- und ein Herbsthuhn oder aber Geld dafür, und hat man vor Jahren 
für 1 Fastnachthuhn 9 »s und für ein Herbsthuhn 8 Rappen Pfennige 
geliefert. Nach einem Bericht von 1573, Kolm. Bez.-Arch. L. 5 nr. 12 hat 
der Reichsvogt damals in Münster 116, in Ammerschweier 26, in Winzen- 
heim 29 Hühner erhalten. — *) S. oben S. 221 Anm. 4. 

J 

i 



226 Becker. 

ein Stück Wald im St. Gilgenbann zu Winzenheim. Was 
ist das für ein Feld? Kann es nicht zur Vogte! gezogen 
und höher vergeben werden? 

57. Die Vogtei hat 4 Fisch wa^ser, 3 unterhalb Kaysers- 
berg, das vierte unterhalb Mittelweier ^). Kann man den 
Ertrag, der gewöhnlich 6 bis 7 Gulden ausmacht, nicht 
steigern?« 

Die Ergebnisse der Untersuchungen und Nachfor- 
schungen der land vögtischen Kommission, das eigentliche 
Urbar, scheint nicht mehr erfindlich zu sein*). 

Auch die ältesten vorhandenen Rechnungsbücher von 
1 4 1 4 — 1 4 1 ö verzeichnen als ständige jährliche >Gewerfeteuerc 
für Kiiysersberg 24 Gulden, für Türkheim 8 Pfund, für 
Winzenheim 5 Pfund, für Niedermorschweier 2I/2 Pfund, filr 
Ammerschweier i Pfund und für Münster 10 Schilling*). 

Über die Verteilung der »Gerichtsfrevel«, d. h. der 
vom Gericht verhängten Geldstrafen, zu Münster erfahren 
wir Näheres durch einen Vergleich, welcher am 20. Dez. 
1578 zwischen dem Stadtrat daselbst und dem Untervogt 
auf Grundlage des alten Rechts und Herkommens ge- 
schlossen wurde. Darin wurde bestimmt**): 

1. ^Dem Reich, d. h. der Vogtei Kaysersberg gehört 
das Maleti/ und was damit zusammenhängt. 

2. Weil die Vorgehen des Ehebruchs auch malefizisch 
sind, so stfhen dit^ Strafen dafür, ob sie nun heimlich oder 
bürgerlich boklavri werden, ebenfalls dem Reiche zu*J. 

j. Ebenso verhält es sich mit andern »Unzuchten, 
Sohand und l.astorii . welche vormöjL^o Carls V. |>einlicher 
Hals- und iiorichtsv^rdnuni:: maloti.isch sind. 

,;. Sei: unvoramk lieber /oit vr^^horen alle grossen 
Frevel, welche ::: Stadt und VhA Münster mit der Faust 
verwirkt und nv.t i ^ 0' und darüber bestraft werden, der 

Der K^v :".:";;>■. ;rvh: \ -. li: i ■.:. '.i'^ \. r.-':chn*t: 2 GM. vom 
K:>i.h\i ..>^er :v. K..:.-\\ ..: .; . ■ ."•'•. \.-"- :■ .-;h> ;.>^-t iu Türkheim tuf 
T »':■ uf :: 1 . ; <>^ ^ i ■ ^ ^ " - V - . : . a ..- - : r .: W : -. h- •.::• — - Axisge nommen das 

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230 



Becker. 



30 Viertel schenkte mir Kaysersberg an Weihnachten, 
als ich auf Geheiss meines Herrn des Landvogts einen 
Rat setzte. 

6 Viertel wurden mir zu Winzenheim gegeben von 
dem St. Johanneshof. 

13 Viertel i Sester erhielt ich von den Dinghöfen zu 
Gemar, Mittelweier und Ingersheim. 

2, Weizen. 

39 Viertel Weizen sind mir gegeben worden von der 
Mühle zu Kaysersberg von Sant Bertholmäustag bis Mitt- 
woch vor Pfingsten. 

3. Korn. 

39 Viertel Korn erhielt ich von derselben Mühle in 
der nämlichen Zeit. 

8V2 Viertel Korn gab der Maier von Hausen 1). 

4, Einnahmen an Wein: 

7 Fuder 9 Ohmen von den Lehnsleuten. 
1V2 Fuder von den eigenen Reben. 

I Fuder Zinswein. 

4 Fuder von Winzenheim. 

3 Fuder habe ich von Türkheim nach Kaysersberg 
geführt; 3 von den 6, welche ebendort fallen, habe ich 
verkauft. 

1^/2 Fuder erhielt ich zu Ammerschweier, Winzenheim, 
Niedermorschweier, wie sie das gewöhnlich jährlich einem 
Vogt geben. 

Summa: 18 Fuder 9 Ohmen. 

Auf Beschluss des königlichen Staatsrates vom 9. April 
1756 wurde folgendes amtliche Verzeichnis aller »Rechte, 
Renten und Einkünfte« der Reichsvogtei Kaysersberg 
aufgestellt*): 



^) Schon 14 16 gab der Maier von Hausen S^/j Viertel Korn. — 
*) Kolra. Bez.-Arch. L. 3 nr. 61. 



Die Reichsvogtei Kaysersberg. 23 1 

»I. Kaysersberg: 

Die Stadt zahlt jährlich an Steuer . 36 *ff 16 /3 
Davon kommt in Abzug für den Stadt- 
schreiber und den »Fiscal« ... ^ % ö ß S a 

Es bleiben 31 Ä 9 /3 4 -a 

Die Renten in Geld SU 

Das Recht des Brückenzolls an Quatember. 
Das Fischrecht. 
Eine Rente von 4 Hühnern, 
Eine Rente von 4 Scheffeln Salz. 

Das Recht, einen Schultheissen zu ernennen, welcher 
den Vorsitz führt im Rate. 

2. Haus Weinbach^): 

Eine Rente von 4 Pfennigen. 
Eine Rente von 6 Käsen. 

3. Kienzheim und Sigolsheim: 
Renten in Geld 1 % ^ ß 

4. Ammerschweier: 

Die Stadt zahlt jährlich als Märzgewerf 2 "ff 1^ ß ^ j, 

Renten in Geld b % i^ ß 4 ^ 

Die der Vogtei gehörigen Strafgelder. 

Das Recht auf Fastnachtshühner, ein Huhn auf jeden 
Bürger. 

Als Weinsteuer von den Wirten i pot par mesure*). 

Das Recht einen Schultheissen zu ernennen, welcher 
an der Spitze des Magistrats präsidiert. 

5. Bennweior: 

Das Fischereirecht in dem Banne, genannt Kotzler- 
bruchwasser. 



h Weinbach, Kapuzineikloslcr auf dem Kicnzhcimer Ranne. Nach 
Schöpflin, Als. ill. II S. 453, erst 1613 j^cj^ründet : d(x:h schon I5^»5 werden 
Stift und Abt und Einkünfte des Vojjtcs irwlihnt. Vj;l. oben S. 225. 
■) mesure ein Ohmen, Weinmass, 42— 4s Liter. 



2X2 Becker. 

6. Türkheim: 

Die Stadt zahlt jährlich als Reichs- 
steuer 21 U 6 ß S A 

Davon kommen in Abzug für Greffier 

und Fiscal 2 Ä 

Es bleiben 14 Ä t ß S a 

Renten in Geld 2 'Ü $ ß ^ a 

Die Strafen zum Teil. 

An Gewerfwein 100 mesures. 

Das Recht einen Schultheissen zu ernennen, welcher 
dem Magistrate präsidiert. 

7. Münster: 

Die Stadt zahlt jährlich als Reichssteuer . 12 ft 
Davon gehen ab für den Greffier .... 2 Ä 

Es bleiben 10 % 

Ein Drittel von den kleinen Strafen. 

Alle grossen Strafen von 10 ß und darüber. 

Das Recht der unehelichen Geburten. 

Das Recht auf Hühner an Fastnacht und auf die 
Weinlese im »Grossen Thal«. (Jeder Schultheiss muss die 
Bürgerliste aufstellen.) Dies Recht ist gegenwärtig ver- 
pachtet für 325 S. 

Das Recht einen Schultheissen zu ernennen, welcher 
dem Magistrate präsidiert. 

8. Niedermorschweier: 

Die Gemeinde zahlt jährlich als Reichssteuer 

6 % 13 /3 4 -A. 
Als Weinsteuer 1/3 vom pot, so wie die Wirte ihn 
verkaufen. 

Das Recht auf die Strafgelder. 

Das Recht einen Schultheissen zu ernennen. 

9. Winzenheim: 

Die jährliche Gemeindesteuer beträgt 13 ffi 6 ß S a. 
Das Recht der zwei »Hämmer«, jeder ä 20 € = 40 Ä. 
Das Recht der Strafgelder zum Teil. 



234 



Becker. 



Die »Renten« an Wein zu Kaysersberg, Ammersch- 
weier, Kienzheim und Sigolsheim ertragen jährlich 59 ms. 
15 pots; davon muss der fermier dem bailly jährlich 5 ms. 
12 pots, dem g^effier von Kaysersberg 22 ms. geben. 

Es bleiben also im ganzen 287 ms. 3 pts. 

15. Getreidegülte: 

Die Mühle zu Kaysersberg liefert gemäss dem letzten 
Vertrage 2 fette Schweine oder 50 'S in Silber und an 
Mahlsteuer 40 rezaux*). 

Die 5 Mühlen am Logelbach im Banne von Winzen- 
heim geben an Mahlsteuer 16 rez. 

Einige Güter in demselben Banne, ungefähr 6^/2 Morgen, 
sind verpachtet für 48 S. 

Die Güter zu Hausen ertragen gegenwärtig 27 rez. 

Der Dinghof zu Ingersheim giebt jährlich an Hafer 
5 Sack ä 6 Scheffel. 

Der Dinghof von Mittelweier giebt ebensoviel«^. 

Ein summarischer Bericht über die Einkünfte der Vogtei 
Kaysersberg, erstattet am 28. Februar 1761, enthält genau 
obiges Verzeichnis. Für die Erträge sind, soweit thunlich, 
Geldsummen eingesetzt; demnach belief sich damals die 
Einnahme auf 2454 U 6 ß 11 a^). 

III. Der Amtsbezirk der Reichsvogtei. Das Beamtentum 

und seine Wirksamkeit« 

In den voraufgehenden Ausführungen haben wir ge- 
legentlich Aufschluss erhalten über den Umfang der 
Reichsvogtei. Wir sehen, dass sie ausser der Burg und 



^) Ein rczal war ein Getreidemass im Elsass = 80 Kilogramm. Sachs- 
Villate, Wörterbuch. — >) Dieses Verzeichnis, am 15. Dez. 1756 beglaubigt 
von dem Reichsvogt von Kaysersberg, Baron von Andlau, schliesst mit der 
Bemerkung : »Der Baron von Andlau hat in seiner Eigenschaft als Reichs- 
vogt noch mehrere andere Rechte über die ganze Vogtei kraft eines Urbars, 
welches von den Kommissaren Ferdinands am 12. Nov. 1566 aufgestellt ist. 
Diese Rechte aber sind noch nicht ermittelt. Um dieselben wieder auf- 
leben zu lassen, hat der Baron am 29. April 1747 von S. Majestät lettres 
patentes erhalten, wodurch Herr Präsident von Salomon zum Kommissar für 
die Erneuerung jener Rechte ernannt worden ist.c — •) Kolm. Bez.-Arch. 
L. 3 nr. 2. 



236 Becker. 

mit den Matten und Wassern , ebenso die zur Burg 
gehörigen Dörfer Günsbach und Griesbach seinen Vize- 
kanzler, Caspar Slick, übertragen habe. Dieser sollte sie 
als Erblehn besitzen, das er nach Belieben verkaufen oder 
übertragen könne*). Bereits im November 1434 machte 
der Kanzler von seinem Verkaufsrecht zu gunsten des 
Sassmann von Rappoltstein Gebrauch*). Seither waren 
Schloss Plicksburg, Günsbach und Griesbach von der 
Reichsvogtei Kaysersberg getrennt mit Ausnahme der Zeit, 
wo die Herren von Rappoltstein, Wilhelm und Egenolf, 
1541 — 1565 auch die Reichsvogtei besassen. 

Auch das Dorf Hausen, das ehemals zum Amtsgebiet 
des Vogtes von Plicksburg gehörte») und durch Ver- 
pfändung in Rappoltsteinischen Besitz kam, war zeitweise 
der Reichsvogtei Kaysersberg unterworfen. Denn der 
pfälzische Vogt verzeichnet 14 15 von dem Dorfe Hausen 
eine Einnahme von 17. Vierteln Korn und ebenso viel 
Gerste für zwei Jahre. Er bemerkt dabei, dass das Dorf 
jährlich je 8V2 Viertel des genannten Getreides liefern 
müsse. An einer andern Stelle verrechnet er 6 Viertel 
Roggen und 6 Viertel Gerste, welche der Schultheiss von 
Hausen jährlich dem Schloss Kaysersberg zu zinsen 
schuldig sei. 

Ammerschweier, welches im 14. Jahrhundert städtische 
Rechte erwarb, war durch Verschmelzung von drei Ge- 
meinden entstanden. Das alte Dörfchen Ammerswilre 
gehörte zur Herrschaft Hohen-Landsberg; das Dörfchen 
Mey Weiler war Rappoltsteinisch; nur Katzenweiler, auch 
Katzenbach genannt, war Reichsbesitz gewesen. Der ver- 
einigte Ort blieb den 3 Herrschaften unterworfen. Jede 
hatte eines der 3 Thore des Städtchens im Besitz. Neben 
einem Reichsschultheissen nahm je ein Rappoltsteinischer 
und ein Landsbergischer Schultheiss das Interesse seiner 
Herrschaft wahr. Die Bürger aber wählten ihre 3 Bürger- 
meister und 6 Räte*). 



') Rappoltst. Urkb. III, 642. — «) Ebenda 819 und 824. — ») Vgl. 
Hund, »Kolmar vor und während seiner Entwicklung zur Reichsstädte S. 60 
— -•) Kolm. Bez.-Arch. Liasse 5. — *) Schöpflin, Als. ill. II S. 104. 



238 Becker. 

St. Martin und das Benediktiner-Pribrat St. Peter zu Kolmar, 
auf das Kapuzinerkloster Weinbach zwischen Kaysersberg 
und Kienzheim, und vor allem auf die Abtei Münster; 
auch die Abtei Moyenmoutier zahlte dem Reichsvogft im 
Anfang des 15. Jahrhunderts wegen eines Hofes zu Rohrsch- 
weier jährlich 2 Strassburger Pfund *). 

Über das Beamtentum der Reichsvogtei haben die 
obigen Ausführungen bereits manche Aufklärung gebracht. 
Die ganze Verwaltung war zentralisiert in der Hand des 
Reichs Vogtes zu Kaysersberg, welchem je ein Reichsschult- 
heiss zu Kaysersberg, Münster — hier führte er den offi- 
ziellen Titel »Untervogt« — Türkheim, Ammerschweier, 
Niedermorschweier und Winzenheim untergeordnet war. 
Wie diese von dem Reichsvogt bestallt wurden, so hatten 
auch sie das Recht, ihre Hilfsbeamten, die »Waibel« zu 
ernennen. Fürstliche und gräfliche Inhaber der Vogtei, 
welche nicht selber zu Kaysersberg Wohnung nehmen 
und die Verwaltung führen konnten, ernannten Stellver- 
treter, welche schlechthin Reichsvögte oder auch Unter- 
vögte genannt wurden. Der amtierende Vogt hatte die 
Verpflichtung, auf der Burg zu Kaysersberg selbst »Haus 
und Hof« zu halten. Als in der zweiten Hälfte des 16. Jahr- 
hunderts die Wohnräume auf dem Schloss in Zerfall gerieten, 
da gestattete der Magistrat von Kaysersberg dem Vogte 
auch das Wohnen in der Stadt; jedoch musste dieser einen 
sogenannten »Burgvogt« zum Schutze und zur Bewachung 
auf das Schloss verordnen. 

Die Vorgänge bei der Einsetzung der Reichsvögte zu 
Kaysersberg entsprechen im wesentlichen denjenigen bei 
der Präsentation der Landvögte zu Hagenau ^). Als Rechts- 
grundsatz galt, dass die Reichsvogtei Kaysersberg un- 
mittelbar abhängig sei von dem jedesmaligen Inhaber der 
Reichsland vogtei Hagenau. Beim Ableben oder Rücktritt 
des Oberlandvogts erlosch auch die Amtsgewalt der Reichs- 
vögte und Reichsschultheissen der Pflege Kaysersberg. 
Falls aber ihr Verbleiben im Amte durch Pfandschaft oder 



*) Kolm. Bez.-Arch. Liasse 5. — •) Vgl. meine Abhandlung f. 



240 



Becker. 



Kindern und seinem Gesinde zu Kaysersberg auf der 
Burg häuslich wohnt und sein Amt gebührend versieht. 
Wenn aber ein Vogt in Geschäften der Herrschaft, es sei 
des Kaisers oder des fürstlichen Oberland vogts, oder auch 
auf Befehl des Unterlandvogts und in eigenen Geschäften 
sich ausserhalb seines Amtsbezirkes aufhält, so muss er 
dem jedesmaligen Reichsschultheissen zu Kaysersberg die 
Verwaltung des Schlosses und der Vogtei anvertrauen. 
Dieser soll das Schloss durch Wächter und Knechte 
besonders des Nachts beschützen und wo nötig selbst dort 
wohnen oder doch den Gerichtswaibel dorthin beordern. 

Der Vogt muss während seiner Abwesenheit dem 
Reichsschultheissen den Schlüssel zum hintern Thürlein 
der Burg übergeben. Jedes Jahr sollen der von dem Vogt 
gesetzte Burgvogt, der »das Schloss regiert und versieht«, 
und auch die Wächterknechte bei der Ratssatzung nach 
Weihnachten der Stadt Kaysersberg huldigen und schworen 
laut dem Ratsbuche und alten Herkommen. Überhaupt 
muss der Reichsvogt dem hl. Reich und der gnädigen 
Herrschaft die Burg getreulich behüten und bewahren, der 
Stadt und allen ihren Bürgern helfen und raten und sie 
schirmen und schützen, sofern er kann und vermag. Er 
muss sie bei allen ihren Rechten, Freiheiten und Gewohn- 
heiten, bei allen kaiserlichen und königlichen Freiheits- 
briefen und bei ihren gewöhnlichen Steuern bleiben lassen. 
Er soll dem Schultheissenamt und dem Gerichte ihr altes 
Herkommen wahren und stets richten nach dem Urteil 
der bürgerlichen Schöffen. Wenn der Vogt oder seine 
Amtleute sich Übergriffe erlauben und dieserhalb von 
Meister und Rat ermahnt werden, müssen sie sich diesen 
Zurechtweisungen fügen.« 

Nach Verlesung dieser Artikel, Hess der neue Vogt 
folgendes erwidern: Schon bei seiner vormaligen Präsen- 
tation sei ihm das »persönliche Wohnen« auf der Burg 
erlassen worden. Diese sei ein zerfallenes, unbewohnbares 
Haus, in das er unmöglich mit seiner Gemahlin einziehen 
könne. Er wolle aber einen Burgvogt, welcher der Stadt 
angenehm sei, dahin verordnen. Die übrigen Pflichtartikel 
werde er bereitwillig beschwören. Der Stadtrat willfahrte 
seinem Wunsche mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, dass 



242 Becker. 

ZU lieb und niemanden zu leide. Über die Ratsverhand- 
lungen muss er Stillschweigen beobachten. Der Stadt soll 
er ihre alten Freiheiten und Gewohnheitsrechte belassen. 
Falls der Schultheiss und seine Waibel ihre Amtsbefug- 
nisse überschreiten, müssen sie sich den Zurechtweisungen 
des Stadtrates fügen.« 

Der Unterlandvogt stabte auch dem Schultheissen die 
Eidesformel : 

»Was mir vorgehalten worden ist und ich wohl ver- 
standen habe, dem allem will ich nachkommen, das schwöre 
ich, so wahr mir Gott helfe und alle Heiligen.« 

Hierauf wurde der Reichsvogt aufgefordert, einen 
Burg- oder Untervogt zu ernennen, welcher der Stadt 
angenehm sei und an seiner Stelle das Schloss bewache. 
Als solcher wurde Heinrich Zorndörfer angenommen, 
welchem von dem Stadtschreiber folgende Pflichtartikel 
vorgehalten wurden: 

1. Alle früheren Verpflichtungen und Eide, womit der 
neue Burgvogt dem Herrn von Fürstenberg seligen Ge- 
dächtnisses oder andern Herrn verbunden war, sind nichtig. 

2. Er darf keine Instruktion wider das alte Herkommen 
der Vogtei haben noch auch besondere neue Gelübde 
— wie einige seiner Vorgänger — thun. 

3. Die Schlüssel zum hintern Thürchen muss er wohl 
verwahren. Niemanden darf er in die Burg einlassen ohne 
Wissen des Reichs vogtes und Stadtrates. 

4. Zu Friedenszeiten beziehungsweise solange der Stadt- 
rat es bewilligt, braucht er einstweilen nur einen Burg- 
knecht zu halten. Dieser muss dem Rate präsentiert 
werden und geloben und schwören. 

5. Auch der Burgvogt muss schwören, die Städte und 
Flecken der Vogtei bei ihren alten Rechten zu schirmen 
und bei dem Urteil der Bürger es bewenden zu lassen. 

6. Wenn ein Bürger zu Kaysersberg, es sei um Schuld 
oder andere Sachen, an den Burgvogt Ansprüche hat, oder 
dieser an einen Bürger, so muss man vor dem Rat zu 
Kaysersberg »Recht geben und nehmen.« 

7. Keinem einzelnen der Vogteibeamten darf der Burg- 
vogt sich eidlich verpflichten in Abwesenheit der übrigen. 



244 Becker. 

ZU erinnern, dass in den letzten 50 Jahren auf dem Lande 
eine »Reiteration« stattgefunden habe. 

Die oberlandvögtischen Kommissare begaben sich des- 
halb von Kaysersberg nach Münster im St. Gregorienthaie 
und stiegen in der Abtei ab. Nach der feierlichen Messe 
wurden die Herren von dem Abte auf das Rathaus geleitet. 
Hier erklärte der Stadtschreiber, es sei altes Herkommen, 
dass der Reichsvogt, ehe er von der Stadt Münster aner- 
kannt werde, zuvor die Privilegien und Freiheiten der 
Abtei beschwöre. Nachdem die Ratsmitglieder sich ent- 
fernt hatten, wurde dem Grafen der Eid von dem Stadt- 
schreiber vorgelesen und von dem erzherzoglichen Kom- 
missar gestabti). 

Hierauf wurden die Ratsmitglieder wieder herein- 
gerufen, und es wurde ihnen mitgeteilt, dass der Vogt dem 
Abt den Schwur geleistet habe. 

Ein gleiches geschah dann seitens des Grafen für die 
Stadt. Der regierende Stettmeister stabte ihm den Eid, 
Hess aber, weil er zum calvin istischen Bekenntnisse ge- 
hörte, am Ende der Schwörformel die Worte weg: »und 
alle Heiligen«. 

Als der Stadtrat seinerseits dem Vogt schwören sollte, 
machte er Schwierigkeiten. Man wollte in der Eides- 
formel die Worte »gehorsam und gewärtig zu sein« nicht 
gebrauchen, sondern sich nur »in genere« verpflichten, den 
Grafen als Reichsvogt anzuerkennen und ihm die Gefälle 
zu reichen. Die Kommissare des Oberlandvogts willfahrten 
zwar diesmal dem Verlangen des Stadtrats, jedoch mit 
dem Vorbehalt, dass bei der nächsten Gelegenheit die 
Eidesformel für die Stadt Münster ebenso lauten müsse, wie 
für die übrigen Städte, »damit Münster nicht mehr gefreit sei, 
als die andern Städte, und dass dem Reichsvogt gleichför- 
miger Eid und gleichförmige Pflicht geleistet würde« 2). 



*) Der Reichs vogt musste schwören, »den Abt und sein Gotteshaus, 
Stadt und Thal Münster bleiben zu lassen bei allen ihren Freiheiten und 
guten Gewohnheiten, auch zu richten nach der Bürger Urteil, »ich den 
Ermahnungen des Stadtrates zu fügen, wenn er wegen etwaiger Übergritfe 
im Amt getadelt werde.« — *) Vor 1565 scheint die Stadt Münster that- 
sächlich dem Reichsvogt keinen Gegeneid geleistet zu haben. Als damals 
Erzherzog Ferdinand von Egcnolf von Rappoltstein die Reichsvogtei einlöste. 



246 Becker. 

Sodann schritt man zur Huldigung des Stadtrats. Als 
der erzherzogliche Kommissar dem Rat den Eid Stäben 
sollte, da stellte der Reichsvogt die Forderung, dass auch 
die beiden Schultheissen von Türkheim, der Reichsschult- 
heiss und der Landsbergische, den Eid schwören müssten, 
»weil auch sie unter den Ratsverwandten begriffen seien 
und weil ein ganzer, gesamter Rat schwören müsse.c 
Hiergegen verwahrte sich die Stadt fo Igen der massen: 
»Diese zwei Schultheissen pflegten dem Rat zwar ex officio 
beizusitzen, seien aber keine ständigen Ratsmitglieder und 
hätten nie zugleich mit dem Rate geschworen; auch sie 
müssten von neuem präsentiert werden, und jeder müsse 
seinen besondern Eid schwören.« 

Der alte, erfahrene Reichsschultheiss wurde dieserhalb 
befragt und äusserte, er sei nur einmal präsentiert worden 
und habe seither sein Amt ununterbrochen verwaltet und 
neben und mit dem Rate geschworen. Der Landsbergische 
Schultheiss erklärte, zwar habe er 16 16 nicht zugleich mit 
dem Rate geschworen, doch sei dies damals nur aus Ver- 
sehen unterlassen worden; er habe seine sessio und sein 
Votum stets im Rate gehabt. 

Die Stadt aber entgegnete, bei der jährlichen Rats- 
wahl hätten allerdings die beiden Schultheissen mit und 
neben dem Stadtrat dem Landvogt geschworen, aber nicht 
in ihrer Eigenschaft als Ratsmitglieder, sondern als Türk- 
heimer Bürger. Bei der Präsentation eines Reichsvogts von 
Kaysersberg oder eines Herrn von Hohenlandsberg habe 
jeder »Schultheiss seine besondere formula iuramenti 
schwören müssen. Wenn der Reichsschultheiss den 
Reichsstab, trotz der rechtlichen Vakanz des Reichs- 
vogteiamtes, ununterbrochen »exerziert habe«, so sei dies 
allein propter administrationem iustitiae in civilibus ge- 
duldet worden. Bloss friedliebenshalber habe man auch 
beiden Schultheissen sessio und votum im Rate gestattet. 
Wenn aber in criminalibus etwas zu verhandeln gewesen 
sei während des genannten Interregnums, so habe man 
nicht »fortkommen« können. Der Landsbergische Schult- 
heiss sei überhaupt »obreptione« in den Rat eingedrungen ; 
er habe keinen rechtlichen Anspruch auf Sitz und Stimme, 
sei gänzlich von dem Rate auszuschliessen und dürfe 



248 Becker. 

Knechten überlassen. In Zeiten der Gefahr wurden auch 
die Reichsleute von Ammerschweier, Niedermorsch wei er 
und Winzenheim zur Hilfeleistung aufgeboten **). 

Laut der Bestallungsurkunden hatte der Reichsvogt 
vor allem die »Obrigkeit und Gerechtigkeiten an den hohen 
imd niedem Gerichten in den Städten, Flecken, Dörfern, 
Weilern, Höfen«. Die »hohe Jurisdiktion«, die Blutsachen, 
waren ihm ausschliesslich vorbehalten, doch so, dass er 
hierin fürsorglich beschränkt war durch den Stadtrat. 
Diesem lag es ob, die Voruntersuchung über den angeb- 
lichen »Malefizfall« anzustellen und eingesessene malefizische 
Bürger einzukerkern; Fremde zu incarceriem war auch 
den Reichsvogteibeamten gestattet. Der Stadtrat Hess den 
Vogt durch den Reichsschultheissen von dem Malefizfall 
informieren, er bestimmte den »Malefiztag« und besetzte 
das Gericht mit den bürgerlichen Schöffen. Vor diesen 
trat der Reichsvogt als Ankläger auf; er führte den Vor- 
sitz und hielt die »Umfrage«. Der Urteilsspruch der Schöffen 
war bindend für ihn bei der Vollziehung des Urteils und 
der Vollstreckung der Strafe. In Münster scheint der 
Vogt das ^Stabhalten und die Umfrag« gewöhnlich seinem 
Unter vogt daselbst überlassen zu haben. Auch bei der 
Konfiskation von Hab und Gut der malefizisch Verurteilten 
war der Vogt durch »das Erkenntnis von Rat und Schöffen«, 
sowie durch Zwing und Bann seines Amtsbezirkes ein- 
geschränkt. 

Die »niedere Gerichtsbarkeit«, die Civiljurisdiktion, war 
ausschliesslich Sache des vom Vogte bestellten Schultheissen, 
welcher aus den Bürgern der Gemeinde genommen werden 
sollte. 

Das Schultheissenamt und Gericht zu Kaysersberg 
bildete die Appellinstanz für die Bürger von Ammersch- 

') Vgl. Kolm. Bez.-Arch. Liassc 7 nr. 18—25, Beschwerden der 
Reichsvogtei gegen die Stadt Kaysersberg: >Die Reichsleute von Nieder- 
morschweier und Winzenheim beschweren sich, nachdem sie zum Schloss 
Kaysersberg mit Fron und Wachen, wie auch die von Ammerschweier, 
gehcirig, und da sie ihre mißthätigen Reichsbürger, so mit dem Thurm 
abgestraft werden, auf die Burg zu Kaysersberg neben der Stadtmauer durch 
die 2 hiniern Thüren führen sollen, daß die Thüren meist verschlossen sind 
und daß der Zugang mit Dornen und Gebüsch ganz verwachsen ist, sodaß 
die Gefangenen kaum mehr auf diesem Wege eingeliefert werden können.« 



250 



Becker. 



Münsterthal mit Erfolg geltend machten, zu hemmen und 
zu unterdrücken, wurde den Vögten eingeschärft, strenge 
darauf zu achten, dass »durch die Prädikanten und Seel- 
sorger das Wort Gottes im Sinne der katholischen Kirche 
verkündet würde, dass alle verführerischen Lehren und 
Sekten ausgetilgt und die Unterthanen bei den alten christ- 
lichen Kirchengebräuchen erhalten würden.« 

Die Besoldung des stellvertretenden , amtierenden 
Vogtes zu Kaysersberg war dem Vogteiinhaber anheim- 
gestellt. Erzherzog Ferdinand wies 1566 seinem Untervogt 
Wilhelm Wellinger 200 rheinische Gulden als jährlichen 
Amtssold auf das Zinsmeisteramt zu Hagenau an. Als 
Beinutzung bewilligte er ihm 2 Fuder Heu, 8 Sester Salz, 
je 2 Sester Erbsen und Bohnen, 6 Käse und den not- 
wendigen Hafer. Auf Geschäftsreisen innerhalb der Vog^ei 
sollte er täglich 20 Kreuzer, ausserhalb seines Amtsbezirkes 
24 Kreuzer beziehen*). 



*) Einer der pfälzischen Vögte zu Kaysersberg bezog im 15. Jahrb. 
31 S» 5 |S an Geld, 22 Viertel Roggen, 4 Viertel Gerste, 40 Viertel Hafer, 
2 Fuder Wein und i Fuder Gesindewein und Salz, Käse, Erbsen, Bohnen 
und Heu, wie oben. Kolm. Bez.-Arch. Liasse 5. 



2^2 Bossert. 

Fürst etliche Gelehrte über den lutherischen Büchlein 
sitzen, ein Verzeichnis der ärgerlichen Schriften fertigen und 
diesen Index librorum prohibendorum auf Martini künftig 
dem Reichstag überantworten lassen. Das Kapitel beauf- 
tragte Michel von Düren und den Sänger Philipp von 
Flersheim mit dieser Arbeit. Aber geholfen war mit dem 
Index nicht. Der Reichstag hatte bald Wichtigeres zu 
thun, als sich damit zu beschäftigen *). 

Endlich hatte Kardinal Campegius auf dem Regens- 
burger Konvent eine gute Anzahl Reformen beschliessen 
lassen, aber sie waren völlig ungenügend. Der Bischof 
hatte sich auch nicht an dem Konvent beteiligt, sondern 
nur Abgeordnete hingeschickt 2). Was der Konvent be- 
schlossen hatte, Hess er der Herbstsynode 1524 mitteilen, 
um es den Pfarrern und den Ruralkapiteln bekannt zu 
geben. Aber es fehlte an der Kraft zur strengen Durch- 
führung der Beschlüsse. 

Von Tag zu Tag machte sich die sinkende Macht der 
alten Kirche fühlbar. Der Glaube an ihre Gnadenherr- 
lichkeit schwand dahin. Man begehrte ihre Gnaden nicht 
mehr wie früher. Die Freude an den Schätzen der Kirche 
und der Schönheit ihrer Gottesdienste nahm sichtlich ab. 
Die fromme Scheu vor den heiligsten Geheimnissen der 
Kirche und ihrer Wundermacht, welche den Lebenden in 
die Hölle verdammen, die Toten aus dem Fegfeuer in den 
Himmel versetzen konnte, die Angst vor dem Bann war 
überwunden. Die stärksten Machtmittel der Kirche waren 
morsch und brüchig wie ein angebrannter Faden. Ihre 
scheinbar auf ewig unantastbaren, geheimnisvoll geweihten 
Rechte und Besitztümer glichen dem Schnee an der 
Sonne. Lange ehe die Bauern mit Faust, Kolben, Spiess 
und Schwert drein schlugen, griffen die weltlichen Herren 
in Recht und Besitz der Kirche ein, und sie erwies sich 
ohne den Bann als völlig hilf- und wehrlos. 

Überaus überraschend ist, wie schon 1521 die Andacht 
und die Freude am Gottesdienst, in welchem doch die 
mittelalterliche Kirche ihre höchste Kraft und ihren vollen 
Schönheitssinn entfaltet hatte, ganz entschwunden war. 

1) P. 98. - 2) Geisse!, Kaiserdom 2, 167. 



254 



Bessert. 



der neuen Kapelle in den Turm zu den andern Glocken 
zu hängen *). Die Messen am Ölberg durften, um die Messe 
im Domchor nicht zu stören, erst nach der Elevation dort 
beginnen«). 

Das Bild, das die Protokolle ergeben, wird durch die 
Synodalrezesse des Bischofs vollauf bestätigt. Das Lesen 
der lutherischen Büchlein verschuldet, klagt der Bischof 
am 13. Mai 1522, ut innumerae psallentium chori confu- 
siones audientium scandala et ofFendicula plerumque obo- 
riantur, adeo . . distractos, ne dicamus, phanaticos et phan- 
tasticos homunciones esse, ut inchoandi a sese vel psalmi 
vel an tiphone vel responsorii obliviscantur^). 

Noch ergreifender sind die Worte des Hirtenbriefs vom 
19. April 1524, wo der Bischof von den Diözesangeistlichen 
sagt: officium divinum inordinate peragunt et dissolute . . 
horas canonicas dicunt et psallunt transcurrendo, symo- 
pando (?) et plerumque vana et, quod deterius est, derisiones 
et contumelias confratrum suorum et scuniles sermones 
etiam in ecclesia intermiscendo facientes domum domini 
speluncam latronum et tarde ad ecclesiam conveniendo 
aut ecclesiam ipsam ante finem officii sine rationabili causa 
exeundo*). Die jungen noch nicht geweihten Herren von 
Adel, die als Inhaber von Domhermpfründen noch die 
Schule besuchten, kamen in kurzer Kleidung, das Messer 
an der Seite, liefen aus dem Chor, wenn es ihnen gefiel, 
setzten sich in die Stühle der Domherren und vergassen alle 
Höflichkeit und Ehrfurcht gegen die Priester, besonders auch 
gegen die Alten '^). Andere Geistliche brachten ihre Hunde 
mit, die mit Bellen und Heulen die heiligen Handlungen 
störten 6), während sie den Bürgern die Nachtruhe beein- 
trächtigten, so dass der Rat beschloss, alle freilaufenden 
Hunde bei Nacht töten zu lassen 7). 

Immer wieder wird dem Domdekan fleissige Aufsicht 
im Gottesdienst und Bestrafung des Lassigen zur Pflicht 
gemacht, besonders dem neuen Dekan Joh. von Ehrenberg 
bei seinem Amtsantritt, aber der Schlendrian blieb »). Es 

») P. 121. — *) P. 51. — ») Lib. proc. syn. 57 fF. ~ *) Lib. proc 
synod. 71 fF. — *) P. 106, 116. — «) Canes secum ducendo, qui frequenter 
latratu et ullulatu diviDa conturbant ofticia. Lib. proc. syn. 71. — ") P. 87. 
10 April 1524. — s) P. 14, 28. 47. 



256 Bessert. 

am Tag der unschuldigen Kindlein gefeierte Kinderfest 
mit Tanz und Schmaus, den sog. »Bischöfe ^). Immer kehrte 
die Frage wieder, ob man die Feier nicht wenigstens zeit- 
weilig einstellen sollte. Man hatte zwar Stiftungen zur 
Bestreitung der Kosten, aber die Kosten waren stark, da 
sich besonders die Beamten des Stifts, das Gesinde der 
Geistlichen und die für sie arbeitenden Handwerksleute 
herzudrängten und sich einen guten Tag machten, während 
andere, besonders in späteren Jahren, die Feier lächerlich 
fanden. Wohl hielt man auch noch ausserordentliche 
Gottesdienste und machte neue Stiftungen zu solchen. So 
beschloss man anfangs November 1521 im Blick auf 
die gefahrliche Zeitlage, die Türkengefahr, die Irrungen 
mit der Pfalz, den Widerwillen des Volks gegen die Geist- 
lichkeit ein »Singenamt« zu halten und die gesamte Geist- 
lichkeit »zu besonderer Andacht zu ermahnenc*). Als im 
Januar 1524 das Hochwasser grossen Schaden anrichtete, 
hielt man allenthalben in der Rheingegend Prozessionen. 
Die Geistlichkeit der Bischofsstadt konnte nicht zurück- 
bleiben, man hielt es aber für angezeigt, sie wieder »zu 
besonderer Andacht zu ermahnen««). Aber man wagte 
nicht mit der Prozession, wie sonst, vom Dom durch die 
ganze Stadt zum S. Widenberg zu gehen, um nicht den 
Spott der Bürger zu reizen, sondern beschränkte sich auf 
den Umzug im Dom. 

Zur Förderung der Andacht wünschte der Senior des 
Kapitels, Herr Hans Kranich von Kirchheim, nach dem 
Vorbild von Mainz »die vier Passionen mit Melody« von 
drei Sängern in der Fastenzeit vorgetragen zu sehen, und 
stellte dazu die nötigen Mittel zur Verfügung*). 

So wohl gemeint diese Stiftung war, sie konnte den 
Zeitgenossen das, was einst den mittelalterlichen Gottes- 
dienst beseelte, die begeisterungsvolle Hingabe an Gott 
und den Glauben an die Verdienstlichkeit des Gottes- 
dienstes nicht geben. Noch weniger war es dem Kapitel 
möglich, die nötige Anzahl von Personen zum Gottesdienst 
stets bereit zu halten, da viele Mitglieder, die im Besitz 

1) Schon am 5. Dezember 1522. P. 50. — •) P. 23 ff. — •) P. 77. — 
*) P. 86. Das Kapitel verlangte für jeden Sänger bei jedem Vortrag xwei 
Albus und für die Chorgeistlichen ebenso viel. 



258 Bessert. 

in die heftigste Erregung, wenn sich Geistliche Ungehörig- 
keiten erlaubten. Das sollte ein junger adeliger Rowdy 
in der Würde eines Domherrn erfahren. Es war dies 
Pallas von Oberstein, der seinen jugendlichen Übermut 
seit 22. August 152 1 wiederholt an Bürgern, besonders 
seinen Gläubigern, ausliess, sie mit seinen Genossen nächt- 
lich auf der Strasse überfiel und lahm schlug, auch sie 
z. B. bei einer Schlittenfahrt beschimpfte und dem Gold- 
schmid Valentin Knobloch seinen Rock abnahm. Nun 
rotteten sich die Bürger zusammen und lauerten anderen 
heimkehrenden Geistlichen auf, schlugen einen Joh. Pelli- 
ficis mit einer Bleikugel zu Boden und prügelten ihn so 
lange, bis sie bemerkten, dass er nicht der Mann war, 
den sie suchten. Einen andern Kon. Faber jagten die 
Bürger zweimal durch die Strassen und schlugen ihn >). 
Pallas selbst fühlte sich im August 1524, nachdem er zum 
zweiten Mal mit dem Goldschmid zusammengeraten war, 
in Speier unsicher und wollte sein Kanonikat vertauschen 
oder ganz darauf verzichten. Das Kapitel aber gab ihm 
nur Urlaub, bis der Handel rechtlich ausgetragen war und 
das Wetter sich verzogen hatte «). 

Aber schon im folgenden Jahr wurde der angesehene 
Domherr Thomas von Rosenberg, ein naher Verwandter 
der beiden letzten Bischöfe, am 14. April zum dritten Mal 
von Fritz Mörderlin am Pfaffeneck mit bösen Worten und 
gewehrter Hand überfallen und mit Schlägen bedroht, 
ohne sich bewusst zu sein, ihn gereizt zu haben*). Noch 
weiter kam es am 10. August 1524, da die Polizei sich 
gestattete, bei Nacht den Sechspfründner Mich. Fabri auf 
dem Heimweg zu verhaften und vor den Bürgermeister 
zu fuhren, der ihm das Versprechen, der Vorladung vor 
die bürgerliche Obrigkeit Folge zu leisten, abnahm*). 

Andererseits weigerten sich jetzt Bürgermeister und 
Rat, den weltlichen Arm zum Vollzug der bischöflichen 
Gerechtigkeit zu leihen und die Stadtpolizei zur Verhaftung 
von strafbaren Geistlichen herzugeben. Bisher hatten die 
Ratsdiener auf Antrag des Generalvikars Geistliche in 



^, Ihm hatte auch ein anderer Geistlicher etwas an die Hansthüre 
geschrieben. — -) P. 20, 23, 30, 44. — ') P. 55. — *) P. lOI. 



26o Bessert. 

trotzte. Vikar Albrecht hatte im Zorn den Dabuntur- 
zettel*) in der Sakristei abgerissen, weil er sich verkürzt 
glaubte. Eine Suspension auf einen Monat witzigte ihn, 
dass er seinen Pflichten fleissig nachkam 2). 

Recht bezeichnend ist der Fall des Domvikars Jakob 
Beringer, den wir noch später als Anhänger des neuen 
Glaubens kennen lernen. Er hatte am 8. Februar 1524 in 
der Vigilie durch Schwatzen und Schreien die Geistlichen 
im Singen gestört. Der Distributor Hans Rod stellte ihn 
zur Rede und schlug ihm das Vigiliengeld ab. Beringer 
schalt trotzig über Rod und das Kapitel. Zur Strafe 
wurde er suspendiert. Die beiden Bürgermeister aber ver- 
wandten sich für ihn um Erlassung der Strafe. Das 
Kapitel erfuhr jetzt, dass Beringer den gemeinen Mann 
aufhetze, indem er vorgab, er sei wegen seines Verkehrs 
mit Laien suspendiert. So sehr dies Vorgeben erbitterte, 
so wenig wagte das Kapitel die Bürgermeister abzuweisen, 
man stellte ihnen für später eine Berücksichtigung ihrer 
Fürsprache in Aussicht und beschied Beringer am 18. Februar 
vor das Kapitel. Hier hielt man ihm seine Äusserungen 
vor und bedrohte ihn mit schwerer Strafe, erliess ihm aber 
jetzt die Suspension s). 

Ein trotziger Geist war auch der Pfarrer zu S. Jakob, 
der, wie wir oben erwähnt haben*), dem Kaplan des 
Weihbischofs Engelbrecht seine Pfarrei abtreten wollte, 
obgleich er des Luthertums verdächtig war. Als aber 
das Kapitel den Kaplan zum zweiten Mal abwies, drohte 
der Pfarrer, die Pfarrei »apostolice« zu resignieren, so dass 
sie in einem Papstmonat erledigt wurde und das Kapitel 
um sein Ernennungsrecht betrogen war, da dann der 
Papst die Pfarrei vergab. Als aber das Kapitel mit seiner 
Entrüstung über diese Drohung nicht zurückhielt, gab 
der Pfarrer klein bei und wollte keinen Kandidaten mehr 
vorschlagen, der diQ Pfaff heit und den gemeinen Mann in 
Widerwillen gegen einander bringen könnte, und blieb 
jetzt in seinem Amt 5). 



1) Wohl das Verzeichnis der Gehaltsteile, die jedem für seine Leistungen 
zukamen. — «) P. 51, 53- - ^) P- «^ «2. — *) S. 79. — *) P- "4- 



262 Bessert. 

Bisher haben wir gesehen, wie die Macht und Auto- 
rität der Kirche in kirchlichen Dingen gesunken war. 
Aber nun haben wir klare Beweise, wie auch ihre Macht 
in weltlichen Dingen, besonders in ihrem Besitz und Ein- 
kommen aufs äusserste bedroht war, wie kein einziger 
Stand, seien es Städte oder Fürsten, sich irgendwie scheute, 
die Mittel der Kirche, wo er konnte, für sich zu bean- 
spruchen. Das war möglich, weil dem Arm der Kirche 
der Nerv durchschnitten und ihr die Waffe für zeitliche 
Angelegenheiten entrissen war, vor der bisher die Geister 
gezittert hatten. Die Kirche hatte ihre Schlüsselgewalt 
nicht zum wenigsten zum Schutz ihres Reichtums an- 
gewendet. Luther klagt über des Papstes Tyrannei, »der 
des Bannes missbrauchet hat, auch wenn ein armer Mann 
auf einen gewissen und bestimmten Tag nicht hat alsbald 
können bezahlen«»), und Eberlin schreibt in seinem kurzen 
schriftlichen Bericht des Glaubens an die Ulmer: Für die 
straff der offnen sünder ist des statknechts geschray vor 
oder in der kirchen, auch die bannbrief vmb hallerschuld, 
vmb faßnachhöner vnd Martins genß*). 

Hiegegen hatte sich schon Friedrich Reiser in der 
»Reformation des Kaisers Sigismund« gewandt und gelehrt: 
Man soll Niemand um Geldschuld bannen 8), und in seiner 
Schrift »An den Adel deutscher Nation« hatte Luther 1520 
als vierten Beschwerdepunkt die gräuliche Schinderei der 
Officiale gekennzeichnet, die sich nur um Glaubenssachen 
und gute Sitten annehmen sollten, was Geld, Gut, Leib 
und Ehre betreffe, aber den weltlichen Richtern belassen. 
Darum soll die weltliche Gewalt das Bannen und Treiben 
nicht gestatten, wo es nicht Glauben oder gutes Leben 
betrifft. »Geistliche Gewalt soll geistlich Gut regieren, . . 
geistlich Gut ist aber nicht Geld noch leiblich Ding*)«. 

Nun lesen wir zum grössten Staunen im Protokoll des 
Domkapitels vom 23. Juli 1521, es entstehe viel Klage 
und Nachrede aus dem, dass die Armen auf dem 



*) Tischreden. Erl. Ausgabe von Luthers Werken 59, 171 Nr. 1232. 
— 2) Eberlins sämtliche Schriften, Band 2, 187 (Neudrucke deutscher Lit. 
Werke 170 172). — •) Vogt, Vorgeschichte des Bauernkriegs, S. 79. — 
*) Luthers Werke. Weim. A. 6, 430. Benraths Ausgabe in den Schriften 
des Ver. f. Ref. G. 1884, S. 33. 



264 Bessert. 

lieh verbrieft und versiegelt worden war*). Man wird 
annehmen dürfen, dass das Protokoll vom 25. Juli die 
Grundzüge des Vertrags wieder giebt, dessen Annahme 
und Durchfuhrung nicht ohne Schwierigkeiten vor sich 
ging. Wir hören aber am 4. November 1521 von schweren 
Sorgen des Domkapitels, es bestanden Irrungen zwischen 
der Pfalz und dem Bischof, von welchen man des Stiftes 
Verderben befürchtete, wenn sie nicht auf leidlichem Weg 
beigelegt werden konnten 2). Es liegt nahe, bei diesen 
Irrungen, deren Ursache nicht näher angegeben ist, an 
die Frage des Bannes und der Geltung des geistlichen 
Rechtes zu denken, gegen dessen Annahme man sich von 
Seiten des Bischofs und des Domkapitels möglichst lange 
zu wehren gesucht haben wird, weil man die Gefahr für 
die Einkünfte der Geistlichkeit nur zu gut kannte. Anderer- 
seits musste man fürchten, mit der Weigerung der An- 
nahme des Vertrags die Pfalz auf die Seite der Pfafifen- 
feinde zu treiben, war doch Franz von Sickingen lange 
genug in Gunst bei dem Kurfürsten Ludwig gestanden. 
Doch wurde die Annahme des Vertrags von Seiten des 
Domkapitels erst möglich, nachdem der Bischof in einem 
Revers dem Kapitel die feierliche Versicherung gegeben 
hatte, er werde seinen Amtleuten befehlen, die Unter- 
thanen zu pünktlicher Entrichtung ihrer Schuldigkeiten 
anzuhalten, sonst würde der geistliche Prozess mit dem 
Bann wieder in Anwendung kommen 3). Ahnliche Zu- 
sicherungen werden dem Bischof auch von Seiten der Pfalz 
gemacht worden sein. 

Nunmehr zeigte es sich bald, dass die Einschränkung 
der Schlüsselgewalt der Kirche auf das geistliche Gebiet 
und die Entziehung des weltlichen Arms für den Vollzug 
des Banns ihre Machtherrlichkeit bis in die letzten Grund- 
lagen erschütterte. Ohne die Schrecken des Fegfeuers 
und der Hölle und das Schwert der weltlichen Obrigkeit 
war die mittelalterliche Kirche jetzt hilflos geworden. 
Schon am 2. Juni 1522 erheben die Stifte zu Allerheiligen, 
S. Germanus und S. Guido heftige Klage über die Folgen 

*) ^' 35' Die wichtige Urkunde ist noch nicht wieder aufgefunden. — 
2) P. 23. — ») P. 90. 



266 Bessert. 

ZU dem Wunsch, am Karfreitag sollten die Stiftsherren 
ihre Aktus in eigener Person thun'). 

So richtig die in dieser Mahnung liegende Erkenntnis 
war, so gewiss die kurpfälzische Regierung einen poli- 
tischen Scharfblick für die Zeitlage und ein Verständnis 
für die veränderten Anschauungen des Volkes bekundete, 
als sie die reinliche Scheidung von geistlichem und welt- 
lichem, kirchlichem und bürgerlichem Recht durchsetzte, 
so wird man doch ihren Schritt als halbe Massregel 
beurteilen müssen, die zum Unrecht wurde. Man hatte 
einen reformatorischen Gedanken Luthers verwirklicht, das 
Volk musste den Bann und den ganzen geistlichen Prozess 
jetzt als »unbilliges Bedrängen« auffassen, aber der andere 
reformatorische Gedanke, der das positive Gegengewicht 
bilden musste, die Lehre vom Gehorsam gegen die Obrig- 
keit, auch vom leidenden Gehorsam selbst gegen eine 
andersgläubige Obrigkeit, vom Gehorsam in zeitlichen 
Dingen blieb der Menge noch zu fern. Man sorgte nicht 
für evangelische Predigt, die nur ohne oder gegen den 
Willen der Obrigkeit ihr Dasein fristete. Indem man das 
bisherige Recht der mittelalterlichen Kirche durch den 
Vertrag aufhob und mit all seinen dogmatischen Voraus- 
setzungen als Unrecht hinstellte, ohne für wirkliches Ver- 
ständnis der evangelischen Grundsätze Sorge zu tragen, 
schuf man eine Quelle von unsäglichen Beeinträchtigxingen 
der altkirchlichen Körperschaften und bereitete den Boden, 
auf dem der Bauernkrieg die Fahne angeblicher evan- 
gelischer Freiheit entfalten musste. 

Die Folgen des Vertrags äusserten sich immer stärker. 
Das Einsammeln der Einkünfte der geistlichen Körper- 
schaften wurde ein schwieriges und gefahrliches Geschäft. 
Schon im Jahr 1523 wollte der Rechner der Präsenz 
(Präsenzbereiter) Hans Feist nach dem im Sommer und 
Herbst 1522 gemachten Erfahrungen nicht mehr auf das 
I^nd hinausreiten, um in diesen gefährlichen Läufen die 
Schuldigkeiten einzuziehen. Denn er fürchtete Schläge, 

*) P. 90. Für die Karfreitagsfrage ergiebt sich aus unserer Stelle, dass 
i) iu Speier der Karfreitag gefeiert wurde, 2) dass diese Feier in hohem 
Ansehen gestanden sein muss, da auf persönliche Beteiligung der Stiftsherren 
grosser Wert gelegt wird. 



268 Bessert. 

einer Mahnung des Bürgermeisters berief sich Zuckmesser 
auf den Rechtsweg i). Angesichts dieser Beeinträchtigung 
durch die Speirer Bürger forderte die streng konservative 
Partei in der Herbstkongregation wiederum die Anwendung 
des geistlichen Rechts und des Bannes wenigstens gegen 
die »Fürnehmsten«, also gegen die Führer des Volks, aber 
das Kapitel sah die Nutzlosigkeit dieses Weges ein und 
wollte es noch mit Mahnung durch die Amtleute ver- 
suchen 2). Allein diese sollten nur zu bald erfahren, wie 
wenig sie galten. Der Pedell des Kapitels stellte den 
Säumigen Monitorien zu, erntete jedoch dafür von einigen 
Bürgern böse Worte, so von Nik. Schäfer und Mich. 
Bader. Nik. Strohans aber warf die Monitorien des Pedells 
auf dem Markt zu Boden und rief ihm zu: Man muss 
einmal einen Pfaffen schlagen, dass ihm das Blut über die 
Ohren läuft»). 

Klagen bei Rat und Bürgermeister halfen nichts bei 
der erregten Stimmung der Bürgerschaft, der Rat selbst 
riet zur Anwendung des geistlichen Rechts gegen die 
Widerspenstigen. Aber als man den Bann aussprach, 
wurde er verlacht. Gerade zum Trotz gingen die Ge- 
bannten zur Kirche. Eine feierliche Abordnung von zwei 
Domherren an den Bürgermeister konnte nur die Unmög- 
lichkeit der Abhilfe feststellen. Schon zogen sich die 
Wetter des Bauernkriegs zusammen*). 

Neben Speier ist es besonders die Reichsstadt Ess- 
lingen^), welche dem Kapitel grosse Sorgen und Schwierig- 
keiten bereitete. Hier besass das Domkapitel seit 1213 
die Kirche samt dem Zehnten. Dieser Besitz galt dem 
Kapitel mit Recht als ein besonderes Kleinod und bildete 
eine seiner reichsten und sichersten Einnahmequellen. Das 
Kapitel hatte sich auch bestrebt, mit der Reichsstadt auf 
gutem Fuss zu stehen und den Rat bei guter Laune zu 
erhalten, weshalb man ihn alljährlich zu einem grossen 
Gastmahl in des Kapitels Zehnthof lud, den ein Speirer 
Geistlicher als Pfleger verwaltete. Auch gebot es die 



») P. 100, loi. 6. u. II. Aug. — 2) p. 106, 109. 3. u. 7. Nov. — 
') P. 112. 9. Dez. — *) P. 119. 14. Febr. — *) Landau übergehe ich hier, 
da es im Protokoll des Domkapitels keine besondere Rolle spielt und seine 
Geschichte eine besondere Darstellung verdient. 



270 



Bossert 



je 25 — 27 ff ertragen, jetzt höchstens 17 — 18 ff, im ganzen 
statt früher 120—130 ff Opfer 60 ff'). Vom Opfer der 
K aplane in den Nebenkirchen hatte der Pfarrer früher 
60 — 70 ff erhalten, jetzt nur noch 18 ff und etliche 
Schillinge. Der Obstzehnten, zu dessen Einsammlung 
Sattler einen Knecht brauchte, hatte 1522 statt 24 — 25 Ä 
nur 2 ff 5 /J ertragen. Auf den kleinen Feldzehnten wollte 
er verzichten, damit er keine Kosten mehr davon habe, 
da er zwei Knechte für diesen Zehnten brauche. Seine 
vier Helfer, von denen ihn einer auf der Kanzel so gut 
vertreten könne, als wäre er selbst anwesend, wollten 
wegen zu geringer Belohnung aus Esslingen fort«). Eine 
Hauptschuld an den Verlusten der Pfarrei sollte der 
Mesner tragen, der sich ungeschickt halte, wie der Pfleger 
berichtete, und mit seinem Anhang es dahin bringe, dass 
die Opfer und Begängnisse der Toten fastf abgehen, und 
überhaupt thue, was dem Pfarrer leid sei. Zur Strafe hatte 
der Pfleger ihm den halben Eimer Wein, den er sonst vom 
Kapitel bekam, vorenthalten, aber der Rat, bei dem der Mes- 
ner wegen Verkürzung klagte, verlangte für den Glöckner 
(Mesner) den Wein»). Kaum hatte man dem Pfarrer 
Anfang 1524 80 fl. zugelegt, um auch seine Kaplane zu- 
frieden zu stellen, so forderte er Ende 1524 wieder weitere 
100 fl., da er nur fünf Fuder Wein im Herbst erhalten 
habe*). Daneben brachte er auch eine Klage über den 
Kaplan des Markgrafen Philipp von Baden vor, der kein 
anderer war als Franz Irenicus. Der Markgraf war seit 
3. Oktober beim Reichsregiment in Esslingen»). Irenicus 
begann nun, im Augustinerkloster zu gleicher Zeit mit 
Sattler zu predigen, und zog das Volk aus der Pfarrkirche 
in die Klosterkirche. Das war gegen das Herkommen 
und die Privilegien des Kapitels. Darauf hatte Dr. Rib- 
eisen, der rechtsgelehrte Vertreter des Bistums Speier 



*) über Abnahme der Oj)fer klagte auch der Pfarrer von Barbdrod 
24. Nov. 1524. P. III, und der von Heideisheim i8. Febr. 1524, der zum 
Ersatz 18 fl. bekam. P. 82. — ^) P. 62. — ') Dieser Mann war wohl Hans 
Schenk, Mesner zu U. L. Fr., der später zu den Täufern hielt. Gayler, 
Denkwürdigkeiten der Stadt Reutlingen S. 30 1. Er musste ein Geistlicher 
sein. — *) P. 48. — *) Förstemann, Neues Urkundenbuch S. 219. Keim, 
Esslinger Reformationsblätter S. 14. 



272 



Bessert. 



sich darauf, für Esslingen einen gewandteren . und ener- 
gischeren Pfleger zu suchen und im Herbst einige Mit- 
glieder des Kapitels nach Esslingen zu schicken, um selbst 
Aufsicht zu führen, auch die gewohnten Schenkungen 
nicht zu unterlassen *). Diese Beschlüsse waren das Ergeb- 
nis der verzagten Stimmung in der Generalkongregation 
am 16. April 1523. Diese aber war kaum der Nieder- 
schlag der verzagten Stimmung der Bischöfe auf dem 
Reichstag zu Nürnberg Mitte März infolge des geringen 
Erfolgs der Altgläubigen in den Reichstagsverhandlungen ■), 
sondern der Ausdruck der Angst vor dem ungewissen 
Ausfall des Feldzugs gegen Sickingen, der jetzt seiner 
Entscheidung nahte. Die Esslinger wurden durch die 
Schwäche und Nachsicht des Kapitels nur ermutigt, in 
ihren Eingriffen weiter zu fahren. Es half auch nichts, 
als man im Herbst Simon von Liebenstein und Oswald 
von Grumbach nach Esslingen schickte, um des Kapitels 
Rechte zu schützen. Die Herren hatten »Mängel und 
Gebrechen« genug in Esslingen beobachtet, aber ein Mittel 
zur Abhilfe wusste das Kapitel nicht. Man begnügte 
sich, Oswald von Grumbach mit einem schriftlichen Bericht 
zu beauftragen, der sich vielleicht später bei einer Klage 
verwenden liess®). 

Die Hilflosigkeit des Kapitels lag jetzt schon klar zu 
Tage und sollte sich noch steigern. Hatten wir bisher bei 
Bürgern und Bauern in den Dörfern und Städten beob- 
achtet, wie alle Furcht vor dem Bann und alle Achtung 
für den kirchlichen Besitz dahin geschwunden war, so 
lässt sich dasselbe aucb beim Adel hoch und nieder bis 
hinauf zu den höchsten Reichsfursten beobachten. Ja 
selbst die geistlichen Körperschaften fragten nichts 
nach dem Recht ihrer Genossen. Der Abt von Herrenalb 
gestattete sich 1523 Eingriffe in den Zehnten des Dom- 
kapitels zu Loffenau und Bernbach*), woraus ein langer 
Streit entstand*^). Endlich bestellte man ein Schieds- 
gericht von vier Teidingem, die keinen andern Rat 

») P. 55. 16. April. Man machte den Pfleger Hans Vok persönlich 
verantwortlich für das, was in der Zeit lag. — *) Förstemann a. a. O. 
S. 159. — •) P. 69. 4. Sept. P. 72. 4. Nov. — *) Württemb. Obenmt 
Neuenbürg. — *) P. 55. 15. April 1523. 



274 



Bossert. 



des Kaisers, war in seinem neuerworbenen Herzogftum 
Württemberg keineswegs geneigt, der kirchlichen Gerichts- 
barkeit Einräumungen in seiner Politik zu machen, und 
wusste den Besitz der Kirche als wertvolles Steuerobjekt 
für seine Geldbedürftigkeit zu benützen. Das tritt in dem 
Verhältnis Ferdinands zur Jurisdiktion des Bischöfe von 
Konstanz deutlich hervor*). Für das Bistum Speier findet 
sich bis jetzt nur ein Punkt, wo die Interessen des Spaniers 
mit denen der Geistlichkeit zusammenstiessen. Das war 
bei dem sogenannten Huttischen oder Friedgeld, das die 
Geistlichkeit Württembergs seit dem bösen Hutten'schen 
Handel zahlte. Die Ermordung des Hans von Hutton 
hatte sämtliche Feinde des Herzogs Ulrich zusammen- 
geführt, der Fortbestand des Hauses Württemberg war 
bedroht. Da hatte sich die Geistlichkeit nach dem Blau- 
beurer Vertrag herbeigelassen, dem Herzog in seiner 
höchsten Not eine Steuer zu gewähren, um sich die Familie 
Hütten vom Hals zu schaffen und seiner Gegner sich zu 
erwehren. Nunmehr aber war der Herzog verjagt, die 
Ansprüche der Familie Hütten befriedigt. Der Zweck, zu 
welchem die Steuer bewilligt war, bestand nicht mehr. 
Trotzdem erhob die Regierung Ferdinands dieses nur ad 
hoc verwilligte Geld jetzt als eine Steuer, womit sich die 
Geistlichkeit den Frieden und Schutz der österreichischen 
Regierung erkaufte*). Im Jahr 1522 forderte das Rural- 
kapitel Vaihingen als Mittelbehörde das Friedgeld auch 
von der dem Domkapitel zustehenden Pfarrei Horrheim 
im Betrag von 2^/2 fl.^). 

Ganz besonders unbedenklich verfuhr Kurfürst Ludwig 
mit Recht und Besitz des Bistums Speier, obwohl sein 
Bruder Bischof zu Speier war und ihm seine Stellung als 
Schirmherr des Hochstifts schonende Pflichten und Rück- 
sichten aufzulegen schien. Aber gerade das Schirmrecht 



I) Vgl. meine Studie »Die Jurisdiktion des Bischofs von Konstanz 
1520 — 1529s Württcmb. Vierteljahrshefte für Landesgeschichte N.F. 2, 260 ff. 
— ') Herzog Ulrich und seine Nachfolger traten als gelehrige Schüler in die 
Fusstapfen Ferdinands. Sie forderten das Friedgeld nicht mehr von evan- 
gelischen Pfariem, aber von allen katholischen Geistlichen, die noch im 
Genuss von Pfründen standen, bis der letzte gestorben war, wie die Kirchen- 
kastenrechnungen beweisen. — •*) P. 30. 31. Jan. 1522. 



276 Bossen. 

eines Hilfsgeldes für diesen Zug die ganz gerechtfertigte 
Sorge, die Schirmeinung könnte den Finanzen des Hoch- 
stifts höchst nachteilig werden, da für Entrichtung des 
Hilfgelds weder ein Termin, wie lange es zu geben war, 
noch ein Masstab, wie hoch es sich belaufen sollte, fest- 
gestellt war. Die pfälzische Politik konnte Kriegsvolk 
länger behalten, als es für die Sicherheit des Hochstifts 
nötig war. Auch fürchtete das Kapitel mit vollem Recht, 
fortan könnte der Kurfürst für jede Fehde, auch wenn sie 
das Bistum nicht berühre, Hilfsgeld fordern *). Man ahnte 
ganz mit Recht die Gefahr, künftig ganz von der Politik 
der Pfalz abhängig zu werden. Das Hochstift Speier 
konnte in völlige Abhängigkeit von der Pfalz geraten. 
Es war kein übler Schachzug, dass das Domkapitel die 
zuerst geforderten 1200 fl. und 600 Malter Korn, welche 
für seine Mittel nicht zu viel waren, nur als freiwilliges 
Geschenk, nicht als Schuldigkeit entrichtete, während es 
die Forderung von Wein und Haber ablehnte ■). Aber es 
war hart, unter Androhung der Ungnade des Kurfürsten 
im Mai 1523 noch 1000 Malter Haber, 400 Malter Korn 
und 24 Fuder Wein zu fordern ») mit der Begründung, die 
Geistlichkeit sei von der Landschatzung d. h. der Be- 
steuerung ihrer Güter im pfälzer Gebiet frei geblieben, 
während die Geistlichkeit doch zur Bestreitung des hoch- 
angelaufenen bischöflichen Hilfsgeldes dem Bischof einen 
Zehnten entrichten musste und ihre eigenen Zinse und 
Gülten nicht sicher einbringen konnte, weil sie der Schirm- 
herr nicht genügend unterstützte*). Das Widerstreben des 
Kapitels gegenüber der neuen hohen Forderung ist nur 
zu verständlich. Aber es wagte doch nicht geradezu, sie 
abzuweisen, sondern schickte Bevollmächtigte ins Lager 
vor Nanstul, wo auf der einen Seite die gewaltige 
Kriegsrüstung mit der Aussicht auf den nahen, die Geist- 
lichkeit von einem Alpdruck befreienden Erfolg, auf der 
andern Seite der Hinweis des pfälzischen Hofmeisters auf 
die Ungnade des Kurfürsten nicht ohne Eindruck blieb. 
Vollends konnte man sich der bittem Wahrheit nicht ver- 



») P. 52. — 2) P. 45, 46, 47. 20. Sept. und Nov. 1522. — ») P. 57. 
*) P. 93. 



28o Bessert. 

Man sieht bei näherer Betrachtung, wie die ganze 
Bewegung auf einen Bruch mit der alten Kirche und ihren 
Ordnungen hinziehe. Sowohl im Vertrag der Stadt Speier 
mit der Stiftsgeistlichkeit i), wie in dem des Bischofs mit 
den Bauern vom 5. Mai*) wird die Forderung der freien 
Prediget des Evangeliums lauter und klar ohne allen mensch- 
lichen Zusatz betont. Der Speirer Vertrag ist sicher der 
Niederschlag aller Erfahrungen, welche die Bürger der 
freien Reichsstadt mit der GeistUchkeit gemacht hatten, und 
giebt das Urteil der Bürgerschaft wieder, das über den 
bisherigen Zuständen den Stab bricht 0). Alle geistlichen 
Vorrechte sind aufgehoben, denn sie sind wider Gott und 
alles Recht, auch gegen die brüderliche Liebe. Das 
Cölibat ist mit dem Verbot des unehelichen Beisitzes ver- 
worfen *). Die Vigilien und Seelenmessen werden geradezu 
als Betrug, als »subtile, erdichtete und finanzische Liste« 
hingestellt, die weder den Toten noch den Lebendigen 
nützlich, sondern verdammlich seien. 

Als das Kapitel diese Artikel annahm, wenn »auch 
nur aus Zwang und Furcht um Leib und Leben««), hatte es 
das Todesurteil über die alte Kirche unterzeichnet, und als 
es vollends alle alten kaiserlichen und päpstlichen Privi- 
legien, alle alten »Rachtungen«, d. h. Verträge auslieferte 
und sie vom Rat zerschneiden Hess, hatte es seinen Bankrott 
erklärt und sich selbst aufgegeben. Märtyrer gab es in 
ihren Reihen nicht. 

Diese unmännliche Haltung lässt das Schicksal, das 
die Bauern dem Kapitel zu bereiten gedachten, als ein 
nicht ganz unverdientes erscheinen. Denn die zweite For- 
derung der Bauern lautete: »die Bauerschaft will und 
besteht darauf, dass hinfüro mein gnädiger Herr von 
Speyer des ganzen Hochstifts einiger Herr sein soll 



») Hartfelder, S. 250. Vogt, Korrespondenz des Ulr. Arzt, nr. 399. 
*) Hartfelder, S. 220. Vogt a. a. O. nr. 677, die nicht vom 16. Sept., Samst. 
n. Kreuzerhöhung, sondern vom 6. Mai, Samstag nach Kreuzerfindung, zu 
datieren und nach nr. 360 einzureihen ist. — '; Eine Nachbildung 'der 
Frankfurter Artikel liegt nicht vor. Ähnliche Forderungen zeugen nur von 
ähnlichen Misständen. — *) Geisscl, Kaiserdom 2, 184 und Hartfelder, 
S. 250 lesen falschlich »zur Unehre sitzen« statt Unehc. Vgl. Vogt nr. 399 
>on eelich sitz«. — *) Geissei 2, 185. 



286 Bossen. 

berg der Schüler der Reformatoren gewesen und mit Brenz 
befreundet war. Hatten die Bauern ihre Artikel mit Bibel- 
stellen geschmückt, so wollte der Kurfürst auch die Gregen- 
schriften mit solchen ausgestattet sehen. Damit hob der 
Kurfürst das Schriftprinzip auf den Schild. Er begab sich 
auf den Boden, auf dem die Reformatoren und auch die 
Bauern bei allem Missverständnis der Schrift standen. Das 
Schriftprinzip aber stand in schneidendem Widerspruch 
mit dem kanonischen Recht. Wollte der Kurfürst auf 
diesem Weg weiter fortschreiten, so musste er zu einem 
Bruch mit der katholischen Kirche kommen. Davor aber 
bewahrten ihn die Eindrücke des Feldzugs und der nahe 
Verkehr im Feld mit strengen Vertretern der alten Rich- 
tung, wie Truchsess Georg von Waldburg. 

Für die Geschichte des Bauernkriegs geben die Proto- 
kolle des Domkapitels Einzelzüge, die Erwähnung verdienen. 
Unter die beim Bauernkrieg beteiligten Geistlichen ist ohne 
Zweifel der Pfarrer von Barbelrod zu rechnen, der ein 
scharfer Lutheraner war und nach dem Krieg verklagt 
wurde, er sei Beuteschreiber bei den Bauern gewesen, als 
zwei Geistliche geplündert wurden, und habe des Kapitels 
2äune niedergerissen^). Den Domvikar Di onysius Enten - 
fuss2) verdächtigte sein Kollege Maurus Welstein noch 
im Jahr 1538 beim Generalvikar, er sei im Bauernkrieg 
aufrührerisch gewesen und habe den Bauern den Fetzen 
(die Fahne) getragen, weshalb ihn auch das Domkapitel 
nicht zum Pfleger in Esslingen angenommen habe"). Wie 
die Bauern hausten, beweisen manche bis jetzt unbekannte 
Vorkommnisse. 

Das Kloster der Marienknechte (Serviten) in Ger- 
mersheim hatte dauernden Schaden durch die Bauern 
gelitten*). Dem Pfarrer von Deidesheim hatten die 
Bauern die Fenster eingeworfen und den Ofen zerschlagen»). 
Als Aufrührer daselbst werden Valtin Dydesheimer und 
der Wirt Adam Poheleda bestraft. Sie beklagten sich 



») P. 127, 142, 211, 212. — «) Töpke I, 515. EntenfuKs war aus 
Mosbach und kam 15 18 auf die Universität. — ') P. 805. 28. Nov. 1538. 
— *) Lib. Spir. 132. Bei Hartfelder S. 157, Z. 2 wird »von Germerslieini« 
heissen: aus dem Servitenkloster. — ») P. 130, 136. 



288 Bessert. 

gethanc und zerrissen. Nach dem Krieg weigerten sie sich 
ihre Schuldigkeiten anzuzeigen, weshalb das Kapitel auf 
Erneuerung des Seelbuchs drang»). In Horrheim*), wo 
der Führer der württembergischen Bauern Matern Feuer- 
bacher am 24. April gelagert hatte »J, war dem Kapitel, 
das die Pfarrei und den Zehnten besass, Schaden ge- 
schehen. Dabei war sein Pfleger oder Schaffner um- 
gekommen <). 

Nach dem Bauernkrieg kam die Abrechnung mit den 
Aufrührern. Man muss anerkennen, dass Kurfürst Ludwig 
und sein Bruder, der Bischof von Speier, Mässigung 
bewiesen und nicht vergassen, dass sie mit allzu harten 
Strafen nach der Weise des Bischofs von Würzburg nur 
ihr eigenej> Volk und Land schädigten*). 

Am Donnerstag nach Lauren tii, den 17. August, ver- 
trug der Kurfürst auch die Stadt Speier mit dem Dom- 
^pitel, das alle seine Privilegien und Verträge neu aus- 
gefertigt bekam«). Die Bauern wurden je nach der 
Schwere ihrer Schuld teilweise am Leben, aber mehr mit 
Geld bestraft und ihnen das Tragen von Waffen, Spiessen, 
Hellebarden, Büchsen und Armbrusten, sowie das Schelten 
im Wirtshaus verboten, was der Rat zu Speier auch nicht 
von seinen Bürgern dulden durfte 7). Einzelnen wurde 
auch die Teilnahme an Hochzeiten und der Besuch von 
Wirtshäusern untersagt»). 

Viele waren aus dem Land geflohen, so in Munden- 
heim, wo die Bauern beim Hubgericht 1530 den urkund- 
lichen Nachweis des Anrechts des Kapitels auf die Hub- 
güter verlangten; man sollte ihnen die Briefe, Gerichts- 
sprüche oder Saalbücher vorweisen. Denn wie sollten sie 
die dem Kapitel zuständigen Güter kennen, da ihre 
Gemeinde im Bauernkrieg getrennt worden sei und 
keiner der Alten mehr vorhanden sei, sie auch deren 



») P. 213, 223. — «) OA. Vaihingen, Württemberg. — ») Vogi 
a. a. O. Nr. 258. — *) P. 160, 282, 315. ~ *) Vgl. z. B. des Kurffirsteo 
Verbalten bei Pfeddersheim. Haarer c. 87. »Suos esse, quos confoderent« 
bei Gnodalius p. 171. Geissei 2, 230. — •) P. 127, 520. — ') P. 136, 137, 
— *) P. 452. 



2QO Bossen. 

Das Domkapitel hatte seine Rechte und Freiheiten 

samt seinem Gebiet wieder erlangt, aber es war teuer 

erkauft. Die Pfalz forderte jetzt fast unerschwingliche 

Summen als Hilfsgeld. Im Domkapitel wehte ein römischer 

Geist 1). Mehrere Mitglieder machten sich auf den Weg 

nach Rom. Man trat evangelischen Strömungen strenge 

entgegen. Die Reaktion schien neue Aussicht auf den 

Sieg zu haben. 

{Fortsetzung folgt) 

^) Davon im nächsten Abschnitt. 



292 



Hollaeoder. 



Edelmann, Robert de Heu, seigneur de Malroy, Hess sich 
von seinem Freunde, dem Grafen von Vignory>), einem 
Vertrauten des Herzogs von Guise, bestimmen, sich zur 
Überrumpelung einer an der Grenze des deutschen Reichs 
gelegenen Stadt gebrauchen zu lassen, in der Hoffnung, 
daselbst Statthalter oder Oberst der Besatzung zu werden. 
Er musste gänzlich unverdächtig erscheinen, da seine in 
der Moselgegend gelegenen Güter unter des Reiches Ober- 
hoheit standen, er deshalb in jenen Grenzlanden allgemein 
bekannt war und ausserdem dem reformierten Glauben 
angehörte. Malroy einigte sich mit Guise über Strass- 
burg, das von Natur und Kunst fest, nicht mit der nötigen 
Sorgfalt bewacht wurde und einmal eingenommen , eben 
seiner Festigkeit wegen leicht behauptet werden konnte. 
Auch beherrschte man von hier aus den Rhein und hatte 
eine Ausfallspforte gegen Deutschland. 

Als damals nun die niederländischen Stände Kriegs- 
volk annahmen, dem das Strassburger Gebiet als Muster- 
platz angewiesen war, hatte auch Malroy auf Empfehlung 
seines Schwagers Clervant vom Prinzen von Oranien den 
Auftrag erhalten, 4000 Mann Fussvolk im Elsass anzu- 
werben. Da hatte er denn ebenso wie seine Offiziere 
häufig Gelegenheit, wegen des Ankaufs von allerhand 
Kriegsmaterial nach Strassburg zu kommen und dabei die 
Festungswerke genau in Augenschein zu nehmen. Als 
nun der Herzog von Guise in auffallender Weise mit aus- 
erlesener Mannschaft an die lothringische Grenze rückte, 
zog der Strassburger Rat den ihm gänzlich unverdächtigen 
Malroy wegen der zu ergreifenden Vorsichtsmassregeln 
ins Vertrauen. 

Dadurch wurde der Anschlag ein wenig verschoben. 
Inzwischen Hess der französische König den Strassburgem 
über die Pläne Guise's geheime Warnungen zugehen und 
ermahnte sie, fremdes Kriegsvolk weder in ihre Stadt zu 
lassen, noch in ihrem Gebiete zu dulden. Er befürchtete 
nämlich, dass sich der Herzog, sobald er sich Strassburgs 



*) Sein voUstäDdiger Name lautet »Fran^ois de Quinquempoiz, sr. du 
Mais, comte de VigDori« (v. Bezold, Briefe des Pfalzgrafen Johann Casimir i, 
196 Anm. i). 



294 



Hollaender. 



der elsässischen Geschichte ist von der Begebenheit über- 
haupt nicht mehr die Rede. 

Es ist das Verdienst v. Bezolds, von neuem auf die 
Erzählung Thuans hingewiesen und ein reiches Material, 
das eine Bestätigung derselben enthält, zusammengestellt 
und veröfiFentlicht zu haben »). 

Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, durch weitere 
archivalische Untersuchungen über die von Bezold richtig 
skizzierten Vorgänge klareres Licht zu verbreiten und 
damit zugleich einen Beitrag zur Geschichte der damaligen 
verworrenen Zeitläufte zu geben. 

Nach der Bartholomäusnacht war es in Frankreich 
zwischen den Hugenotten und ' den gemässigten Katho- 
liken, den sogenannten Politikern, an deren Spitze die 
Söhne des 1567 bei St.-Denis gebliebenen Konnetabels von 
Montmorency standen, zu einem Bündnisse gekommen*). 
Diese Partei der Unzufriedenen beabsichtigte 1574 unter 
Führung des jüngsten Valois, des Herzogs Franz von 
Alen9on, das absolutistische Regiment seiner von Fremden 
beherrschten Mutter, der Königin Katharina von Medici, 
zu stürzen, seinem Bruder Heinrich, damals König von 
Polen, die französische Thronfolge zu entziehen und selbst 
auf die Regierung einen nachhaltigen Einfluss zu gewinnen, 
— Diese Verschwörung aber wurde entdeckt, der Herzog 
von Alen9on nebst seinem Schwager, dem Könige Heinrich 
von Navarra, gefangen genommen, während es des letzteren 
Vetter, dem Prinzen Heinrich von Conde, gelang, Deutsch- 
land zu erreichen, wo er sich um die Unterstützung einer 
Anzahl protestantischer Stände, sowie Englands und der 
Schweiz bewarb. Mit englischen Subsidien wurde 1575 
ein grosses Heer aufgestellt, an dessen Spitze neben dem 
französischen Prinzen der unternehmungslustige junge 
Pfalzgraf Johann Casimir stand, dem für seine Beihilfe kein 

') V. Bezold, Briefe des Pfalzgrafen Johann Casimir I, 175. An dieser 
Stelle möchte ich Herrn von Bezold noch für die Liebenswürdigkeit, mit 
welcher er mir eine Anzahl seiner Notizen zur Verfügung gestellt lut, 
meinen besten Dank aussprechen. — ') Über das Folgende vgl. das treff- 
liche Buch von Decrue, Le parti des politiques au lendemain de la Saint- 
Barth^lemy, Paris 1892 und Hollaender, Strassburg und die franxGsischen 
Politiker (diese Zeitschrift NF. XI 4, 497 if.). 



2q8 Hollaender. 

tantismus in seiner Vaterstadt Metz sehr verdient g-emacht: 
hat und bisher wohl mit Unrecht des verräterischen Ein- 
verständnisses mit den Franzosen beschuldigt worden ist i)- 
Eine Tochter des letzteren war mit dem bekannten, durcl». 
seine Unbescholtenheit und Kenntnisse hervorragendem^ 
Metzer Patrizier Clairvant vermählt«), der wohl mit an». 
meisten für die Ausbreitung der neuen Lehre im Nord — 
Osten Frankreichs gethan hat und von dem Könige Hein — 
rieh von Navarra, dessen volles Vertrauen er genoss, nebei^ 
seinem Freunde Duplessis-Momay mit den wichtigstei 
diplomatischen Missionen betraut worden ist. Es wi 
daher kein Wunder, dass der Strassburger Rat untei 
diesen Umständen dem jüngeren Robert de Heu gegen 
über keinen Argwohn hegen konnte, um so weniger al: 
derselbe noch 1577 von dem Prinzen von Oranien als Ver 
trauensmann gebraucht worden war»). 

Neben Malroy wird namentlich einem Herrn voi 
Buy, einem >unruhigen Kopf«, der Anschlag auf Sti 
bürg zugeschrieben ^), Dr. Beutterich freilich, der Rak-^-t 




^) Ober die Familie de Heu vgl. Rahlenbeck, Metz et Thionvüle 
Charles-Quint S. 63 f. und Le baron d'Hannoncelles, Metz ancien 2, 128 

— *) Über Claude Antoine de Vienne, seigneur de Clairvant (oder Clervanl 
baron de Coppet vgl. La France protestante 9, 483 und Decnie 282 f., di 
u. a. über seine Thätigkeit als ReiterfQhrer im Heere Cond6s 1575 berichl 
Über ihn heisst es in den Memoiren der Madame Duplessis-Momay (i, 14] 
»II estoit fort homme d'honneur, plein d'integrit6«. Am 18. Sept. I5< 
wurde er in Strassburg »zu einem inwohner uf und angenomen, soll fide" 

tatem, obedientiam und submissionem jurisdictioni, recht alhie zu geben uci ^^ 

zu nemen versprechen etc. Hat ein weib, drei kinder, vier mägde und zw^^^^ 
knecht« (Str. St.-Archiv G. U. P. 64). Vgl. über ihn auch Bernays, Z — ^ 
Biographie Winthers von Andernach (diese Zeitschrift N.F. XVI, 34 A. ^TZ- 5) 

— ') Über Malroy vgl. M^moires de la Huguerye 2, 40, Bezold i, i^"" "'S 
sowie weiter unten S. 314. Am 9. Juli 1581 wird Malroy, »Rittmeister d-^^^' 
Herzogs von Alen^on« in Köln wegen Ausgabe von falschem Geld, wide. — ^^' 
rechtlicher Anwerbung von Söldnern, sowie wegen eines Strassenraubs u^^^'^ 
leichtfertiger Reden gegen den Rat angeschuldigt (Das Buch Weinsberg 3» 
97 A. 2). Nach Thuan 74, 726 starb er im Dienste Navarras infolge ein»: *'' 
Wunde, die er als Befehlshaber der Artillerie bei der Belagerung eines Stäc^' '* 
chens in Languedoc erhalten hatte. — Bei d'Hannoncelles a. a. O. 2, i^ ' 
finden wir über sein Ende die Angabe: »Robert de Heu, 6cuyer, seigneur ^^ 
Maleroy 6tait mort en 1595, sans avoir laissö d'enfants, ayant 6pou»6 Clauc/^ 

de Chutelet. II fut inhum6 ä Saint-Martin, pres de son pire«. — *) BcioW 
I, 192 Anm. 



300 



Hollaender. 



dass nichts an der Sache wäre, hätte er doch als treuer 
Deutscher den Rat warnen sollen. 

Diesem schien die Sache wichtig genug, um den 
Herren Dreizehn besondere Wachsamkeit einzuschärfen. 
Fühlte man sich doch, seitdem der Büchsen- und Zeug- 
meister Heinrich Israel*) im Anfange des Jahres nach 
Pfalzburg zum Pfalzgrafen Georg Hans, dem alten Feinde- 
Strassburgs, geflüchtet war, nicht mehr recht sicher. Die 
nächsten beiden Monate verliefen übrigens ruhig, bis sich 
Ende September allerhand Gerüchte über welsche An- 
sammlungen in der Champagne und im Metzer Gebiete 
verbreiteten 8) und man in Strassburg von einer »descente 
de la Welscheriec überall reden hören konnte«). 

Der Bischof von Strassburg schrieb aus Zabem, »dassr 
die Sache allerseits vast gehutsam und in der still gehalten 
werde; es sollte aber das kriegsvolk uf die 2000 schützen 
und 500 französische pferde albereit im anzuge sein und 
würde mit denen von Basel schiflFleuten um etliche schiflF 
zur befürderung des Volkes gehandelt, und sollte zwischen 
Zabern und Strassburg musterplatz sein, daselbst mehr 
kriegsvolk zu erwarten«^). 

Andere Nachrichten wieder meldeten Anwerbungen im 
Sundgau und Oberelsass. In der Schweiz erhoben die 
katholischen Orte Klage über Basel, das schon seit Monaten 
französisches Kriegsvolk in der Stadt dulde, ihm Munition 
und Proviant verabfolge und den Durchmarsch gestatte, 
ein Vorwurf, gegen den sich die Stadt später damit ent- 
schuldigte, dass die Kriegsleute dem Oranier nach den 
Niederlanden hätten zuziehen wollen, dass sie noch niemand 
den Pass versagt hätten, dass Basel eine Gewerbsstadt wäre^ 
und seine Kaufleute allerhand Geschäfte trieben »). 

>) Derselbe erbat sich 1 576 bei Gelegenheit des bekannten Freischiessens 
vom Rate die Erlaubnis, allerhand Feuerwerk zu richten (Reuss, Z. Gesch. 
des Strassburger Freischiessens S. 5). Ober seine Flucht vgl. Str. St.-Arch. 
AA 733. — ') Am 27. Sept. erhält die niederösterreichische Regierung 
Nachricht von heimlichen Praktiken der Franzosen, und dass die obersten 
Führer zürnen, wenn die Hauptleute sie fragen (Bezold l, 174). — 
*) Bezold I, 175. — *) Str. St.-Arch. R. u. 21, Okt. 7. — ^) Sammlung der 
eidgen. Abschiede IV 2, 693, V 375 f. und Stettier, annales 2, 265. Nähere 
Angaben über die Stärke der Truppen und die Unterhan dlungei Malroys nüt 
Basel finden sich Segesser, Ludwig Pfyffer und seine Zeit 2, 375 A. i. 



■504 Hollaender. 

Über der Ansammlung von Kriegsvolk an der Ostgrenze 
Frankreichs eine beobachtende Stellung einzunehmen unci 
jedenfalls auch, was freilich nicht direkt ausgesprochert 
wird, den Herzog von Guise und seine Bundesgenosserr 
von einer Besetzung Strassburgs, das ein gefährlicheir 
Stützpunkt der Ligue werden konnte, abzuhalten i). 

Ausdrücklich dankt die Königin* ihrem Sohne dafür, 
dass er Matignon in die Champagne und nach Burgund 
gesandt hätte, um diejenigen, welche in diesen Gregender» 
ohne seinen Befehl Truppen versammelt hätten , aus- 
einander zu sprengen und zu züchtigen. Der Marschall 
sollte dabei verkünden, dass er lediglich den Auftragf 
hätte, die ruhigen Unterthanen gegen die Pläne fremdei:' 
Unruhstifter zu schützen^). 

Ebenso fordert sie die Anführer der in die Franche— 
Comte eingerückten Truppen auf, die letzteren zu entlassen^ 
da sie Frankreich dadurch in Verwicklung mit den Eid- 
genossen und vor allem mit den Deutschen brächten ^ 
welche wegen der Unternehmung gegen Strassburg* 
(»soubz coulleur de ceste entreprinse de Stracebourg») ira 
Aufregung versetzt würden. Überhaupt wünscht der Könige 
ebenso wie sie, dass man von diesen gefährlichen Anschlägen 
Abstand nähme, »qu'il trouvera tres mauvaises, comme 
aussi sont-elles, ä quelque fin qu'elles puissent estre 
projectees«»). 



*) über die Mission Matignons werden wir femer unterrichtet durchr 
die Briefe des toskanischen Gesandten Saracini. Derselbe schreibt aus Pari» 
am 5. Okt. 79: »Les troupes de M. de Matignon sont dirig^s en Champagne 
contre M. de la Rocheguyon et les rebelies de son parti, ainsi que contre 
les volontaires huguenots: adunati sotto pretesto di volere passare in Fiandra, 
e pronti ad ogni scclcraggine.c Am 1 2. Okt. : »Les troupes de M. de Matignon, 
n'6tant plus n^cessaires, seront, dit-on, licenci^es.« Am 25. Okt.: »M. de 
Matignon conserve ses forces en Champagne; on ne sait encore dans quel 
dessein. On parle toujours d'une prochaine lev6e de rettres par Casimir.« 
Am 2. Nov.: »II est vraisemblable que la mission de M. de Matignon se 
borne k surveiller les mouvements des reitres« und am 16. November: >M« 
de Matignon est rappelt, les bandes indisciplinöes qui mena<;aient de piller 
les provinces, ^tant pass6es en Flandre au Service des ifetatsc (Desjardins, 
n^gociations diplomatiques de la France avec la Toscane 4, 269 f). — 
-) Leitres de Catherine de M6dicis VII, 147 f. 1579 Okt. i u. 5. — 
•) Ebenda 7, 167. Catherine k Monsieur de Sessac 1579 Okt. 13. 



3o8 



Hollaender. 



500 ZU Pferd und 2500 zu Fuss, von Basel heran*). Aus 
Colmar kommt die Nachricht, dass sie in der Umgegend 
arg gehaust*). Am 25. Oktober sind sie in Beblenheira, 
am 26. in Kestenholz und Scherweiler angelangt. Rats- 
gesandte, die mit Malroy, der Dienstag den 27. vor Strass- 
burg eingetroffen, conferiert haben, berichten, dass er 
ihnen auf ihr Ersuchen die Quartiere für die folgenden 
Tage angegeben. Am Mittwoch wollten sie einen Ruhetag 
machen, am 29. nach Molsheim, am 30. nach St. Johann 
bei Zabern ziehen und dann über die Steige zu dem jenseits 
liegenden Kjiegsvolke und nicht wieder herüberkommen; 
dann mit diesem auf die Mosel zu nach den Niederlanden 
»und seien irer uf 1500 gerüsteter mann und 5 bis 600 
gerüsteter pferd; möchten wohl 1200 pferd sein samt 
dem tross«. 

Andere Abgesandte, die im Auftrage der elsässischen 
Stände am 28. in Benfeld mit Malroy zusammengetroffen 
sind, teilen mit: Der letztere sei ihnen mit 11 Pferden 
entgegengeritten, habe ihnen bereitwillig die Nachtquartiere 
angegeben und sie gefragt, ob nicht eine Anzahl seiner 
Junker, die noch nicht in Deutschland gewesen, in seinem 
Gefolge Strassburg besuchen könnten; dafür wollte er Leib 
und Gut versetzen. Dieses Ansuchen wird ihm jedoch, 
ebenso wie seine Bitte, wegen Pferdeankaufs in die Stadt 
kommen zu dürfen, trotz der Fürsprache des Stättemeisters, 
»dieweil man nicht spüren könne, dass ers mit mein herrn 
und der Stadt unweislich (sie!) gemeint«, vom Rate rundweg 
abgeschlagen. 

Am 30. Oktober zieht das Kriegsvolk, das übrigens 
stärker, als man gedacht hat, durch das Kronthal. Am 
I. November rückt Malroy über die Steige, worauf er 



*) Am 13. Nov. berichtet der Erzherzog Ferdinand: »Das französische 
Kriegsvolk sei dieser Tage durch die vorderösterreichischen Lande gezogen 
mit grossem verderblichem Schaden der Unterthanenc (Briefe u. Akten z. Gesch. 
d. 16. Jahrh. V, 884 Anm. 2). — ■) Ähnlich schreibt der Bischof von 
Strassburg aus Zabern, dass das in Lothringen liegende Kriegsvolk, welches 
täglich an Stärke zunähme, mit Raub, Plünderung und anderer Unzucht übe) 
haushalte (R. u. 21. Okt. 17). 



3IO 



Hollaender. 



Thore öffnen könne. Der Rat teilte ihm sofort die Unwahr- 
heit des Gerüchts mit und Hess den Boten Tag und Nacht 
laufen, damit niemand in vergebliche Unruhe gebracht 
würde ^). 

Auch der Kaiser Rudolf hatte ihnen Ende Oktober 
aus Prag zwei Warnungsschreiben zugehen lassen «): ^Dass 
die Stadt nicht ausser Gefahr sei; sie sollten daher alles 
in guter Hut halten und was fürgeht, nicht in den Wind 
schlagen, auch den französischen Handlungen und Praktiken 
nicht trauen; er würde eine so fürnehme Stadt des Reiches^ 
nicht ohne seine Hilfe lassen«»). 

Der Rat antwortete darauf am 7. Dezember*): Deir 
gegen die Stadt gerichtete Anschlag sei ja gottlob za 
nichte geworden; nichtsdestoweniger hätten sich etliche, 
unter denen auch Deutsche sein sollten, verbunden, nicht 
eher zu ruhen, als bis sie ihr Vorhaben gegen Strassburg 
ins Werk gesetzt hätten. Sie selbst wollten auch in 
Zukunft ebenso wie ihre Vorfahren nicht allein ihre Stadt 
und Bürgerschaft, sondern auch den ganzen Rheinstrom 
und gemeines geliebtes Vaterland teutscher Nation vor 
solchen blutdürstigen, unchristlichen Ratschlägen bewahren. 
Es sei bereits soweit gekommen, dass die leichtfertigen, 
praktiererischen Franzosen ihrer tückischen, bösen Vorhaben 
gegen die Deutschen sich oifen und ohne jede Scheu 
rühmen, da ihnen ja die Anleitung dazu von Deutschen 
selbst gegeben würde. Vor allem aber sei daran schuld 
die listige Entziehung der drei Stifter Metz, Toul und 
Verdun, von wo aus sie ohne jede Verhinderung einen 
Ort nach dem anderen in Besitz nähmen, so dass sie, die 
Nachbarn, mit grossen Unkosten sich zu schützen genötigt 
wären. Und hiergegen gäbe es keine Hilfe, solange die 
drei dem Reiche entzogenen Stifter und die dazu gehörigen 
Städte und Flecken in solchem Stande blieben. Denn auf 
eine Sicherung des Friedensstandes sei bei Frankreich kein 
Verlass. Eine Schande aber wäre es, dass es Menschen 

') R. u. 21. Nov. 4. ~ 2) Str. St.-Arch. AA 734 Okt 20 u. 30. — 
") Bemerkenswerter Weise bestimmt der Rat, dass, da der Kaiser Strassburg 
»des Reiches Stadt«' nenne, man sich im Antwortschreiben ^Meister und Rat 
der freien Reichsstadt Strassburg« unterzeichne, wie dies ohnehin in Übung 
(R. u. 21. Nov. 2). — *) Str. St.-Arch. AA 734. 



. \j 



312 



HoUaender. 



seinen eigenen Unterthanen, als auch in ganz Deutschland 
stände. Ein anderes Mal wieder wendet er sich in tiefstem 
Kleinmut, jammernd und bettelnd, an den Kaiser Rudolf 11. 
und bittet diesen, wegen seiner zahlreichen Familie und seiner 
Schulden auf ihn Rücksicht nehmen zu wollen. Seit 1564 
bezieht er von PVankreich Pension; da der Hof aber von 
seinen Truppen keinen Gebrauch macht, bietet er dieselben 
gleichzeitig vier Parteien, der Königin Elisabeth von Eng- 
land, dem Prinzen von Oranien, dem Kaiser und den 
Spaniern an'). Dabei spielt er sich bei jeder Gelegenheit 
als der getreue Eckart auf, der nur um das Wohl von 
Kaiser und Reich bedacht, es als seine stete Aufgabe 
ansieht, die Deutschen zur Eintracht zu mahnen und vor 
den Machinationen der argen Franzosen zu warnen. 

Über sein vaterlandsloses und unreligiöses Verhalten 
äussert sich 1567 der kursächsische Berichterstatter Lan- 
guetus*): »Pauperies inimica bonis est moribus, ait poeta. 
Egestas coget istos, non solum aliquid adversus veram 
religionem tentare, sed forte etiam tandem plane ab ea 
deficere, si videant, id suis rebus suis conducere.c Und sein 
Vetter, der Pfalzgraf Wolfgang von Zweibrücken, schrieb 
ihm auf die Nachricht, dass Georg Hans sich mit 
Kriegsvolk gefasst mache, 1568*): »Dieweil dan leichtlich 
zu besorgen, dass solche bestallung wider unsere wahre 
religion auch etliche stende des Reichs teutscher nation, 
dem bapstum zu gutem dienen möchte«, sollte er doch 
von einer solchen Abstand nehmen; »denn obgleich 
fürstlich und ehrlich ist, dasjenig so einmal l3ewilligt und 
zugesagt wurde, zu laisten und davon nicht abzusteen, so 
haben doch E. L. als ein Christlicher Fürst, der bei unserer 
wahren Religion geboren und erzogen und in Teutschland 
gesessen ist, die pflicht, die Sie Gott und dem Vaterland 



1) Bezold I, 31. — Ähnlich heisst es in einem Briefe vom 31. Januar 
1583: »Le pnnce de la Petitepierre a monir^ son inconstance, il y a deux 
ans qu'il offrit son Service aux Estats: depuis un an ä S. A. ä laqueUe U 
faisoit des propositions dignes de sa Süffisance et depuis au Roy d'Espagne. 
Je croy que c'est un banqueroutier qui se veut remettre en inventant des 
partis« {M6.noires de Momay 1, 123). — *) Epistolae I, 14. 1567 Dez. 9. — 
') Prinsterer, Archives de la maison d'Orange-Nassau I 3, 261. 



3'4 



Hollaender. 



mein Verräter von Strassburg; der wird mir was Neuesri 
ausbringen« begrüsste, ihn der Stadt gegenüber beschirmt^^ 
und ihn bei sich behielt, indem er erklärte, er wolle seir» 
Hemd vom Leib mit ihm teilen, um ihn zu verteidigen.«:: 
Bei derselben Gelegenheit hatte der Pfalzgraf auch ge- 
äussert: Er gedächte am Schwörtage, da die ganze Bürger- 
schaft versammelt, einen Trompeter mit einem ofFeneiE 
Briefe hineinzuschicken, um jene zu verwarnen, wie untreix 
der Rat am Vaterlande handelte, da er ihm nicht die? 
Mittel gewährte, die Grenzen zu verwahren. Im Mai hatte 
er den Dreizehnern zu verstehen gegeben, dass böse Prak- 
tiken vorhanden, denen man unmöglich entrinnen könnte, 
so Gott der Allmächtige es nicht abwende, nachher aber" 
darüber sich beschwert, dass man seine Kundschaft ver- 
breitet, da er wohl wüsste, dass es durch etliche vom Rat 
bald an des Königs Hof gebracht werden würde, so dase> 
er sich höchster Ungnade bei ihm zu versehen hätte. 
Hinzugefügt hatte er, dass obwohl die bisher vorgenom- 
menen Mittel gefehlt, noch andere vorhanden seien, 
und zwar ^o gewiss und unfehlbar, »als er seine Faust 
könnte auf- und zuthun« und wäre ihm, dieselben ins Werk 
zu setzen, sehr leicht und ein Geringes. Auch wüsste er 
wohl, wie Strassburg beizukommen wäre; denn es hätte die 
Verräter in der Stadt selbst und dazu nicht die Geringsten. 

Mit Recht beschwerten sich daher die Dreizehn über 
solche Reden, die ganz dazu angethan wären, in ernsten 
Zeiten dem gemeinen Mann zu schädlichem Misstrauen 
gegen den Rat Anlass zu geben. — 

Übrigens scheint der Pfalzgraf auch später noch in 
vertrautem Verkehr zu Malroy gestaiiden zu haben , den 
er in einem Briefe vom Jahre 1587 seiner Zuneiguog ver- 
sichert »que nous vous avons toujours porte et portons 
encore« 1). 



Stadt Strassburg zu verreisen nit gebürt und über das uns noch mit unwar- 
haften falschen Zulagen zu beschweren sich nicht scheuet« (Str. St.-Arch. 
AA 733). 

*) Str. Bezirksarchiv E 341. — In einer am 2. Februar 1583 im Strass- 
burger Rate verlesenen Kundschaft heisst es: »Malroy hält sich viel in 
Pfalzburg auf in des von Lanty Haus; nimmt sich der Kirchen wenig an. 
Ist comroe un membre retranch^ du corps de l'^glise« (Str. St.-Arch. AA 736). 



w . .. 



ßi6 Hollaendcr. 

Bruder, dem kränklichen lutherischen Kurfürsten Ludwige 
in eine ziemlich bedrängte Lage. Nichtsdestoweniger Hess 
er sich in allerhand abenteuerliche Unternehmungen ein 
und suchte in den Welthändeln eine Rolle zu spielen, zu 
deren Durchführung ihm aber die Mittel fehlten. So 
führte er den Niederländern 1578 ein mit Hilfe englischer 
Subsidien aufgestelltes Heer zu, mit dem er aber, da er 
mit Oranien sich nicht zu verständigen vermochte, nichts 
ausrichten konnte. Da Hess er seine Soldaten im Stich, 
um sich in England mit der Königin Elisabeth auseinander- 
zusetzen, bei der er inzwischen in Ungnade gefallen war. 
Da er sich in die zur Eroberung Strassburgs im Jahre 1579 
geschmiedeten Anschläge eingeweiht zeigte, wurde, trotz- 
dem er die Stadt warnte, gegen ihn die Anschuldigung 
erhoben , >dass er neben dem Veldenzer in dem Spiele 
mitbegriffen gewesen wäret '). Hatten doch mehrere der 
verdächtigen französischen Obersten früher unter ihm 
gedient und standen nach wie vor mit ihm in regem 
Verkehr«), So verhandelte auch Vignory, Guises Vertrauter, 
der den Anschlag auf Strassburg mit Malroy hauptsächlich 
betrieben, durch des letzteren Vermittlung mit Johann 
Casimir, der allen Ernstes daran dachte, sich nebst Conde 
mit den Guisen gegen den französischen Hof und den 
ihm verdächtigen König von Navarra zu verbinden»). 
Bezeichnenderweise bat damals Katharina von Medici den 
König, ihren Sohn, nachdem das Kriegsvolk sich wieder 



') Bezold I, 188. Am 26. August 1587 schreibt der Gesaodte des 
Königs von Navarra, S6gur, an den nach England abgefertigten Agenten 
d'Averly nach Erwähnung der Verhandlungen Beutterichs mit Malroy 1580: 
»Quelque temps apr^s on feit l'entreprinse de Strasbourg- Aucuns disent que 
c'estoit en faveur du duc Casimir (Be/old 3, 78). Schon vorher, anfangs 
August, hatte S6gur auch den Strassburger Rat, der sich über Malroy 
beklagt hatte, an dessen früheren Anschlag auf ihre Stadt erinnert (Bezold 3, 
69 A. I). — *) Bezold I, 188, 192, 270. — ') Bezold i, 196 Anm. — Ud- 
begreiflicherweise nennt Schmidt, Fabian von Dohna S. 28. Joh. Casimirs 
dain,aliges Thun und Treiben ein »harmloses«. »Sein Herz schlag trotz 
Guise und König Heinrich nur für die bedrängten Glaubensgenossen in 
Frankreich«, während Bezold (Götting. gel. Anzeigen 1896 S 556) mit 
Recht hervorhebt, dass wir in der Politik des Pfalzgrafen und seiner vor- 
nehmsten Berater das religiöse Motiv zuweilen zu einem blossen Werkzeug 
des Ehrgeizes herabgewürdigt sehen. 



7i8 Hollaender. 

thun ohne reale Macht« sind nach Bezold^) seine hervor- 
stechendsten Charaktereigenschaften. Noch härter urteilt 
über ihn Ritter*): »Im Felde bewährte er persönlichen 
Mut ohne höhere kriegerische Gaben, in der Politik bildete 
er die Hinterlist, die der Regierung seines Vaters eigen 
war, zur Kunst des berechneten Betrugs und der heim- 
tückischen Ränke aus; im persönlichen Verkehr war er 
ein lebenslustiger Gesell, aber auch ein massloser, händel- 
süchtiger Zecher: was ihm fehlte, war die ehrliche Hin- 
gabe an allgemeine Zwecke und die Festigkeit in deren 
Verfolgung.« 

Sein Vertrauter, Dr. Peter Beutterich *), ist eine der 
interessantesten Persönlichkeiten jener Zeit, »eine reich- 
begabte, energische und ehrgeizige Natur«. Um 1545 zu 
Mompelgard geboren, widmete er sich neben dem Rechts- 
studium demjenigen der Theologie und klassischen Litteratur. 
Wegen seiner Welterfahrung und hervorragenden Kenntnis 
der fremden Sprachen wurde der pfalzgräfische Rat häufig 
zu diplomatischen Missionen verwendet. Seine Thätigkeit 
als Truppenführer verschaffte ihm den Beinamen, »doctor 
equester«. Er war es hauptsächlich, der die abenteuerliche, 
verschlungene Politik Johann Casimirs,, mit dem er in 
innigster Freundschaft verbunden war, völlig beherrschte. 

Am 12. Mai 1580 erschien derselbe in Strassburg und 
teilte den Herrn XIII im Auftrage seines Herrn, der 
ursprünglich selbst mit ihnen hätte verhandeln wollen, 
aber durch die Ankunft von Gesandten aus Frankreich 
vom Könige von Navarra, von Conde und den Kirchen 



*) Bezold I, 17. — *) Deutsche Geschichte im Zeitalter der Gegen- 
reformation I, 414. — Viel zu optimistisch erscheint die Schilderung seiner 
Persönlichkeit bei G. Droysen, Gesch. d. Gegenreformation S. 135: »Er war 
eine reich veranlagte Natur, lebensfroh und thatenlustig, ein echter PAlzer 
von gewinnender Frische an Leib und Seele, der beim Gelage den Humpen 
zu schwingen wusste, der aber auch, wenn es galt, sich zu wappnen und 
das Schlachtross zu besteigen, stets zur Stelle wäre; und Schmitt, Fabian 
von Dohna S. 23 schreibt sogar: »Oberall genoss er ein hohes Ansehen; 
denn einzig stand sein Interesse für die evangelischen Angelegenheiten da, und 
mit seiner von der Religion beeinflussten Politik bot er nicht allein allen 
ihres Glaubens wegen Vertriebenen eine sichere Zuflucht, sondern er trat 
auch kräftig mit seiner ganzen Persönlichkeit für sie ein.« — *) Bexold, 
Briefe Joh. Casimirs 1, 158 und ADB 2, 593 f.. 



320 



Hollaender. 



Nun wären zur Zeit der Johannismesse 1578«) etliche 
französische Adelige in Strassburg gewesen unter dem 
Vorwande , daselbst Pferde anzukaufen. Dabei hätten 
sie auch den neuen Wall besichtigt nnd da sie gefunden, 
dass es dort zu gefahrlich wäre, den ersten Anschlag fallen 
lassen und einen neuen auf das Metzgerthor gemacht, 
wo man viel leichter hätte hereinkommen können, ein 
Plan, der Guise zugesagt, worüber der Deutsche vsich 
später beschwert hätte, da er doch den Anfang gemacht 
und jetzt darüber seine Reputation und Auslagen verloren. 

Der neue Anschlag aber hätte darin bestanden, dass 
sie unter dem Scheine in die Niederlande zu ziehen, den 
Rhein herab zu Schiffe an die Stelle kommen sollten, wo 
nur ein leicht zerstörbares hölzernes Gatter über dem 
Wasser. Gemeinsam mit den inwendig Versteckten wollten 
sie sodann die Thore aufbrechen und dieselben so lange 
in Besitz halten, bis der Nachzug aus der Champagne 
herangenaht. 

Aber des Königs Räte hätten ihrem Herrn abgeraten, 
Guise behilflich zu sein, der mit Hilfe desselben sich in 
Strassburg mit dessen Vorrat von Geld, Geschütz und 
Munition einen Stützpunkt gegenüber Frankreich und 
Deutschland zu schaffen beabsichtigte. Darauf habe der 
König Strassburg »per obliquum« warnen lassen, da doch 
die Praktik fast offenbar gewesen^). 

Malroy aber habe ihm , Beutterich , mitgeteilt , sie 
hätten 2000 zu Fuss und 500 zu Pferd, damit wollten sie 
in Burgund »ein 1er men anfahen und wo es nit angehen 
sollt«, Oranien zuziehen. Da sollte ihnen Johann Casimir 
bei den am Rhein gesessenen Ständen durch seine 
Fürsprache den Durchmarsch verschaffen. Er wollte es 

') Dieselbe dauerte vom 30. Juni bis 4. Juli. Bemerkenswert ist der 
starke Fremdenverkehr während derselben. Nach Bericht des Ammeister» 
wurden ihm am 3. Juli von den Wirten nicht weniger als 34x2 Personen 
und 1236 Pferde angemeldet (R. u. 21). — ') Siehe oben S. 292 u. 302. — 
Am 16. Januar 1581 beschwerte sich der Pfalzgraf Georg Johann über 
Johann Casimir, der ihm Kopien aUer seiner Schreiben nach Frankreich 
wegen des Strassburger Anschlages zeigte: »nicht weiss ich, wers ime 
gegeben, es sei dann, das mihr der konig dissen schölmenbossen gerissen • 
<Bezold I, 275). 



322 



Hollaender. 



im spiel gewesen«, gerufen haben: »Herstu, lieber, wo seind 
deine silbere becher von Strassburg?« 

Es habe auch >der Teutsche« seither andere Vorschläge 
gemacht. Man habe ihn aber damit sitzen lassen, worüber 
er sich aufs höchste beschwert: »das man ihn die Sachen 
lass anfahen und darnach darin stecken; die anschläg 
machen ihnen andöre zu nutz, und verlier er darüber sein 
reputation und alles«. Diese Schreiben habe er, Beutterich^ 
alle in originali in seiner Verwahrung und von denen 
bekommen, an welche sie der »Teutsche« geschrieben. 
Und habe letzterer auf einmal durch einen Franzosen, den 
er als Gesandten gebraucht, dreierlei Vorschläge machen 
lassen: »Erstlich sich wider den Churfiirsten Pfalzgrafen 
gebrauchen zu lassen, da w^olt er zwo statt einnemen und 
besetzen; oder wider herzog Johann Casimir, dem könig 
zum besten; oder auch mit herzog Johann Casimir wider 
den könig, wo es sich begebe.« 

Auf die Frage der Dreizehn, ob es nicht der Pfalz- 
graf Georg Hans wäre, gesteht Beutterich solches zu, und 
dass er dem Herzog von Alen9on durch den Herrn von 
Rosne die drei Anerbietungen gemacht habe»). 

Zum Schlüsse hebt Beutterich von neuem die Bedeutung 
seines Herrn hervor: »In summa, was etwas fürnems in 
Frankreich, das bul umb sein hem; daher dann nit bald 
etwas in Frankreich fürgehn könn, dessen sein herr nit 
eigentlich durch diss mittel avisirt werd; dann es wöll 
jeder teil der liebst bei ihm sein.« Der aber sei willens, 
sich keinem Teil anzuschliessen, sondern wenn er ihr Geld 
in der Faust habe, für sich selbst kriegsvolk aufzubringen. 
Mit dem wollte er das diesem Lande Nützlichste vor- 
nehmen. Dazu sollte ihm Strassburg zu seinem Teil auch 
behilflich sein. — Sein Herr mache sich deshalb bei Guise, 
Alenyon, Lothringen und anderen etwas gemeiner, als 
ratsam erscheinen könnte. Es geschehe aber allein, damit 



') Chr^tien de Savigny, seigoeur de Rosne, Besitzer des Schlosses 
Türkenstein (vgl. Hollaender a. a. O. 510). In einer Urkunde vom 
21. Februar 1579 wird er genannt »Kämmerling und leutenambt aber ein 
hundert kürisser des königs in Frankreich bruder (Strassb. Bezirksarchiv 

E 358). 



324 



Hollaender. 



ist^), an der Thatsache des Anschlag-es selbst nicht zu 
zweifeln«). 

Dafür sprechen ausser den vielen bereits erwähnten 
2feugnissen «), namentlich den Briefen der Königin Katharina 
und der Warnung des Königs, ihres Sohnes, nicht am 
wenigsten die zuerst von Häusser irrtümlich unter der 
Bezeichnung »Tagebuch«, herausgegebenen eigenhändigen 
Aufzeichnungen des Pfalzgrafen Johann Casimir, wo es 
u. a. heisst: »Comme Guisa voulut surprendre Strasburg, 
le roy les avisat, pour ce qu'il craigneit les moiens qu'ils 
trouveriont et ocuperio(n)t dedans et avecque cela ne luy 
ficiont la guere« und »Malroy est bon Guisart; il se faut 
donner de garde«*). 

Nicht minder beweiskräftig ist ein Schreiben des 
Metzer Befehlshabers Saubole aus Marsal vom 4. Januar 
15905). Dieser empfiehlt darin dem Strassburger Rat einen 
vom ihm als durchaus zuverlässig erprobten, aus Oflfenburg 
gebürtigen Hauptmann Jacob, »marechal des logis de la 
compagnie a cheval de ceste garnison«. Derselbe hätte 
ihm mitgeteilt, »que pour avoir servy la Routte defFunct«) 
et avoir este de sa suitte, lors de la malheureuse 



') Eine direkte Beschuldigung des Pfalzgrafen finden wir in einem 
Briefe des toscanischen Gesandten in Paris Saracini vom 5. Okt. 79 (Des- 
jardins a. a. O. 4, 269): »M. de la Petite-Pierre, huguenot, fait une tentative, 
qui 6choue, pour surprendre Strasbourg«. — *) Wenn auch der sonst gut 
unterrichtete Languet am 21. Nov. 1579 von Antwerpen aus über das sich 
versammelnde Kriegsvolk schreibt: »Sunt qui conentur persuadere Argen- 
tinensibus, istos struere insidias ipsorum urbi, quod non puto esse verum« 
(Ad Sydnaeum S. 304), war man in Deutschland hingegen allgemein der 
Ansicht, dass der Anschlag gegen Strassburg gerichtet gewesen (vgl. nament- 
lieh die von Bezold i, 210 mitgeteilten Warnungsschreiben des Kurfürsten 
von der Pfalz und des Herzogs von Wirtemberg, sowie diejenigen des Kaisers 
Rudolf (Str. St.-Arch. AA 734). Auch der Cond6'sche Agent La Huguerye 
erwähnt in seinen* Memoiren (2, 46): »Pentreprise faicte peu auparavant sur 
la ville de Strasbourg«. Vgl. ebenso oben S. 316 die Mitteilungen S^gurs 
und eine Notiz in einem Schreiben Fabians von Dohna vom 10. April 1580 
(Archiv der Grafen von Dohna); »Es haben etliche Franzosen neulich die 
Stadt Strasburg durch practiken wollen einnemen. Res est detecta und ist 
ihr an schlag zurückgegangen«. — ') Höchst bemerkenswert ist auch die Ober* 
einstimmung der oben S. 299 erwähnten Kundschaft aus Paris vom 20. Juli 
mit der Mitteilung Beutterichs. ~ *) Bezold 2, 175. — - ») Str. St.-Arch. AA 
838. «- *) Dieser Gouverneur von Marsal war 1579 an dem Anschlage auf 
Sirassburg mit beteiligt (Bezold i, 179; 223 S. 389 u. S. 393 Anm. i.) 



^26 Hollaender. 

lassen. Nun könnten sie schon etliche Jahre hindurch aus 
allerhand Ursachen schliessen, daiss der Pfalzgraf Georg* 
Hans den Franzosen Anlass gegeben, auf diese Lande ihre 
Anschläge zu richten, so dass sie sich berechtigt hielten, 
dem Kaiser Genüge zu thun. Für sie sowohl als auch für 
das ganze Land und das heilige Reich wäre es höchst 
beschwerlich , von einem so »wolherkommenen« benach- 
barten Fürsten ohne die geringste Ursache fortwährend 
beunruhigt zu werden. Neben allerhand Drohungen und 
unfreundlichen Handlungen des Pfalzgrafen selbst 0, hätten 
vor ungefähr drei Jahren etliche der Rheingrafen öflfentlich 
davon geredet, wie in kurzem diese Stadt überfallen und 
eingenommen werden möchte. Einer der Grafen habe 
ihrer Diener einen, in dessen Hause sie einen Trunk gethan, 
ernstlich verwarnt, seinen Sohn, den er bei unserer Schulen 
alhie gehabt, und was er sonst Liebes hab, hinwegzuthun ; 
»denn ehe damalen Weihnachten komm, werd er erfahren, 
dass es viel anders mit Strassburg dann jetzt stehen werdec. 
Auch habe er an demselben Abende einem zugetrunken 
mit dem Fluche, dass es ihm Gift und Galle werden sollt, 
wo nicht der Anschlag auf Strassburg gemacht werde, dabei 
er und andere redliche Deutsche auch dabei sein wollten. 

Vor allem läge die Besorgnis nahe, dass so die 
Franzosen Pfalzburg in die Hände bekämen, sie sich leicht- 
lich ein solches Nest zurichten könnten,, von dem aus sie 
die ganze Nachbarschaft schädigen und aus dem sie ohne 
sonderliche Kosten und Gewalt nicht leichtlich vertrieben 
werden könnten. 

Deshalb hätten sie wohl Veranlassung, dem Kaiser 
einen eingehenden Bericht abzustatten und namentlich bei 
ihm zu beantragen, dass Pfalzburg wieder zu einer offenen 
Zollstadt gemacht, und die beiden Schlösser Türkenstein 
und Chatillon hinweggeräumt würden*). Ehe sie aber 
einen solchen wichtigen Schritt gegen den Pfalzgrafen 
unternähmen, der keine Ursache hätte, »mit obgehörten 
Ihren selbseignen träumen und einbildungen uns gegen 
männiglich unwahrhaftig zu verkleinern«, wollten sie Johann 

') Vgl. darüber das oben S. 313 angeführte »Summarische Verzeichnis«* 
— *) Vgl. über deren Lage Hollaender a. a. O. S. 504. 



128 Hollaender. 

Sein Brief an den Kaiser aber hat folgenden Inhalt: 
Da er nicht mehr soviel Macht hätte, die Besatzung'en 
weiter zu erhalten, bäte er ihn zu überlegen, »wie ihm zu 
herzen sein möcht, der mit so vil kleinen kindem beladen*); 
man kann ein bogen zu hart spannen, das er zuletzt 
springen muss. Man siehet und weiss klarlich, das einmal 
Frankreich sein anschlag uf Strassburg gemacht 
und an keiner verreterei sich nicht dauren lässt, wie sich 
dann fumeme Franzosen und obersten verlauten lassen, es 
solle und könne die Stadt Strassburg ihnen nit 
entgehen, und rühmen sich ohne scheu, wie sie ire ver- 
reterey in der Stadt drinnen haben; wie dann höchlich 
zu besorgen, das es nit ohn sein wart, dann ire der Fran- 
zosen list ist ohn auszudenken. Es hat sich auch neulich 
ein fumemer Franzose verlauten lassen, sie wollen ufe 
allerwenigst die berghäuser sich understehen zu bekommen 
und darnach Strassburg wol ausmatten. 

Zudem so erwege ich auch unsers herm Gottes ver- 
henknus und was für mutmassungen daraus zu nehmen, da 
die alten Teutschen die Franzosen von dem Rhein getriben 
haben bis über die Maas, da ging es nacheinander jetz 
und bis menschengedenken. So haben die Franzosen von 
der Maas schon gerückt bis über die Mosel, von der Mosel 
bis an die Saar, haben also noch 7 meil wegs bis an den 
Rhein. — Nun stehet einem zu bedenken, der uf der fron- 
tier hilflos gelassen wirt, wan er die dinge für äugen 
schier siehet, was ihm zu thun sei, ob er will warten, das 
man ime die haut über die obren ziehe oder ob er bei 
Zeiten andere mittel will suchen, sonderlich einem, der mit 
schulden beladen ist und vil lieber kind für äugen sieht 
gehen und aus unschult in solche last und Sachen uf kaiser- 
liche Vertröstung ist komen. 

Nun führe ich zu gemüt, wie die Teutschen nun lange 
zeit Frankreichs ruten und strafen gewesen sein und ge- 
meiniglich ein land nach dem anderen gestraft wird; ob 
nun der periodus nit an Teutschland sein wurd, geb ich 
zu bedenken. 



') Von seiner Gemahlin, Anna Marie, einer Tochter des Schweden- 
königs Gustav Wasa, hatte er elf Kinder. 



- ji 



332 



Obser. 



Auf dem einen der Bilder*) sehen wir am Waldes- 
saume, im Schatten einer Buche, zwei Schäferinnen 
anmutig gelagert. Die eine, auf dem Rasen behaglich 
ausgestreckt, lehnt sich mit dem Rücken an den Schoss 
der Freundin und liest eifrig in einem Briefe, den sie vom 
Liebsten erhalten, indes die Gefährtin, leicht vorgeneigt, 
das Kinn auf den linken Arm stützend, in der Rechten 
den blumengefullten Hut, ihren Worten lauscht und sinnend 
vor sich hinblickt. Vor den beiden Hirtinnen eine Gruppe 
von Lämmern. Rechts im Hintergründe öffnet sich der 
Ausblick auf einen kleinen Teich, über dem sich, an die 
historische Landschaft Poussins erinnernd, ein rundes, 
tempelartiges Gebäude erhebt. Zur Linken über einer aus 
steinerner Fassung herabstürzenden Quelle das Bildwerk 
eines rosengeschmückten Amors, dem zur Seite aus 
dunkelm Gebüsch ein braunlockiger Knabenkopf neugierig 
auf die Beiden herablug^. 

Das zweite Gemälde*) führt uns ein kleines Liebes- 
idyll im Geschmacke der Zeit vor Augen. Im Waldes- 
grunde, am Rande einer Quelle, die aus dem Rachen 
eines von spielenden Putten umringten Delphins hervor- 
sprudelt, sitzt ein hübscher Schäferknabe, ihm zu Füssen, 
ihr Haupt an seine Brust schmiegend, lagert die geliebte 
Hirtin; ihre Rechte, die auf seinen Knien ruht, trägt ein 
Körbchen mit Blumen, während sie mit der Linken in 
ihrem Schoss einen Kranz aus Vergissmeinnicht hält. 
Verlangend und bewundernd blickt sie auf zu einer Rose, 
die der Jüngling für sie vom Strauche zu pflücken sich 
anschickt. Ihr zur Seite verfolgt ein junges Hündchen als 
getreuer Wächter aufmerksam den Vorgang, der seine 
Herrin beschäftigt. 

Beide Pastorales tragen neben dem Namen des Meisters 
die Jahreszahl 1760, stammen also aus einer Zeit, wo er 
nach der herrschenden Annahme wenigstens den Höhepunkt 
seiner künstlerischen Laufbahn schon überschritten hatte 
und sein Stern sich zum Niedergang neigte. Gleichwohl 



>) Vgl. Grossh. Kunsthalle in Karlsruhe. Katalog der GremSldegalerie, 
in amtlichem Auftrag verfasst von K. Kölitz. Nr. 480. — *) Nr. 479, nach 
dem Kataloge der Karlsruher Gemäldegalerie. 



334 



Obser. 



hältnisse gaben im Jahre 1759 mittelbar den Anlass zu 
den ersten umfangreicheren Erwerbungen für das Gemälde- 
kabinet, das die kunstliebende Fürstin begründete und im 
Laufe des nächsten Jahrzehnts in rascher Folge zu einer 
auserlesenen, stattlichen Sammlung erweiterte. Einer der 
Agenteix, die ihr dabei eifrig an die Hand gingen, war 
der Pariser Bankier J. H. Eberts, von Geburt anscheinend 
ein Elsässer, ein in künstlerischen Dingen wohl unter- 
richteter Mann, der selbst eine kleine Galerie besass. Er 
berichtete ihr über den Pariser Bildermarkt, schickte die 
Auktionskataloge ein, machte sie auf hervorragende Werke 
aufmerksam, empfing ihre Aufträge und vermittelte die 
Ankäufe. Sein Briefwechsel mit der Markgräfin ist ziemlich 
vollständig erhalten und bildet für die Geschichte der 
Karlsruher Gemäldesammlung eine noch unbenutzte, über- 
aus wichtige Quelle. Hier interessiert uns derselbe zunächst 
nur, soweit die Person Bouchers dabei in Frage kommt. 

Im September 1759 hören wir zum erstenmal von 
einem Auftrage Karoline Luisens, der den Meister betrifft. 
Eberts war, wie es scheint, kurz zuvor in Karlsruhe und 
hatte dort die Weisung empfangen, einen Studienkopf in 
Pastell (t^te au pastel) bei dem Künstler zu bestellen. 
Boucher, der gerade mit Arbeiten für den nächsten Salon 
und Frau von Pompadour viel beschäftigt war, erklärte 
sich mit Vergnügen bereit, bat aber um Geduld: bis Ende 
des Monats hoffe er das Bild zu liefern, »meme avec un 
pendant«'). Die Fürstin begrüsste die Nachricht mit 
Freuden. Bisher kenne sie den berühmten Maler nur aus 
Stichen und Radierungen, um so lebhafter sehne sie sich 
nach einem Original. Eberts möge ihn ja nicht drängen ; 
sie sei überzeugt, dass sie zwei Werke erhalten werde, die 
seines Namens würdig seien«). Am 11. Oktober konnte 
ihr Mittelsmann melden, dass die beiden PastpUe abgegangen 
seien. Ihr Preis betrug 384 Frcs. Über den Gegenstand, 
den sie behandelten, — zwei Studienköpfe — wissen wir 
nichts Näheres. In der Karlsruher Galerie sind sie nicht 
vorhanden, vielleicht in einem der Grossh. Schlosser 



») Eberts an Karoline Luise, 6. September 1759. — *) Karoline Luise 
an Eberts, 17. September 1759. Konzept. 



^^6 Obser. 

oü il y aura un peu de tout, des figxires, des animaux, des 
fleurs et des ruisseaux. La composition en sera tres gra- 
cieuse, le dessein correct et le colorit charmant«^). Die 
Fürstin ist entzückt von der Nachricht. Boucher gilt als 
Meister auf all den Gebieten, um so mehr ist sie begierig, 
seine Art nach verschiedenen Richtungen hin kennen zu 
lernen. Und ein paar Wochen später, Ende Februar, als 
sie neue Mitteilungen erhalten , schreibt die begeisterte 
Kunstfreundin in überwallender Freude an Eberts: >Vous 
m'enchantez, monsieur, par tout ce que vous me dites des 
deux tableaux de monsieur Boucher, je prevois que je me 
mettrai ä genoux, lorsque je les recevrai«». Ende März 
wird ihr gemeldet, dass das erste Bild mit raschen Schritten 
seiner Vollendung entgegengehe; aus der näheren Be- 
schreibung ersieht man, dass es sich um die im Kataloge 
der Karlsruher Galerie die Nummer 479 tragende »Liebes- 
scene« handelt. »La plus belle nymphe ou bergere du 
siecle d'Astree — versichert Eberts — n'a Jamals ete plus 
jolie que celle de ce tableau. Le berger qu'elle regarde 
d'un oeil passionne est aussi d'un tres beau choix, les 
agneaux, les moutons, les ruisseaux, les statues, fleurs etc, 
son: comme nature et d'un joli fini sans froideurc*). In 
der letzten Aprilwoche geht endlich die Sendung nach 
Karlsruhe ab; Eberts benützt den Anlass, um aus dem 
Ateliers Bouchers zwei weitere Studienköpfe in Pastell, 
Porträts bekannter Pariser Schönheiten, zum Kaufe anzu- 
bieten*). Die Markgräfin ist über das Pastorale hoch- 
erfreut, es entspricht ihren Erwartungen vollkommen und 
mehrt ihr Verlangen nach dem Besitze des Gegenstücks. 
Beide werden eine wahre Zierde ihres Kabinetts bilden. 
Auch die Pastellporträts sind willkommen, vor allem gefallt 
ihr das frische Colorit des einen, der Briefleserin«). 

' Anfangs Juni folgt auch das zweite Bild, die mit der 
Nummer 480 bezeichnete »Schäferinnenscene« der Karls- 
ruher Sammlung, begleitet von zwei Stichen, die der 
Meister überreichen Hess. Karoline Luise beeilte sich. 



^) An Karoline Luise. 3. Jan. 1769. — *) An Eberts. 14. Jan. 1769. 
— ') An Eberts, 27. Febr. 1760. — *) An Karoline Luise, 20. März 1760. 
- *) An Karoline Luise. 1760. Konzept. — ®) An Eberts. Mai 1760 (ohne 
Tagesangabe). Konzept. 



338 Obser. 

Es waren übrigens nicht die letzten Erwerbungen aus 
der Werkstätte des Meisters. Im. Februar 1762 wurden 
durch Vermittlung von Eberts zwei weitere Pastellporträts, 
von denen das eine Lindane, das andre, von der Fürstin 
längst begehrt, Frau von Pompadour darstellte, um den 
Preis von 384 Frcs. dem Karlsruher Kabinette einverleibt. 
Auffallender Weise sind, wie die vier oben anj^efiihrten, 
auch diese beiden Pastellporträts in der Grossh. Kunst- 
halle nicht vorhanden. Die Möglichkeit ist nicht aus- 
geschlossen, dass sie, in ihrer Herkunft nicht erkannt, in 
einem der Grossh. Schlösser ihren Platz gefunden haben 
und ihrer Wiederentdeckung harren. Vielleicht geben 
diese Zeilen den Anstoss zu Nachforschungen, die von 
Erfolg gekrönt werden. 

Man hat Boucher in neuerer Zeit auch als den Schöpfer 
des grossen Deckengemäldes und der Surportes im Marmor- 
saal des Karlsruher Residenzschlosses bezeichnet *). Mit Un- 
recht. Allerdings hat Eberts im November 176g, als in Paris 
die Möbel zur Ausstattung der neuen Räume im Schlosse 
bestellt wurden, gelegentlich wohl einmal die Frage auf- 
geworfen, ob man die Anfertigung der Skizzen zu den 
Deckengemälden nicht Boucher übertragen wolle, eine 
Antwort darauf ist aber nicht erfolgt, in der Korrespondenz 
nirgends weiter davon die Rede. Abgesehen von allen 
inneren Gründen, die gegen eine Autorschaft Bouchers 
sprechen, besitzen wir das zuverlässige Zeugnis eines 
Mannes, der in dem Schlosse damals sehr genau Bescheid 
wusste, des Hofrats und Prinzenerziehers Friedrich Dominikus 
Ring, der in seinem handschriftlich erhaltenen »Versuch 
einer Generaltabelle über Karlsruhe«, — wenn man will, 
dem ersten »Bädecker« der Residenz — ausdrücklich den 
Hofmaler Melling als Schöpfer des Deckengemäldes nennt«). 

Im Mai 1770 starb Fran9ois Boucher. Pie Hoffnung, 
die er im Jahre zuvor noch ausgesprochen hatte, dass es 



Karl Friedrichs lehrt, gerade den Rotstift mit besonderem künstlerischem 
Geschick zu führen verstand? 

1) In dem von dem . verstorbenen Galerieinspektor Richard auf- 
genommenen Inventar. — ^) »Der von Melling gemalte Plafond stellt die 
Geburt der Göttin Venus vor.« Handschrift Nr. 1293 des General- Landes- 
archivs, fol. 5. 



Zur Geschichte der Karlsruher Gemäldegalerie. i^q 

ihm eines Tages vergönnt sein möge, Karoline Luise an 
der Spitze der Königl. Akademie zu empfangen und durch 
seine Sammlungen zu geleiten »), ging nicht in Erfüllung. 
Als die Fürstin im Jahre 1771 nach Paris kam, weilte er 
nicht mehr unter den Lebenden. 

Die Gesellschaft, deren Ideal er geschildert, überlebte 
ihn nicht lange. Eine neue Zeit stieg herauf, die für ihn 
kein Verständnis mehr hatte. Die Römer Davids ver- 
drängrten seine Schäfer und Schäferinnen, man sprach von 
dem »Boucher de ridicule memoire« nur mit Spott, noch 
zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurden seine Bilder zu 
Schleuderpreisen -- um 20 — 30 Frcs. — verkauft. Erst 
im letzten Drittel des Jahrhunderts vollzog sich ein Um- 
schwung zu seinen Gunsten: man lernte trotz mancher 
Schwächen den wahren Künstler in ihm wieder 
würdigen und bewundem und setzte ihn in die Rechte 
wieder ein, die man ihm so lange vorenthalten. So erfreuen 
sich auch die Werke, die in der Karlsruher Galerie des 
Meisters Namen tragen, als kostbare Dokumente seines 
künstlerischen Schaffens nicht minder, wie des Kunstsinns 
einer hochbegabten Fürstin, in unsern Tagen von neuem 
der verdienten Wertschätzung. 

*) Eberts an Karoline Luise. 7. Okt. 1769. 



Badische Geschieh tslitteratur 

des Jahres 1901*). 

ZusammeDgestellt von 

Fritz Frankhauser. 



AZtgB. 

DLZ. 

Frkftr.Ztg. 

HZ. 

LCbl. 

Mh.Gschbl. 

Mitt. 

Mpnbl.SchwarzwV. 

NA. 

NAGHeidelb. 

SVGBodensee. 

NF. 

Zs. 

Ztg. 



Verzeichnis der Abkürzungen. 

Allgemeine Zeitung, Beilage. 

Deutsche Litteraturzeitung. 

Frankfurter Zeitung. 

Historische Zeitschrift. 

Litterarisches Centralblatt. 

Mannheimer Geschichtsblätter. 

Mitteilungen der Badischen Historischen Kommission. 

Monatsblätter des Schwarzwaldvereins. 

Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche 

Geschichtskunde. 

Neues Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg. 

Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees. 

Neue Folge. 

Zeitschrift. 

Zeitung. 



Inhaltsverzeichnis. 

I. Zeitschriften und bibliographische Hilfsmittel. Nr. i — 19. 
II. Prähistorische, Römische und Alamannisch-fränkische Zeit. Nr. 20 — 46. 



') Die Zusammenstellung der Badischen Geschichtslitteratpr des Jahres 
1901 hatte ursprünglich Herr Dr. Emil Ettlinger übernommen und bereits 
mit der Sammlung des Materials begonnen, als er infolge seiner Übersiedelung 
nach Berlin sich genötigt sah, im September v. J. dem Unterzeichneten die 
Bearbeitung zu überlassen. Für die Oberiassung seines Materials bin ich 
ihm zu Dank verpflichtet; desgleichen für freundliche Mitteilung von Bei- 
trägen Herrn Archivrat Dr. Obser in Karlsruhe, Herrn Pfarrer Reinfried 
in Moos, Herrn Dr. K. Rieder und Herrn Bibliotheksassistent Ferdinand 
Rieser in Karlsruhe. 



342 Frankhauser. 

heimer Altertumsverein. II. Jahrgang, i Bl. + 272 S. 
S. diese Zs. NF. XVI, 300, 469, 752; NF. XVII, 173 — 174. 

10. Alemannia. Zeitschrift für alemannische und fränkische 

Geschichte, Volkskunde, Kunst und Sprache. Zugleich 
Zeitschrift der Gesellschaft für Geschichtskunde zu 
Freiburg im Breisgau. Herausgegeb. von Fridrich 
Pfaff. NF. 11. (Der ganzen Reihe 2g. Band). Frei- 
burg, Fehsenfeid. 2 Bl. -}- 288 ?. S. diese Zs. NF. XVI, 
»32, 301, 753. 

11. Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Ge- 

schichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, 
dem Breisgau und den angrenzenden Landschaften. 
XVII. (= Alemannia NF. II) XII 4- 288 S. 

12. Albert, Peter P. Übersicht über* die kirchen- 

geschichtliche Litteratur des Erzbistums Frei- 
burg seit dem Bestehen des Freib. Diöc.-Arch. 
1862 — 1899. Freib. Diöc.-Arch. NF. II, 302—359. 

13. Derselbe. Die Geschichtschreibung der Stadt 

Freiburg in alter und neuer Zeit. Diese Zs. 
NF. XVI, 493 578. [Erschien auch separat als 
Festgabe der Bad. Hist. Kommission zur General- 
versammlung der deutschen Geschichts- und Altertums- 
vereine in Freiburg vom 24. — 26. Sept. igoi. Karls- 
ruhe, Bielefeld. 86 S. — Eine zweite Ausgabe in 
Freiburg, Lorenz u. Waetzel. 86 S.]. Bespr.: N.A. 
XXVII, 538; HZ. 88, 377. 

14. Derselbe. Zur Partial-Kirchengeschichte. Deutsche 

Geschichtsbl. II, 203—210. 

15. Braun, J. Kaspar Hauser-Litteratur. Börsenblatt f. 

d. deutschen Buchhandel S. 10718 — 10720, 10750 
— 10751. 

16. Brunner, K. Die Pflege der Heimatgeschichte in 

Baden. Wegweiser für Freunde der badischen Ge- 
schichte. Im Auftrag des Karlsruher Altertumsvereins 
herausgegeb. Karlsruhe, Reiff. V -j- 153 S. Bespr.: 
Diese Zs. NF. XVII, 184—186 (K. Obser); Mh.Gschbl. 
III, 21—22; NA. XXVII, 527 (Bresslau); Forschung, 
zur Geschichte Bayerns X, i* (R.); Bad. Museum XVIII, 
174 — 175; Neue Bad. Schulztg. 1901, 547 — 548 (Bene- 
dikt Schwarz); Karlsr. Ztg. Nr. 267 (-z); Bad. Presse 
Nr. 293; Bad. Beobachter Nr. 230. 

17. Kienitz, O. u. Wagner, K. Litteratur der Landes- 

und Volkskunde des Grossherzogtums Baden. 
(Abgeschlossen am 1. Januar 1900). [= Badische 
Bibliothek 11.) Karlsruhe, A. Bielefeld. X-f-715 S. 
Bespr.: Karlsr. Ztg. Nr. 192 (A. Kressmann); Mh.Gschbl. 
II, 199; Diese Zs. NF. XVII, 182—184 (K. Obser); 



ß44 Frankhauser. 

32. Sarwey, Oskar v., Fabricius, Ernst, Hettner, Felix. 

Der Obergermanisch-Raetische Limes des Römerreichs. 
Im Auftrag der Limeskommission herausgegeben. Liefe- 
rung XIV. Unter Mitwirkung v. J. Jacobs herausgegeb. 
V. F. Hettner. Heidelberg, Peters. 75 S. XX Taf. 
— Lieferung XV, Bearbeitet von demselben. Ebenda. 
22 S. + 4 Taf. 

33. Thomas, Chr. L. Beiträge zur Ringwallforschung in 

Südwestdeutschland. Korrespondenzbl. d. Gesamtv. d. 
deutschen Geschichts- u. Altertumsvereine. XLIX, 165 
— 168. (Referat über einen Vortrag). 

34. Baden-Baden, Korth, L. Altertumsfunde in Baden-Baden. 

Echo von Baden-Baden Nr. 25. 

35. Bauschlott, Wagner E. Römische Gebäude bei Bau- 

schlott. Korrespondenzbl. der Westdeutschen Zs. XX, 

133 — 138. 
BurgweiUr^ s. Nr. 40. Edingen^ s. Nr. 24; 36. Feudenhtim^ s. Nr. 

24. Friedrichsfeldy s. Nr. 24; 39. Handschuhs heim, s. Nr. 36. 

36. Heidelberg, Pfaff, K. Städtische Ausgrabungen in und 

um Heidelberg in den Jahren 1898 1901 [betrifft 
Rohrbach, Kirchheim, Wiesloch, Handschuhsheim, Roth, 
Edingen und Reilingen]. Korrespondenzbl. d. Gesamtv. 
d. deutschen Geschichts- u. Altertumsvereine XLIX, 
159—162 (Referat über einen Vortrag); Korrespondenzbl. 
der Westdeutschen Zs. XX, 210—215 (Referat). 

37. — Römische Funde. Korrespondenzbl. d. Westdeutschen 

Zs. XX, 65 — 66; Bad. Museum Nr. 42. 

38. Karlsruhe, Fund römischer Altertümer. Antiquitätenzeitung 

IX, 124. 
Kirchheim ^ s. Nr. 36. 

39. Ladenburg, W. Fundbericht über römisch-keltische Nieder- 

lassungen in Ladenburg und Friedrichsfeld. Antiqui- 
tätenzeitung IX, 388. 

Ladenburg, s. Nr. 24. 

40. Mettenbuch, Tumbült, Georg. Neu aufgefundene römische 

Ansiedlungen auf den Gemarkungen Mettenbuch und 
Burgweiler. Korrespondenzbl. d. Westdeutschen Zs. XX, 

129—133. 

41. Osterburken, Schumacher. Bronzezeitlicher Depotfund 

von Osterburken. Mh.Gschbl. II, 158 — 161. 
Reilingen, s. Nr. 36. 

42. Rheinau, B (au mann). Fundchronik. Mh.Gschbl. II, 165. 
Rheinau, s. Nr. 24. 

43. Riegel, Schuhmacher, K. Neues vom alten Riegel. 

Schau-ins-Land XXVIII, i — 12. 

44. — Derselbe. Römischer vicus und Hallstatt- Ansiedlung bei 

Riegel. Korrespondenzbl. d. Westdeutschen Zs. XX, i — 3. 

Rohrbach, s. Nr. 36. Roth, s. Nr. 36. 



^^8 Frankhauser. 

Nr. 259 u. 260. — Unterhaltungsbl, d. Bad Beobachters 
Nr. 38—41. 
78. Wendland, W. Versuche einer allgemeinen Volks- 
bewaffnung in Süddeutschland während der Jahre 
1791 — 1794 [= Histor. Studien XXIV]. Berlin, 
Ehering. VllI + 223 S. Bespr.: DLZ. XXII, 2915; 
Forschungen zur Geschichte Bayerns IX, 17* (-el-). 



79. Degen, Richard. Aus dem tollen Jahr. Erinnerungen 

an die badische Revolution. Bad. Landesztg. Nr. 163. 

80. [Eltester, H. u. Bratke G.]. Ein Rückblick auf die 

50jährige Regierung Seiner Königlichen Hoheit des 
Grossherzogs Friedrich vpn Baden. Karlsruhe, Thier- 
garten. 75 S. 6 Abbild. 

81. Friedrich, Grossherzog von Baden. Reden und 

Kundgebungen. Herausgegeb. von R. Krone. Freiburg, 
Waetzel. XV + 358 S. Bespr.: Frkftr. Z^. Nr. 110, 

4. Morgenbl. (W. M[artens]) ; Diese Zs. NF. XVI, 316; 
Karlsr. Ztg. Nr. 21; Bad. Landesztg. Nr. 44 (Dr. C); 
Mitteilungen aus der historischen Litteratur XXIX, 478 
(W. Martens); AZtgB. Nr. 49 (H.); DLZ. XXII, 2914 
— -2915 (K. Obser); Südwestdeutsche Schulblätter XVIII, 
227 — 228 (Robert Goldschmidt). 

82. Friedrich, Grossherzog von Baden. Fremde Fürsten 

in Habsburgs Heer 1848—1898 (vgl. Nr. 86). 

s. 390—394.. 

83. Heeresbewegungen im Kriege 1870 — 187 i. Heraus- 

gegeben vom Grossen Generalstab. [== Studien zur 
Kriegsgeschichte und Taktik I.] 4. Operationen im 
südöstlichen Frankreich. S. 81 — 208. Anlagen: 6 — 34. 
Karten: 12 — 17. Berlin, Mittler. 

84. Heyd, H. Ein Vierteljahr verwundet und gefangen in 

Frankreich. Erlebnisse eines Grenadiers im Kriege 
1870/71. (= Badener im Feldzug 1870/71, XVI).^ 
Karlsruhe, Reiflf. 88 S. 

85. Karl, Prinz v. Baden. Fremde Fürsten in Habsburgs 

Heer 1848- 1898 (vgl. Nr. 86). S. 282—283. 

86. Leopold, Grossherzog von Baden. Fremde Fürsten 

in Habsburgs Heer 1848 — 1898. Herausgegeb. von 
Anton V. Deitenhofen. Wien, Selbstverlag. 1898. 

5. 91 — loi. 

87. H. J. R. Prinz Max von Baden und seine Gemahlin 

Prinzessin Marie Luise von Cumberland. Badische 
Fortbildungsschule XIV, 65—67. 

88. [Obkircher, W.]. Zum 16. Februar 1901. Freiburg, Leh- 

mann. 1 2 S. [Enthält eine kurze Geschichte des 5. Badr 
Infanterieregiments Nr. 113 in Freiburg]. 



352 



Frankhauser. 



131. Eberbach, Bad. Fortbildungsschule XIV, 3 — 9, 23 — 26. 
Edingen^ s. Nr. 24, 36. Ehrsberg^ s. Nr. u6. Einsiedelhof^ s. Nr. 119, 

132. Emmendingen. Münz er. Emmendingen. Monbl.SchwarzwV, 

IV, loi — 1 12. 
Engelschwand^ s. Nr, 117. 

133. Engen. Badische Fortbildungsschule XIV, 53 — 56, 67 — 72, 

Eitenheimy s. Nr.' 68 — 69. 

134. Ettlingen. Schwarz, B. Geschichte der Stadt Ettlingen 

(vgl. igoo Nr. 95). Lieferung 3—9, S. 73 — Schluss 
und Anhang S. i — 10. 

Feudenheim, s. Nr. 24. 

135. Freiburg. Albert, P. P. Zu Mirabeau -Tonneaus Tod 

und Begräbnis [in Freiburg]. Alemannia. NF. 11,53 — 55. 

136. — Chronikblätter der Stadt Freiburg i. B. (Fortsetzung, 

vgl. 1900 Nr. 98) Breyssgauer Chronic von 1002 biß 
1564. Wunderliche Geschichten von Breißgau und 
Freyburg mitsambt dem Schwarzwald. Adressbuch der 
Stadt Freiburg f. 1901. S. 19-34. 

137. — Festschrift zur 50jährigen Gründungsfeier der Frei- 

willigen Feuerwehr Freiburg i. B., am 11., 12. u. 
13. August 1901. [Enthält eine Geschichte des Frei- 
burger Feuerlöschwesens]. Freiburg, Poppen. 55 S. 

138. — Generalversammlung [des Gesamtvereins dei 

Deutschen Geschichts- und Altertumsvereine] in Frei- 
burg (Baden). Korrespondenzbl. des Gesamtvereins etc. 
XLIX, 149 — 169, 193—199. 

139. — Ein Jugendbrief Kaiser Wilhelms 1. aus Freiburg, 

[Nach der deutschen Revue wieder abgedruckt.] Bad. 
Landesztg. Nr. 241. 

140. — Lorenz, Paul. Freiburg im Breisgau. 4, Aufl. Frei- 

burg, Lorenz u. Waetzel. 156 S. i Karte. 

141. — Mayer, Hermann. Zur Geschichte der Pest iir 

15. u. 16 Jahrhundert [betrifft Pest in Freiburg] 
Schau-inVland XXVIII, 13-22. 

Freiburgt s. Nr. ii — 14, 68, 240, 254 — 256, 260, 261, 284 — 293, 359 
370 — 372. Freistettt s. Nr. 263. 

142. Fremersberg. Korth, L. Zur Geschichte des Kloster 

Fremersberg. Echo von Baden-Baden Nr. 26. 

143. Frickingen. Stengele, Benvenut. Geschichtliches übei 

die Burg, den Ort und die Pfarrei Frickingen. Freib 

Diöc.-Arch. NF. II, 199—244. Bespr.: NA. XXVII 

553 (Bresslau). 
Friedrichsfeld^ s. Nr. 24, 39. FrÖhnd^ s. Nr. 116. 

144. Gaiberg' Waldhilsbach , Schmidt, Jul. Chronik von Gai 

berg-Waldhilsbach. Zugleich ein Beitrag zur Pfälzische] 

Kirchengeschichte. Selbstverlag. VII -f- 142 S. 
Gamshurst^ s. Nr. 263. Geschwend^ s. Nr. 116. Gdhrvkhl^s. Nr. 117 

Grossherrischwand^ s. Nr. 115. Günzgen, s. Nr. 117. Häg^ s. Nr. \\i 



354 



Frankhauser. 



159. Karlsruhe. F[reydorf], A. v. Staub aus dem Schutt 

eines niedergerissenen Gebäudes. Bad. Landesztg. 
Nr. 305. 

160. — Funk, H. Lavaters Aufzeichnungen über seinem Auf- 

enthalt in Karlsruhe auf der Rückreise von Ems im 
Jahre 1774. Diese Zs. NF. XVI, 263—272. 

161. — [Hoepfner, Fr.] Die Entwickelung der Brauerei Fr. 

Hoepfner, Karlsruhe. Ein Beitrag zur Geschichte der 
Industrie unserer Stadt. [Karlsruhe, Braun.] 39 S. 5 Taf. 

162. — 0[bser], K. Aus dem litierarischen Alt- Karlsruhe. 

Karlsr. Ztg. Nr. 95. 

163. — Oelenheinz, C. F. Notizen meistens aus dem zweiten 

Decennio seit Erbauung der Residenz Karlsruhe anno 
1715. Gesammelt von C. F. O. 1835. Herausgegeb. 
von K. Freiherrn v. Neuenstein. Karlsruhe, Bad. Ver- 
lagsdruckerei. 69 S. 

164. — Zum 50jähr. Geschäftsjubiläum der Brauerei A. Prinz, 

Karlsruhe (enthält eine Geschichte der Brauerei). Karls- 
ruhe, Gutsch. 50 S. I Taf. 

165. — Der St. Vincentius- Verein. Karlsruhe 1851 — 1901. 

Zur Erinnerung an das 50jährige Stiftungsfest. Frei- 
burg, Charitasdruckerei. 33 S. 

166. — Geschichte des Hauses Schmidt-Staub. Zum 40jährigen 

Gesrhäftsjubiläum. Karlsruhe, Doering. 4 Bl. 

167. — Weech, Fr. v. Karlsruhe. Geschichte der Stadt und 

ihrer Verwaltung (1900 Nr. 115). Bd. 111, Lieferung 
19 — 20, S. 401 — 560. Karlsruhe, Macklot 
Karlsruhe^ s. Nr. 38, 267, 299—3x1, 364. 

168. Kenzingen, Susann, H. Wolf von Hürnheim zum Tutten- 

stein. Ein Charakterbild aus dem 16. Jahrhundert. 
[Betrifft Kenzingen]. Alemannia NF. II, 97 — 128. 

169. Keppenbach. Wibel, F. Die Burg Keppenbach im Bretten- 

thal. Schau-in's-Land XXVIII, 33--52. 

Kirchheim^ s. Nr. 36. KUinlaufenhurg^ s. Nr. II 5. Königsfeld, s. 

Nr. 68. 

170. Konstanz. Bess, Konrad. Die Annatenverhandlung der 

»natio gallicana« des Konstanzer Konzils. Zs. f. Kirchen- 
geschichte. XXII, 48 — 70. 

171. — Konstanz im dreissigjährigen Kriege. Konst. Ztg. 

Nr. 80—81. 

172. — Truttmann, Adolph. Das Konklave auf dem Konzil 

zu Konstanz. Inauguraldissertation. Strassburg, Agentur 
Herder. 100 S. — Bespr.: Strassburg. Diöcesbl. NF. 
II, 37; DLZ. XXII, 611. 

173. — Wylie, James Hamilton. The Council of Constance 

to the Death of John Hus. London 1900. Longmans 
u. Co. 192 S. Bespr.: Mitt. a. d. histor. Litteratur XXX, 



^e6 Frankhauser. 

IX + 236S. Bespr.: Diese Zs. NF. XVII, 193 — 194 
(K. 0[bser]). Mh.Gschbl. II, 245—246. 

194. Mannheim, Walter, Friedrich. Karl Philipps Regierungs- 

antritt und seine ersten Besuche in Mannheim. Mh. 
Gschbl. II, 235 — 241. 

195. — Derselbe. Die ersten Privilegien der Stadt Mannheim 

vom Jahre 1607. Mh.Gschbl. II, 128 — 129. 

196. — Derselbe. Sekten -Niederlassungen in Mannheim 

unter Karl Ludwig. Mh.Gschbl. II, 56 — 61. — Nach- 
träge dazu: Ein theolog. Brief des Andreas Wiszowaty. 
Ebenda 93—94; Die Wiedertäufer in Kurpfalz. Ebenda 
244—245. 

197. — Derselbe. Ein Mannheimer Student im 17. Jahr- 

hundert. Mh.Gschbl. II, 20 — 21. 

198. — Derselbe. Das Repertorium Carpzovianum in Mann- 

heim gedruckt? Mh.Gschbl. II, 19—20. 

199. — Derselbe. Die Bedeutung des Wortes Planken. 

Mh.Gschbl. II, 40 — 41. 

200. — Derselbe. Alte Mannheimer Wirtshäuser. Mh.Gschbl. II, 

113— 115- 

Mannheim, s. Nr. 149, 230, 231, 233, 239. 312— 317, 355, 356, 364, 
365. 574. 

201. Messelhausen, Zehnter, J. A. Geschichte des Ortes 

Messelhausen. Ein Beitrag zur Staats-, Rechts-, Wirt- 
schafts- und Sittengeschichte von Ostfranken. Heidel- 
berg, Winter. XII -j- 355 S. Bespr.: AZtgB. Nr. 10; 
Karlsr. Ztg. Nr. 21; Alemannia NF. I, 281 — 284; 
DLZ. XXII, 3122 (K. Brunner); Histor. Jahrb. XXII, 501. 

Mettenbuch, s. Nr. 40. Muggenhrunn, s. Nr. 116. 

202. Mühlbach, Heilig, A. Geschichte des Dorfes Mühlbach 

von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Nach ver- 
schiedenen Quellen und Angaben zusammengestellt 
und herausgegeben. Eppingen, Luz. 68 S. 

Münsterthal^ s. Nr. 256. Murg, s. Nr. 115. Neuenweg, s. Nr. 116. 
Niederwihl, s. Nr. 117. Niklashausen, s. Nr. 326. Nöggenschwihl, 
s. Nr. 117. Nollingen, s. Nr. 115. 

203. Oherachern, Reinfried, K. Das ehemalige Wasserschloss 

zu Oberachern. Acher- u. Bühlerbote Nr. 94 — 95. 

Ohersäckingen^ s. Nr: 115. Ober sehe ff lenz, s. Nr. 324. Oberwthl, s. 
Nr. 117. 

204. Odenheim, Obser, K. Wetterkreuz in Odenheim. Diese 

Zs. NF. XVI, 467—468. 

Offenburg, s. Nr. 97, 378. Oeflingen, s. Nr. 115. Osterburken, s. Nr. 41. 
Otter sweier, s. Nr. 97. 

205. Palmhach' Unter mutschelhach, Meer wein, G. Zion halte 

deine Treu ! Kufze Geschichte der badischen Waldenser- 
gemeinden Palmbach-Untermutschelbach. Karlsruhe, 
Reiff. 116 S. 



^^8 Frankhauser. 

2 1 6. Säckingen, B i r k e n m a y er , A d, Archivalien des St. Fridolin- 

stifts zu Säckingeh. Mitt. XXIII, 29 — 46. 

217. — Caro, G. Zu Cap. 40 der Vita St. Fridolini (Glarus 

und Säckingen). Anzeiger f. Schweiz. Geschichte Vlli, 

444 — 449. 

Säckingen, s. Nr. 115, 353, 436, 437. Salem, s. Nr. 377. 

218. St, Blasien, St. Blasien vor 100 Jahren. Freie Stimme 

von Radoifzell Nr. 271 u. 272. 
2 ig, — Das Gasthaus der ehemaligen Benedictinerabtei 
St. Blasien, jetzt Hotel und Kurhaus St. Peter, Schwarz- 
wald XII, Nr. 14 — 16. 

220. Sasbach, Haas, J. Das Sasbacher Türenne-Denkmal. 

Monbl.SchwarzwV. IV 255 — 262. Vgl. auch Palm, E. 
(= Joseph Haas) Das Türenne-Denkmal bei Sasbach. 
Der Tag 1901 Nr. 301. 

221. — Funk-Brentano. Le champ de Turenne li Sasbach. 

Revue des etudes historiques, 1901 S. 451 ff. [beruht 

auf Nr. 220]. 
Schiltach, s. Nr. 329. Schlechtnau, s. Nr. Ii6. Schönau (bei Heidel- 
berg), s. Nr. 321. Schönau i. W., s. Nr. 116. Schönenberg, s. Nr. 116. 
Schopf heim, s. Nr. 284. Seckenheim, s. Nr. 24, 4$. Segelen, s. Nr. 117. 

222. Sinsheim, Badische Fortbildungsschule XV, 84 — 88, 

102 — 105. 

223. Sipplingen, Stenge le B. Das ehemalige Nonnenkloster 

zu Sipplingen. Freie Stimme von Radoifzell Nr. 225. 
Stellen, s. Nr. 117. Stockach^ s. Nr. . 68. Slritlmalt, s. Nr. 117. 

Tauber bischo/s heim, s. Nr. 107. Thunau, s. Nr. Ii6. 

224. Triberg, Wessenberg und die Redemptoristen in Triberg. 

Oberrhein. Pastoralbl. III, 299 — 302. 
Triberg^ s. Nr. 420. 

225. Überlingen, Sevin, H. Kaiser Rotbarts Fronhof Über- 

lingen. Selbstverlag. 1900. 85 S. 3 Taf. 

Ueberlingen, s. Nr. 27, 364. Unter mutschelbach, s. Nr. 205, 206. 

226. Unzhursl, Reinfried, K. Unzhurst, Pfarrei und Pfarrer. 

Acher- und Buhlerbote Nr. 141 — 143. 

Utzenfeld, s. Nr. 116. 

227. Villingen, Kretz, K. Villingen. Ein Führer durch die 

Stadt und ihre Umgebung. Mit 15 Kunstbeilagen u, 
1 Zeichnung. Freiburg, Lorenz u. Waetzel. 64 S. 
Villingen, s. Nr. 68 fValdhilsbach, s. Nr. 144. IValdshut^ s. Nr. 60, 

117. Waldshut (Landkapitel), s Nr. 117. fVehrhalden^ s. Nr. 115. 
fVeilheim, s. Nr. 117. Weinheim o. d. B., s. Nr. 266, 322. 
fVembach, s. Nr. 116. fVertheim^ s. Nr. 63. IVieden, s. Nr. 116. 
fT/W^wMrt/ (Landkapitel), s. Nr. 115. Wiesloch, s. Nr. 36, 112. 
Willaringen, s. Nr. 115. 

228. Windeck (b. Weinheim). Wittmann, F. Burg Windeck 

bei Weinheim a. d. B. Mh.Gschbl. II, 7 — 15, 32 — 36. — 



256 Frankhauser. 

Dr. J. Pommer. Karlsruhe, G. Pillmeyer. 1902 (!). 
XXXI + 312 S. 

325. Dieffenbacher. Grimmelshausens Bedeutung f. d. bad. 

Volkskunde. Korrespondenzbl. d. Gesamtvereins d. 
deutsch. Geschichts- u. Altertumsvereine XLIX, 193—197. 

326. Kern, Rolf. Hans Böhm, der Pfeifer von Niklashausen. 

Ein historisches Spiel für die Volksbühne. Nach 
urkundlichen Berichten verfasst. Karlsruhe, Lang. 
39 Seiten. — Vgl. dazu E. Hans Böhm der Pfeifer von 
Niklashausen Bad. Landesztg. Nr. 283 und Bad. Presse 
Nr. 93. 

327. Hoffmann, J. J. Aus dem Schwarzwälder Bauernleben. 

Badisches Museum Nr. 91 — 92. 

328. Derselbe. Stubengang im Schwarzwald. Bad. Museum 

Nr. 103— 104. 

329. Derselbe. Sylvesterabend in Schiltach, Bad. Landesztg. 

Nr. 608. 

330. Marriage. Sagen von der Bergstrasse und Neckar^ 

Alemannia NF. H, 73-^76. 

331. Rö ssler, O. Alte Gebräuche und Feste in Baden-Baden.. 

Echo von Baden-Baden Nr. 157 — 160. 

332. Steinhoff, J. Bilder aus der Kulturgeschichte Badens, 

Karlsruhe, Scherer. 162 S. Bespr.: Mh.Gschbl. IL 94^ 
Südwestdeutsche Schulbl. XVIIl, 133 (Kienitz). 

VIIL Familien-, Wappen-, Siegel- und Münzkunde. 

333. Herzberg-Fränkel, S. Die Bruderschafts- und Wappen^ 

bücher von St. Christoph auf dem Arlberg. [Betrifft 
vielfach oberrheinische Geschlechter]. Mitt. des Instituts 
für österreichische Geschichtsforschung. Ergänzungsbd . 
V^» 355 — 4 '2. Bespr.: Diese Zs. NF. XVI, 13g 
(K. 0[bser]). 

334. Kindler v. Knobloch, J. Oberbadisches Geschlechter- 

buch, herausgegeb. v. d. Bad. Historisch. Kommission. 
11, 3 Liefer. [Hummel v. Stauffenberg-Cantiuncula] 
Heidelberg, Winter. S. 161 — 240. 

335. Obernitz, Gg. v. Verzeichnis hervorragender Namen 

von Gelehrten, Schriftstellern, hohem und niederem 
Adel aus einem grossen Teil der Stammbücher, welche 
auf der Grossh. Bibliothek zu Weimar sich befinden. 
Vierteljahrsschr. f. Wappen-, Siegel- und Familienkunde. 
XXIX, 285—389. [Betrifft vielfach den Oberrhein.] 
Bespr.; Diese Zs. NF. XVII, 1 80-- 181 (K. 0[bser]). 

336. Stendell, E. Die Familien der ehemaligen unmittelbaren 

Reichsritterschaft in Schwaben, Franken u. am Rhein. 
Beilage zum Jahresbericht der Friedrich Wilhelms-Schule 
zu Eschwege. I 1887. -4 S.; II 1901. 23 S. 



ß58 Frankhauser. 

350. Wilkens, Th. Die bayerischen Wecken im Wappen vod 

Kur-Pfalz. Mh.Gschbl. II, 52-55. 

351. Cahn, J. Der Rappenmünzbund. Eine Studie zur Münz- 

und Geldgeschichte des oberen Rheinthaies. Heidelberg,^ 
Winter. V + 218 S. 4 Taf. Bespr.: Diese Zs. NF. 
XVI, 486—487 (P. Joseph); LCbl. LH, 1880— 1881; 
Jahrb. für Gesetzgebung, Verwaltung u. Volkswirtschaft 
XXV. 1636— 1640 (Schröter); HZ. 88, 376; Histor. 
Vierteljahrsschrift IV, 576 — 577 (Koberlin). 

352. Christ, K. Alte Münznamen. Pfalz. Museum XVIII, 

123—124; 156—157, 162—164. 

353. Der Fridolinsorden. [Betrifft das 1733 Febr. 27. durch 

Bischof Johann von Konstanz den Mitgliedern des 
Stifts Säckingen verliehene Recht einen Orden zu 
tragen]. Schweizer Archiv für Heraldik 1901, Heft 2. 

354. Huffschmid, M. Zwei pfälzische Schaumünzen. Mh.GschbL 

II, loS— 113. 

355. Die Medaille zur Grundsteinlegung der Eintrachtskirche 

in der Friedrichsburg. Mh.Gschbl. 41 — 43. 

356. Walter. Der Mannheimer Stadtmauerbau von 1681/82 

und die bei der Grundsteinlegung der Mauer geprägte 
Medaille. Mh.Gschbl. II, 262 —264. 

IX. Bibliotheken. Archive. Sammlungen. Unterrichtsviresen. 

357. Grossh. Hof- und Landesbibliothek. XXIX. Zugangs- 

verzeichnis 1900. Heidelberg, Groos. S. 2517 — 2602. 

358. Ettlinger, E. Die ursprüngliche Herkunft der Hand« 

Schriften, die aus Kloster-, bischöflichen und Ritter- 
schaftsbibliotheken nach Karlsruhe gelangt sind. [= Die 
Handschriften der Grossh. Bad. Hof- u. Landesbibliothek 
in Karlsruhe. Beilage III]. Heidelberg, Groos. gi S. 
Bespr.: Cbl. f. Bibliothekswesen XVIU, 277 — 278 
(Günther); Diese Zs. NF. XVI, 473 (K. 0[bser]); NA, 
XXVII, 287 (Bresslau). 

359. Mayer, Hermann. Geschichte der Freiburger Gymnasiums« 

bibliothek. Beilage z. Jahresbericht des Gymnasiums, 
Freiburg, Lehmann. 23 S. 

360. Die Instruktion für die Verbringung der Palatina nach Rom, 

AZtgB. Nr. 96. 

361. Aus dem Jahresbericht des Grossh. General-Landesarchivs 

f. 1900 (Jahresbericht und Erwerbungen). Karlsr. Ztg. 
Nr. 93. 

362. Inventare des Grossh. Bad. General-Landesarchivs, 

Herausgegeben von der Grossh. Archivdirektion I. 
Karlsruhe, Müller. VIII -f 320 S. Bespr.: Manch« 
Neueste Nachr. Nr. 22; Schwab. Merkur (v, 16, Januar 



380 Frankhauser. 

522. Sievert, A. J. Lupodunum-Ladenburg, eine achtzehn- 

hundertjährige Stadtgeschichte (igoo Nr. 118). Bespr.: 
AZtgB. Nr. 10. 

523. Stolze, W. Zur Vorgeschichte des Bauernkrieges (1900 

Nr. 184). Bespr.: Korrespondenzbl. d. Westdeutschen 
Zs. XX, 15-17; Hist. Vierteljahrschr. IV, 252; 292 
— 293 (Th. Knapp); Mitt. aus d. hisL Litteratur XXIX, 
308 — 309 (G. Schuster); Jahrb. f. Gesetzgebung, Ver- 
waltung und Volkswirtschaft XXV, 775 — 777 (Th. 
Ludwig). 

524. Thoma, A. Geschichte des Klosters Frauenalb (1898 

Nr, 82). Bespr.: Bad. Museum Nr. 6. 

525. Thommen, R. Eine bischöfliche Steuer in der Diöcese 

Konstanz (1898 Nr. 125). Bespr.: Freib. Diöc.-Arch. 
NF. II, 361 (K. Rieder). 

526. Tumbült, G. Donaueschingen (1900 Nr. 90). Bespr.: 

Diese Zs. NF. XVI, 316 (-r). 

527. Turquan, J. Une fille adoptive de Napoleon, Stephanie 

de Beauharnais, Grande - Duchesse de Bade (1900 
Nr. 58). Bespr.: Mh.Gsch. III, 22; Revue d'histoirc 
moderne et contemporaine II, 547 (Ch. Schmidt). 

528. Volk, G. Der Odenwald und seine Umgebung (1900 

Nr. 81). Bespr.: DLZ. XXII, 614—615 (Ebel). 

529. Weiss, J. G. Geschichte der Stadt Eberbach am Neckar 

(1900 Nr. 91J. Bespr.: Karlsr. Ztg. Nr. 21; AZtgB, 
Nr. 10; Bad. Schulztg. 1901, 116 (G. H.). 

530. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. 

NF. XV (1900 Nr. i). Bespr.: Revue historique LXXV, 
229; Mitt. aus d. hist. Litteratur XXX, 124 — 128 
(W. Martens). 



382 Kiener. 

entlehnt sind, wenn ferner nachgewiesen wird, dass die gesuchten 
Annalen selbst wieder eine dritte, in einer Verarbeitung erhaltene 
Quelle benutzt haben, wenn somit neue, freilich gebrochene 
Strahlen in das sich scheidende Chaos fallen, dann wird die 
Sicherheit der Untersuchung erhöht, aber auch die Schwierigkeit 
des Problems vergrössert. Es ist eben nicht anders: um solchen 
Fragen gerecht zu werden, bedarf es einer freien und doch 
bedächtigen Phantasie, die aus dem Gewordenen die vielen 
Möglichkeiten seines Entstehens und Werdens herausgrübelt, 
und zugleich eines starken Verstandes, der alle diese Möglich- 
keiten miteinander festzuhalten und gegenseitig zu kombinieren 
weiss, Fähigkeiten, wie sie in jedwelcher Wissenschaft nur den 
grossen Forschern beschieden sind. Schätzbare Angaben des 
zwölften Jahrhunderts, die den wiedergewonnenen Paderborner 
Annalen entstammen, kommen dank Scheffers Arbeit zu voller 
Geltung, weil wir nun wissen, aus welcher Hand sie uns geboten 
werden. Gross war auch der Gewinn für Scheffer selbst; in 
dieser Leistung geistiger Gymnastik hat er sich ausgereift. Wohl 
ist der Gedankengang auch vordem schon präzis und klar; doch 
hie und da, zuletzt noch in den Paderborner Annalen selbst, 
fehlen die Bindeglieder, sodass der Leser erst nach und nach 
merkt, welchen Weg ihn der Verfasser führen will. Fortan sind 
selbst diese kleinen Lücken vermieden, und stracks gezogene 
Pfade führen zu dem weithin sichtbaren Ziele. 

Wohl am vollendetsten im Aufbau ist die Studie über die 
Neuordnung der Papstwahl durch Nikolaus II. Bemerkenswert ist 
hier die Kunst, mit der unsere Spannung ständig wach erhalten 
wird. Allmählich steigert sich das Interesse, langsam bildet sich 
das Urteil. Das sind keine toten Urkunden mehr, das sind 
lebende Parteien, die unter dem wachsenden Anteil des Zu- 
schauers ihren Prozess führen. — Scheffers kritischer Geist, dem 
ein skeptischer Zug innewohnte, liebte es, Fälschungen, die sich 
bisher des besten Rufes erfreuten, blosszustellen. Wie viel wurde 
nicht in der kritiklosen Zeit des Mittelalters gefälscht, und wie 
viele der verschollenen Biedermänner hat nicht Scheffer ganz 
gegen ihren Willen vor sein strenges Tribunal zitiert: unwürdige 
Priester, geriebene Notare und nicht zuletzt das edle Verwandten- 
paar der Malespini. Sogar an die Florentiner Geschichte des 
Dino Compagni wagte er zu rühren ; doch da ging er zu weit. — 
Mit zunehmendem Alter spezialisierte sich sein Forschungsgebiet. 
Hatte der Meister früher wenig Sinn für rein diplomatische 
Untersuchungen, vielleicht weil sie der kombinierenden Phantasie 
nur beschränkten Spielraum gewähren, so hat er zuletzt fast nur 
noch Urkunden herausgegeben, auch da unausgesetzt Muster- 
gültiges schaffend, doch für seinen reichen, aber wohl müde 
gewordenen Geist ein allzu eng begrenztes Feld. Die letzte 
grössere Arbeit, die er geschrieben hat, ist eine feinsinnige 
Studie über Dantes Verbannung und Tod. 



384 



Kiener. 



im Ausdruck, wird durch einfache Inversion und Antithese der 
Begriflf, auf dem der Accent liegt, betont, die Sprache aber 
wird gehoben durch einen bewegten, wohlgerundeten Rythmus 
und ist von selbständigem Gepräge. £r war ein Künstler des 
wissenschaftlichen Stils. Seine Schriften sind präzis und klar 
und atmen jene überlegene Ruhe, deren es zum Erfassen wissen« 
schaftlicher Probleme bedarf. 

Im Kolleg vermittelte SchefFer in durchgearbeiteter Form 
den gesicherten Bestand historischer Erkenntnis; er liebte nicht 
jene »impressionistische« Geschichtsdarstellung, welche durch 
Zeichnung scharfer Kontraste und durch einseitige Beleuchtung 
weniger Punkte die Thatsachen entstellt und vergewaltigt. Die 
Entwicklung der Ideen, das kulturelle Moment deutete er in 
seinen Vorlesungen nur leise an. Nicht als ob ihm die Anlage 
zu solcher Betrachtung gefehlt hätte; gelegentliche Bemerkungen 
in seinen Schriften, die mit überraschender Kürze den Geist 
einer Epoche, den Charakter eines Schriftstellers wiedergeben, 
erweisen das Gegenteil. Doch schlug er solches gering an, 
das dünkte ihm ein subjektiver, belangloser Eindruck zu sein,^ 
der sich ihm unmittelbar aufdrängte, nicht aber ein durch 
zwingende Vernunftgründe gewonnenes Urteil. Gegenstand der 
Wissenschaft aber durften ihm nur greifbare, durch logische 
Deduktion gewonnene Wahrheilen sein. 

Dies allherrschende Bedürfnis nach Klarheit, die zu vollem 
Bewusstsein erhobene Reflexion machten aus ihm einen Meister 
der Methode, einen unübertrefflichen Lehrer im Seminar. Er 
erzog seine Schüler zu peinlicher Strenge im Denken. Wie er 
selbst kein Gefallen daran fand, grosse Stoffmassen zu bewältigen, 
hielt er auch im Seminar darauf, dass die gestellten Themata in 
zwei, höchstens drei Sitzungen erledigt wurden. Keine Minute 
erlahmte das Interesse, keine Sekunde ging der Überblick 
verloren. Mit souveräner Ruhe leitete er die Übungen. Er 
sprach, wenigstens in den letzten Jahren, meistens allein, während 
die Studenten zuhörten. Drängte sich einmal undeutlich und 
verworren die Frage oder Antwort eines Schülers dazwischen, 
dann war es bewundernswert, mit welcher Geschmeidigkeit er 
darauf einging, das störende Element zu klären und in den 
Gang seiner Untersuchung einzuordnen wusste. Manchmal auch 
sprach der Meister über System und Methode der Forschung. 
Da war es genussreich und belehrend zugleich, auf seinem durch- 
gearbeiteten, nachdenklichen Gesichte zu lesen, wie sich die 
Gedanken in ruhigem Fortschritt bildeten, und seinem wohl- 
geformten Worte zu lauschen. Scheffers Lehrthätigkeit ward 
von tiefgreifendem, segensreichem und dauerndem Erfolg begleitet. 
Zwei Grundzüge sind seiner grossen Schule eigen: die Liebe zd 
präziser Detailforschung, aus der allein wahre wissenschaftliche 
Erkenntnis erwächst, und die Abneigung vor anmassendem und 
hohlem Phrasenschwall. 



P. Scheffer-Boichorst 



385 



Oft zog der Lehrer die Schüler zu persönlichem Verkehr 
heran. Seine in sich geschlossene und wahrhaftige Persönlichkeit 
wirkte klärend und festigend auf die stürmisch wallende Jugend. 
Ein Freund heiterer Geselligkeit, übte er mit gleicher Meister- 
schaft die feine Ironie und den gemütvollen Humor, denen man 
auch in seinen Schriften oft begegnet, und wusste er anmutig 
ond pointiert zu erzählen. Und trotzdem war er ein einsamer 
Mensch. Gütigen und milden Herzens, war er doch ohne Illu- 
sionen über dieser Welt Lauf; skeptisch und melancholisch, an 
einer schlimmen Augenkrankheit leidend, trug er schwer die 
Last des Lebens. Kein fernes Hoffen und kein leidenschaft- 
liches Sehnen war in seinem Wesen. Ob er je mit dunkleren 
und verworrenen Gefühlen rang? Was er nicht begriff, alles 
Unklare und Verschwommene wies er mit vornehmer Bestimmt- 
heit ab. £r liebte Goethe, er liebte die sinnfällige Schönheit 
and jedes Jahr eilte er zweimal nach Süden, die Sonne Italiens 
zu sehen. Ein lichtvoller und warmer Geist war Scheffer-Boichorst. 
Seine Schüler liebten und verehrten ihn. Sie werden seiner nie 
vergessen. 

Sirassburg t, E, Fritz Kiener. 



Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 



Von Veröffentlichungen der Badischen Historischen 
Kommission ist erschienen: 

Oberbadisches Geschlechterbuch, bearbeitet von 
J. Kindler von Knobloch. Zweiter Band, vierte Liefe- 
rung (Kanzler— Knobloch). Heidelberg, Winter. 



Neue Heidelberger Jahrbücher. Jahrg. XI, Heft i. 
— R. Graf Du Moulin-Eckart: Zum Gedächtnis Bern- 
hard Erdmannsdörffers. S. i — 27. Feinsinnige, warm em- 
pfundene Charakteristik des Wesens und Wirkens des heim- 
gegangenen Gelehrten, die neben Gotheins Gedächtnisworten 
unter der Nachruf-Litteratur die erste Stelle einnimmt. — 
A. Bassermann: Veltro, Gross-Chan und Kaisersage. 
S. 28—75. — Th. Leber: Willy Kühne. S. 76—84. Gedächt- 
nisrede auf den berühmten Heidelberger Physiologen- anlässlich 
der Enthüllung seines Denkmals. — K. Vossler: Dante und 
die Renaissance. S. 85 — 107. — J. Wille: Pfalzgräfin 
Elisabeth, Äbtissin von Herford. S. 108 — 141. Entwirft 
mit sicherem Blick für die historischen Erscheinungen und feinem 
psychologischem Verständnis ein Bild von dem schicksalsreichen 
Leben und dem komplizierten Wesen der geistvollen Pfalzerin, 
die der Widerstreit zwischen Wissen und Offenbarung aus der 
Schule Descartes in die Arme Labädies ge fuhrt hat. 



Mannheimer Geschichtsblätter. Jahrg. III. (1902) Nr. i, 
K. Christ: Kaiserl. Schenkungen in den nachmals pfäl- 
zischen Landen. Sp. 3 — 9. Urkundenregesten aus den 
Jahren 627 — 079, mit Erläuterungen. — H. Maurer: Spuren 
einer uralten Sage am Rhein und an seinen Neben- 
flüssen. Sp. 9—12. Erzählung von dem Kind in der auf dem 
Wasser treibenden Wiege und seiner Rettung, die schon im 
vierten Jahrtausend vor Christus in Babylon begegnet. — 
F. Walter: Die Ruhestätte der Raugräfin Luise. Sp. 13 
— 15. Schicksale der ursprünglich in der alten Konkordien- 



^88 Zeitschriftenschau und Litteratumotizen. 

Eine abgekürzte ungedruckte vita S. Florentii, S. 70 — 72, 
sachlich belanglos, aus einem Brevier des Strassburger Priester- 
seminars. 



Revue d'Alsace: Nouvelle serie. Band 3. Jahr 1902. 
Januar- April -Hefte. Hanauer: Jean Setzer, l'imprimeur 
pol^miste de Haguenau, S. ,1 — 34, behandelt die in die 
Jahre 1523 — 1532 fallende Hagenauer Thätigkeit des gelehrten 
Druckers, der mit vielen geistig hervorragenden Männern seiner 
Zeit in Beziehungen stand. — Dubruel: Fulrad, archichäpe- 
lain des premiers rois carolingiens et abbe de 
Saint-Denis (Suite), S. 35 — 56, Schilderung der Wirksam- 
keit Fulrads als Abt von St. Denis und Aufzählung seiner 
Gründungen. — Hoffmann: Les premi^res municipalit6s 
de la Haute- Alsace (Suite), S. 57 — 79, weitere Proben für 
den der Verwaltung allenthalben begegnenden Widerstand. — 
Beuchot: Les origines de la Congr^gation des Soeurs 
de la Providence de Ribeauvillö (Suite et fin), S. 80 — 104, 
187 — 199, fruchtlose Opposition des Colmarer Geistlichen Maim- 
bourg gegen den Leiter der Schlettstadter Ordensschule; Ober- 
siedlung des Ordens nach Rappoltsweiler. — Louvot: Six 
lettres inedites de J.-J. Oberlin, S. 105 — 114, veröffentlicht 
den Briefwechsel mit dem in Besan^on ansässigen Gelehrten 
C. L. Coste aus den Jahren 1800 — 1805. — Angel Ingold: 
Les troubles de Landser, S. 121 — 157, schildert mit Ver- 
wertung eines in Privatbesitz befindlichen Manuskripts (Memoire 
sur Forigine et la progression des maux qui accablent la 
commune de Landser) die Verhältnisse seit 178g. — 
Danzas: Les chäteaux de St.-Hippolyte, TEstuphin, le 
Haut-Koenigsbourg, le si^ge de 1633 (Suite), S- ^5^ — 172, 
bis zur Fuggerschen Periode reichend. — Keller: S. Nicolas 
ou un prieur6 dans les Vosges, S. 173 — 186, über Anfange 
und Besitz des Priorats. -- X: Le bailli Hell et la »Revue 
des ^tudes juives«, S. 200 — 208, Ergänzungen und Berich- 
tigungen zu einer Arbeit von Hemerdinger: Le d^nombrement 
des Isra^lites d'Alsace en 1784 mit Bemerkungen der Schrift- 
leitung. — Bücher- und Zeitschriftenschau S. 115 — 120, 212 — 218. 
— Beilage: Table de mati^res (alphabdtique, analytique, 
bibliographique) de la Revue d'Alsace (1850 — 1899), 
S. 97 — 112, analytischer Index bis Sciences sociales et droit 
(Enseignement). 



Revue catholique d'Alsace: Nouvelle s^rie. Band 20. 
Jahr 1901. November- Dezember-Hefte. Band 21. Jahr 1902. 
Januar-Februar-Hefte. A. M. P. Ingold: Mabillon en Alsace 
(Suite), S. 801 — 806, 875-880, enthält in der Hauptsache 



^ i . 



390 



Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 



südlichen Nachbaren zu lebhafter Thätigkeit angeregt und es 
sind mehrere zum Teil prächtig ausgestattete F'estschriften von 
bleibendem wissenschaftlichem Werte erschienen. Wir nennen 
die Publikationen von Constanz und Fritz Jecklin über 
Graubünden, von Motta und Tagliabue (ital.) über die 
Schlachten an der Calven und bei Dornach, von Eugen 
Tatarin off über den Anteil von Solothurn. Die umfassendste 
und bedeutendste Veröffentlichung liegt nun vor in der oben 
bezeichneten von Professor Dr. A. Büchi in Freiburg i. d. Seh.; 
sie nimmt den ganzen Band der Quellensammlung ein. B. hat 
sich nicht örtlich beschränkt, sondern das gesamte Aktenmaterial 
aufgenommen, auch das von Deutschen gesammelte: im Fürsten- 
bergischen Urkundenbuch B. IV u. VII, von H. Witte in dieser 
Zeitschrift XIV u. XV (Mitteilungen), von Roder in den Schriften 
d. Ver. für Gesch. d. Bodensees XXIX. Von den 7 1 1 Nummern 
sind zwei Drittel Regesten, ein Drittel Textwiedergaben, 234 
neue zum Teil von selbst gesammelte Stücke, von denen viele 
aus der Kollektion Girard auf der Freiburger Kantonsbibliothek 
stammte. Die Auffindung des amtlichen Berichts auf schwäbischer 
Seite über die für diese so schmachvolle Niederlage bei Triboldingen 
(II. April) ist freilich auch B. nicht gelungen. Von Interesse 
ist die Thatsache, dass die von Freiburg im Verkehr mit ihren 
Hauptleuten und mit den übrigen Eidgenossen sich ausschliesslich 
der deutschen, mit Adressaten französischer und italienischer 
Zunge der lateinischen Sprache bedienten; nur ein Schreiben 
(Nr. i8q nach Burgund) ist französisch. Den Schluss des 
Ganzen bildet eine hier zum ersten Mal gedruckte Freiburger 
Chronik (S. 552 bis 6 ig), deren letzter Teil leider fehlt. 
Wegen ihrer Eigenartigkeit und Zuverlässigkeit, die auf einen 
Augenzeugen als Verfasser schliessen lässt, — B. hat als solchen 
mit grosser Wahrscheinlichkeit den Notar und Stadtschreiber 
Ludwig Sterner erwiesen — muss diese Chronik als ein höchst 
schätzenswerter Fund bezeichnet werden. In der Feststellung 
des Textes hat sich B. an die bekannten Grundsätze Stieves 
gehalten. Ganz zweckmässig sind persönliche und geographische 
Eigennamen durch Sperrdruck hervorgehoben, vor grösseren 
Stücken orientieren den Leser kurze Inhaltsangaben. Zahlreiche 
Fussnoten mit sorgfältigen Litteratur- und Quellennachweisen, 
Ergänzungen und Verweisungen begleiten den Text. 

So haben wir hier das Gesamtmaterial über die Geschichte 
jenes Krieges in musterhafter Weise gesammelt und kritisch 
gesichtet vor uns, so dass nunmehr auch eine erschöpfende 
Darstellung desselben ermöglicht ist. Nur von der Fortsetzung 
des Basler Urkundenbuchs erhofft B. noch eine wesentliche 
Ergänzung. — Der Name des vielgenannten königl. Protonotars 
S. 422 u. a. ist Cyprian Serntein. Roder. 



ßQ5 Zeitschrifteosebau und Litteraturnotizen. 

sivere Behandlung zuteil werden lassen. Dabei hat er denn 
allenthalben, besonders auch da, wo es sich noch nicht um 
historisch Abgeschlossenes, sondern im vollen Flusse gegen- 
wärtiger Entwicklung Befindliches handelt, auf den Gebieten der 
Verwaltung der Stadt und dessen, was sonst mit ihrer täglich 
fortschreitenden Neugestaltung zusammenhängt, mit offenen Augen 
und im Besitz der authentischen Materialien mitgeteilt, was nicht 
nur die Einheimischen, sondern auch einen grösseren Leserkreis 
belehrt, erfreut und fesselt. Das Gleiche gilt von der Umgebung, 
deren Grenzen nicht eng gezogen sind, sondern sich in löb- 
licher Weise nach allen Richtungen ausdehnen. Dass auch eine 
Reihe neuer Bilder dazugekommen ist, vermehrt die Anziehung, 
welche das Buch Verdientermassen ausübt. An dieser Stelle ist 
es am Platze, auch noch auf die Anmerkungen hinzuweisen, in 
denen der Verfasser, zuweilen in eingehender, stets in gründ- 
licher und zuverlässiger Weise die Ausführungen des Textes 
belegt. Die äussere Ausstattung des Werkes ist musterhaft und 
macht dem Verleger alle Ehre. v. Weech, 



Einen kleinen Baustein zur Kenntnis der heimatlichen Ge- 
schichte in den bewegten Jahren 1789— 1804 liefert Jos. Gass 
in seinem Schriftchen »Mutzig in der Revolutionszeit« 
(Strassburg, Le Roux 1902. 106 S.). Die Darstellung wird von 
zwei Gesichtspunkten beherrscht, insofern die religiösen und die 
»patriotisch-sozialen« Verhältnisse mit Verwertung ungedruckter 
Quellen in sehr ausführlicher Weise behandelt werden. Mit dem 
Ende des geschilderten Zeitraumes beginnt für das Städtchen 
eine Zeit friedlicher Entwicklung. H. Kaiser, 



Auf dem Gebiete der Gutenberg-Litteratur sind wieder 
einige neue Erscheinungen zu verzeichnen. Anknüpfend an 
die Mainzer Festschrift hat der holländische Schriftgiesser 
Ch. Enschedc eine kleine Schrift ausgehen lassen unter dem 
Titel: »Technisch onderzoek naar de uitvinding van de 
boekdrukkunst« Haarlem 1901). Das erste Kapitel behandelt 
»de akten van hat Straatsburger pro c es«. Es wird niemand 
wundern, wenn ein Gegner Gutenbergs aus dem Haarlemer Lager 
zu der Ansicht kommt: »de geheime kunst van Gutenberg is 
niet het lettergieten gewest«. Nach Enschedes Meinung haben 
demnach die Strassburger Prozessakten für die Erfindung des 
Typendruckes »niet de minste waarde«. 

Aus den umfangreichen »Gutenberg-Forschungen« von 
Gottfried Zedier (Leipzig 1901) interessiert hier besonders 
der erste Abschnitt: »Gutenberg in Strassburg« und »Die 
Entstehung des Buchdrucks aus dem Stempeldruck«. 
Zedier nimmt die Schreiber'sche Hypothese an, Gutenberg sei 



iq8 Zeitschriftenschau und Litteratumotizen. 

Personen.- und Ortsregister. Strassburg, Trübner 1902. III, 
557 S. 

Es war dem Herausgeber der Matrikeln verschiedener Hinder- 
nisse wegen nicht möglich, früher sein Werk zum Abschluss zu 
bringen. In dem vorliegenden Bande erblicken wir eine durch- 
aus ausgereifte Leistung, deren hervorragende Bedeutung .dann 
nur in genügendem Masse gewürdigt werden kann, wenn man 
vorher versucht hat, sich in dem Gewirre der oft in wunder- 
lichster Weise übertragenen oder vieldeutigen Personen- und 
Ortsnamen zurechtzufinden. Die mangelhafte Form der Über- 
lieferung hat nicht gestattet, alle Zweifel zu lösen, aber was aus- 
dauerndem Fleiss im Verein mit emsigem Nachgehen jeder allen- 
falls in Betracht kommenden Spur zu ergründen möglich war, 
ist erreicht. 

Ich kann darauf verzichten, die Bedeutung der Matrikeln 
als geschichtliche Quelle nochmals darzulegen, auch halte ich 
es für überflüssig, an der Hand des Ortsregisters aufs neue die 
sattsam bekannten Behauptungen französischer Gelehrten zurück- 
zuweisen, die sich darauf versteifen, den deutschen Charakter 
der alten Hochschule in Abrede zu stellen. Dagegen möchte 
ich darauf aufmerksam machen, dass die Kommission zur Heraus- 
gabe elsässischer Geschichtsquellen beabsichtigt, für die der 
Matrikeln entbehrende Zeit von 1538 — 1621 die Namen der 
Strassburger Studenten für einen Ergänzungsband sammeln zu 
lassen. Knod schliesst daher sein Vorwort mit der Bitte um 
Unterstützung bei diesem Vorhaben , möge ihr Erfolg be- 
schieden sein. Hans Kaistr, 



In den Monatsheften für Musikgeschichte Jahrg. 33 (1901) 
S. 120 wird ein Nachtrag gegeben über den vernichteten Codex 
222, C. 22 der alten Strassburger Bibliothek, über dessen 
musikalischen Inhalt ein Aufsatz im Jahrg. 32 S. 193 der gleichen 
Zeitschrift berichtet hatte. Der verstorbene ICarl Riedel hatte 
sich s. Zt. in Strassburg eine Durchzeichnung einiger Lieder 
dieser Handschrift machen lassen. Als Beilage wird dies 
Facsimile reproduziert. Das grössere Stück der Nachbildung ist 
ein Marienbild (von Bl. 116 des Manuskripts): »Bis grüst maria 
schöner meistern« (mit Melodie). Auf der Rückseite de& 
Facsimiles stehen noch 5 Liedanfange, teilweise von weltlichen 
Gesängen. -*-ä. 



Im 223. Band der Bibliothek des litterarischen Vereins in 
Stuttgart (Tübingen 1901) ist von Georg Wickrams Werken 
der' zweite Band erschienen. Er enthält die folgenden Schriften 
Wickrams: 1. Knabenspiegel. 2. Vohi ungeratnen Sohn. ^^ V^on 



400 



ZeitschriftenschAu und Xitteratumotizen. 



Schlosse nahe steht, auch der Erbauer der Neresheimer Stifts- 
kirche ist. 

Ein zweiter Beitrag (in den »Mitteilungen des Vereins für 
Geschichte der Deutschen in Böhmen« Jahrgang 40 S. 280 — 285) 
besteht nur in einem einzigen Briefe des Wiener Hofbaudirektors 
Emanuel Sylva Taronca an Neumann vom 19. Juni 1747. Bei 
der Dürftigkeit der Nachrichten über die Beziehungen des 
berühmten Architekten zum gräflichen Hause Schönbom in 
Österreich ist auch diese kleine Mitteilung von Wert, schon als 
Aufmunterung zu weiter Erforschung einer Arbeitsperiode Neu- 
manns, deren Kenntnis his heute nur auf wohlbegründeten 
Vermuthungen beruht, J, W, 



402 



Bossen. 



Reformation rückgängig- zu machen*). Auch Kurfürst 
Ludwig von der Pfalz war aus dem Feldzug gegen die 
Bauern mit verstärkter Abneigung gegen das Luthertum 
und einigem Respekt vor der alten Kirche zurückgekehrt. 
Wie wir früher sahen, feierte er seinen Sieg mit einem 
feierlichen Hochamt in Heidelberg*). Der Lutherschüler 
Gailing musste als Hofprediger weichen •). An seine Stelle 
trat Seb. Münster, der eine weniger entschiedene Stellung 
einnahm Vergeblich hatte Brenz in seinem Begleitschreiben 
zu seinem »Ratschlag und Gutbedünken über die zwölf 
Artikel der Bauern« am 5. Juni 1525 dem Kurfürsten 
nachzuweisen gesucht, dass die Reformation den Frieden 
des Staates verbürge*). Gleich seinem Bruder Georg, dem 
Bischof von Speier ß), sah er jetzt in der ^»lutherischen Sekte« 
die Ursache alles Ungehorsams des gemeinen Mannes«), 
ohne sich zu erinnern, dass die Bauern lange vor Luther 
im Bruhrain unter dem Regiment der Bischöfe von Speier 
sich empört hatten. 

Ende April 1526 zog der Bruder des Kurfürsten, 
Pfalzgraf Friedrich, nach Spanien zum Kaiser, um ihm die 
bedingungslose Unterwerfung des pfälzischen Hauses und 
seines Anhangs unter die Politik des Kaisers zu über- 
bringen*^). Das blieb auch auf kirchlichem Gebiet nicht 
ohne Folgen. Wir verstehen jetzt, warum der Kurfürst 
die Universitätsangehörigen um Geld bestrafen Hess, welche 
die vom akademischen Senat auf 28. März 1526 bestellte 
Messe nicht besuchten »). Nichts scheint unter diesen Um- 

*) Beiträge zur bayerischen Kirchengeschichte, Band 7, 32. Schorn- 
bäum, Die Stellung des Markgrafen Kasimir zur ref. Bewegung S. 89 ff. — 
«) Vgl. oben S. 289. — ») Vgl. oben S. 54, 289. — *) »Es hat sich almal der- 
massen lassen schicken, wo die oberkeit dem wort Gottes nach regiert hat, 
als geschrieben ist von David, Josaphat, Ezechia, Josua und andern fOlrsten. 
das nit allein fridlich das ganz land gesessen, sonder auch darmit ain 
schwerer zom, von Gott über farsten und land auß ursach fürgenommen, 
abgeleinet ist worden.« Hartmann-Jäger i, 426. Vgl. auch Pressel, Anecdota 
Brentiana S. 41 : »Nun ist aber nichts, das mehrer frid und einigkeit bringt 
dan rechter warer und göttlicher kirchendienst. Herwiderumb nichts mehr 
unfrid und Uneinigkeit zuricht, dan abgöttischer, eigensinnicher, menschlicher 
gotsdienst.« — *) Vgl. oben S. 44. — *) Schreiben an Hans Landschad, 
Vierordt S. 238. — ^) Friedensburg, Der Reichstag zu Speier 1526 
S. 126, 138.'— 8) Vierordt S. 236. 



404 



Bessert. 



I. Tim. 3 und Tit. i fast wörtlich und verlangt gründliche 
Unterweisung des Volkes. Man meint fast Luther zu 
hören, wenn der Bischof das reine Wort Gottes als 
Nahrung für das Volk^) und allsonntäglichen Unterricht 
gerade in den Stücken verlangt, welche Luther später in 
seinem Katechismus dem Volk vorhielt*). Nicht weniger 
beachtenswert ist, dass der Bischof am 15. April 1527 allen 
Predigern und Pfarrern die Auslegxmg der Ceremonien 
und der Mysterien der Kirche in deutscher volkstüm- 
licher Sprache, aber nicht, wie einst beim Ostergelächter, 
im Scherz oder, um zum Lachen zu reizen, auferlegte 
Noch merkwürdiger ist, dass er es für nötig hielt, von der 
alten Kirche den Schein des Judaismus abzuwehren, der 
sein Heil in der blossen Beobachtung der Ceremonien 
suche, während alles Heil auf dem Evangelium und auf 
Christo beruhe; andererseits aber erklärt der Bischof die 
Ceremonien für Reizmittel und Stützen des frommen 
Lebens, welche nur sehr wenige »göttliche« Menschen wie 
Antonius und Paulus entbehren können »j. 

Man sieht, die evangelische Bewegung war nicht 
spurlos an dem Bischof vorübergegangen; das, was dem 
Bewusstsein der Reformatoren besonders anstössig gewesen 
war, die heilwirkende Kraft der Verrichtung von vielfach 
unverstandenen Ceremonien, ihre Wirkungskraft ex opere 
operato, wie die Scholastik es genannt hatte, war hier 
eliminiert. Die Mysterien der Kirche mit dem Gottesdienst 
treten stark gegenüber der Volksbelehrung zurück. Aber 
andererseits konnte der Bischof sich nicht verbergen, dass 
er mit dem Ausgang des Bauernkriegs samt seinen evan- 
gelischen Ratgebern Bernh. Göler und Diether von Dal- 
berg eine schwere Niederlage davon getragen hatte. Denn 
die Aussicht auf Stärkung seiner bischöflichen Macht durch 



*) »Pabulum ovibus prestent verbum domini sincenim.«; — *) »Precationem 
dominicam, quam pater noster vocant, cum salutatione evangelica et symbolo 
apostolorum distincte articulatimque singulis dominicis diebus maxime curati 
sacerdotcs populo exactissime adjunctis decalogi preceptis erudiendo pronun- 
tient.* Fr. Syn. f. 87 ff. — ^) Fr. Syn. 89. Die Verteidigung gegen den 
Vorwurf des Judaismus bezieht sich auf die Predigten Joh. Agricolas über 
den Kolosserbrief, die er auf dem Reichstag 1526 gehalten hatte. Er hatte 
diesen Vorwurf ausgesprochen. Kawerau, Joh. Agricola S. 82. 



4o6 Bossen. 

handlungen mit Mainz haben zu dem Beschluss gefuhrt, 
eine grossartige Kundgebung ins Werk zu setzen. 

Man wollte eine allgemeine Versammlung aller Dom- 
stifte der Erzdiözese Mainz veranstalten, zu welcher die 
niederländischen, d. h. die mittel- und norddeutschen Stifte 
der Erzdiözese eingeladen werden sollten i). In dieser Ver- 
sammlung sollte über alle Beschwerungen der Geistlichkeit 
durch die weltlichen Obrigkeiten beraten werden, ja es 
handelte sich um einen förmlichen Feldzugsplan gegen die 
Reformation in ihrem ganzen Umfang. Am 4. November 
wurde dem Kapitel mitgeteilt, dass die Versammlung auf 
Dienstag nach Martini, den 14. November, nach Mainz 
berufen sei. Das Domkapitel beschloss unter Einholung 
des Rates des Bischofs schriftlich gegen den Markgrafen 
Philipp von Baden und die Städte Esslingen, Landau und 
Speier Klage zu erheben, die anderen drei Stifte wollten 
sich über Bedrückungen durch die Pfalz beschweren«). 

Die Klage gegen Markgraf Philipp von Baden war 
nur zu berechtigt, denn er hatte am 10. August 1525 ein 
neues Edikt ausgehen lassen, in welchem er die Schaffung 
fester Besoldungen für die Pfarrer in seinem Land anordnete. 
Die Pfarrer sollten in der Markgrafschaft ein »zimblich 
uskommen und libzucht« haben. Dagegen sollten alle 
Nebenbezüge, Stolgebühren von Kommunionen, von letzten 
Ölungen, Taufen, »vom Entwestem der Kinder«, wobei 
ihnen das Westerhemd ausgezogen wurde, von Einsegnung 
der Wöchnerinnen, von Begräbnis, Seelgeräten und Hoch- 
zeiten, wie das Beichtgeld, in Wegfall kommen. Die vier 
Opfer ^) sollten nicht mehr erzwungen werden, sondern nur 
freiwillig, »so viel ein jeden sin gewissen wiset«, gegeben 
werden. Auch »Begängnisse« sollten nur freiwillig angestellt 
werden. »Die Stifter mögen dann den Pfarrern auch gepur- 
lichen willen machen.« 

Die geschlossenen Zeiten für die Trauungen sollten auf- 
gehoben sein und Dispensationen von Geld oder »Schwarz- 



1) P. 128. — 2) p, 128. Das Datum 14. Nov. 1525 stimmt zu den 
NachrichtcD, welche D. W. Walther aus dem Kreisarchiv Würzburg erhoben 
hat. Zeitschr. f. Kirchengeschichte 1897, 4' 5- Weim. Lutherausgabe 19, 
252 ff. — ') Die Opfer an den 4 Quatembern , da jedes kommunionÜLhige 
Gemeindeglied eine bestimmte Summe opfern musste. 



^o8 Bessert. 

Förderung angehen sollte. Aber diese hätten ja die 
Bischöfe schon bisher gewähren sollen, wenn sie wollten 
und konnten. Man erwartete von diesem Beschluss nicht 
zu viel, denn in Wahrheit hoffte man allein auf die Hilfe 
des Papstes und Kaisers, die man gegen die Mächte des 
Umsturzes mobil machen wollte, indem man trotz der 
schlechten finanziellen Lage der Domstifte beschloss, durch 
Selbstbesteuerung der Kapitel die Mittel zu einer grossen 
Botschaft an Papst und Kaiser aufzubringen. Das Ziel, 
welches die reaktionäre Versammlung verfolgte, war kühn. 

Die Predigt des neuen Glaubens sollte unterdrückt, 
die Prediger sollten verhaftet und die kaiserlichen Edikte 
aufs strengste von den weltlichen Obrigkeiten ausgeführt 
werden. Dem Kaiser sollten alle Beschwerden, welche 
die Geistlichkeit durch die weltliche Obrigkeit zu erdulden 
habe, vorgestellt werden. 

1. Die Obrigkeit dulde Prediger, die wider alle christ- 
liche Ordnung predigen, Pfaffenehe, Austritt von Mönchen 
und Nonnen aus den Klöstern, deutsche Taufe und Messe, 
Abendmahl unter beiderlei Gestalt ohne Beichte, Beseitigung 
von Fasten, Beichten und Gebet, Bruch der Eide und 
Gelübde, Unterlassung der Anrufung der Mutter Gottes 
und der Heiligen, Abbruch von Kirchen, Klöstern und 
Klausen, Anweisung von Unterhalt an ausgetretene Mönche 
und Verführung des Volks zu vielen Ketzereien, woraus 
Aufruhr, Empörung und Vertilgung des ganzen geistlichen 
Standes folge. 

2. Die Obrigkeit beschwere die geistlichen Güter und 
Einkommen mit weltlichen Lasten und enthalte ihnen da 
und dort Zehnten vor, verbiete auch den Unterthanen den 
kleinen Zehnten zu geben, und nehme auch den Neu- 
bruchzehnten weg, inventiere auch Zinse, Renten, Gülten 
und Kleinodien der Kirchen und Klöster, verschliesse und 
nehme sie teilweise weg. 

3. Die weltliche Obrigkeit beseitige die rechtmässigen 
Pfarrer und setze lutherische ein, welche nichts als Auf- 
ruhr anstiften. Die Sendgerichte verbiete man. In grossen 
Städten werden alle Gottesdienste und Amter bis auf eine 
tägliche Messe abgeschafft. 



4IO 



Bossert. 



Nöten des Bauernkriegs errettet, aber noch nicht seine 
Forderungen an Kriegskosten geltend gemacht. 

Überblickt man die Beschwerden der Mainzer Kapitel, 
so sieht man deutlich, wie auch die Schmerzen des Speirer 
Kapitels zum Ausdruck kommen. 

Hier hatte man zu klagen, dass geistliche Güter von 
der Pfalz besteuert. Zehnten in Esslingen und andern Orten 
zurückbehalten wurden, Markgraf Philipp den Geistlichen 
bürgerliche Lasten, Frohndienste und anderes auferlegte. 
Hier war die geistliche Jurisdiktion von der Pfalz gehindert. 
Im Vertrag mit Speier hatte das Domkapitel urkundliche 
Nachweise für seine Forderungen zusagen müssen *). 

Mit Befriedigung mochten die Speirer Abgeordneten 
vom Mainzer Tag zurückkehren. Am 2. Dezember beschloss 
man auch, den »Ratschlag« der Domkapitel der Mainzer 
Provinz dem Bischof zur Kenntnisnahme mitzuteilen «). Es 
war ein wenig spät. Man sieht, wie wenig das Kapitel 
auf innige Beziehungen zum Oberhaupt der Diocese Wert 
legte. 

Der Anlauf, welchen man am 14. November genommen 
hatte, war kühn und kräftig, aber er führte zu keinem 
Ergebnis. Wir wissen nichts von einer Gesandtschaft 
sämtlicher Kapitel an den Kaiser noch an den Papst. Die 
Annahme Friedensburgs, dass im Mai 1526 ein Gesandter 
des Mainzer Kapitels in Sevilla beim Kaiser geweilt und 
am 1 1 . Mai von dort an seine Freunde über Neuig- 
keiten am Kaiserhof berichtet habe»), ist nicht haltbar. Der 
Schreiber ist ein Mitglied der »Kopistrei« des Domstiftes, 
d. h. der Schreibstube, der von dort in eine ähnliche 
Stellung am Kaiserhof getreten war. Von den Angelegen- 
heiten des Domkapitels, welche doch brennend waren, 
schreibt er nichts, weil er nichts davon weiss. Es findet 
sich auch m. W. im Protokoll des Speirer Domkapitels 
kein Beschluss wegen der Wahl eines Mitglieds der Ge- 
sandtschaft oder wegen der schon am 14. November für 
diesen Zweck dem Domkapitel angesonnenen 100 fl. Wahr- 
scheinlich schreckte die bald hervortretende Erregung über 

^) Hartfelder S. 250. — ^) Das Exemplar dieser Kopie des Ratschlags 
dürfte noch im Generallandesarchiv sein. P. 138. — *) Friedensborg, 
a. a. O. S. 81. 



412 Bessert. 

den Gefahren, welche die Kirche in ihrem Glauben un 
in ihrem Besitz bedrohten. Man wandte sich nach Ron 
ohne auch nur den Bischof in Kenntnis zu setzen Ab< 
diese Falliterklärung der bischöflichen Jurisdiktion ist ni 
die eine Seite der Sache. 

Die andere Seite war die nationale Bedeutung die» 
Wendung nach Rom. Bisher war der Einfluss Roms se 
dem Beginn der lutherischen Bewegung in den Sitzung« 
des Kapitels gar nicht zu bemerken. Nur ganz spärlic 
wird der Papst und die Kurie erwähnt, und das fast ni 
wenn es sich um Eingriffe in den Besitz und die Rech 
des Kapitels handelte, indem irgend ein päpstlicher Ku 
tisan Anspruch auf eine Pfründe machte, wie auf die d 
Domvikars Mersteteri). Man hatte sich auch im Speir 
Domkapitel dem nationalen Hauch, der seit Luthers E 
hebung durch Deutschland ging, nicht entziehen könne 
war doch die Pfründenjagd der päpstlichen Kurtisanen fi 
jedes Domkapitel empfindlich genug. Jetzt wandte si< 
das Kapitel von der Sache Deutschlands ab und stell 
sich ganz auf die Seite des Romanismus, der aber sofo 
die Hoffnungen des Kapitels täuschte. Am 30. Juli 15: 
berichteten Dav. Göler und Joh. v. Löwenstein über ih; 
Thätigkeit in Rom, die schon dadurch beschränkt wa 
dass die nachgesandte Instruktion sie nicht erreicht hatt 
Sie hatten sich alle Mühe gegeben, die Aufhebung d 
Sexpräbenden durchzusetzen, aber ohne etwas zu erreiche 
Dagegen brachten sie Bullen und Indulte allerlei Ai 
z. B. über preces primariae, d. h. Besetzung von erstma 
nach dem Amtsantritt eines Bischofs oder der Wahl d 
Kaisers erledigten Kanonikaten und Vikariaten im Do 
und den andern Stiften ^j. Noch unter Bischof Philij 



>) Jakob Mcrsteter, von Ehingen a. D., 1488 Student in Heidelbe 
Pfarrer in Esslingen bis 1520, dann Domvikar in Speier (was Rotli in seil 
Abhandlung Neue Jahrbücher für Philologie 1889 II, 172 ff. unbekai 
geblieben ist), wird am 21. Dezember 1521 benachrichtigt, dass auf seil 
Pfründe vertragsmässig eine Abgabe von 25 fl. ruhe, die aus der Fabrik o» 
den Präbenden bezahlt werden soll. P. 27. Diese Pension hatte Ka 
Kampegius einem Bartolomäus de Simonibus verschrieben, der aber i 
1526 die Pension nicht mehr einforderte, was erst nach Mersteters Tod (' 
18. Jan. 1529. P. 282) bekannt wurde. 20. Mai 1529. P. 2. — «) P. i 



414 



Bessert. 



der ketzerischen Predigten zu wehren, musste man 11 
der empfindlichsten Strafe, mit Suspension, bedrohen, 
welche der Schuldige seine Einkünfte zeitweilig v€ 

Das Beispiel von Sachsen und Hessen ermutigte 
Markgraf Philipp von Baden, seinen Hofprediger ] 
Irenicus wieder kommen zu lassen, nachdem Erzl 
Ferdinand ihn dazu gedrängt hatte, Irenicus wieder 
zuschicken, weil er beweibt sei«). Irenicus erwarl 
grossen Beifall bei den Evangelischen »), während seil 
noch fleissig die Messe besuchte, weshalb ihn der s 
katholische Chr. v. Schwarzenberg durchaus »chri 
d. h. katholisch fand*). Auf der andern Seite hatU 
Prediger der alten Lehre, Johann Fabri und de: 
prediger des Erzherzogs Ferdinand, der Barfüsser Med a 
sowie der aus Konstanz herbeigeeilte Dominikaner I 
Pirata, genannt Bruder Feindselig, geringen Erfolgt), 
besonders kläglich war die Haltung Fabris gegenüb« 
Agricola, der erst brieflich, dann öffentlich in einer F 
Fabri als Lügner brandmarkte«). Auch das Dom] 
muss den Eindruck geistiger Inferiorität von Fabri \ 
haben. Denn als dieser am 28. August dem Doml 
kund thun liess, er werde noch 8 — 14 Tage in 
bleiben und sei bereit, dem Kapitel zu Gefallen noc 
oder zwei Predigten zu halten, um nicht müssig zu j 
nahm das Kapitel dieses Anerbieten recht kühl a 
einer für den von seiner Unentbehrlichkeit überzc 
Streiter Roms fast beleidigenden Weise wurde ihi 
Bescheid, man stelle es »zu seiner Gelegenheit«, 
aber doch, von der Kanzel dem Vojk die Predigten 
anzukündigen 7). 

Vielleicht ahnte das Kapitel auch, dass Fab 
seinem Anerbieten noch Hintergedanken hatte, ind 

1) P. 159. — «) Friedensburg a. a. O. S. 301, 302. — • 
schreibt an Zwingli : Marchionis Badensis concionator agit magnifice. 
opera 7, 528. — *) Friedensburg a. a. O. S. 366 Anm. i. — ») Lo 
20. Aug. 1526: »hanno pochissimo concorso e sono sbeffati.« Vgl. I 
bürg S. 305 Anm. Zur Identität von Pirata uml Bruder Feinds« 
Bl. f. württemb. K.-G. 1891, 64; zu Medardus vgl. Veesenmeyer, 
Beiträge zur Gesch. des Reichstags in Augsburg S. 81 ff. — •) J 
Joh. Agricola S. 83 ff. — ') P. 164. 



4i6 Bessert. 

vertrieben hatte. Aber was den Kurfürsten zu diesem 
Auftreten bestimmte, war nicht der starke Drang* religiöser 
Überzeugung, sondern vielmehr der Druck, den erst die 
österreichische Regierung, dann Ferdinand und endlich 
des Kaisers Autorität auf ihn ausübte. Ludwig »der Fried- 
fertige« wagte nicht, seine eigene Überzeugung zu wahren. 
Man hatte ihm von österreichischer Seite eingeredet, Otther 
sei ein Aufrührer und Unruhestifter, den die vorderöster- 
reichische Regierung als solchen vertrieben habe. Der 
Kurfürst nahm die Anklage in pflichtschuldiger Ehrer- 
bietung hin, ohne sie auf ihre Wahrheit zu prüfen und die 
Aussagen eines Mannes daneben zu halten, der mehr als 
hundertmal Leib und Leben im Dienste des Kaisers und 
des Kurfürsten drangesetzt hatte, wie LandschadO- 

Wenn er Landschad gegenüber geltend machte, er sei 
dem wahren Wort Gottes nicht zuwider, wohl aber denen, 
welche es auf verbotene Weise auslegen und der luthe- 
rischen Sekte anhängen, so musste er doch wissen, dass 
der Kaiser und Ferdinand samt der österreichischen 
Regierung dem Wort Gottes ernstlich zuwider waren. 
Man sah auch bald, dass Otther gegenüber nicht die Reli- 
gion, sondern die Politik den Ausschlag gab. Denn als 
Landschad 1528 einen gut evangelischen Prediger berief «), 
fiel es dem Kurfürsten nicht ein, Widerspruch zu erheben. 

Er selbst hatte keine Freude an den gut katholischen 
Predigten seines Hofpredigers Gro, den er wieder aus 
Speier geholt hatte»). Schon am 23. August 1526 erfuhr 
man im Kapitel durch den bischöflichen Kanzler Kon. 
Blicker, Gro wolle nicht länger als ein Jahr in Heidelberg 
bleiben, denn seine Stellung war unhaltbar*). In der 
Generalkongregation Mitte November 1526 wurde bekannt, 
Gro sei in Heidelberg verhasst und sehne sich nach Speier 
zurück. Deshalb bat das Kapitel den Kurfürsten um die 
Entlassung Gro's^). Aber diese erfolgte nicht rasch. Erst 
Mitte des folgenden Jahres findet sich sein Nachfolger 
genannt. Das war bezeichnender Weise der aus Worms 



*) Vierordt S. 238 ff. — •) Es war Melchior Ambach, von dem später 
die Rede sein wird. — ') Vgl. oben S. 403. — *) P. 163. — ») P. 168. 



424 



Bossert 



im Juli von einer neuen Suspension Bering ers, welche er 
nicht ruhig hinnahm, sondern mit starken Ausdrücken 
kritisierte. Das Kapitel, dessen Notar Beringer nicht mehr 
den Titel Herr gönnte, wollte keine Frist zum Pfründen- 
tausch geben, aber bald erliess man ihm die Strafe wieder» 
doch verlangte man pünktliche Versehung des Chor- 
dienstes und damit eine Rückkehr zum alten Glauben*). 
Aber das Kapitel musste noch Jahre lang mit Beringer 
Geduld haben. Vom Bischof erwartete das Kapitel ver- 
geblich ein Einschreiten, wohl weil er wusste, dass Beringer 
einen starken Anhang hatte. 

Neben Beringer hatte ein anderer Domvikar sich als 
Mann des neuen Glaubens bekannt gemacht. Es war 
Johann Schwind oder Geschwindt, der 1527 die vier Evan- 
gelisten in Reimen herausgab, indem er jedes Kapitel in 
einen Vierzeiler zusammenfasste*). Aber er verfiel der 
bischöflichen Censur. Er wurde wegen seines Luthertums 
in Kisslau gefangen gesetzt, was auf ihn einen gewaltigen 
Eindruck gemacht haben muss. Denn später erscheint er 
als guter Katholik, dem das Kapitel eine Zeitlang das 
wichtige Pflegeramt in Esslingen anvertrauen konnte, 
wofür sich Schwind vor seinem Tod durch eine Stiftung 
zu gunsten von Studierenden dankbar erwies »). 

Den gutkatholischen Eifer des Kapitels musste jetzt 
auch Graf Ludwig v. Hohenlohe, Domherr in Strass- 
burg und Speier, erfahren. Man liess ihn mahnen, sich in 
Speier nicht offen als Anhänger des Luthertums zu geben, 
so lange er seiner Pflicht genüge, und bedrohte ihn ernst- 
lich*). Der Graf zog es daher vor, sein Kanonikat 152g 
gegen eine Pension an Joh. Jakob v. Gemmingen abzu- 
treten 5). 

Endlich kam die Reihe auch an Matern Hatten. 
Im Juni 1527 hatten der Domdekan und der Domsänger, der 



») P. 68. 3. August 1529. — '•^) Vgl. Mitteilungen des bist. Ver. der 
Pfalz XIX, 102. Die vier Evangelisten | ganz künstlich vnd kürtzlich jnn 
rcy I men verfasst, also das du in eyns ye | den reymen ersten wörtlin, findst 
das Capittel, vnd den namen des Euangelisten, wie die nachuolgende Regien 
weytther vnd klärer anzeygen vnnd außweißen. Durch Johannem geschwindt. 
Gedruckt zu Speyer. Anno M. D. XX VII. — *) Remling, Gesch. der Bischöfe 
253. — *) P. 142. 18. Dez. 1526. — ») P. 69. 4. Aug. 1529. 



^28 Bossen 

der Häufung von Messen wehren sollte. Man genehmigte 
die Stiftung einer Messe auf den Tag des h. Franziscus 
durch den Vikar Franz Thomas nicht*). 

Bisher hatte man trotz der >una sancta ecclesiac und 
der Bulle Johannes XXII. von 1334, der das Trinitatisfest 
an der Pfingstoktave zu feiern befahl, in Speier an der 
alten Festzeit festgehalten. Ob dies der Sonntag vor 
Advent oder auch ein Werktag war, sagt das Protokoll 
nicht. Der Übereinstimmung mit anderen Metropolitan- 
kirchen zu lieb wurde das Fest 1526 auf den Sonntag nach 
Pfingsten verlegt«). 

Man fand es jetzt auch unpassend, dass Spenden an 
Arme, wie auch der Martinswein, im Kreuzgang verteilt 
wurde, denn man befürchtete Beschädigung desselben '). 

Bei dem grossen Fremdenzufluss während des Reichs- 
tage besorgte man Schaden für die Gemälde und Bilder 
des Kreuzgangs und Störung des Gottesdienstes und 
bestellte eine besondere Aufsicht, da Fürsten und Herren 
den Kreuzgang zum Durchgang benutzten, und hielt ihn 
während der Mittagszeit abgeschlossen*). Selbst den 
Fledermäusen, die sich hinter den Gemälden im Kreuz- 
gang niedergelassen hatten, wandte sich die Aufmerksam- 
keit zu. Man Hess die Gemälde mit Tüchern bedecken, 
damit sie nicht Schaden durch die Fledermäuse leiden, 
wobei sie freilich ihrer erbaulichen Bestimmung nicht mehr 
genügen konnten*). 

Doch waren es nicht nur kleine Mittel, die man 
gegenüber einer grossen Zeit anwandte, nein, man fühlte 
jetzt in verstärktem Mass die Bedeutung der Predigt und 
des Jugendunterrichts, die jetzt im Protokoll des Dom- 
kapitels eine Rolle spielten. Schmerzlich vermisste man 
den nach Heidelberg geliehenen Dr. Friedrich Gro, da 
sein Stellvertreter, der Domvikar Jakob Mersteter, wegen 
seiner ungestümen, zornigen Redeweise vom Volk nicht 
gern gehört wurde. Deshalb rief man Gro von Heidel- 
berg zurück ß). Der alte Widerwille des Domkapitels gegen 
die Predigten der Mönche hatte neue Nahrung im Mainzer 

M P. IQ3. 9. Aug. 1527. — -) P. 160. 24. Juli. — ») P. 176. 6. Mai 1527, 
— ♦) P 294. 3. März 1529. — ») 7. Aug. 1527. P. 192b. — •) Auf dem General- 
kapitel, das wegen der Pest zu Deidesheim gehalten wurde 15. Nov. 1526. P. 168. 



430 



Bossert. 



täglich die Evangelischen »steinigte« i), denn es war zu 
stark für das deutsche Nationalgefühl, wenn Fabri am 
Palmsonntag (21. März) predigte, die Türken seien besser 
als die Lutheraner, denn sie fasteten 2); es war zu viel für 
das Wahrheitsgefühl, wenn Fabri etliche Tage später 
erklärte, wenn ihm nur die Wahl bliebe zwischen der 
Bibel und der Tradition, so wollte er lieber die Schrift 
preisgeben 8). Während Melanchthon, der theologische 
Begleiter des Kurfürsten von Sachsen, aufs schärfste über 
Fabris Predigten urteilte, hielt es der Memminger Gesandte 
Hans Ehinger nicht für der Mühe wert, sie zu erwähnen. 
Das Protokoll des Kapitels berichtet jedoch von einem 
Anerbieten des Mainzer Dompredigers Friedrich Nausea, 
am Montag den 12. April nach der Mette für den 
erkrankten Kreuzherrn Henner zu predigen; dieses An- 
erbieten wurde mit Dank angenommen. Man rechnete 
auf einen grossen Zulauf, weshalb man Nausea bat, statt 
im Kreuzchor, auf der Kanzel des Doms zu predigen*), 
aber wir hören nichts von grossen Erfolgen Nauseas, die 
das Kapitel bewogen hätten, ihn um weitere Predigten zu 
bitten und ihm einen Dank abzustatten. 

Dagegen geht durch die Reichstagsberichte die Freude 
an den Leistungen der evangelischen Prediger. Hans 
Ehinger rühmt schon am 15. März die »vast« schöne, nütz- 
liche, gute Predigt, welche Johann Agricola in der Her- 
berge des Kurfürsten gehalten hatte. Auch Melanchthon 
rühmt Agricolas Predigten, bezeichnender Weise wegen 
seines Fleisses und Masshaltens «). Mit ihm wechselte täglich 
der Prediger des Landgrafen, Erhard Schnepf, bei dem 
Melanchthon die Kürze des Ausdrucks vermisste"), dagegen 
rühmte Ehinger, der an die rhetorischen Leistungen einen 
geringeren Masstab anlegte, am 6. April: »des Landgrafen 
Cristenlicher guotter prediger, der Schnepf genannt, hautt 
der bäpstischen Mes mit guottem grund des gotzwort aus 

^) >Faber lapidat nos quotidie pro concione.« Ebenda. — *) Ebenda XO41. 
— •) Ebenda 1046: »Nuper dixit, se, si altenitrum sit deserendum, maUe 
abiicere scripturam quam veteres errores ecclesiae.« — *) P. 307. — 
*) Dobel, Hans Ehinger, S. 40. — •) C. R. i, 104 1. — ^ Ebenda: 
»Sneppium . . . copiosum in docendo Scis . ., me pressum orationis genus 
magis amare.« 



432 



Bossen. 



halten i). Der Domscholaster Dav. Göler, welcher die 
Aufsicht über die Domschule hatte, wollte das Amt dem 
jungen Bruder des vorigen Kindmeisters, Peter Kirscher«), 
übertragen und kam darüber in Kompetenzstreit mit dem 
Kapitel, welches das Recht der Besetzung für sich in 
Anspruch nahm und Bedenken gegen den jungen Kan- 
didaten hatte, der ihm zu »unansichtbar«, d. h. unscheinbar 
erschien und des Luthertums verdächtig war»). Göler 
berief sich auf die guten Empfehlungen als eines ebenso 
gei^chickten, wie frommen, ehrbaren, mit der neuen Sekte 
nicht befleckten Gelehrten und schlug vor, ihm die Stelle 
provisorisch auf ein Jahr zu übertragen. Dsis Kapitel 
machte am i6, November geltend, Kirscher, der in der 
neuen Lehre erzogen sei, könne nicht zur Prüfung der 
Geistlichen pro cura animarum verwendet werden*). Kirscher 
scheint nunmehr von seiner Bewerbung zurückgetreten zu 
sein und sich dem Rechtsstudium zugewendet zu haben. 
Denn am 23. Juli 1532 wurde er Licentiat des kaiserlichen 
Rechts«^). 1528 erscheint als Kindmeister Veit N., der 
aber schon am 23. Juli 1528 seine Entlassung erbat. Ob 
er der alte geschickte Priester aus Weissenburg oder 
einer der von den Lutherischen vertriebenen Priester war, 
die am 26. Juli 1527 dem Kapitel empfohlen wurden, ist 
nicht festzustellen«). An Meister Veits Stelle trat Meister 
Michel N., dessen Geschicklichkeit im Unterrichten und 
Chorgesang erst noch zu erproben war. Auch seines 
Bleibens war nicht lange ?). 

Ähnliche Schwierigkeiten hatte man mit der Orgel. 
Kaum war es gelungen, den bisherigen Organisten Kon. 
Brumann im August 1526 festzuhalten, da starb er schon 
im November 8). Man musste das Amt einem Jüngling 
Georg N. überlassen, denn das Kapitel hatte eigentlich 
keine Mittel, um einen Organisten, der nicht geweiht war, 
zu belohnen, sondern musste eine Pfründe zur Belohnung 
geben. Deshalb zerschlug sich die Verhandlung mit dem 

') Vom 21. August an. P 190, 195, 21 1, 237. — *) Petrus Kirsherus 
de Buhel (Bühl bei Baden) Spir. Dioc. am 2. Nov. 1524 inscribiert za 
Heidelberg, Magister 6. Aug. 1527. Töpkc i, 537; 2, 444. — ') P. i6o» 
— *) P. 212, 214 — *) Töpke 2, 539. — ") P. 190, 257. — T) p. 257. — 
") P. 161, 162, 169. 



^^6 Bossen. 

Verluste und Ungehorsam seiner Pfarrkinder klagte. Das 
Kapitel wollte ihm jetzt den ganzen Zehnten um 50 fl. 
überlassen, er aber wies ihn zurück und verlangte 50 fl. bar 
Geld, was das Kapitel nicht geben konnte. Dieses erklärte 
jetzt, wenn Hochmüller nicht auf seiner Stelle bleibe, werde 
es keinen Pfarrer nach Gemsbach schicken >). Der Mark- 
graf wollte diesmal nicht den Zehnten selbst zurückhalten, 
aber dem Kapitel den Einzug erschweren. Er verbot 
seinen Unterthanen, ihn zu pachten, das Kapitel sollte ihn 
selbst einziehen, was nur mit grossen Kosten möglich war. 
Darauf schickte der Bischof seinen Hofmeister an den 
Markgrafen*). Auch Truchsess Georg bemühte sich auf 
einem neuen Tag zu Vaihingen, zwischen dem Markgrafen 
und dem Bischof und Kapitel am Montag nach Bartholomäi 
26. August zu vermitteln. Der Markgraf aber blieb un- 
erbittlich»). Ja er ging noch weiter, erforderte von Ober- 
und Unterwössingen binnen Monatsfrist 200 fl. Strafgelder 
für Teilnahme am Bauernkrieg, als ob er der alleinige 
Herr an beiden Orten wäre, während dem Domkapitel die 
Obrigkeit in Oberwössingen zu ein Sechstel, in Unter- 
wössingen zur Hälfte gehörte*). Das Kapitel verbot der 
Gemeinde, das Geld zu entrichten, und Hess sie huldigen »). 
Die Verhältnisse waren sehr gespannt, den Geistlichen 
wurde es unheimlich. Der Frühmesser bat um die Er- 
laubnis, sich auf ein bis zwei Jahre anderswo aufhalten zu 
dürfen. Das Kapitel erfuhr aber, dass dieser Mann haupt- 
sächlich an den Irrungen in Wössingen schuldig sei und 
sich in des Markgrafen Schirm begeben habe. Darum 
schlug man ihm die Bitte ab, weshalb er Februar 1529 
seine Pfründe mit Ernst Schlosser vertauschte«). Aber 
auch die anderen Geistlichen fanden die Verhältnisse in 
der Gemeinde ungut. Pfarrer Thom. Reuter in Ober- 
wössingen g^ng 1528 Dezember an die Stelle Leonh. 
Benders nach Oberöwisheim''), Joh. Sigel oder Sigloch 



*) P. 175, 179. 14. Mai 1527. — *) P. 182 ff. 14. Juni 1527. — 
») P. 192, 194, 195, 197b. — *) P. 197. — 6) P. 202. — ») P. 286. Dieser 
Mann scheint als Pfarrer von Obergrombach am Bauernkrieg beteiligt gewesen 
zu sein. Denn die dortige Gemeinde wollte ihm seinen Hausrat wohl auf 
Befehl des Vogts am Bruhrain mit Beschlag belegen. P. 216, 218. — 
') P. 286. 



^.^O Bessert. 

wenn der Markgraf es seinen Unterthanen verbiete. End- 
lich entschloss man sich, die 40 fl. zu bewilligen ^). Aber 
nun kam eine neue Forderung zu Tag. Das Domkapitel 
sollte dsLS Pfarrhaus in Baden abtreten und dafür die Stifts- 
propstei bekommen. Sollte das Kapitel darauf eingehen, 
dann sollte ihm die Verpachtung seiner Zehnten gestattet 
sein, doch sollten die badischen Amtleute und andere ehr- 
bare Männer zuvor den Wert des Zehntens abschätzen. 
Der Markgraf wollte damit die Pächter vor Verlusten 
schützen 2). 

Jetzt war nicht mehr die Kompetenz, die zugestanden 
war, sondern die Abtretung des Pfarrhauses die conditio 
sine qua non für die Freigebung des Zehntens*). Nach 
einer kurzen persönlichen Verhandlung der Vertreter des 
Kapitels mit dem Markgrafen in Mühlburg kam der Tausch 
zustande; alle Schwierigkeiten schienen jetzt gehoben. Der 
Zehnten durfte wie früher verpachtet werden, die Bedingung 
der Schätzung fiel. Der Erlös aus dem bisher vorenthaltenen 
Zehnten wurde dem Kapitel erstattet. 

Da erhob der Hofmeister des Markgrafen noch in 
letzter Stunde eine neue Forderung, nämlich den Verzicht 
auf den bisher verfallenen kleinen Zehnten und dessen 
fernere Erhebung. Es war jener Artikel des Basler und 
Renchener Vertrags, den die Grafen von Hanau und Stadt 
und Stift Strassburg längst angenommen hatten. Von 
badischer Seite verwies man auf den freiwilligen Verzicht 
des Pfarrers von Rastatt, der nur noch von dem, was die 
Mühle bricht, den Zehnten nahm, und versprach dem 
Kapitel für den Fall des Verzichts auf den Kleinzehnten 
beste Förderung beim Grosszehnten*). Ohne Zweifel nahm 
das Kapitel auch diese Bedingung^ an, denn wir erfahren 
fortan nichts mehr von Reibungen zwischen dem Mark- 
grafen und dem Bischof und Kapitel. 

Der Markgraf hatte durchgesetzt, was er nach seinen 
Idealen zur Schaffung eines ehrbaren und gebildeten ^j 

»j P. 254. — «) P. 254. — ») P. 256. — ♦) P. 256, 257. - *) Vgl. 

das Schreiben Diebolds v. Geroldseck an Zwingli vom i. Okt. 1525* »Marchio 
de Baden nullum ad docendum admittit, nisi exacte perscrutatus, an idonens 
sit vel non.« Vierordt S. 242. 



^.^2 Bessert. 

Irenicus, den »Greuelc der Messe in der Markgrafschaft 
abzuschaffen, mit der Frage beantwortete: »Was soll ich 
thun, da ihr in dieser Sache bis jetzt so ungewiss seid? 
Heute glaubt man das, morgen etwas anderes. Das ist 
den Strassburgem, wie ich höre, begegnet, bei denen jetzt 
Christi Leib (im Abendmahl) gegenwärtig ist und alsbald 
wieder ferne ist« (sc. gelehrt wird)*). 

Statt reformatorisch weiter vorzugehen, wollte der 
Markgraf unter dem Eindruck der Zerrissenheit des Prote- 
stantismus durch den Abendmahlsstreit und das Täufertum 
alle Reform bis zum künftigen Konzil aufgeschoben wissen. 
Darum befahl er am 26. März 1527, das Abendmahl nur 
noch unter einer Gestalt zu reichen, bis eine allgemeine 
Änderung durch ein Konzil geschähe. Nur im Fall der 
Todesnot sollte die Spendung unter beiderlei Gestalt erlaubt 
sein, wenn der Sterbende sich weigere, es unter einerlei 
Gestalt zu empfangen«). 

Viel weiter ging der Markgraf, als der kaiserliche 
Generalorator Balthasar Merklin von Waldkirch am 
24. Juni 1528 bei ihm erschien und im Namen des Kaisers 
eine Herstellung des alten Wesens im Sinn des Wormser 
Edikts und wenigstens Stillstand bis zum künftigen Konzil, 
das 1529 eröffnet werden sollte, forderte*). Nunmehr gebot 
der Markgraf Wiederherstellung der gefallenen Ceremonien, 
Ausstellung des heiligen Grabes in der Karwoche, Aufzug 
des Christusbildes zur Kirchendecke am Himmelfahrtsfest, 
Feier des Fronleichnamsfestes. Doch sollte die Messe ohne 
den Kanon gehalten werden und auf Sonn- und Feiertage 
beschränkt bleiben*). Vergeblich eilten Hedio und Capito 
aus Strassburg herbei. Auch der greise Oberkanzler Kirser 
konnte für die streng evangelisch gesinnten Pfarrer nichts 
ausrichten. Eine Bitte derselben entlockte dem Markgrafen 
nur die rasche Äusserung, sie mögen thun, was sie wirklich 
aus Gottes Wort beweisen könnten. Diese Äusserung war 
nicht als Zugeständnis gemeint, das fühlten die Bittsteller. 
So verliessen denn zwanzig evangelische Geistliche die 



1) Enders, Briefwechsel Luthers 5, 358. Friedensburg a. a. O. S. 106. 

— ^) Baden Zinstag nach Oculi. Zeitschr. fQr Kirchengeschichte il, 317. 

— >) Keim, Schwab. Ref. G. 79. — *) Ebenda S. 80. 



444 



Bessert. 



ohne einen Gewissensdruck durch den Markgrafen zu 
fürchten *). Aber das war klar, es hatte bei Markgraf 
Philipp eine rückläufige Bewegung begonnen , von der 
sich noch nicht voraussehen Hess, wo und wie sie enden 
werde, wenn er auch immer bei den evangelischen Fürsten 
keineswegs als Feind der Evangelischen galt und noch 
1529 in Speier zwischen den schärfsten Gegensätzen zu 
vermitteln suchte. 

War der Konflikt des Speierer Domkapitels mit dem 
Markgrafen Philipp glücklich geendigt, so ging doch der 
Streit mit Esslingen«) weiter und drohte sehr gefährlich 
zu werden. Der Bischof, welcher im Spätsommer 1525 
zur Teilnahme am Reichsregiment nach Esslingen ging, 
wollte persönlich mit dem Rat verhandeln, aber er richtete 
nichts aus. Eine Unterredung, welche der Domsänger 
Ph. V. Flersheim mit dem viel geltenden Bürgermeister 
Holdermann hatte, bewies nur, dass dieser zwar huma- 
nistisch gerichtete, aber doch an der alten Kirche hängende 
Mann von dem Recht seiner Vaterstadt völlig überzeugt 
war. Er behauptete, das Stift werde jetzt mit Frohnen 
mehr geschützt als früher. Die Schützen, welche vom 
Zehnten etwas hin weggetragen haben, seien schwer gestraft, 
ebenso andere an Leib und Gut geahndet und aus der 
Stadt verwiesen worden. Holdermann riet dringend, bei 
dem grossen Nutzen, den das Kapitel in Esslingen habe, 
keinen Zank und Unwillen mit Esslingen anzufangen und 
dem Pfarrer den nötigen Unterhalt zu gewähren, auch 
wenn der Zehnten nicht ganz vollständig gereicht werde. 
Der Pfarrer solle die, welche den Zehnten nicht reichen, 
dem Rat anzeigen, dann werde geholfen. Die Begängnisse 
werden gehalten. Allerdings seien die Opfer im Abgang, 
aber dazu könne man niemand zwingen. Auch die Gebiets- 
nachbarn erkennen sie nicht als Schuldigkeit an. Der 
Sänger machte geltend, die Neuerungen in Esslingen und 
die damit zusammenhängenden Beschwerden des Stifts 
seien offenkundig. Darauf entliess ihn Holdermann mit 
dem Sprüchwort, es könne keiner länger Frieden halten, 



») Vierordt 328 ff. N. Paulus, Kasp. Schatzgeyer S. 32. — «) Vgl. 
oben S. 269 ff. 



^a() Bossert. 

fürsten Ludwig von der Pfalz und Bischof Wilhelm von 
Strassburg hierzu in Aussicht. Der Generalvikar reiste im 
Juli zu Ferdinand nach Prag, der den Auftrag annahm 
und seine Regierung in Stuttgart mit der Sache beauf- 
tragte, aber sich die Zuziehung anderer Kommissäre ver- 
bat^). Zunächst versuchte man, Esslingen am 29. November 
1528 durch die Mitteilung, man habe vom Kaiser eine 
Vollmacht für eine Kommission erlangt, einzuschüchtern, 
aber es misslang*), denn Esslingen antwortete ruhig, es 
sei sich keiner Irrungen bewusst*). In der Verlegenheit 
wurde der pfälzische Kanzler um Rat angegangen, aber 
dieser wusste keinen *), während Esslingen jetzt ganz bestimmt 
die Bestallung eines anderen Pfarrers, womit ein evan- 
gelischer gemeint war, verlangte. 

Auf dem Reichstag 152g hatte das Kapitel erst Pfalz- 
g^af Friedrich, den kaiserlichen Statthalter, in dieser Sache 
zu gewinnen gesucht, er musste aber ablehnen einzugreifen *). 
Dann trat am 13. April unter dem Vorsitz von Georg 
Truchsess eine Kommission zusammen. Auch die Esslinger 
Gesandten wurden vernommen. Sie sprachen am 20. April 
ihr Befremden über die Einsetzung einer Kommission aus, 
wozu kein Anlass vorliege, und wollten alles auf richter- 
liche Entscheidung ankommen lassen. Damit war die 
Kommission vor die Thüre gesetzt«). Es mussten andere 
Wege eingeschlagen werden. Am 29. April beschloss 
man, eine ansehnliche Gesandtschaft, Simon v. Liebenstein, 
Georg V. Stemenfels und Dr. Simon Ribeisen, Syndicus 
des Stifts und Dechant zu S. Germanus, nach Esslingen 
zu schicken, um sich aufs eingehendste über die Lage der 
Dinge zu unterrichten. Sie sollten die Gründe für das 
Verlangen der Esslinger erforschen, dass Sattler beseitigt 
und ein anderer Pfarrer eingesetzt werde, xmd Aussagen 
von alten Leuten über die Grösse der Krüge (ob über 
drei Mass), mit denen die Schützen früher vom Zehntwein 
geschöpft hatten, sammeln. Dann nahm man eine Anrufung 
des Kammergerichts in Aussicht''). 

>) P. 268, 269. Remling 2, 263 Anm., der den Zweck der Reise 
nicht erwähnt. — «) P. 275. — •) P. 279. 10. Dez, 1528. — *) P. 279. 
2. Jan. 1529. — ») P. 316. — •) P. 309, 311, 313, 316. Unter den Ess- 
linger Gesandten war Holdermann. — '') P. 317, 318. 



448 Bossert. 

Da der Rat von Esslingen, der sich durch das Kammer- 
gericht in keiner Weise stören Hess, die Mönche dazu 
benützen wollte, um Sattler zu ersetzen, und sie zu der 
Stunde predigen Hess, die bisher dem Pfarrer vorbehalten 
war, sollte ein Verbot vom Kammergericht erwirkt werden >). 
Auch wollte man die Mönche auf Antrag des Dompropstes 
an die alten Verträge wegen des Predigens erinnern und 
sie abmahnen *). Es gelang auch wirklich. Der Rat musste 
sich begnügen, Sattler alle Thätigkeit unmöglich zu machen, 
aber seine Helfer versahen das Amt jetzt in Sattlers Geist ^). 

Die Esslinger wollten, wie Holdermann den drei Ab- 
gesandten des Kapitels schon im Mai berichtet hatte, den 
Zehnten um die hohe Summe von 20000 fl. binnen 20 Jahren 
ablösen. Darauf ging das Kapitel nicht ein, denn der 
Zehnten in Esslingen erschien ihm als »köstliches Kleinod«. 
War der Ertrag augenblicklich nicht gross, so konnte er 
mit der Zeit wieder besser werden*) 

Eine Ursache der Misstimmung der Esslinger suchten 
die drei Abgesandten in der Person des Pflegers, dessen 
unfreundliches Wesen sie anerkannten. Das Kapitel sah 
ein, es bedürfe in Esslingen zur Verwaltung der KapiteLs- 
einkünfte eines Mannes, der suaviter in modo, fortiter in re 
des Kapitels Interesse wahrte J*). Allein niemand wollte 
dau5 Amt übernehmen. Selbst jener einstige Raufbold 
Pallas Oberstein, der einst so fröhlich dreingeschlagen 
hatte«), lehnte das einträgliche Amt ab, indem er ganz 
richtig einwendete, man finde gegenwärtig so schwer zu- 
verlässiges Gesinde 7). 

So schleppten sich die unhaltbaren Zustände in Ess- 
lingen weiter, das Kapitel konnte sich der schweren Ver- 
luste in seinen Einkünften nicht erwehren noch Sattler in 
seinem Pfarramt schützen. Weder der Kaiser noch König 
Ferdinand, noch das Kammergericht, weder der Bischof 
noch sein Bruder, der Kurfürst, der Schirmherr des Bis- 
tums, waren im Stand, dem Kapitel in wirksamer Weise 
gegen eine Reichsstadt wie Esslingen, die doch weit hinter 

») P. 41. — «; P. 63, 64, 72. — 3) Keim, Essl. Ref. Bl. 25. — <) P. 72. 
— ^) Man wandte sich deshalb an die Domvikare Phil. Wemher und 
Anton Schnepf. 12. Juni 1529. P. 73. — «) Vgl. oben S. 258. — "0 P« 73- 
6. Aug. 1529. 



Zwei Elsässer Dörfer zur Zeit Karls des Grossen. 

Ein Beitrag zur wirtschaftgeschichtlichen Verwertung 
der Traditiones Wizenburgenses. 

Von 

G. Caro. 



Das reichhaltige Quellenmaterial, welches die Weissen- 
burger Traditionsurkunden für die Erkenntnis elsassischer 
Zustände in der Karolingerzeit liefern, kann trotz der 
mannigfachen Untersuchungen, die über dieselben angestellt 
worden sind, noch für keineswegs erschöpft gelten. Zeuss 
hatte seinerzeit den glücklich wieder aufgefundenen Codex 
schnell ediert*). Die Wiedergabe des Textes wird als 
sorgfaltig anerkannt*), doch fehlen nähere Erläuterungen, 
abgesehen von den Bemerkungen in der Vorrede, der 
Verifizierung der Daten und der Beigabe zuverlässiger 
Register. Seitdem haben die Urkunden vorzugsweise 
Beachtung gefunden wegen der Aufschlüsse, die sie für 
die Landeskunde bieten ^). Der jüngste Bearbeiter, Harster, 
legt gerade auf die Erklärung der Ortsnamen das Schwer- 
gewicht seiner gründlichen Untersuchungen*); daneben 
erörtert er, wie schon ein Vorgänger*), das Wachstum des 
Klosterguts und dessen Verwaltung. 

*) TraditioDes possessionesque Wizenburgenses. Codices duo cum 
supplementis, ed. societas hist. Palatina. Spirae 1842. — *) W. Harster, 
Der Güterbesitz des Klosters Weissenburg i. E, I. Teil, Gymn.-Progr. 
Speier 1893, S. 2; Bossert, Württemb. Geschichtsquellen 2, 270. — •) S. 
besonders A. Schricker, Älteste Grenzen und Gaue im Elsass, in Strassburger 
Studien, hg. von E. Martin und W. Wiegand, 2, 305 ff. und H. L. v. Jan, 
Das Elsass zur Karolingerzeit, Z. G. ORh. NF. 7, 193 ff. — *) Harster 
1. c. S. 3. — •) F. Wolff, Erwerb und Verwaltung des Klostervermögens in 
den Traditiones Wizenburgenses. Berl. Diss. 1883. 



452 



Caro. 



kleinen Beitrag zur Lösung der aufgeworfenen Fragen 
zu liefern versuchen. Lokal beschränkt, wie das 
Weissenburger Quellenmaterial ohnehin ist, können, selbst 
wenn man es in seiner Gesamtheit betrachtet, allgemein 
grültige Resultate nicht erzielt werden. Um eine An- 
schauung von den Zuständen im Elsass zu gewinnen, 
genügt vorerst das Herausgreifen einer Anzahl von Ur- 
kunden, die durch ihre Beziehung auf die gleichen Örtlich- 
keiten am geeignetsten für die Untersuchung erscheinen. 

Es sind zwei Dörfer, deren Namen sehr häufig in den 
Weissenburger Urkunden wiederkehren , Laubach und 
Preuschdorf , beide in der Nähe von Wörth gelegen, auf 
dem hügeligen Gelände, dessen fruchtbarer Boden im 
letzten Kriege so überreich mit deutschem Blut getränkt 
worden ist. Preuschdorf liegt östlich von Wörth, jenseits 
der Höhen, die das linke Ufer der Sauer begleiten, Lau- 
bach südwestlich von Morsbronn, dem Schauplatz des 
grossen Reiterangriffs. Wie sah es dort zur Zleit Karls 
des Grossen aus? Ich erörtere zunächst das vorhandene 
Material in möglichster Ausführlichkeit, um sodann die 
Ergebnisse kurz zusammenfassen zu können. 

L Laubach. 

Auf Laubach ^) beziehen sich 29 von den Weissenburger 
Urkunden, und zwar in chronologischer Reihenfolge*): 

Nr. 136. 745; 148. 747; »37. 756; 144. 758; 170- 760; 
71. 774; 93. 777; 95. 777; 122. 778; 96. 779; 94. 780; 107. 
780; 109. 782; 76. 782; 98. 783; 89.784; 157. 786; loi. 786; 
82. 786: 99. 787; 155. 787; 77. 787; 100. 788; 110=154. 791; 
80. 792; 29. 803; 49. 858; 79. 764/92; 164—. 

In allen diesen Urkunden handelt es sich um Rechts- 
geschäfte, die mit Grundbesitz zu Laubach vorgenommen 
worden sind. Die Fassung ist subjektiv in der Form der 



S. 25 ff. gehen nicht aufs Detail ein. Für das Elsass hat schon Hanauer, 
Les paysans d'Alsace au moyen-Äge (Paris, Strassburg 1865), S. 340 ff. einige 
Zusammenstellungen gemacht. 

^) Die verschiedenen Namensformen s. Harster 1. c. i, 109 and Z. G. 
ORh. NF. 7, 219. — *) Nach der Ansetrang von Zeuss. 



454 



Caro. 



So geschieht die Schenkung des Beratger an das Kloster 
in der Weise (Nr. 98. 783), >ut ipsi custodes, qui ibidem 
deserviant, ipsas res vel ipsas terras, Christo propicio, in 
Omnibus habeant potestatem et suis posteris ad possidendum 
derelinquant, vel quicquid exinde facere voluerint liberam 
ac firmissimam in omnibus habeant potestatemc; ebenso die 
Schenkung des Hildiboto (Nr. 89. 784), >ut ipsa ecclesia . . 
vel agentes . . hoc habeant, teneant atque possideant et 
eorum successoribus in dei nomine hoc derelinquant, vel 
quicquid exinde pro oportunitate eorum vel compendio 
decreverint facere liberam ac firmissimam in omnibus 
habeant potestatem«. Engilbertus sagt (Nr. 82. 786), »trado 
de iure meo in iure dominationis [vestre] a presente die, 
ut ipsi custores, qui ibidem serviant, habeant, teneant atque 
possideant, et quicquid exinde facere voluerint, Christo 
propitio, in omnibus habeant potestatemc. Die 2^hl der 
Personen, die demnach vollfreies Grundeigentum zu Lau- 
bach besessen haben, beläuft sich auf 28. 

Es sind dies in alphabetischer Reihenfolge: 

1. Ado I, 71. 774. 

2. Ado II, 29. 803. 

3. Beratgart, 93. 777; 95. 777; 96. 779 mit Vualt- 
mannus; 94. 780. 

4. Beratger, 98. 783. 

5. Beratmundus, 122. 778. 

6. Dudo, 137. 756, mit Himicho. 

7. Egiheri, 77. 787, mit Guadolfus und Erinthrud, 

8. Engilbertus, 82. 786; 157. 786; 155. 787. 

9. Engilmuat, 49. 858, mit Meginhelm. 

10. Erinthrud, 77. 787, mit Guadolfus und Egiheri. 
u. Ermbaldus, 76. 782. 

12. Godanivvi, 110= 154. 791, mit Guntheri. 

13. Graobardus, 144. 758; 170. 760 = Vuolveradus'). 

14. Guadolfus, 77. 787, mit Egiheri und Erinthrud. 

15. Guntheri, 110= 154. 791, mit Godanivvi. 

16. Harivvini, 148. 747. 

17. Helphant, 79. 764/92; 80. 792. 



^) Doppelnamen finden sich auch sonst, Nr. 46. 695 Adalgisus sibi 
Allo, 186. 712 Adalgisus sivi Alolachus. 



456 Caro. 

hoc sunt hobas 3 cum curtilis et quicquid ad ipsas curtiles 
aspicere videtur, tarn terris, domibus, edificiis, pratis, pascuis, 
silvis, aquis aquarumque decursibus .... seu mancipiis 
totura et ad integrumc; Nr. 96. 779, mit Vualtmannus, »in 
villa L. Domgisus cum hoba sua et Vualdolf cum hoba 
sua .... et cum omni peculiare eorum . . . tarn terris, 
domibus, aedificiis, mancipiis his nominibus, Domgis, Ludolf, 
Vualdolf, Liudolt, Vuilliolf, Baugolf*) . . . tam vineis, silvis, 
pratis, pascuis, aquis aquarumque decursibus omnia et ex 
Omnibus . . . totum et ad integrum«; Nr. 94. 780, »portionem 
meam ... in loco, qui dicitur L., hoc sunt iumales 220 de 
terra culta.« 

4. Beratger tradiert, Nr. 98. 783, »in villa, quae dicitur 
L., quicquid ibidem visus sum habere . . ., tam mansis, 
casis, campis, silvis, aquis aquarumque decursibus totum 
et ad integrum.« 

5. Beratmundus tradiert, Nr. 122. 778, »in villa, quod 
dicitur L., quicquid in ipsa villa visus sum habere totum 
et ad integrum.« 

6. Dudo und Himicho tradieren, Nr. 137. 756, »in L., 
quicquid in ipsa villa habere visi fuimus.« 

7. Egiheri nebst Guadolfus und Erinthrud tradieren, 
Nr. 77. 787, »quicquid visi fuimus habere ... in marca vel 
in villa L. . . ., hoc est tam terris, aedificiis, seu in mancipiis, 
pomeriis, pascuis, pratis, silvis, aquis aquarumque decursibus, 
mobilia et immobilia, cultis et incultis.« 

8. Engilbertus, filius Aginoni, tradiert, Nr. 82. 786, »in 
Lonunbuacharomarca in illo vilare, quod dicitur Aginonivilla, 
quicquid mihi genitor meus ibidem moriens dereliquit, 
excepto manso uno et excepto illa silva medietate et manci- 
piis 3, his nominibus^) . . . ., illas alias res tam terris, 
domibus, aedificiis, pratis, pascuis, silvis, mancipiis, aquis 
aquarumque decursibus, totum et ad integrum»; verkauft an 
Gotabert, Nr. 157. 786, »terrola iuris mei, hoc est infra marca 
L., id est tam terris, campis, pratis, silvis, arealis exartis. aquis 
aquarumve decursibus, quantumcumque ego odie ibidem 



1) Die folgenden Namen, Hartvvin, Crosmuat, Liutgart, Odgunt, gehören 
wohl nach Dangolsheim, woselbst von den Tradcnten zugleich »Hartvvinus 
cum hoba suac gegeben wird. — *) Die Namen fehlen. 



458 Caro. 

gund, Vuigfrid cum filiis eius«; Nr. 80. 792, >in marca vel 
in Villa L., quicquid ibi visus fui tenuisse preter i curtilem 
et illara medietatem de illa silva (ähnlich an zwei anderen 
Orten), quicquid in Ulis locis visus fiii habere vel finibus, 
preter quod supra relaxavi foras, sive lucratus fueram ex 
isto die, quo istud tradidi. Hec omnia trado atque trans- 
fundo ad iam dicto monasterio, tarn terris, terreturiis, 
domibus, aedificiis, pomeriis, pratis, pascuis, silvis, aquis 
aquarumque decursibus, mobilia et immobilia, cultis et 
incultis, mancipiis hiis norainibus, Lantfrid, Hildimuat, 
Vuillimuat.c 

15. Hildiboto tradiert, Nr. 89. 784. »in villis vel marcis, 
que dicuntur L. et in Bruningesdorph, quicquid ibidem 
visus sum habere vel dominare totum et ad integrum, tarn 
terris, domibus, aedificiis, pratis, pascuis, silvis, pomeriis, 
aquis aquarumque decursibus.« 

16. Hildinivvi tradiert, Nr. 109. 782, »in villa, quod 
dicitur L. . . ., quicquid ibidem . . . visus sum habere, tarn 
terris, pratis, pascuis, campis, silvis, edificiis, aquis aqua- 
rumque decursibus, mobilibus et inmobilibus, totum et 
integrum.« 

17. Hildolfus tradiert, Nr. 100. 788, »in villa L. . . ., 
hoc sunt mancipia duo his nominibus, Albuni, Lantfrid, 
tam terris quam silvis, pratis, pecuniis, domibus, aedificiis, 
omnia cum omnibus ex integro.« 

18. Odalhardus tradiert, Nr. 136. 745, »in agris vel in 
finis .... in L. (und zwei Orten), quicquid ibidem visus 
sum habere in integrum, hoc est tam mansis, mancipiis, 
campis, terris, pratis, vineis, silvis, pascuis, aquis aquarumque 
decursibus, omnia quicquid in illis locis suprascriptis visus 
sum habere in integrum.« 

19. Radingus tradiert, Nr. loi. 786, »in villa, que 
dicitur L. vel in ipsa fine, quicquid ibidem visus sum 
habere vel dominare totum et ad integrum, tam terris, 
domibus, aedificiis, pratis, pascuis, silvis, aquis aquarumque 
decursibus.« 

20. Sigiboto tradiert, Nr. 99. 787, »in villa, que dicitur 
L. vel in ipsa fine, quicquid de paternico ibidem visus sum 
habere, tarn terris, domibus, aedificiis, pratis, pascuis, silvis, 
aquis aquarumque decursibus totum et integrum.« 



460 Caro. 

Im einzelnen ist zu bemerken*): In den Pertinenz- 
formeln kehrt fast regelmässig die Erwähnung vom Weide. 
Wald und Gewässern wieder. Wald konnte sich jeden^s 
im Sondereigentum einzelner Personen befinden. Ein (be- 
stimmtes Stück) Wald, bezw. die Hälfte eines solchen kt 
ausgenommen von der Tradition Nr. 82, ebenso Nr. 70 
und 80; auch in Nr. 29 konnte es sich um einen Wald 
handeln, der dem Ado allein gehörte. Bei den Gewässern 
dürfte es aber ausgeschlossen sein, dass Zerlegungen in 
Teile vorhanden waren, die einzelnen als Sondereigentum 
gehörten. An den Wasserläufen kann es nur Gemein- 
besitz gegeben haben, sie lagen in der ungeteilten Mark. 
Die einzige Urkunde, in der sie nicht erwähnt werden, 
Nr. 100, rührt von einem Schreiber her, der anderweitig 
nicht nachweisbar ist. So wird anzunehmen sein, dass 
auch mit silvis in der Regel im Gemeinbesitz befindlicher 
Wald bezeichnet wird. Unter den Weiden lässt sich 
unbebautes Land verstehen, auch die Eichelmast im Walde, 
was freilich eine Wiederholung wäre. Ein Umstand konnte 
dafür sprechen, dass bereits an Stoppelweide im Sinne der 
Dreifelderwirtschaft zu denken ist. Nr. 155 und 157 rühren 
von verschiedenen Schreibern her (Hildibodus und Casaph); 
gleichwohl fehlt in beiden Urkunden »pascuis«, und es kehrt 
der Ausdruck »terrola iuris mei« wieder. Das scheint darauf 
hinzudeuten, dass es sich um einen bestimmt abgegrenzten 
Landkomplex handelt, gelegen in der Gemarkung von 
Laubach, mit Anteil an Wald und Wasser in der ungeteilten 
Mark, aber ausserhalb der Ackerflur, für welche die Weide- 
rechte der Nachbarn galten; vielleicht handelt es sich up 
eine Rodung. Auch das Fehlen von »pascuisc in Nr. 98 
Hesse sich so interpretieren, obgleich natürlich ein Fehler 
der Überlieferung oder ein Irrtum des Schreibers nicht 
ausgeschlossen erscheint. 

Das zum Dorfe Laubach gehörige Ackerland müsste in 
Gewanne zerfallen sein, in denen zerstreut die zu den 
Höfen gehörigen Felder lagen. Die Ausdrücke »terris« 
und »campis« in der Pertinenzformel würden sich auf die 
Anteile beziehen, die der betreffende Grundbesitzer an den 

») Vgl. dazu Schröder, D. R. G.» S. 199 ff. 



462 Caro. 

doch kann es sich z. B. in Nr. 93 wirklich um mehrere 
Wohnhäuser handeln, eins für jede Hufe; das Fehlen von 
domibus, Nr. 98. 157. 155. 136, würde dahin zu erklären 
sein, dass den betreffenden Eigentümern wirklich ein Wohn- 
haus zu Laubach nicht gehörte. Casa und casticia ist wohl 
ein kleineres Wohnhaus, für die Unfreien bestimmt, Curtile 
giebt sich in Nr. 148 als umschlossenes Gehöft zu erkennen, 
in dem die casa liegt; daher ist es wohl auch an den 
anderen Stellen ebenso aufzufassen. In tarealis exartis«, 
Nr. 157, könnte man ein Grundstück erblicken, das zur 
Errichtung eines Gehöfts fertig gestellt ist, wenn nicht 
Rodland schlechthin damit gemeint ist. 

Die vorgeführte Interpretation der Pertinenzformel 
entspricht den geltenden Anschauungen von der älteren 
deutschen Wirtschaftsverfassung. Es liesse sich jedoch 
dagegen ein gewichtiger Einwand erheben. In der Per- 
tinenzformel ist die Reihenfolge der Teile des Besitzes, 
deren rechtliche Qualität verschieden war, nicht streng- 
inne gehalten; »terris« steht häufig voran, »pomeriis« ist 
zwischen »silvisc und »aquisc eingeschoben (Nr. 89). Vor 
allem erscheint es auffällig, daiss überhaupt die verschiedene 
rechtliche Qualität der Objekte in der fortlaufenden Auf- 
zählung gar nicht erwähnt wird. Wasser und Wald 
befinden sich meist in Gemeinbesitz, das Ackerland ist 
grossenteils dem Flurzwang und den Weiderechten der 
Nachbarn unterworfen, Haus und Weinberge sind volles 
Privateigentum des Besitzers. Von alledem sagt die Per- 
tinenzformel nichts. Es ist gleichwohl nicht anzunehmen, 
dass die Interpretation derselben unrichtig wäre. Geht 
man von der Voraussetzung aus, die rechtliche Qualität 
der Objekte sei durchgehend die gleiche, so sind nur zwei 
Möglichkeiten vorhanden. Entweder alle aufgezählten 
Gegenstände von verschiedener wirtschaftlicher Nutzbar- 
keit sind volles Privateigentum, oder sie befinden sich in 
Gemeinbesitz. Letzteres ist ausgeschlossen, weil für Haus 
und Hof oder Manzipien ganz undenkbar; ersteres ist 
gleichfalls nicht möglich. Wasserläufe konnten nicht wohl 
in so viele Anteile zerlegt werden, als Grundeigentümer 
zu Laubach vorhanden waren, und auch eine so starke 
Parzellierung des Waldes ist höchst unwahrscheinlich. 



464 Caro. 

Formulierung der Urkunden mag den Zustanden auf gallo- 
römischen Boden entsprechen, ihre Anwendung auf Ver- 
hältnisse aber, denen eine anders geartete Agrarverfassung 
zu Grunde liegt, ist recht unpassend. Die Pertinenzformel 
hat nicht den gleichen Sinn, wenn sie sich auf eine ganze 
Villa (ein grundhöriges Dorf nebst Gemarkung) bezieht, 
und wenn sie das Zubehör eines Gutes betrifft, das in einem 
Dorfe ein freier Grundeigentümer besitzt^), 

Hufen oder »mansi« werden genannt in Nr. 93. Q5. 
96. 98. 82. 144. 170. 136. Hufe kann keinesfalls bloss die 
Hofstätte bedeuten. In Nr. 93 ist die Rede von »hobas 2c 
und den Unfreien, die »super ipsam terramc sitzen. In 
Nr. 95 wird der Begriff noch umschrieben, 3 Hufen, das 
ist Hofstätten und was dazu gehört, Ackerland, Wohn- 
häuser, Wirtschaftsgebäude, Wiesen, Weiden, Wald, Ge- 
wässer. Es liegt kein Grrund vor, den Begriff der Hufe 
anders zu fassen als im Anschluss an die herrschende 
Ansicht. Die Hufe ist ein Landgut von bestimmter Grösse, 
welches Haus und Hof im Dorf, Äcker in der Gewannflur, 
Anteil an der ungeteilten Mark (und Weiderechte) umfasst. 
Daher kann von Hufen wie von einer Masseinheit die 
Rede sein, Nr. 93. 95. 170. Mansus ist der lateinische 
Ausdruck für Hufe«), die Erwähnung von mansi in der 
Pertinenzformel, Nr. 98. 144. 136, besagt, dass der tradierte 
Besitz Hufen in unbestimmter Anzahl umfasste. Die Hufe 
ist besetzt mit Unfreien, Nr. 93, es wird geradezu gesagt, 
ein Unfreier mit seiner Hufe, Nr. 96. 170. Wenn in den 
Pertinenzformeln von Nr. 144 und Nr. 136 neben »mansis« 



^) Zu der ungenauen Anwendung der Pertinenzformel konnten schon 
Formeln Anlass geben wie Marculf II 6 (S. 78) »donatione de parva rem ad 
ecclesia.« Der Tradent giebt »porcionem meam in villa nuncupante illa, in 
pago illo, quicquid ibidem ad presens .... possidere videor, . . . cum tenis» 
domibus, accolabus, mancipiis, vineis, silvis, campis, pratis, pascuis, aquis 
aquaerumve decursibus vel reliquis quibuscumque beneficiis.« In der »portioc 
der villa kann man einen Teil einer villa erblicken, die früher einem eintigen 
Eigentümer gehörte, aber auch ein Landgut in einem Dorfe, das von jeher 
durch freie Grundeigentümer besiedelt war. — •) Vgl. Brunner, D. R. G. i, 
198. Indessen ist der Sprachgebrauch der Weissenburger Urkunden schwan- 
kend, vgl. Harster 1. c. S. 65 f. In Nr. 83 »et manso i, ubi servus casam 
et scuriam vel ortum stabilire potest« kann mansus nur die Hofst&tte 
bedeuten. 



466 Caro. 

erwähnt in Nr. (71). 77. 82. 79. 80. 100; es dürfte sich hier 
um nicht angesiedelte (servi domestici) handeln. 

Von den 22 Anteilen am Grundbesitz zu LaubacH 
sind mit Unfreien versehen nur 8 (Ado I, Beratgart, Egi- 
heri etc., Engilbertus, Graobardus, Helphant, Hildolfus« 
Odalhardus), bei 5 bleibt es zweifelhaft wegen Mangel 
einer Pertinenzformel (Beratmundus, Dudo und Himicho, 
Meginhelm, Ermbaldus, Vulvingus). Allzu beträchtlich 
darf man sich die Zahl der Unfreien in Laubach keines- 
falls vorstellen, wenn auch auf einer Hufe nicht nur ein 
Unfreier oder ein unfreies Ehepaar, sondern mehrere sassen, 
so in Nr. 93. 96 1). 

Ein zahlen massiges Bild zu gewinnen vom Stande der 
Bevölkerung in Laubach, ist nicht angängig, weil die 
Hauptmasse der Urkunden sich über mehr als ein halbes 
Jahrhundert verteilt (745 — 803), während die Urkunde von 
858 zeigt, dass ausser den damals übertragenen 21 Anteilen 
am Grundbesitz dortselbst noch andere vorhanden gewesen 
sein müssen. Überdies blieb, auch abgesehen von den 
Erwerbungen des Klosters, der Grund und Boden nicht 
in fester Hand, sondern wechselte gelegentlich den Eigen- 
tümer. Über Vorbesitzer der Anteile, die an Weissenburg 
tradiert werden, beziehungsweise die Herkunft der Besitz- 
rechte, welche den Anteilhabern am Grundeigentum zu 
Laubach zustanden, sagen die Urkunden folgendes aus: 

Ado I, 71. 774, >quicquid ad Madalloldo comparavi.< 

Ado II, 29. 803. 

Beratgart, 93. 777, 95. 777, 96. 779, doch zeigt Nr. 170. 
760, dass Vualtmann die beiden Hufen von Graobard ge- 
kauft hat, 94. 780. 

Beratger, 98. 783, (alles) »tam de paternico quam de 
maternico seu de quäle attractu ad me pervenit.c 

Beratmundus, 122. 778. 

Dudo und Himicho, 137. 756, (alles) »tam de alode 
parente vel de patemo aut de materno vel de quacumque 
libet adtracto«. 

Egiheri etc., 77. 787. 

*) Doch könnten die Unfreien Ludolf Liudolt VuillioU Baugolf, Nr. 96. 
779, Söhne des Vualdolf oder Domgis sein, wahrend Bilihilda, die Frau des 
Vualdolf, seit dem Verkauf 760, Nr. 170, gestorben sein mag. 



468 Caro. 

Das Ergebnis der bisherigen Erörterungen würde also 
sein: Anteil am Grundbesitz in Dorf und Gemarkung Lau- 
bach hatten freie Leute in nicht unbeträchtlicher Anzahl. 
Die Grösse der Anteile war verschieden. Einige (Grund- 
herren) besassen Hufen mit angesiedelten Unfreien, andere 
nur unangesiedelte Unfreie, manche mussten sich ohne 
unfreie Arbeitskräfte behelfen. Auch abgesehen von den 
Erwerbungen des Klosters Weissenburg würde Laubach 
nach Maurers 1) Einteilung eine gemischte Dorfschaft sein, 
in der freie Bauern neben grundherrlichen Hufnem sassen. 
Indessen sind bisher nur die Teile der Urkunden in Betracht 
gezogen worden, die über Laubach selbst Auskunft geben. 
Das Bild modifiziert sich jedoch nicht unwesentlich, wenn 
man die ganzen Urkunden betrachtet und hinzunimmt, 
was sonst noch aus dem Weissenburger Traditionskodex 
über die Anteilhaber am Grundbesitz zu Laubach er- 
sichtlich ist. 

In keiner der 29 auf Laubach bezüglichen Urkunden 
ist ausdrücklich gesagt, dass die handelnde Person (oder 
Personen) über alles in ihrem Besitz befindliche Grund- 
eigentum verfügt; vielmehr wird in 12 Urkunden bemerkt, 
dass die Schenkung nur etwas von der Habe des Tradenten 
umfasst. Am deutlichsten ist dieser Umstand hervor- 
gehoben in Nr. 148 »trado . . . aliquid de rebus meis«, 
Nr. 110=154 »tradere cogitavimus de re nostra ad loca 
san Ctorum, quod ita et fecimus«, Nr. 80 »cogitavi aliquid 
ad remedium animae meae tradere ad loca sanctorum, 
quod ita et feci«, Nr. 79 »cogitavi ut aliquid de re mea 
traderem ad loca sanctorum, quod ita et feci.« 

Offenbar die gleiche Bedeutung hinsichtlich des Ver- 
hältnisses des gesamten Besitzes zu dem tradierten hat 
die Fassung der Arenga in Nr. 137 >si aliquid de rebus 
nostris locis sanctorum vel in substantia pauperum con- 
ferimus, hoc nobis procul dubio in eterna beatitudine retri- 
buere confidimus.« Mit geringfügigen Abweichungen findet 
sich dieselbe Arenga wieder in Nr. 93. 122. 96. 109. 98. 
82. 164. Die übrigen Urkunden nehmen keine Rücksicht 
auf einen Umstand, der allerdings für die Gültigkeit des 



>) Gesch. d. Dorfverf. i, 12. 



470 



Caro. 



berge«. Graobard hatte in der Mark Laubach sein mütter- 
liches Erbteil (144) und zwei vestierte Hufen, dazu Besitz in 
Dangolsheim (170). Harivvini (148) besass ausser der Hof- 
stätte zu Laubach zwei unbebaute Hofstätten zu Mietes- 
heim, dazu 15 jurnales Land, Wiesen zu 7 Wagenladungen 
Heu nebst Markanteil. Helphant (79. 80) muss nicht 
ganz unbeträchtlich begütert gewesen sein, wenn er eine 
Hofstätte und die Hälfte eines (bestimmten) Stückes Wald 
von der Schenkung zu Laubach ausnehmen konnte, über- 
dies hatte er Besitz in Kühlendorf und Niederbetschdorf. 
Letzterer war allerdings vielleicht erst in der Zeit zwischen 
der Ausstellung von Nr. 79 und 80 erworben. Hildi- 
boto (89) hatte Besitz zu Laubach und Preuschdorf. Odal- 
hard (136) war im Elsass und im Speiergau begütert, zu 
Niederbetschdorf, Rott und Laubach, sein Besitz umfasste 
mit Unfreien besetzte Hufen (wegen des »mansis, man- 
cipiis« an der Spitze der Pertinenzformel) nebst dem üblichen 
Zubehör. 

Zu den zehn Anteilhabern am Grundeigentum zu 
Laubach, die nach Ausweis des »aliquid« auch anderwärts 
begütert waren, würden also nach unmittelbarer Angabe 
in den Urkunden selbst noch fünf hinzutreten, Ado L, 
Meg^nhelm und Engilmuat, Graobard, Hildiboto, Odal- 
hardus. Somit bleiben sieben übrig, betreffs deren es an 
direkten Hinweisen mangelt, dass sie auch anderwärts als 
in Laubach Besitz hatten. Es sind dies: Ado IL (29), 
Egiheri mit seinen Eltern (77), Ermbaldus (76), Hildolfus 
(100), Radingus (loi), Sigiboto (99), Vulvingus (107). 
Dass diese Leute nicht sehr reich begütert waren, kann 
für wahrscheinlich gelten. Egiheri und seine Eltern bedingen 
sich aus, dass sie auf Lebenszeit das Tradierte gegen Zins 
zur Nutzniessung behalten, ebenso Radingus und Sigiboto. 
Wenn Ermbald nicht nur tradiert »quicquid ibidem labo- 
ratum habeo<', sondern auch »quicquid) [dejinceps laborare 
potuero«, so ist anzunehmen, dass er von der Voraus- 
setzung ausgeht, das Kloster werde ihm das tradierte 
Objekt wieder verleihen, obgleich dies in der Urkunde 
nicht ausdrücklich erwähnt wird. Auch von den Tradenten, 
deren Grundeigentum zu Laubach nur als ein Teil ihres 
gesamten Besitzes bezeichnet ist, lassen sich mehrere nicht 



472 



Caro. 



ein Recho unter den Zeugen von 71. Jedenfalls ist der 
Neffe des Ado in der Urkunde Nr. 117. 792 wiederzu- 
finden, in der Reccho seinen Anteil an der Kirche zu 
Dauendorf nebst Zubehör ans Kloster Weissenburg schenkt, 
ein Ado ist dort Zeuge. 

Ein Rachio schenkt auch, Nr. 135. 764/792, zu Alt- 
eckendorf 10 jumales und eine Unfreie, Zeuge ist Ado. 
In Nr. 133. 774 sind Zeugen Recho, Ado und ein Theodo: 
Ausstellungsort ist das Kloster, die Urkunde bezieht sich 
auf Alteckendorf. Neben Racchio hat nach Nr. 71. 774 
Sacco Besitz an drei Orten (Donnenheim, Rotteisheim 
und Wahlenheim) an Ado zu Tausch gegeben. Sacco 
findet sich wieder in Nr. 90. 780; er schenkt ans Kloster 
alles, was in Alteckendorf seine Eltern hinterlassen haben 
und was er von Ado eingetauscht hat, ähnlich zu Donnen- 
heim, Rotteisheim und Wahlenheim. Erster Zeuge ist 
Ado, der somit bei der Tradition des von ihm früher zu 
Tausch weggegebenen Guts anwesend war. Ein Sacco 
findet sich auch als Verkäufer (und Käufer) eines servus, 
Nr. 183, »in tempore Karolo«. In der Theotlindis »deo 
sacrata«, die Nr. 141. 746 eine Schenkung zu »Lorancen- 
haim« macht, darf man kaum die gleichnamige Mutter des 
Ado erblicken; immerhin ist in der Urkunde Thioduni 
Zeuge, und zu einem Manne gleichen Namens hatte ja 
doch wohl Ado verwandschaftliche Beziehungen, da er für 
dessen Seelenheil sich besorgt zeigte. Der Name Thiodo 
findet sich noch häufig in den Weissenburger Urkunden, 
auch mehrfach für Tradenten; es wäre schwer, die ver- 
schiedenen Namensträger zu scheiden. Lupo, für dessen 
Seelenheil ebenfalls die Traditionen Nr. 71 u. 73 gemacht 
wurden, kommt sonst nicht vor; ebensowenig Madallold, 
von dem Ado seinen Besitz zu Laubach erworben hat. 
Mit dem Ado von Nr. 71 Hesse sich allenfalls noch iden- 
tifizieren der gleichnamige Zeuge in Nr. 131. 767, aus- 
gestellt im Kloster, bzgl. auf »BuUinthorf«; Nr. 70. 764,92, 
ohne Ort, bzgl. auf Preuschdorf etc.; Nr. 79. 764/92, ohne 
Ort, bzgl. auf Laubach etc.; dazu in Nr. 20. 808, im Kloster, 
bzgl. auf Hatten, Aussteller ist ein Theoduni und seine Gattin 
Agathiu. In Nr. 65. 775, bzgl. auf den Wormsgau, aus- 
gestellt im Kloster, ist ein Ado presbyter unter den (sonst 



474 



Caro. 



Sein Vater Guadolfus ist Zeuge Nr. 107. 780, im 
Kloster, bzgl. auf Laubach; Nr. 89. 784, ebenso. Seine 
Mutter Erinthrud wird sonst nicht erwähnt. 

8. Engilbertus, Nr. 157. 786. 82. 786, 155. 787, tradiert 
auch zu Dümingen 21 jurnales Land, Wiesen zu 4 Fuhren 
Heu, einen Weinberg und eine Hofstätte (mansus), wo ein Un- 
freier seinen Sitznehmenkann,Nr.83. 787. Engilbert ist Zeuge 
Nr. 53 = 178. 774. im Kloster, bzgl. auf Dauendorf etc.; Nr.59. 
782, ebenda, bzgl. auf Schaff hausen etc.; Nr. 1 01. 786, ebenda, 
bzgl. auf Laubach; Nr. 99. 787, ohne Ort, bzgl. auf Laubach. 

Agino, der Vater des Engilbert, Nr. 82. 786, ist Zeuge 
Nr. 128. 773, im Kloster, bzgl. auf Dauendorf etc. (= Egino); 
Nr. 53=178. 774, ebenda, bzgl. auf Dauendorf etc. (vor 
Engilbert); Nr. 163. 776, ebenda, bzgl. auf »Semhaimc bei 
Hagenau; ob auch in Nr. 125. 788, ohne Ort, bzgl. auf 
Bilwisheim etc., ist fraglich, da der Vater des Engilbert 
wohl 786 schon tot war. Offenbar nicht identisch mit ihm 
ist der Aghino Nr. 220. 764/92, der Besitz zu Kuttingen 
bei Dieuze tradierte. Gotabert, der Käufer in Nr. 157. 786, 
ist wohl kaum zu identifizieren mit dem gleichnamigen 
Abt in Nr. 72. 787. Ein Zeuge des Namens findet sich 
auch Nr. 59. 782, im Kloster, bzgl. auf Schaff hausen etc.; 
Nr. 88. 764/92, ohne Ort, bzgl. auf das Elsass etc. 

9. Meginhelm, Nr. 49. 858, ist Zeuge Nr. 254. 851, 
zu Weissenburg, bzgl. auf Kirweiler etc.; Nr. 156. 855, zu 
Kirweiler, bzgl. auf Bosseishausen etc. In Nr. 50. 833/60, 
ohne Ort, bzgl. auf Ohlungen, steht er an der Spitze der 
Zeugenliste und wird als »vocatus«, also als (ein) Vogt des 
Klosters bezeichnet. Seine Gattin, Engilmuat, ist sonst 
nicht nachweisbar, ebensowenig Velia, für deren Seelenheil 
beide tradieren. Der Name des Thiotericus, für dessen 
Seelenheil sie gleichfalls durch die Tradition sorgen wollen, 
findet sich öfters in den Zeugenlisten. Mit dem in Nr. 49. 858 
genannten ist wohl Theatrih identisch, Zeuge in Nr. 204 
= 254. 851, (mit Meginhelm). 

10. Ermbaldus, Nr. 76. 782, ist Zeuge Nr. 80. 792, 
ohne Ort, bzgl. auf Laubach etc., und vielleicht Nr. 199. 
807, im Kloster, bzgl. auf Godramstein. 

11. Guntheri, Nr. 110= 154. 791. In Nr. 174. 809, 
ohne Ort, bzgl. auf »Semhaim« bei Hagenau, sind zwei Per- 



476 Caro. 

Orten, Nr. 81. 797. Vielleicht ist er in dem gleichnamigen 
Zeugen Nr. 160. 816 zu Brumath wiederzufinden; doch 
erscheint auch schon ein Zeuge Vuaninc, Nr. 136. 745, im 
Kloster, bzgl. auf Laubach etc. 

15. Hildiboto, Nr. 89. 784, erscheint als Zeuge Nr. 59. 
782, im Kloster, bzgl. auf Schaffhausen etc.; Nr. 82. 786, 
ebenda, bzgl. auf Laubach; Nr. 83. 787, ebenda, bzgl. auf 
Dürningen; Nr. 100. 788, ebenda, bzgl. auf Laubach; 
Nr. 110=154. 791, ebenso; Nr. 78. 791, ohne Ort, bzgl. 
auf Görsdorf etc.; Nr. 28. 806, im Kloster, bzgl. auf Nieder- 
betschdorf. 

16. Hildinivvi, Nr. 109. 782, ist sonst nicht nachweisbar. 

17. Hildolfus, Nr. 100. 788, machte auch zugleich mit 
Thiotbertus eine Tradition zu Dauendorf, Nr. 24. 798. Der 
Namen des letzteren erscheint häufig in Zeugenlisten, unter 
anderem in den auf Laubach bezüglichen Urkunden Nr. 96. 
779» 107- 7S0, 76. 782, 89. 784, 164. 

18. Odalhardus, Nr. 136. 745, ist nicht weiter nach- 
weisbar. 

19. Radingus, Nr. loi. 786, ist Zeuge Nr. 107. 780, 
im Kloster, bzgl. auf Laubach; Nr. 77. 787, ebenso; Nr. 100. 
788, ebenso; Nr. 80. 792, ohne Ort, bzgl. auf Laubach. 
Auch ist er wohl identisch mit Roding, dem Zeugen in 
Nr. 90. 780, im Kloster, bzgl. auf Donnenheim etc.; Nr. 109. 
782, ebenda, bzgl. auf Laubach; Nr. 129. 764/92, ebenda, 
bzgl. auf Preuschdorf 

20. Sigiboto, Nr. 9g. 787, vollzieht in Nr. 100. 788 die 
Traditon für Hildolfus und ist Zeuge Nr. 95. 777, Nr. 10;. 
780, Nr. 82. 786, Nr. 77. 787, Nr. 154. 791, sämtlich im 
Kloster, bzgl. auf Laubach. 

21. Vuarulfus, Nr. 164 — , ist sonst nicht nachweisbar. 

22. Vulvingus, Nr. 107. 780, ist Zeuge Nr, 154. 79*» 
im Kloster, bzgl. auf Laubach. 

Zur Ergänzung füge ich einen Nachweis bei über das 
Auftreten der Anteilhaber am Grundbesitz zu Laubach in 
den Zeugenlisten der auf Laubach bezüglichen Urkunden. 

Nr. 136. 745, Zeugen 7, im Kloster, 
» 148. 747, » 3, » * 

* »37- 75^» * '» * * 

» 144. 758, ^ o, V X 



Zwei Elsässer Dörfer zur Zeit Karls d. Gr. Anj 

Nr. 170. 760, Zeugen 3, in villa Franchenheim, 
71. 774, » 13» im Kloster, 

93. 777. » 9. » > 

95. 777» » 3» » » Sigiboto (i), 
122. 778, » 3, » > 

96. 779» * 3» > » 
107. 780, » 6, > > Radinc(i), Guadolf 

(3), Sigibodo (5), 

94. 780, » 5, t > 

109. 782, » 4, » » Ruading (3), 
76. 782, » 7, ohne Ort, 

98. 783. * 6, > » 

89. 784, » 7, im Kloster, Imicho (4), Gua- 

dolf (5), Helphant (7), 
82. 786, » 7, im Kloster, Helphant (i), Hil- 

diboto (2), Egiheri (3), 
Sigiboto (4), 
I Ol. 786, :> 7, im Kloster, Engilbertus (i)^ 

Egiheri (2), Helphant (6), 
8, in Hohatzenheim, 
8, im Kloster, Rading (3), Sigi- 
bodo (8), 
6, in Dürningen, 
10, ohne Ort, Engilbertus (i), 
Egiheri (2), Helphant (5), 
100. 788, » 7, im Kloster, Egiheri (2), Ra- 

ding (3), Hildiboto (6), 

110. 791, » 7, im Kloster, Hildibodo (2), 
154. 791, :> 10, » » ausserdem Sigiboto 

(6), Vulfinc (9), 
80. 792, > 7, ohne Ort, Ermbald (i), Ra- 

ding (4), 
29. 803, ^ 2, im Kloster, 

49. 858, > 27, » ^ 

79. 76492, * 7. ohneOrt, Reratger(i),Ado(2), 

164. 764 92, * 8, > ■> 

Es finden sich also von den zu Laubach begüterten 
Personen : 

Ado in I Urkunde, Guadolfus in 2, Sigiboto in 5, 
Beratger in i, Helphant in 4, Vulvingus in i, Egiheri in 4» 



'57- 


786, 


» 


77- 


787. 


» 


'55- 


787. 


> 


99. 


787. 


» 



478 Caro. 

Hildiboto in 3, Engilbertus in 2, Himicho in i, Ermbaldus 
in I, Radingus in 4 (5) Urkunden. 

Die Richtigkeit der vorgenommenen Identifizierungen 
dürfte gerade dadurch erwiesen sein, dass so viele Grund- 
besitzer an einem Ort als Zeugen auftreten bei Rechts- 
geschäften über Grundeigentum an demselben Ort. Die 
Nachbarn waren am ersten dazu berufen, bei Besitz- 
veränderungen Zeugnis abzulegen. Indessen von den Grund- 
besitzern zu Laubach hatten nicht wenige nachweislich 
auch an anderen Orten Grundeigentum. Es ist daher sehr 
erklärlich, dass die aus Laubach bekannten Personen so 
vielfach in Urkunden, die sich auf andere Orte beziehen, 
als Zeugen erscheinen. 

Das Ergebnis betreffs des gesamten Besitzstandes der 
Grundeigentümer zu Laubach lässt sich in folgender Weise 
zusammenfassen. Als Grossgrundbesitzer mit Eigentum an 
mehreren Orten, zu dem Hufen und angesiedelte Unfreie 
gehörten, also als Grundherren, sind zu betrachten: Ado L, 
Engilbert, Graobard, Helphant und Odalhard, dazu jeden- 
falls auch Beratgart und Vualdmann, sowie Meginhelm und 
vielleicht Harivvini. Kleiner, aber immerhin noch über 
mehrere Orte ausgedehnt und mit Unfreien versehen, war 
wohl der Besitz von Dudo und Himicho, und der des 
Hildolfus. Bei Beratger, Beratmund, Guntheri, Hildinivvi, 
Hildiboto und Vuarulfus wird der Besitz von Unfreien 
nicht erwähnt, die Ausdehnung ihres Grundeigentums über 
mehrere Orte ist aber anzunehmen. Grundbesitz nur an 
einem Orte, zu Laubach, ist bezeugt für Ado IL, Ermbald, 
Rading, Sigiboto und Vulvingus, ebenso für Egiheri und 
seine Eltern, die aber auch Unfreie besassen. 

Das Wachstum des Klosterguts in Laubach wird er- 
sichtlich durch folgende Zusammenstellungen. Es haben 
freie Schenkungen gemacht: Ado I. (71), Ado II. (29), 
Beratgart und Vualtmann (93—96), Beratger (98), Berat- 
mundus (122), Ermbaldus (76), Guntheri und Godanivvi 
(110= 154), Hildiboto (89), Hildinivvi (109), Hildolfus (100), 
Vuarulfus (164), Vulvingus (107), Graobard (144), der auch 
den Verkauf an Vualdmann (170) vorgenommen hat. Gegen 
Verpflichtung des Klosters zur Gewährung von Lebens- 
unterhalt tradierte Harivvini (148). Nach dem Tode der 



Zwei Els&sser Dörfer zur Zeit Karls d. Gr. 



479 



Tradenten sollte ans Kloster fallen dife Tradition des Dudo 
und Ilimicho (137), ebenso, aber unter Entrichtung eines 
jährlichen Zinses, die Tradition des Rading ( 10 1. Zins 4 den.), 
des Egiheri und seiner Eltern (77. 4 den.), Sigiboto (gg. 
4 den.), Meginhelm und Engilmuat (4g. i sol.). Auf die 
Nachkommen des Tradenten sollte gegen Fortentrichtung 
des Zinses übergehen die Tradition des Odalhardus (136. 
Zins 4 den.). Helphant hat dieselbe Bedingung gestellt 
bei seiner ersten Tradition (7 g. Zins 6 den.), die zweite (80) 
erscheint als freie Schenkung. Engilbert hat (82) nicht 
eine freie Schenkung gemacht, sondern, wie die Nachschrift 
zeigrt, Geld für die Tradition empfangen, der Verkauf. 
^^' ^55» geschieht an einen Mönch des Klosters. 

{Sch/uss folgt ^ 



Zur Frage der Gottesfreunde. 

Von 

Karl Rieder. 



II. 

Bischof Heinrich III. von Konstanz und die Gottesfreunde. 

Einen der zutreffendsten Beweise für die Nichtexistenz 
des Gottesfreundes bildet bei Denifle der Nachweis, dass 
die angeblich vom Gottesfreunde mit einem seiner Genossen 
im Jahre 1377 unternommene Romreise eine Dichtung ist, 
und zwar die Dichtung eines Mannes, »der über die Zeit- 
verhältnisse und die einzelnen dabei beteiligten Personen 
schlecht oder gar nicht unterrichtet war«'). So unanfecht- 
bar nun dieses Resultat ist, so ist doch bei der Führung 
des Beweises wohl zu unterscheiden zwischen den An- 
deutungen, die der Gottesfreund uns in seinen eigenen 
Briefen über die Romreise giebt, und der ausführlichen 
Schilderung, welche uns Nikolaus von Laufen angeblich 
auf Grund nicht mehr erhaltener Briefe überliefert hat 
Beachtet man den verschiedenen historischen Wert beider 
Quellen, dann lässt sich Denifles These noch schärfer in 
die Formel fassen: 

Die Romreise des Gottesfreundes ist eine Dichtung, 
denn sie kann unmöglich erfolgt sein 

1. innerhalb der Zeit, die nach den Briefen des 
Gottesfreundes anzunehmen ist, 

2. noch auf die Art und Weise, wie Nikolaus von 
Laufen uns die Fahrt im Vorwort zum Briefbuche schUdeit 



') Ztschr. f. deutsch. Altectum 12, 322. Vgl. Preser m, 358 ff. 



482 Rieder. 

Demgegenüber zeigte nun Denifle ebenso einfach wie 
klar: alles, was die Urkundenbücher von dem Gottes- 
freunde enthalten, ist unwahr, denn der Gottesfreund hat 
nie existiert und die ihm zugeschriebenen Schriften sind 
Dichtungen und Fälschungen. 

Damit erfuhr die erste Formel eine Vereinfachung 
dahin : 

Die Glaubwürdigkeit des Verfassers der Urkunden- 
bücher steht ausser Zweifel, darum ist richtig, was hier 
von Rulman Merswin und seiner schriftstellerischen Thätig- 
keit berichtet ist. Erdichtet sind nur die angeblichen 
Beziehungen Rulmans zu dem Gottesfreunde im Oberland, 
aber dafür ist nicht der Verfasser der Urkundenbücher 
(= Nikolaus von Laufen), sondern allein Rulman Merswin 
verantwortlich zu machen, der die Johanniter zu Strassburg 
betrogen hat. 

Durch diese Formulierung der bisherigen Ansichten 
wird, wie ich hoffe, noch klarer und deutlicher als im 
ersten Aufsatze die unbewiesene Voraussetzung zu Tage 
getreten sein, auf denen alle Resultate beruhen. Nach 
Deniflies überraschendem Resultate wäre doch der Schluss 
viel näher gelegen: 

Wenn sich alles als unrichtig herausstellt, was die 
Urkundenbücher der Strassburger Johanniter über den 
Gottesfreund berichten, dann kann auch gefälscht sein, 
was sie von Rulman Merswin erzählen, so dass der Ver- 
fasser der Urkundenbücher (= Nikolaus von Laufen), weit 
davon entfernt der durch Rulman Merswin Betrogene zu 
sein, selbst der Fälscher der ganzen Gottesfreund- und 
Merswin-Geschichte ist. 

Geht man in diesem Bewusstsein an die Untersuchung 
der Gottesfreundfrage, dann treten dem Forscher keine 
unbewiesenen Voraussetzungen mehr hindernd in den Weg, 
die jedes befriedigende Resultat in Frage stellen. 

So soll hier noch die Beziehung und die Reise der 
Gottesfreunde zum Bischöfe von Konstanz, die mit der 
Romreise in innigem Zusammenhange steht, einer näheren 
Kritik unterzogen werden. Der damalige Bischof von 
Konstanz, Heinrich III. von Brandis, musste ja den Gottes- 



484 Rieder. 

vorliegt, ist diese Möglichkeit höchst unwahrscheinlich oder 
ganz ausgeschlossen. 

In den Briefen ist nun an zwei Stellen von dem Diözesan- 
bischofe der Gottesfreunde die Rede, und zwar beidemal 
in solchen , die an den Komtur des Johanniterhauses zum 
Grünen- Wort in Strassburg gerichtet sind; der eine unter 
dem Datum: 1377 Juli 13^), der andere unter dem Datum : 
1380 April 20 2). Dieser letztere — es ist der letzte den 
der Gottesfreund überhaupt schrieb — giebt unter anderm 
Antwort auf die Frage des Strassburger Komturs, wie sich 
die Johanniter seines Hauses in dem ausgebrochenen Papst- 
schisma verhalten sollten. 

Man wollte sich nämlich zu Strassburg in dieser 
schwierigen Lage nach dem Beispiele der Gottesfreunde 
richten. Die höchst weise Antwort des Gottesfreundes an 
den Komtur lautet: Ihr bedürft das nicht zu wissen, »wanne 
uwer Sache und unser sache die ist in der wise nüt gliche, 
wanne ir verbunden under den orden sint, dez wir nüt 
sint; wir sint verbunden under den bischof, der trenget uns 
nüt, er tot in der Sachen, alse wir wellent«»). Diese Stelle 
stimmt ganz, meint Preger, zu dem Verhalten des Bischofs 
Heinrich, da dieser anfangs zu Urban VI. gehalten, dann 
aber eine neutrale Stellung beiden Päpsten gegenüber ein- 
genommen habe und beiderlei Obedienz in seinem Sprengel 
gewähren Hess*). Viel vorsichtiger hat aber Haupt, dem 
Preger hier folgte, in seiner sehr verdienstvollen Arbeit 
»Das Schisma des angehenden 14. Jahrhunderts«*) betont, 
dass sich an der Hand des bisher (i8go) veröffentlichten 
Urkundenmaterials nicht mit Sicherheit entscheiden lasse, 
welche Stellung Bischof Heinrich zu den beiden Päpsten 
eingenommen habe«). Die Regesten der Bischöfe von 
Konstanz zeigen nun mit Sicherheit, dass Heinrich von 
Brandis freilich zuerst auf Seiten Urbans VI. steht und 
Mandate dieses Papstes noch im Januar 1379 ausführt; aber 
diese Mandate hatte der Bischof bereits zu einer Zeit erhalten 



• ') NvB. 311. -- ») Ebenda 340. — ») Ebenda 343. — *) Preger III^- 
391. — *) Hermann Haupt, Das Schisma des ausgehenden 14. Jahrhundert»- 
in seiner Einwirkung auf die oberrheinischen Landschaften, II. Die Diözes^s" 
Konstanz (Zeitschr. f. Geschichte des Oberrheins NF. 5 (1890), 273 flf.). 
^') a. a. O. 277. 



486 Rieder. 

durch den clementinischen Legaten bestätigen lassen. Die 
Mehrzahl der Domherren samt der Geistlichkeit und den 
Bürgern der Stadt stand eben auf Seiten des Gegenpapstes 
und erst nach dem Tode des Bischofs, als es galt Sonder- 
interessen wahrzunehmen, zeigte sich eine Spaltung, die in 
der Doppelwahl und den darauf folgenden Kämpfen ihren 
beklagenswerten Ausdruck fand. 

Aber selbst wenn der Bischof von Konstanz eine 
»neutrale Stellung« im Papstschisma eingenommen hätte, 
wenn er jede Parteistellung in seiner Diözese hätte ge- 
währen lassen, so würde das doch nichts zu gunsten der 
Echtheit der Schriften des Gottesfreundes beweisen. Denn 
obige Worte aus dem Briefe des Gottesfreundes sind so 
allgemein, so unbestimmt, dass man auf sie gestützt keinen 
sicheren Beweis führen kann. Sie erhalten aber noch eine 
wirkungsvollere Beleuchtung, wenn man sie in Parallele 
mit anderen Stellen aus den übrigen angeblichen Schriften 
des Gottesfreundes bringt. Da erscheint es seltsam, aber 
als ein ganz charakteristisches Merkmal des Gottesfreundes, 
dass der Gottesfreund nirgends Widerspruch findet, dass 
sich ihm alles unterwirft, dass alle nur thun, was er will. 
Wohl war Bischof Heinrich III. — einstens Mönch und 
Abt zu Einsiedeln — ein grosser Freund der Kloster und 
von grosser Zuvorkommenheit gegen sie, aber wer den 
Charakter und die Zeitumstände des Bischofs näher kennt, 
wird nie zugeben können, dass dieser in solch kritischer 
Lage nur that, was der Gottesfreund und seine Genossen 
haben wollten. 

Aus den Worten der Gottesfreunde spricht vielmehr 
nur zu deutlich Verlegenheit und Prahlerei. Sie spielen 
sich als alte Bekannte des Bischofs auf, und doch sind sie, 
soweit wir aus ihren Schriften wissen, nur ein einzigesmal 
(1377) und sonst nie wieder zu ihrem Diözesanbischofe in 
nähere Beziehung getreten. 

Dieser letztgenannte Besuch beim Bischöfe ist auch für 
uns von grösserer Wichtigkeit. Er wird im innigsten Zu- 
sammenhange mit der Romreise erwähnt, in dem Briefe 
vom 13. Juli 1377^). Die Johanniter zu Strassburg sind 



>) NvB. 311 nr. 



488 Rieder. 

öch ob es ir wille were, daz wir anevingent, oder daz wir ez 
lenger ließent also ston. Do sprochent sü mit grosseme ernste: 
wir rotent es üch und ist öch unser guter wille, daz ir nüt 
lont, ir vohent es an , so ir iemer allererste mögent und darzü 
so wellent wir üch roten und helffen« ^). 

Der Zeit nach muss also dieser Besuch beim Diözesan- 
bischofe nach die Rückreise von Rom aber noch vor den 
13. Juli 1377 fallen. Benützen wir die im Briefe vor- 
kommenden Daten, dann befanden sich die Gottesfreunde 
frühestens am Montag den 6. Juli beim Rate der ihnen 
zunächst liegenden Stadt, am Samstag 4. Juli bei den 
Priestern dieser Stadt, in welcher sie Freitag abends 
(3. Juli) angekommen waren. Für ihre Reise zum Bischöfe 
brauchten sie wenigstens zwei Tage (13 Meilen), sie können 
demnach frühestens am 30. Juni beim Bischöfe ihre Bitte 
vorgebracht haben. Aber dann haben sie keine günstige 
Reisezeit gewählt, denn am 29. Juli war Feiertag, am 
28. Sonntag, an denen die »Gottesfreunde« entweder gar 
nicht oder wenigstens nicht den ganzen Tag reisten; sie 
müssen also schon am 27. Juni an den Aufenthaltsort des 
Bischofs gekommen sein und über die Feiertage daselbst 
verweilt haben. Beachtet man noch, dass der Bischof 
ihnen Briefe mitgiebt an die Priester und den Rat der 
Stadt, die doch kanzleimässig ausgefertigt werden mussten, 
dann kann man unmöglich mit Preger annehmen 2), dass 
die Gottesfreunde schon am 23. Juni von ihrer Romreise 
nach Hause zurückgekehrt waren. Die Folge aber ist, 
dass für die angebliche Romreise keine Zeit übrig bleibt, 
selbst wenn man der ganz willkürlichen Berechnung Pregers 
beistimmen wollte, wonach der Gottesfreund mit seinem 
Begleiter diese Reise schon am i. Mai angetreten hat. 

Wir haben gesehen, dass der früheste Termin für 
den Besuch der Gottesfreunde beim Bischof von Konstanz 
der 27, 30. Juni sein kann. Dieser Berechnung liegt jedoch 
die Annahme zu Grunde, dass in dem Satze: »an dem 
mendage früge do gingent wir vür den rot von der stat«, 
jener Montag gemeint ist, der dem Ausstellungstage des 
Briefes (13. Juli) vorausgeht. Wer bürgt aber für die 



») NvB. 313. — •-) Seite 261. 



490 



Rieder. 



er getün möhte« auf, sondern er giebt ihnen auch Briefe 
mit an den Rat und die Geistlichkeit der von ihrem Wohn- 
orte nur zwei Meilen entfernten Stadt. 

Und was ist der Inhalt dieser Briefe an die Geistlichen? 
Man sollte erwarten, der Bischof befehle darin den Geist- 
lichen auf der Kanzel zu verkünden, die Gottesfreunde 
wollten ein Kloster bauen und darum sollten die Leute 
dazu mit Geld oder Diensten beisteuern. Aber nein, er 
schreibt den Geistlichen bloss, sie sollten den Gottesfreunden 
»raten, wie es dem Volke in der Stadt verkündet 
werden möchte«, so verblasst erscheinen hier die Rechte 
des Diözesanbischofs »). 

Noch auffallender ist das Benehmen der Gottes- 
freunde nach dem Besuche beim Bischöfe. Sie 
fahren alle zusammen in die zunächst liegende Stadt 
und gehen zu den Geistlichen, an die der Bischof sie 
gewiesen. Aber was zeigen sie vor? Etwa des Bischofs 
Briefe? Nein, des »hobest briefe«, — von des »Bischofs 
Briefen« erwähnen sie nichts. Und noch mehr! Den 
Gottesfreunden ist es nicht genug, die Erlaubnis des 
Papstes, die Zustimmung des Bischofs zu ihrem Bau er- 
halten zu haben , sie erholen sich auch noch den »Rat« 
der Geistlichen, des Volkes und der Behörde der Stadt. 
Und alle fragen sie, »obe es sü gut duhte, daz man es 
anefinge, oder ob es sü besser duhte, daz man es Hesse 
also ston«. Und alle geben natürlich die Antwort, »man 
sol es anevohen, wir wellent darzü tun, waz wir söUent.« 
So tragen diese Stellen den Stempel der Phantasie schon 
an ihrer Stirne. Kein Wunder, wenn uns die Regesten 
bei einem Versuche der Nachprüfung völlig im Stiche 
lassen. Von Briefen des Bischofs an die Geistlichen oder 
den Rat irgend einer Stadt im Interesse der Gottesfreunde 
hat sich bis jetzt noch keine Spur vorgefunden, auch keine- 
Urkunde, nach welcher der Bischof das Kloster, Kirche=^ 
und Altäre geweiht hätte. Und doch werden zu jener Zeic^ 
unter Zustimmung und mit Förderung des Bischofis einige- 
Männerklöster gebaut, über die uns die Regesten nähereiB^ 
Aufschluss geben: so das Kloster der Brüder im Hergiswald 



') Vgl. unten S. 492. 



Zur Frage der Gottesfreunde. aq^ 

Wenn also überhaupt irgendwo die Gottesfreunde exi- 
stiert haben, dann müssen wir sie in dem Kloster Unser 
Frauen Zell bei Winterthur suchen, denn hier holte sich 
zum Teil Nikolaus von Laufen seine Kenntnisse von den 
Gottesfreunden, von ihrem Leben, ihren Einrichtungen, 
und so bildet die Geschichte des Klosters auf dem Beeren- 
berge den historischen Hintergrund zu den Fälschungen 
des Nikolaus von Laufen. 

Ein regerer Verkehr muss auch in späteren Jahren 
zwischen diesem Kloster und den Johannitern zu Strass- 
burg bestanden haben , denn Heinrich Blanghart von 
Laufen, in dessen Diensten ja Nikolaus von Laufen ge- 
standen ist, vermachte 137 1 September 22 unter anderem 
dem Prior und Konvent *zü unser fröwen zelle in dem 
Berberge* 10 f? ^ zu einer Jahrzeit'). Es ist darum sehr 
wohl möglich, dass Nikolaus von Laufen den vorhandenen 
Briefwechsel wenigstens zum Teil als historischen Unter- 
grund für seine gefälschten Briefe benützte. Näheres 
hoffe ich in nicht allzu langer Zeit in der bereits angekün- 
digten grosseren Untersuchung, welche die ganze Gottes- 
freundfrage systematisch behandelt, bieten zu können. 

') Strassburger Urkunden Buch 7, 431. 



494 



Rieder. 



Beilage. 

1380 Sept. 26. Gottlieben. 

Bischof Heinrich III, fordert die Geistlichkeit 

in Stadt und Bistum auf, den Brüdern auf dem Beerenberge bei 

Winterthur zum Baue ihres Klosters jedjnögliche Unterstützung 

angedeihen zu lassen» 

Heinricus dei gratia episcopus Constantiensis honorabilibus 
et sibi in Christo dilectis decanis, caraerariis, plebanis, vice- 
plebanis, vicariis et prebendariis ceterisque personis ecclesiasticis 
per civitatem et dyocesim nostram Constantiensem constitutis 
salutem in omniüm salvatore. Licet cunctos nobis subiectos et 
a deo nobis commissos in suis teneamur piis propositis confoverc, 
illos tarnen quos maior commendat religionis devotio et quos in 
stadio huius militantis ecclesie pre ceteris laborantibus currere 
conspicimus, uberiori favore nos prosequi convenit et in suis 
iaudabilibus operibus confovere. 

Cum igitur devotissimi in Christo fratres prior et conventus 
nove plantationis monasterii Celle Sancte Marie in Monte Berberg 
prope Wintertur nobis immediate subiecti, qui pre aliis sub regula 
sancti Augustini canonicorum regularium in nostra dyocesi degen- 
tibus nobis vere humilitatis prebent exemplum, ad consumationem 
eiusdem nove plantationis sub omnipotentis dei et gloriosissime 
virginis dei genitricis Marie de Christi fidelium adiutorio erecte 
et plantate absque uberiori Christi fidelium subsidio nequeant 
pervenire, devotionem vestram in domino presenlibus requirimus 
et hortamur vobisque in reraissionem vestrorum iniungimus pecca- 
torum et in virtute sancte obedientie et sub pena suspensionis 
ab officiis vestrorum divinorum firmiter et districte precipiendo 
mandamus, quatenus fratres predicte nove plantationis in Monte 
Berberg, cum ad vos venerint cum presentibus nostris litteris, 
quacumque dierum vel etiam horarura tam feriarum quam aliarum, 
Omnibus aliis questuariis et petitionibus quibuscumque excepta 
matricis ecclesie Constantiensis postpositis, quantumcumque clau- 
sulam inhibitionis contineant ne alie petitiones die eadem 
admittantur, benigne recipiatis et favorabiliter pertractetis eosque 
in ecclesiis vestris et alibi ubi expediens fuerit cum aflfecta et 
effectu promoveatis, ipsosque verbum exhortationis ad populum 
per sonitum campanarum convocatum proponere permittatis, ac 
pro ipsis si petierint proponatis, ut ad tam laudabilem structuram 
perficiendam suas pias elemosinas largiantur; ipsos namque fratres 



_- - k- 



4g6 Rieder. 

ipsos ab eisdem votis auctoritate nostra absolvimus per presentes. 
Et si res alique modo quocumque illicito et raalo fuerint 
acquisite et per subditos vestros detineantur, dummodo nesciatur 
quibus restitutio fieri debeat, si ad predictos pios usus pura 
collata fuerint intentione, eosdem conferentes coram omnipotenti 
deo de hiis reddimus absolutos. 

Inhibemus etiam vobis omnibus et singulis sub pena memo- 
rata, ne quis dictis fratribus aliquam iniuriam inferat, vel eos 
verbo vel facto, publice vel occulte, impediat aut dolum aliquem 
committat circa fratres predictos quovis quesito colore. Damus 
etiam dictis fratribus plenam presentibus potestatem, omnes 
huiusmodi nostri mandati transgressores ad nostri vel officialis 
nostri presentiam ad terminum competentem eis per ipsos pre- 
figendum citandi, penam pro demeritis et excessibus suis 
recepturos presentibus usque ad festum Purificationis beate Marie 
Virginis proxime venturum et ab inde per biennium valiturum. 

Datum in castro nostro Gotlieben anno domini 1380, 6. kal. 
octobris, indictione tertia. 

Orig. Perg. Staatsarchiv Zürich (Winterthur 162). Rückseite oben 
rechts: mit Papier überklebtcs Ringsiegel. 



4g8 Albers. 

Einwilligung und Zustimmung seines Bruders Poppo^), 
hatte er auf seinem eigentümlichen Eigengute zu Oden- 
heim im Kraichgaue das Mönchskloster errichtet. Hirsauer 
Mönche unter Abt Eberhard zogen in die neue Stiftung. 
Die Bestätigungsurkunde Kaiser Heinrichs V. datiert vom 
5. März II 22 2). Die Stiftung selbst dürfte demnach einige 
Jahre früher fallen, ob schon 1 108 wie Krieger anzunehmen 
scheint, ist mir fraglich »). Im Jahre 1504 verlegten die 
Insassen des Klosters ihren Wohnsitz in das nahegelegene 
und besser geschützte Bruchsal. Die Kirche der heiligen 
Jungfrau wurde ihnen eingeräumt und fortan führt die 
Abtei den Namen B. Mariae Virginis et BB. Apostolorum 
Petri et Pauli. Die beiden Apostelfiirsten scheinen mir die 
Patrone des Klosters zu Odenheim gewesen zu sein, da die 
Konventsiegel immer auf der einen Seite den sitzenden 
Abt, auf der anderen die Brustbilder der beiden Apostel 
mit der Legende Sigillum conventus b. ap. Petri et Pauli 
in Otenheim tragen*). 

Im Fonds Palatinus der Vatikanischen Bibliothek hat 
nach Stevenson *) der Cod. 564 die Consuetudines Clunia- 
censes. Zu dieser Behauptung hat sich Stevenson wohl 
nur durch das letzte Kapitel der Consuetudines verleiten 
lassen, welches »De pueris« handelt und an seinem Schlüsse 
sagt: »ut nullius Regis filius majori diligentia nutriatur in 
palatis, quam puer quilibet in Cluniaco««). Dies verhäng- 



>) Mone, QaellensammluDg I, 212, Chronik von Sinsheim, ad. a. 11 22. 
Eppo comes a Bretten fundat monasterium Odenheim. vgl. Dümg^ Reg. 
pag. 32. Preuschen, Bad. Geschichte S. 351 giebt das Jahr 1 120 als Stiftungs- 
jahr an. — Über die Grafen von Laufen, Stalin, Wirtemb. Gesch. II, 418. 
419. — *) Abgedruckt, Dümg6. Reg. pag. 125 nr. 76 (vgl. pag. 32), Wirtemb. 
ÜB. I, 350 nr. 277. — •) Böttcher, G«rm. sacr. pag. 1162 redet sogar von 
1099. Der Codex Hirsaugiensis (Stuttgardiae 1843) giebt allerdings (Seite 7) 
zum Jahre 1109 an, dass in villa Odenheim sich ein conventus virorum non 
parvae estimationis zusammengefunden, doch ist dieser Conventus nichts 
anderes, als eine Zusammenkunft jener Männer, welche den zwischen den 
beiden Brüdern (Conrad und Stephan von Merlenheim aw^gebrochenen Streit 
schlichteten. — ^) Z. G. ORh. XIII, 426-32 werden verschiedene Siegel 
beschrieben. Die Legende ist stets dieselbe. St. Michael war Patron der 
Pfarrkirche. — *) Stevenson, Cod. Palat. lat. descripti. pag. 181. »Statuta 
mouachorum Cluniacensium, duobus libris divisa, quibus praemittuntur capi- 
tulorum tabulae. — *) Die Consuetudines Cluniacenses sind abgedruckt bei 
Marquard Herrgott, Vetus disciplina monastica (Parisiis .1726) p^^ 133. Ver- 



502 



Albers. 



De fuga roulierum ff 7. 

De continentia et contemptu mundi ff 7. 

De quantitate anime ff 8. 

Die Hand, welche den ganzen Codex, ausser dem Bäct 
Verzeichnisse, geschrieben, hat am Schlüsse noch /olgende histori 
Notiz angefügt (foL 195^)» Anno dominice incarnationis MCLX 
indictione quarta, quinto Idus Aprilis feria VI post octavam pa, 
ante diluculum cantatis matutinis factum est incendium eca 
frankendalensis, cum esset schisma eodem tempore inter alexandt 
et kalixtum de apostolatu, regnante quoque ipsam ecclesiam frank 
dalensem Folmaro abhate , patre ejusdem congregationis , qu 
successore beate memorie rüdolfi abbatis. 



504 Witte. 

Unsere Kenntnis über sie bewegt sich nicht über äussere That- 
sachen hinaus. Nur zwei sind es, denen wir, ich möchte sagen, 
persönlich nähertreten: Katharina von Österreich, die edle 
Gemahlin Markgraf Karls I. von Baden, und die unglück- 
lichste aller badischen Fürstinnen, Agnes, Herzogin von 
Schleswig. Es dürften sich in der deutschen Brieflitteratur 
des Mittelalters kaum solche Briefe wieder finden, die in 
dem naiven Ton der Empfindung in ähnlicher Weise 
Zeugnis ablegen von Seelenreinheit und edelster Gesinnung, 
von fürsorglicher Mutterliebe und treuer Bruderliebe bis 
in den Tod, wie die der frommen Katharina von Öster- 
reich, und es wird eine der schönsten Aufgaben der 
Regesten sein, diese Briefe der Öffentlichkeit zu über- 
geben. Jetzt aber bringen die Regesten die geradezu 
erschütternden Klagen einer von aller Welt verlassenen, 
in der Fremde allein dastehenden jungen badischen Mark- 
gräfin, die sie an ihren Bruder Markgraf Jakob richtet. 
Es liegt in dem Wesen der Tragik, dass dem Unglück 
die Schuld beiwohnen soll. So ist es auch bei der Herzogin 
von Schleswig der Fall; ihr Schicksal ist eine ungeschrie- 
bene Tragödie. 

Die Ehe des Markgrafen Bernhard mit Gräfin Anna 
von Öttingen erfreute sich eines reichen Kindersegens; 
zehn Kinder sind uns bekannt, darunter sieben Tochter, 
von denen Agnes, Ursula und Brigitta die jüngsten waren. 
Über die Erziehung der markgräflichen Kinder verlautet 
nichts, aber die Luft am badischen Hof unter einem Fürsten 
wie Markgraf Bernhard, dessen Leben ein einziger Kampf 
war, muss rauh und derb gewesen sein. Immerhin muss 
man mit der Möglichkeit rechnen, dass früh schädliche 
Einflüsse auf die junge Fürstin einwirkten, die ihrem 
Charakter jene verhängnisvolle Richtung gaben, dass sie sich 
allen Ratschlägen verschloss, die nicht mit ihren Wünschen 
übereinstimmten, und dabei die Rücksicht auf ihre Pflichten 
ausser acht Hess. 

Markgräfin Agnes war am 26. März 1408 geboren und 
demnach bei dem Regierungsantritt ihres Bruders Markgraf 
Jakob, im Jahre 143 1, bereits in einem Alter, bei dem es sich 
bald entscheiden musste, ob sie überhaupt heiraten würde. 
Das ist höchst auffällig, denn in jener Zeit fiel wenigstens bei 



5o6 Witte. 

Über König Erich, den Herrscher der drei nordischen Reiche^ 
Herzog Gerhard von Schleswig, Graf von Holstein. Zur 
See hatte er an der Spitze der hanseatischen Flotte mit 
Ehren gegen den Dänenkönig gefochten und in Gemein- 
schaft mit seinem altern Bruder, Herzog Adolf VIII., ihm 
im März 1431 Flensburg, das feste, lang umstrittene Boll- 
werk, entrissen J). 

Gerhard VI., der erste Herzog Schleswigs aus dem 
Hause Schauenburg, war am 4. August 1404 mit der Blüte 
des holsteinischen Adels im Kampfe gegen die Dithmarschen 
gefallen. Von seiner Gemahlin Elisabeth von Braunschweig 
hinterliess er zwei Söhne, Heinrich und Adolf; des dritten 
genas die Witwe erst nach dem Tode ihres Gatten und 
nannte ihn nach seinem Namen. In schwerstem Kampf 
hatten die Brüder mit Dänemark um Schleswig, ihr väter- 
liches Erbe, ringen müssen. Die Welt war verkehrt. Kaiser 
Sigismund, der Wächter und Hüter des Reichs, stand auf 
Seite des Dänenkönigs gegen die Brüder und sprach König 
Erich das Herzogtum Schleswig als Südjütland zu, und 
leistete, soweit papierne Briefe und Gesandtschaften etwas 
helfen können, ihm seinen Beistand zur Unterwerfung der 
Brüder. Als der älteste Bruder Heinrich 1417 vor Flens- 
burg gefallen war, setzten Adolf und Gerhard unverdrossen 
mit Hülfe der Hansa den harten Kampf fort und errangen 
endlich den vollständigsten Sieg. 

Die Not der Zeit hatte die Brüder beisammen gehalten; 
gemeinsam führten sie den Krieg, gemeinsam die Regierung* 
Jetzt nach erlangtem Frieden sah sich Herzog Gerhard^ 
der 27 Jahre alt sein mochte, nach friedlichem Hausstande 
um. Dazu hatte er um so mehr Veranlassung, als sein 
Bruder Herzog Adolf VIII. von seiner verstorbenen Gattin 
Mathilde von Anhalt keine Nachkommenschaft erzielt 
hatte und sich nunmehr anderweitig über seine Ver- 
einsamung tröstete, sodass die Fortpflanzung des Geschlechts 
auf Herzog Gerhard beruhte. 

Wie es nun aber dazukam, dass die Wahl des notd- 
ländischen Fürsten auf Markgräfin Agnes fiel, wo oder 

^) über die Verhältnisse im Norden vgl. Christiani, Gesch. d. Herzog- 
thümer Schleswig u. Holstein 4, 41 ff., Dahlmann, Gesch. Dänemarks 3, 123 ff.^ 
Waitz, Schleswig-Holsteins Geschichte i, 328 fF. 



5o8 



Witte. 



Zeutern, sowie den Sekretär Konrad von Baden, dass sie 
g-emäss der Eheberedung die Schlösser zur Versicherung 
von Wittum und Morgengabe besichtigen und bei gegen- 
seitigem Übereinkommen die Ehe zusagen sollten. >Und 
-darauf hat Markgräfin Agnes ihre Hand in Wirichs Hand 
gegeben, dem Herzog von ihretwegen die Ehe zu geloben,* 
Bis dahin liegt der äussere Sachverhalt klar zu Tage. 
Die Gesandtschaft konnte kaum vor Ende Mai bei Herzog 
Oerhard eintreffen; ihre Aufgabe war überhaupt zeit- 
raubender Natur, und wenn nun auch nach Austausch des 
Eheversprechens Bevollmächtigte Herzog Gerhards sofort 
mit den badischen Gesandten zurückreisten, um zu Frank- 
furt die Braut in Empfang zu nehmen, so wird dadurch immer- 
hin ein Zeitraum in Anspruch genommen, der den grossten 
Teil des Juni ausfüllt. Nun aber weilt Markgräfin Agnes 
bereits am 2. Juni als Herzogin von Schleswig an der 
Seite ihres Gemahls in der neuen Heimat, und die badischen 
Bevollmächtigten befinden sich bei ihr. So viel steht 
<iemnach fest, dass die ursprünglichen Verabredungen 
nicht eingehalten worden sind. Was war geschehen? Wo 
und wann war die Hochzeit? Die niedersächsischen Chro- 
niken') berichten, dass Hochzeit und Beilager zu Baden 
stattgefunden hätten, und führen auf das dortige Beilager die 
Niederkunft der Herzogin in ihrer neuen Heimat zurück. 
Man wird demnach annehmen müssen, dass Herzog Ger- 
hard längern Wartens überdrüssig, nach Baden geeilt wäre, 
und zwar muss die Hochzeit kurz nach dem 10. Mai statt- 
gefunden haben, weil ein weiteres Herausschieben des 
Hochzeittermins eben mit der Niederkunft der Herzogin in 
Widerspruch steht. Der Abschluss des Heiratsvertrages 
konnte hingegen erst später geschehen, weil die Zustimmung 



*) Mitgeteilt von v. Buchwald 1. c. lOi — 103. Die hier angeführte 
Erzählung des Johann Petersen in seiner Chronik der Lande zu Holstein etc. 
ist dann ausgeschrieben von der Zimmern*schen Ciironik ed. Barack i, 169. 
•die aber noch einen selbständigen Zusatz macht, dass die Hochzeit mit grosser 
Pracht zu Baden abgehalten sei und der Herzog sich eine Zeitlang am Rhein- 
^trom aufgehallen habe; es sei ihm zu Heidelberg bei dem Kurfürsten und 
anderswo als einem Fremden grosse Ehre erwiesen. Vgl. übrigens die 
Nebeneinanderstellung der betreffenden Stelle der Chronik des Petersen und 
der Zimmem'schen Chronik durch K. Weinhold in derselben Zettschrift Bd. 3. 
— Auf historischen Wert kann dieser Zusatz keinen Anspruch machen. 



510 



Witte. 



Neumünster seiner Gemahlin Stadt und Schloss Kiel als 
Wittumsitz an»), und auch hierzu gab Herzog Adolf seine 
Zustimmung. Demgemäss gelobten darauf an gleichem 
Tage die Amtleute, Vögte, Schulten und Bürger von Plön 
nebst zugehörigen Städten und Orten, der Herzogin Agnes 
nach Ableben ihres Gemahls die betreffenden Plätze sofort 
einzuräumen. 

Gern möchte man nun etwas hören über das Glück 
des jungen Paares, aber sobald die Urkunden aufhören 
ihren nüchternen Inhalt zu spenden, bewegen wir uns 
völlig im Dunkeln; nur ab und zu fallt ein schwacher 
Lichtschein hinein aus den spärlichen Andeutungen der 
Chronisten und gelegentlichen Bemerkungen des Mark- 
grafen Jakob in seinem Briefwechsel mit der Schwester 
und aus den Instruktionen für seine Gesandten, als es galt, 
aus dem Schiffbruch der Herzogin zu retten, was noch zu 
retten war. So viel scheint sicher zu sein, dass Herzog 
Gerhard seine Gemahlin ausserordentlich liebte, ihr sehr 
vieles nachsah, ja in Abhängigkeit von ihr geriet. Vielleicht 
hing dies auch mit seinem physischen Zustand zusammen, 
denn wir hören von einem Chronisten, dass Herzog Ger- 
hard kränklich war. Zwischen den beiden Brüdern müssen 
jetzt, da der Krieg aufgehört hatte, Streitigkeiten wegen 
der Regierung ausgebrochen sein , vielleicht auch wegen 
der Nachlassenschaft des altern Bruders Heinrich, der 
in seinem Testament Herzog Adolf bevorzugt hatte. In 
diesen Streitigkeiten scheint Herzogin Agnes die treibende 
Kraft gewesen zu sein; denn anders lässt sich die Ab- 
neigung, die Herzog Adolf nach dem Tod seines Bruders 
gegen seine Schwägerin hervorkehrte «), gar nicht begreifen. 
Crerade der Zustand ihres Gatten hätte Herzogin Agnes 
aber veranlassen müssen, ein möglichst gutes Verhältnis 
zu ihrem Schwager zu suchen, zumal sie guter Hoffnung 
^war. Ebensowenig vermochte die junge Fürstin bei dem 



*) Nr. 5227. — Auch die vorhergehenden Urkunden wurden jedenfalls ztx 
Neumtinster ausgestellt. Wittum und Morgen gabcbrief trugen nicht weniger als 
14 Siegel, und es erforderte daher geraume Zeit bis zur voUst&ndigen Siege- 
lang. Erst am 22. Juni übersandte Herzog Gerhard »alsodane briefe« mit 
seinem und seiner Ritter Insiegeln an Markgraf Jakob. Nr. 5239. — 
*) Nr. 5350. 



512 



Witte. 



Herzogtümern von zu geringer Bedeutung, als dass es ihr 
einen Rückhalt hätte geben können. Bedeutungsvoller 
war es, dass Herzog Gerhard von dem Dänenkrieg her, 
als er Anführer der hanseatischen Flotte war, mancherlei 
Beziehungen zu den Hansastädten unterhielt. Hier mochte 
die lebhafte Fürstin Ersatz suchen für das, was ihr bei den 
Holsten versagt blieb, Zerstreuung und Vergnügung. Sie 
gab viel Geld aus, wozu sie in der Heimat zu Baden schwer- 
lich Gelegenheit gehabt hatte, und dabei mochte man ihr 
nachrechnen, dass noch kein Pfennig ihres Heiratsgiites 
nach Holstein gekommen war. Es lässt sich nicht fest- 
stellen, wieviel von der Schuldenlast >), die Herzog Gerhard 
hinterliess, auf seiner Gemahlin Rechnung kommt; es ist 
aber bezeichnend, dass nach dem Tode ihres Gatten Mark- 
graf Jakob von ihrem Wittum nichts in ihre Hand kommen 
lassen wollte, aus Furcht, sie möchte es »verthun«*). 

Für Herzogin Agnes war es ein Unglück, dass ihr 
ein treuer ernster Berater fehlte, der ihre Schritte leitete 
und sie von Unbesonnenheiten zurückhielt. Ihr Gremahl 
wäre dazu berufen gewesen, aber er liebte sie wohl zu 
sehr, als dass er ihren Neigungen hätte Schranken ziehen 
mögen. So hatte sie in dem fremden Lande ausser ihrem 
Gatten keinen einzigen Freund und stand hülflos und ver- 
lassen da, als dieser ihr genommen war. Für die Tage 
des Unglückes war sie nicht gewappnet, das nun bald in 
schlimmster Gestalt über sie hereinbrechen sollte. Im 
siebenten Monat ihrer Ehe') kam sie mit Zwillingen nieder, 
einem Knaben und einem Mädchen, überaus zarten Wesen, 
kaum von der Grösse einer Hand*), wie das bei solchen 



') Nr. 541 1. — «) Nr. 5358. — =») Die Niederkunft moss Mitte 
Dezember 1432 erfolgt sein, wenn die Berichte der niedersächsischen Chro- 
niken zutreflen, dass Hochzeit und Beilager in Baden vollzogen sind, und es 
muss betont werden, dass dieselben sich als gut unterrichtet erweisen. Wenn 
die Herzogin am 25. Januar 1435 ihrem Bruder schreibt, dass ihr Töchterchen 
noch nicht »iars« alt ist, so kann sie damit nicht sagen wollen, dass dasselbe 
noch nicht ein Jalir alt sei; denn auch wenn Hochzeit und Beilager am 
2. oder 3. Juni 1432 zu Neumünster gehalten wären, so wäre das Kind 
zur Zeit des Briefes unter Voraussetzung der Siebenmonatsgeburt über ein 
Jahr alt gewesen. Vgl. die späteren Ausführungen. — *) duos gemellos 
multum graciles et teneros, vix palme longitudinem habentes. Bezüglich der 
Lebensfähigkeit solcher Kinder meint Petersens Chronik: alse de Natura 



5^4 



Witte. 



mehr andere Prälaten, Doctores, Domherren aus obigen 
Städten, sowie Ritter, Knechte und Bürger aus den Städten 
des gemeinen Landes versammelt waren, alle solche Zeug- 
nisse mit lauter Stimme verlesen. Und darauf bekundeten 
die beiden Bischöfe Nikolaus von Schleswig und Johannes 
von Lübeck solche Beweisaufnahme und bekräftigten sie 
durch ihr Siegel^). 

Damit war zunächst wohl aller Nachrede der Boden 
entzogen; Herzog Adolf, die Bischöfe des Landes, die 
Ritterschaft ' hatten durch ihre Gegenwart die Wahrheit 
der Beweisaufnahme bekräftigt; keine Stimme war dawider 
laut geworden. Herzogin Agnes konnte erhobenen Hauptes 
einherschreiten. 

Über den folgenden Monaten liegt nun wieder voll- 
ständiges Dunkel. Plötzlich zerreisst es, und wir erblicken 
eine trostlose Witwe, aus dem Lande Verstössen, ihrer 
Kinder beraubt, von allen Mitteln entblösst. Zunächst 
geben nur die niedersächsischen Chroniken Aufschluss,. 
aber ihre Nachrichten lauten sehr widersprechend: naclu 
der einen Lesart hätte Herzog Adolf seine Schwägerin^ 
wegen Untreue dermassen beschweret, dass sie vor ihm. 
aus dem Lande gewichen und in ihre Heimat zurückgekehrt:: 
wäre; Herzog Gerhard sei ihr nachgeeilt, um sie zurück- 
zuholen, aber nicht weiter gekommen als bis Emmerich, 
wo er starbt). Bis auf den Tod des Herzogs Gerhard zu 
Emmerich ist diese Nachricht in allen Punkten falsch; hin- 
gegen steht der Bericht der nordalbingischen Sachsen- 
chronik») in genauestem Einklang mit den urkundlichen 
Angaben. Der Zustand des kränklichen Herzogs hatte 
sich wohl unter den Aufregungen der letzten Zeit ver- 
schlimmert. Wie es scheint, zehrte die Lungenschwindsucht, 



*) Das Original dieser überaus wichtigen, bisher unbekannten Urkunde 
liegt im Generallandesarchiv zu Karlsruhe vor und ist Nr. 5296 mitgeteilt. 
Der Inhalt dieser Beweisaufnahme ist in Körners Chronica NovelU und in 
die Lübeckische Chronik und von da in die niedersächsischen Chroniken» 
soweit sie über die Sache berichten, übergegangen. Sämtliche Chroniken, aas 
denen v. Buchwald die Stellen mitteilt, treten für die Unschuld der Herzogin 
ein. In welch nichtswürdiger Weise die Zimmern'sche Chronik die Sache 
verdreht, wird noch hervorgehoben werden. — ') Presbyter Bremettsis bei 
V. Buchwald 102. — ») 1. c. 



5'6 



Witte 



bei Plön gebracht sein; jedenfalls steht fest, dass es dort 
schon bei Lebzeiten des Vaters untergebracht war i). Über 
das Knäblein hingegen verlautet nichts, und es ist wohl 
anzunehmen, dass die Eltern den Sohn nichts von sich 
Hessen. 

Die Reise ging jedoch nur bis Köln; hier ver- 
schlimmerte sich der Zustand des Herzogs so sehr, dass 
er sich zu Schiffe setzte und rheinabwärts fuhr, um bei 
seinen Vätern zu sterben. Zu Emmerich ereilte ihn am 
24. Juli der Tod; dort wurde er in der Martinskirche 
feierlich beigesetzt. In dieser Kirche stiftete^) Herzog Adolf 
am 5. Juli 1439 durch einen Abgesandten ein Jahrgedächt- 
nis mit Vigilie und Seelenmesse für den Verstorbenen an 
seinem Todestage und den darauf folgenden Quatertemper- 
tagen. Ebenderselbe Abgesandte liess auch oberhalb des 
Altars, wo Herzog Gerhard bestattet lag, eine Gedächt- 
nistafel anbringen und über dem Grabe einen steinernen 
Sarg errichten. 

Die nächsten Ereignisse liegen wieder völlig im Dun- 
keln. Herzogin Agnes scheint zunächst geglaubt zu haben,, 
der Hülfe und des Rates ihres Bruders entbehren za 
können. Noch am 20. August, also fast einen Monat nach 
dem Tode des Herzogs Gerhard, ist Markgraf Jakob im 
Ungewissen, ob sein Schwager tot oder lebendig sei»). 
Mari wird demnach anzunehmen haben, dass sie, ohne sich 
recht ihrer Lage bewusst zu werden, wiederum gen Hol- 
stein begeben hatte, einmal um von ihrem Wittum Besitz 
zu nehmen; dann aber fiel ihr auch von rechtswegen die 
• vormundschaftliche Regierung für ihren minderjährigen 
Sohn zu. Sie kam jedoch an verschlossene Thore. Herzog 
Adolf hatte sich kurzer Hand des Erbteils seines Bruders 
bemächtigt und verweigerte der Witwe den Zutritt ins 
Land; zugleich fand er auch Mittel, ihr den Sohn zu 
rauben^). So erreichte er ein Doppeltes: er war der Allein- 
herr im Lande und sperrte seiner Schwägerin Wittum und 
Morgengabe, obwohl er doch selbst ebenso wie die Ritter- 

^) V. Buchwald 1. c. io6 hat aus den Rechnungsregistern fttr Kind und 
Amme den Beweis erbrr4cht. — *) Die Urkunde hierüber bei v. Bachwald 
105; Nr. 5327 letzter Absatz ist danach zu berichtigen. — ») Nr. 5337. — 
*) Wenigstens findet sich dieser fernerhin in des Herzogs Gewalt. 



5i8 Witte. 

der Schauenburger vor dem Erlöschen zu bewahren, aber 
auch jetzt ohne Nachkommenschaft blieb, da erblickte man 
darin eine Strafe des Himmels für das Verhalten des Her- 
zogs gegenüber den Kindern seines Bruders^). 

Inzwischen hielt sich Herzogin Agnes anfangs in Ham- 
burg, dann in Lübeck auf, und suchte durch Vermittlung 
der Hansastädte zu ihrem Rechte zu gelangen. Bald geriet 
sie in drückendste Not. Die Reise mit ihrem Gatten mag 
ihre Barmittel erschöpft haben; aus Schleswig und Hol- 
stein floss ihr nichts mehr zu, und sie sah sich genötigft,. 
einen Gegenstand nach dem andern, den vergoldeten Prunk- 
wagen, Juwelen, selbst Kleidungstücke zu versetzen. Jetzt 
wandte sich die »arme eilende Schwester« an ihren Bruder 
um Hülfe und bat ihn um 300 fL: »herczen lieber bruoder,. 
bewißen dich hie in als bruder und fater, dan ich allen 
den trost ferloren han, den ich ie gewan biß an dich allaim'). 
Andere Schreiben müssen gefolgt sein, in dem sie Aus- 
zahlung der am i.Juni fallig gewesenen ersten Rate ihres 
Heiratsgutes begehrte und ihre Absicht • aussprach , dem 
verhassten Lande den Rücken zu kehren und in die Heimat 
zurückzukommen. 

Gewiss wollte Markgraf Jakob helfen; aber einmal 
war er gerade damals in schlimmster Geldnot. Das wenige» 
was er nach dem Tode seines Vaters zusammengespart 
haben mag, war durch den Feldzug gegen die Herren von 
Geroldseck und die Belagerung ihrer Burg Schutter ver- 
schlungen. Dann aber nahm er doch als Fürst und Bruder 
einen erheblich andern Standpunkt ein wie seine unglück- 
liche Schwester. Um keinen Preis durfte er zulassen, dass 
sie ihre Absicht verwirklichte und ihren Feinden das Feld 
räumte; sie musste im Lande bleiben, ihren Feinden die 
Stirn bieten und ihr Recht verteidigen. In diesem Sinn 
fasste er die Instruktion *) für seine Räte Hans Erhard Bock 
von Staufenberg und Konrad Amlung ab. Die Gesandten 
fanden Frau Agnes in grosser Not und Armut zu Lübeck; 
dieselbe könne »weder hinder- noch furkomen schulden 
halb« und habe weder Pfand noch Pfandeswert; aber auch 
den Gesandten war das bare Geld zusammengeschmolzen; 

») Vgl. V. BuchwaJd 103. — «) Nr. 5327 u. 5328. — ») Nr. 5337. 



520 



Witte. 



Leben in Lübeck fristend, bestürmte sie, »das armest ellen- 
dest wip, das ie geboren wart, sit das mein herzen lieber 
her seiger starp«, ihren Bruder mit Briefen, dass er das 
Einschreiten des Kaisers beschleunigte und namentlich 
Mandate ihr zu helfen an die Hansastädte erwirkte, 
die gern für sie eintreten würden, wenn sie auf solche 
Weise eine rechtliche Veranlassung dazu erlangten. Aufs 
neue verlangte sie Hersendung einer Botschaft von ihrem 
Bruder und warf ihm nicht undeutlich Lässigkeit in der 
Vertretung ihrer Interessen vor; man glaube wegen seiner 
Säumigkeit im Lande, dass sie mit ihrem Bruder über- 
worfen sei, da Herzog Adolf ihr und ihren Kindern sonst 
nicht in solchem Masse Gewalt anthun dürfet). Das ist 
aber auch das einzige Mal, dass sie ihrer Kinder 
gedenkt, die Herzog Adolf wider ihr Wissen und 
Willen geistlich machen wolle, und das Mitleid, das 
man mit der Herzogin haben muss, wird dadurch ganz 
erheblich herabgestimmt. Immer wieder kommt sie auf 
ihren Wunsch zurück, das Land zu verlassen, wo sie 
Leibes und Lebens nicht sicher sei, während doch gerade 
die Rücksicht auf ihre Kinder sie unbedingt bewegen 
niusste im Lande zu bleiben. Ihre Ungeduld machte sie 
auch wider ihren Bruder ungerecht. Sie überflog mit 
ihren Gedanken und Wünschen den weiten Raum, der sie 
von ihm trennte, und meinte, dass die Hülfe ebenso 
rasch kommen sollte, während ihre Briefe zeitweilig 
fast einen Monat brauchten, um an den Bestimmungsort 
zu gelangen 2). Nur ihr Wunsch, um jeden Preis fort- 
zukommen, lässt es verstehen, dass sie schliesslich mit einer 
Abfindungssumme von 4000 fl. sich zufrieden geben wollte, 
während sie doch wusste, w^as für sie im Werke war. 

Markgraf Jakob hatte gethan, was er konnte; am 
27. Februar 1434 übermittelte er seiner Schwester die 
kaiserlichen Mandate, die in ihrer Sache an Herzog Adolf, 
die Ritterschaft und die Hansastädte abgegangen waren; 
vertraulich bereitete er sie auf die bevorstehende Ankunft 
einer kaiserlichen Botschaft und seiner eigenen Räte vor. 
Auch Geld wollte er für sie flüssig machen, wenngleich es 

>) Nr. 5386. - «) Nr. 5401. — ») Nr. 5401 u. 5406. 



5^4 Witte. 

Lübeck zu verlassen. Nichts verrät aber mehr, wie wenig sie 
«ich Rechenschaft ablegte von ihrem Thun, als dass sie von 
Andernach aus allen Ernstes bei ihrer Mutter anfragte, ob 
Markgraf Jakob sich auch redlich ihrer Sache annehme, 
nachdem sie alle seine Ratschläge und Mahnungen un- 
beachtet gelassen und ihr Möglichstes gethan hatte, seine 
Schritte für sie unwirksam zu machen. Die Antwort der 
Mutter Hess dementsprechend auch an Deutlichkeit nichts 
zu wünschen übrig: Wäre sie im Lande geblieben, »alle 
■dine Sachen soltent zu gutem komen sin; diewile aber 
-der gebrech an dir ist und du dein selbs Sachen also 
gehindert hast und hinderst, so wissen wir unsersteils nit, 
was furbasser me darzu zu tund sy.c Markgraf Jakob 
habe in jeder Beziehung ihr gegenüber seine Pflicht gethan, 
und »wir gönten dir billich wol, das du din selbs nutz und 
jgelegenheit baß bedacht bettest« *). 

Schliesslich konnte die Herzogin ihre Rückkehr nach 
Baden nicht länger verzögern. Wie ihr Empfang gewesen, 
ist, darüber verlautet nichts, aber man möchte beinahe 
glauben, dass der erzürnte Bruder sie anfangs nach 
Mühlburg und dann nach Alteberstein verwies 2). Auch 
jetzt fuhr Markgraf Jakob fort in seinen Bemühungen für 
seine Schwester und hatte sich dafür ausgiebiger kaiser- 
licher Unterstützung zu erfreuen. Beide Teile hielten 
-daran fest, dass Herzog Adolf seiner Schwägerin entweder 
Wittum^ Morgengabe und auch die ausstehenden Zinsen 
herauszurücken habe oder eine Abfindungssumme zahlen 
^oUe, aber nach »ziemlichem, billigem und lidlichem wert«»). 
Den Hansastädten drückte der Kaiser zugleich seine Miss- 
billigung aus über das Abkommen, das sie für Herzogin 
Agnes mit Herzog Adolf getroffen hatten, da die Abfin- 
dungssumme von 4000 fl. zu gering sei im Vergleich zu 
der ihr zustehenden Rente von 2400 fl., und ebenso liess 
er sich gegenüber der Ritterschaft vernehmen*}. Es fand 
wiederum ein Tag») zu Lübeck vor dem kaiserlichen Send- 
boten Hans V. Remchingen und dem markg^äflichen 



^) Nr. 5426. — *) Die Vollmachten, welche Herzogin Agnes ausstellte, 
-sind von dort datiert. — ») Nr. 5438. — *) Nr. 5439 ff. — *) Ende Juni — 
Anfang Juli. 



^26 



Witte. 



ain anderer im spil sein gewest«, nämlich Herr Hans Frei- 
herr V. He wen. Der war am Markgrafen hof erzogen; sein 
Vater hiess Herr Peter, war ein Ritter, seine Mutter Anna 
war des Grafen Haug v. Werdenberg und Heiligenberg 
und einer Burggräfin v. Nürnberg Tochter. Diesen Herrn 
Hans soll die Markgräfin heimlich genommen haben. So- 
bald aber die Markgräfin herauskam aus Holstein, ward sie 
eingesetzt und die übrige Zeit ihres Lebens zu . . gefäng- 
lich gehalten; sie starb im Gefängnis, nachdem sie zuvor 
blind geworden war. 

Die thatsächlichen Angaben über die Herkunft dieses 
Hans V. He wen') sind wohl richtig; sonst aber enthält diese 
Erzählung die handgreiflichsten Unrichtigkeiten und ist, 
soweit es sich um das Verhältnis der Markgräfin Agnes 
zu dem v. Hewen handelt, eine Klatschgeschichte der 
schlimmsten Art, wie sie allerdings in die Zimmern'sche 
Chronik hineinpasst. Die hohe Bedeutung der Chronik in 
kulturgeschichtlicher Hinsicht ist bekannt, gerade weil sie 
die »chronique scandaleuse« der süddeutschen Fürstenhöfe 
mit dem grössten Behagen erzählt und breittritt. In diesem 
Falle kommt noch hinzu die gehässige Tendenz der 
•Chronik gegen das badische Fürstenhaus, wie sie durch 
die Aufnahme der Familientradition des Hauses Eberstein 
hervorgerufen wurde 2). Charakteristisch ist ja auch, wie 
-der Chronist, nachdem er nach seiner Quelle von der 
Rechtfertigung der Herzogin erzählt hat, durch ein »man 
sagt*, sofort den Übergang findet zu der schwersten Ver- 
dächtigung. Und schliesslich ist die ganze Erzählung so 
konfus, dass man daraus sogar eine Anklage auf Bigamie, 
in der die Herzogin gelebt habe, ableiten könnte. Dass 
die Herzogin vor ihrer Verheiratung eine Neigung gehabt 
hat, die sie nicht verwirklichen konnte, ist nicht bloss 
möglich, sondern in einem gewissen Grade sogar wahr- 
scheinlich; ob es aber der v. Hewen war, den sie liebte, 
•darüber fehlt jeglicher sicherer Anhalt. Fürstenehen wurden 



») Vgl. die Geschlechtstafel bei Kindler v. Knobloch, Oberbadisches 

'Gesc blech terbucb. — «j Vgl. darüber Fester, Regesten der Markgrafen von 

Baden und Hachberg i, Nr. 4378. — Dabei bemerke ich noch, dass auch 

Friedrich, der Bruder des Hans v. Hewen, mit einer Grftfin von Eberstein 

•vermählt war. 



528 Witte. 

war, so war es doch verarmt und gänzlich herunter- 
gekommen \). Unter obwaltenden Verhältnissen verlangten 
aber Ehre und Reputation, dass er um keinen Preis diese 
Verbindung zuliess. 

Es war nur natürlich, dass der Herr v. He wen nun 
seinerseits die Herzogin aus ihrem Gewahrsam zu befreien 
suchte, um der Verlobung die Vermählung folgen zu 
lassen. Er mag sich wohl hinter seinen Bruder Heinrich, 
einen angesehenen kirchlichen Würdenträger, der bald 
nachher Bischof von Konstanz wurde, gesteckt haben, der 
seinerseits das Baseler Konzil mobil machte, und dieses, 
wie es sich denn in allfes mischte, forderte am 2. März 1436 
Markgraf Jakob auf, seine Schwester, die sich mit Johann 
V. Hewen verlobt haben solle, in Freiheit zu setzen und 
wenn die Ehe geschlossen sei, ihr kein Hindernis zu 
bereiten 2). Selbstverständlich blieb diese Mahnung ohne 
Erfolg»). 

Ihr weiteres Leben brachte die unglückliche Fürstin 
auf Alteberstein zu. Wenn sie hier beleibt (pinguis) wurde 
im Laufe der Zeit, so teilt sie dies Los mit anderen 
Frauen; dass sie aber auch blind wurde, trägt zum 
tragischen Abschluss ihres Lebens noch mehr bei und 
vermehrt unser Mitleid mit der unbesonnenen Fürstin, die 
da glaubte, dem Ruf der Liebe gegen den Herrn v. Hewen 
folgen zu dürfen, und dabei vergass, was sie ihrem Hause 

') Dem Markgrafen mochten die Erfahrungen vorschweben, welche die 
Grafen von Württemberg mit ihrer Tante Elisabeth gemacht hatten, die mit 
Herzog Albrecht von Bayern-München verlobt gewesen war und sich heimlich 
mit dem Grafen Johann von Werdenberg hatte trauen lassen. Ich will noch 
bemerken, dass Anna, die Schwester der Henen von Hewen, Äbtissin dcs- 
Frauenmünster> zu Zürich, wegen ihres Lebenswandels in allerschlimmstem 
Rufe stand. — ^) Man sieht, das Konzil ist nicht sicher darüber, ob ein 
blosses Ehegelöbnis oder eine Heirat stattgefunden hatte; man' möchte daher 
annehmen, dass Markgraf Jakob auch den v. Hewen in Haft hielt, sodass 
er keinen Aufschluss geben konnte. — Ein späteres Schreiben Peters v. 
Hewen an Markgraf Christof vom 7. April 1483 macht aber völlig sicher, 
dass es nicht zur Vermählung gekommen war. Vgl. darüber die späteren 
Regesten. — ') Vgl. Nr. 5579 und 5580. Die Fortsetzung der Regesteo 
wird noch mehrere Nummern bringen über die Bemühung ^des Markgrafei» 
Jakob und seiner Söhne, der Markgrafen Karl und Bernhard, von Herzog 
Adolf Herausgabe von Wittum und Morgengabe zu erzwingen. 



530 Witte. 

graf Jakob noch über seinen Tod hinaus das Gewahrsam 
seiner Schwester bis an ihr Lebensende verlängerte, liegt 
die Bürgschaft ausgesprochen, dass der Bruder sowohl 
wie der Fürst glaubte recht und billig gegenüber der 
Schwester zu handeln. Denn Markgraf Jakob war nicht 
der Mann, der etwas Unrechtes that. Und so sehr wir 
Mitleid haben mögen mit der unglücklichen Frau, wir 
werden doch glauben müssen , dass Markgraf Jakob sich 
gezwungen gesehen hat durch die Rücksicht auf die 
"Ehre seines Hauses, ihr die Freiheit des Handelns zu 
nehmen. 



Die wirtschaftlichen Beziehungen Elsass- 
othringens zu Prankreich und Deutschland vor 
der französischen Revolution. 



Von 

Adalbert Wahl. 



Erst die französische Revolution hat Elsass-Lothring^en 
iuerlich mit Frankreich verbunden: gemeinsamf; neue 
leale. g-emeinsame Thaten. gemeinsame Schuld und 
emeinsame Leiden haben in wenigen Jahren hervor- 
ebracht« was ein Jahrhundert vorher nicht vermocht 
atte. Es kamen nebc-n den genannten indes noch and^rre 
(omente hinzu: so die erst durch die Revolution ^rrreichte 
oDstindige poliüsche Angliederung: so, '^"<x\ uns h.*^ 
ngebL die neu entstandene enge wirtschaftliche N'er- 
indung. \Vi-.s vor der Revolution den ZiLsairiTTjenhin;/ 
nt Deuischlaac ^*:Wa,r,n hatte, "Ä-ar ner^er. ar.'fere:. oft 
ervci gehobener: M':r.eri:erj eben die Verkr.-prurjfc- d'rr 
Isass-iOtbringivih*:' Wirtsc haf: ir.:: der ce-tv:r*er. gevieser;, 
•eiies Mat*:Tiai rü' c:^ Tniisar/ne c:eser engen VerVIr.'i^r.g 
owohi •■::* flr der. lir-.äl* ir^ £l-ÄV*-I>',ihr:-'-gen vre*, .er- 
Teitetea Wut-*.!?,. -:e Ä-,:re'/r:t 2- err.&Ite'.. "v:e:er. -.r'r: 
^kscirrier-. a-^ t^z.^.z. in foli'er.ier- e:nii'e^ r.o :i';*.e.>. 
Herder: v.C Vr. 1 tWs.- er^.i'r.rr-int der Ab^r-'/#: v-,-. 'Jf::'.er- 
wi ibsen ce^veÄrer. •««•'-•*':''■. -rT:*'a'en. "ä-vJ - r ::*»v:£- ^er. 



532 



Wahl. 



der französische Finanzminister Calonne einer Versammlung' 
von Notabein eine Reihe von Reformprojekten vor, welche 
durchaus im Anschluss an die Gedanken der Physiokraten 
eine völlige Umgestaltung der Staatsverwaltung und der 
Handelsverhältnisse erstrebten. Da war neben der Ein- 
führung der Selbstverwaltimg und der gleichmässigen 
Besteuerung aller Stände von Gegenständen hervor- 
ragendster Wichtigkeit auch die Abschaffung aller inneren 
Zollschranken und die Umgebung von ganz Frankreich 
mit einer ZoUinie — mit sehr niedrigem Zollsatz — vor- 
geschlagen. Die sofortige Ausführung dieses freudig auf- 
genommenen Projektes scheiterte hauptsächlich an den 
Verhältnissen der uns hier angehenden Provinzen, welche 
mit den Trois-Eveches die »provinces ä Tinstar de Tetranger 
effectif« bildeten, d. h. diejenigen Provinzen, welche mit 
dem Ausland freien Handelsverkehr trieben, von Frank- 
reich dagegen durch Ein- und Ausfuhrschranken getrennt 
waren. Bei Gelegenheit der Beratungen der Notabein 
über diesen Vorschlag Calonnes, die zwischen dem 13. 
und 24. März 1787 stattfanden, wurden ihnen von Elsass- 
Lothringern die erwähnten Denkschriften vorgelegt. 

I. 

Aus den Ohservations Sommaires des M. Hocquart, ersten Präsidenten 
des Parlaments von Metz, vorgetragen am 21, März lySy, 



A r^gard des provinces d'^tranger k Teffectif, elles perdent 
tout et ne gagnent rien. La libre circulation avec Tintdriettr da 
royaume ne leur est que d'une tr^s-m^diocre utilit6, et il leur 
importe infiniment de conserver avec Tetranger la franchise de 
commerce dont dopend leur existence. 

Le cours de leurs rivi^res se dirigeant vers l'Allemagne et 
la Hollande, facilite les importations de ces pays, et rexportation 
des productions territoriales et industrielles des Trois-Ev6ch^s, 
de la Lorraine, et de TAlsace; leurs vins aussi m6diocres qu'ils 
sont abondans, n'ont et ne peuvent avoir d'autres d6bouch6s. 
Un droit quelconque sur leur sortie, ne füH^ q^^ d'on quart 
pour Cent, alarmeroit. 
• •••*••• • ••••••» 

Si les Sucres, caf^s et cacaos de la Hollande sont prohib^s, 
les commer^ans qui les importent dans les Trois-Ev^ches» TAlsacCr 



534 



Wahl. 



d'Italie et par contrevoiture fournit aux Treize-Cantons une 
quantit^ consid^rable des vins qui fönt le principal produit de 
la haute Alsace. Le cours du Rhin dont la navigation est 
commune entre la rive drohe et la rive gauche; celui de la 
rivi^re d'Ilie, qui est navigable depuis Colmar jusqu'ä. Strasbourg, 
oü eile se jette dans le Rhin, sont autant de canauz avantageuz 
que la nature fournit a l'Alsace, pour porter Tactivit^ et le 
ben6£[ce de son commerce jusqu'en Hollande. 

La moindre nouveaut6 , le plus petit changement , et sur* 
tout une augmentation de droits, romproient la chaine de 
commerce actuellement ^tabiie entre TAIsace et les voisin& 
^trangers. II y auroit tout k craindre que les Suisses au liea 
de chercher leurs grains et leurs vins en Alsace, ne se pourvussent 
dans le Brisgau et les pays du Margrave, que mSme, tant le 
nord que le midi de TAlsace, ne pr^ferassent au passage de 
cette province, la route qui est de l'autre cöt6 du Rhin, et qui 
ne les detoume presque pas. Quelques exemples de ce qui est. 
arriv^ en Alsace, lorsqu'on a tent6 d'y introduire de nouveaux. 
droits, justiiient cette crainte. 

II ne faudroit sans doute que ces consid6rations g6n6rales- 
pour d^terminer la justice du roi k ne pas soumettre sa provinc^ 
d'AIsace k un regime destructeur de son commerce et de se» 
Privileges. Mais on se Hatte qu'en mettant sous ses yeux le 
tableau de la perte immense qui r6sulteroit pour TAlsace, de- 
I'an^antissement seul de son commerce en tabac, la bont6 dim 
coeur patemel de sa majest6 se laissera toucher. 

Ce commerce etoit autrefois bien plus consid^rable et plus 
florissant encore qu'il ne Test aujourd'hui. Le gcnie fiscal lui a 
port6 une premi^re atteinte en 1749 par la declaration qui a 
impose un droit de trente sols par livre de tabac ötranger qui 
entreroit en Alsace. 

Pour concevoir le mal qui est r6sult6 de cette declaration, 
il faut savoir que le tabac qui est cultiv^ en Alsace, n'est pas 
en lui-m^me d'une qualit6 propre k le faire rechercher. Mais 
lorsqu'il est m61ang6 avec du tabac etranger, et notamment avec 
celui du Palatinat, il acquiert une qualitö supdrieure qui lui en 
assure le debit le plus avantageux. C'est sur cette n6cessit6 de 
m^lange, que la ferme g(^ndrale avoit calcul^, pour faire mettre 
un imp6t de trente sols par livre sur le tabac Etranger que le 
fabricant d' Alsace ^toit Obligo d'acheter pour pouvoir se d^faire 
de celui du pays; mais qu'en est-il arriv^? 

Les fabricans de tabac n*ont pu supporter qu'avec bien de 
la peine Texorbitance de cet impdt: trente mille ouvriers ont 
quitt^ l'Alsace pour aller ä Kehl et dans d'autres ctats 
^trangers, oü il s'est 6tabli de nouvelles manufactures de tabac. 

Celles qui sont rest6es en Alsace en petit nombre, ont 
langui, et la ferme g6n6rale d'un autre cöt6 n'a eu que de la 



536 



Wahl. 



peintes Stabiles en Alsace. Ces manufactures qui entretiennent 
un cotmnerce consid^rable avec toute TAllemagne et les pays 
du Nord, le perdroient infailliblement par le reculement des 
barri^res, parce que rintroduction de toutes les toiles de coton 
et peintes venant de l'^tranger, etant d^s lors prohibde en Alsace, 
comme dans tout le reste du royaume, les etrangers par un 
droit de reprösailles qui est de toute justice, d^fendront chez 
eux rintroduction des toiles peintes de la France. On ira en 
cons^quence transporter de l'autre cdt6 du Rhin des manufactures 
qui jouiront de la libert6 du commerce avec TAllemagne et 
autres pays adjacens. Celles qui resteront en Alsace ne seront 
pas indemnisees par le seul commerce libre de Tint^rieur; car 
^tant priv^es des toiles etrang^res dont elles s'alimentoient jusqu'd 
präsent, oblig^es d'aller acheter k l'Orient des toiles des Indes 
k un prix ordonn6, & r^duites aux toiles nationales, elles soutien- 
dront difücilement la concurrence avec les manufactures qui sont 
existantes et qui se multiplieront dans Tint^rieur. £t quand m^me 
elles pourroient soutenir cette concurrence, il sera toujours vrai 
de dire qu'elles ne procureront jamais k TAlsace Timportation 
du num6raire ^tranger qui lui est assuree par son commerce 
actuel, & dont eile a un besoin r6el pour remplacer ce que les 
possessions dtrang^res^) lui enl^vent. 

II est donc incontestable que sous tous les rapports qui 
concernent 1' Alsace, Constitution, commerce, localite, on ne peut 
regarder le reculement des barri^res qui devoit ^tre un b6n6fice 
dans l'intention bienfaisante de sa majeste, que comme le malheur 
le plus irreparable. 

Cette province qui ne le c^de a aucune autre par sa fid^lite 
et son amour pour le roi, qui foumit aux troupes de sa majest^ 
d'excellens soldats, dont les habitans ont signale plusieurs fois 
avec succ^s leur courage et leur bravoure contre les ennemis 
de r^tat, qui a fourni gen^reusement les plus grands secours 
en temps de guerre, qui paie en impositions et subsides autant 
et plus que d'autres parties du royaume, soit en proportion de 
r^tendue de sont territoire, soit par rapport ä sa population, 
dont enfin les relations naturelles et lucratives avec T^tranger 
peuvent 6tre utiles et jamais dangereuses en bonne politique, 
a toujours paru digne des bontes et de la protection speciales 
de nos rois: peut-elle craindre sa destruction sous le meilleur 
et le plus juste des souverains? 



') S. die vorige Anm. 



538 Wahl. 

Mais pour peu que ce chemin soit gßn^, ce commerce 
peut prendre une autre route, et nous serions la victime d& 
ce changement de direction. 

On doit insister infiniment sur le danger de perdre \^^ 
circulation et commission du commerce de plusieurs nations. ^ 
Si la communication de ce commerce ^toit enfonc^e dans l'eta^ ^ 
on pourroit peut-6tre le heurter plus impun^ment; mais eile n^^ 
fait qu*en effleurer les lisi^res, eile est tout sur le bord d ^^ 
royaume, le moindre choc la jette dehors et la fait tomber ch^ i 
nos voisins. 

Ce commerce n'est point une propri6t^ du roi, on peut ^HLe 
captiver, et non le Commander; 11 faut en un mot trait — — e r 
avec lui, parce qu'il est mattre de son sort, comme le roi cz:3e 
ses etats. 



540 



Miscellen. 



alium •julteilam» quem penes se occoltauerat, eztraxisset, ipsamqoe 
aice tertia quasi letaiiter aulnerasset et eo taliter derelicto exinde 
recederec, üdem nepotes, credentes ipsum decanum mortuam, 
deinde Hartongom» qoi unum ex eis ad mortem uulnerauerat, 
insecutx, miserabiliter occiderunt, ipso decano, qui sie uulneratüs 
in luco iacebat» ad hoc alias non dante opem uel operam, con- 
silium seu iaoamen. 

SlrassOMTg x. £. Posiina, 

Zu Voltaires Briefwechsel mit der Markgräfin Karoline 
Luis^ von Baden-Durlach. — In der Jubiläumsfestschrift des 
Oro;$sb. Generallandesarchivs habe ich kürzlich im Anhang zn 
meinem Aufsatze über Voltaires Beziehungen zu der Markgrafin 
und dem Karlsruher Hofe S. 82 den Briefwechsel des Dichters mit 
der Fürstin veröffentlicht und u. a. das Schreiben vom 22. Juli 
175S mitgeteilt, in dem Voltaire seinen Besuch in Karlsruhe 
aukündigt Die Antwort Karoline Luisens, die ich damals ver- 
misste» hat sich inzwischen in einem Sammelbande von Brief- 
konzepten gefunden und möge hier als Nachtrag eingeschaltet 
werden. Der eigenhändige, undatierte Entwurf, ohne Angabe 
de$ Adressaten lautet: 

Vos ouvrages, monsieur, fönt il y a longtemps mes d6Uces 
et tout ce qui sort de votre plume m'est bien prdccieux. Jugex 
ain^ii quelle est la joie et Tempressement avec lequel j'attends le 
moment de vous voir. Mr. d'Hermenches ne pouvait me donner 
une preuve plus sensible de son amiti6 qu'en vous engageant, 
luonsieur, k venir faire un tour chez nous. Le margrave pense 
coiumo moi et m'ordonne de vous assurer qu'il sera enchantd 
de vous poss^der. Venez donc, monsieur, reprendre a noire 
eu\pressement et demeurez persuade que j'ai Thonneur d'^tre etc. 
Karlsruhe, Karl Obter. 



542 



Zeitschriftenschau und Litteraturnoencp. 



Nr. 6. J. Busch: Karl Ludw. Sand. Sp. 126 — 1^9. ^"" 
sammen Fassung der Ergebnisse der bisherigen Forschung mUer 
Verwertung einiges neuen Materials. Sands Lebensgang. — 
Ph. Wilckens: Das Wappen am Mittelpavillon des 
Grossh. Schlosses zu Mannheim. Sp. 129 — 131. — Fr. 
Walter: Der Orleans'sche Krieg in der Pfalz, Sp. 131 
— 141. Fortsetzung. Aktenstücke über die Belagerung voa 
Mannheim. — Miscellanea: Der Neckarkrahnen in Mann- 
heim. Sp. 141. Verpachtung im Jahre 17 12. — Die Aus- 
drücke Treiber, Kirchentreiber etc. Sp. 142. 



Strassburger Diözesanblatt Neue Folge. Band 4. Jahr 1902. 
März-Mai-Hefte. Gass: Strassburger Volksbibliotheken, 
S. 96—106, beendet die Obersicht über die katholischen Volks- 
bibliotheken, Mitteilungen über die protestantischen und all- 
gemeinen. — Pfleger: Fr. Ludwig Schönmerlin, ein 
Thanner Franziskaner des ausgehenden 15. Jahrhun- 
derts, S. 107 — 108, erweist aus einer Münchener Handschrift, 
deren Inhalt kurz wiedergegeben wird, das3 der Genannte im 
Jahre 1483 Lesemeister im Barfüsserkloster zu Thann war. — 
Rietsch: Die nachevangelischen Geschicke der betha- 
nischen Geschwister und die Lazarusreliquien zu And- 
lau, S. 174 — 181, Anfang einer auch archivalisches Material 
verwertenden Studie. — Pfleger: Johann Rasser. Ein 
Elsässer Pfarrer des 16. Jahrhunderts, S. 146 — 156, 182 
— 190, schildert sein energisches Eintreten für die Erhaltung 
des Katholizismus. — Gass: Das Leben im Priesterseminar 
während der Schreckenszeit, S. 190 — 193, nach Fritz, 
Leben D. Johann Lorenz Blessigs. 



Mitteilungen der Gesellschaft für Erhaltung der geschicht- 
lichen Denkmäler im Elsass, II. Folge. Band 20, zweite Hälfte, 
1902. L6vy: Urkundenbüchlein der ehemaligen Ritter- 
burg zu Dehlingen (Unter-Elsass), S. 35Q — 376, dreizehn 
Nummern, von 1212 — 1393 reichend, zum Teil bisher ungedruckt. 
Sitzungsberichte der Gesellschaft, S. i— rö6. — Aus- 
züge aus den Zeitungen, S. 113* — 128*, darunter u. a. Mit- 
teilungen über die Inschriften der Hochfelder Wendelinuskirche 
und Beiträge zur Baugeschichte des romanischen Odilienklosters. 



Revue d*Alsace: Nouvelle serie. Band 3. Jahr 1902. 
Mai-Juni-Heft. Muntz: Une ville de la Basse-AIsace ä 
r^poque de la guerre de Trente ans. Woerth, S. 219—256, 
eingehende, auf Kiefers Arbeiten und archivalischen Materialien, 
vornehmlich Kirchenbüchern, beruhende Studie, die freilich über 



544 



Zeitschriftenschau und Litteraturootizen. 



Politik Bernhard von Weimar gegenüber geschildert werden soll. 
— In der Bibliographie grössere Anzeigen der beiden Arbeiten 
von Hauviller (Analecta Argentinensia, Frankreich und Elsass 
im 17. und 18. Jahrhundert), von Ldvy (Notizen über das Erz- 
priesteramt Bockenheim, Geschichte der Stadt Saarunion) durch 
Gh. Pfister; von Ghuquet, L'Alsace en 18 14 und de Reiset, Sou- 
venirs du lieutenant-g6n^ral vicomte de Reiset durch Th. Schoell. 



Von der Basler Zeitschrift für Geschichte und Alter- 
tumskunde, die von der Historischen und Antiquarischen Ge- 
sellschaft zu Basel seit Jahresfrist an Stelle der Beiträge zur 
vaterländischen Geschichte herausgegeben wird, sind bis 
jetzt 2 Hefte erschienen. Aus dem Inhalt ist hervorzuheben 
Th. Burckhardt-Biedermann, Die Strasse über den 
oberen Hauenstein am Basler Jura, S. i — 52 u. 153 — 201. 
Aus der von ihm auf der Basler Universitätsbibliothek neu auf- 
gefundenen Originalhandschrift ediert R. Luginbühl, Chri- 
stiani Wurstisens Diarium quorundam memorabilium 
casuum, S. 53 — 145, das besonders für die Geschichte der 
60er u. 70er Jahre des 16. Jahrhunderts von Bedeutung ist. 
R. Thommen bietet eine Geschichte der Historischen 
und Antiquarischen Gesellschaft, S. 202 — 247. Einige 
Briefe von Peter Ochs aus dem Jahre 1799 teilt 
G. Tobler mit, S. 261 — 268, während A. Huber, Basels 
Anteil an den Breisacher Unruhen in den Jahren 1652— 1654 
untersucht, S. 269 — 295. Fr. 



Alfred Dove, Grossherzog Friedrich von Baden als 
Landesherr und deutscher Fürst. Heidelberg, Carl Winter, 
IQ02. — 

Ottokar Lorenz, Friedrich Grossherzog von Baden. 
Zum fünfzigjährigen Regierungsjubiläum 1852 — 24. April — 
1902. Ein Charakterbild mit einem Anhang biographischer Nach- 
richten nach meist handschriftlichen Quellen. Berlin, Paetel, 
1902. — 

Seit dem neunzigsten Geburtstag Kaiser Wilhelms I. und 
dem achtzigsten Geburtstag des Fürsten Bismarck ist kein Fest 
von so volkstümlicher und zugleich historisch reicher Bedeutung 
in Deutschland gefeiert worden als das Regierungsjubiläum des 
Grossherzogs von Baden. Der Tag war es wert, dass aus dem 
Chorus der Festlitteratur heraus ein voller selbständiger Ton 
vernommen wurde, welcher Werke und Tage dieser harmonischen 
Fürstengestalt in freier, würdiger Weise feierte, und sei es auch 
nur, um dem Historiker ferner Tage die Stimmung für d^ 
Gesamtbild zu geben. 



4. ... 



s^5 Zeitschriftenscbau und Xätteratumotizen. 

Hofrats Rosenberg verdankt und durch den Verleger eine recht 
würdige Ausstattung erfahren hat. 

Neben dem Buche Doves hat nun die Festschrift voa 
Ottokar Lorenz keinen leichten Stand, viewohl der Hinweis auf 
die »handschriftlichen Quellen« naturgemäss das Interesse gans 
besonders wachruft. 

In der That findet sich in den Exkursen manches Inter- 
essante, so z. B. in 8, g, lo und 12; hier bringt L. aufgrund 
der ihm vom Grossherzog zur Verfügung gestellten Papiere 
einiges Neue. Indessen halte ich die Idee für recht unglücklich, 
diese Notizen in der Form von Exkursen zu verwenden, anstatt 
sie der Darstellung einzuverleiben. Auch in seiner Polemik 
gegen Bismarck, Sybel und Lettow ist der Verf. nicht ganz 
glücklich, jedenfalls scheinen mir die Behauptungen derselben 
durch Lorenz keineswegs völlig widerlegt. 

Die eigentliche Biographie steht erfreulicherweise auf einer 
höheren Stufe. Sie ist reich an feinen Wendungen, wenn sie 
auch neben Doves Buch natürlich zurücktreten muss. Aber sie 
wird doch der Persönlichkeit des Grossherzogs in grossen Um- 
rissen gerecht. Richard Graf du Moulin--Eckart. 



Unter den zahlreichen Festschriften, die aus Anlass des 
fünfzigjährigen Regierungsjubiläums des Grossherzogs Friedrich 
von Baden dem Fürsten dargebracht wurden, darf diejenige des 
Karlsruher Generallandesarchivs (Heidelberg, C. Winter, 
1902. 203 S. mit Tafel, gr. 8^) einen der ersten Platze bean- 
spruchen. Die Verwalter eines umfangreichen Materials zur 
Geschichte des Herrscherhauses konnten aus dem Vollen schöpfen; 
ihre Beiträge sollen Episoden und Persönlichkeiten schildern, 
ohne überzugreifen in die Gegenwart. Nur kurz mag der Inhalt 
des schmucken Bandes umschrieben, nicht beurteilt werden; 
wenn ich dabei die dort getroffene Anordnung durchbreche, so 
geschieht es, um die chronologische Folge der Mitteilungen 
selbst deutlich hervorzukehren. In das Ende des sechzehnten 
Jahrhunderts führt K. Brunner mit einer Erläuterung der Grund- 
satze, die bei der Erziehung des Markgrafen Georg Friedrich 
von Baden-Durlach beobachtet wurden (S. 137 — 169). Seine 
Mitteilungen sind um so dankenswerter, als sie eine Geschichte 
der Unterweisung badischer Fürsten überhaupt erhoffen lassen: 
jedenfalls würde eine solche die Veröffentlichungen von 
H. Keussen (Beiträge zur Geschichte namentlich Kölns und der 
Rheinlande 1895, S. 206 ff.; Zeitschrift für die Geschichte des 
Oberrheins NF. XI, S. 533 ff.) trefflich ergänzen. A. Krieger 
schildert das buntbewegte Treiben am Durlacher Hofe, als im 
Jahre 1670 Markgraf Friedrich Magnus sich mit der Prinzessin 
Auguste Marie von Schleswig-Holstein vermählte (S. 107 — 136). 
Aus dem Bericht über die Feier wird der Kulturhistoriker mehr 



z^S Zeitschriftenschau und Litteratumotizen. 

geschichte haben die Verfasser der Festschrift eine Reihe an- 
regender Mitteilungen gespendet. A, W, 



Aus der Festschrift des Grossh. Gymnasiums zu 
Karlsruhe zum 25. April igo2 (Karlsruhe, Gutsch, 65 S.) 
verdienen einige Beiträge auch an dieser Stelle Erwähnung. 
Fr. Keim giebt an der Hand des statistischen Materials einen 
lehrreichen Oberblick über »Die Entwicklung des badischen 
Mittel Schulwesens im Laufe der letzten fünfzig Jahre.« 
Den »ältesten Plan zur Gründung einer Akademie der 
deutschen Sprache in Karlsruhe^ bespricht R. Gold seh mit 
aufgrund einer von ihm mitgeteilten Denkschrift J. L. Böck- 
manns, die dieser 1764 an Karl Friedrich richtete. O. Kienitz 
endlich verfolgt die »Nachwirkungen aus der territorialen 
Vergangenheit des Grossherzogtums Baden«, die auf dem 
Gebiete der Gesetzgebung, der Kunst und Wissenschaft, des 
Stiftungswesens, in Handel und Industrie, Sitten und Trachten, 
wie in dem gegenseitigen Verhältnis der Konfessionen und 
anderweitig noch bemerkbar sind. , IC, O, 



Von »Grossherzog Friedrichs Persönlichkeit« entwirft 
Fr. von Weech in der ^Alemannia« NF. 3 Heft 1/2 eine fein- 
gestimmte, ansprechende Schilderung, die mit liebevollem Ver- 
ständnis für des Fürsten Eigenart alle bedeutsamen Züge seines 
Wesens zusammenfasst. — Aus der umfangreichen, für die 
weitesten Kreise des Volks bestimmten Festlitteratur sei <lie 
kleine Schrift von W. Martens: Grossherzog Friedrich von 
Baden (Karlsruhe, Langj als beste hervorgehoben: frisch und 
volkstümlich geschrieben, erfüllt sie ihre Aufgabe in würdiger 
Weise. 



Nachdem soeben das Protokoll der »Verhandlungen der 
46. Versammlung deutscher Philologen und Schul- 
männer«, die vom i. — 4. Oktober vor. J. in Strassburg 
gehalten wurde, ausgegeben ist (Leipzig, Teubner, 1902), darf 
auf die im Zusammenhang damit erschienenen Publikationen, 
soweit sie Material zur Geschichte der oberrheinischen Lande 
enthalten, auch hier kurz Bezug genommen werden. 

In jenem Protokoll selbst sind vor allem die im Auszug 
mitgeteilten Ausführungen von Fabricius über den Obergermanisch- 
Rätischen Limes (S. 43 ft. i und über Ausgrabungen in Tarodunum 
(S. lOQ ff.) zu erwähnen. Jene rücken die militärische Besetzung 
und Sicherung der oberrheinischen Lande durch die Römer wie 
die wichtige Umwandlung der Limesanlage unter Hadrian und 
Antoninus Pius in helleres Licht, diese machen zum erstenmal 
auf den keltischen Charakter jener umfangreichen Niederlassung 



550 



Zeitscbriftenschau und Litteratnrnotixen. 



Nikolaus Sophianus, mit zumteil sehr merkwürdigen Vergteichen 
wie dem von Strassburg und Korinth. Einen schönen Fund 
bedeutet die scharfsinnige Entdeckung von Bloch, dass dem 
1464 von Sigmund Meisteriin verfassten Bücherkatalog der Abtei 
Murbach ein alter Rotulus zu Grunde liegt, der uns den Bücher- 
bestand jener Abtei in der Karolingischen Zeit, etwa um die 
Mitte des g. Jahrhunderts vorführt, ca, 350 Schriften von 
80 Schriftstellern. Auf das geistige Leben an einer der ältesten 
elsässischen Kulturstätten fällt plötzlich hier ein helles Licht. 

Auch die »Beiträge zur Schul- und Erziehungs- 
geschichte von Elsass-Lothringen«, welche die neu- 
gegründete Gruppe Elsass-Lothringen in der Gesellschaft für 
deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte jener Strassburger 
Versammlung widmete, verdienen noch kurze Erwähnung (Berlin, 
Hoffmann u. Comp. igoi). Walter behandelt die Schulgeschichte 
des alten Rufach von 1326 ab und giebt mehrere Aktenstücke 
in wörtlichem Abdruck, so die Schulordnung von 1521 und eine 
Schulmeister-Bestallung von 1628. Kaiser führt aus, dass der 
Strassburger Bischof Erasmus von Limburg sich wiederholt mit 
dem Plane getragen hat, mit Hilfe der Jesuiten eine Bildungs- 
anstalt für den Klerus des Bistums Strassburg zu gründen, ent- 
weder auf elsässischem Boden oder zu Freiburg an der Universität, 
ohne dass das Projekt übrigens ernsthafte Gestalt gewann. Knod 
druckt mit einigen einleitenden Bemerkungen die Verteidigungs- 
schrift ab, die der Strassburger Buchdrucker Josias Rihel beim 
Rate eingab, als der Strassburger Schulkonvent unter Pappus 
Leitung das bei Rihel gedruckte Psalterium 1594 mit der Censur 
belegt und vom Unterricht ausgeschlossen hatte. Wesentlich 
aufgrund von Notizen, die sich im handschriftlichen Nachlasse 
Sigmund Billings fanden, schildert Albrecht Organisation und 
Entwicklung des ehemaligen Evangelischen Gymnasiums zu Colmar 
in dem Zeitraum von 1604 bis 1794. Die Schulkomödien bei 
den Mindern Brüdern zu Thann im letzten Viertel des 17. Jahr- 
hunderts behandelt nach den Angaben der Thanner Chronik 
von Tschambser Faber und endlich giebt Geny einen gedrängten 
geschichtlichen Überblick über das Schulwesen Schlettstadts bis 
zum Jahr 1789, der die Stadt- und Klosterschulen gleichmässig 
berücksichtigt. W, W. 



In der Beilage zum Jahresberichte des Gymnasiums zu Frei- 
burg i. Br. 1900 1 901 (ProgT. — Nr. 636) behandelt Hermann 
Mayer die »Geschichte der Freiburger Gymnasinms- 
bibliothek«. Der Verf. giebt zunächst einen kurzen Dberblick 
über die Geschichte des Gymnasiums, schildert eingehender die 
verschiedenen Versuche zur Anlegung einer Gymnasiumsbibliothek, 
als deren eigentliches Gründungsjahr das Jahr 18 16 angesehen 
werden muss, und entwirft dann ein lehrreichet Bild von dem 



552 



Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 



Wenden wir uns nun zu dem zu den Tafeln gehörigen 
Texte, so müssen wir zunächst auf die einschneidende Neuerung 
hinweisen, die der Verf. bereits bei den Stammtafeln der Grafen 
von Montfort im kleinen erprobt hat, die aber hier zum 
erstenmal in grossem Masstab in Anwendung gekommen ist. 
Bei sämtlichen bis jetzt in Gebrauch befindlichen Ahnentafeln, 
wie z. B. noch bei denen von Kekule von Stradonitz heraus- 
gegebenen, ist der Benutzer bei den Angaben des Verf. auf Treu 
und Glauben angewiesen; es fehlt ihm jede Möglichkeit, die 
Angaben seiner Vorlage zu prüfen, da er nicht weiss, 
woraus dieselben geschöpft sind. Gerade aus dieser Unsicher- 
heit schreibt sich nicht zum wenigsten das Misstrauen her, 
welches man noch bis heute in den Kreisen der Historiker 
genealogischen Arbeiten entgegenzubringen pflegt. Die Arbeits- 
weise Rollers unterscheidet sich auf das vorteilhafteste von diesem 
bisherigen Brauch. In dem Textbande hat er die in den Tafeln 
gebrachten Namen noch einmal sämtlich wiederholt, Daten durch 
Quellenangaben belegt und in einigen zweifelhaften Fällen, wo 
sich dies nötig erwies, durch kleine kritische Exkurse begründet. 
Hin und wieder sind noch einige andere besonders interessante 
biographische Daten beigefügt. Dass der Verfasser soweit möglich 
nur primäre Quellen benutzt hat, versteht sich wohl von selbst. 
Ein sorgfältig gearbeitetes Personen- und Ortsregister erleichtert 
bedeutend den Gebrauch dieses Teiles der Arbeit. 

Aus verschiedenen Gründen, hauptsächlich aber, um der 
Erforschung der in der Erscheinung der Ahnenverluste liegenden 
Probleme einiges bisher fast völlig fehlendes Material zu bieten, 
hat Roller sich entschlossen, die Ahnentafel bis zur 13. Reihe 
(8192 Ahnen) hinaufzuführen, sodass im ganzen 16382 Nummern 
als Summe aller Reihen erscheinen. Mit vollem Rechte hat 
Roller diese Aufstellung jedoch, da sie ja gewissermassen nur 
eine Vorarbeit und ]\Iaterialsammlung darstellt, in die Einleitung 
des Textbandes verwiesen. Die Darstellung dieser Ungeheuern 
Zahlenmassen in Tafelform erwies sich mit Rücksicht auf die 
Übersichtlichkeit und auf den Umfang, — es wären noch un- 
gefähr 100 Tafeln dazu erforderlich gewesen — als unthunlich. 
Höchst eigenartig und geradezu vorbildlich ist die Art und Weise, 
wie der Verf. dieses schwierige Problem gelöst hat, und wir 
zweifeln nicht, dass sie in Zukunft allen derartigen Arbeiten als 
Richtschnur dienen wird. An die Stelle der Ahnentafel ist die 
xbeschreibende Stammesliste« getreten, d. h. der Verf. hat aus 
der ganzen Tafel , die Glieder einer »agnatischen Familie« 
zusammengesucht und in Form von Stammbäumen vereinigt. 
Im ganzen sind es deren gegen 430, die in alphabetischer 
Reihenfolge angeordnet sind. Die Glieder einer Familie sind 
durchlaufend, mit kursiven arabischen Ziffern, gezählt; die auf 
dem Namen folgenden römischen Ziffern (I — XIII) geben die 
Ahnenreihe und damit auch den Grad der Verwandtschaft mit 



554 



Zeitsdtriftenschau und Littentnniotuen. 



vertreten, recht zahlreich auch die Namen; doch ist die äber- 
wiegende Anzahl der Ahnen Karl Friedrichs deutschen Blntes. 
— Auffallend sind femer die 2^hlen, die der Verf. ober die 
Häufigkeit des Vorkommens einzelner Personen in der Ahnen- 
tafel zusammengestellt hat; eine Erscheinung, die wir mit dem 
Namen Ahnenverlust bezeichnen. Eine Tabelle der Ahnen- 
verluste hat der Verf. zusammengestellt und zum Vergleich die 
von Lorenz für Kaiser Wilhelm II. ermittelten Zahlen beigefögt. 
In der vorliegenden Ahnentafel erscheint Friedrich I. von Branden- 
burg in der g. — 13. Reihe nicht weniger als 150 mal; noch un- 
geheurer würden die Zahlen, wenn wir in den Ahnenreihen noch 
höher hinaufgingen, so würde z. B. Otto d. Gr. in der 24. — 38. Ahnen- 
reihe nicht weniger als i4CX>o mal, Karl d. Gr. in der 27. — 41 . Reihe 
ungefähr 1 00000 mal auftreten. — Dieselben Personen treten 
ferner gleichzeitig in mehreren Reihen auf (Ahnenverschiebnng), 
d. h. sie stehen durch ihre Nachkommenschaft in den ver- 
schiedensten Verwandtschaftsgraden (direkter Abstammung) zu 
Karl Friedrich. Der obenerwähnte Friedrich I. erscheint nicht 
weniger als in 5 Ahnenreihen; Otto d. Gr. würde wenigstens 15, 
Karl d. Gr. in ebensoviel Reihen erscheinen. Daraus geht 
hervor, dass zwischen den auf derselben Ahnenreihe auftretenden 
Personen beträchtliche Zeitunterschiede bestehen müssen und in 
der That bewegen sich in der 13. Reihe die Zahlen für die 
Todesjahre der einzelnen Personen bereits in einem Zeitraum 
von 200 Jahren, und in der 27. Reihe würde dieser Zeitraum 
sogar ungefähr 350 Jahre umfassen. 

Ohne Zweifel wird die vorliegende Publikation nicht nur 
für den Genealogen, sondern auch für den Historiker von grösstem 
Werte sein. Die unbedingte Zuverlässigkeit der Daten erhebt 
sie zu einem Nachschlagewerk ersten Ranges und die in dem 
Texte niedergelegten biographischen Daten und Quellennachweise 
werden auch dem geschulten Historiker manche Fingerzeige 
bieten. Möge der Verf. recht bald und recht viele Nachfolger 
finden, nur auf diesem Wege ist ein weiteres Fortschreiten der 
Genealogie möglich, für den Verf. aber wäre dies die grösste 
Genugthuung und Anerkennung. Frankhauser. 



Krafft, Adolphe, Les Serments Carolingiens de 842 
4 Strasbourg en Roman et Tudesque. Avec ncnvellesi 
interpr^tations linguistiques et consid6rations ethnographiques. 
Paris, Leroux, 1902. VIII, 150 S. 

Auf der ersten Seite die Notiz , dass manche Aotorei 
Khlotilde von Kroten-Schild, bouclier aux crapauds, ableiten, mi"^ 
der vorsichtigen Einschränkung, dass indessen gallisch chrotlET 
(sie) die Rotte oder Lyra bezeichne. Zum Schluss die Zusagen- 
in späteren Studien nachzuweisen, wie die Kelten, par les Kymrl. ^ 
et d'autres peuples de m^me race, aus mongolischer Würz« 



c c5 Zeitschriftenschau und Litteraturaotizen. 

und Gemahlinnen badischer Markgrafen, und letztere in zweiter 
Ehe Gemahlin des Grafen Walram v. Tierstein. Auch über die 
Tiersteiner Zeit der Herrschaft Florimont, über die ihm das 
Baseler und Mülhauser Archiv mancherlei geliefert hat, hätte der 
Verfasser Bd. i der badischen Regesten mit Nutzen verwerten 
können. Ähnlich ist es auch mit der burgundischen Periode der 
Fall, für die meine Arbeilen in dieser Zeitschrift übersehen sind. 
Wenngleich demnach die Arbeit ziemlich lückenhaft ist, so liest 
man doch mit Vergnügen die flott geschriebene Darstellung. 
Ich hebe hier die Charakteristik der Tiersteiner hervor, die er 
mir jedoch allzuhoch einzuschätzen scheint. Ein grosser Teil 
des Buches wird von urkundlichen Beilagen aus den er- 
wähnten Archiven und demjenigen von Dijon eingenommen; 
aus letzterem sind jedoch Nr. 44 und 45 längst bekannt. 
Rühmend möchte ich hier noch die sorgfaltige Behandlung der 
deutschen Texte hervorheben. Heinrich Witte, 



Einen willkommenen Beitrag zur Konstanzer Reforraations- 
geschichte bietet die verdienstvolle und anregende Untersuchung 
Joh. Fickers über »Das Konstanzer Bekenntniss für den 
Reichstag zu Augsburg 1530« (Theologische Abhandlungen. 
Festgabe zum 17. Mai für H. J. Holtzmann. S. 245 — 97), in 
der der Verfasser Wesen und Bedeutung der reformatorischen 
Bewegung zu Konstanz und ihr Verhältnis zu Wittenberg und 
dem Kreise Zwingiis kennzeichnet. »Festhalten an der un- 
bedingten Schriftautorität, Sorge um die Einheit, strenge Ab- 
weisung des Römischen mit wesentlich Züricher Sprache und 
Form, aber milde Schonung des Einzelnen, Wahrung der per- 
sönlichen Freiheit, kein Zwang in den Nebendingen, auch in 
Taufe und Abendmahl«', — in diesen Worten lassen' sich die 
Grundzüge der Konstanzer Reformation zusammenfassen; sie 
treten im wesentlichen auch in dem Bekenntnisse hervor, das 
der Konstanzer Rat durch A. Blaurer verfassen Hess und zur 
Abwehr der Verdächtigungen und Angriffe von katholischer, wie 
lutherischer Seite durch seine Gesandten dem Kaiser in Augs- 
burg vorzulegen gedachte, dessen Ersetzung durch die Tetra- 
politana aber dann angesichts der Haltung der Gegner zur 
Notwendigkeit wurde. K, O, 



Nach den wertvollen Aufklärungen, welche diese Blatte 
über Leben und Werke Sleidans gebracht haben, dürfte woh 
gerade ihren Lesern auch ein Hinweis auf einen Aufsatz erwünschi 
sein, den R. Fester im ersten Heft des 89. Bandes der Histo- 
rischen Zeitschrift über »Sleidan, Sabinus, Melanchthon 
veröffentlicht hat. Er sucht darzulegen, dass Sleidan in seinen 
Bericht über die Kaiserwahl von 15 19 deshalb die von Sabin 
in Humanisten-Manier komponierten Reden der Kurfürsten vo 



cc3 Zeitschriftenschau und LiticraturnutizeD. 

Die Fahnen der Strassburger Bürgerwehr im 17. Jahr- 
hundert von Joseph Gcny. Mit 12 farbigen Fahnenabbil- 
dungen. (XXVllI. Heft der Beiträge zur Landes- und Volkes- 
kunde von EIsass-Lothringen. ) Strassburg, J. H. £D. Heitz 
(Heitz & Mündel), 1902. 

Ein neuer Beitrag zur genauem Kenntnis der Vergangenheit 
Strassburgs, insbesondere seiner inneren V^erwaltung wird uns in 
dieser kleinen Schrift geschenkt; denn sie enthält mehr, als der 
Titel besagt. Wenn auch die Truppe, die uns in der Schrift 
vorgeführt wird, keine grossen kriegerischen Thaten aufzuweisen 
hat und mehr Parade- und Polizeizwecken diente — für den 
Ernst des Krieges gebrauchte die Stadt wie damals alle grossen 
und kleinen Staaten geworbene Leute — , so bietet doch die 
Schrift des Interessanten und Bemerkenswerten genug. Anregung 
zu der Veröffentlichung gab dem Verf. eine auf der Stadt- 
bibliothek zu Schlettstadt befindliche Handschrift (Nr. 226 der 
Kollektion Dorlan) vom 8. Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts, 
welche eine Musterrolle der damaligen Strassburger Bürgermiliz 
enthält. Von der Darstellung des Verwaltungsapparats von 
Strassburg ausgehend bespricht Verf. die ursprünglich auf den 
Zünften aufgebaute militärische Organisation der Bfirgerschatt, 
die Errichtung der Milizkompagnien zu Fuss und zn Pferd und 
ihren Bestand nach der Musterrolle, die Dienstordnung der 
Offiziere und Mannschaften, die Reorganisation der Miliz 1672 
und die Wachordnung. Zwölf trefflich ausgeführte Tafeln, für 
welche der Verlag die vollste Anerkennung verdient, bilden den 
Schluss und werden den Wappenforschern willkommen sein. 

Ein alphabetisch geordnetes Personen Verzeichnis erleichtert 
das Nachschlagen, und die in Fussnoten gegebenen biographischen 
Notizen bilden eine erwünschte Zugabe. Kari EngtL 



Eine Abhandlung von Hans Witte: Ortsnamenforschung 
und Wirtschaftsgeschichte (Deutsche Geschichtsblätter 
III, S. 153 — 166, 209 — 217) richtet ihre Spitze gegen den von 
Schiber zwischen den Ortsnamen auf -ingen und -heim kon- 
struierten Gegensatz, demzufolge erstere unbedingt als bäuerliche, 
letztere als Herrensicdelung betrachtet werden müssten, — ein 
System, dem kürzlich noch eine Weiterbildung durch Heegers 
These zuteilgeworden ist, dass auch die auf -weiler, -auf, 
-Stadt, -stein, -hofen, -hausen, -bach, -ach, -au endigenden Orte 
aus grundherrlicher Niederlassung hervorgegangen seien. Ver- 
fasser betont demgegenüber mit Recht, dass in diesem Falle in 
der noch heutzutage durchaus den Charakter eines Bauernlandes 
tragenden Ebene des Elsass und der Pfalz im 6. Jahrhunden 
gar keine Bauerndörfer, sondern nur Herrensiedelungen bestanden 
haben könnten; eine solche Annahme wird aber durch die Thal- 
sache, dass die dortigen -heim Orte bis zur Gegenwart die alte 



560 Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 

Sammler, Verleger u. s. w. Von besonderem Einfluss war seine 
Thätigkeit als langjähriger Geschäftsver>veser der deutschen Ge- 
sellschaft in Mannheim. Alle diese Seiten der Wirksamkeit 
Kleins schildert Krükl gewissenhaft mit allen Einzelheiten- und 
Einzelbeziehungen. Die einflussreiche Rolle, die Klein in der 
Geschichte der pfälzischen Aufklärung und im geistigen Leben 
der pfälzischen Residenz Karl Theodors spielte, mag es recht- 
fertigen, dass ihm diese ziemlich umfangreiche Monographie 
gewidmet wurde. Die Disposition ist nicht besonders vorteil- 
haft; sie zerreisst öfters Zusammengehöriges und verursacht 
Wiederholungen. Die Besprechung der Schriften bringt manches 
Wertvolle, geht aber mitunter — wie z. B. beim Provinzial- 
wörterbuch — gar zu sehr ins Detail, wogegen zu wenig abfallt 
für die allgemeine Charakteristik Kleins im Rahmen seiner Zeit 
und seiner Umgebung. Doch ist die fleissige Arbeit als ein 
schätzenswerter Beitrag zur Mannheimer Geistesgeschichte in der 
Periode Karl Theodors zu betrachten. Auf S. 37 ist übrigens 
mit dem Münchener Dichter und Theaterleiter Johann Marius 
Babo der 1790 in den Freiherrnstand erhobene Mannheimer 
Regierungs- und Hofkammerrat Johann Lambert v. Babo ver- 
wechselt. F, Walter, 



Max Geisberg hat im Jahrbucli der Königl. Preussischeii 
Kunstsammlungen XX (1901) S. 56 ff. einen kleinen Aufsatz 
publiziert über »Das Wappen des Meisters E. S.« Die 
Heimat dieses hervorragenden Künstlers, welcher in der Ent- 
wicklung der graphischen Kunst eine so bedeutende Rolle spielt, 
zu ermitteln, hat schon manchen Kunsthistoriker gereizt. Und 
ebenso möchte man seinen Namen kennen, der sich unter dem 
rätselhaften Monogramm E. S. verbirgt. Dass der Meister an 
den Oberrhein gehört, stand immer ziemlich fest, weil sich dies 
aus den Blättern mit oberrheinischen Wappen und mit ober- 
deutschen Legenden schliessen liess. Der Umstand, dass auf 
mehreren Stichen des Meisters bei seinem Monogramm das 
Wappen der Strassburger Familie Reibeisen steht, führt den 
Verf. zu der Ansicht, der oberrheinische Künstler E. S. habe dieser 
Familie angehört. Wie der Vorname gelautet habe, meint 
Geisberg, ob Erhard oder Erwin, stehe dahin. In dem S. des 
Monogramms sei selbstverständlich nicht der Hauptnamc zu 
suchen, sondern die Herkunltsbezeichnung (etwa Strassburgs), dai 
ja der Meister nicht in Strassburg ansässig gewesen sei. Die= 
Hypothese, dass der grosse Künstler E. S. der alten Reibeisen- 
gasse in Strassburg entstamme, klingt sehr verlockend; am bester 
setzt man zunächst noch ein grosses Fragezeichen dazu. — h. 



c()2 Zeitschriftenschau und Lilteraturnotizen. 

hervorzuheben sind die »Waldurkunden von 1289 — 1570«, das 
»Holzflossbuch von 1544 — 54, eine Lohn- und Preistabelle vom 
16. — IQ. Jahrhundert und die Zusammenstellung der Einnahmen 
und Ausgaben, sowie Reinerträge des Holzamtes von 1554 - 1800; 
zum Vergleiche beigefügt sind die Naturalerträge von 1780 — 1840 
und die Wirtschaftsergebnisse von 1842 — 1899. Bei den ab- 
gedruckten Stücken wirken eine Reihe von Lesefehlem störend, 
auch entspricht die Editionstechnik nicht den Anforderungen, die 
man an derartige Abdrücke zu stellen gewöhnt ist. />. 



Dem vor wenigen Wochen verstorbenen hochverdienten 
langjährigen Leiter der Heidelberger Universitätsbibliothek, Ober- 
bibliothekar Prof. Dr. Karl Zangemeister, widmet Jakob 
Wille, ehemals sein getreuer Helfer und Berater und nunmehr 
sein Nachfolger im Amte, in den »Neuen Heidelberger Jahr- 
büchern« XI, 143 ff. einen warm empfundenen Nachruf, in dem 
Sonderart und Bedeutung des trefflichen Gelehrten, der durch 
seine Untersuchungen über römische Kultur am Oberrhein und 
seine Studien über das Heidelberger Schloss auch der geschicht- 
lichen Erforschung seiner zweiten Heimat wesentliche Dienste 
geleistet hat, in feinsinniger Weise gekennzeichnet werden. 



Die wichtigsten Ergebnisse einer General-Kirchenvisi- 
tation in der Grafschaft Wertheim v. J. 1621 fasst 
H. Neu in der »Monatsschrift f. Gottesdienst und christl. Kunst« 
Vn, 221 — 24 aufgrund der im Wertheimer Archiv befindlichen 
Protokolle kurz zusammen: sie bieten für die Geschichte der 
kirchlichen und sittlichen Zustände jener Gegend im Beginne 
des dreissigjährigen Krieges manches Interessante. 



564 Caro. 

772 etc. Von der Mark ist die Rede Nr. 7. 742 »in marca 
inter Pruningesvvilare et Marca Berganesvilare« (Merk- 
weiler 1), Nr. 66. 766 »infra marca Bruningovilare«, Nr. 87. 
782 »in villa vel in marca quae dicitur Bruningovila«, 
Nr. 89. 784 >in villis vel marcis que dicuntur Lonunbuach 
et in Bruningesdorph«, Nr. 116. 790 »in villa vel in marca 
Br.<, ebenso Nr. 64. 790; 130. 791; 25. 805. 

In Nr. 190. 780 ist gesagt »infra marcha Biberestorf 
ubi dicitur Bruningesvvilaric; darnach würde Preuschdorf zu 
der Mark des über eine halbe Meile südlich gelegenen 
Biblisheim gehört haben, während es doch nach den 
anderen Zeugnissen mit einer eigenen Mark versehen war. 
Es ist wohl möglich, dass der »Weiler des Bruning« 
ursprünglich in der Mark des älteren Nachbardorfs angelegt 
war, und dass die ihm zugehörige Mark erst allmählich 
aus der sie umfassenden Mark des Urdorfs ausgeschieden 
wurde *). 

Grundeigentümer zu Preuschdorf sind nach Ausweis 
der Urkunden: 

1. Albrihhus presbyter 25. 805; 171. 824. 

2. Aldricus 140. 757. 

3. Blidgardis 103. 766?. 

4. Gcrbaldus, Bruder des Rihbaldus, mit diesem 66. 
766; allein 60. 784; Rihbaldus allein 64. 790; 62. 
797?; 70. 764/92. 

5. Germundus 190. 780. 

6. Haimradus 139. 757. 

7. Hardrat 130. 791. 

8. Heimo presbyter 45. 719. 

9. Ilildiboto 89. 784. 

10. Huc quondam comes 69. 820. 

11. Liutsuinda, Gemahlin des Sigibaldus, 87. 782, Sigi— 
bald^us allein 128. 773, 53 = 178. 774. 

12. Rantvvigus (I) 52. 742. 

13. Rantvvigus (II), clericus, 23. 798. 

*) S. ibid. 48 f, HO. — •) Keinesfalls ist zwischen dem »Weiler* ud<-s 
dem »Dorf« des Bruning zu unterscheiden, obgleich die Ausdrücke Bruningo - 
vvilare und Bruningestorf sich sogar in ein und denselben Urkunde:^ 
nebeneinander finden, Nr. 128, 53 = 178, vgl. auch Inama-Stemegg, D. W^ 
G- I, 46 n. 4* 



566 Caro. 

Nr. 60. 784 nochmals seinen gesamten Besitz zu Preusch- 
dorf, der gleich den anderen Bestandteilen der sehr um- 
fassenden Tradition vom Erbe der Eltern und des Bruders, 
sowie von Erwerb herrührte. Die Pertinenzformel bezieht 
sich nicht allein auf Preuschdorf, 40 Unfreie sind von der 
Tradition ausgeschlossen. Rihbald hat in Nr. 64.790 all 
seinen Besitz zu Preuschdorf tradiert >tam terris pratis 
silvis pascuis aquis aquarumque decursibus mobilibus et 
immobilibusc, ebenso (nochmals) in Nr. 62. 797?, die Per- 
tinenzformel bezieht sich hier auch auf andere Orte, 
Unfreie sind in grösserer Zahl genannt. Die Tradition in 
Nr. 70. 764/92 bezog sich auf allen Besitz zu SchafFhausen 
und Preuschdorf »excepto hoba i et servo i cum uxore 
sua et vinea i tam terris domibus edificiis pratis pascuis 
vineis silvis aquis aquarumque decursibus seu mancipiis.« 

10. Huc qu. comes, 69. 820, hatte Besitz zu Nieder- 
bronn, Walf, Barr, Fröschweiler; in Preuschdorf gab er zu 
Tausch icurtilem . . unam, de terra arabili iumales 23 et 
prata ad carrad. 5 seu quicquid in eadem marca habere 
putabatur.« 

11. 18. Sigibaldus war zu Niedermodern, Dauendorf^ 
Görsdorf etc. begütert, Nr. 128. 773, ähnlich 53 = 178. 774, 
vergl. u. Sein Besitz zu Preuschdorf wurde in diesen 
Urkunden wohl ganz tradiert mit Ausnahme des Teils, den 
er seiner Gemahlin zur dos ausgesetzt hatte. Die Per- 
tinenzformel >tam mansis mancipiis terris domibus edificiis 
casis cassalis vineis pratis pascuis silvis aquis aquarumque 
decursibus« bezieht sich auch auf andere Orte; nicht 
ersichtlich ist, welche von den in Nr. 53 = 178 genannten 
Unfreien nach Preuschdorf gehören. Später hat Liutsuinda, 
die Gemahlin des S., ihren ganzen Besitz zu Preuschdorf 
tradieren lassen »tam mansis casis aedificiis pratis pascuis 
campis vineis silvis aquis aquarumque decursibus et man- 
cipiis«, Nr. 87. 782. 

12. Rantvvigus I war auch zu Kutzenhausen, Uhr- 
weiler etc. beglitert, Nr. 52. 742, vergl. u. In Preusch- 
dorf tradierte er »quantumcumque genitor meus ibidem 
comparavit illa medietati.« Die Pertinenzformel bezieht sich 
auch auf die anderen Orte. 



568 Caro. 

8. Heimo presbiter, 45. 719, tradierte zu Preuschdorf 
den Besitz seines Vaters und eigenen Erwerb >tam curtis 
aedificiis campis pratis silvis aquis aquarumque decursibus 
raancipiis libertis cum peculiare eorum.« 

9. Hildiboto, 89. 784, tradierte zu Preuschdorf und 
Laubach all seinen Besitz »tarn terris domibus aedificiis 
pratis pascuis silvis pomeriis aquis aquarumque decursibus.c 

13. Rantvvigus (II) clericus, 23. 798, tradierte all seinen 
Besitz zu Preuschdorf, Erbgut und Erwerb, »curtilis edificiis 
casis terris campis pratis silvis vineis mancipiis aurum 
argentum caballos peculüs minutis aquis aquarumve decur- 
sibus cultis et incultis mobilibus et immobilibus.« 

14. Ratsuinda, 7. 742, tradierte »in marca« zwischen 
Preuschdorf und Merkweiler *de terra culturali 20 ium. in 
campum unum iuntos,« femer zu Görsdorf »ium. 7 de terra 
culturali.c 

15. Reginbertus, 91. 769, tradierte »in villis cognorai- 
nantibus Margbergavilare et Bruningovilare hoba una, 
quam Adalharius tenet,c mit Zubehör »tam terris pratis 
pascuis silvis aquis aquarumque decursibus.« 

20. Vuerilandus, 26= 105. 772, tradierte zu Preusch- 
dorf seinen und seiner Gemahlin Besitz »et servura unum 
nomine Gozheri.« Eine Pertinenzformel ist nicht vorhanden. 

21. Vuermuni, 116. 790, tradierte seinen Besitz zu 
Preuschdorf »tam terris domibus edificiis pratis pascuis 
silvis aquis aquarumque decursibus mobilia et immobilia 
cultis et incultis.« 

Die Beschreibung der Anteile am Grundbesitz zu 
Preuschdorf stimmt wesentlich überein mit der bei Lau- 
bach erörterten, nur dass sich bei Preuschdorf häufiger 
bestimmte Massangaben für die Grösse der Landgüter 
finden. Gerade dadurch erhalten die früher gewonnenen 
Ergebnisse Bestätigung. In der Gemarkung von Preusch- 
dorf sind Hufen vorhanden gewesen, sie werden erwähnt 
Nr. 70, 147, 103, (91). Es kann jedoch nicht die ganze 
Mark in Hufen von gleicher Grösse zerfallen sein. Das 
Zubehör der Höfe erscheint vielmehr als recht verschieden, 
es beträgt, Nr. 140 1), 25 jurn. Acker und Wiesen zu. 



*t hier wohl als Hofstätte zu faMes. 



574 



Caro. 



» Biblisheim. 

» Laubach etc. 

» Laubach. 

» Bilwisheim etc. 

» Laubach. 

» Dauendorf. 

» Wintersdorf. 

» Hohweiler. 



Nr. 59. 782, im Kloster, bzgl. auf Schaffhausen etc. 

> III. 784. ohne Ort, » 

* 72. 787, > » » 

* 77. 787, im Kloster, » 

> 125. 788, ohne Ort, » 
» 1 10= 154. 791, im Kloster, 
» 117. 792, ohne Ort, bzgl. 
» 27. 799, im Kloster, » 

' » 106. 764/92 » » 

Ausserdem Nr. 249. 787, ohne Ort, bzgl. auf Gissel- 
fingen (Kr. Chäteau-Salins). 
Nr. 254. 851, im Kloster, bzgl. auf Kirweiler etc. 
Ein Mönch Rihbald erscheint Nr. 153. 780 als Käufer 
eines Grundstücks zu Strassburg, ebenso Nr. 155. 787 zu 
Laubach. Wollte man ihn mit Gerbaids Bruder identifizieren, 
so müsste angenommen werden, dass derselbe nach 775 
ins Kloster eintrat und verschieden ist von dem Tradenten 
in Nr. 64. 62. 68, bei dem nichts auf den geistlichen Stand 
hinweist. 

Die (vermutlichen) Söhne des Gerbald, 102. 788, lassen 
sich gleichfalls öfters in Zeugenlisten nachweisen, wenr 
auch nicht jedes Vorkommen der Namen auf sie bezüglich 
sein kann. Es erscheint Vuiniartus: 

Nr. 189. 771, Brumath, bzgl. auf Morschweiler (mit 

Rihbald). 
» 128. 773, im Kloster, » » Preuschdorf etc. 

(mit Rihbald). 
» Dunzenheim (mi* 
Gerbald und Rihbald) 
auf Wormsgau etc. 
(Aussteller Gerbald'' 
» Speiergau etc. 
(Aussteller Rihbald. 
» Preuschdorf etc. 
(mit Rihbald). 
» Biblisheim etc. (rrm. 

Rihbald). 
» Preuschdorf {rtrx 

Gerbald). 
» Schalkendorf. 



» 



* 57- 774 



» 61. 774 



^ 63. 774 » 
» 53=178.774 



» 



» 



» 



» 54. 774, ohne Ort, » 
» 190. 780, Marlenheim, » 
» 74. 788, ohne Ort, » 



576 Caro. 

g. Hildiboto, 89. 784, s. bei Laubach 15. 

10. Huc quondam comes, 69. 820. Ein Huc, freilich 
kein Graf, ist Zeuge Nr. 182. 812. im Kloster, bzgl. auf 
Ringeldorf (Ldkr. Strassburg). 

11. Liutsuinda, 87. 782, war die Gemahlin des Sigibald, 
der sehr beträchtliche Traditionen gemacht h^t. Zuerst 
tradierte er, 128. 773, unter Vorbehalt des Rückkaufs um 
600 sol. für einen Sohn, . falls er einen solchen in recht- 
mässiger Ehe erzeugen würde, zu Niedermodern, Dauen- 
dorf, Biblisheim, Preuschdorf, Görsdorf und »Graenberege 
super Sura« seinen von der Mutter ererbten Besitz, femer 
zu Beinheim, Leutenheim und :>Franchenhaim« all seinen 
Besitz, ausgenommen »uno curtile quam Harioldus tenet«, 
ebenso zu Preuschdorf (dessen Namen hier wiederholt ist) 
und Geisweiler alles, ausser dem, was er seiner Gattin zur 
dos ausgesetzt hat; ferner im Speiergau zu Herxheim all 
seinen Besitz, zu Zeiskam bei,Lustadt alles, was ihm seine 
Mutter hinterlassen hat, ebenso zu Hassloch und Freins- 
heim mit Ausnahme eines Waldes, den er seiner Gemahlin 
zur dos gegeben hat, in Ungstein, Carlbach, Dackenheim 
und Obersülzen seinen gesamten Besitz, dazu die Hälfte 
der Kirche zu Niedermodern und die ganze (S. Martins)- 
kirche zu Biblisheim. Erweitert wird die Schenkung in 
den Urkunden Nr. 54. 774, Tradition von Grundbesitz zu 
Strassburg und Weyersheim, dazu Viehbestand in Nieder- 
modern, Beinheim, Biblisheim, Freinsheim, Nr. 57. 774, 
Tradition von Besitz, den Sigibald von Muotharius ein- 
getauscht hat, zu »Franchenheimc, Altenheim, Dunzenheim 
und im Speyergau in der Mark Rohrbach zu Appenhofen,— 
und Nr. 56. 764/92, Tradition der Erbschaft seines Vaters= 
zu Speierdorf im Speyergau. Auf diese Erweiterungen istir 
in Nr. 53 = 178. 774 nur insofern Rücksicht genommen—- 
als nach »Franchenheim« Altenheim eingefügt ist, und der::: 
Viehbestand noch besonders erwähnt wird; im übriger 
wird durch Nr. 53^178. 774 die Tradition in Nr. i2fc: 
bestätigt . mit Wegfall der Klausel über die Wieder -^ 
einlösung, zugefügt sind die Namen der Unfreien. Weiter^" 
Schenkungen machte Sigibald: Nr. 55. 775 zu Sesenhein-^3 
Herlisheim und Dengeisheim, alles was er dort hatt^^ 



578 Caro. 

Sigibald sind Ratbald und Atta oder Angilsuinda 1), 128. 
773; 53=178. 774; 56. 764/92. Ratbald lässt sich ak 
Zeuge wiederfinden: 

Nr. 13. 733, Strassburg, bzgl. auf Niederbetschdorf (Aus- 
steller Herzog Liutfrid). 

» 35 = 162. 737, Strassburg, bzgl. auf Altbronn etc. 

(Aussteller Herzog Liutfrid). 

» 17 = 15g. 739, im Kloster, bzgl. auf Westhofen etc. 

(Aussteller Nordoald). 

» 52. 742, im Kloster, bzgl. auf Preuschdorf etc. (Aus- 
steller Rantvvig). 

Als Lehensmann des Sigibald und auch sonst zu ihm 
in Beziehung stehend erscheint Muotharius, Nr. 57. 774; 
58. 776, der sich wiedererkennen lässt in dem gleich- 
namigen Zeugen: 

Nr. 66. 766, Kloster Surburg, bzgl. auf PreuschdorP 

(Ausst. Gerbald u. Rihbald). 

» 53 = 178. 774, im Kloster, bzgl. auf Preuschdorf etc. 

(Ausst. Sigibald). 
» 61. 774, im Kloster, bzgl. auf den Wormsgau etc. 

(Ausst. Gerbald). 
* 57- 774 » * bzgl. auf Altenheim etc. 

(Ausst. Sigibald). 
^ 63. 774 » » bzgl. auf Niedermodem etc. 

(Ausst. Rihbald). 
65. 775 * » bzgl. auf den Wormsgaix 

(Ausst. Rihbald u. Gerbald). 
55» 775 * * bzgl. auf Sesenheim etc. 

(Ausst. Sigibald). 
» 113. 780 » » bzgl. auf Sesenheim etc. 

» 60. 784, Worms, bzgl. auf Niedermodern etc- 

(Ausst. Gerbald). 

» 62. 797, Vollmersweiler?, bzgl. auf Preuschdorf etc* 

(Ausst. Rihbald). 

») Rarster S. 43 betrachtet Ratbald als Bruder des Wicbald, Vaters 
von Gerbald und Richbald. Die Verwandtschaft des Sigibald mit Grerbal(} 
und Richbald ergiebt sich allerdings schon daraus, dass sie vielfach an deo 
gleichen Orten begütert waren, doch könnten sie auch Vettern mütterlicher^ 
seits gewesen sein. 



» 



» 



582 Caro. 

seinen Grundbesitz nicht mehr im Eigenbetriebe nutzbar 
machen wollte, sondern ihn — an Freie oder Unfreie — 
zur Bewirtschaftung gegen Zins und Dienste überwies. 

Die Zahl der Grundeigentümer an jedem der beiden 
Orte ist recht beträchtlich; es waren Leute sehr ver- 
schiedenen Vermögensstandes. Allerdings liess sich in 
keinem Falle nachweisen, dass eine Person all ihre Habe 
tradierte, beziehungsweise dass tradierter kleiner Grund- 
besitz an einem Orte die ganze unbewegliche Habe des 
Tradenten ausmachte. Die Möglichkeit bleibt nicht aus- 
geschlossen, dass selbst die kleinsten Tradenten ausser 
dem, was sie hingaben, noch in benachbarten Feldfluren 
Äcker besassen. Immerhin kann es kaum einem Zweifel 
unterliegen, dass freie Grundeigentümer in Laubach und 
Preuschdorf ansässig waren, die mit eigener Hand ihren 
Acker bestellten, weil sie weder Unfreie noch gar vestierte 
Hufen hatten. Auffallend stark treten freilich die grösseren 
Grundbesitzer hervor, die Besitz an mehreren Orten ihr 
eigen nannten, für dessen Bewirtschaftung ihnen angesiedelte 
und unangesiedelte Unfreie zu Gebote standen*). Grosse 



nimque decursibus totum et ad integrum, quantum in ipsa inarca visus sum 
habere.« Neunzehn Jahre später, in Nr. 96, tradierte Vualtmann ans Kloster 
dieselben beiden Hufen zu Laubach »et in ThancratesheimoviUa Hartvvinus 
cum hoba sua et cum omni peculiare eorum.« Es scheint kein Zweifel 
möglich, dass Vualdmann aus dem zu Dancrotzheim gekauften Besitztum 
eine Hofstätte, Felder in der Ackerflur, Wiesen etc. im Umfang einer Hufe 
ausgeschieden und seinem Unfreien Hartvvin zur Bewirtschaftung übergeben 
hat. Vielleicht war auch das ganze von Vualdmann gekaufte Besitztum zu 
Dancrotzheim nur so gross, dass es nicht mehr als etwa eine Hufe ausmachte ; 
aber die vestierte Hufe, die er tradierte, kann er nicht als solche gekauft 
haben, sonst wäre das wohl in Nr. 170 gesagt worden. 

J) Einen vortrefflichen Beleg für die Beschaffenheit des Grundeigentums 
mittlerer Grossgrundbesitzer bietet Nr. 2. 742. Liutfridus und seine Gattin 
Theutila tradieren dem Kloster all ihre Habe, nämlich zu Zinsweiler (Kr. 
Hagenau) ihren ganzen Besitz mit 13 Unfreien, auch eine M^hle, zu Hägea 
(Kr. Zabern) 4 Hufen und 3 Weinberge, zu Mietesheim (Kr. Hagenau)^ 
i Hufe und zu Hönhcim (Ldkr. Strassburg) i Wiese zu 10 Fuhren Heu^ 
Der Sitz der Tradenten war offenbar Zinsweiler. Dort befand sich wohl iiir" 
Herrenhof, der vielleicht durch die in der Pertinenzformel erwähnte hobs»' 
isc. salica) angedeutet wird. Die 5 Hufen an anderen Orten dürften nich'K 
mit Unfreien besetzt gewesen sein, da solche nicht mit tradiert werdea.«- 
sondern waren wohl an freie Hintersassen ausgeliehen. 



584 Caro. 

der liber possessionum Edelini abbatis >), der allerdings erst 
g-egen Ende des 13. Jahrhunderts angelegt wurde«), aber 
auf weit ältere Aufzeichnungen zurückgehen muss*). Lau- 
bach wird in diesem Urbar gar nicht erwähnt, Preuschdorf 
an zwei Stellen*). Damach gehörten dem Kloster in dem 
Orte, I Herrenhof, Saalland zu 3 »mansic, 3 Wiesen zu 
15 Fuhren Heu, i Kirche mit Zehnten und einer Hufe, 
10 »mansi vestitit und 3 »mansi absit. Die zehn vestierten 
Hufen bringen sehr geringen Zins, nämlich eine jede nur 
»in hostem den. 3, pullos 5, ova 30, axilia looc. Aus der 
gänzlichen Abwesenheit von Frohndiensten ist wohl zu 
schliessen, dass die 10 Hufen an Freie ausgethan waren; 
doch könnte allerdings auch im Text etwas weggefallen 
sein, oder es hatte Preuschdorf zu den von den Ungarn 
verwüsteten Dörfern gehört, und das Kloster musste 
zufrieden sein, wenn es für seine Hufen überhaupt noch 
Bebauer fand. Für letztere Annahme könnten auch die 
drei »mansi absi« sprechen, die später vermutlich neu besetzt 
worden sind; wenigstens scheint es wohl angebracht, in 
ihnen die drei »huobe vestite« von Nr. 253 wiederzufinden, 
die dann allerdings etwas höheren Zins entrichteten, je 
3 Scheffel Hafer und zwei je 2 soL, die dritte i sol. 
Beachtenswert ist jedenfalls das Auftreten der Heersteuer, 
das in Zusammenhang mit der Konzession des Herzogs 
Liutfrid stehen muss. Der Klosterhof Preuschdorf, gleich 
vielen anderen, wurde im Jahre 991 durch Herzog Otto 
(von Kämthen) dem Kloster entfremdet*), dürfte aber 
später wiedergewonnen worden sein. Im Jahre 1179 
bestätigte Papst Alexander III. dem Kloster unter anderem 
»curtim in Brunighestorff cum suis appendiciis et ipsani 
ecclesiam cum tota decima in libera marcha««). 



*) Ediert von 2^uss in den Tradit. Wizenburg. S. 269 ff., vgl. daiu 
auch G. Bossert, Württemberg. Geschichtsquellen B. 2 (Stattgart 1895) 
S. 263 ff. — *) Unter Abt Edelin, 1262 — 1293, s. Zeuss in der Vorrede 
S. VI. — ') Rarster 2, 16 ff. schliesst aus der häufigen ErwähDung ver- 
wüsteter Güter, dass ein grosser Teil der im lib. poss. Edelini zusammen- 
getragenen Notizen aus der Zeit der Ungamein falle, also der ersten Hälfte 
d'is 10. Jahrb., stammt. — *) Zeuss S. 288 u. 297, Nr. 126 u. 253. — 
*) Ibid. S. 305, Nr. 311, vgl Harster 2, 19. — «) Zeuss S. 321, (append- 
Nr. 5), ebenso ibid. in den Bestätigungen von 1193 und 121 5. Der Au9' 



Zwei Elsässer Dörfer zur Zeit Karls d. Gh*. ^87 

Verfassung bereits am Anfang des 8. Jahrhunderts in 
Auflösung begriffen gewesen und später unter Einfluss 
der GrossgTundherrschaften wieder hergestellt worden sei, 
ist vollends undenkbar. Es darf bei Rückschlüssen aus 
den Flurkarten nicht einfach über die Veränderungen, 
welche eine tausendjährige Entwicklung hervorbrachte, 
hinweggeschritten werden 1). 



') Vgl. Hildebrand, Recht u. Sitte S. 163 n. i. 



Beiträge 



zur 



badisch-pfälzischen Reformationsgeschichte. 

Von 

Gustav Bessert. 

(Fortsetzung.) *) 



Gewaltig war der Anlauf gewesen, den die Domkapitel 
der Mainzer Provinz mit dem Mainzer Ratschlag unter- 
nommen hatten, aber weder Kaiser noch Papst waren im 
Stand, zu helfen. All die Anstrengungen, die man 
in Speier machte, die alten Rechte und Besitztümer 
zu schützen, waren ganz vergeblich. Hatte sich die 
Machtlosigkeit der alten Kirche selbst im Bund mit der 
durch eigene Gesandte angerufenen Kaisermacht gegen 
über dem Markgrafen Philipp und der Reichsstadt Esslingen 
grell genug geoffenbart, so zeigte sie sich auch in der 
Hauptstadt des Bistums und der näheren Umgebung. Bis- 
her hatte die Stadt Speier dem Bischof geholfen, seine 
Jurisdiktion in ihren Mauern auszuüben, wenn es galt, Geist- 
liche zu verhaften und zu bestrafen. Jetzt verweigerte sie 
die Beihilfe durch Stadtknechte, wofern ihr nicht die Utr- 
Sachen der Verhaftung und Bestrafung genannt würdei 
Die bischöfliche Gerichtsbarkeit sollte also unter städtiscl 
Kontrolle gestellt werden. Das Kapitel riet, auf polizeilict ^ 
Hilfe zu verzichten, falls die Verschreibung des Bisch< 
beim Einritt i. Dezember 15 182) dem Rat ein Recht 
seiner Weigerung gebe. Im andern Fall sollte die Vi 



') Vergl. diese Zeitschrift N.F. XVII, 401 flf. — *) Rcmling 2, 240, 



590 



Bossert. 



Urkunden, Urteilssprüchen und Saalbüchem, denn seit dem 
Bauernkrieg seien sie zertrennt. Von den Alten sei keiner 
mehr da, und sie hätten keine Kenntnis der Sache»). Die 
Gemeinde Bauerbach war anhaltend schwierig. Der 
ptälzische Amtmann von Bretten beanspruchte nach dem 
Bauernkrieg die ganze Obrigkeit wie in einem pfälzischen 
Dorf, obwohl das Dorf Reichspfand war*). Die Bauern 
waren widerspenstig und klagten bald über das Kapitel 
und seinen Amtmann Peter Ochs bald über ihren Schult- 
heissen beim Amtmann in Bretten»), dessen Hilfe man zu 
wirksamen Strafen brauchte, da die hohe Obrigkeit pfal- 
zisch war, dagegen forderte der Schultheiss von Bretten 
Frohndienste als Schuldigkeit, nicht als Gefälligkeit M. 
Der benachbarte Adel, Konrad von Sickingen und Erpf 
Ulrich von Flehingen, beeinträchtigten des Stifts Jagd- 
recht »), Pfarrer und Schultheiss fanden ihre Aufgabe zu 
schwer. Der Pfarrer Kon. Stahl verzichtete auf seine 
Pfründe gegen die Kaplanei Neibsheim«). Für seinen 
Nachfolger Adam M., bisher Dekan des Kapitels Bretten, 
forderten die Bauerbacher eine Kompetenz, wogegen dem 
Kapitel das Widdum überlassen wurde '). Auch der 
Schultheiss wollte sein Amt niederlegen und bedurfte des 
Zuspruchs 8). 

Der Amtmann des Kapitels, Peter Ochs, erklärte, ohne 
strenge Strafen entstehe grosser Unrat, und sie wären ohne 
die Pfalz unmöglich. Er hatte dem Kapitel 1527 dar- 
gelegt, es gebe nur drei Wege, um aus den Schwierig- 
keiten zu kommen, i. Bauerbach zu verkaufen, 2. mit der 
Pfalz zu prozessieren, 3. sich mit ihr über die strittigen 
Punkte zu vertragen »). Wirklich bot ein ungenannter Adeliger 
im Juni dem Kapitel , dem Zehnten und Pfarrsatz bleiben 
sollten, 2000 fl. für das Dorf»»). Auch der pfälzische 
Kanzler fragte im Juli, ob es noch feil sei*!). Aber das 
Kapitel konnte sich zu einer Veräusserung nicht ent- 
schliessen, fand jedoch bald Gelegenheit, die Bauerbacher 



') P. 527. 19. Nov. 1530. — «) P. 140. 19. Dez. 1525. — ^) p. 247, 
273. 10. Nov. 273. - *) P. 172. — *) P. 149, 267. — «) P. 313b, 316. 
20. Apr. 1529. — 7) P. 316. — 8) P. 104. Aug. 1529. — ») P. 195. — 
««) P. 15. 4. Juni 1529. — »») P. 65. 28. JuH 1529. 



592 



Bessert. 



doch empfindlich und umso empfindlicher, als hier die 
Selbständigkeit der Kirche und ihr bisheriges Recht seitens 
eines strengkatholischen Fürsten, ja seitens des Bruders 
des Kaisers missachtet wurde. 

Viel tiefer griff der Kurfürst von der Pfalz ein. Am 
IQ. Januar 1526 erschien sein Hofmeister Ludwig von 
Fleckenstein in Speier vor dem Domkapitel und rühmte 
die Verdienste seines Herrn um das Kapitel im Bauern- 
krieg, den er gedämpft habe. Er habe die Geistlichkeit 
geschirmt und ihr ihre Zehnten und anderen Einkünfte 
wieder verschaflft. Zur Sicherheit unterhalte er den ganzen 
Winter zwei Fähnlein Knechte und erbiete sich, die Geist- 
lichkeit ferner zu schirmen. Für die Kosten einer solchen 
militärischen Rüstung haben die adeligen Mitglieder des 
Kapitels ein besseres Verständnis als die gewöhnlichen 
Priester. Darum werden sie seine Bitte um Beihilfe ver- 
stehen. Das Domkapitel erkannte die wertvolle Hilfe des 
Kurfürsten im Bauernkrieg dankbar an, verwies aber auf 
die benachbarten Grafen, Ritter und Herren, die auch in 
Rüstung bleiben und ebenso gut als der Kurfürst Beihilfe 
nachsuchen könnten. Ein rascher Entschluss sei nicht 
möglich, da die drei Nachstifte S. Guido, S. Germanus 
und Allerheiligen in ihrem Vermögen sehr verschieden 
seien. 

Nachmittags 3 Uhr erschienen die kurfürstlichen Ge- 
sandten wieder im Kapitel. Der Dompropst sprach seine 
Freude über das Anerbieten ferneren Schutzes aus, wies 
aber zugleich auf jenen Prediger hin, den man noch in 
Speier dulde ^). Das Kapitel aber wollte von einer Geld- 
hilfe nichts wissen, sondern die kräftigeren Herren des 
Kapitels wollten persönlich zu Ross und Fuss Dienst 
leisten. Die kurfürstlichen Räte versprachen beim Rat zu 
Speier auf Beseitigung des Predigers, den das Kapitel als 
Volksaufwiegler schilderte, zu dringen, aber es gab lange 
Gesichter, als sie nun für die nächsten drei Jahre je 
5000 fl. vom Kapitel verlangten, obgleich sie zugestehen 
mussten, der Kurfürst habe zur Unterhaltung des Krieg^- 
volks nur 16000 bis 18000 fl. aufgenommen. Das Kapitel 



*) Vgl. oben S. 419. 



594 



Bossert. 



den Heiltümem und vom Mandatsilber i) verkaufen zu 
dürfen. Dieser Schritt fand beim Bischof Bedenken, er 
riet, das Geld zu entlehnen, da bat ihn das Kapitel, das 
Geld selbst vorzuschiessen. Zugleich wollte das Kapitel 
in einer Denkschrift, welche der Bischof mit unterzeichnen 
sollte, zur Entschuldigung der damaligen Kapitelsglieder 
die Notlage und die dadurch herbeigeführten Massregeln 
schildern*). Ob dieses Ehrendenkmal für Ludwig den 
»Friedfertigen« zustande kam und noch vorhanden ist, wäre 
wohl der Untersuchung wert. 

Unter dem schweren finanziellen Druck tröstete man 
sich im Kreise der Kapitelherren mit der Hoflfhung, 
wenigstens mit zwei Jahresbeiträgen die Pfalz befriedigt 
zu sehen. Allein der pfälzische Kammermeister forderte 
unnachsichtig auch die dritte Rate mit 2000 fl. Man 
berief sich in Speier darauf, dass man das Geld nur für 
die Zeit* wirklichen Bedürfnisses einer Kriegsrüstung 
zugesagt habe. Man machte des Stifts Armut und völlige 
finanzielle Erschöpfung') geltend. Aber hier war jedes 
Wort vergeblich. Die ganze Summe musste bezahlt 
werden*). 

Allein nicht genug an der schweren Bedrängnis, in 
die das Kapitel durch das grosse Hilfsgeld gekommen 
war, die pfalzische Regierung forderte ein solches auch 
von allen Geistlichen im Gebiet des Bischofs und Kapitels, 
wie auch von den Priestern der Edelleute, die aber den 
Mut hatten, ihren Kaplanen die Zahlung zu verbieten. 
Die Summe, welche auf diese Weise für die Finanzen der 
Pfalz zusammengebracht wurde, kann nicht klein gewesen 
sein. Denn allein vom Pfarrer und Kaplan in Oberöwis- 
heim forderte der Vogt von Bretten 100 fl. *). 

Zeigt diese Episode die Regierung des Kurfürsten 
von einer Seite, die in keiner Weise begeistern kann, war 
es doch ein starkes Stück, erst zur Bezahlung von 16000 
bis 18000 fl. 15000 fl. zu fordern und dann mit 6000 fl. 
zufrieden zu sein, so sehen wir an einem kleinen Zug, wie 

*) Mandatsilber ist das Silberzeug, das man bei Mandaten, feierlichen 
Ej.sen, brauchte. — *) P. 18 1. 23. Mai 1527. — •) ErÖsen. P. 257. — 
*) F. 257, 258, 261. 27. Juni, 29. Juli 1528 ff. — «) P. 265. 



596 



Bessert. 



zunehme, dass er mit der Zeit »gar eine Abergestalt 
gewinne«*). Diese Bedingung war für den Marschall 
unannehmbar. Endlich entschloss sich das Kapitel in 
Anbetracht des Bedürfnisses einflussreicher Freunde und 
Gönner, besonders am Hof zu Heidelberg, das Gebrechen 
Heinrichs von Habem nicht als vitium enorme zu betrachten 
und nahm ihn gemäss dem Rat des Bischofs und der 
Gelehrten am 31. Januar 1530 ins Kapitel auf. Damit war 
eine lange sehr widerwärtige Verhandlung, welche den 
Druck der pfälzer Regierung empfindlich fühlen Hess, 
abgeschlossen. Aber ein Stachel blieb zurück 2). 

Die Erfahrungen der letzten Jahre erzeugten allmählich 
eine starke Misstimmung gegen die Pfalz, die man fürchtete 
und immer wieder bedurfte. Es schwirrten dunkle Ge- 
rüchte durch die Luft. Ein solches kam im Kapitel zur 
Sprache. Es hiess, der Kurfürst habe Urkunden des Bis- 
tums, die er bei der Besetzung des Bruhreins im Bauern- 
krieg zu sich genommen habe, immer noch in Händen, ja 
er werde nach dem Tod des jetzigen Bischofs den Bruh- 
rein sich ganz aneignen, nachdem er ihn im Bauernkrieg 
für sich und für den Bischof in Pflicht genommen habe»). 
Man wollte deswegen zum Bischof schicken, um die Briefe 
zurückzubekommen. Ferner hiess es, alle Geistlichen im 
Stift werden von der Pfalz besteuert, die Heiligenpfleger 
sollen die Barschaft ihrer Kirchen herauszugeben »an- 
gesprengt« (!) werden*). Man erwartete also eine regel- 
mässige Besteuerung und eine nötigenfalls gewaltsam 
durchgeführte Inventierung der Kirchengüter, zu der aber 
kein anderer als Erzherzog Ferdinand den Fürsten ein 
Vorbild gegeben hatte «*). 

Bei dieser Stimmung innerhalb der geistlichen Kreise 
kann es nicht überraschen, dass der Bruder des Kurfürsten, 
Bischof Georg, nicht auf Rosen gebettet und der nächste 
Bischof sicher in den Reihen der von der Pfalz unabhän- 
gigen Männer /u suchen war. Bischof Georg steckte 



») P. 94. 17 Aug. 1529. — ») P. 104, 115, 196, 308, 316, 329, 335, 
339. 349- — ^) Kcmlinp, Gesch. d. Bisch, v. Speier 2, 260. — «) P. 258. 
27. Juni 1528. — *) Markgraf Georg von Brandenburg berief sich auf 
Ferdinand. PVankf. a. d. Oder 1529. "Freit, n. Erhardi, Beiträge zur bair. 
Kirchengeschichte 1896, 86. 



\. . 



598 



Bossert. 



Verhandlung mit den bischöflichen Räten >). Aber nun 
kam der Reichstag, der alle Zeit des Bischofs in Anspruch 
nahm. Die Verhandlungen stockten. Erst am 26. Juni 
erneuerte er sein Gesuch um eine »stattliche, tapfere Hilfe«, 
nachdem er vorher einen gelinden Druck auf die Stifts- 
geistlichkeit ausgeübt hatte. Er hatte nämlich auf Mitt- 
woch nach Petri und Pauli eine Visitation anberaumt, die 
dem Kapitel sehr unbequem kam, sodass es um Ver- 
schiebung desselben bat 2). 

Der Bischof Hess jetzt durch den Vogt vom Bruhrein 
und seinem Kanzler darlegen, dass sein Bemühen um 
Ringerung der Reichsanlage für das Bistum auf dem 
Reichstag vergeblich gewesen sei und er je länger je mehr 
belegt werde. Das beschlossene Hilfsgeld gegen die Türken 
habe er bis Jacobi zu bezahlen. Den Bau in Udenheim 
könne er ohne Unterstützung des Kapitels nicht vollenden^). 
Das Kapitel machte die völlige Erschöpfung seiner Mittel 
geltend. Aber der Bischof drängte am i. Juli auf als- 
baldige Leistung der Hilfe*) und wandte sich zugleich an 
die drei Nebenstifte. Diese schlugen dem Bischof einen 
dreijährigen Zehnten von der ganzen Geistlichkeit vor 5). 
Allein der Bischof erklärte diese Art Besteuerung für 
undurchführbar und nicht erschiesslich, d. h. unzureichend. 
Einer seiner Vorgänger habe wegen eines solchen Zehntens 
zu einer Zeit, da noch grösserer Gehorsam war, mit derti 
Kapitel zu Rom und mit der Priesterschaft in der Mark- 
grafschaft Baden zu Mainz prozessieren müssen. 

Der Bischof trat jetzt mit einer positiven Forderung 
von 2000 fl. binnen vier Jahren, also jährlich 500 fl., hervor. 
Das Kapitel bewilligte diese Forderung am 20. Juli, aber 
mit der Bedingung der Garantie seiner Einkünfte, Zehnten, 
Zinse und Gülten durch den Bischof«). Dieser bat, bei 
seiner Geldbedürftigkeit ihm 1000 fl. schon vor dem Termin 
zu geben, was das Kapitel bewilligte, da man das Geld 



*) P. 284. Wie man die Geldnot des Bischofs benützte, um ihn 
gegen das Luthertum scharf zu machen , werden wir später sehen. — 
') P. 22. Visitationen waren auch in anderen Diözesen, z. B. in Konstanz, 
ein zugkräftiges Mittel, um unbequeme Geister gefügig zu machen. Vgl. 
mein Interim v. Württemberg S. 104. — ») P. 27. — *) P. 30. — ^) P. 46. 
17. Juli. — «) P. 49, 50. 



5oO Bessert. 

unfähig, so gern sie es wollten, dem Kaiser ein Hilfsgeld 
zu geben 1). 

Übersieht man die Lage der Dinge, so zeigt sich der 
Zustand der Kirche als unhaltbar. Sie hatte in sich nicht 
die Kraft, sich aufrecht zu halten. Der Schutz der welt- 
lichen Mächte war teuer erkauft. Es musste neuer Wein 
in die alten Schläuche und ein neuer Geist in die Glieder 
der Kirche kommen, der ihr den Mut gab, sich auf ihre 
Eigenart zu besinnen und ihre Unabhängigkeit zu wahren. 
Aber einstweilen ging alles noch den alten Gang. Unter 
den Stiftsgeistlichen war viel Neid und Streit. Der Stifts- 
vikar Nik. Balz hatte dem Domdekan mit Schmähworten 
geantwortet, als dieser nach einer vermissten Chorkappe 
fragte, die Balz am letzten Fest getragen hatte*). Der 
Vikar Lor. Herdegen und Dr. Sim. Ribeisen waren über 
einer Pfilinde, auf welche Ribeisen Ansprüche erhob, an 
einander geraten»). Im Februar 1529 musste der Dom- 
scholasticus dem verdienten Sabatalmeister Uriel Busch, 
der sein Amt wegen unfreundlicher Worte des ersteren 
niederlegen wollte, eine Ehrenerklärung geben*). Im 
Sommer 1529 klagte Joachim von Dalberg über Be- 
schimpfung durch den sattsam bekannten Jak. Beringer^). 
Dem Erzpriester machte der geistliche Richter den Prozess 
wegen etlicher Worte, die er geredet haben sollte, als er 
auf Befehl des Kapitels an der Münsterthüre ein Aus- 
schreiben Seh wickers von Sickingen abriss«). Dem Pfarrer 
von Neidenstein wurde beim Tausch mit dem Pfarrer von 
Kandel zur Bedingung gemacht, dass er auf der Kanzel 
keine Schmach- und Scheltworte mehr brauche'). 

Auch thätliche Injurien hatten nicht aufgehört. Der Dom- 
vikar Hans von Alzei, ein Kammerherr, musste wegen 
blutigen Streithandels mit dem Wirt auf der Domherm- 
stube gestraft») und der Stiftsherr Leonhard Scheiblin zu 
Allerheiligen wegen eines unsaubem Handels mit der 
Wirtin zur Laube aus der Stadt verwiesen werden »). Noch 



») P. 265. — 2) p. 152. 16. u. 18. Mai 1526. — 3) p. i86. Juni 
1527. — *) P. 290. — *) P. 65. Sie war capitulariter, d. h. im Kapitel 
geschehen. — «) P. 242. — ^ H. R. 162. — ^) H. R. 30. Freit, n. 
Alzei 1528. — ") H. R. 63, 73. 1528 im Mai. 



6o2 Bossert. 

Der Geist der Zeit war auch in die Klöster gefahren. 
In den Beginenhäusem waren 1529 alle Frauen bis auf 
eine ausgestorben. Nachwuchs fanden sie nicht. Deshalb 
erbat sich das Kapitel ihre Häuser ad pios usus gegen ein 
Leibgeding für die noch lebende Schwester. Wirklich 
wurden die beiden Klausen »zu den weissen Mänteln« auf- 
gehoben und ihre Einkünfte den Armen zugewendet*). 

Sehr bezeichnend sind die Zustände in dem kleinen 
Servitenkloster*) zu Germersheim, das durch den Bauern- 
krieg schwer gelitten hatte und auszusterben drohte, »denn,« 
sagte der Bischof, »durch das lutherische Wesen veranlasst, 
hasst und verfolgt der gemeine Mann die Ordensleute, dass 
niemand oder nur wenige in den Orden eintreten mögen.« 
Ein Teil der Mönche war gestorben, der andere alt und 
schwach, ein dritter Teil hatte das Kloster verlassen. Sonst 
hatte Sachsen, wo es am meisten Servitenklöster gab, 
den Nachwuchs für das Kloster in Germersheim geliefert, 
aber die dortigen Klöster waren der »lutherischen Sekte« 
und dem Bauernkrieg zum Opfer gefallen. So konnte das 
Kloster die nötigen Kräfte zur Besorgung des Gottes- 
dienstes und der Seelsorge nicht mehr gewinnen. Deshalb 
verwandelte der Bischof das Kloster 1527 in ein CoUegiat- 
stift mit einem Dechanten und sechs Priestern, welche der 
Kurfürst von der Pfalz bestellte 3). Das Domkapitel selbst 
betrieb die Aufhebung der Sexpräbenden, die immer zum 
Unterhalt gelehrter Männer gedient hatten, zu Rom mit 
grossen Kosten, um seinen Finanzen aufzuhelfen*), ohne 
an den Schaden für das geistige Niveau der Stiftsgeist- 
lichkeit und für die Haltung der Gottesdienste zu denken. 

Auch sonst zeigte der scheinbar unerschütterlich feste 
Turm der alten Kirche bedenkliche Risse. Ein Stück um 
das andere vom geistlichen Recht fiel unwiederbringlich 
dahin. Im Herbst 1527 waren die drei rheinischen Kur- 
fürsten von Mainz, Trier und Köln in Oberwösel zu dem 
Entschluss gekommen, während der Gefangenschaft des 
Papstes die erwählten Suffiragane ohne päpstliche Bestätigung 



*) P. 27. 26. Juni 1529. H. R. 229. Dienstag nach Viti und Modesti 
1529. — •) Scrviten = Marienknechie. — ') Remling, Urkundenbuch 2, 516. 
Lib. spirit. f. 132. — *) Vgl. oben S. 412. 



6o4 Bessert. 

der Pfarrer spricht für das Unbehagliche ihrer Lage. Der 
Widerstand, den sie in den Gemeinden fanden, war nicht 
gering, deshalb baten einzelne, wenigstens zeitweilig ihre 
Stelle verlassen zu dürfen; andere vertauschten ihre Stelle 
oder gaben sie ganz auf*). 

Nicht nur eine Stadt wie Esslingen, sondern auch 
eine ländliche Gemeinde, wie Horrheim forderte vom 
Kapitel einen anderen Pfarrer«). Das Kapitel wollte ihn 
wenigstens hören, um ihn, falls er ungeschickt erfunden 
werde, zum Stellentausch zu nötigen. Die Gemeinde 
Wössingen hatte es gewagt, ihrem Frühmesser seine 
Habe mit Beschlag zu belegen, ohne sich um die Privi- 
legien der Priesterschaft zu kümmern»). 

Ein Zeichen, dass die Wogen der Erregung auch in 
der Heimat von Joh. Brenz, in Weil der Stadt, nach dem 
Abgang Billicans hoch gingen, ist die Bitte des Dekans, 
des Kämmerers und der Priester des Ruralkapitels Weil, 
die Kapitelversammlungen ausserhalb der Stadt Weil, aber 
in den Grenzen des Kapitels halten zu dürfen *). Denn die 
Priester fühlten sich in der Stadt nicht mehr sicher genug. 
Überall in allen Schichten des Volks waren die neuen 
Ideen mit der Abneigung gegen die alte Kirche ver- 
breitet; auch in den Orten, welche dem Kapitel gehörten. 
Am 6. Dezember 1527 wagte ein Bauer von Jöhlingen 
zum Entsetzen des ergrauten Stiftsherm Hans Kranich in 
dessen Hause schreckliche Ketzereien über das »hoch- 
würdige Sakrament« und andere Dinge auszustossen*). 
Der Verdacht, dass der Pfarrer von Jöhlingen lutherisch 
sei, schien nach diesen Äusserungen eines Landmanns zur 
Gewissheit zu werden. Die Bauern von Bauerbach liefen 
trotz des Verbots nach Flehingen und andern Orten zur 
evangelischen Predigt. Als der Amtmann es wehren 
wollte, verlangten sie vom Kapitel Erlaubnis dazu«), die 
ihnen natürlich versagt wurde. Wir lernen auch eine 
Reihe Priester als Anhänger des neuen Glaubens kennen. 



») Vgl. oben S. 601. — «) P. 183. 17. Jan. 1527. — -) H. K. 74- 
Mont. n. Püngsten 1528 (i. Juni). — *) Lib. spir. 124. Mont. n. Viuc 
Petri 1526. Die Geschichte Weils in der Reformationszeit bedarf dringend 
neuer Untersuchung. — *) P. 217. — ') P. 242. 



5oÖ Bossert. 

wohl halte, trotzdem sei er in der Kirche sehr nachlässig 
gewesen und habe dem Pfarrer keine Beihilfe geleistet 
Sodann berichtete der Amtmann, Spirer sei kürzlich in 
Strassburg gewesen, um ein Erbe zu holen. Nach seiner 
Rückkehr habe er den Bauern gesagt, sie sollen sich wohl 
halten. Bald kommen die Schweizer und machen ein 
gutes Regiment, dass jedermann wisse, woran er sei. 
Weiter habe er am Samstag vor Luciä (7. Dez.) 1527 mit 
etlichen jetzt verhafteten Bauern Fleisch gegessen wie vor 
dem Bauernkrieg. Als einige ihn warnten, sprach er den 
Bauern Mut zu, denn ihn koste es mehr als sie. Endlich 
belehrte er die Bauern, sie seien kein Seelgeräte schuldig, 
er wolle auch keines fordern. Bei der Messe erschrecke 
er vor den Leuten, wenn sie ihn beim Umwenden sehen 
und hören. Bei seiner Gefangennahme zeigte er guten 
Mut. Er sprach: Nun muss Gott gelobt sein, dass es zu 
der Stunde gekommen ist. Unterwegs, als man ihn nach 
Udenheim lieferte, äusserte er in Ofenbach: das Werk und 
Wesen muss seinen Fortgang haben. Dafür kann kein 
Bischof sein. Wenn er sein Neues Testament bei sich 
hätte, wollte er es auf der Stelle beweisen*). 

Der geistliche Richter nahm die Anklagen des Amt- 
manns nicht sehr ernst. Denn auf Fürbitten seiner 
Schwester und seiner Freunde wurde Spirer schon am 
18. Januar 1528 vorläufig entlassen. Doch mussten sich 
seine Schwäger Hans Spirer und Hans Bender verbürgen, 
dass er sich zur gerichtlichen Verhandlung stelle und seine 
Strafe bezahle 2). Aber wir hören später nichts mehr von 
ihm. Man vergass ihn wohl. 

Auch in Sinsheim machte sich der dortige Pfarrer 
des Luthertums verdächtig. Deshalb klagte Franz N., 
Licentiat daselbst und Stiftsherr, über ihn. Der Bischof 
wandte sich an die Pfalz, dass man dort wegen des Pfarrers 
ein Einsehen habe 8). 

Auch Erzherzog Ferdinand war über das Anwachsen 
der neuen Richtung beunruhigt und forderte vom Bischof 

») H. R. 4. — «) H. R. II. — ») H. R. 102. Freit, n. Vinc Petri, 
7. Aug. 1528. Der Kläger hiess wahrscheiolich Fraziz Gross. Vgl. Wü- 
helmi, Geschichte der Benediktinerabtei Sinsheim. S. 74. Wilhelmi weiss 
nichts von dem Pfarrer. 



6o8 Bessert. 

der Herrschaft Hohenberg *), die den Markgrafen Philipp 
von Baden bewogen, von Mühlburg aus am 15. Dezember 

1527 ein strenges Mandat gegen die Wiedertäufer zu 
erlassen, die ihm nicht nur religiös verdächtig, sondern 
auch politisch gefahrlich erschienen, weshalb er sie in Haft 
zu nehmen und zu behalten befahl, bis er über ihre fernere 
Bestrafung sich entschieden habe*). Dem Beispiel des 
Markgrafen folgte am 5. April 1528 der Bischof von Speier, 
der seinen Pfarrern ein Mandat gegen die Wiedertäufer 
schickte, welches die Pfarrer von den Kanzeln verlesen 
musstens). Ein ähnliches Mandat muss auch in der Pfalz 
erlassen worden sein, denn seit 1527 zogen viele Pfälzer 
unter der Führung des Webers Philipp Plener, genannt 
Blauärmel, nach Mähren*). Im Herbst 1528 wurde ein 
Wiedertäufer zu Deidesheim ins Gefängnis gelegt, aber 
nach längerer Haft wieder auf Urfehde entlassen. Man 
hoffte, »der Turm« werde ihm eine Warnung sein, dass er 

» sich der neuen Lehre enthalte. Er musste versprechen, 
nicht ohne Vorwissen der Obrigkeit aus dem Gebiet des 
Bischofs zu ziehen»). 

Andere wurden »aus beweglichen Ursachen« auf 
sechs Meilen weit aus dem Stift verwiesen. Diese »beweg- 
lichen Ursachen« sind meist nicht näher bezeichnet, aber 
es sind keine anderen als Abweichung vom Glauben der 
alten Kirche. Dabei wird kein Unterschied zwischen 
Wiedertäufern und Lutheranern gemacht, denn sie waren 
beide »lutherisch«, d. h. Ketzer. So wurde am 28. Juli 

1528 Asmus Sparr von Lauterburg im Sommer 1528 
auferlegt, mit Weib und Kind, Hab und Gut auszuwandern. 
Doch musste er Abzug, d. h. Nachsteuer bezahlen und 
geloben, sich nicht wegen seiner Gefangenschaft zu rächen. 
Dass seine religiöse Überzeugung Anlass zu seiner Ver- 
bannung gab, ergiebt sich daraus, dass die Akten über 



') Vgl. meine Studien über Mich Sattler, den Märtyrer in Rotten- 
burg a. N., Wilhelm Reublio und die Täufer in der Herrschaft Hohenberg. 
Bl. für württemb. Kirchengeschichte 1889, 73 ff. 1890, i ff. — ') Zeitschrift 
für Kirchengeschic hie 11, 318. — ') H. R. 54. — *) Beck, Geschichtsbücher 
der Wiedertäufer Fontes rerum Austriacarum XLIU S 69. Loserth, D^f 
Communismus der mährischen Wiedertäufer S. 6 (Arch. für österreichische 
Geschichte LXXXI, i). — ») H. R. 128. Mittw. n. Mich. 



6io Bossen. 

werden. Ein gemeinsames Vorgehen des Bischöfe mit 
seinen Brüdern, dem Bischof Heinrich von Worms und 
dem Kurfürsten Ludwig schien am raschesten zum Ziel 
zu führen 1). Dem Bischof blieb zu einer Verständigung 
mit seinen Brüdern keine Zeit mehr. Denn jetzt brach 
der englische Schweiss aus, der ihn hinderte, ein völliges 
Werkzeug der Scharfimacher in Speier zu werden. 

Bei näherer Betrachtung der Ereignisse erkennen wir, 
dass mit dem Jahr 1528«) ein schärferer Wind vom Bischofs- 
hof zu Udenheim wehte. Die wachsende Ausbreitung des 
Luthertums und des Täufertums musste den Bischof zu 
einem enerpschen Eingreifen nötigen, obgleich er seiner 
ganzen Natur und Bildung nach einem gewaltsamen Vor- 
gehen nicht geneigt war und an seinem Hof ein freierer 
Ton herrschte. Wir erkennen aber auch die Macht, die 
den Bischof auf die Seite der kirchlichen Eiferer zu treiben 
suchte, das war das I>omkapitel, das nach reiflicher Über* 
legung und einem klug ausgesonnenen Feldzugsplan seine 
Breschen zum Sturm auf den alten Freund des Erasmus 
eröffnete. 

In der Generalkongregation am 17. Januar 1528 
beschloss man, den Bischof, der das Kapitel um Bei- 
steuer zum Schlossbau in Udenheim anging, wegen der 
Lutherei im Bistum ernstlich zu mahnen. Da das Kapitel 
die Aufgabe habe, den Bischof vor Schaden und Nach- 
teil zu warnen, so hielt es sich auch für berufen, ihm 
einen Vorhalt über seine bisherige Stellung zur kirchlichen 
Frage zu machen. Zwar erkannte man dankbar an, er 
habe sich für seine Person wohl gehallen, aber der Geist 
der Lutherei*)! . . . breite sich aus und reiche bis in die 
nächste Umgebung des Bischofs, der deshalb beim Kaiser 
verdächtig sei. Es möge dem Bischof nicht alles zu Ohren 
gekommen sein, aber bedenklich sei, dass er in den 
höchsten Amtern Leute brauche, welche öffentlich sich als 



M P. 24. — *} Allerdings beginnt das Hofratsprotokoll erst 1528, 
sodass ein Vergleich mit früheren Massnahmen nicht ganz sicher ist. Aber 
auch das Protokoll des Domkapitels beweist die Wendung mit dem Jahr 
1528. — *) Der Satz im Protokoll hört mit Lutherei auf. In der Enegiug 
ist er vom Notar nicht vollendet, aber in der oben angegebenen Weise to 
erqänzen. 



12 



Bessert. 



Der Feld2ug, den man unternahm, wurde Schritt für 
Schritt genau vorbereitet. Man beschloss zu der Sitzung 
am 30. Januar auch den ergrauten Dompropst Greorg von 
Schwalbach beizuziehen, um bei dem Vorhalt nicht mit der 
Thüre ins Haus zu fallen. Man erwog, mit welcher 
Beschwerde man die Einleitung machen sollte, imd beschloss, 
mit dem Abgang von Zehnten, Renten und Gülten im 
Stift zu beginnen, so dass der Stiftsgeistlichkeit der nötige 
Unterhalt nicht mehr werde, und dann erst auf die.Lutherei 
als die Wurzel alles Übels überzugehen '), 

Nachdem alles wohl vorbereitet war, wurde der Kustcs 
und Oswald von Grumbach beauftragt, den Bischof per- 
sönlich um sein Erscheinen in Speier zu ersuchen. Zugleich 
sollte er um Wildpret gebeten werden, da das Kapitel ihm, 
dem kaiserlichen Regiment und Kammergericht ein Gast- 
mahl zu geben beabsichtige*). 

Der Bischof Hess alsbald erwidern, er werde am 
10. Februar in Speier erscheinen, um ein Gastmahl mit 
den Herren vom kaiserlichen Regiment und vom Kammer- 
gericht und 'ihren Frauen zu halten, wozu er auch das 
Kapitel samt den Junkern, d. h. den noch nicht geweihten 
und ins Kapitel aufgenommenen Stiftsherren einladen 
wolle«). Der Bischof kam also dem Kapitel mit seiner 
Gastfreundlichkeit zuvor. 

Dieses hielt, da der Bischof erst am 13. Februar im 
Kapitelsaal erscheinen wollte, am 12. Februar noch eine 
Sitzung. Der Dompropst hatte eine Beschwerdeschrift 
aufgesetzt, die man im Kapitel verlas. Aber sie erschien 
zu weitläufig und darum wohl auch nicht einschlagend 
genug. Deshalb wurde der Domscholaster beauftragt, eine 
summarische Zusammenstellung der namhaftesten Klage- 
punkte rasch zu fertigen. Besonders kräftig wollte man 
auf Massregeln gegen die Pfarrer von Bruchsal und Bühl 
und andere, die im Stift verführerisch und aufrührerisch 
predigen, dringen. Den Eingang sollten nicht mehr 
Zehnten und Gülten machen, sondern das unordentliche 
Wesen der Geistlichen in der Kleidung und anderen 
Dingen, woraus alle Leichtfertigkeit entstehe. Wie in den 



*) P. 227. 29. Jan. 1528. 
V P. 230, 



— «) P. 228b. 1. Febr. 1528. - 



6i4 Bessert. 

seinen Einkünften zu verhelfen, wie er auch seinen Amt- 
leuten schon befohlen habe. Um gründlich helfen zu 
können, forderte er ein genaues Verzeichnis der Orte, wo 
über Abgang von Zehnten, Vieropfer imd andern Abgaben 
zu klagen sei. Von lutherischen Predigern im Stift war dem 
Bischof nichts bekannt. Er berief sich darauf, dass der 
Generalvikar den Auftrag habe, gegen lutherische Prediger 
vorzugehen. 

Offenbar sehr überrascht war der Bischof durch das, 
was er über den Pfarrer von Bruchsal zu hören bekam, ja 
es erschien ihm fast als ein persönlicher Angriff auf ihn 
selbst, denn jener Pfarrer — er hiess Anastasius 
Meyer — war sein Hofkaplan gewesen und hatte ihm stets 
als unverdächtig gegolten. Der Bischof versprach, selbst 
mit Meyer zu sprechen, denn es sei ihm nichts weniger 
gelegen, als die neue Lehre zu Bruchsal gepredigt zu 
sehen. 

Sein Hofgesinde nahm der Bischof gegen alle Anklagen 
kräftig in Schutz. Der Kanzler und seine zwei Vögte 
seien nicht lutherisch. Von seinem Hofmeister Philipp von 
Helmstadt musste der Bischof zugestehen, dass er gerne 
von den religiösen Zeitfragen spreche, aber er halte sich 
gut. Doch wollte ihm der Bischof Mässigung und Zurück- 
haltung anempfehlen. Wegen der beiden Doktoren suchte 
der Bischof sich mit ihrem geringen Gehalt zu entschul- 
digen, der für einen Fürsten mit nur 3000 fl. Rein- 
einnahme wohl ein Grund der Empfehlung sein konnte, 
doch versprach er, andere anzunehmen, wenn er solche 
bekomme (nämlich um die gleiche Belohnung). 

Wegen der Prediger des Adels Hess der Bischof seine ent- 
mutigende Erfahrung mit Bernhard Göler zu Zeutern 
berichten. Er versprach sich darum keinen Erfolg von 
einem Briefwechsel mit der Ritterschaft, doch wollte er 
dem Wunsch des Kapitels nachkommen und einen Ver- 
such machen. Wie wenig der Bischof mit seinen Be- 
mühungen zur Unterdrückung des Luthertums erreicht 
habe, belegte er mit dem Beispiel des Pfarrers zu Landau, 
gegen den er bisher vergeblich die Hilfe des kaiserlichen 
Regiments angerufen habe. 



6i6 Bossert. 

meisters und Kanzlers in versteckter, aber fühlbarer Weise 
ZU erkennen gab^). 

Wie kräftig der Guss des Kapitels am 14. Februar 
auf das Haupt des Bischofs gewirkt hatte, beweist sein 
Eifer, um in Bruchsal jeden Verdacht einer Mitschuld an 
der bedenklichen Haltung des dortigen Pfarrers zu er- 
sticken. 

Wir haben früher gesehen, dass die Pfarrei Bruchsal 
bis zur Beseitigung Engelbrechts mit dem Amt eines 
Weihbischofs verbunden war 2). Diese Union hatte sich 
als unhaltbar erwiesen. Bruchsal bedurfte einen Pfarrer, 
der nicht mit einem Nebenamt überbürdet war, das oft zu 
Reisen nötigte. Deswegen hatte der Bischof zunächst die 
Stelle eines Weihbischofs unbesetzt gelassen und am 5. Juli 
1527 seinen bisherigen Hofkaplan Anastasius Meyer zum 
Pfarrer in Bruchsal bestellt s), während der Augustinerprior 
Nicolaus SchiemerEnde 1526 Weihbischof wurde*). Meyer 
wurde vom Bischof am g. März 1528 zur Rede gestellt 
über die im Kapitel vorgebrachten Anklagen, er habe an 
Weihnachten keine Mette gehalten, an Lichtmess nicht 
Lichter, Kerzen, Wasser und Salz geweiht, in der Kirche 
deutsche Lieder singen lassen, bei den Kranken die vor- 
geschriebenen Gebete nicht gebraucht, die stiftungs- 
mässigen Messen der inkorporierten Pfründen nicht voll- 
ständig gelesen und halte und besuche Konventikel. Meyer 
bezeichnete alle diese Anklagen als unbegründet, auch die» 
daiss er Wasser und Salz an Lichtmess nicht geweiht habe. 
Der Bischof befahl ihm ernstlich, am alten Herkommen 
festzuhalten, indem er ihm im Unterlassungsfall mit ernsten 
Strafen an Leib und Gut drohte &). Ja, der Bischof wollte 
ihm eine Art Widerruf auflegen, indem er auf der Kanzel 
selbst die Unterlassung der Ceremonien als unrecht 
bezeichnen sollte. Trotz aller Mahnungen unterliess Meyer 
doch die Messen der inkorporierten Pfründen wieder. Als 
man ihn nun im Juli darüber zur Rede stellte, nahm er 
seine Entlassung«). Er taucht später in Ulm auf, wo 
er einen Kirchendienst in der neu reformierten Kirche 



*) Vgl. oben S. 611. — «) Vgl. oben S. 77. — ') Lib. spirit. 151. — 
*) Remling 2, 251. — ») H. R. 35. — «) H. R. 92. 



6i8 Bossen. 

und zugleich eine Drohung gegen die Angeber. Wie die 
Antwort der Ritterschaft ausgefallen war, ist nirgends 
gesagt, aber dass sie nicht anders als ablehnend lauten 
konnte, war vorauszusehen. 

Wir haben oben schon gesehen, wie kräftig das Dom- 
kapitel den Bischof auf dem Weg, auf welchen es den- 
selben am 14. Februar gewiesen, weiter zu führen suchte, 
indem es ihn am 30. Juni 1529 zum schärfsten Vorgehen 
gegen die Anhänger des neuen Glaubens in der Umgegend 
von Bruchsal antrieb und ihn mit grosser Zuversicht zur 
Sache des alten Glaubens ermunterte i). Aber es zeugte 
auch von Mangel an Verständnis der wirklichen Lage, 
wenn sich das Kapitel vom Verbot des Besuchs der 
Predigten ausserhalb des eigenen Ortes etwas versprach. 
Denn ein solches Verbot liess sich nicht durchführen ohne 
Aufgebot einer starken Polizei, für deren Organisation die 
Mittel fehlten. Eine Vertreibung der evangelischen Pre- 
diger war ganz unmöglich, da die weltlichen Herren bis 
zum geringsten Junker schon die Freiheit von der bischöf- 
lichen Jurisdiktion als wohlthätig empfunden hatten. Aber 
es macht doch einen guten Eindruck, dass am Ende der 
Regierung des Bischofs Georg in die katholischen Kreise 
wieder einiger Mut und einiges Vertrauen zur Sache ihrer 
Kirche gekommen war. 

Man wagte jetzt, den Pfarrern wieder ein festes Ein- 
stehen für ihre Kirche, ein Ausharren in schwieriger Lage 
und selbst ein Martyrium zuzumuten. Der Pfarrer von 
H o f f e n h e i m war von dem hessischen Amtmann zu Darmstadt 
aus seinem Amt verdrängt worden. Er bekam aber den 
Befehl, auf seiner Stelle zu bleiben und sein Amt weiter 
zu versehen, selbst wenn er mit Gewalt vom Amt ver- 
drängt würde, wie dies Sattler in Esslingen geschah. Aber 
auch dann sollte er im Dorf bleiben und sich durchbringen, 
so gut es gehe, und auf weitere Weisung warten*^). 

So sehr sich Bischof Georg dem Restaurationseifer des 
Domkapitels hingab, so berechtigt ist doch die Frage, ob 



') S. oben S. 609. P. 24. 25. Juni 1529. P. 28. 30. Juni. Rem- 
ling 2, 264 (nicht ganz zutreffend). - *) H. R. 203. Donnerst, n. Pfingsten, 
30. Mai 1529. Hoffenheim, das die Hirschhorn zu Lehen trugen, war zur 
HälAe darmstadtisches, zur Hälfte vorderösterreichisches Lehen. 



Oberrheinische Studenten 

im 

i6. und 17. Jahrhundert auf der Universität Padua 

Von 

Gustav C. Knod. 

(Nachträge und Register.)*) 



Zs. NF. Bd. XV. 

S. 231 Nr. I. 1546 i. Orleans: Josua Geyger Argentinensis. 

S. 233 Nr. 6. Heinr. Joham zum erstenmal erwähnt in dem sehiem 

Vetter Diebold erteilten Lehnsbrief 1577. War, ehe er sich 
in Strassburg dauernd nicderliess, württembergischer Land- 
vogt in Mömpelgard. »Reliquit conjugem et fratremi 
(Fichard'sche Sammlung i. Stadtarchiv zu Frankfurt a. M.). 
Sein Name erscheint im Stammbuch seines Landsmanns Nie. 
Engelhardt (Paris, Nat. Bibl. ms. Nr. 18597): »Viennac 
Austriae scribebat Henricus Joham de Mundolzheim Rei 
publicae Argentoratensis eo tempore ad Caesarem Legatus 
1582. XV Cal. Martij.* Engelhardt macht dazu die An- 
merkung : ,obiit vir nobiliss. omni virtute praestantiss. doctrina 
varia linguarum cognitione, multiplici rerum usu excellens, 
singulare ornamentum Reipublicae Argentinensis, Admini- 
strator olim comitatus Mombelligardensis, Argentinae 
ao 1586 mense Martio.' 

S. 234 Nr. 8. Joan. Ludov. Bö ekle, Sohn des Phil. Böcklin zu Hntten- 

heim (f 1545) und der Simpurgis Pfau v. Ryppur. Stifter 
der Linie Bischheim. Erwähnt urkdl. 1561. Verm. mit 
Martha v. Kageneck: 3 Söhne. (Hdschr. Stammbaum). 

S. 235 Nr. II. Joh. Nervius war ein Schüler Phil. Melanchthons (Epp. 

Mel. ad Heresbachium). Neffe und einer der Testamentsvoll- 
strecker des berühmten Conr. von Heresbach, nach dessen 
Tode er herausgab: Christianae iurisprudentiae epitome, auctore 
D. D. Conrado Heresbachio, divini humanique iuris con- 
sulto, ill. ducis JuL Cliv. Mont. etc. consiliario. Neostadii 
1586. 8^ (Wolters, Conr. von Heresbach S. 239). 

») Vgl. diese Zcitschr. N.F. XV 197 ff. 432 ff. N.F. XVI 246 ff. 612 ff. 



()22 Knod. 

Christi reposita die XV. mensis octobr. anno MD.LXXXIX 
dyspnoea roortuus est) inverso ordine filio cariss. parens heu 
moestiss. posuit. Vixit annos XXVI dies IV horas IIP 
(Apogr. monum. Heidelb. 1612 p. 56). Hiernach ist der 
junge Nervius nicht, wie Zs. N.F. XV 246 angegeben, in 
Padua, sondern in Heidelberg gestorben. 

S. 247 Nr. 45. Phil. Dietr. v. Böcklin, ältester Sohn des Hans Ludwig 

(vgl. Nr. 8). Verm. 1599 mit Anna Maria Zuckmantel von 
Brumath (f 1601), 1603 mit Anna Maria von Bersteti 
(Stammbaum). Leichen predigt i. d. öff. Bibl. zu Stuttgart. 

S. 247 Nr. 46. Seb. Schach in Orleans 1583 (Matrikel), in Bourges 1584 

Nov. 15 (Stammbuch Kechler). 

S. 247 Nr. 52. Philips Böcklin vonn Böcklinsaw zu Wiebolsheim. 

Wie er seinem Freunde Moscherosch ein lateinisches Gedicht 
beigesteuert hatte (s. o.), so sandte er (dd. Wiebolsheim 
3. Mai 1630) dem Strassburger Poeta laureatus Samuel Gloner 
6 lateinische und i italienisches Gedicht als Dank für eine 
von Gloner ihm gewidmete Elegie, nebst einem lateinischen 
Antwortschreiben. Da über diesen interessanten Sprössling 
der Familie von Böcklin bisher nichts bekannt geworden, so 
möge der Brief hier folgen: ,Ex illa in calendas Maij mi 
Domine conscripta et pridem mihi transmissa Elegia simul 
et Carmine mellimolo raram tuam erga me concepi bene- 
volentiam. Miror mehercule et demiror unde ego tibi delatus 
tantum virtutis mihi tribueris Encomium, cum et omnium 
harum, quas recenses, ne minimum quidem commeruerim 
laudem; studiis enim ante annos plus minus 44 valedictis 
interea etiam temporis aliis et publicis etiam distentus negodis 
nullum aut exiguum sane tempus litteris tribuere facultas 
mihi concessa fuit: ita quidem ut non immerito miles nunc 
vocari possim emeritus. At tamen ut lucubrationum meamm 
aliquod tandem edam specimen: agrestes hosce prescntes 
quin potius campestres in supradictum finem ex parte a me 
non dudum conscriptos versiculos hisce tibi transmittere 
placuit mirum in modum rogitans ut mihi tamquam tironi 
(cum studio huic poeseos perexiguum tempus teste compatre 
meo M. Joh. Mich. Moscherosch tribuerim) varios et crassos 
commissos condones errores simulque favore tuo prosequi me 
pergas. Vale. Dabantur Wiboltzhemii 3. Maij ao recuperatae 
Christi salutis 1630. T. amiciss. officios. Phil. Böckle ä 
Böcklinsaw. Die Überschriften der übersandten versiculi 
lauten: i. Cum pastori Plopshem vinum mitterem rubrum 
28. Apr. 1630. 2. Germanorum et Italoruxn proprium. 
3. Non omne quod licet honestum. 4. Dno Philippe Müllero 
Rectori in Eschau scripta ipsa Phil. Jacobi. 5. Author legat 
Phil. Zornium ipsa Philippi Jacobi. 6. Aliud ad eundem. 
7. Aliud (italienisch). (Epp. ad Sam. Glonerum. mscrr. i 
Thom. Arch. Strassburg). 



624 Knod. 

Hans Reinhardt des Obristen und der Anna Walpargls von 
Wachenheim T. zu Gaisbach bei Oberkirch. Evangelisch, 
f ohne Kinder 1658 Mai 31 zu Sultz b. Hagenau in seiner 
Behausung. Begraben in der Kirche daselbst (S. i. O.)- 

S. 433 Nr. HO. Joh. Cachelofius Argentinensis Med. Doctor war 1583 

Mitglied der Deutschen Nation zu Orleans. 

S. 433 Nr. 115. Auch Joh. Ringler hat sich 1584 bei der Deutschen 

Nation in OrUans eingeschrieben. 

S. 436 Nr. 121. Joh. Sebast. Frid Med D. war geboren in Pforzheim 

ao 1565 Dez. 7., S. des dortigen Ratsherrn Joh. Sebast. Fr. 
und der Doroth. Knolin. Studierte i. Strassburg, wo er 
1585 Juni zum bacc. art., 1586 Okt. 27 zum mag. art. 
promoviert wurde. 1588 Sept. 7: Med. D. Basiliensis. 
Verm. (Ende 1589) mit Magdalena, T. des Strassburger 
Stadtphysikus Dr. Ulr. Giger: 2 Kinder (Pr. fun.). 



Zs. N.F. Bd. XVI. 

S. 248 Nr. 190. Dionysius Gremp von Freudenstein. Pfalz-Zwei- 

brückischer Titularrat mit 72 fl. 8 alb. jährlich (Mitt. d. 
bist. Ver. der Pfalz 21, 176). — 1582 haben die Grempen 
von Freudenstein den Crantzenhof von Jac. Bemhold um 
1200 fi. erkauft; eodem anno ist solcher von Dionysio Gremp 
dem Fr. Grafen Philipp geschenkt, hingegen Bemhold wegen 
der 1200 fl. auf Wolflsheim versichert worden (Kiefer, 
Pfarrbuch von Hanau-Lichtenberg S. 51). 

S. 253 Nr. 221. Joh. Theodcr. Staffel a Falckenstein. 2. .S. des 

Hilger. St. a F. (f 1588) und der Elis. Weyer von Nicken- 
dich. Johanniter-Ordens-Commenthur zu Schwäbisch Hall 
und AfFalterbach (Humbracht tab. 77). 

S. 253 Nr. 222 u. 223. Andreas und Georg. Reinbold erscheinen 1598 

in Orleans. 

S. 253 Nr. 224. Auch Henr. Eberhardus Als. ist 1598 Mitglied der 

dortigen Deutschen Nation. Er stammte, wie der Zusatz 
»Haganoensis« zeigt, aus Hagenau. 

S. 254 Nr. 231. Joh. Theoder. ab Ostein war mit einigen andern Mit- 
gliedern dieses Geschlechts in Orleans 1600. Sein Name 
fehlt bei Humbracht tab. 259. 

S. 255 Nr. 234. Joh. Beruh. Neser Als. Stammte, wie vermutet wurde, 

aus Ensisheim, wie der Eintrag in der Matrikel der Deut- 
schen Nation zu Orleans zeigt. 

S. 256 Nr. 242. Wolffg. Frid. Comes in Leiningen u. Dachspurg. 

S. Emichs Grf. v. L. u. der Maria Elisab. Pfalzgräfin zu 
Zweibrficken, geb. 1591. t 1623 März 23 (Stammtafel, 
tab. IV). 



020 Knod. 

aber Ende 1591, um nicht in Krells Sturz verstrickt zu 
werden, heimlich Dresden. Später trat er als Rat in pfsLl- 
zische Dienste (bis 1600), zog sich dann nach Winterthur 
zurück, wo er, nachdem er sich verheiratet hatte, bald darauf 
das Zeitliche segnete. Nach anderer Nachricht hatte er sich 
nach Konstanz gewandt; er könnte dann wohl mit dem 
von mir erwähnten Mitglied des grossen Rates (1604 — 22) 
identisch sein. 

S. 615 Nr. 300. Vier Briefe von Petr. Beutterich (aus den Jahren 1576 

u. 1583) in Ayrmanni Sylloge anecdotor. p. 423 sq. 

S. 618 Nr. 320. Der Name des Vaters des in Padua verstorbenen Jac. 

Efferhard. a Ress findet sich in dem Stammbuch des 
Nie. Engelhard aus Strassburg (Bibl. nation. i. Paris) dd. 
Emmendingen 1578 Jan. 25: »Petter Efferhart von Ress der 
zeyt Landtuogt der Marggrafschaft Hochbergk.c (Zusatz von 
Engelhard: »Marchionum Badensium Consiliarius primus in 
Brisgoia f 1590«). 

S. 619 Nr. 329. Otto Henr. a Venningen, S. des kurpfälz. Hofrichters und 

Amtmanns zu Neuenburg Erasmus v. V. zu Königsbach 
(t ^589) u. der Siguna v. Fronsberg. f ledig ca. 161 2 
(Huntbracht t. 142). 

S. 620 Nr. 532. Wolfg. Lud. von Hütten, S. des Hans v. H. zu Alteu- 

Grunau u. der Marg. v. Berlicliingen. Kurplalzischer Rat 
und Fallt zu Germersheim (Humbracht t. 167). 

S. 620. Nr. 333. Georg Conr. ab Helmstatt. Jüngster S. des Jörg 

V. H. (j 1574) u. der Dorothea v. Schönau, Herr zu 
Leutershausen, fürstl. Pfalz-Neuburgischer und Baden-Dur- 
lachischer Stallmeister, Amtmann zu Oppenheim f 1628. 
Verm. m. Helena v. Hirschberg: i T. (Humbracht t. 225). 

S. 620 Nr. 336. Hans Burkhard ab Helm statt, Bruder des vorigen. 

j 1595 auf der Rückreise aus Ungarn (a. a. O.). 

S. 620 Nr. 341. Mich. Heber er ist als S. der Kathar. Schwarzerd, einer 

T. des Schultheissen (}eorg S. in Bretten, ein Grossneffc 
Phil. Melanchthons (Hertzog, Edcls. Chron. X 231, wo 
unrichtig Hekerer statt Heberer). Vf. eines Berichtes über 
seine Orientreisen und seine bis 1587 erduldete Sklaverei 
in der Türkei (>Aegyptiaca servitus«). Später in Heidelberg 
Kanzleiregistrator soll er ein »fatales End genommen haben« 
(Churpfalz. Robinson 1747. Vorrede Bl. 4) — jedenfall> 
nicht vor 1623, wo er noch en^-ähnt wird (freundl. Mitt. 
des Herrn Landgerichts rat Huffschmid i. Konstanz). 

S. 620 Nr. 343. Steph. Sigism. Sprenger gehörte einer Familie an, die 

mit der Hofapotheke belehnt war. Er war wie sein Vater 
pharmacopoeus electoralis (Huffschmid). 

S. 621 Nr. 546. 1586 März 7 i. Heidelberg immatrikuliert: »Heinrich von 

Schwerin, nobilis Pomeranus«. Er stammte aus Anklam 



628 Knod. 

buch de anno 1600 hingevinesen, der schon im Jahre 1784 
in einer rheinischen 2>itschrift bekannt gemacht, falschlich 
den 8. Juli als Todestag angiebt: »Illustrisumus princeps 
Marchio Badensis Eduardus Fortunatus praeceps de climace 
dilapsus in arce hora XII. noctis subito expiravit. 8. Julij. 
Deus animae ipsius misereatur. Amen.« (Beitrage zur 
Sitten-Lehre, Oeconomie, Natur-Lehre, und der allgemeinen 
teutschen, und besondern Vaterlands-Geschichte. IV. Stück. 
Frankfurt a. M. 1784. S. 43). 

S. 621. Nr. 353. Christoph. Wertwein, Pfortzheimensis. ÜTber diese 

Pfortzheimer Familie vgl. Pfluger, Geschichte von Pfort/- 
heim S. 197 a. i. 

S. 624 Nr. 364. Das Stammbuch des Rechtskandidaten Balthas. Erleholz 

in der Kgl. offen tl. Biblioth. zu Stuttgart. *E. hielt sich 
1597 — 99 in Ingolstadt, 1599—1600 in Passau (!) auf« 
(W. V. Heyd, Die histor. Handschr. der Kgl. öffentl. Bibl. 
zu Stuttgart S. 148). Das letztere will nicht gut zu dem 
Paduaner Eintrag passen. 

S. 624 Nr. 368. Joachim Aliwig Grave zu Fürstenberg, S.Friedrichs 

Gf. V. F. und der Elisabeth Gfn. v. Sultz, geb. 1587. 
Kaiserl. Kämmerer und Hauptmann. 7 16 17 Febr. 4 
(Stammtafel). 

S. 624 Nr. 369. Jac. Ludwig Graff zu Fürstenberg, Bruder des vorigen, 

geb. 1592. Kaiserl. Rat, Kämmerer und Greneral-Feldzeug- 
meister, kf. bayr. Rat u. General der Artillerie. Venu. m. 
Helene Eleon. v. Schwendi. f 1627 Nov. 15 (1. c). 

S. 625 Nr. 380. Carol. Marchio Badensis, geb. 21. Juni 1598 zu Hach- 

berg. f 27. Juli 1625 zu Boulogne als Gesandter seines 
Vaters auf einer Reise nach England begriffen. Reiste in 
der Jugend in Frankreich. England, Holland. Kriegsmann * 
(Sachs IV, 493. Obser, Diversionsprojekt Markgraf Georg 
Friedrichs, diese Zeitschrift V, 323). 

S. 629 Nr. 420. Gallus Eschenreuter supplicierte bei den Scholarchen, 

an Stelle des verstorbenen Massarius die Professur der 
Medizin an der hohen Schule zu Strassburg zu versehen: 
er habe in Strassburg und auf andern deutschen Univer- 
sitäten, auch in Italien studiert; er hofft, sich nicht nur als 
nützlich zu erweisen, sondern bald unentbehrlich zu machen 
und erklärt, jedem ihm zugewiesenen Lehrauftrag aus den 
weiten Gebiete der Medizin wie der philosophia naturalis 
mit Eifer sich zu widmen (ex Arg. 1564 Okt. 23 
Thom. Arch.). 



Oberrheinische Studenten in Padua. 



629 



Register. 



isen Zahlen (15. 16. 17.) beziehen sich auf den entsprechenden Band 
der Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. 



, Joh. Gebh., Const. (M 573) 

426. 

Joh. Georg., Const. (J 621) 

379. 

ic, Itenav. Als. (M 622) 15. 

Zach., Colmar. (M 651) 16. 

Jh. Petr., Phorc. (M618) 16. 

• 

^ar. Marchio (J 621) 16. 625, 

628. 
1. Fortun. Marchio (.1 592) 

352; 17. 627. 
Frid. Marchio (.1 590) 16. 

; 17. 627. 

Isaac, Durlac. (J 656) 16. 

• 

»r, Henr., Arpent. Als. (.1 579) 

23. 
h., Ueberlinjj. (M 553) 16. 

• 

Euseb., Argent. (,] 550) 15. 

Joh., Argent. (M 576) 15. 

Dav., Argent. (.1 580) 15. 

I, Steff., Ratispon. (.1 576) 15. 

1, Ant. Henr. (,T 620) tfJ. 257, 

.1 574) 16. 251, 206. 
If. {.I 574) 16. 251, 2o(.. 
Petr., Als. (J 571) 16. 250, 201 . 
Joh. Ern. (.1 600) Iß. 2;;6, 

Je Ilallis, IJlr., Colniaricnsis 
16. 252, 210. 



Besold, Wilh., Brisg. Sultzensis (J 589) 

16. 620, 342. 
[Beulher, Mich. (Carolostad.) (J 554) 15. 

234. »oj. 
[Beutterich, Petr., Montispelligard. (J 569) 

16. 615, 300; 17. 626. 
Beza, Joh. Frid., Argent (M 629) 15. 

441, 142. 
Bingen, Joh. Const. (M 640) 16. 635, 465. 
Bischoff, Sebast, Const. (M 585) 16. 

619, 330. 
Bittelbronn, Joh. Petr., Argent. (J 559) 

15. 235, 13. 

— Joh. Phil., Argent. (J 600) 15. 251,69. 
Bitter,. Ulr., Heidelberg. (.1556)15.613. 

292. 
Bitterolff, Car., Durlac. (J 589) 16. 621, 350. 
Blarer a Wartensee, Joh. Jac. (.1 597) 

16. 622, 359. 

Blech, Balth., Landser. (,J 587) 16 252. 215. 

— Joh. Leon., Als. (.1 604) 16. 254, 232. 
[Biotins, Hugo, Delphensis (.T 571) 15. 

237. «7; 17. 621]. 
Blum, Georg., Colmar. Als. (M 632) 16. 

260, 274. 
Bock a Gerstheim, Beat. Jac. (.1 624) 16. 

257. 252. 
B<")cklin von B()cklinsau, Balth. (.1 594) 

16. 250, 60; 17. <)23. 

— — Hans Chph. (.1 (>2i) 1.'), 255, 91. 

— — Hans Fridr. (.1 <>oo) 15. 251, (>H. 
Hans Lud. (.1 S53^ 15. 234, 8. 

— — Hans Lud. (.1 y^<).\) IT». 249, 57; 

17. 623. 

— — Lud. 1.) 552) 15. 234, 7. 

— — Phil. (.] v>o) 15. 247, 52: 17.622. 

— — Phil. Dict. (.1 5SQ) 15. 247, 45; 
17. Ö22. 

— — Phil. Ulm. ul <)I5) 15. 254, S2. 



630 



Knod. 



Böcklin von Böcklinsau, Ulm. ^J 590) 

15. 247, 51. 

Wolflf Lud. (J 615) 15. 253, 81. 

Boeder, Joh., Argent. (M 673) 15- 445, 153. 
in Bollweiler, Const. Baro (J 571} 16. 
250, 198. 

— Georg. Baro (J 571) 16. 250, 199. 

— Joh. Baro (J 548) 16. 246, 185. 

— Rud. Baro (J 571) 16. 250, 200. 

Bosch, Bartholom., Acronian. (J 646) 16. 
• 626, 398. 

a Botzheim, Bernh. (J 612) 15. 253, 77. 

— Joh. Bernh. (J 573) 15. 239, 20. 

— Joh. Car. (J 582) 15. 244, 36. 

— Joh. Dav. (J 593) 15. 248, 56. 

— Joh. Frid. (J 615) 15. 254, 83. 

— Joh. Hartm. (J 616) 15. 254, 85. 

— Joh. Wilh. (J 573) 15. 238, 19. 

— Wilh., March. Badensis (J 577) 16. 
6»7. 3«3. 

Brack, Joh. Georg. Jos., Const. d. (J721) 

16. 628, 416. 

Bracken hofFer, Andr., Argent. (J 642) 

15. 256, 99. 

— Elias, Argent. (J 646) 15. 257, loi. 
Brantz, Joh. Jac, Argent. (M 662) 15. 

445» 152. 
Braun, Joh. Jac, Argent. (M. 590) 15. 

436, 123. 
Breh, Joh., Ueberlingen. (M 639) 16. 

635, 460. 
Breytschwert, Petr., Phorcen. (J 569) 

16. 615, 301. 

Broch, Joh. Dominic, Const. (J 668) 

16. 627, 408. 
a Brumbach, Joh. Simon (J 595) 15. 

450, 167. 
Brüning, Joh. Conr., Ensishem. (J 573) 

16. 251, 204. 
Burger, Joh., Colmar. (M 664) 16. 261, 

282. 
Cisner, Nie. (Mosbacensis), (J 558) 16. 

613. 293. 
Dasypodius, Theophil., Argent (J 574) 

15. 239, 21; 17. 621. 
Denaysius, Petr., Argent. (J 579) 15. 

242, 27. 



Deodatus, Claud., Grebweil. (M 599) 16. 
259, 266. 

Diehemius, Laur., Argent. (J 590) 15. 
247, 49. 

Dietrich, Dominic, Argent. (J 646) 15^ 
256, 100. 

Dimar, Rud., Heidelberg. (J 633) 16. 

625, 386. 
Dinkel, Dan., Argent. (M 621) 15. 440, 

137- 
Dinner, Conr. Acrunian. (J 563) 16. 

614, 294; 17. 625. 
Doldius, Leon., Hagenoen. (M 592) 16. 

359, 265. 
Dominicus , Steph., Fontano • SuDgoic. 

(M 614) 16. 259, 269. 
Dommervogel, Franc, Ensishem. (M 645) 

16. 260, 279. 
Düme, Dieter., Argent. (J 621) 16. 

255. 90. 
Eberhard, Henr., Als. (J 600) 16. 253, 

224; 17. 624. 
Eberhart, Joh. Jac, Acronian. (J 645) 

16. 626, 396. 
Eberlin, Luc, Argent. (M 583) 15. 434t 

113- 
[Ebersberger, Jac, Austiius (M 584) 15. 

434, 114]- 
Eisenschmied, Joh. Casp., Argent. (M 6S3) 

15. 448, 160. 

Erberg, Petr., Argent. (M 708) 15. 449» 

164. 
Erleholcz, Balth., Ueberling. (J 599) 16. 

624, 364; 17. 628. 
Eschen reuttcr, Gall., Ueberling. (M 560) 

16. 629, 420; 17. 628. 

Espich, Dan., Argent. (M 648) 15. 443t 

148. 
Esthius, Casp., Argent. (M 577) 15. 

433» '09. 
Faber, Henr., Heidelberg. (J 589) 16- 

621, 344. 
a Falckenstein, Joh. Chph., Als. (J 599) 

16. 253, 220. 
Feeder, Isaac, Schopfensis (M 632) 16. 

634. 456. 
Ferber, Joh., Argent (J 615) 15. 254» ^' 



632 



Knod. 



Graseck, Georg., Argent. (M 587) 15. 

435. "9. 

— Paul., Argent. (J 585) 15. 245, 40 ; 

17. 621. 
Gravius, Lud., Heidelberg. (M 569) 16. 

629, 423- 
Gremp a Freudenstein, Chph., (J 594) 

16. 253, 218. 

— (— ) Dionys., Württemberg. (J 553) 
16. 248, 190; 17. 624. 

Heinr., Als. (J 601) 16. 253, 225. 

— - Job. Lud. (J 578) 15. 240, 24. 
Grünbach (Coriompach), Casp., Argent. 

(M 495) 15. 452, 173. 
Guetman, Steif., Const. (M 603) 16. 

633» 443- 
Güntzer, Augustin., Als. (J 561) 16. 

249, 194. 

— Job. Conr., Als. (J 609) 16. 256. 240. 
Gutl, Helfer., Brisgoius (M 554) 16. 

629, 419. 

Haan, Matthi. Wilh., Selestad. (M 691) 

16. 262, 287. 
Hageloius, Alb., Const. ( J 579) 16. 6 1 8, 3 1 6. 
Hager, Mich., Ueberling. (M 583) 16. 

630, 429. 

— Mich., Ueberling. (J 587)16. 620, 335. 
Hamelnian, Frid., d. Arg. (Th 604) 15. 

452, 179. 
Hamma, Matthae., Waltzhut (J 653) 16. 

627, 403. 
in Hanau, Frid. Casim. Comes (J 645) 

16 258, 260. 

— Job. Reinhard. Comes (J 586) 16. 
252, 211. 

— Dns in Lichtenberg, Phil. (J 571) 
16. 250, 202. 

— Phil. Wolf. (J 606) 16. 255, 236. 
de Hartmannis, Job. Rud. (J 646), 16. 

626, 399. 
Hartungus, Henr., Friburg. (Th 586) 16. 

63». 434- 
Hauwenstein, Marq., Bruchsalensis (J 587) 

16. 620, 334. 
Heberer, Mich., Bretta. Palat. (J 589) 

16. 620, 341; 17. 626. 
Heckheler, Job., Argent. (M 693) 15. 

449» 162. 



Hedio. Euseb., Argent. (J 554) 15. 

235, 12; 17. 621. 
Hegelin, Mart., Thannensis Als. (J 646) 

16. 258, 261. 

Heinrici, Job. Jac, Argent. (M 684) 15. 

448, 161. 
Heinris, Job. Heinr., Als. Selestad. 

(M 643) 16. 260, 277. 
Helbling, Casp., Friburg. (M 605) 16. 

633. 445- 

— Ferd., Friburg. (M 646) 16. 635, 468. 

— Joh. Casp., Friburg. (M 633) 16. 

634. 457- 

Heller, Job., Argent. (J 581) 15. 242, 32. 

ab Heimstatt, Burkh. (J 587) 16. 620, 336; 

17. 626. 

~ Frid. Alb. (J 628) 16. 625, 385. 

— Georg. Conr. (J 587) 16. 620, 333; 
17. 626. 

— Joh. Weip. (J S85) 16. 619, 331. 

— Phil. (J 599) 16. 623, 363. 

— Raban. (J592)16.62i, 351; 17. 627. 
Henninger, Joh. Sigism., Duriac. (M 693) 

16. 637, 478. I 

Hertzog, Job., Weissenburg. (M 559) 16. | 

259. 263. i 

Heyss, Car., Argent. (J 574) 15. 240, 22. ! 
Hiller, Nie, Const. (J 580)16. 618,318. 
Hocher, Joh. Paul., Friburg. Brisg. 

(J 642) 16. 626, 392». 
von Hochfeld, Hans (J 623) 15. 255, 95' 
ab Hochfelden, Paul., Argent. (J 566) 

15. 237, 16; 17. 621. 
Hochstetter, Petr. Paul., Tubing. (M 586) 

16. 631, 433. 
Hofer, Tobias, Mulhus. Als. (M 651} 

16. 261, 281. 
Hofman, Conr., Friburg. (M 597) 16- 

632, 438. 
in Hohengeroltzeck, Quält. Baro (J 564) 

16. 614, 295; 17. 625. 
Holtzapffel, Mart., Rottenburg. Suev- 

(M 582) 16. 630, 428. 
[— Jac., Spircn. (J 558) 16. 248, I90- 
[Hübner, Jodoc. Valent., Meinnngi- 

Henneberg. (M 673) 15. 451, 169.] 
Hugelius, Car., Heidelberg. (M 596) Iß- 

632. 437- 



634 K, 

Malleoliu, B«ned., Argent. {M 6ij) 15. 

44'. '40. 
Mappus, Marc, Argen t. (M 66o) 15. 

444. "S"- 
Marbach, Phil-, Ai^ent. (M $9°) 15. 

436. iJi. 
Marx von Eckweiiheim, MeyUch (J 594) 

15. 249, %S. 

von Massenbach, Severio, Rheneniis 

(J 55') IS. 611, 289*. 
Muu, Mich., Stockacheasis (J 570) 16. 

615, 303. 

— Joh. Chph., Stockachensis (J 589) 
6»". 34S- 

Megrer, Theob., Sangoicas (J 558) 16. 

249. 191- 
Hcllssu), Paul., Franco, (Heidclbe^.) 

(J 574) 18- 616. 310- 
Meiner, Joh. Conr., Conslant. (M 693) 

16. 637, 477. 

Meuenbaiuer, Phil., Argem, ij 596) 16. 

350, 66. 
Meyer, Matthae., Argent. (M 641) 15. 

443. 145. 
von Mitlelhausen, Hans Lud. (J öoif 

16. 254, 329, 
Mock, Elia», Argent. (M 598)15. 437. 128. 
Moggk, Jac , Fribnrg, (M 568) 16. 6:9, 

433. 
a Habheim, Wolffg., Argent. (J 651) 

15. 357. "Ol 

— Dan., Argent. fj 563} 15. 236, 15. 
a Montfort, Wolfg. Coract (J 579) 16. 

617. 3'4. 

— Joh. (J 572) 16. 616, 306. 
Ma*er, Franc. Car., Hilzing. Hegoini 

(J 695) 16. 62S, 413. 
Müg a Boftzheim, Sebast. (J 540) 15. 

452. 183. 
a Miillenheim, Joh. Ca»p. (J 629) 16. 

258. 354. 
Müller, Phil., Fribnrg. (M 609) 16. 

634, 447- 
Münster, Joh., Heilbroun. P«J. (M 596) 

16. 632, 436. 

MOrwi, Georg,, Argent. (J 600) 15. 
2;i. 70: 17. 623. 



Mylius, Job., Argent. (J 547) 15.451. (7I 
■ Myller, Georg. Franc-, Selestad. (U 644] 
' 16. 26o, 278. 
Nager, Melch., Argent (M 580) 15. 

433, in. 
[Nervius, Job., HeresbacheniU (J SMl 

15. 235, M; 17. 620]. 
— Joh., Argent. (J 586) 15. 246, 41: 

17. 621, 
Neser, Joh. ßemh.. Als. (J 604) 16. 

ISS. n*i 17- 634. 
Neuner, Chph., Argent. (J 578) 0. 

241. 15. 
[Nicolai, Henr., Lubecensit {M 675) 16 



4S'. 



170. 



Obele, Joh. Georg.. Argent (M 633) 15. 

440, 138. 
Obertin, Georg. Adolf., Benfeld. (M 6741 

16. 261, 284. 
Obrecbt, Dan,, Argent. (M 581) In, 

434. M2. 

— Henr., Ai^ent (M 5S9) 15- 349. 59- 
Oedenstein, Hilar., Conctant (M 6}4l 

16. 635, 464. 
Opser, Chph,, Marckdotf. (M $85) IS. 

631, 432. 
Opsopoeus, Sim., Brelta. I>al. (M 60)| 

16. 632, 440. 
ab Ostheim, Job Theoder., Ala. |J iql 

16, 254, 231; 17. 624. 
Painier, Joh. Franc., Mariipurg. Ana. 

(M 676) 16, 636, 474. 
Palatinns Rheni, Lud. Phil. Cooo 

(= Phil. B Kageneck f. D.) (J S99' 

16. 623. 361. 

— Woifg. Wilh., {J 597) 15. 633, 360. 

Coluar. (M 6S4) 16. 
26 1, 2S6. 
I Paulus, Bnrkh., Argent (J 633) ti. 

PimpeliuE, Andr, Ali. (M 698) IS- 

Pinastrius. Josias, Frib. Brisg. (M ]9') 

16. 632. 439, 
Prechler, Bernh. Ftid., Als. (J 6o)| l!>. 

251. 71: 17. 623. 
Preyi* gen. Schneider, Gottlieb., Al>- 

I.T 620) 16. 257, 247. 



636 



Knod. 



Schill. Joh. Georg., Durlac. (J 628) 16. 

625. 384. 

Schiller, Elias, Badens. (J 604) 16. 
624, 367. 

Schilling, Frid., Argen t. (J 674) 15. 
258, 104. 

— Joh., Argent. (M. 645) 15. 443, 146. 

— Paul., Als. (J 585) 15. 244, 39; 
17. 621 

Schlitzweck, Chph., Rubeaquen. (M 618) 
16. 259, 270. 

Schmaus, Joh. Mich., Friburg. Brisg. 

(J 625) 16. 625, 382. 
Schinid, Joh. Frid., Argent. (J 603) 15. 

251, 72. 
Schmidt, Adam., Friburg. (M 609) 16. 
634, 448. 
—■ Joh. Bemh., Friburg. (J 647) 16. 

626, 400. 

— Lud., Hagenoen. (M 605) 15. 

439, 132. 
a Schönau, Joh., Casp. (J 565) 16. 
614, 298. 

— Joh. Rud. (J 565) 16. 614, 297. 
Schopp, Phil., Phorcen. (M 569) 16. 

630, 425. 
Schuch, Matthi. Ign., Argent. (686) 15. 

452, 182. 
Schulthaiss, Joh., Ueberlingen. (J 580) 

16. 6i8, 319. 

— Marc, Constant. (J 578) 16. 617, 

315- 
Schussou, Joh. Dan., Argent. (M 673) 

15. 445» »54- 
Schutzinger, Laur., Friburg. (M 614) 16. 

634. 452. 
a Schwambach, Joh. Andr., Ueberlingen. 

(J 530) 16- 613. 290. 
[a Schwerin, Heinr. (J 589) 16. 621, 
346; 17. 626.] 

[de Spina, Petr. (M 585) 16. 631, 431.] 
a Seebach, Joh. Georg. (J 553) 15. 234, 9; 

17. 623. 

— Joh. Georg. (J 610) 15. 253, 76; 
17. 623. 

— Phil. Jac, Als. (J 581) 16. 243, 33; 
17. 621. 



Sebitz, Joh. Paul., Argent. (M 583) 16. 

447. »58 
— Melch., a Falkenberg (M 569) 15. 

432, 106]. 

— Melch., Argent. (M 603) 15. 438, 

130. 

— Paul., Argent. (M 648) 15. 442, 147. 

Seiblin, Joh. Theodos., Argent. (J 614) 

15. 253, 80. 

Semmelbecker, Dieter., Nicerinus (M 573} 

16. 630, 427. 

Sevenus, Franc, Argent (M 535) 15. 

452, 177- 
Seyer, Joh., Rothavien. (M 621) 16. 

260, 271. 

[Sifanus, Laur., Sleidan. (J 250) 15. 

231, 3] 
Sigl, Franc. Jos., Friburg. (M 678) 16. 

• 636, 475. 

Simon, Wolffg., Friburg. (M 618) 16. 

634. 450 
Sprenger, Steph. Sigism., Heidelbeig. 

(M 589) 16. 620, 343; 17. 626. 

Staedel, Joh. Frid., Argent. (M697) 15. 

471, 152. 

— Tobias, Argent (J 618) 15. 253, 78. 
Staffel a Falcken stein , Joh. Theoder. 

(J 600) 16. 253, 221; 17. 624. 
[Stanger, Thom., Phrysius (J 570) 16. 

615, 302. 
Steinfelder, Ant., Argent (M 586) 15. 

435, »i8- 
Steinicher, Joh., Argent. (M 623) 15> 

44». »39. 
Steinmeyer, Joh. Paul., Friburg. (J 654) 

16. 627, 404. 

Stemler, Joh. Henr., Argent (J 59^) 

15. 247, 48. 
Stiegler, Sam., Argent. (M 68 1) 15* 

447. 157- 
Stoppelius, Beruh., Constant (M 6io| 

16. 634, 449. 
Stör, Hier., Ostrach. (J 570) 16. 615. 

304. 
Storck, Joh. Petr., Argent (J 623) l* 

255, 94. 

— Petr., Argent (J 578) 15. 241, 2^. 



I 



638 



Knod. 



Wilwisheim, Joh. Dan., Argent. (M 652) 

15. 442, 149- 
a Windeck, Jac. (J 590) 16. 621, 348. 
Woik, Adrian., Constant. (M 617) 16. 

634f 453- 
Wolf von Renchen, Frid. (J 573) 16. 

251, 205. 

Wurmser, Nie. Jac, Als. (J 581) 15. 

243. 34- 
— von Snndhausen, Hans Jac. (J 614) 
15. 253, 79; 17. 623. 



Wurmser von Vendenheim, Joh. Jac. ion. 

(J 599) 15. 251, 67; 17. 623. 
Würtz, Felix, Argent (J 609) 16. 

252, 75. 
Zinzerlin, Jac. Ant., Constant. (J 696) 

16. 628, 414. 
Zittelin, Joh. Mich., Argent. (M 626) 15. 

453. 184. 
Zottin, Joh. Sebast., Offenburg. (M 620) 

16. 634, 454. 
Zundel, Wolfg., Constant. (J. 568) 16. 

615, 299; 17. 625. 



640 Lang. 

aber nur selten, ein Maximum von 20 — 30 Metern. Diese 
Bohnerze finden sich hauptsächlich auf den Hochebenen 
von Stetten, Lohn und Büttenhardt in weiter Verbreitung. 
Hier sind ganze Waldungen, ganze Gewanne nach den 
unansehnlichen braunen Schätzen durchwühlt. Zahlreiche 
alte Erzgruben, meist ehemalige Tagebaue, sowie in ihrem 
Bereich über die Felder verstreute Ofenschlacken, deren 
sich auch noch an manchen andern Orten finden, z. B. im 
Liblosenthal bei Beringen, im Merishauserthal und bei 
Bargen, bekunden die einst nicht unwichtige technische 
Bedeutung dieser Lagerstätten und weisen zugleich auf 
ein jedenfalls sehr beträchtliches Alter des dortigen Berg- 
baues hin»). 

Leider ist über die frühesten Zeiten dieses Betriebes 
so gut wie nichts bekannt. Nur bis ins 17. Jahrhundert 
lässt sich die Sache mit Hülfe des im Schaffhauser Staats- 
archiv liegenden Materials zurückverfolgen, zwar nicht für 
den Reyat, der erst im 19. Jahrhundert wieder eine Rolle 
spielt, wohl aber für den Klettgau. 

Am 26. Juni 1622 schlössen nämlich Abt Martin von 
St. Blasien, Karl Ludwig, Graf zu Sulz, und Maximilian, 
Landgraf zu Stühlingen, kais. Majestät und des Reiches 
Erbmarschall, einen Vertrag auf 20 Jahre zur Ausbeutung 
des in«) Eberfingen bei Stühlingen von der Gnade Gottes 
und der Natur reichlich und gut vorhandenen Bohnerzes; 
sie gründeten ein Eisenbergwerk, wie man es damals hiess, 
d. h. sie bauten einen Hochofen, für welchen St. Blasien 
einen grossen Teil des Holzes lieferte, und eine Schmiede 
oder ein Hammerwerk. Der Vertrag wurde am 16. Sep- 
tember 1643 durch einen zu Feuerthalen getroffenen Rezess 
bis 1649 verlängert. Dann wurde Abt Franciscus von 
St. Blasien ausgelöst, und der Ertrag des Eisenbergwerks 
fiel von nun an zu ^^ Herrn Friedrich Rudolf, Grafen zu 



•) Vgl. Arnold Münch, Die Erzgruben und Hammerwerke im Frickthal 
und am Oberrhein, in Argovia XXIV, 19 f. Aarau 1893. — *) I^Je Geologen 
vcrbichem, dass in Eberfingen selbst nie Erz gefunden worden sei. Es ist 
wohl möglich, dass Eberfingen nur wegen seiner für die Holzzofuhr günstigen 
Lage an der Wutach gewählt und das Erz von Anfang an aus der (.rraf* 
Schaft Sulz bezogen wurde. 



642 Lang. 

SchafFhausen liegender, zwar undatierter, aber vermutlich 
ca. 1677 anzusetzender Rechnungsauszug ist geeignet, einen 
Begriff von der Anlage zu geben. 



Überschlag 
des Ertrags des Bergwerks Eberfingen. 

Aus Eisen durchschnittlich 28000 fl.; aus Salz, Schmalz u. s. w 
1500 fl. Der Profit an Salz, Schmalz, Früchten und Waar ist 
vor diesem auch für eine ziemliche Einnahm zu rechnen gewesen. 
Nun aber wird den Erzführem statt 10 kr. von dem Kübel, für 
die sie lauter Waar mit etwas Aufschlag nehmen mussten, der- 
malen 7 1/2 kr. mit meistens Baargeld bezahlt. Auch stehen 
Kernen und Schmalz beinahe so hoch, als sie den Laboranten 
abgegeben werden. 

Ausgaben. 

Erz durchschnittlich 20000 Kübel i 2 kr. . . 666 fl. 

Graben der Kübel ä 6 kr IQQ^ * 

Führen der Kübel i 7 1/2 kr 2500 » 

Holz 7000 Klafter zu Kohlen 15 — 20 kr. auf 

dem Stumpfen >750 * 

Macherlohn per Klafter 301/2 — 36V2 kr. . . . 3850 » 
Dies Holz an das Wasser zu ziehen kostet . . 2500 > 
Solches anhero zu flözen und auf den Platz 
zu bringen kostet, wenn es glücklich von 

statten gehet 1800 » 

Der HolzflozzoU 230 > 

Eingekaufte Kohlen 2800 > 

Das Kohl von dem Platz auf den Schmelzofen 

und in die Schmitten zu tragen . . . 300 » 

Die Steine zu dem Schmelzofen zu brechen und 

von der Weiten herbeizuführen ... 100 » 
Baukosten über das ganze Werk und Wasser 
Gebäuw samt beiden Claussen und Clauss- 
bächen auf dem Wald, so über Zimmerleut 
Maurer u. s. w. ergehet, samt den Labo- 
rantenschichten 1800 » 

Die Bälgkosten Jahrs zu unterhalten und von 

neuem zu machen ein Jahr fürs ander . 40 » 

Die Eissenformen 40 » 

Die Kalkstein zu einer Schmeizi den Kübel zu 

bachen k 2 kr 260 » 

Aulsetzerlohn, so lange die Schmelze gehet, 

wöchentlich 6 fl 160 > 

Der Schmelzerlohn für den Schmelzer u. 2 Knecht 600 > 



644 Lang 

die Sache und der Traktat einzurichten sei. Nach einem 
zweiten Augenschein in Anwesenheit der Stühlingischen 
Beamten (11. September 1678) beschloss») der Rat auf 
Antrag seiner Deputierten, durch den Vogt von Baltersweil 
und zwei oder drei fremde Erzgräber im Wilchinger Bann 
einige Kübel Erz von dem daselbst befindlichen grossen 
Vorrat zur Probe graben zu lassen. Der Landvogt von 
Neunkirch, Dr. med. Johann Ott, musste vorher die 
Gemeinde Wilchingen versammeln und ihr mitteilen, dass 
sie bei Leibesstrafe weder mit Worten noch mit Werken 
die fremden Erzgräber antasten oder beleidigen dürften, 
weil Unsere Gnädigen Herten ihnen obrigkeitlichen Schutz 
und Schirm und gute Sicherheit zugesagt hätten. 

Die gelieferte Erzprobe scheint brauchbar befunden 
worden zu sein; denn nach verschiedenen Konferenzen 
wurde am 21. Oktober 1678 zwischen vier in SchafFhausen 
erschienenen Stühlingischen Beamten im Namen des 
Fürstenbergers einer- und Bürgermeister und Räten von 
Schaffhausen anderseits ein Kontrakt über Erzlieferungen 
auf die Dauer von 15 Jahren abgeschlossen, dessen wesent- 
lichste Bestimmungen kurz folgende sind: 

1. Fürstenberg verpflichtete sich, das Erz auf seine 
Kosten graben, säubern und nach Eberfingen führen zu 
lassen, und versprach, für jeden Kübel i Batzen = 4 kr. 
dem Seckelamt in Schaffliauser Währung vierteljährlich zu 
bezahlen. Schaff hausen behielt sich sicherheitshalber vor, 
Einsicht zu nehmen von den Rechnungen des Bergwerks- 
direktors in Eberfingen und in die Buchhaltung, die für 
die Fuhrleute und Bergknappen geführt wurde. Wenn 
das Messen in Eberfingen sich nicht bewährte, durfte Schaff- 
hausen das Erz bei den Gruben durch einen eigenen An- 
gestellten messen lassen. 

2. Vor Beginn des Grabens sollte ein bestimmter 
Distrikt ausgezeichnet werden, der die Anlage dreier 
Gruben ermöglichte. Die Knappen hatten sich durch einen 
körperlichen Eid zu verpflichten, in diesem Distrikt zu 
bleiben, sich »alles vorteiligen Gesüechs« zu enthalten und 



') S. Ratsprotokoll vom 17. September 1678. 



646 Lang. 

wurde bald nachher vom Rat Landvogt Ott betraut. 
Schon war Vogt Christian Gschell an der Spitze einer 
Schar von Erzgräbern, die alle aus Battersweil und Um- 
gegend stammten, auf dem Rossberg eingerückt und hatte 
mit der Arbeit begonnen. 

Dr. Ott nahm seine Aufgabe ernst, studierte den mit 
Stühlingen abgeschlossenen Akkord und schickte schon 
am 22. Oktober 1679 einen Bericht nach Schaffhausen, 
aus welchem hervorging, dass auf dem Rossberg nicht 
alles in Ordnung war. Er hatte am 5. Oktober von Vogt 
Gschell durch dessen Erzgräber Balthasar (Baiin) Külling 
von Wilchingen (es war dies der einzige zur Zeit in den 
Gruben beschäftigte Schaffhauser) die Mitteilung erhalten, 
dass derselbe die Grube im Neuweg gegen das Wangen- 
thal wegen Erzmangels zu verlassen gedenke; da die 
Grube bei lauer Witterung von selbst einfallen könne, 
möge er die durch den Vertrag geforderte Besichtigung 
so bald als möglich vornehmen. So musste sich Ott, der 
gern die Grube am nächsten Sonntag in Abwesenheit des 
Vogts und seiner Leute besichtigt und, indem er Baiin 
Külling nachgraben Hess, konstatiert hätte, ob noch Erz 
vorhanden sei oder nicht, zu sofortiger Besichtigung ent- 
schliessen. Die Grube hatte 3 — 4 Ruten im Durchschnitt 
und war in Stollen gegen das Wangenthal ungefähr 
40 Fuss unter die Erde geführt, allein gar liederlich ver- 
baut. Als er mit einem Licht auf den Grund der Grube 
kam, wies ihm der Vogt auf der einen Seite eine Wand 
von lauter Kalk, auf der andern Seite Erde, beide erzlos; 
auf der dritten Seite aber war noch ein Stotzen oder 
Klumpen des schönsten Erzes, über 400 Kübel, die der 
Vogt noch hinauszuschaffen gedachte. Was aber unten 
am Grunde steckte, erfuhr Ott nicht, weil ihm die finstere 
Tiefe ungewohnt, noch mehr aber die schlechte Verbauung 
des unterhöhlten Stollens gefahrlich vorkam. Er behielt 
sich aber vor, künftigen Sonntag mit Külling die Grube 
genauer zu untersuchen; allein noch bevor er das Thal 
erreichte, fiel dieselbe zusammen. Otts Argwohn war 
erwacht, und er beschloss nun, mit Külling sämtliche 
Gruben zu besichtigen, und zwar am St. Thomastag, einem 
katholischen Feiertag, um, eine bessere Kenntnis dieses- 



648 Lang- 

Vorstellungen; er berief sich aber darauf, dass ihm das 
bei der letzten Begehung der Erzgruben vom stühlingischen 
Kanzleiverwalter und Rentmeister bewilligt worden sei, 
und dass die schafFhauserischen Unterthanen diese Arbeit 
auch erlernen müssten. Als er nicht nachgab, wandte 
sich Stühlingen in zwei Beschwerdeschreiben an Bürger- 
meister und Rat von Schafifhausen (20. u. 29. Juli 1680). 
In denselben wurde betont, dass der Kontrakt ihnen das 
Grraben völlig überlasse, weshalb sie den Vogt von Balters- 
weil zum Hutmann bestellt hätten, seines Fleisses und 
seiner Treue sicher. Dass der Rentmeister die Bewilligung 
zum Graben wirklich gegeben habe, sei sehr zweifelhaft; 
wenigstens vermochten die beiden Bedienten desselben 
sich dessen keineswegs zu erinnern (sie!); ferner sei zu 
besorgen, dass des Grabens unkundige Leute keine gute, 
gerechte Ware liefern, und dass unter den Laboranten 
grosse Ungelegenheiten entstehen möchten; auch bedürfe 
man bei dem vorhandenen grossen Vorrat jenes Erzes 
nicht; kurz, sie verlangten, dass der Landvogt von seinem 
Vorhaben abstehe und den Vogt bei seiner Arbeit nicht 
hindere. Schaffhausens Unterthanen könnten beim Vogt 
die Arbeit auch lernen und würden, wenn sie dazu 
geschickt seien, wohl auch angestellt werden. Dass der 
Wilchinger sich unterfangen habe, auch in den vom Vogt 
eröffneten Gruben Erz zu graben, sei ganz unleidlich und 
habe bereits zur Folge gehabt, dass der Vogt bei seinem 
Werk auf solche Weise nicht mehr bleiben wolle. 

Nachdem er diese beiden Schreiben, von denen das 
zweite in ziemlich scharfem Tone gehalten war, angehört 
hatte, lud der Rat Landvogt Ott ein, sich zu verantworten. 
Dieser nahm sich dazu reichlich Zeit und verfasste binnen 
2';2 Monaten eine ausführliche aus 6 Kapiteln bestehende 
Apologie unter dem Titel: »Des Bergwerks auf dem Ross- 
berg jetzige Beschaffenheit. Aus billich schuldiger Gehor- 
samkeit und auf gnädiges Begehren seiner gnädigen 
gebietenden Herren und Obern auf neulich gethane Klag 
der Herren Beamteten von Stühlingen aufgesetzt von Dr. 
Johann Ott, Landvogt der Herrschaft Neunkirch« (14. Okt. 
1680). Das 19 Folioseiten umfassende, schwer leserliche 
Aktenstück (die Herren Mediziner waren scheints damals 



650 Lang. 

und obgleich er, der Landvogt, und die Herren von 
Stühlingen die Erzgruben öfters visitierten, so habe man 
ihnen »einen blauen Dunst vor die Augen gemacht«, und 
man sei zu beiden Teilen wohl bezecht wieder nach Hause 
geritten. Zweifelsohne werde der Vogt oft »durch die 
Faust gelacht« haben, dass er die ehrlichen Herren so 
»meisterlich über den Tölpel geworfen«. Allerdings kümmere 
es die von Stühlingen nicht, wie ers treibe, da sie nur so 
viel Erz bezahlten, als ihnen geliefert werde, und weil der 
Vogt wahrheitsgemäss sagen könne, dass in den benach- 
barten Neunkircher Hölzern das beste Stuferz zu finden 
sei, nach welchem ihm das Maul wässere wie einem Hung- 
rigen nach Brot. Sobald das Erz etwas in die Tiefe 
gehe und zu seiner Ausbeutung etwas mehr Leute und 
Unkosten erforderlich seien, wisse der Vogt einen Haufen 
Excüsen, um die Grube zu verlassen und eine andere zu 
öffnen, mache die Verbauungen so liederlich, dass niemand 
ohne Schauder in das Loch hineinfahre, und wisse zuletzt 
eine solche Grube künstlich zum Einsturz zu bringen. 
Wenn der Vogt dies leugne, wolle er, Landvogt, die ein- 
gefallene Grube auf seine Kosten wieder öffnen und nach- 
weisen, dass sie eine Menge noch unausgebeuteten Erzes 
enthalte. In der Grube beim Ettengrabeh habe er nur 
deshalb seit mehr als einem Jahre nicht mehr arbeiten 
lassen, weil sie nicht so köstliches Erz liefere, wie die 
andern. Viele Gruben habe der Vogt geöffnet, und wieder 
verlassen, ohne den Landvogt zu rufen, angeblich, weil er 
von dieser Bestimmung des Akkords nichts gewusst habe. 
Überhaupt vagiere er auf dem Rossberg herum, wie eine 
Nülmaus und bleibe in dem angewiesenen Distrikt gar 
nicht, nur um die besten Brocken herauszuklauben und 
desto eher mit dem Rossberg fertig zu werden. 

Wie die gemachten Fehler zu verbessern seien, erörtert 
Ott im 3. Kapitel seiner Denkschrift. Er schlägt vor, den 
Külling zu beeidigen und in der vom Vogt erkauften 
Grube fortarbeiten zu lassen. Dann werde einer den 
andern beaufsichtigen. Wer eine Grube verlassen wolle, 
müsse sie durch die Leute des andern untersuchen lassen, 
ebenso müsse einer des andern substructiones und Gebäu 
besichtigen. Ausserdem müsse der Vogt von Schaffhausen 



652 Lang. 

fahren. Das Erz im Hasenmäulin bleibt liegen, weil es 
den Fremden zu entlegen ist und in der Güte d. h. Schwere 
alles andere übertrifft. 

Im 6. Kapitel wird der Gewinn, den der Vogt aus 
dem Rossberg zieht, trotz massiger Ansätze, auf jährlich 
7000 fl. berechnet. Er wird sich also in den 15 Jahren, 
auf welche der Akkord abgeschlossen ist, meint Ott, 
ziemlich bereichern, den Rossberg über den Haufen werfen, 
das Beste herausklc.uben und endlich davongehen. Zum 
Schluss beantragt der Landvogt, dass man darnach trachten 
solle, das Werk M. Gn. Herren in die Hände zu liefern, 
was zu grossem Nutzen des Gemeinwesens und der Behörde 
zu grossem Respekt dienen würde. Endlich fasst er die 
hauptsächlichsten Punkte zusammen, weshalb der Vogt zu 
entlassen, und macht Vorschlätje, wie das Bergwerk in 
Regie zu betreiben sei. Das nötige Geld will er selbst 
vorschiessen und für gutes und sauberes Erz Kaution 
leisten. 

Der Vogt erhob seinerseits vor dem Rat eine vier- 
fache Beschwerde gegen den Landvogt: i. bezichtige er 
ihn falschlich, 4 Fuhren Erz vom Rossberg nach Guten- 
burg geschickt zu haben; — 2. habe er ihn bei den Herren 
von Stühlingen einen leichtfertigen Mann genannt; — 
3. gedroht, ihm zu sagen, was er für ein sauberer Gesell 
sei und ihm einen Tanz vor dem Löbl. Rat zu machen; 
und 4. ihn mit Hunden vom Rossberg zu hetzen. — 

Es wurde nun zunächst wieder einmal ein Augen- 
schein auf dem Rossberg eingenommen, bei welchem Rent- 
meister Planer sein Befremden darüber aussprach, dass 
dem Landgrafen zu Sulz Erz angetragen und sogar einige 
Wagen voll zur Probe nach Gutenburg geführt worden 
seien (19. Okt.). Landvogt Ott erklärte, dazu genötigt 
gewesen zu sein, weil Bergdirektor Rappi sich geweigert 
habe, das durch Külling und seine Knappen gegrabene 
Erz anzunehmen. Vom dortigen Bergverwalter, Herrn 
Strohmajer, habe er erfahren, wie vorteilsüchtig sich der 
Vogt vormals auf Altvirren in den sulzischen Gruben 
benommen habe. Es ergab sich sodann, dass die Fuhr- 
leute bald von dem Haufen Erz, der dem Vogt gehörte. 



^54 Lang. 

erklärte sich der Vogt bereit, von seinem Profit auf jeden 
Kübel auf dem Rossberg gegrabenen Erzes dem Seckel- 
amt I kr. auf ein Jahr lang und zur Probe zu bezahlen. 
Ott aber musste von fernerem Erzgraben abstehen und 
dem Vogt die bewussten drei Erzgruben überlassen. Dieser 
übernahm hingegen alle über dem Graben und Wieder- 
verschütten ergangenen Kosten. 

Auf Grund sorgfältiger Prüfung des gesamten Akten- 
•materials darf ich mir wohl das Urteil erlauben, dass Otts 
Ausführungen in allen Punkten das Richtige trafen und 
seine Vorschläge verdient hätten, angenommen zu werden. 
Wenn dies nicht geschah und es noch 120 Jahre dauerte, 
bis der Bergbau auf dem Rossberg verstaatlicht wurde, 
so halfen verschiedene Faktoren hierzu mit: die Scheu, 
einen erst vor drei Jahren abgeschlossenen Vertrag umzu- 
stossen, die Besorgnis, einen sicheren Abnehmer des Erzes 
zu verlieren, und die Unlust, beim Befgbau den Staats- 
betrieb einzuführen zu einer Zeit, wo andere wichtige Ein- 
nahmequellen des Staates, das Salzregal und die Zölle, 
verpachtet wurden. Otts Eingreifen erreichte wenigstens 
so viel, dass die rückständigen Zahlungen geleistet wurden. 
Bis zum 5. Oktober 1680 waren 22527 Kübel Erz nach 
Eberfingen geführt und dafür in 4 Posten 1823 fl. 44 kr. 
an Schaflfhausen bezahlt worden. Auf dem Rossberg 
lagen noch etwa 14000 Kübel, für welche iiöö'/s fl. in 
Aussicht standen. Es war somit dem Seckelamt eine 
nicht unbeträchtliche, regelmässige Einnahme gesichert. 
Der Regiebetrieb würde allerdings ohne Zweifel einen 
bedeutend höhern Reingewinn abgeworfen haben. 

Die Reibereien mit Stühlingen hörten übrigens noch 
nicht so bald auf. In einer Beratung von g SchafFhauser 
Deputierten am 27. Januar 1681 wurde konstatiert, dass 
der Kontrakt von Stühlingen in mehreren Punkten nicht 
gehalten werde: schon wieder standen Zahlungen aus, der 
Bergdirektor in Eberfingen führte nicht ordentlich Buch, 
die Fuhrleute wurden dort so langsam abgefertigt, das sie 
es vorzogen, ihre Ladung im Bausch (nach mutmasslicher 
Schätzung) eintragen zu lassen, wobei sie einige Kübel zu 
verlieren riskierten; auch behaupteten sie, dass der Eber 
finger Kübel zu ihrem Schaden verändert worden sei. 



656 Lang. 

müsse ^). Die Inspektoren aber fanden, dassin sechs Punkten 
dem Kontrakt zuwidergehandelt werde: die Visitationen 
würden unterlassen , die Schaif hauser Deputierten nicht 
entschädigt, die vierteljährlichen Zahlungen nicht geleistet, 
unrichtige Rechnung gefuhrt, mit den Fuhrleuten per 
Bausch abgemacht und die Buchhaltung nicht gezeigt. 
Der Geheime Rat beschloss, den Vogt an die Bezahlung 
des versprochenen Kreuzers per Kübel zu mahnen und 
ihm aufzuerlegen, vorläufig noch im Wilchinger Bann zu 
bleiben; ferner ans Oberamt Stühlingen zu schreiben und 
demselben zu verstehen zu geben, dass man auch nicht 
mehr an den Vertrag gebunden sein wolle. Derselbe 
wurde in der That am 5. September gekündigt. 

Hierauf suchten die Stühlinger, die mit »nicht geringer 
Gemütsbewegung« von der Kündigung Notiz genommen 
hatten, wieder gutes Wetter zu machen. Oberamtmann 
Baibach und Rentmeister Planer kamen in Neunkirch mit 
Bürgermeister Neukomm und Statthalter Holländer zu- 
sammen, bedauerten die Saumseligkeit des Bergverwalters, 
mit welchem wohl gar eine Veränderung werde vor- 
genommen werden, und versicherten, für die Zukunft allen 
Klagen steuern zu wollen. Die beiden Schaff hauser Herren 
gaben ihnen zu merken, dass es Mühe kosten werde, die 
Sache wieder in den vorigen Stand zu setzen, versprachen 
aber, eifrig daran zu sein, »bei morgiger Ratsversammlung 
eine Deputation auf sich und die beiden Inspektoren zu 
bringen und sodann übermorgen über Fortsetzung des 
Kontrakts zu verhandeln« (16. Sept. 1683). Planer ersuchte 
Stadtschreiber Speissegger, von dem er vertrauliche Mit- 
teilungen erhalten hatte über das, was im Werke war, zu 
vermitteln; man werde sich der Mühwaltung wegen »mit 
merklicher Dankbarkeit« einstellen; er möge auch Zunft- 
meister Sigerist und andere, an denen es auch helfen 
möchte, auf gute Inclination bringen! 

Bei solcher Vorsicht konnte es nicht fehlen, dass bei 
der am 18. September in SchafFhausen gehaltenen Kon- 
ferenz der Akkord wieder erneuert wurde. Immerhin ver- 
langte jetzt SchafFhausen, dass jedes Vierteljahr 5000 K. 



*) RP 4. September 1683. 



658 Lang. 

Im folgenden Jahre wünschten die Stühlinger, dass 
man zu Hemmenthai und Griesbach, wo erhaltenem Bericht 
nach auch etwas Erz sich finden solle, einen Augenschein 
einnehme und ihnen auch dieses Erz zu billigem Preis 
verabfolge (17. Juli 1685). U. Gn. HH. fanden es aber 
nicht ratsam, noch mehr Erzgruben öffnen zu lassen, weil 
auf dem Rossberg noch kein Mangel an Erz sich fühlbar 
mache. 

Anno 1687 finden wir Hutmann Christian Gschell durch 
Peter Abendstein ersetzt. Über denselben liefen aber viel- 
fache Klagen ein, dass er sein Amt zum ärgsten Schaden 
beider Herrschaften verwalte (20. Juli 1687). ß®i ^®r 
nächsten Visitation vernahm man daher sämtliche Knappen 
gegen ihn. Ihre Zahl war schon auf 15 angewachsen; 
darunter befanden sich 3 Wilchinger (Adrian Külling, 
Jakob Hablützel und Georg Gysel) und 4 Osterfinger (Hans 
Deuber, Martin Bächtold, Jakob Hablützel stark imd Hans 
Deuber, Wollweber). Ihre Aussagen lauteten so belastend 
(»eine alte Kuh verstehe es so wohl als er«), dass man dem 
Hutmann seine Inkapazität vorhielt, ihn absetzte und zum 
Meisterknecht machte. Zum Hutmann aber wurde auf 
Wohlverhalten hin Hans Deuber von Osterfingen ernannt. 
Zwei von den 15 Knappen waren nicht zuverlässig und 
wurden noch einen Monat auf Probe behalten; wenn sie's 
versahen, so sollten sie ersetzt werden durch Hans und 
Kaspar Richlin. Diese 15 »prästierten das juramentumc 
Im ersten Semester dieses Jahres- wurden 7020 K. Erz von 
nicht weniger als 187 Fuhrleuten, die aus weitem Umkreis 
herkamen, nach Eberfingen abgeführt. — 

Als die 15 Jahre abgelaufen waren (1693) wurde der 
Kontrakt mit Prosper Ferdinand, Grafen zu Fürstenberg, 
auf abermals 1 5 Jahre verlängert, vorausgesetzt, dass sich 
so lange genügendes Erz finden lasse. Im gleichen Jahre 
aber richteten Heinrich Hörn, Grossratsverwandter, und 
Hans Jakob Schmid von Basel an U. Gn. HH. das Gesuch, 
an solchen Orten und Enden, wo es keinen Schaden 
anrichten werde, Eisenerz graben und zu ihrer Eisen- 
schmiede im Laufen verwenden zu dürfen. Sie erklärten 
sich bereit, die obrigkeitliche Gebühr zu zahlen und einen 
Kontrakt einzugehen. Das Gesuch wurde gewährt und 



66o Lang. 

erwiderte der Meisterknecht Hans Deuber, wahr sei, dass 
in seiner Abwesenheit sieben Wagen mit Erz abgeführt 
worden seien; am folgenden Tage aber sei es ihm angezeigt, 
aber nichts gemessen, noch weniger den Fuhrleuten das 
hiefür gemachte Zeichen gegeben worden. Dennoch sei 
ihm von denselben gemeldet worden, wieviel sie jedesmal 
bei den Gruben gemessen hätten, was er in seinem Büch- 
lein aufgezeichnet habe. Es habe sich die Abfuhr der 
zwei Haufen auf iiooo und etliche loo K. belaufen. In 
gleichem Sinne äusserten sich sieben der Erzgräber. Es 
wurde nun dem Meisterknecht befohlen, hinfort keinen 
Wagen mit Erz mehr ungemessen von den Gruben weg- 
zulassen, zu diesem Zwecke die Zeichen von Eberfingen 
abzufordern und jedem Fuhrmann sein Zeichen zu geben, 
endlich die Fuhren fleissig aufzuzeichnen, um hernach 
seine Notizen mit des Bergverwalters Buch kollationieren 
zu können. 

Diese nachlässige Buchführung war wohl die Ursache, 
dass von Schaff hausen aus darauf gedrungen wurde, es 
möchten Schaffhauser Bürger zu Bergverwaltem ernannt 
werden. In der That erscheinen seit 1694 die Herren 
Leutnant Hans Georg und Heinrich Oschwald als Admo- 
diatores des Bergwerks Eberfingen, mit denen fortan regel- 
mässig abgerechnet wurde. Bei der Erzgrubenvisitation 
des Jahres 1695 beklagte sich die Gemeinde Neunkirch, 
dass die Herren Oschwald eine neue Grube in ihrem Bann, 
und zwar im Rennweghau, eröffnet und bereits 800 K. 
Erz daraus gewonnen hätten, und dass, wenn sie fortfahren 
würden, vier grosse Eichen zu Fall gebracht und viele 
Klafter Brennholz zu Grund gerichtet würden (11. April 
1695). Sie verlangten, dass die Arbeit bis zum Herbst 
eingestellt werde; dann würden sie in jenem Revier ohne- 
hin Holz zu Bürgergaben fallen, wodurch ein Platz zu 
einer Erzgrube frei werde. Oschwald erwiderte, er brauche 
jährlich wenigstens 15000 K. Erz; an andern Orten sei es 
so schlecht und wenig ausgiebig, dass die Laboranten fast 
umsonst arbeiten müssten; übrigens habe er vom Seckel- 
amt letztes Jahr die Erlaubnis zur Anlegung einer neuen 
Grube erhalten. Die Sache wurde in Minne beigelegt, 
indem die Deputierten unserer Stadt es übernahmen, sich 



662 Lang. 

nach dem Messen sowohl das Seckelamt für das Erz als 
die Erzwäscher für den Wascherlohn bezahlt werden 
sollten 1). Zur Zeit des Lachsfanges aber solle künftig die 
Rad wasche nicht gebraucht werden. Die Gruben im 
Lauferberg seien i — 2 mal jährlich zu visitieren. Die 
rechtzeitige Erneuerung des Kontraktes wurde 1721 seitens 
der Pächter des Laufens unterlassen; der Rat aber fand 
1724, es sei ein regelrechter Vertrag unumgänglich not- 
wendig und datierte denselben zurück auf den 2. Ok- 
tober 17222). 

Nach diesem Seitenblick auf den Laufen kehren wir 
zum Rossberg zurück. Im Jahre 1 707 gelangten die beiden 
Oschwald an den Rat mit dem Gesuch, wenn der Vertrag 
mit Fürstenberg abgelaufen sei, was am 11. Oktober 1708 
der Fall war, ihnen zu den gleichen Bedingungen den 
Rossberg zu »veradmodieren««). Es geschah, worauf sie 
ihrerseits wieder mit Eberfingen sich verständigten. Wel- 
chen Wert Schaffhausen auf diese Erzlieferungen nach 
Eberfingen legte, geht aus Folgendem hervor: Als im 
spanischen Erbfolgekrieg ( 1 702 — 1 714) unsere Gegenden 
von fremdem Kriegsvolk bedroht wurden, erwirkte Schaff- 
hausen 17 13 auf der Tagsatzung zu Baden von den 
13 Orten einen Salva-Guardia-Brief für Eberfingen und 
alles, was dazu gehörte. Derselbe lautet: 



»Wir Burgenneister und Rat der Stadt Schaffhausen ihun 
kund hiermit männiglich, deme dieses zu lesen vorkommt, dass 
die Hochlöbl. dreizehen Ort der Eidgenossenschaft auf gehaltener 
badischer Tagleistung in Ansehung derjenigen Einkünften und 
Nutzbarkeiten, welche wir von der nächst unsem Grenzen in 
der Landgrafschaft Stühlingen gelegenen Eisenschmitten und 
Schmelzin zu Eberfingen, wie auch der Eisenschmitten zu 
Volkertshausen und der Schmelzin in dem Kriegerthal bei Engen 
genießamlich zu schöpfen haben, eben erwähnte Eisenschmitten 
und Schmelzinnen, sonderheitlich deroselben Verwaltere und alle 
daselbsten befindlichen Arbeitsleut, was Handwerks sie auch 
immer sein mögen, zusamt denen auf dem Schwarzwald zu Neu- 
stadt und Lenzkirch unterhaltenden Holzhauern, allen Häusern, 
Gehauen und andern Zugehörungen, nichts davon ausgeschlossen, 
in Schutz und Schirm genommen und um Obiges alles ein Salva 



») RP 9. Mai 1715. — 2) Rp 15. April 1724. — ») RP ii. Aug. 170 



/• 



664 Lang. 

und für die dortigen Erzknappen, sowie die des Laufer- 
bergwerks erlassen*). Da der Wortlaut ungefähr der 
gleiche ist, genügt es, eines der beiden Dokumente mit- 
zuteilen: 

Eydt und Ordnung des Hutmannes 
der Erzgruben auf dem Rossberg. 

Ihr sollet und werdet schwören, daß Ihr den Dienst eines 
Hutmannes bei den Erzgruben auf dem Rossberg, darzu Ihr von 
dem allhiesigen Herren Seckelmeister bestellt seit, fleißig ver- 
sehen und alles das verrichten sollet, was Ewer Pflicht und Dienst 
mit sich bringet, sonderlich sollet Ihr auf die Erzgräber oder 
Erzknappen fleissiges Aufsehen haben, daß sie ihren Dienst 
gebührend versehen, das Erz in denen angefangenen Graben io 
dem Bezirk, so ihnen von beiderseits Herren Deputierten 
angewiesen worden, ordentlich graben und die Gruben, als breit 
und tief solche Erz führen , völlig erschöpfen , auch um vor- 
teiligen Gewanns willen ohne erhaltene Bewilligung der ver- 
ordneten Herren Seckelmeisteren allhier keine Gruben verlassen 
sollen. 

Ihr sollet auch alle Kübel Erz, so von dem Rossberg hin- 
weggeführt worden, ordentlich verzeichnen, damit Ihr auf Begehren 
darum Rechenschaft geben könnt, zu dem Ende sollet Ihr nicht 
in zweien oder dreien Orten auf einmal, sondern nur in einem 
Ort allein Erz führen lassen, damit Ihr dem Erz verladen selbst 
beiwohnen und die Kübel ordentlich verzeichnen könnet; und 
gleichwie zu den Erzwöschen und darzu gebrauchenden Kenneren, 
desgleichen zu dem Verbauen in dem Boden das benötigte 
Holz von allhiesigen Unterthanen hergegeben wirdt, also sollet 
Ihr hingegen so viel immer möglich Sorg tragen und verhüten, 
daß gedacht allhiesigen Unterthanen an Holz oder Boden ohne 
Not kein ungebührlicher Schaden oder Nachteil zugeführt werde; 
endlich sollet Ihr, soviel in Eueren Kräften ist, insgemein Euch 
angelegen sein lassen, daß sowohl Unser Gn. HH. als auch der 
Bergwerksbesitzeren zu Eberfingen Nutz und Frommen befördert, 
hingegen ungebührlicher Schaden und Nachteil abgewendet werde, 
alles getreulich, ehrbarlich und ohngefahrlich.« 



Der erste Hutmann, der am 17. Mai 17 16 diesen Eid 
beschwor, war Martin Bächtold von Osterfingen. Am 
gleichen Tage wurden auch die 23 Erzgräber auf dem 
Rossberg und die drei im Lauferberg auf obige Ordnung 
in Pflicht genommen. Diese Beeidigung wurde von 1725 

«) RP 17. Mai 1716. 



666 Lang. 

7 Mann, bis auf einen dieselben wie in der ersten Grube, 
welche in 38 Tagen 253 K. förderten. Die Glattyssgrube 
brachte 2916 K. in 146 Tagen. Die Grube der Beringer 
endlich lieferte in 53 Tagen 1454 K. 

Bald darauf entstanden Streitigkeiten zwischen Eber- 
fingen und Laufen , den beiden Abnehmern des Erzes. 
Zuerst beschwerte sieht der Pächter des Laufen, Johannes 
Screta, der sich , Bergherr oder Bergrat nannte (22. Dez. 
1730). Er betonte, dass der Laufen Lehen sei und daher 
vor Eberfingen den Vorzug haben sollte. Femer habe 
man ihm im Kontrakt Erz genug versprochen. Eberfingen 
betreibe statt der bewilligten drei Gruben deren zehn, gehe auf 
Raub aus und leere die Gruben nicht; es komme dem Laufen 
zu nahe und nehme ihm das Erz vor der Nase weg; auch 
habe es mit Bewilligung des Seckelamts auf dem Beringer 
Randen eine Grube angelegt. Schliesslich bat er um einen 
neuen Erzkontrakt. Derselbe wurde bewilligt und sollte 
bis zum 2. Oktober 1734 dauern. Das Seckelamt wurde 
beauftragt, jedem Teil seinen Distrikt anzuweisen, und die 
Grube auf dem Randen dem Laufen zugeteilt. Im fol- 
genden Jahre klagte Screta neuerdings. Eberfingen habe 
im Lauferberg, und zwar im Laufener Distrikt, eine Grube 
eröffnet, und verlangte, dass dieselbe gegen Bezahlung 
der Kosten dem Laufen assigniert werde (14. April i73 0- 
Eberfingen erklärte, das sei keine neue Grube, sondern 
ein Schürf, der zu einer alten eberfingischen Wäsche 
gehöre. Trotzdem wurde ihm angeraten, die Grube an 
den Laufen abzutreten. 

Bald darauf klagten beide Parteien über einander. Die 
Seckelherren erstatteten dem Rate Bericht über die Be- 
schaffenheit der Arbeiter und die Zahl der Gruben 
(29. Okt. 1731). Sie rügten, dass man nicht bergmässig 
baue und ihnen zumute, einen Distrikt von 4 Gruben, bei 
welchen nur eine Wäsche sei, für eine einzige Grube 
anzusehen. Seckelamt und Stadtschreiber erhielten Auf- 
trag, ein Gutachten abzufassen, wie die Streitigkeiten bei- 
zulegen seien. Das Jahr darauf klagten beide Teile über 
Erzmangel und baten um Anweisung eines neuen Distrikts 
(15. Juni 1732). Eberfingen wurde eingeladen, eine Grube 
im Lauferberg an den Laufen abzutreten; jeder Teil solle 



Bergbau im Kanton Schaffhausen. 



669 



Beilage. 



Eisenproduktion des 


; Bergwerks 


Eberfingen. 


1Ö60 ; 


: 25000 fl. 


1666 : 


: 27957 fl. 


1672 : 26283 fl. 


1661 : 


: 28000 » 


1667 : 


: 27096 » 


1673 : 27 162 » 


1662 : 


: 25244 » 


1668 


: 29753 » 


1674 : 29874 » 


1663: 


26260 » 


1669 : 


25818 » 


1675 : 30607 » 


1664 : 


: 28687 * 


1670 


: 28704 » 


1676 : 26606 » 


1665 


: 27924 » 


1671 


: 26791 » 


1677 • 28239 * 



Extrakt Eberfingischer Bergwerksrechnungen. 

1667. Vorschutz an Tuch, Salz, Schmalz, Früchten 

und Stahel 2046 fl. 26 kr. 

Gewinnanteil Stühlingens 8^39 * 55 * 

Gewinnanteil der Herrschaft Sulz . . . 1727 ^59» 

Erz 696 » 49V2 

1668: 1671: 1672: 

2640 fl. 51V2 kr. 3129 fl. 58^/4 kr. 3184 fl. 38^0 kr. 

7223 » 57 " » 5339 » 21V0 » 5477 » 53V2 » 

1444 » 47I/2 » 1537 » 23I/2 » 1585 » 52 

977 ^ — » 328 >> 46I/2 » 372 » 27 

Überschickt nach Schaff'hausen von Clemens Weyss im Auf- 
trage des Landgrafen von Sulz an Johann Jakob Stokar, Seckel- 
herr mit Erbieten, auch eine vollständige Rechnung auf Ver- 
langen zu senden. 

Thiengen, 8. Oktober 1677. 



Ein badisch-preussisches Vermählungsprojekt 

aus dem Jahre 1792. 

Von 

Karl Obser. 

Im ersten Bande der »Politischen Correspondenz 
Karl Friedrichs« hat ErdmannsdörfFer ein Schreiben vom 
14. August 1792 veröffentlicht, aus dem sich ergiebt, dass 
in jener Zeit von einer ehelichen Verbindung des jungen 
Kronprinzen von Preussen mit einer Enkelin Karl Friedrichs 
und Tochter des Erbprinzen Karl Ludwig von Baden die 
Rede war»). Weitere Aktenstücke, die über die Angelegen- 
heit Licht verbreiteten, lagen den Bearbeitern damals nicht 
vor, sie blieb in Dunkel gehüllt. Auch P. Bailleu, von 
dem wir eine Biographie der Königin Luise erhoffen 
dürfen, hat, wie eine seiner jüngsten Vorarbeiten, die 
hübsche stimmungsvolle Abhandlung »Königin Luise als 
Braut« 2) ausweist, von dem Plane keine Kenntnis gehabt; 
er bemerkt nur, dass man in den Hofkreisen, wie üblich, 
vielfach von der bevorstehenden Vermählung des preussi- 
schen Thronerben gesprochen und ihm bald die spätere 
Prinzessin Luise Radziwill, bald seine oranische Kousine 
oder eine der englischen Prinzessinnen als Braut zugedacht 
habe. Inzwischen sind unlängst mit andern umfangreichen 
Correspondenzen des badischen Fürstenhauses auch eine 
Anzahl Schriftstücke in den Besitz des Karlsruher Archivs 
übergegangen, die einen näheren Einblick in das oben 
erwähnte Projekt verstatten und die darauf bezüglichen 
Verhandlungen in ihrem Zusammenhange erkennen und 
verfolgen lassen. Es lohnt sich wohl der Mühe, was aus 



^) Vgl. unlen S. 655. — *) Hohenzollernjahrbuch. J. 1901 S. i— 30« 



572 Obser. 

Aufträgen betraut. Unter den einflussreichen Ratgebern 
Friedrich Wilhelms II. war es vor allem der General- 
adjutant von Bischoffwerder, mit dem er in nähere per* 
sönliche Berührung kam und der ihm sein Vertrauen 
bezeugte. 

Auf diesem Wege erfuhr er denn auch im November 
1791 zum erstenmale, wie er seinem Vater schrieb, dass 
man mit dem Gedanken umgehe, für den damals einund- 
zwanzigjährigen Kronprinzen eine Prinzessin aus altfürst- 
lichem Hause zu suchen, mit der er sich in anderthalb 
Jahren vermählen könnte. Es lag nahe, dass man in Berlin 
bei dieser Umschau sein Augenmerk auch auf den befreun- 
deten badischen Hof richtete: von den Töchtern des Erb- 
prinzen, die unter den Augen der Mutter eine sorgfältige 
Erziehung und Ausbildung genossen hatten und in Jugend- 
frische und Anmut blühend herangewachsen waren, hatten 
die beiden ältesten, die Prinzessinnen Amalie und Karoline, 
vor kurzem das fünfzehnte Lebensjahr überschritten und 
konnten unter Umständen also wohl in Betracht kommen. 
Sie standen auch, wie Prinz Ludwig mit Grund vermuten 
zu dürfen glaubte, auf der Liste: in erster Reihe wurde 
dabei Karoline genannt. Aber die Angelegenheit war 
noch keineswegs über das Stadium der Vorerwägungen 
hinausgerückt; das Alter gab sogar, wie es schien, Anlass 
zu Bedenken. Wie die Dinge lagen, hätte daher der Prinz, 
so eifrig er auch die Interessen seines Hauses zu fördern 
wünschte, am liebsten gewartet, bis er seiner Sache völlig 
sicher gewesen wäre, ehe er dem Vater Mitteilung machte. 
Allein ein Zwischenfall bestimmte ihn doch, diesen schon 
früher über seine Wahrnehmungen zu unterrichten. 

Die Verlobung des Erbprinzen Friedrich von Anhalt- 
Dessau mit der Prinzessin Luise, Tochter des Prinzen 
Ferdinand von Preussen, war Ende Oktober nach kurzem 
Bestände wieder aufgehoben worden. Bei den engen 
freundschaftlichen Beziehungen, die Karl Friedrich mit 
dem Anhaltiner verbanden, war zu erwarten, dass dieser 
nunmehr für seinen Sohn um die Hand der Prinzessin 
Karoline werben und der Markgraf, ohne Kenntnis von 
den Berliner Vorgängen, seine Einwilligung erteilen werde. 
Es galt einem solchen Schritte rechtzeitig zuvorzukommen» 



ÖJd. Obser. 

wie er erklärte, fest entschlossen, einer Familienallianz mit 
Preussen den Vorzug zu geben. 

Mittlerweile hatten die Erkundigungen, die Prinz Ludwig 
am Berliner Hofe eingezogen, ergeben, dass die Stimmung 
auch dort dem Plane günstig war. Friedrich Wilhelm II. 
hatte — vielleicht mit Wissen und Willen des Prinzen — 
durch den Kammerdirektor HofFmann von den Dessauer Be- 
strebungen Kenntnis erhalten und sah mit Besorgnis seine 
eigenen Pläne bedroht; er sandte daher seinen General- 
adjutanten Bischofifwerder unverweilt zu dem Prinzen , um 
diesen vorsichtig über die Materie sondieren zu lassen. 
Bischoffwerder rückte aber offen mit der Sprache heraus 
und gestand, der König hege den bestimmten Wunsch, 
dass der Kronprinz sich um seine Kousine, die Prinzessin 
Karoline bewerbe, doch werde er ihm freien Willen lassen. 
Er werde es daher so einrichten, dass sein Sohn eine Reise 
ins Reich unternehme, voraussichtlich im nächsten Spät- 
jahr; bei dem Anlasse werde er dem Karlsruher Hofe 
einen Besuch abstatten, um die Prinzessin kennen zu lernen, 
ohne zu ahnen, dass sie für ihn bestimmt sei: spreche dann 
die Stimme seines Herzens für sie, so sei alles in Ordnung. 
Da der König aber besorge, man möchte sich inzwischen 
in Karlsruhe zu tief mit dem Dessauer Hofe einlassen, 
solle der Prinz auf sein Ersuchen den Markgrafen von 
der Sachlage durch Staffette benachrichtigen und vor 
Übereilung abmahnen, mit der förmlichen Versicherung, 
dass er, der König, ernstlich bestrebt sei, seine Absichten 
zu verwirklichen. Prinz Ludwig zeigte sich dazu gerne 
bereit und bat, Friedrich Wilhelm II. seinerseits zu melden, 
auch sein Vater wünsche nichts sehnlicher als eine Familien- 
verbindung mit dem preussischen Königshause. Bischoff- 
werder empfahl, ehe er von dem Prinzen schied, nochmals 
strengste Verschwiegenheit, damit weder die Eltern der 
Prinzessin,, noch der Fürst von Dessau von dem Plane 
Kenntnis erhielten. Erfahre vollends der Kronprinz davon, 
so werde er sofort gegen jede Beeinflussung seiner Wahl 
Widerspruch erheben; bleibe er dagegen unbefangen, so 
werde alles glücken i). 



') An Karl Friedrich, 19. Dez. 1701. 



676 



Obser. 



von Dessau, der kürzlich sich dort aufgehalten, Ver- 
mutungen in dieser Hinsicht geäussert. Er riet, man möge 
vorläufig seine Schwägerin im Ungewissen lassen und 
Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Gerüchts in ihr er- 
wecken»). 

Sobald Bischoffwerder, der sich auf einige Tage von 
Berlin entfernt, wieder zurückkehrte, eilte der Prinz zu ihm 
und unterrichtete ihn von dem Vorfall. Der General über 
nahm es, die Sache dem König vorzutragen. Friedrich 
Wilhelm zeigte sich zu des Prinzen Beruhigung nicht 
ungehalten; er war der Ansicht, dass man die Nachricht 
als AVeiberklatsch« behandeln und der Erbprinzessin aus- 
reden müsse. Sein fester Vorsatz, berichtete Bischoffwerder, 
sei nach wie vor, dass der Kronprinz von Ansbach nach 
Karlsruhe gehe; finde er dann Gefallen an der Prinzessin, 
so sei die ganze Frage entschieden 2). 

Man kam indes nicht recht vom Flecke; der Eifer, 
mit dem man anfanglich von preussischer Seite den Plan 
behandelt hatte, schien zu erlahmen. Während der nächst- 
folgenden Monate ist in den Briefen des Prinzen davon 
nicht mehr die Rede. Erst Mitte August bot eine Unter- 
redung, die er mit Friedrich Wilhelm II. hatte, wieder 
Anlass, dem Vater Bericht zu erstatten. Es war augen- 
scheinlich das erstemal, dass der König mit ihm persönlich 
über die Materie sprach. Man hatte am preussischen Hofe 
aus Petersburg Kunde erhalten von den Verhandlungen, 
die seit dem Frühjahr wegen der schon in den 80er Jahren 
ins Auge gefasston Verlobung einer der badischen Prin- 
zessinnen mit dem ältesten Sohne des russischen ITiron- 
folgers, dem Grossfursten Alexander, gepflogen wurden 
und sich dem Abschlüsse näherten. Der König war 
infolge dessen besorgt , dass seine Absichten auf Karoline 
vereitelt würden, erklärte aber, da er es sich zum unver- 
brüchlichen Gesetz gemacht habe, seinem Sohn keinerlei 
Zwang aufzulegen und der Kronprinz zur Zeit unmöglich 
nach Karlsruhe kommen könne, müsse er die Entscheidung 
js'^anz dem Markgrafen überlassen. Der Prinz versicherte 



*) An Karl Friedrich, 3. April 1792. — *) An Karl Friedrich, 
7. April 1792. 



678 Obser. 

Der Markgraf hatte von der neuen Wendung, die sich 
vorbereitete, keine Ahnung. Noch am 7. März 1793, als er 
mit dem Prinzen Ludwig, der mit seinem Regimente in der 
Pfalz dem Feinde gegenüberstand, eine Zusammenkunft in 
Grossgerau verabredete, schrieb er ihm, er hoffe dann 
mündlich mit ihm über die »bewusste Heiratsgeschichte der 
Karoline« verhandeln zu können. Ein paar Tage später, 
am 14. März, fand in Frankfurt die entscheidende Begeg- 
nung des Königs und des Kronprinzen mit der Prinzessin 
Luise von Mecklenburg statt, bei der diese durch den 
Liebreiz ihrer jugendlichen Erscheinung beide Teile sofort 
gefangen nahm; am 18. erfolgten die Werbung und das 
Jawort. 

Damit waren die badischen Heiratspläne, so aussichts- 
reich sie anfänglich erschienen, endgiltig gescheitert. So 
gerne auch der König wie der Markgraf ein engeres 
Familienbündnis gesehen hätten, es kam in letzter Linie 
doch alles auf den Kronprinzen an, und dieser entschied, 
als er die mecklenburgische Fürstentochter zum erstenmale 
erblickte, in anderem Sinne. Prinzessin Karoline aber, die 
ihm, wohl ohne es zu ahnen, als Braut bestimmt war, 
reichte wenige Jahre darauf, in den Tagen des Triesdorfer 
Exils, dem Herzoge Max Josef von Zweibrücken die Hand 
zum glücklichen Ehebunde, und als Ersatz für die preussische 
bot ihr die Zukunft an der Seite des Witteisbachers die 
bairische König^krone. 



Elsässische Geschichtslitteratur 

des Jahres 1901 1). 

Zusammengestellt von Hans Kaiser. 



Vorbemerkung. 

Mit einem * sind Werke aus älteren Jahrgängen, über welche im 
ichtjahre Rezensionen erschienen sind, mit zwei ** Nachträge zu früheren 
rgftngen, mit einem f endlich Arbeiten bezeichnet, die ich auf der 
sigen Universitäts- und Landesbibliothek nicht einsehen konnte. 



Inhalt. 

I. Zeitschriften und Sammlungen. 
II. Bibliographieen. 

III. Allgemeine Geschichte des Elsass und einzelner Teile. 

IV. Prähistorische und römische Zeit. 

V. Geschichte des Elsass im Mittelalter. 
VI. Greschichte des Elsass in neuerer Zeit. 
VII. Schriften über einzelne Orte. 
VIII. Biographische Schriften. 

a) Allgemeine. 

b) Ober einzelne Personen. 
IX. Kirchengeschichte. 

X. Kunstgeschichte und Archäologie. 

XI. Litteratur- und Gelehrtcngeschichtc. Archive und Bibliotheken. 
Buchdruck. 
XII. Kultur- und Wirtschaftsgeschichte. 

XIII. Volkskunde. Sage. 

XIV. Sprachliches. 

XV. Familien-, Wappen-, Siegel- und Münzkunde. 
XVI. Historische Karten. 



>) Auch in diesem Jahre habe ich den Herren Beamten der Kaiserl. 
liversitäts- und Landesbibliothek für bereitwillige Unterstützung meinen 
bindlichsten Dank abzustatten. 



68o 



Kaiser. 



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StrDBl 

StrFS 

StrP 
VBl 
ThLBl 
ThLZg 



Abkürzungen. 

Annalcs de l'Est. 

Allgemeine Zeitung. Beilage. 

Bulletin critique. 

Bulletin historique et litt^raire du Protestantisme 

fran^ais. 
Bulletin du Musee historique de Mulhouse. 
Bulletin de la Soci^t^ industrielle de Mulhouse. 
Centralblalt für Bibliothekswesen. 
Deutsche Litteraturzeitung. 
Elsässischcs Evangelisches Sonntags-Blatt. 
Elsass-Lothringisches Schulblatt. 
Evangelisch • Protestantischer Kirchenbote für Elsass- 

Lothringen. 
Historisches Jahrbuch. 
Historische Vierteljahrschrift. 
Historische Zeitschrift. 
Illustrierte Elsässische Rundschau. 
Jahrbuch für Geschichte, Sprache und Littcratur Elsass- 

Lothringens. 
Jahrbuch der Gesellschaft für lothringische Geschichte 

und Alterthumskunde. 
Journal der Pharmacie von Elsass-Lothringen. 
Korrespondenzblatt der Westdeutschen Zeitschrift. 
Das Kunstgewerbe in Elsass-Lothringen. 
Literarisches Centralblatt. 
Mitteilungen der Gesellschaft für deutsche Erziehungs* 

und Schulgeschichte. 
Mitteilungen des historischen Vereins für die Saargegend. 
Mittheiluugen des Instituts für österreichische Geschichts- 

forschung. 
Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche 

Geschichtskunde. 
Le Passe-Temps. 
Realencyklopädic für protest. Theologie und Kirche. 

3. Auflage. 
Revue d'Alsace. 
Revue catholique d'Alsace. 
Revue critique d'histoire et de litt^rature. 
Schwäbisches Diözesanarchiv. 
Strassburger Diözesanblatt. 
Strassburger Festschrift zur XL VI. Versammlung 

deutscher Philologen und Schulmänner. 
Strassburger Post. 

Vogesen-Blatt, Beilage zur Strassburger Post. 
Theologisches Litteraturblatt. 
Theologische Literaturzeitung. 



682 Kaiser. 

11. Rundschau, Illustrierte elsässische (Revue alsacienne 

illustree). Herausgegeben von Carl Spindler. 3. Jahr- 
gang. Strassburg, Noiriel 1901. 191 S. [Und:] Chro- 
nique d'Alsace-Lorraine 1901. 132 S. [Elsässer Bilder- 
bogen VI. Jahrgang]. 

12. Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, heraus- 

gegeben von der Badischen historischen Kommission. 
N.F. Band XVI. Der ganzen Reihe 55. Band. Karls- 
ruhe, Bielefeld 1901. X, 772 S. [und:] Mitteilungen 
der Badischen historischen Kommission Nr. 2^, mi30 S. 

13. Zeitschrift, Westdeutsche, für Geschichte und Kunst. 

Herausgegeben von F. Hettner [&] J. Hansen. Jahr- 
gang 20. Trier, Lintz 1901. 395 S. u. 21 Taf. [Und:] 
Korrespondenzblatt der Westdeutschen Zeitschrift für 
Geschichte und Kunst. Jahrgang 20. Trier, Lintz 1 90 1 . 
224 S. 



II. Bibliographieen. 

14. Alsatica. Catalogue de la CoUection d'ouvrages sur 

TAlsace, la Lorraine et les pays limitrophes (livres et 
estampes) de feu M. Adolphe Ernst de Saint-Die-les- 
Vosges . . . [Mit einer kurzen Biographie], Strasbourg, 
Noiriel-Staat 1901. VII, 181 S. [Erschien auch als 
Prachtausgabe auf holländischem Papier]. 

15. Blumstein, F. Excerpta (nova) e catalogo bibliothecae 

civitatis Argentinensis. Strassburg, Fischbach 1901. 
300 S. 

Rec: StrDBl N.F. 3 (1901), S. 473 (G.[ass]). 

16. Borries, E. von. Elsass-Lothringen. (Jahresber. d. 

Geschichtswissensch. 22. [Litteratur aus d. Jahren 
1897 — 1899]. Berlin, Gaertner 1901. S. II, 483 — 545). 

17. Bri^re, G. et Caron, Pierre. Repertoire m^thodique 

de Thistoire moderne et contemporaine de la France 
pour Tannce 1899. [Betr. auch d. Elsass]. Paris, 
Bellais 190J. 229 S. 

18. Inventare des Grossherzoglich Badischen General landes- 

archivs. Herausgegeben von der Grossherzoglichen 
Archivdirektion. Erster Band. [Mit vielen das Elsass 
betreffenden Nummern]. Karlsruhe, Müller 1901. VI, 
320 S. 

19. Kaiser, Hans. Elsässische Geschichtslitteratur des Jahres 

1901. (ZGORh N.F. 16 (4901), S. 707 — 751). 

20. Reuss, Rodolphe. Les premi^res revues d'Alsace (1834 

1837). Notice historique et litteraire. Strasbourg, 
Treuttel & Wurtz 1901. 34 S. [Vgl. Nr. 22]. 



684 Kaiser. 

31. Matthieu, [P. A.]. A travers Tltalie, TAutriche, la Suisse 
et l'Alsace. Paris, Fischbacher igoi. 429 S. 

;^2, Reichsland, Das, Elsass-Lothringen. Landes- und Orts- 
beschreibung, herausgegeben vom Statistischen Bureau 
des Ministeriums für Elsass-Lothringen. 3 u. 4. Lief. 
Strassburg, Heitz & Mündel [1901]. S. 1, 289 — 335, 
S. II, I — 175, S. III, I — 128. [Vgl. Bibl. f. 1897/98, 
Nr. 63; f. 1900, Nr. 33]. 

33. Schmidlin, Josef. Die Augrafschaft, die letzte elsässische 

Markgenossenschaft. fZGORh N.F. 16 (1901), S. 331 

—387). 

34. W.[alter], T.[heobald]. Das Sulzmatterthal. (VBI 1901, 

Nr. 19J. 

35. Wimmer, Joseph. Geschichtsbilder für elsass-lothringische 

Schulen. Mit einer Karte: Elsass-Lothringen zur Zeit 
des dreissigjährigen Krieges. 2. Aufl. Metz, Even 1901. 
III, 186 S. m. I Karte. 
Vgl. Nr. 186, 421. 



IV. Prähistorische und römische Zeit. 

36. Forrer, R. Alamannisches Kriegergrab. [Stützheim]. 

(Zeitschr. f. histor. Waffenkunde 2 (1900/02), S. 84). 

37. — Zur Ur- und Frühgeschichte Elsass-Lothringens nebst 

vor- und frühgeschichtlicher Fundtafel mit 192 Abbil- 
dungen in Licht- und Farbendruck. Strassburg, Trübner 
1901. 46 S. 

38. Fried, Fr. Wo schlug Cäsar den Ariovist? (Berichte 

d. Freien Deutschen Hochstiftes zu Frankfurt N.F. 17 
(1901), S. 255 — 276). 

39. Zangemeister, Karl. Strassensäule auf dem Donon. 

(WZ 20 (1901), S. 115- 119). 



V. Geschichte des Elsass im Mittelalter. 

♦40. Albrecht, Karl. Rappoltsteinisches Urkundenbuch. 759 
— 1500. Bd. I — 5. Colmar ... 1 891— 1898. [Vgl. 
Bibl. f. 1891, Nr. 72; f. 1892/93, Nr. 82 f.; f. i894/95' 
Nr. 115; f. 1896, Nr. 69; f. 1897/98, Nr. 107; f. 1899» 
Nr. 71]. 

Rec: AE 15 (1901), S. 284 — 293 (L. Stouff). 

♦41. Analecta Argentinensia. Vatikanische Akten und Regesten 
. . . von Ernst Hauviller. Band I. ... 1900. [Vgl- 
Bibl. f. 1900, Nr. 46]. 

Rec: ALBl 10 (1901), S. 324 — 326 (Lang). -^ 
BCr 22 (1901), S. 618-619 (A. C). - HJb 22 
( 1901), S. 179 - 180 (A. Meister). — KBIWZ 20 (igoi 



J 



686 Kaiser. 

VI. Geschichte des Elsass in neuerer Zeit 

♦51, Bardot, Georges. La question des dix villes imperiales 
d'Alsace depuis la paix de Westphalie jusqu'aux an-its 
de »r^unions« du conseil souverain de Brisach 1648 

— i68c . . . 1899. [^g^' ß^b'« f- '899, Nr. 77; f. 1900, 
Nr. 57]. 

Rec: HJb 22 (1901), S. 197 — 198 (A. Meister). 

52. Bucher, P. L'origine alsacienne des Soci6tes de gym- 
nastique de France. [Extrait de ia Revue alsacienne 
illustree], Strasbourg, Noiriel 1901. Nicht paginiert. 

t53» Campagne de 1793 en Alsace (Revue d'histoire redigee 
k r^tat-major de Tarm^e, 1901). 

♦54. Chuquet, Arthur. L' Alsace en 18 14 ... 1900. [Vgl. 
Bibl. f. 1900, Nr. 62]. 

Rec: DLZg 22 (190)), S. 683-686 (Th. Ludwig). 

— HJb 22 (1901), S. 202 (A. Meister). — LCBl 1901» 
S. 998. — ZGORh N.F. 16 (1901), S. 145—146 
(K. Obserj. 

55. Documents pour servir ä Thistoire de la guerre de 

Trente ans. (BMHM 25 (1901), S. 83 — 86). 

56. Dunant, Emile. Les relations diplomatiques de la France 

et de la Republique Helvetique 1798 — 1803. Recueil 
des documents tires des archives de Paris. (Quellen 
zur Schweizer Geschichte 19). [Betr. auch elsass. Ver- 
hältnisse]. Basel, Basler Buch- und Antiquitätshandlung 
1901. CXXXV, 706 S. 

57. Ehrhard, L. La question d'Alsace-Lorraine et Frederic 

le Grand. (RA 40 s6r., 2 (1901), S. 22—48). [Er- 
schien auch als Sonderdruck: Strasbourg, Schlesier & 
Schweikhardt 1901. 29 S.]. 

58. Eimer, Manfred. Züricher Flüchtlinge im Elsass zur 

Zeit der Revolution und Restauration. (JbGEL 17 
(1901), S. 150 - 181). 

♦♦59. Funck-Brentano, Frantz. L'Alsace fran^^aise. [Beruht 
auf Nr. 53]. (La revue hebdomadaire 9 (1900), 
S. 269 — 279). 

60. Gasser, Aug. & Liblin, J. La chronique de Fran- 
vois-joseph Wührlin , bourgeois de Hartmanswiller. 
1560 — 1825 (Suite et fin). (RA 4« sur., S. 198 — 213» 
S. 390—409, S. 559—592). [Vgl. Bibl. f. 1900, 
Nr. 65]. 

6i. Grimme, Fr. Die reichsunmittelbaren Herren im Gebiete 
des heutigen Lothringen und ihre Schicksale in den 
Jahren 1789 — 181 5. [Betr. auch zum Elsass gehörige 
Gebietsteile]. (JbGLG 12. — 1900 (1901), S. 242—323). 



688 Kaiser. 

73. Colmar. Alb recht, Karl. Das ehemalige Evangelische 

Gymnasium zu Colmar im Elsass (1604 — 1794)' 
(MGESchG II (1901), S. 287—306). 

74. — Fischer, Carlos. Le couvent d'Unterlinden. (Revue 

universelle 1901, 21. Dezember). 

75. — Geny, Jos. Aus Pfeffels Militärschule. (JER 3 (1901), 

S. 136—140). 

76. — Hertzog, A. Die letzten Jahre des Colmarer Bar- 

füsserklosters und Jakob Einfalt aus Geberschweier, 
dessen letzter Guardian. (JbGEL 17 figoi), S. 113 
— 14Q). 
♦77. — Hund, Andreas. Colmar vor und während seiner Ent- 
wickelung zur Reichsstadt . . . 189Q. [Vgl. Bibl. f. 1899, 
Nr. 109; f. 1900, Nr 97]. 

Rec: HJb 21 (1901), S. 237 — 238 (A. Meister). — 
LCBl 1901, S. 270 (AI. Sch.[ulte]). 
78. — Pfannenschmid, Heino. Die Gründung der Kriegs- 
schule des Dichters Pfeffel \\\ Colmar. (ZGORh K.F. 
16 (1901), S. 59—80). 

Vgl. Nr. 300, 327, 381, 432, 435. 

79. Geberschweier, Hertzog, Aug. Aus Geberschweiers alten 

und trüben Tagen. (Vßl 1901, Nr. 18). 

80. Gebweiler. Bary, Reii6 de. Histoire de la ville de 

Guebwiller et de l'abbaye de Murbach. Guebwiller, 
Bachmann 1901. 109 S. 

81. Girbaden. Metzger, [Henri]. Reconstruction du chäteau 

de Girbaden. St. Die, impr. Cuny. [1901]. 2 Blätter. 

82. Hagenau, Gossart, Ern. Charles-Quint ä Haguenau 

en 1552. (Bull, de Tacademie royale de Belgique. 
Cl. des Lettres, Sciences morales et Beaux-Arts 1901, 
S. 472 474). 

83. — Hanauer, A. Les imprimeurs de Haguenau. (RA 

46 ser., 2 (1901), S. 8—21, S. 242 — 266, S. 417 — 437). 

84. — Schwalm, Jakob. Reise nach Italien im Herbst 1898. 

[S. 731 ---733.* Schreiben der Stadt Hagenau an den 
Papst]. (NA 26 (1901), S. 707—741;. 
♦85. — Statutenbuch, das alte, der Stadt Hagenau, 
bearbeitet von A. Hanauer und J. Klel6 . . . 1900. 
[Vgl. Bibl. f. igoo, Nr. 103]. 

Rec: HZ N.F. 50 (1901), S. 380 — 381 (v. B.[elow]j. 

Vgl. Nr. 431. 

86. Hoch/eiden, K.[assel], Aug. Aus dem alten Hochfelden 

vor 400 Jahren (VBl 1901, Nr. 19). 

87. Hohkönigsburg, Aufbau, Der, der Hohkönigsburg im 

Ehass. (Kölnische Volkszeitung 1901, Februar i). 

88. — Danzas, H. Les chäteaux de St. Hippolyte, L*£stuphin. 

Le Haut-Koenigsbourg, le si^ge de 1633. (RA 4« scr., 

2 (1901J, S. 341—353» S. 438—447, s. 541-558)- 



«'J- 



Ä.i:»*r. 



i Sah: je-?»! ane-aux- Milien. iRA -i^ icr^ r (1901), 
S. r-i:3. 

• i--i. — Hiiisser. Emii. Das Berg tiaD gebiet von Markirch . . . 

:-»:•:. V^I. Efbl. 1. loc»:, Nr. iiS' 

Rec.: DLZg 22 iiyoi , 5. 2^2Z — 2Z2-; <R. Lepsius). 

— RCr N^. 51 1 yoi .» S. 451 — -ito Roben Gaothiot 
xl E. Cbtiac . 

iCy. Mi2^m'anjiir. Gendre, A. Le proiocole dn magistrat 
de Masse vaux vers la nn du XVII- siecle. ;Soile et 
fr.- 'RA 4* scr., 2 iy02», S- 153—160. S. 385 

— 3^>|. [^g^. Bibl. f. 1900, Nr. 119]. [Erschien auch 
als SoLderdruck: Rixheim, Sntter looi. 22 S.]. 

• HO. Maur:müfU2ir. Sigrist, J. L'abbaje de Mannoaüer. 

1 ... i^vy. [Vgl. Eibl. f. iSoü, Nr. 130; f. 19CX), 
Nr. 123]. 

Rec: ALBl 10 «1901), S. 358 <.\. Ehrfaardv. 

111. Mirmiihirg^ Pfleger, Locian. Das ehemalige Frauen- 

kJoster Mirmelberg bei Selz. (SirDBI N.F. 3 dooi), 
S. 419 -424 j. 

112. Mols kam. G. [a s s , Joseph]. .\iis der Koirespondenz 

der lesaitengenerale mit dem Molsheimer Colleginm. 
^StrDBI N.F. 3 (1901». S. 233—234). 
»113. — Seyfried, C. Die Pfarrkirche von Molsheim in Ver- 
gangenheit und Gegenwart . . . Molsheim, 1&Q9. [\'gl. 
Bibl. f. 1900, Nr. 124]. 

Rec.: StrDBl N.F. 3 (1901), S. 113 — 114 (Gass). 

114. Mülhausen. L. du Sundgau. A travers l'Alsace et la 
Lorraine. Mulhouse. (PT 12 (1901), S. 8—10,8.25 
—27, S. 42—43» S. 56 — 58, S. 71 — 73. S. S6— 88, 
S. 105 — 107, S. 120 — 122, S. 200 — 202, S. 215—217, 
S. 234—236, S. 248—250, S. 263 — 265, S. 282—284, 
S. 298—300, S. 3i>— 3«3. S. 327—330. S. 345—347» 
S. 36' — 3Ö2, S. 379—380. S. 395 — 396, S. 408—409, 
S. 426—427. S. 442—443, S. 457—458, S. 474— 475r 
S. 490— 491, S. 504—505» S. 520—521, S. 536 538, 

S. 55'— 553). 
115. — Lutz, Jules. Les reformateurs de Mattioiise. UL Use 

lettre de Guillaume Farel de 1526 se rappoitant a Mni- 

house. (BMHM 25 (1901), S. 8 — 31). 

116. — [Penot, .\.]. Les cites ouvri^res de Malhoose. (BSJM 

1901, S. 419 502). 

117. — Thorbecke, August. Eine Einladuig der Stadt Heidel» 

berg vom 15. November 1523 (an die Stadt MöUanKft 
i. £.) zu einem Schützenfest in Heidelberg, welches aa 
29. Mai 1524 beginnen soll. (N. ArciiiT t d. Gcsck 



6o2 Kaiser. 

131. Sankt Morand, D.[eny], A.[chnie]. Saint-Morand pr^s 
Altkirch. D6di6 au Sundgau. Avec approbation de 
Tautoritt^ ecclesiastique. Rixheim, Sutter 1901. 83 S. 

132. Sankt-Morand bei Altkirch. Dem Sundgaue ge- 
widmet . . . [Auf dem inneren Titelblatt: Der heilige 
Morandus, Apostel des Sundgaues]. Rixheim, Sutter 
& Comp. 1901. IOC S. 

133. SchUttsiadL G6ny, Jos. Das Schulwesen Sohle ttstadts 
bis zum Jahre 1789. Ein geschichtlicher Oberblick. 
(MGESchG II (1901), S. 315—35 0- 

♦ 134. Die Reichsstadt Schlettstadt und ihr Anteil an den 

socialpolitischen und religiösen Bewegungen der Jahre 
1490 — 1536. . . . 1900. [Vgl. Bibl. f. 1900, Nr. 145]. 
Rec: ALBl 10 (1901), S. 586 (H. Wopfner). — 
HVj 4 (1901), S. 145 (Viktor Ernst). — JbGMG 12. 
— 1900 (iQOi), S. 423 — 425 (M[üsebeck]). — Zeitschr. 
f. Kulturgesch. 8 (1901), S. 453 — 454 (Liebe). 
Vgl. Nr. 349. 

135. Seihofen. Reinhold, P. [= Pfleger, Lucian]. Das 

Cistercienserpriorat Seihofen bei Ingweiler. (StrDBl 
N.F. 3 (1901), S. 58—64). 

136. Strassburg, Altmeyer, Max. Die Rheinschiffahrt Strass- 

burgs im XIX. Jahrhundert. [Freiburger] Inaugural- 
Dissertation . . . Köln, Bachem 1901. 74 S. 

137. — Bloch, Hermann. Zum ersten Strassburger Stadtrecht. 

(ZGORh N.F. 16 (1901), S. 464—466). 

138. — B.[l um stein], F. La biblioth^que municipale de Stras- 

bourg et son histoire. [Suite]. (RCA 20 (1901)» 
S. III — 119, S. 288 — 295, S. 353 — 363» S. 451 
—461, S. 585—597» S. 694—700, S. 831 — 840. 
[Vgl. Bibl. f. 1900, Nr. 419]. 

139. La presse periodique ä Strasbourg pendant le 

i8e si^cle. Extrait du Bulletin de la Soci6t6 des 
Sciences, agriculture et arts de la Basse-AIsace. (Fasci- 
cule No IG, d^cembre 1900). Strasbourg, impr. alsa- 
cienne 1901. 16 S. 

140. — Blumstein, F61ix fils. Glanes sur la cath6drale de 
Strasbourg. Rixheim, Sutter 1901. 44 S. 
41141. — Büchsenschütz, Louis. Histoire des liturgies en 
langue allemande dans l'eglise de Strasbourg aa 
XVIe si^cle. . . . [Vgl. Bibl. f. 1900, Nr. 152]. 
Rec: LCBl 1901, S. 883—884 (F. H.[ubert]). 

142. — Emiliani, Antonio. Strasburgo ed Alsazia. Ricordi. 

(La rassegna nazionale 119 (1901), S. 300 — 320; 121 
(1901), S. II I — 142). 

143. — Engel, Charles. L'^cole latine et l'ancienne acadömie 

de Strasbourg (1538— 1621). . . . 1900. [Vgl. Bibl. f. 
1900, Nr. 157]. 



694 Kaiser. 

159. Sirassburg, Kos er, Reinhold. Ein Reisepass von der 

Strassburger Reise Friedrichs des Grossen, (Hohen* 
zollern-Jahrbuch 5 (1901), S. 271 — 272). 

160. — Matrikeln, Die alten, der Universität Strassburg 162 1 

— 1793. Bearbeitet von Gustav C. Knod. Dritter Band. 
P«rsonen- und Ortsregister. (Urkunden und Akten der 
Stadt Strassburg herausgegeben mit Unterstützung der 
Landes- und der Stadtverwaltung III. Abteilung). Strass- 
burg, Trübner 1901. III, 557 S. 
*i6i. — Nerlinger, Charles. Daniel Martin ou la vie k Stras- 
bourg au commencement du XVIIe si^cle. . . . 1900. 
[Vgl. ßibl. f. 1900 Nr. 182]. 

Rec: RCr N.S. 51 (1901), S. 11 — 13 (R[euss]). 

162. — Reuss, Rod. Huguenots fugitifs i Strasbourg (1562 
— 1569). (BHL 4« 86r., 10 (1901), S. 528—531). 

1 63. Les suites d'un emprunt. ifepisode des relations 

diplomatiques de la couronne de France avec la 
republique de Strasbourg (1646 — 1648). (AE 15(1901), 

s. 538— 59O. 

164. — Stöeffler, Ch. Ein Manuskript eines Stiftschaffners 

von St. Stephan zu Strassburg. (StrDBl N.F. 3 (1901), 
S. 291 — 300). 

165. — [Strobel, Adam Walter], Historical sketch of the 

cathedral of Strasburg. Seventeenth edition. Strasburg, 
Bull 1901. 39 S. 

166. — T.[hamm], M. Aus alten Rechnungen des »Werkes 

unser lieben Frowen« zu Strassburg. (StrP 1901, 
Nr. 85 u. Nr. 108). 

♦ 167. — Urkundenbuch der Stadt Strassburg. Vierter Band, 

erste Hälfte . . . 1899. [Vgl. Bibl. f. 1898, Nr. 324; f. 189g, 
Nr. 207; f. 1900, Nr. 192]. 

Rec: HZ N.F. 51 (1901), S. 506 — 507 (Alfred 
Overmann). 

♦ 168. — Urkundenbuch der Stadt Strassburg. Sechster und 

siebenter Band . . . 1899. iQOO. [Vgl. Bibl. f. 1899. 
Nr. 208; f. 1900, Nr. 193 u. 194]. 

Rec: RCr N.S. 51 (1901), S. 73—77 (R.[euss]). 
— [VI:] HVj 4 (1901), S. 248—252 (Hans Witte). 

169. — Weiss, Fritz. Zur Geschichte der Basler Rheinschiff- 

fahrt und der Schiffleutenzunft. [Betr. häufig auch 
Strassburg]. (Basler Jahrbuch 1901, S. 11 1 — 146). 
Vgl. Nr. 318, 342, 351 f., 381, 385, 399, 431. 
it(^\ Stüizheim, s.: Nr. 36. 

170. Sufflenheim, S.[cheuermann], W. Die keramische Indu- 

strie von Sufflenheim. (StrP 1901, Nr. 648). 

171. Sulz, Gasser, A. Des impositions seigneuriales d'une 

petite ville de k Hte Alsace (Soultz). (RA 4« s^r., 2 

(1902), s. 492—505). 



696 Kaiser. 

182. Bälde. Bach, Jos. Zur neuesten Balde-Bio-Bibliographie. 

(StrDBl N.F. 3 (1901), S. 90—93). 

183. — Mury, Paul et Sommervogel, Carlos. Jacques Bälde. 

Notice et bibliographie. Strasbourg, Le Roux & Cie 
1901. Ö7 S. 

Rec: ThLBl 22 (1901), S. 214 — 215 (Zöckler). — 
ZGORh N.F. 16 (1901). S. 310 (E. Martin). 
\^l^,Baldner, s.: Nr. 389. 

184. Baidung, Sanders van Loo, A. W. Over Hans Bai- 

dung Grien (De vlaamse school n. reeks 14 (1901)» 

s. 37—44). 

185. Barack, Martin, Ernst. Karl August Barack. (JbGEL 

17 (1901), S. 22^—2:^2). 

186. Bartoldu Weech, Friedrich von. Briefwechsel Johann 

Friedrich Böhmers mit Franz Joseph Mone und Fridegar 
Mone. [Betr. S. 440 elsäss. Geschichtsqnellen, S. 688 f. 
Karl Bartoldi aus Colmar]. (ZGORh N.F. 17 (1901), 
S. 422 — 463, S. 650 — 690). 
i^b^Berler, s.: Nr. 27. 

187. Berihold IL, B. v. Slrassburg, Pflugk-Harttung, Jul. von. 

Der Johanniter- und der Deutsche Orden im Kampfe 
Ludwigs des Bayern mit der Kurie . . . 1900. [Vgl. 
Bibl. f. 1900, Nr. 222], 

Rec: AZg® 1901, Nr. 22 (Ernst Hauviller). 

188. Bleicher, Auerbach, Bertrand. Les travaux göographiques 

de G. Bleicher (AE 15 (1901), S. 592 — 609). 
. 189. — Beaupr6, J. M. le docteur Bleicher. (Bull, mensuel 
de la Soc. d'arch^ol. lorraine i (1901), S. 139 — 143). 

190. — Gasquet. Le docteur Bleicher. (AE 15 (1901), 

s. 455—458). 

191. — Gerock, J. E. Marie-Gustave Bleicher. (Notice bio- 

graphique). (Journal der Pharmacie v. Elsass-Lothringen 
28 (1901), S. 174— -176). 

192. — Millot, C. M. le docteur Gustave Bleicher. (Bull, de 

la Soci^te de g^ogr. de l'Est N.S. 22 (1901), S. 251 

— 254). 

193. — Mr. le professeur Bleicher (1838 — 1901). Nancy, 

Berger-Levrault 1901. 48 -j- 4 S. 
Vgl. Nr. 180. 
igy, Blesstg. s.: Nr. 179, 337. 

41*194. Bode, Childe-Pemberton, William S. The baroness 
de Bode 1775 — 1803. With portraits. London, New 
York and Bombay, Longmans, Green, and Co. 1900. 
XVII, 296 S. 

195. Boeümann, Locard, Paul. Leon Boellmann. Biographie» 

alsaciennes IX. (JER 3 (1901), S, 109 — 121). 
ig^^, Boner. s.: Nr. 379. 



698 Kaiser. 

209. Engelbach, Feld mann, Wilhelm. Saarbrücken in der 

Litteratur-Geschichte. [Betr. Goethes Freunde Engel- 
bach und Weyland sowie Friederike Brion], (MHVS 8 
(1901), S. 41 -63). 

210. Erasmus, B, v, Sirassburg. Kaiser, Hans. Bischof 

Erasmus und die geplante Gründung einer Bildungs- 
anstalt für den Klerus des Bistums Strassburg. (MG£ 
SchG II (1901), S. 267 — 275). 
«211. Erb. Rocholl, Heinrich. Matthias Erb, ein elsässischer 
Glaubenszeuge aus der Reformationszeit . . . 1900. 
[Vgl. Bibl. f. 1900, Nr. 238]. 

Rec: ThLZg 26 (1901), S. 426—427 (W. Köhler). 

— ZGORh N.F. 16 (1901), S. 141 — 142 (Hans Kaiser). 

212. Erichson, Dietz, August. Eine Erinnerung, an Freund 
Ericbson. (EvPrKb 30 (1901), S. 122 — 124). 

213. — Holtzmann, H. Zum Gedächtnisse Alfred Erichson's 
(Prot. Monatshefte 5 (1901), S. 182—185). 

214. — Reuss, Rod. Louis- Alfred-Erichson. (AE 15 (1901), 

S. 461 — 462). 
2\^%. Ernst, s. Nr. 14. 

215. Fischart, Saftien, K. Johann Fischart. (Die religiöse 

Entwicklung der Menschheit im Spiegel der Weltlitteratur, 
herausgegeben von L. Weber (1901), S. 300 — 317). 
Vgl. Nr. 380, 382, 394, 398. 

216. Fischer. Luthmer, [Hans], Direktor Dr. Friedr. Aug. 

Fischer \. (Zeitschr. f. weibl. Bildung 29 (1901), 
S. 119— 121). 

217. Franck. Keller, Ludwig. Sebastian Francks Aufzeich- 

nungen über Joh. Denck (f 1527) aus dem Jahre 1531. 
(Monatshefte d. Comenius-Ges. 10 (1901), S. 173 

— 179). 

Vgl. Nr. 322. 

218. Frühinsholz. Ho 11, P. Le g^neral Frühinsholz (1764 

— 1823). (lER 3 (1901), S. 97—104). 

218^. Goltz, s.: Nr. 396. 

2iS^. Geiler, s.: Nr. 179, 317, 323. 

219. Gerbet. Varren trapp, C. Nikolaus Gerbel. Ein Bei- 

trag zur Geschichte des wissenschaftlichen Lebens in 
Strassburg im 16. Jahrhundert. (StrFS (1901), S. 221 
-238). 
♦220. Grandidier. Ingold, A. M. P. Nouvelles oeuvres in^dites 
de Grandidier . . . T. HI — V . . . 1899—1900. [Vgl. 
Bibl. f. 1899, Nr, 270; f. 1900, Nr. 253]. 

Rec: ZGORh N.F. 16 (1901), S. 480—486 (Her- 
mann Bloch). 
221. Gratry. Chauvin, A. Le P. Gratry en Alsace. 1828 
— 1840. (RA 4« s^r., 2 (1901), S. 113 — 138). 



700 



Kaiser. 



(Beil. z. Progr. d. Gymn. zu Buchs weiler). Strassburg, 
Du Mont-Schauberg igoi. lo S. 

238. Hoffmann. Hegler, Alfred. Hoffmann, Melchior, Ana- 

baptist, t 1543 oder 1544 (REPrThK 8 (1900), S. 222 
—227). 
2}fi>^, Holler, s.: Nr. 17g. 

239. Horbius. Bertheau, Carl. Horbius, Johann Heinrich, 

gest. 1695 (REPrThK 8 (1900), S. 353—355). 

240. Horning, Epistelpredigten des evang.-lutherischen Er- 

weckungspredigers Friedrich Theodor Horning, Pfaner 
an Jung St. Peter zu Strassburg (1845 — 1882) über 
die alten Perikopen. Mit dem Brustbild des Predigers. 
I u. 2. Lieferung. Strassburg, Selbstverlag 1898 und 
1901. IV, 160 S. 

241. Jan, Lupus B. und Graf, E. Karl von Jan, 22, Mai 

1836 — 4. Sept. 1899. (Biogr. Jahrbuch f. Altertums- 
kunde 23. — 1900 (1901), S. 104 — 124). 

242. Jud. Riggenbach, Emil und Egli, E. Jud, Leo, 

gest. 1542. (REEvThK 9 (1901). S. 550— 553). 

243. Kautz, Heg 1er, Alfred. Kautz (Cucius), Jakob. (REPr 

ThK 10 (1901), S. 192 — 194). 

244. Kqyser, Erichson, A. Kayser, August. (REPrThK 10 

(1901), S. 194— -195). 

245. Keller, Bossert, G. Keller, Cellarius, Andreas. (RE 

PrThK 10 (1901), S. 203 — 204). 

246. Kleber. Gamet, Le, de Kleber. (Interm6diaire des cher- 

cheurs et curieux, du 17. f^vrier 1901). 

247. — Caudrillier, G. Le si^ge de Mayence du 25 octobre 

1794 au 29 octobre 1795. [Betr. Kleber und die 
Kämpfe im Elsass]. (La revolution fran^aise 41 (1901)» 
S. 481 — 510). 

248. — Kern, Georges. Kleber. Strassburg, Elsäss. Druckerei 

1901. 172 S. 

249. — Klaeber, Hans. Hat der General Kleber Vermögen 

hinterlassen und wo blieb sein Nachlass? (StrP 1901, 
Nr. 607). 

♦250. Leben und Thaten des französischen Generals Jean 

Baptist Kleber . . . 1900. [Vgl. Bibl. f. 1900, Nr. 282]. 
Rec: AE 15 (1901), S. 482—483 (Th. Schoell). — 
ZGORh N.F. 16 (1901), S. 312—315 (Karl Engel). 

♦251. — Rousseau, F. Kleber et Menou en Egypte depuis le 
d^part de Bonaparte . . . 1900. [Vgl. Bibl. f. 1900, 
Nr. 284]. 

Rec: RCr 52 (1901), S. 238 — 240 (A. C.[huquet]j. 
252. Klee, Beck, Herm. Kaspar Klee von Gerolzhofen. Das- 
Lebensbild eines elsässischen evangelischen Pfarrers uul 
die Wende des 16. u. 17. Jahrhunderts. (Schriften de^ 



•y02 Kaiser. 

2b \^. Musculus, s,: Nr. 204, 
261**. Oberlin, s. : Nr. 179. 

262. Odilia, Sepet, M. La patronne d'Alsace. [St. Odilia]. 

(Le moniteur universel 1901, 5. Juni). 

263. — Welschinger, Henri. »Les Saints«. Sainte Odile, 

patronne d'Alsace. Paris, Lecoffre 1901. IX, 188 S. 

Rec: BCr 22 (1901), S. 653 - 655 (L. E. Beurlier). — 

RA 46 s^r., 2 (1901), S. 414—515 (A. M. P. Ingold). 

264. Otter, Sussann, Hermann. Wolf von Hürnheim zum 

Tuttenstein. Ein Charakterbild aus dem sechzehnten 
Jahrhundert. [Betr. Jakob Otter], (Alemannia N.F. 2 
(1901), S. 97- 128). 

^265. Pelikan, Silberstein, Emil. Conrad Pellicanus . . . 1900. 
[Vgl. Bibl. f. 1900, Nr. 313]. 

Rec: ALBl 10 (1901), S. 431 — 432 (Rieber). 
266. Rcßss, Andr, Mgr. Raess et la propagation de la foi. 
(RCA 20 (1901), S. 81 — 95, S. 209 — 222, S. 373 
— 382, S. 401-416, S. 598 — 608, S. 641 — 656, 
S. 671 — 686, S. 818—830, S. 894 — 905). 
2bt^, Rasss, Jean-Baptiste, s.: Nr. 259. 

♦267. Rappoltstein, Anna Alexandria von. Rocholl, Heinrich. 
Anna Alexandria, Herrin zu Rappoltstein . . . 1900. 
[Vgl. Bibl. f. 1900, Nr. 315]. 

Rec: ZGORh N.F. 16 (1901), S. 758 (Hans Kaiser). 

268. Reiset, de Reiset, [Marie Antoine]. Une famille alsa- 

cienne de soldats. Le lieutenant-gdn^ral vicomte de 
Reiset et ses parents. (RA 4« sdr., 2 (1902), S. 323 
— 340). [Erschien auch als Sonderdruck: Rixheim, 
Sutter 1901. 20 S.]. 

269. — Souvenirs du Iieutenant-g6n6ral vicomte de Reiset 

18 10 — 1814, publi6s par son petit-fils le vte de Reiset. 
Avec un beau portrait en heliogravure. H. Paris, L6vy 
1901. 591 S. 

270. Reuhell, [Krohn, August]. Über Offiziere im Regimente 

(Nassau) Nr. 96. [Reubell, Schaal, v. Schauenburg]. 
(MHVS 8 (1901), S. 74—81). 

271. Reuss, Gerold, Th. Discours prononc6 aux obs^ques 

de Mme Vvc fedouard Reuss n6e Julie Himly le 
19 septembre 1901. Strasbourg, impr. alsacienne 1901. 
12 S. 
2'j\%.Rihel. s.-: Nr. 388. 

272. Röhrich, [Ihme]. f Pfarrer Ernst Röhrich. (EvLFr 31 

(1901), S. 415—423). 
273. — [Röhrich, Laure]. Zur Erinnerung an Pfarrer Ernst 
Theodor Röhrich, geb. den 19. Juli zu lllkirch, gestorben 
am 14. September 1901 als Pfarrer von Erstem. Strass- 
bürg, elsäss. Druckerei 1901. 25 S. 



704 



ICaiser. 



286. Schuler, Laugel, A, TWophile Schuler. Biogrjiphies 

alsaciennes. VIII. (lER 3 (1901), S. 57 - 88). [Und:] 
L'oeuvre de Thdophile Schuler. XII S. 

287. Siecht. Obser, Karl. Zu Reinbold Siecht. (ZGORh 

N.F. 16 (1901), S. 466—467). 

288. S/etdan. Bourilly, V.-L. Jean Sleidan et le cardinal 

du Bellay. Premier s^jour de Jean Sleidan en France 
(1533— '540). (BHL 46 s6r., 10 (iQOi), S. 225 
—242). 

289. Spach, Spach, Ludwig. Autobiographische Aufzeich- 

nungen. Herausgegeben von F. X. Kraus. (Fort- 
setzung). (JbGEL 17 (1901), S. 182 — 224). [Vgl. 
Bibl. f. 1899, Nr. 351; f. 1900, Nr. 327]. 

290. Spangenher g, Schmidt, [Peter]. Spangenberg, Cyriacus. 

(Handwörterbuch d. Staatswissenschaften 2. Aufl. 6 
(1901), S. 848 — 849). 

291. Spener, Kekule von Stradonitz, Stephan. Philipp 

Jakob Spener in seiner Bedeutung für die Heraldik 
und die Genealogie. (Die Grenzboten 60, i (1901), 
S. 610 — 620). 

292. — Kolb, Chr. Die Anfange des Pietismus und Sepa- 

ratismus in Württemberg (Fortsetzung). (Württemb. 
Vierteljahrshefte f. Landesgesch. N.F. 10 (1901), 
S. 210 251, S. 364—388). [Vgl. Bibl. f. 1900, 
Nr. 330]. 

Vgl. Nr. 337. 

293. Stimmer, Stolberg, A. Tobias Stimmer. Sein Leben 

und seine Werke mit Beiträgen zur Geschichte der 
deutschen Glasmalerei im 1 6. Jahrhundert, Mit 20 Licht- 
drucktafeln. (Studien z. deutsch. Kunstgesch. 31). 
Strassburg, Heitz & Mündel 1901. VIII, 149 S. 

294. — Stolberg, A. Tobias Stimmer als Glasmaler. (KEL 2 

(1901/02), S. 81—93). 

295. Zu den Visierungen Tobias Stimmers. (KEL 2 

(1901/02), S. 94 — 100). 
s.: Nr. 233. 

296. Strassburg^ Gottfried von, Bartels, Adolf. Gottfried von 

Strassburg. (Erwinia 8 (1901), S. 154 — 158). 
Vgl. Nr. 373. 
2{)bK Strassburg , Nikolaus von, s.: Nr. 393. 

297. Strassburg, Ulrich von, v. Loe. Ulrich von Strassburg. 

(WW 12 (1901), S. 219 — 220). 
♦298. Stürtzel, Buchwald, Georg. Konrad Stürtzel von Buch- 
heim . . . 1900. [Vgl. Bibl. f. 1900, Nr. 335]. 

Rec: HJb 22 (1901), S. 196 (J. S.[auer]). — LCBl 
1901, S. 270—271 (W. K.[öhle]r). — ZGORh N.F. 16 
(1901) S. 140 — 141 (A, W.[erminghoff]). 



yo6 Kaiser. 

312*. Wührlin. s.: Nr. 60. 

313. Wurmser, [Krohn, August], Ober die Nassau-Saar- 

brückischen Regimenter in französischen Diensten bis 
1789. [Betr. Dagobert Sigismund Wurmser] (MHVS 8 
(1901), S. 1—7). 

314. Zancht, Paulus, N. Zanchi, Hieronymus. (W\V 12 

(1901), S. 1667 — 1668). 
314«. Z^//. s.: Nr. 179. 

315. Zichle, Voyage ä Prague du greffier-syndic de Mul- 

house, Jean-Georges Zichle, 14 novembre 1597 — 27 
fevrier 1598. (BMHM 25 (1901), S. 32—82). 
315a. Z(?r» von Bulach. s.: Nr. 277. 



IX. Kirchengeschichte. 

316. Cohrs, Ferdinand. Die evangelischen Katechismus- 

versuche vor Luthers Enchiridion. 3 : Die evangelischen 
Katechismusversuche aus den Jahren 1528 — 1579. 
(Monumenta Germaniae paedagogica XXII). [Betr. 
Brunfels, die Catalogi von 1527 und Catechesis von 
1529]. Berlin, Hofmann & Co. 1901. XXIV, 480 S. 

317. E.[rnst], Aug. Elsässische Geschichtsbilder. Die Geissler. 

Johann Tauler. Geiler von Kaisersberg. (EvPrKb 30 
(1901), S. 222 — 225, S. 293 — 296, S. 366—368). 
3x8. Fl ade. Deutsches Inquisitionsverfahren um 1400. [Betr. 
die Strassburger Winkeler]. (Zeitschr. f. Kirchengesch. 
22 (1901), S. 232 -253). 

319. Gass, [Joseph]. Das Alter der lauretanischen Litanei. 

(StrDBl N.F. 3 (1901), S. 264-268). 

320. — Die Elsässischen Franziskaner-Rekollekten 1797. (StrD 

Bl N.F, 3 (1901), S. 103 — 109). 

321. — Pfarrgehalt im 17. Jahrhundert. (StrDBl N.F. 3 (1901), 

S. 196—197). 

322. Hegler, Alfred. Sebastian Francks Lateinische Para- 

phrase der Deutschen Theologie und seine holländisch 
erhaltenen Traktate. Tübingen, Schnürlen 1901. 122 S. 
Rec: DLZg 22 (1901), S. 1797 — 1800 (Philipp 
Strauch). 

323. Hoch, Alexander. Geilers von Kaysersberg »Ars Mori- 

endi« aus dem Jahre 1497 nebst einem Beichtgedicht 
von Hans Foltz von Nürnberg herausgegeben und 
erörtert . . . (Strassburger theol. Studien. Vierter Band. 
Zweites Heft). Freiburg i. B., Herder 1901. XII, 
III S. 
Rec: HJb 22 (1901), S. 459 — 460 (N. P.[aulu8]). 

324. K. Elsässische Jesuitenmissionare vor der Revolution. 

(StrDBl N.F. 3 (1901), S. 194- 196). 



yo8 Kaiser. 

(Schweizerische theolog. Zeitschr. i8 (igoi), S. 13—29, 
S. 65—91, S. 129 — 151, S. 193—210). 

Vgl. Nr. 42, i|5 ff., 74, 76, 106, III ff., 115, 121 f., 
126, 131 f., 135, 151 ff., 162, 199 ff., 210, 34b. 



X. Kunstgeschichte und Archäologie. 

339. Brück, Robert. Die elsässische Glasmalerei. [Strass- 

burger] Inaugural-Dissertation ... 190 1. 50 S. 

340. Gl au SS, Jos. M. B. Mittelalterliche Reliquiare im Elsass. 

(KEL 2 (1901/02), S. 41 -52). 

341. Gorrell, Ferdinand. Deutsche Fachwerkbauten der 

Renaissance. Eine Sammlung hervorragender Holz- 
bauten. Aufgenommen und herausgegeben von F. C. 
mit erläuterndem Text von Hans Stegmann. [M. vielen 
elsässischen Bauten], i. u. 2. Serie. Berlin und New- 
York, Hessling 1900/01. Je 30 Lichtdrucktafeln. 

342. Dehio, G. Über den Einfluss der französischen auf 

die deutsche Kunst im 13. Jahrhundert. [Betr. die 
Strassburger Kunstgeschichte]. (HZ N.F. 50 (1901), 
S. 385—400). 

343. Dons et acquisitions de l'ann^e 1901. (BMHM 25 {1901)» 

S. 92 — 105). 

344. Fenn, Waldemar. Römisches Kunstgewerbe im Elsass. 

(KEL 2 (1901/02), S. 1—8). 

345. Forrer, R. Altelsässische Bauern-EUen. (lER 3 (1901), 

s. 51—56- 

346. — Altelsässische Fassriegel. (lER 3 (1901), S. 92 — 93). 

347. — Fundnotiz. (Zeitschr. f. histor. Waffenkunde 2 (1900/02), 

S. 51). 

348. — Geschichte der europäischen Fliesenkeramik vom Mittel- 

alter bis zum Jahre igoo. Mit 107 Tafeln (700 Ab- 
bildungen) in Licht- und Farbendruck, nebst 200 Ab- 
bildungen im Text. [Betr. S. 61 ff. vielfach elsässische 
Fliesen], Strassburg i. Eis., Schlesier & Schweikhardt 
1901. 93 S. 

349. — Studienmaterial zur Geschichte der Mittelalterwaffen. 

[Betr. S. 206 f. die Centaurenfliesen der St. Fides- 
kirche zu Schlettstadt, S. 3C0 Miniaturen des Jordanus 
V. Lützel). S. 311 Waffengeschichtliche Miniaturen aus 
dem Hortus deliciarum der Herrad von Landsberg]- 
(Zeitschr. f. histor. Waffenkunde 2 (1900/02), S. 201 

—207. s. 310—314). 

350. — Unedierte Federzeichnungen, Miniaturen und Initialen 

des Mittelalters. Mit 50 Täfeln in Lichtdruck und 
1 2 Abbildungen im Text. [Enthält vier Miniaturen aus 
einem Bilderkodex mit dem Wappen des Jordanus v. 



710 



Kaiser. 



366. Wolff, F. Le classement des monuments historiques en 

AIsace-Lorraine. (lER 3 (1901), S. 150 — 156). [Er- 
schien auch als Sonderdruck: Strasbourg, Noiriel 1901. 

7 s.] 

367. — Zur Denkmalspflege in den Reichslanden. (K£L 2 

(1901/02), S. 100/107). [Dem Inhalt nach identisch mit 
der vorigen Nummer]. 

368. Zinn, elsässisches. (KEL 2 (1901/02), S. 17 — 19). 

369. Zum Buchgewerbe im Elsass im XV. Jahrhundert. (KEL 

2 (1901/02), S. 108—110). 

Vgl. Nr. 36 f., 39, 81, 87 ff., 121, 124 f., 145, 147, 
154, 170, 184. 



XI. Litteratur- und Gelehrtengeschichte. Archive und 

Bibliotheken. Buchdruck. 

370. Albert, Peter P. Die Geschichtschreibung der Stadt 

Freiburg in alter und neuer Zeit. [Betr. auch die 
elsässische Gelehrtengeschichte, u. a. Johannes Meyer, 
Münster, Schilter]. (ZGORh N.F. 17 (1901), S. 493 

-578). 

371. Althof, H. Zum Waltharius. (ZDPh 33 (1901), S. 349 

— 368, S. 437—455). 

372. Beiträge zur Schul- und Erziehungsgeschichte von Elsass- 

Lothringen. Der 46. Versammlung deutscher Philologen 
und Schulmänner in Strassburg i. E. gewidmet von der 
Gruppe EIsass-Lothringen der Gesellschaft für deutsche 
Erziehungs- und Schulgeschichte. (Mitteilungen der 
Gesellschaft . . . Jahrg. XI, Heft 4, S. 239 — 353). 
Berlin, Hofmann & Comp. 1 90 1 . 115 S. 

373. Bernhardt, E. Ober du und ir bei Wolfram, Hartmann 

und Gottfried und über tu und vos in den entsprechenden 
altfranzösischen Gedichten. (ZDPh 33 (1901), S. 368 

—390). 
'374* Giemen, Otto. Beiträge zur Reformationsgeschichte aus 
Büchern und Handschriften der Zwickauer Ratsschul- 
bibliothek. I. Heft , . . 1900. [Vgl. Bibl f. 1900, 
Nr. 329]. 

Rec.:ZGORhN.F. 16(1901), S. 309— 310 (P. Kalkoff). 

375. Ehretsmann, Eugen. Der deutsche Geist in der 

elsässischen Dichtung des 19. Jahrhunderts. (Garten- 
laube 1901, Nr. 14). 

376. Ettlinger, Emil. Ein ungedrucktes Gedicht von Mosche- 

rosch. (JbGEL 17 (1901), S. 25 — 32). 

377. Faber, C. W. Schulkomödien bei den Mindern Brüdern 

zu Thann i. E. im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts. 
(MGESchG II (1901), S. 307 — 314). 



712 



Kaiser. 



391. Mayer, Hennann. Mitteilungen aus dem dritten Matrikel- 

buch der Universität Freiburg i. Br. Jahre 1585 — 1656. 
[Betr. elsäss. Studenten], (Alemannia N.F. 2 (1901), 
S. 23 — 52). 

392. Moon, George Washington. The olderst type-printed 

book in existence: a disquisition on the relative anti- 
quity of the Pfister and Mazarin bibles and the 
»65-Line A« catholicon: prefaced by a brief history of 
the invention of printing. London, privately printed. 
MCMl. 47 S. 

393. Nebert, R. Untersuchungen über die Entstehungszeit 

und den Dialekt der Predigten des Nikolaus von Strass- 
burg. (ZDPh 33 (1901), S. 456—485). 

394. Pohl, Josef. Zu Fischarts Flöhhaz. (Euphorion 8 (1901), 

s. 713—716). 

t395« Rehmer. Notes sur l'histoire du th^itre en Alsace. (La 
Lorraine, mai et juin 1901). 

396. Roth, F. W. E. Jakob Köbel, Verleger zu Heidelberg, 

Buchdrucker und Stadtschreiber zu Oppenheim a. Rh. 
1489 — 1533. [Mit einem Briefe v. Jodok Galtz und 
manchen Beiträgen z. elsäss. Gelehrtengesch.] (N. 
Archiv f. d. Gesch, d. Stadt Heidelberg u. d. rhein. 
Pfalz 4 (1901), S. 147 — 179). 

397. — Zur Geschichte der Eltviller Buchdruckerei 1467 — 1476. 

[Betr. Gutenberg]. (CBlBw 18 (1901), S. 114— 122). 

398. Rüge, S. Die Quellen von Fischarts Ehezuchtbüchlein. 

(ZDPh 33 (1901). S. 284- 286). 

399. Schiffmann, Konrad. Das Schulwesen ob der Enns bis 

zum Ende des 17. Jahrhunderts. [Betr. Beziehungen 
zur Strassburger Schule]. (Beitr. z. Landeskunde v. 
Österreich ob der Enns 53 (1901), S. i — 297). 

400. Schwenke, P. Gutenberg und die Type des Türken- 

kalenders. (CBlBw 18 (1901), S. 289 — 296). 

401. Ss. Bilder aus der Geschichte unserer elsässischen Volks- 

schule. (Fortsetzung). (ELSchBl 31 (1901), S. 21—23, 
S. 54—57, S. 87—88, S. 122—125, S. 157 — 160, 
S. 187 — 189, S. 221 — 224, S. 255 — 257,5. 289—291, 
S. 316—319, S. 333— 33^» S. 352—356» S. 3^6—369), 
S. 389—392). [Vgl. Bibl. f. 1900, Nr. 443]. 

402. Tschamber, [Karl], Ländliche Schulmeisterei im 16. Jahr- 

hundert. Ein Beilrag zur Geschichte des Volksschul- 
lehrerstandes im Ober-Elsass. (ELSchBl 31 (1901), 
S. 302 — 304). 

403. Victori, Jos. Ältere Tonwerke der Bibliothek des Strass- 

burger Priesterseminars. (StrDBl N.F. 3 (1901), S. 390 

—393). 

404. Voltaire im Elsäss. (Der Elsässer 1901, Nr. 199 u. 

201). 



7 «4 



Kaiser. 



417. [Pf ister, Christian]. Gutachten über die Dagsborger 

Waldverordnung vom 27. Juni 16 13. Strassborg, Druck 
von Du Mont-Schauberg [iQOi], 46 S, 

418. [P fister, Chr^tien], Rapport snr le titre forestier du 

27 juin 16 13. Metz, impr. de la Gazette de Lorraine 
1901. 30 S. 

419. R.[euss], Rodolphe. Alsace. [Die Juden i, E.]. (The 

jewish encyclopedia [1901], S. 455 — 463). 

«420. Schmidt, Charles. Les seigneurs, les paysans et la 

propri6t6 rurale en Alsace au moyen-äge . . 1897. 

[Vgl. Bibl. f. 1897/98, Nr. 850; f. 1899, Nr. 494, f. 

1900, Nr. 463]. 

Rec: HVj 4 (1901), S. 138 — 139 (E. O. Schulze). 

421. Schubert, Louis. Le droit des gens mari6s dans la 

coutume de Lorraine. Th^se pour le doctorat . . . 
(Universit6 de Paris-facult6 de droit). [Betr. auch das 
ehemals lothringische Leberthal]. Paris, librairie de la 
Soci6t6 du Recueil g6n6ral des Lois et des Arröts 
190X. 213 S. 

422. Vogesenreisen in alter Zeit. (Mitteilungen aus dem 

Vogesenclub 35 (1901), S. 45—50- 

Vgl: Nr. 42, 46, 64, 107, 1(6 ff., 136, 166, 169, 
321, 328, 333 ff. 



XIII. Völkskunde. Sage. 

423. Hertzog, Aug. St. Gangolf. (VBl 1901, Nr. 11). 

424. — St. Gangwolf. (Correspondenzblatt d. dtsch. anthropol. 

Ges. 1901, Nr. 7). 

425. Lienhart, Hans. Die Kunkelstube. (3. Fortsetzung u. 

Schluss). (JbGEL 17 (1901), S. 233—240). [Vgl. 
Bibl. f. 1892/93, Nr. 766; f. 1894/95, Nr. 860; f. 
1897/98, Nr. 878]. 

426. Stichel, Ren6. Legendes de TAlsace recueillies par 

Auguste Stoeber. (Revue des traditions populaires 16 
(1901), S, 617—629). 

427. Trachten und Sitten im Elsass. Text von A. Laugel. 

Illustrationen von Charles Spindler. Lieferung 17 — 29. 
Strassburg, Elsassische Druckerei [1902]. S. 129 — 264. 
[Auf d. Umschlag führen sämtl. 1901 erschienenen 
Lieferungen noch die Jahreszahl 1900]. [Vgl. Bibl. f. 
1900, Nr. 479]. 

428. Walter, Theobald. Sagen aus dem Oberelsass. Ge- 

sammelt und dem Volksmund nacherzählt. (Erwinia 8 
(1901), S. 170— 171). [Vgl. Bibl. f. 1899, Nr. 517; 
f. 1900, Nr. 481]. 



7i6 



Kaiser. 



439. Geisberg, Max. Das Wappen des Meisters E. S. 

[Erblickt in dem Künstler ein Mitglied der Strassburger 
Familie Reibeisen]. (Jahrbuch d. Königl. Preussischen 
Kunstsammlungen 20 (1901), S. 56 ff.). 

440. Gl o eck 1er, Louis-Gabriel. Allocution prononc^e le 

8 octobre igoi . . . ä Toccasion du mariage de mon- 
sieur le baron Sigismond de Reinach-Hirtzbach avec 
mademoiselle la baronne Charlotte de Mullenheim- 
Rechberg. [Überblick über die Geschichte beider 
Familien], Rixheim, Sutter [igoi], 15 S. 

441. Müllenheim von Rechberg, Hermann Frhr. von. 

Familienbuch (Urkundenbuch) der Freiherren von 
Müllenheim-Rechberg. II. Teil. Zweiter Abschnitt . . . 
Strassburg i. £. In Kommission bei Heitz & Mündel 
1901. 176 S. [Enthält als Einleitung S. i — 54: v. 
MüUenheim, Kurzer Abriss der Geschichte der Stadt 
Strassburg von 1482 bis 1789]. 

442. S.[c heuermann], W. Die Ausstellung der elsassischen 

Medaillen in der Landesbibliothek. (StrP 1901, Nr. 
949 u. 952). 

Vgl. Nr. 21, 268, 358. 



XVI. Historische Karten. 

(Nichts erschienen). 
Vgl. Nr. 35. 



yi8 Miscellen. 

mitten schleristkünftigen Monats Septembris erstrecken möchte, 
so hab nichtsdestoweniger £. Kon. W. dessen zuvor hiermit zu- 
verstendigen ich nicht underlassen, derhalben mein dienstliches 
bieten, £. Kon. W. wollen mir durch deroselben Königreich 
Lanndt und Gebieten frei sicher gleit und Pass gnediglichen 
mitheilen und bey alleinig dess wegen abgefertigten Zeigern hier- 
über schriftlichen Schein und Patenten fürderlichst zukommen 
auch inmitelst dise gnedige Verfügung thun lassen, darmit ich 
sambt meinen mithabenden Dienern umb gebürliche bezeeluDg 
mitt Pferdten und wägen unverhinderlich durchgebracht und 
fortzihen mögen. 

Solches begere umb S. Kon. Mt. (deren ich one das zu 
angenemen diensten jederzeit erbietig) ganntz willig zu verdienen, 
Dieselben hiermit inn Schutz des alknechtigen bevelhendt. Datum 
Gribsholm, den 14. augusti ao (15)82. 

E. Kön. W. 
Williger Ernnst Friderich von Gottes gnaden Marggraf za 

Baden und Hochberg, Landtgraf zu Susenberg, Hen 

zu Röteln und Badenweiler. 
Basel, Ernst Weydmann, 



Tobias Stünmer am baden-badischen Hofe. Ober die 
Beziehungen dieses begabtesten unter den oberdeutschen Meistern 
der Spätrenaissance zum baden-badischen Hofe fliessen die Nach- 
richten recht spärlich. Das Wenige, was darüber bekannt war, 
hat A. Stolberg in seiner kürzlich erschienenen verdienstvollen 
Monographie 'des Strassburger Malers 1) zusammengefasst. Danach 
steht fest, dass Stimmer Ende der 70er Jahre von Markgraf 
Philipp n. zur künstlerischen Ausschmückung des grossen 
Fürstensaals im neuen Schlosse nach Baden berufen worden . ist 
und seine Arbeit im Jahre 157Q zu Ende geführt hat. Neunzig 
Jahre später, beim Schlossbrande von 1689, ist auch sein Werk, 
von dem wir aus dem 17. Jahrhundert eine höchst anschauliche 
Schilderung besitzen"), ein Raub der Flammen geworden: ein 



^) Stolberg, Tobias Stimmer, sein Leben und seine Werke. In dem 
S. 147 ff. beigegebenen Litteraturverzeichnis wäre ergänzend einzuschalten: 
Brambach, Bildnisse zur Gesch. des badischen Fürstenhauses, S. i ff>.' 
Krieg, Die beiden Schlösser zu Baden, S. 91, 143, 146, 171, 177. — 
*) Die angeblich von dem Jesuitenpater Gamans im Jahre 1667 verfasste 
Beschreibung des Fürstensaals, gedruckt bei Krieg, a. a. O. 166 ff. Eine 
ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert stammende freie Obersetzung der latei- 
nischen Vorlage ins Deutsche, ging mit dem Nachlass Mones in den Besitt 
des Karlsruher Archivs über ; sie enthält Zusätze, die mit Bestimmtheit darauf 
schliessen lassen, dass auch der Obersetzer die Gemälde des Fürstensaals 
aus eigener Anschauung kannte. 



720 



Miscelleii. 



Wohnsitz in Strassburg beibehalten, dafür spricht, abgesehen vod 
dem Zeugnis des jungen Ulmer, die Thatsache, dass ihm auf 
seine Bewerbung im Oktober 1582 das Bürgerrecht zu Strassburg 
verliehen wurde 1). Man wird also annehmen müssen,- dass er 
nur gelegentlich, wenn man, wie im vorliegenden FalU seiner 
bedurfte , nach Baden herüberkam. Auch das Datum des 
Erlasses ist nicht ohne Interesse. In einer früheren Studie über 
»Tobias Stimmers Malereien an der astronomischen Münsteruhr 
zu Strassburg«, S. 30, hatte A. Stolberg eine Stelle aus den 
Protokollen der Zwanziger vom 5. Okt. 1583 angeführt, wo der 
Meister unter den Strassburger Älalern nicht genannt wird, und 
daraus den Schluss gezogen, dass Stimmer schon im Sommer 1583 
gestorben sei. Das war, wie er mittlerweile selbst festgestellt 
hat, ein Irrtum; als Todestag ist vielmehr der 4. Januar 1584 
anzusehen 2). Die auffallige Notiz in den Protokollen aber findet 
durch das oben mitgeteilte Reskript ihre natürliche Erklärung. 
— Es befremdet, dass in demselben von Denkmälern des 
badischen Fürstenhauses in Herrenalb die Rede ist, während 
wir doch nur von dem einen Denkmal Kunde haben, das dem 
Markgrafen Bernhard I. zu Ehren errichtet wurde und noch 
heute dort zu sehen ist. Augenscheinlich liegt lediglich ein 
Versehen vor, denn ein Dorsalvermerk des Herrenalber Schaffners: 
^Marggrauen Räth schreyhen des Hofmahlers halb, jne des Marg- 
grauen Bernharts, so im Closter begraben ligt'^), eppitauium besehen 
zu lassen«, bezieht das Gesuch ganz richtig nur auf das Denkmal 
Bernhards. — Der Auftrag selbst liefert einen neuen Beleg für 
die wissenschaftlichen und künstlerischen Bestrebungen, durch 
die sich Markgraf Philipp während seiner kurzen Regierungszeit 
hervorragende Verdienste erworben; er steht möglicherweise im 
Zusammenhange mit einem grossem litterarischen Unternehmen 
jener Zeit. Im Herbst 1582 schreibt der Markgraf nämlich an 
den Herzog Franz von Luxemburg, er habe mit der Sammlung 
des Stoffes für eine Geschichte und Genealogie seines Hauses 
begonnen, und ersucht ihn, seinen Historiographen Dr. Johann 
Pistorius, den er mit der Arbeit betraut habe, bei seinen For- 
schungen zu unterstützen 4). Die Annahme liegt mithin nahe, 
dass die Risse, die Stimmer, wie in Herrenalb vielleicht auch an 
andern Orten, nach vorhandenen Denkmälern und Altertümern 



») Stolberg, a. a. O i2. — «) A. Schmidt, Tob. Stimmers 
Todesjahr. Jahrbuch für Geschichte, Sprache und Litteratur Elsass- 
Lothringens XVI, 191 ff. Stolberg, a. a. O. 14 ff. — •) Beiläufig ein 
Beleg dafür, wie alt der noch in der neueren Litteratur mehrfach ver- 
breitete Irrtum ist, dass Markgraf Bernhard in Herrenalb seine letzte 
Ruhestätte gefunden habe. VergL dagegen Fester, Reg. der Markgr. 
V. Baden, I, nr. 4378. — *) Haus- und Staatsarchiv, Personalien. Baden- 
Baden. 4. Korrespondenz. 



Miscelleo. 



721 



anzufertigen hatte, als Illustrationen — sei es in Holzschnitten, 
sei es in Radierungen — dem geplanten, in der Folge leider 
verloren gegangenen Geschichtswerke beigegeben werden sollten 
oder zum mindesten doch als monumentales Urkundenmaterial 
für dasselbe bestimmt waren. Die Zeichnungen Stimmers haben 
sich bedauerlicherweise nicht erhalten, wenigstens werden sie in 
der sorgfältigen Zusammenstellung, die Stolberg von den heute 
noch vorhandenen Arbeiten des Meisters giebt, nicht genannt. 
Bald nach ihrer Vollendung ist er, in kräftigem Mannesalter, ein 
Vierzigjähriger, der Kunst zu früh entrissen worden. 



Zeitschriftenschau und Litteratumotizen. 



Von Veröffentlichungen der Badischen Historischen 
Kommission ist erschienen: 

Regesten zur Geschichte der Bischöfe von 
Konstanz. Zweiter Band, 5. und 6. Lieferung (1361 
— 1383), bearbeitet von Alexander Cartellieri. Inns- 
bruck, Wagner. 

Mannheimer Geschichtsblätter. Jahrg. III. (1902) Nr. 7. 
F. Walter: Der Orleans'sche Krieg in der Pfalz. Sp. 149 
— 57. Fortsetzung der früher besprochenen Publikation. — 
J. Busch: Karl Ludwig Sand. Sp. 158 — 162. Fortsetzung 
der biogr. Skizze. — Miscellanea: O. Schoetensack: Paläo- 
lithische Funde in der Gegend von Heidelberg. Sp. 165. 
Knochen eines Boviden und Lanzenspitze. — Das Hub- und 
Weggericht zu Edigheim bei Frankenthal. Sp. 165 — 166. 
Abschrift einer Urkunde von 1479 aus einem Berliner Kopiai- 
buch. — W[alter]: Nochmals das Wappen am Grossh. 
Schloss in Mannheim. Sp. 166 — 167. Gegen die Deutung 
der Arabesken in dem leeren Kurschild. 

Nr. 8 und 9. J. Busch: Karl Ludwig Sand. Sp. 170 
— 175. Schlüss, — F. Walter: Der Orleans'sche Krieg 
in der Pfalz. Sp. 175 — 184. Fortsetzung. — Miscellanea: 
K. Bfaumann]: Zwei römische Reliefbilder aus Neckaran. 
Sp. 184. Reste eines Viergöttersteins, Untersatzes for ein Jupiter- 
denkmal. — Die Karl-Ludwiggasse in der Festung 
Friedrichsburg. Sp. 186 — 187. Schenkung für den Rau- 
grafen Karl Ludwig. — Wilckens: Das Wappen am Grossb. 
Schloss in Mannheim. Sp. 186. — Mannheimer Gast- 
wirtstarif von 1669 und 1674. Sp. 186 — 187. — Aus dem 
Neckarauer Gemeindeprotokoll. Sp. 188. Kulturgeschicht- 
lich interessante Einträge aus dem 18. Jahrh. 

Neues Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg 
und der rheinischen Pfalz. Band V» Heft i. K. Christ: 
Registrum exaccionis oder Landschatzung von 1439. 
S. I — 64. Fortsetzung der in Band III, 2 1 8 ff. begonnenen Ver- 
öffentlichung; betrifft die Landorte um Heidelberg. 



724 



Zeitschriftenschau und Litter aturnotizen. 



an den kaiserlichen Hof unternommen hat. — Documents 
pour servir k Thistoire de la guerre de Trente ans, 
S. 83—86, Abdruck zweier Einträge aus dem Missivenband des 
Mülhauser Stadtarchivs mit Angaben über den Schwedenkrieg im 
Jahre 1632, die Einnahme von Benfeld, Markolsheim, Colmar. 



Revue d'Alsace: Nouvelle serie. Band 3. Jahr 1902. 
Juli-August-Heft. Reuss: Une medaille alsacienne, S. 323 
— 363, veröfi'entlicht das dem Strassburger Stadtarchiv angehörende 
Aktenmaterial über eine Medaille, deren Prägung im Jahre 1781 
aus Anlass der hundertjährigen Zugehörigkeit Strassburgs zu 
Frankreich stattfand. — Keller: Saint- Nico las ouun prieure 
dans les Vosges (Fin), S. 324 — 376, Fortführung der Dar- 
stellung bis zum Untergang des Klosters, das zuletzt in den 
Händen der Jesuiten war. — Liblin & Gasser: La chronique 
de Franvois-Joseph Wührlin de Hartmanswiller (Suite?, 
S. 377 — 407, behandelt die Jahre 1811— 1814. — .\ngel 
Ingold: Les troubles de Landser (Suite), S. 408 — 421, 
schildert die kirchlichen Unruhen im Jahre 1802. — Bücher- 
und Zeitschriftenschau S. 422 — 434, aus der eine längere 
Besprechung von Schmidlin, Ursprung und Entfaltung der habs- 
burgischen Rechte im Oberelsass, hervorgehoben sei. — Bei- 
lage: Table de mati^res (alphab^tique, analytique, 
bibliographique) de la Revue d'Alsace (1850 — 1899), 
S 121 — 135, Fortführung des analytischen Index bis Histoire, 
Bcxjrsch. 



Revue catholique d'Alsace: Nouvelle serie. Band 21. 
Jahr IQ02. Juni-Juli-Hefte. De St. Antoine: L'abbaye de 
Moyenmoutier, S. 401 — 406, Besprechung des gleichnamigen 
Buches von J^röme mit Hervorhebung der zahlreichen Be- 
ziehungen, in denen die Abtei zur elsässischen Kirche gestanden 
hat. — Angel Ingold: Un dpisode de la vie municipale 
ä Colmar au si^cle dernier (Suite et fin), S. 407-423, 
485 — 503, enthält vornehmlich die Antworten auf die von Hurst 
und Sonntag beim Intendanten erhobenen Beschwerden. — 
Landsmann: Wissembourg. Un si^cle de son histoire 1480 
— 1580, S. 437 — 453, 504 — 518, bespricht Butzers Aufenthalt 
in Weissenburg und das Eindringen des Protestantismus, die 
Säkularisation der Abtei und den Bauernaufstand. — Wagner: 
Une lettre in6dite du P. Lacordaire, S. 481 — 484, sachlich 
unbedeutendes Schreiben aus dem Jahre 1846. — B.[lum- 
htein]: L'oeuvre Notre-Dame et sa legende, S. 519 — 531, 
Anfang eines polemischen Artikels, der gegen Hanauer, Noa- 
velles notes sur l'oeuvre Notre-Dame (vgl. S. 389 u. 543 dieses 
Bandes) gerichtet ist. 



^26 Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 

(S. 31 — 52) eine Zusammenstellung der vorgeschichtlichen 
Funde aus der Umgegend von Karlsruhe, die sich im 
wesentlichen an die beiden ältesten Besiedelungsstreifen längs 
des Rheinhochgestades und des Gebirges anschliessen. Weitere 
Mitteilungen Schumachers behandeln die aus der älteren und 
jüngeren Hallstattperiode stammenden Grabhügel im Dörnig- 
walde bei Weingarten (S, 53 — 60) und drei Grabhügel 
bei Forst — Brandgräber der jüngsten Bronzezeit — (S. öi 
— 63). Ein merkwürdiges Skulpturwerk vom Anfange des 
14. Jahrhunderts, einen aus Grafenhausen stammenden Sand- 
steinsarkophag mit rätselhaftem Figurenschmuck, bespricht M. 
Wingenroth (S. 65 — 69); nach seiner Vermutung würde es 
sich um eine Darstellung der Seele des Verstorbenen handeln, 
um die sich Engel und Teufel streiten. In Liselottens 
Jugendzeit führt uns ein Aufsatz von A. Winkel mann, dessen 
Schwerpunkt in der Schilderung der Erziehungs- und Jugend- 
geschichte der Fürstin liegt (S. 71 — 86). K. O. 



Das Reichsland Elsass-Lothringen. Landes* und 
Ortsbeschreibung, herausgegeben vom Statistischen Bureau des 
Ministeriums für Elsass-Lothringen. Strassburg, Ed. Heitz (Heitz 
und Mündel). 

Die vom statistischen Bureau des Ministeriums für Elsass- 
Lothringen herausgegebene Landes- und Ortsbeschreibung (vgl. 
in dieser Zeitschrift XIV, 494) ist nunmehr bis zur 5. Lieferung 
vorgeschritten ^). Die beiden ersten Teile, eine »allgemeine 
Landesbeschreibung« und eine Statistik, sind völlig abgeschlossen; 
das statistisch-geschichtliche Ortsverzeichnis, das den Schwer- 
punkt des Werkes bilden soll, ist bis in den Buchstaben F hinein 
(Ferme d'Ancillon) geführt. Schon jetzt ist zu erkennen, dass wir ein 
Buch erhalten werden, welches allen, die sich über das Reichs- 
land unterrichten wollen, unentbehrlich sein wird; insbesondere 
ist für das Elsass die Aufgabe, das seit 1865 nicht mehr neu 
aufgelegte Dictionnaire von Baquol-Ristelhuber zu ersetzen, gelöst. 
Aber auch das tritt schon jetzt zu schmerzlichem Bedauern 
hervor, dass sich in diese Anerkennung für den Historiker ein 
bitterer Tropfen Wermut mischt: wo man die tüchtigsten Kräfte 
gewann, damit die natürlichen Verhältnisse des Landes in jeder 
Hinsicht beschrieben wurden, wo die Flora und die Fauna 
gewürdigt, wo die Bewohner nach ihrer physischen Beschaffenheit^ 
nach ihrer Sprache, nach ihrer Bethätigung in Handel und 
Verkehr, in Gewerbe und Landwirtschaft eingehend geschilderte 
wurden, wo den merkwürdigen Bäumen in Elsass-Lothringen ein»- 
besonderer Anhang gewidmet werden durfte, — da war keir^»- 
Raum, die Bevölkerung in der engsten Verknüpfung mit derc^ 



*) Inzwischen ist auch die 6. Lieferung ausgegeben worden (Femie d 
Bac — Luxemburg). Anm. d. Red. 



•jzS Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 

aber lässt es deutlich erkennen, was schon die »Beiträge^ ver- 
raten: wenn auch Historiker bei der Sammlung und Sichtung 
des Stoffes beteiligt gewesen sind, für die Gestaltung und Leitung 
des Werkes scheint man auf ihre Unterstützung verzichtet zu haben. 
Sie würden allerdings ernste Bedenken dagegen erhoben und 
vielleicht sogar verhindert haben, dass die Ortschaften des Elsasses 
und Lothringens in eine einzige Namenreihe verschmolzen 
wurden. Wie gewaltsam und ungeschichtlich dieses Zusammen- 
schweissen beider Gebiete ist, spürt jeder, der etwa mit dem 
neuen Werke das elsässische »Historisch-topographische Wörter- 
buch'^' von Clauss vergleicht: hier schliesscn sich doch alle die 
einzelnen Artikel zu einem Bilde des ganzen Landes zusammen. 

Ein Historiker würde mit leichter Mühe eine sachgemässe 
Behandlung der älteren Urkunden erzielt haben: er würde die 
Fälschungen gleichmässig ausgeschieden und dennoch sie nach 
ihrer Entstehungszeit angemessen für die Namensformen und die 
Besitzverhältnisse verwertet haben. Jetzt hingegen treten ihnen die 
Bearbeiter entweder in harmloser Unkenntnis oder hilflos mit 
einem Fragezeichen bewaifnet gegenüber; zuweilen befleissigcn 
sie sich auch schöner Unparteilichkeit, indem sie z. B. bei 
Brubach oder Bergholz Urkunden unbedenklich benutzen, die sie 
bei Dammerkirch oder Ballersdorf mit Recht als unsichere Quellen 
bezeichnen. 

Ein Geschichtsforscher, dem nicht durch die erdrückende 
Fülle des Gegenwärtigen der Ausblick auf die Vergangenheit 
verschlossen ist und der in weiter Umschau die Dinge in ihrem 
rechten Verhältnisse zu einander sehen soll, — er würde kaum 
geneigt sein, in einem Werke, das von sachverständiger Knapp- 
heit zeugen sollte, den Kranz der Unsterblichkeit jenem Ehe- 
paare von Breitenbach zu reichen, das wie zahllose Fromme 
aller Zeiten und Orte nach seinen Kräften zum Bau einer 
Kapelle beigetragen hat; er würde schwerlich die Rechtsgrund- 
lagen der Stiftung der 4 Freiplätze an der Freiburger Universität 
durch Theobald Henning von Dammerkirch erörtert haben; er würde 
kaum mit der kleinen Sorge des Ortsgelehrten, der auch dem 
Bewohner von Breisdorf Freundliches sagen möchte, von der 
.höchst einfachen, schmucklosen aber hübschen« Bergkapelle 
sprechen; er würde es für ungehörig halten, den verschleppten 
Steinen einer Burgruine nachzuspüren. Mit einem Worte: der 
Historiker würde den Stoff, der ihm aus tausenden und tausenden 
von Zetteln freundlich zugetragen wurde, gesichtet und gewertet, 
dem Rahmen des Ganzen eingeordnet haben. Und wenn bei 
solcher Kürzung der sachliche Gehalt in nichts gemindert worden 
wäre, so würden vielleicht die Mittel verfügbar geworden sein, 
dem Werk auch ein würdiges Äussere zu geben: es ist ein 
ernster und schwerer Vorwurf, dass eine amtliche Schrift, die in 
weite Kreise dringen soll und deren Verbreitung sehr wünschens- 
wert wäre, in so kleinen Typen gesetzt werden musste. Kein 



730 



Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 



Aufgabe — die sich mit jenen gewiss hätte vereinigen lassen — 
völlig in den Hintergrund gerückt oder überhaupt nicht erkannt 
worden. Und je dringender diese Aufgabe ist, um so notwen- 
diger ist es, von vornherein jedes Missverständnis darüber 
auszuschliessen , als ob sie durch »Das Reichsland Klsass- 
Lothringen« erfüllt sei. Für das Elsass wenigstens ist das 
historische Ortsverzeichnis noch zu bearbeiten. 

Sobald wir uns mit dieser schmerzlichen Enttäuschung 
abgefunden haben, vermögen wir dankbar anzuerkennen, was in 
langjähriger Arbeit zu Stande gekommen ist. Es gilt von ihr, 
was auch von Clauss trotz erheblicher Mängel zu sagen war, 
dass die erste Einführung in den Stoff der lokalen Geschichte 
vielen erleichtert wird, die von hier aus zu den Einzelschriften 
und zu den Quellen gelangen werden. Darüber hinaus ist 
rühmenswert, dass den alten Herrschaftsgebieten (z. B. Dags- 
burg, Ensisheim) und den modernen Verwaltungsbezirken 
besondere Abschnitte eingeräumt worden sind; die Ge- 
schichte der Adelsgeschlechter und ihrer Güter wird beachtet; 
so unvollständig sie sind, bleiben doch die Angaben über die 
Besitzrechte an den einzelnen Orten nicht ohne Nutzen. Sach- 
gemäss sind die Abschnitte über das Elsass als Gau, als Herzog- 
tum, als französische Provinz; ganz selbständig ist die sprach- 
liche Untersuchung über den Namen »Elsass« (nur die falsche 
Urkunde von 817 mit der Form »lUisaciae«, die erst dem 
I 2. Jahrhundert angehört, trübt das klare Bild der Entwicklung). 
Vor allem die Geschichte der Stadt Colmar — wenn sie in 
diesem Rahmen so ausführlich erzählt werden durfte — verdient 
hohes Lob. Der eigentliche Wert der Ortsbeschreibungen beruht 
indessen auf dem ersten Teil eines jeden Artikels, in dem wohl 
alles zusammengetragen ist, was über die gegenwärtigen poli- 
tischen, kirchlichen, wirtschaftlichen Verhältnisse eines Ortes zu 
wissen irgend förderlich sein kann. Man spürt, hier sind die 
Bearbeiter auf ihrem eigenen Gebiet, und dieser statistische Teil 
(zu dem natürlich die älteren Ortsnamensformen nicht gehören) 
nimmt seinen Platz neben den württembergischen Amts- 
beschreibungen, die bisher unübertroffen waren. Die regelmässige 
Berücksichtigung der Einzelhöfe, Kapellen, Mühlen, VVasserläufe, 
Berge, Wälder ist wohl noch in keinem anderen Gebiete so 
vollständig durchgeführt worden ; man erstaunt , wie viel auf 
diese Weise auch Clauss gegenüber noch hinzugekommen ist; 
bis »Appenweier« zähle ich dort 150, im amtlichen Verzeichnis 
260 elsässische Namen. 

Es ist das Schicksal der Werke, deren Bedeutung auf ihren 
statistischen Angaben beruht, dass sie in verhältnismässig kurzer 
Zeit veralten. Spätestens nach einem Jahrzehnt etwa wird es 
wünschenswert sein, »Das Reichsland Elsass-Lothringen« neu 
herauszugeben. Diese neue Auflage kann die Lösung der Auf- 
gaben bringen, die der Wissenschaft am Herzen liegen. Der 



jß2 Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 

Fischarts, in welchem die religiöse und politische Stellung- 
nahme des elsässischen Satirikers gewürdigt ist. — h. 



Von dem in den Württembergischen Vierteljahrs- 
heften N.F. II (1902), S. 129—147 verölfentlichten Aufsatz 
des Generalmajors a. D. E, v. Loeffler: Marx Otto, Vater 
und Sohn, Schreiner und Diplomat, nimmt vornehmlich 
der zweite Teil unser Interesse in Anspruch. Unbestritten der 
bedeutendste Staatsmann, den Strassburg im 17. Jahrhundert 
besessen hat, ist der jüngere I\Iarx Quo (1600— 1Ö74) besonders 
auf dem grossen PViedenskongress zu Osnabrück hervorgetreten, 
wo er sich die grössten Verdienste um seine Stadt erworben 
hat. Seine der Strassburger Universität zugefallene, nicht un- 
bedeutende Bibliothek ist leider im Jahre 1870 (nn Raub der 
Flammen i^e worden. H. Kaiser. 



J. Colin: ("ampagne de 1793 en Alsace et dans le 
Palatinat. F. J. ,^64 p. Paris, Librairie miiitaire Chapelot. — 
Public sons la direction de la section historique de Tetat-major 
de* l'armee. — Der Verf., Kapitän im französischen Generalstab, 
giebt in dem vorliegenden ersten Bande, der i\\^ Ereignisse 
vom August bis Ende Oktober 1793 umfasst, weniger eine 
zusammenhängende Darstellung, als eine sorgfältige Auswahl der 
wichtigsten Aktenstücke, die für die Geschichte dieses in mehr- 
facher Hinsicht denkwürdigen Feldzuges in Betracht kommen, 
mit verbindendem l'ext. In den einleitenden Kapiteln behandelt 
er Stärke und Stellungen der Heere zu Beginn des Feldzugs und 
weist im einzelnen nach, dass die Führer nicht auf der Höhe 
ihrer Aufgabe standen, die Diszi[)lin seit dem Falle von Mainz 
eine mangelhafte war, und militärische Ausrüstung, wie Ver- 
pflegung und Verwaltung den dringendsten Anforderungen nicht 
genügten. Auch die »levee en masse^, zu der man, als nach den 
Gefechten bei Jockgrim und Bergzabern iW^^ Gefahr näher rückte, 
seine Zuflucht nahm, entsprach nicht den Erwartungen, und in 
hellen Haulen liefen die Bauern, zumal bei der Rheinarmee, in 
kurzem wieder davon. Die Furcht vor einer Invasion im Oberelsass 
und das Gelüste andererseits nach einem Einfall im Breisgau 
lenkten die französischen Streitkräfte von dem Hauptkriegsschau- 
platze vielfach ab. Statt ein Unternehmen konsequent durch- 
zuführen, vergeudete man seine Kräfte planlos an verschiedenen 
Stellen: so kam es zum Bombardement von Altbreisach, so 
wurde Kehl in Brand gesteckt, beides ein vom militärisch- 
strategischem Standpunkt verfehltes Beginnen, eine den fran- 
zösischen Interessen direkt zuwiderlaufende Barbarei. Was 
der Verf. weiter an Belegen für die Entmutigung der Führer 
und die wachsende Disziplinlosigkeit der Heere nach den 
Gefechten bei Nothweiler und Pirmasens beibringt, ist von grösstem 



734 



Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 



sucht (vergl. VIII, 309 — 15). Das S. 311 (70) angeführte 
Schreiben Wessenbergs ist wohl mit dem S. 317 (20) mitgeteilten 
identisch. — Sobald der Schlussband vorliegen wird, der voraus- 
sichtlich einen Überblick über die Verhandlungen mit Baden als 
dem Rechtsnachfolger von Konstanz gewähren dürfte, wird auf 
die bedeutsame Publikation zurückzukommen sein. K, Obser, 



Unter der Aufschrift »Le g^n^ral Strasbourg« veröffent- 
licht A. Chuquet in der Revue de Paris (1902, II, 750 — 78) 
eine auf den Akten des Kriegsarchivs beruhende fesselnde 
Schilderung jener merkwürdigen Militärrevolte, zu der sich in 
den Tagen vom 2. bis 5. Sept. 18 15 mit Ausnahme einer in 
Hoenheim liegenden Division die gesamte Strassburger Garnison 
vereinigte, um die Zahlung der rückständigen Löhnung zu er- 
zwingen, — ein Ziel, das sie unter Führung der aus ihrer Mitte 
gewählten Offiziere und unter dem Kommando eines an die 
Stelle des Generals Rapp tretenden Sergeanten Dalousi ohne 
Blutvergiessen, unter Wahrung strengster Subordination und Auf- 
rechterhai tung der Ordnung dank dem Entgegenkommen der 
Bürgerschaft in kurzem erreichte. An imperialistische Umtriebe 
ist, wie Chuquet nachweist, dabei ebensowenig zu denken, als 
an Anzettelungen der Österreicher; der Verdacht, dass höhere 
französische Offiziere dabei die Hand im Spiele hatten, lässt 
sich dagegen nicht abweisen. Direkte Beweise freilich fehlen. 

K, Obser. 



In der »Deutschen Zeitschrift für Kirchenrecht« J. XII, 
Heft 2, S. 167 — 229 beginnt Th. Ludwig mit der Veröffent- 
lichung von »Aktenstücken zur Geschichte der badischen 
Concordatsbestrebungen in der Zeit Napoleons I.« Die 
lichtvolle Einleitung kennzeichnet die Stellungnahme der Karls- 
ruher Regierung gegenüber der Frage der Neuordnung der Ver- 
hältnisse der katholischen Kirche innerhalb des badischen Staates 
und giebt einen Oberblick über ihre Bemühungen um ein 
Sonderconcordat, auf die sie trotz wiederholter erfolgloser An- 
läufe immer wieder zurückkam. Die Reihe der Aktenstücke 
eröffnet im vorliegenden Hefte der Concordatsentwurf Brauers 
vom 14. Februar 1806, der, wenn er auch niemals offizielle 
Genehmigung erhalten hat, doch die Anschauung des in diesen 
Fragen massgebendsten Staatsmannes wiedergiebt und in ver- 
schiedenster Hinsicht, vor allem auch durch die strenge Wahrung 
des landesherrlichen Einflusses, selbst in gottesdienstlichen An- 
gelegenheiten, Beachtung verdient. K. 0. 



Allen Lesern der Zeitschrift, die sich für die Lage des 
elsässischen Protestantismus unter dem Julikönigtum -und der 



736 



Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 



kapuze und langem Rock bekleidet, will mir zu Schirmers vornehmer 
Persönh'chkeit nicht stimmen. Übrijjens wüsste ich nicht, warum 
ein Katholik nicht eben so gut die biblischen Landschaften der 
Karlsruher Galerie gemalt haben könnte, die ja auch Hausrath 
in der Stimmung an Claude Lorrain erinnern. Auch in viele 
von Lessings Gemälden ist die protestantische Tendenz durch 
Hausrath ebenso gewaltsam hereingezogen witi — allerdings in 
anderem Sinne — durch die »Historisch-politischen» Blätter. Das 
gilt ganz besonders von den »Kreuzfahrern«, aber mutatis mutandis 
auch von der Mehrzahl seiner Bilder aus der Geschichte der 
salischen Kaiser. — Warum Kaulbach — der nebenbei bemerkt, 
mit der »badischen Heimat«', gar nichts zu thun hat — »der 
Maler des philosophischen Protestantismus« sein soll, kann ich 
auch nicht verstehen, eben so wenig als ich zugeben kann, dass 
dieser und die »moderne Weltanschauung« identisch sein sollen. 
Ich wüsste nicht, warum ein nicht kirchlich gesinnter Katholik nicht 
eben so gut den »Reinecke Fuchs«, die »Sündflut« und den 
»Arbues« hätte schaffen können. — »Scheffel und Feuerbach^ 
bilden das Thema der vierten Abteilung dieser Aufsätze. Es ist 
immer misslich, zwei Persönlichkeiten von so ausgeprägter Indi- 
vidualität in einer parallelen Darstellung den Lesern vorzuführen. 
Ich meine , Hausrath sei beiden , dem Dichter wie dem Maler, 
nicht ganz gerecht geworden. — Alle diese Einwände aber 
hindern nicht, die feine Zeichnung, die geistreiche Schilderung, 
die vielerlei neuen Gesichtspunkte und anregenden Bemerkungen 
in dieser neuesten Veröffentlichung HausrathaÄ^nzuerkennen. 
Auch wer gegen manche Einzelheiten Bedenken^agt, wird das 
hübsche Buch mit Genuss lesen und aus demsemen Anregung 
und Belehrung schöpfen. v, Weeck, 



Unter dem Titel Scheffel. Ein Dichterleben von 
Johannes Proelss ist im Verlag von Adolf Bonz & Comp, in 
Stuttgart 1902 (VI u. 400 S. 8") eine Volksausgabe der 
Scheffelbiographie des gleichen Verfassers erschienen. In sehr 
gewandter Weise ist aus dem grösseren Werke zusammen- 
gezogen, was weitere Kreise über Leben und Werke Josef Victor 
V. Scheffels zu vernehmen erfreuen kann. Aber auch alles, was 
seit dem Erscheinen desselben über den Dichter bekannt geworden, 
ist berücksichtigt, soweit der Verfasser es für eine Volksausgabe 
geeignet fand. Es kann nur gebilligt werden, dass der vielfach 
aus trüben Quellen stammende Klatsch über das Privatleben 
des Dichters von dieser Ausgabe fern gehalten wurde. Doch 
fehlt nichts, was dazu gehört, ein wahrhaft treues Bild des 
Dichters wie des Menschen zu zeichnen, und die liebevolle und 
verständige Schilderung entbehrt doch auch der Schatten nicht, 
die dem Licht erst seinen wahren Glanz verleihen. r. W, 



nxS Zeitschriftenschau und Lilteraturnotizen. 

Geschichte der Behördenorganisation in Württem- 
berg. Von Dr. jur. Fried r. Wintterlin, Archivassessor in 
Stuttgart. Herausgeg. von der Kommission für Landesgeschichte. 
Erster Teil. Bis zum Ende des i8. Jahrhunderts. Stuttgart. 
W. Kohlhammer, igoz. 

Im Vergleich zu dem^ was für Norddeutschland und den 
Niederrhein geleistet wurde, ist die Erforschung der älteren süd- 
deutschen Verwaltungsgeschichte fühlbar im Rückstand geblieben. 
Seit dem vielverheissenden Anlauf, welchen die Arbeiten von 
Adler, Rosenthal und Neudegger vor etwa 15 Jahren darstellten, 
ist auf diesem Gebiet, abgesehen von den wertvollen Beiträgen 
Festers in seinem Bernhard I. und den Veröffentlichungen Eyds 
über Zweibrücken m. W. nichts erhebliches mehr geleistet 
worden. Das vorliegende Buch ist daher eine sehr dankenswerte 
Gabe, welche hoffentlich auch anderswo zur Nachahmung reizt. 

Die württembergische Entwicklung entspricht im allgemeinen 
ganz dem von Below in seinem bekannten Aufsatz über die 
Neuorganisation der Verwaltung in den deutschen Territorien 
des 16. Jahrhunderts festgestellten Stufengang. 

Die Weiterbildung erfolgte hier später, als z. B. in Bayern, 
und wohl auch weniger bewusst systematisch, als dort. Bis in 
die Mitte des 14. Jahrhunderts existierten die alten Gerichte 
fort, dann erst wurden die Stadtgerichte hier zu Hochgerichten 
für die neuen Bezirke, welche ausserdem oft, aber nicht immer, 
auch durch die Dienstpflicht zu einer landesherrlichen Burg als 
Einheit erscheinen. Infolge der sehr gedrängten Darstellung ist 
dieser Prozess wohl nicht völlig klargelegt. Man möchte z. B. 
über die Natur der Stadtgerichte gern näheres erfahren, oder 
wissen, ob das Verhältnis zwischen adligem Vogt und Schultheiss 
ein ähnliches war wie zwischen adligem Pfleger und Richter in 
Bayern, was nicht der Fall gewesen zu sein scheint. 

Bei der Entwicklung der Centralverwaltung fallt die freie 
Loslösung des Hofmeisteramts vom eigentlichen Hofdienst auf; 
schon zu Anfang des 15. Jahrhunderts giebt es im Gegensatz 
zum Haus- einen Landhofmeister, der in Bayern erst seit 1514 
auftritt. Neben ihm steigt, wie überall, der Kanzler vom Schreiber 
zum zweiten Centralbeamten auf. Dagegen dringt das Prinzip 
der Ständigkeit und Kollegialität des Rats umgekehrt in Württem- 
berg sehr spät, erst nach der Restauration Ulrichs durch, während 
es in Bayern unter dem mächtigen Einfluss der Stände schon 
Ende des 15. Jahrhunderts zur Anerkennung gelangt. 

Die weitere Geschichte des Hofrats zeigt die typische Aus- 
scheidung spezieller höchster Verwaltungsstellen. Das Hofgericht 
allerdings ist in Württemberg von Anfang an infolge räumlicher 
Trennung von der Regierung — es sass in Tübingen — selb- 
ständig. Aber eine kollegiale Rentkammer spaltet sich zuerst 
1536 ab — die Hofkammer in Bayern 1550 — wird dann 



740 



Zeitschriftenschau und Litteraturnotizen. 



gänzung des Werkes, nur ist zu bedauern, dass kein Verzeichnis 
derselben ihre Benützung erleichtert. Die badische Lehrerschaft 
darf auf dieses umfangreiche Werk, dessen Zustandekommen 
sich mancherlei Schwierigkeiten in den Weg stellten, mit voller 
Befriedigung blicken. v. W, 



In dem vor kurzem beendeten Werke von Karl Schäfer 
und Otto Stiehl, Romanische und gothische Baukunst. 
Die mustergiltigen Kirchenbauten des Mittelalters in 
Deutschland.« (Berlin 1892 — 1901) sind u. a. auch drei 
elsässische Kirchen eingehender behandelt worden. £s ist die 
Stiftskirche St. Peter und Paul zu Weissenburg, die Wallfahrts- 
kirche S. Theobai d zu Thann und die Stiftskirche S. Thomas 
zu Strassbnrg. Der erklärende Text von xO. Stiehl findet sich 
Seite 20 — 23, 33— 36 u. 40 — 42, die zugehörigen Tafeln bilden 
Nr. 40 — 45, 66 — 75 u. 85 — 91. — k. 



Der Engländer George Washington Moon hat in teuerem 
Privatdruck eine kleine Schrift publiziert mit dem vielversprechen- 
den Titel: »The oldest type-printed book in existence: 
a disquisition on the relative antiquity of the Pfister and Mazarin 
Bibles and the »65-line A« Catholicon: prefaced by a brief 
history of the invention of printing«. (London 1901). So viel 
der Titel verheisst, so wenig hält das Buch! Dem Verfasser ist 
alle neuere einschlägige Litteratur unbekannt geblieben und er 
kombiniert kritiklos darauf los. Seine Ansicht ist, dass der 65zeilige 
undatierte Catholicon-Druck (Hain 2253), welchen Moon als 
Vorlage des Gutenbergischen Catholicon vom Jahre 1460 zu 
erweisen sucht, das älteste typographisch hergestellte Buch sei. 
Dasselbe soll ca. 1445 ^^^ Mentelin in Strassburg gedruckt sein. 
Sicher stammt der Druck aus Strassburg und zwar aus der Presse 
des sogenannten Typographen mit dem bizarren R. Dessen 
Offizin bestand aber nachweislich erst Ende der 60er Jahre, und 
um diese Zeit ist jener Catholicon-Druck zu setzen, nicht aber 
ins Jahr 1445. — ^^ 



mz Bericht 

II. Bezirk. 

Im Amtsbezirk Breisach verzeichnete der Pfleger, 
Universitätsbibliothekar Dr. Pf äff, die Gemeindearchive zu 
Gottenheim, Grezhausen, Nieder- und Oberrimsingen, Ober- 
bergen, Schelingen, Wasenweiler und das evangeHsche 
Pfarrarchiv zu Bischoffingen. Vikar H. Siebert in Hug- 
stetten wird die katholischen Pfarrarchive von Achkarren, 
Jechtingen, Merdingen und Niederrimsingen, Oberbergen, 
Schelingen noch in diesem Jahr erledigen. 

Im Amtsbezirk Freiburg hat Universitätsbibliothekar 
Dr. Pf äff das Archiv der Gemeinde Wildthal, Vikar 
H. Siebert die Pfarrarchive zu Gottenheim, Herdern, Hofs- 
grund, Oberschützenbach, Wasenweiler, Wiehre, Wittnau 
und Zähringen verzeichnet. Die evangelische Ludwigs- 
pfarrei in Freiburg besitzt keine Archivalien. 

Im Amtsbezirk Neustadt hat der Pfleger, Land- 
gerichtsrat Birkenmeyer in Freiburg, die Gemeinde- und 
Pfarrarchive Bärenthal, Falkau, Frieden weiler, Grünwald, 
Langenordnach, Schollach, Schwarzenbach, «Vierthäler und 
Waldau bearbeitet. 

Im Amtsbezirk Waldkirch hat der Pfleger, Kreis- 
schulrat Dr. Ziegler in Freiburg, die Gemeindearchive 
Bleibach, Föhrenthal, Heuweiler, Oberwinden, Suggenthal, 
und die Pfarrarchive zu Bleibach, Neuweiler und Winden 
verzeichnet. Die Gemeinden Suggenthal, Katzenmoos und 
Wildgutach besitzen keine Archivalien. 

Damit sind sämtliche Gemeinde- und Pfarrarchive des 
II. Bezirks vollends erledigt. 

Besonders erfreuliche Fortschritte hat in diesem Jahre 
die Ordnung und Repertorisierung der Grundherrlichen 
Archive genommen, in erster Linie infolge der rastlosen 
Bemühungen des Oberpflegers, Stadtarchivar Dr. Albert, 
und des Pflegers, Oberstleutnant v. d. A. Freiherm v. Alt- 
haus in Freiburg. Das Archiv der Freifrau von Mentzingen- 
Andlaw-Birseck in Hugstetten hat Dr. K. Ried er ver- 
zeichnet. Das Archiv des Freiherm von Schonau (in 
Waldkirch), das Archiv des FVeiherrn von Rotberg in 
Rheinweiler hat der Pfleger Professor Emiein, das der 



.<k,« 



It) j, Bericht über die Ordnung und Verzeichnung der Archive u. s. w. 

das katholische Pfarrarchiv zu Bretten; im Amtsbezirk 
Durlach die grundherrlichen Archive von Schilling in 
Hohen wettersbach und von St. Andree in Königsbach; 
im Amtsbezirk Eppingen das Freiherrl. von Gemmingsche 
Archiv zu Gemmingen. 



V. Bezirk. 

Hier haben im letzten Jahr neue Verzeichnungen von 
Archivalien nicht stattgefunden. 

Erledigt sind die Amtsbezirke: Adelsheim, Bruchsal, 
Buchen, Eberbach, Mosbach, Tauberbischofsheim, 
Wiesloch. 

Zu verzeichnen sind noch: im Bezirk Heidelberg das 
Freiherrl. von Laroche'sche Archiv, aufbewahrt in Karls- 
ruhe; im Bezirk Sinsheim i8 Gemeinde-, 27 evangelische, 
10 katholische Pfarrarchive und die grundherrlichen Archive 
des Freiherrn von Venningen-Allner zu Grombach, des 
Freiherrn von Degenfeld zu Hesselbach, des Freiherm von 
Gemmingen zu Michelfeld und des Grafen von Yrsch zu 
Obergimpern; im Bezirk Weinheim das Gräfl. von Wieser- 
sche Archiv zu Leutershausen ; im Bezirk Wertheim 
4 Gemeinde-, i katholisches, 6 evangelische Pfarrarchive, 
das Gräfl. von Ingelheimsche Archiv zu Gamburg und 
das Fürstl. Löwensteinische zu Wertheim. 



mö Rieder. 

des Kaplans Johann Rosenstock dem Anton v. Wittenhein, 
Pfarrektor zu Heiterhein. 

1488 April 21. Bischof Otto v. Konstanz bestätigt die 
unter dem 18. Aug. aufgestellten Statuten der Salve Regina 
Bruderschaft u. verleiht zugleich einen Ablass von 40 Tagen. 

1488 Juni 28. Peter Meyger, Bürger zu Br., u. sein Sohn 
Gervasius übergeben das Patronatsrecht der 4 Evangelisten- 
pfründe, welche Blyma Schnöwlerin, Witwe des Hslus Jüntlin sei, 
gestiftet hat, der Salve Regina Bruderschaft. 

1489 Juli 16. Andreas Huser, Priester, erhält von dem 
Patronatsherrn Ludwig Spilman nach der Resignation des 
H. Schreck, Augustinerordens, die hl. Geistpfründe im Spitale zu B. 

1494 Nov. 29. Michael Griening gen. Rasor erhält aal 
die Präsentation des Stephan Hus hin nach dem Tode des 
Ludwig Klein-Jos die Jodocuspfründe in der Stephanskirche zu B. 

1500 März 14. Revers des Priesters Johannes Arter, 
Kammerer des Br. Kapitels, welcher nach der Resignation des 
Johann Ziegler die Pfründe des hl. Kreuzaltars in der Stephans- 
kirche erhalten hat. Siegler: Anton v. Wittenheim, Kirchherr zu B. 

1501 Jan. 24. Der Generalvikar des Bischofs Hugo weiht 
am 24. Jan. 1501 in der Steph. Kirche zu B. folgende Altäre: 
sub testudine in introitu chori einen Altar zu Ehren der 
hl. Nikolaus, Gereus u. der hl. Ursula; links davon einen zu 
Ehren der hl. Anna u. des hl. Martin; rechts davon einen zu 
Ehren des hl. Sebastian, Christophorus u. Valentin; am 25. Jan. 
einen Altar supra testudine zu Ehren des hl. Vitalis, der 
hl. Valeria u. des hl. Erasmus, u. verleiht einen Ablaß von 
40 Tagen. 

1502 Aug. 13. Cardinal Raimundus verleiht auf Bitten des 
Johannes Kuner, presbyteri illustris principis domini Marchionis 
Badensis capellani, jedem, welcher bei der jeden Freitag in der 
Pfarrkirche zu Ehren der hl. Gervasius u. Protasius stattfindenden 
Procession das Responsorium »Tenebrae« singt, einen Ablaß von 
100 Tagen. 

1502 Sept. 24. Der Pfarrektor Anton v. Wittenhein u. die 
Kapläne im Münster zu B.: Johann Rych, Michael Held, Simon 
von Tissen, Wendelin Metzger, Magister Johann Hug, Johannes 
Arter, Johann Wescher, Jacob v. Berckhin, Johann Winlin und Georg 
Eberhard erwählen den Augustin Tünger zu ihrem Syndicus u. 
Procurator. 

1509 Jan. 8. Revers des Johann Vogler von Altstetten, 
welcher von der Salve Regina Bruderschaft u. dem Rate zu Br. 
die Jun tierin Pfründe erhalten hat. 

1521 März 12. Claus Meyger, Bruder des Gervas Meyger 
sei., bittet den Bischof Hugo v. Konstanz die von seinem Vater 
u. Bruder vorgenommene Übertragung des Patronatsrechtes der 
4 Evangelistenpfründe gen. Juntlerinpfründe an die Salve Regina 
Bruderschaft zu bestätigen. Bestätigt 11. Mai 1521. 



m8 Rieder. 

1763 Aug. 7. Testament des Prothasius Wimpf, Prabendars 
ebenda. 

1767 Aug. 10. Der Generalvikar v. Konstanz erlässt ein 
Dekret wegen der Verwaltung der Präbenden, da seit 17 18 keine 
regelmässige Rechnungen gestellt wurden. 

1803 März 31. Bischof]. Dekret, wornach während der 
Frühmesse am Sonntag eine Homilie zu halten ist. 

1807. • Urkunden, die St. Josephs Kapelle auf dem Kirch- 
hof, deren Wiedererbauung u, Einweihung (18 17) u. Stiftung von 
1 5 hl. Messen betr. — Plan der Kapelle u. Inventar der Paramenten. 
Rechnungen 1853 — 56. 

2. Stiftungen. 

13 15 Jan. 20. Wernher v. Girbaden stiftet ein ewiges Licht 
vor dem Magdalenenaltar im Münster. 

1328 Juli 2. Brida, Witwe des Konrad Veschelin, Peterman 
ihr Sohn, Klara, Witwe des Heinzemann v. Bolsenheim, ihre 
Tochter, Johann u. Diether die Münzmeister, ihre Tochtermänner, 
stiften eine Messpfründe im Münster. 

1332 Juli 2. Heinrich Dekan zu Kilthoven, Leutpriester 
zu Freiburg, Rudolf, der Kammerer, Leutpriester zu Unkilch, u. 
die Br. Kapitelsherren beurkunden eine Jahrzeitstiftung durch 
Konrad von Merdingen. 

1332 Okt. 15. Konrad v. Merdingen stiftet eine Messpfründe 
in die St. Michelskapelle »gel. an der lutkirchen ze Brisach, da 
der Gemer (das Beinhaus) under ist.« 

1408 Febr. 6. Heintzman Schmidelin u. seine Frau Anna 
stiften eine Priesterpfründe zu Ehren des hl. Antonius in der 
Leutkirche St. Stephan zu Br. 

1422 April 18. Cläwi Seckeler stiftet eine Pfründe auf den 
Marienaltar im Münster zu Br. Bestätigt durch den Generalvikar 
des Bischofs Otto v. Konstanz unter dem 11. Juni. Nach einer 
Notiz auf der Rückseite war der erste Kaplan Dominicus Graben- 
macher de Dorenheim, Speyrer Diöcese; Johannes Piscatoris 
V. Wolfach der dritte. 

1425 Nov. 5. Konrad Veschelin, Kirchherr zu Ühtingen, 
und sein Bruder Heinrich vermachen an die Erhardspfründe im 
Münster 15 ß Zins ab Matten im Gündlinger Bann. 

1450 Jan. 13. Hamman Kempf u. Nese Jüntlerin, seine 
Frau, stifften eine Priesterpfründe unter näheren Bedingungen. 
Bestätigt durch den Generalvikar des Bischofs v. Konstanz 
1450 Febr. 4. 

1476 Okt. 21. Johann Vischer, Kaplan des Hochstiftes 
Basel, vermacht der Br. Präsenz 1 200 fi. 

1477 März 21. Belym Snewlin, Witwe des Hanns Jüntüu, 
stiftet einen neuen Altar u. eine neue Pfründe im Münster zu 
Br, zu Ehren der 4 Evangelisten, des hl. Severin u, der hl. Lucia. 



mio Rieder. 

1653 Aug. I. Peter von Charlevois, Commandant in Br., 
stiftet zu einer Jahrzeit für seine beiden Brüder Renatus n. 
Johannes, welche in der Pfarrkirche begraben liegen, 100 fl. 

1653 Aug. I. Francisca Genutia stiftet zu einer Jahrzeit 
für ihren im Münster begrabenen Mann Philibert Baussan, Inten- 
dant von Ober- u. Unter-Elsass, 200 fl. 

1666 Febr. 17. Barbara u. Magdalena Bollenbach, Schwestern, 
stiften zu einer Jahrzeit 60 fl. 

J678 Juni 8. Richard Bruneck, ehemaliger Bürgermeister 
zu Br., stiftet eine Jahrzeit mit 60 fl. 

1679 April 10. Johann Georg Jost, ehemaliger Bürger- 
meister zu Br., stiftet zu einem Seelenamt 100 fl. 



3. Erblehen. 

I2QO April. Johannes gen. Wescheli von Br. verleiht dem 
Ulrich Lictor sein Haus zu B. zu einem Erblehen. 

^327 Jan. 20. Das Kloster Amtenhusen verleiht dem 
Rüdiger Brügeler zu Br. 2 Äcker zu B. zu einem Erblehen. 

1356 April 18. Die Stadt Br. verleiht dem Heintzin Bal- 
doltzhein das zur Michaelspfründe gehörige Haus oberhalb des 
Pflegelerstor um 1^0 ^- ^^^^ zu einem Erblehen. 

1382 Mai 10. Henselin v. Höhingen, Schneider zu B., 
verspricht dem Kaplan Heinrich Brenning als Pfleger des Frauen- 
klosters Amptenhusen i Saum 5 Vrtl. Weingülte u. i Huhn 
jährlich als Zins zu geben ab 2 Juch. Acker auf dem Hochstat- 
Felde, welche seine Frau als Erblehen erkauft hat. 

1393 März 10. Revers des Heintzman Renger v. Tüngen, 
welcher von den Junkern Franz und Wernlin von Gotzkuchen 
zu B. die Güter zu Opffingen als Erblehen erhalten hat. Zeugen: 
Johann Schlegel, Apt zu St. Marienzelle im Schwarzwald, Ritter 
Heinrich v. Blümnegg, Junker Franz Morser u. Clewin Prediger 
V. Freiburg. 

1450 Jan. 31. Johann Blynckensteyn , Kaplan der St. 
Michelspfründe zu B., verleiht zu ewigem Erbe dem Martin 
Rafenspurg, Zimmermann, das Häuslein am Word. 

1590 Bestallung des Schafl'ners Jeremias Lamprecht seitens 
der Priesterschaft mit Beschreibung seiner Pflichten u. seines 
Gehaltes. 

1739 Jan. 10. Erblehensrevers des Antony Wilhelm, Rats- 
procurator zu Colmar. 

1742 Mai 3. Erblehensrevers des hl. Geistspitalsschaffners 
Claudy Violand. 

1761 Jan. I. Erblehensrevers des Joseph Fuchs, Schult- 
heiss zu Wolffgansheim. 

1765 Jan. I. Erblehensrevers des Johann Baptist Stephan, 
Procurator des Kgl. Rats zu Colmar. 



-mi2 Rieder. 

seinem Hause zu B. auf dem Berg in der Hfnderengasse tun 

1375 Jan. 10. Claus Eggehart von Volkoltzhein , Bürger 
zu B., verkauft an den Priester Meinrat Brenning zu Händen 
der Gutleuthauspfründe 4 Vrtl. Korngülten um 4 m. s. 

1383 Febr. 28. Das Breisacher Gericht entscheidet eine 
Klage des Hans von Hessenhein, Leutpriester , u. Heinrich 
Brenning, Kaplan zu B., im Namen der Kapläne an der Leut- 
kirche zu Br. einerseits gegen Erhart u. Henselin v. Gomer, 
Brüder, zu Burgheim anderseits dahin, dass letztere den Kaplänen 
I Vrtl. Roggengülte ab einem Rebstück gen. Gig, welches 
Rüdiger Müntzmeister sei. zu einer Jahrzeit dem damaligen 
Kaplan Wernher Gettan vermacht hatte, zu entrichten schuldig sind. 

1385 Sept. 15. Peter Hesing zu Nüwenburg vertauscht mit 
Hentzman Veschlin gen. Gülten. 

1387 Juli 15. Klage des Johann von Hessishein, Leut- 
priester, Heinrich Brenning u. Wernher zum Rine, Kapläne zu 
Breisach, u. Rudolf Ganß im Namen des Gotteshauses St. Stephan 
gegen Hans v. Hagenbach, welcher i i( ^ von dem Hause an 
der Rinhalden, die Philipp Vogt sei. zu einer Jahrzeit stiftete, 
nicht bezahlen wollte. 

1389 Nov. 16. Heinrich Brenning, Kaplan des hl. Kreoz- 
altars in der Pfarrkirche St. Stephan zu B., u. andere schlichten 
einen Streit zwischen Grede GÖmederin u. Heini Somer 
V. Burgheim wegen eines Zinsbriefes. 

1393 März 24. Hans Glungg, Brotbeck zu Vilingen, ver- 
kauft an Elsbechte, Witwe des Ulman Schagman, zu Händen 
der Pfründe des St. Laurentius-Martinus-Gervasius-Protasius u. 
Alexiusaltars, welche diese in der Leutkirche zu St. Stephan zu 
B. gestiftet hat, 34 /3 -ä ab Conrad Gunrus hus eins priesters zu 
B. auf dem Berg. 

1393 April 14. Das Kloster Amptenhusen verkauft an die 
genannte Elzbeth zu Händen gen. Pfründe näher beschriebene 
Zinse u. Gülten um 24 fl. 

1396 Febr. 22. Henni Bletzer v. Bösessheim verkauft an 
Hans B6ngarten gen. Koch u. seinen Tochtermann Henni Schilling 
zu B. 2 Vrtl. Korngülte ab Haus u. Hof zu Büsseshein u. 
mehreren Äcker um 9 U 'A. 

1406 Mai 7. Smachsman Herr zu Rappoltzstein erlaubt dem 
Paul Mörser 28 Mut Korngülte ab dem Plof zu Böseßheim u. 
andere Güter u. Zinslehen an Cünman u. Walther von Bolscnhein 
zu versetzen. 

1408 Febr. 22. Abt Berthold u. der Konvent des Klosters 
Pairis verkaufen an Wernlin Gotzkuchen zu Händen U. L. Frauen 
Pfründe im Münster zu B. gen. Gülten u. Zinse, welche vormals 
Johann Tuninger v. Sulzmatt zu Leibgeding hatte. 



ini4 Rieder. 

15 13 Okt. 18. Hanns Glöckler zu Bickensol verkauft an 
Tobias Lutz, Kaplan U. L. Franenaltars, i Saum u. 2^.9 ^^^1* 
Weingülte ab i Juch. Reben zu Bickensol um 7 fl. und 5^ 2 ^ 'A. 

1525 März 8. Michel Zimp zu Obrenbergen verkauft an 
Thuman Koffer von Vögtsperg 1/2 Saum Weingülte um 2 ^ j^ ab 
8 M. Reben. 

1536 Mai 2. Caspar Schaich v. Ihringen verkauft an Hanns 
Schmidlin, Caplan der St. Michelspfründe u. des Gutleutbauses 
zu Br., I Saum Weingülte um 7 fl. Hauptgut ab 6 M. Acker. 

1538 Juli 31. Hanns Achtman v. Ihringen verkauft dem 
Hanßen Organisten zu B. i Saum Weingülte um 5 ^T «s Haupt- 
gut ab I/o Juch. Reben im Bottschental. 



5. Güterstand. 

13 10 Dez. 29. Bruder Werner der Vasser, Kommentur des 
Deutschordenshauses zu Freiburg, verkauft mit Einwilligung des 
Landkomturs Berthold v. Bucheck (Bühecke) das Gut zu Ihringen, 
das das Haus von Markgraf Heinrich sei. von Hachberg erhalten 
hatte, an Heinrich v. Bolsenheim um 80 m. s. 

1 3 1 1 Dez. 9. Conrad Lugstumpf verkauft an Berthold v. 
Widensol das Gut im Banne zu H6stat um 22 t( ^. 

1323 März 31. Jacob v. Tüngen zu Bischoffingen verkauft 
an Gerung von Ühtingen, Bürger zu Buigheim, ein Gut zu 
Bischofiingen um 24 U ^. 

1326 Sept. 5. Rüdiger v. Rimaggar (?) verkauft an Rüdiger 
Brügeler zu Br. 1I/2 Juch. Ackers im Hochstetter Feld um 
6I/2 ft -A. 

1329 Mai 25. Katharina, Witwe des Wemher v. Munzen- 
heim, u. ihre Tochter Tilie verkaufen an Clewin Schöngerwer 
5 Juch. Ackers in der öwa um 51 f2f^, zinst St. Stephan 10 *s. 

1330 Sept. 20. Heintze u. Philipp Vogit zu Br. verkaufen 
an Clewin Schöngerwer einen Komacker zu Br. um I7\'2 ^ -*• 

1339 Juni 3. Ottilia, Witwe des Peter zem Rüste, verkauft 
mehrere Äcker zu Br. an Rüdiger Brügeler um 68 /? -a. 

1352 Aug. 18. Henny Michel verkauft an Heinzin Rieh v. 
Br. den Acker auf dem Hostatveit um 27 af ^. 

1355 Jan. 29. Conrad Cünerli zu| Br. verkauft mit Zu- 
stimmung des Peter von Amperingen, Güter zu Altoltzhein an 
Heinrich Veschelin u. seine Schwester Anna zu Br. 

1356 März 26. Henni Brügeler v. Er. verkauft an Hennin 
Scheffer ebenda 2 Juch. Acker in dem mittelen gerüte um 
40 Ä -A. 

1380 Mai 21. Junker Heinrich v. Pforr klagt gegen Clewin 
Grutman zu B., welcher den Rhein »gerütet« hat. 

1389 Aug. 26. Konrad Krieg, Schiffer, und sein Sohn 
Konrad, Fischer, verkaufen an Thomas Singer von Basel die 



mi6 Rieder. 

1503 Jan. 9. u. März 13. Klage des Magisters Johann 
Hug, Kaplan zu B., gegen Clewi Horbach wegen verschiedener 
Güter zu Rotweil. 

15 19 März 28. Vasius u. Hanns Lüdi, Brüder, u. Michel 
Nörlinger zu B. verkaufen an Hanns Ruf, Bäcker, 6^/2 Juch. Matten. 

1529 Mai 13. Jacob Schumacher zu B. verkauft an Hans 
Husler 3 M. Reben in Hurtzlishalden neben dem Ihringerwald. 

1531 Mai 22. Dem Hans Kruel, Kaplan zu St. Stephan, 
wird ein Gut im Rotweiler Banne wegen ausstehender Zinsen 
gerichtlich zugesprochen. 

1629 April I. Jacob Hecklers sei. Witwe verkauft an 
Matheus Brunner zu B. 4 M. Reben im Joßental, Ihringer Banns. 

1Ö79 März 1 1. Benedikt Groß-Clauß, Stabhalter zu Ihringen. 
verkauft um der franz. Contribution willen an Andreas Müller zu B. 
6 M. Matten um 15 fl. 

1756 März 7. Antonius Haltenberger, Präbendar v. St. Stephan, 
steigert i^/o Juch. Matten bei der Krebsmühle. 

6. Häuserstand. 

13 12 Juni I. Johann v. Friburg, Bürger zu Br., verkauft 
an Johann Cleweler alles Recht an seinem Hause zu Br. bei 
dem Muggensturm u. an dem Garten dahinter. 

1335 Sept. 28. Das Augustinerkloster zu Br. verkauft an 
Conrad Boss zu Br. ein Haus auf dem Berge um 23 tt -a. 

1354 Mai 21. Das hl. Geistspital zu Freiburg verkauft an 
Werlin den SchefTer zu Br. das Haus in der von Munzenhein Gassen. 

1361 März 10. Junker Conrad Veschelin u. seine Geschwister 
übergeben dem Hanns Vesten als Kaplan des St. Erhardaltars 
ein Haus u. ein Stück Reben zu Oberrotweil. 

1369 Juni 26. Die Brüder Cuntz, Hamman u. Heintzman 
Sömeli zu Br. verkaufen an Heintz Ber ein Haus zu Br. bi dem 
Muggensturme neben Henni Scheffelers Hof. — 1406 Dez. 2 
verkauft Clewi Hirsinger das vorgenannte Haus an Heintzman 
Vönrich v. Ihringen, Bürger zu Br. 

1380 Aug. 25. Werlin Sicherler von Freiburg verkauft an 
den Priester Heinrich Brenning v. Br. ein Haus auf dem Berg 
neben Dietrich Müntzmeisters Scheuer. 

1389 Febr. 16. Hamman Michel, Färber zu Br., verkauft 
an Heinrich Schiffmacher ebenda den halben Teil seines Hauses 
an dem Berg neben Heintz Baldoltzheims Haus. 

1389 Juni 20. Dem Heinrich Brennig von Villingen, Kaplan 
zu St. Nicolaus bi den guten lüten vor der stat B., wird wegen 
nicht bezahlter Zinsen das Haus des Henni Möri v. Gewilr 
gerichtlich zugesprochen. 

14 16 Juli 21. Clewi Näff, Brotbeck zu B., verkauft an Clewin 
Schnider v. Heiterheim sein Haus am Rinthor, zinst St. Stephan 
8 «%, um 29 U ^. 



mi8 Rieder. 

^554 Nov. 17. Hans Lar, Küfer zu B., verkauft an Bastian 
Deschenmacher sein Haus zu B. am Word. 

1563 Febr. 11. Lamprecht Bürlin verkauft durch seinen 
Vogt Bernhard Willhourer, Zunftmeister zu B., an Hans Mas, 
Wirt zum Hörn, den dritten Teil seiner Rechte am Hause 
zum Hörn. 

1567 März 9. Die Münsterfabrik verkauft an Jacob Holtzer 
zu B. ein Haus am Word. 

1571 Nov. 24. Das hl. Geistspital zu B. verkauft an Wendel 
Aichelberger das Haus des t Valentin Schumacher zu B. an der 
Schüttin gelegen. 

1575 Febr. 14. Die Erben des Klaus Kernenberger ver- 
kaufen an Asimus Heger zu B. ein Haus u. Garten unter 
dem Berg. 

1597 Dez. 20. Die Pfleger des hl. Geistspitals zu B. ver- 
kaufen an Hanns Otthen zu B. ein Haus in der Vischerhalden 
um 65 fl. 

1600 Febr. 12. Georg Klostermeyer zu B. verkauft an 
Jacob Brechter ein Haus unterhalb der Wintersbruggen. 

1619 Aug. 17. Jacob Hertschedel zu B. verkauft an Hanß 
Bräter, Zunftmeister zum Roten Löwen in B., einen Stall in des 
Veitin Schlössen Hof gelegen um 100 fl. 

1626 Sept. 3. Lorenz Fuxlin, Amtmann, Gervasius Fritsch 
u. a. verkaufen an Alexander Störklin, Lieutenant in der Br. 
Garnison, das Haus gen. zum Trachen um 800 fl. 

1628 Juni 2. Jacob Gay, Zunftmeister zu B., verkauft an 
Thoman Vögtlin ein Haus unterhalb der Winterbruck um 300 fl. 

1664 Febr. 27. Johann Veitin, Gerichtsprocurator zu Br., 
u. Lorentz Störklin, verkaufen an Jean Gilot zu B. das Haus 
zum Drachen auf dem Berg. 

1682 Juli 30. Die Stadt Breisach belehnt den Prothasius 
Bueb mit der sog. Krebsmühle. 

7. Schulden. 

1344 Dez. 7. Bertschin Swebelin nimmt von Conrad 
Brügeler als Pfleger des Gutleuthauses zu B. 9 ff ^ auf mit 
10 ^^ zu verzinsen ab einem Hause zu B. 

1350 Mai 26. Heinzi Endinger, Müller, leiht von Henni 
Gotzküchen sei. Kindern 32 ff ^ ab dem Haus bei des v. Merdingen 
Brunnen. 

135^ April 18. Schuldbrief der Katherina Fritscheman. 
Höninges sei. Witwe, an Berthold Virngerst für 18 ff j^ u. i tf*^ 
Zins ab dem Hause vor dem Hostattor. 

1363 Jan. 27. Schuldbrief des Clewi Winkler von Ihiingen 
für 16 ff ^. 



in20 Rieder. 

1412 Jan. 2. Hans Böppelli, Wächter zu B., leiht von 
Cläwi Seckler j {( ^ mit 10 /? -a zu verzinsen ab Haus, Scheuer 
u. Garten zu B. in der Mülnhengassen. 

1 4 1 2 Febr. 1 1 . Cuntz v. Straßburg leiht von Cläwi Seckler 

14 14 März 17. Schuldbrief des Henni Gumpost zu B. für 
Cläwi Seckler um 15 11. mit i fl. zu verzinsen ab seinem Haus 
zu B. in der Stroßgassen. 

14 14 Nov. 6. Henni Ziegler nimmt von Berthold Wambach 
als Pfleger der Veschelinspfründe 7^,2 /? -a auf mit 10 /? zu ver- 
zinsen ab dem Hause an der Rinhalden. 

141 6 Febr. 17. Anna Schmidlerin schuldet Hans Ritterß- 
bein, Brotbeck zu B., 6 fl. mit 2 tt ^ zu verzinsen ab Hamman 
Brennershus zu B. 

14 16 Okt. 27. Henni Madeier der lange zu B. schuldet 
Junker Hans v. Eckerith im Namen der Dreikönigspfründe im 
Münster zu B. 15 /? stebler. 

14 19 Sept. 28. Hamman Nassel zu B. schuldet Cläwin 
Seckler 9 fl. mit 7^/2 ß ^ zw verzinsen ab dem Haus zem Knopffe 
an der Stroßgassen. 

1428 Nov. 16. Clewi Smit von Merdingen schuldet dem 
Heinrich Seiler zu B. 45 ^ ^ mit 3 Ä ^ zu verzinzen ab Haus 
u. Hof zu Merdingen. 

1431 Aug. 5. Hans Müller, Küfer zu B., schuldet Wemher 
Brunmeister, Kaplan im Münster, 3^2 ^ '^ ^^ 4 /? zu verzinsen 
ab einem Garten zu B. 

1434 Dez. 8. Henni Jöselin von Ihringen beurkundet, dass 
er an Heintz Brysacher, Hamman Juntlins sei. Stiefsohn, ab einem 
Haus u. Keller zu Ihringen fürderhin nur noch i fl. Zins zu 
entrichten habe. 

1436 Dez. 4. Schuldbrief des Hanns Lederer u. a. von 
Bickensol für Johann Vischer, Kaplan der Clewin Secklerspfründe, 
um 80 fl. Hauptgut mit 5 fl. jährlichen Zinses an U. L. Frauen- 
pfründe. — 1439 Febr. 4. Schuldbrief derselben für 75 fl. 

1438 Dez. 19. Caspar Luterer zu B. schuldet Hamman 
Rychen, Brotbeck zu B., 48 fl. mit 3 fl. jährlichen Zinses ab 
seinem Haus neben der Clorer-Hof. 

1439 April 20. Clewin Bürklin von Ihringen schuldet dem 
Hanns Jüntlin zu B. 20 fl. mit 13 /^^ Zins ab 6 Mansh. Reben 
zu Ihringen. 

1441 Juli 18. Hanns Schieck, Metzger, löst von Hanns v. 
Heilgenstein zu B. eine Schuld von 7^0 tt -ä ab. 

1449 Juni 23. Dietrich Clorer zu B. schuldet der Frau 
Gütlin Kyndlerin, Hamman Gotzkuchen sei. Witwe, 16 fl. mit 
I fl. Zins ab seinem Haus zu B. an dem Werd u. ab i Jucb. 
Matten in dem Riett. — 1496 Febr. 15 verkauft Martin Wasser- 
hun zu B. den genannten Gulden Zins an die Pfleger der 
Salve Regina Bruderschaft um 20 fl. 



m22 Rieder. 

1480 Nov. 27. Peter Schnider v. Merdingen schuldet Ulrich 
Starck, Stettmeister zu SIettstatt, 40 fl. mit 2 fl. zu verzinsen ab 
10 Mansh. Reben im Merdinger Bann u. i^/o Juch. Acker. 

1480 Dez. 2. Schuldbrief des Hanns Emppertinger, Schuh- 
machers zu B., für Clewin Schultheiss v. Volkolßheim um 20 fl. 
mit I fl. jährl. Zinses ab Haus u. Garten zu B. u. i^/o Joch. 
Matten im Gerüt. 

1481 Okt. 15. Hanns Koffer v. Ihringen schuldet der 
Präsenz zu B. 10 fl. mit 1/2 fl. Zins ab 6 Mansh. Reben im 
Ihringer Bann. 

1482 Jan. 14. Peter Swartz v. Merdingen verkauft dem 
Henni Smidlin ebenda, Bürger zu Freiburg, i fl. Gelts um 
20 fl. Hauptgut ab seinem Haus etc. zu M. 

1482 Mai 25. Hans Lewb zu B. schuldet der Präsenz zu 
B. t U '^^ mit t ß zM verzinsen ab seinem Haus an der 
Winttersbruck. 

1482 Sept. 20. Clewi Wiß zu B. nimmt von der Präsenz 
zu B. 10 fl. Hauptgut auf mit ^/q fl. jährl. Zinses ab 2 Juch. 
Matten im Riet. 

i486 Juni 20. Caspar Schmidlin v. Staufen im Namen 
seines Schwagers Hanns Murer, Dekan zu Br., vergleicht sich 
mit den Kaplänen am Münster zu B. wegen i fl. jährl. Zinses. 

1488 März 22, Kunigund Schmeltzerin, Witwe, und ihr 
Tochtermann Hans Thumberger verkaufen an die Präsenz zu B. 
20 fl. jährl. Zinses ab näher beschriebenen Gütern um 400 fl. 
Hauptgut. 

1489 Nov. 7. Schuldbrief des Hans Westermann für die 
Präsenz zu B. um 40 fl. Hauptgut mit 2 fl. Zins ab dem Haus 
zu Br. am Berg »ob Olerstor zwischen der Stürlüten trinkstuben« 
u. Clauß Behems Häusern. 

14QO März 22, Hanns Schmid zu B. leiht von der Salve 
Regina Bruderschaft 10 ff v% mit 10 ß a zu verzinsen ab seinem 
Haus zu B. an dem Werd. 

14Q1 Jan. 7. Johan Gottesschall, Stadtschreiber zu Frei- 
burg, u. seine Frau Verena Stürmerin lösen von der Präsenz 
I fl. jährl. Zinses ab Reben ze Ihringen mit 20 fl. Hauptgut ab. 

1491 März 21. Mathis Brotbecke v. Oberrotweil schuldet 
der Präsenz 20 fl. mit i fl. zu verzinsen ab 6 Mansh. Reben im 
Wingartten. 

1492 Jan. 30. Hanns Küffer zu Ihringen nimmt von Johann 
Ziegler als Kaplan der hl. Kreuzpfründe eine Schuld von 3 3f «^ 
auf mit 3 /9 ^ zu verzinsen ab seinem Haus u. Hof zu Ihringen. 

1492 Febr. i. Ulrich Bircher, Vogt zu Gottenheim, schuldet 
der Präsenz 20 fl. mit i fl. zu verzinsen ab Gütern zu Gottenheim. 

1492 Mai 12. Das Gericht zu B. entscheidet eine Klage 
des Hans Thumberg gen. Schenk v. B. , gegen die Kapläne Jacob 
Wagenstetter gen. Slosser u. Hans Ziegler wegen geschuldeter 
200 fl. u. Silbergeschirr. 



m24 



Rieder. 



15 14 Aug. 25. Gervasius v. Pforr übernimmt io ^ jährl. 
Zinses ab den Geyßershusern u. einem Stall zu B. 

15 14 Nov. 9. Valentin Strovv, Schneider zu B., verpflichtet 
sich gegenüber den Pflegern der Salve Regina Bruderschaft zur 
Zahlung von ) 2 ß jährl. Zinses ab 3 Juch. Matten. 

1515 Juni 30. Gervasius v. Pforr schuldet der Salve Regina 
Bruderschaft zu B. 50 fl. Hauptgut u. 2^0 fl. Zins ab 6 Juch. 
Acker beim Kloster Marienau. 

15 15 Okt. 23. Die Präsenz verkauft an Jos. Schaib 5 /3 0, 
welche Johannes v. Spitzenbach sei. zu B. von dem Haus zur 
Gabelen als Jahrzeit vermacht hat, um 8 fl. 

1517 Mai Q. Matheus Billing, Kaplan des St. Marien- 
Magdalenaltars zu B., beurkundet, dass die Stadt Breisach einen 
Zins von 7 /? .ä ab einem Haus an den Newenthurn abgelöst hat. 

15 18 April 5. Schuldbrief des Veitin Boltz zu B. für Tobias 
Lutz als Kaplan U. L. Frauenpfründe um 20 fl. mit i fl. zu ver- 
zinsen ab seinem Haus in der Straßgassen bi dem Grendeltor. 

1518 Sept. 27. Prothasius Hofer zu B. nimmt von der 
Salve Regina Bruderschaft zu B. 20 fl. Hauptgut auf mit i fl. 
Zins ab seinem Haus an der nüwen badstuben bi Gutgesellentor 
gelegen. 

1520 Mai 4. Die Pfleger der Salve Regina Bruderschaft 
lösen von den 400 von Anton v. Landeck geliehenen Gulden 
100 fl. ab. 

1521 Aug. 26. Schuldbrief des Diebold Goldner v. Ober- 
rimsingen für die Salve Regina Bruderschaft um 20 fl. Hauptgut 
u. I fl. Zins. "^ 

1521 Dez. 23. Heinrich v. Rotzamhusen nimmt mit Wissen 
der Gemeinde Cünheim von Friedrich Gerhartt zu 3. 100 fl. 
Hauptgut auf mit 5 fl. Zins ab den Einkünften des Dorfes 
Cünheim. 

1523 Jan. 22. Hanns Acker zu B. schuldet der Salve 
Regina Bruderschaft zu B. 70 fl. Hauptgut mit 3^^ fl. zu verzinsen 
ab seinem Haus beim Gutgesellentor. 

1523 Nov. 23. Burkhard Res von Volckeltzheim schuldet 
Hanns Krutzer als Kaplan der St. Johannes Pfründ 10 ff v> mit 
10 /? zu verzinsen ab seinem Haus u. Hof zu V. 

1525 Jan. 17. Hanns Pfor zu Merdingen nimmt von der 
Präsenz 20 fl. Hauptgut auf mit i fl. jährl. Zins ab 9 Mansb. 
Reben u. i Juch. Matten. 

1525 Febr. 23. Hanns Meder zu B. schuldet der Salve 
Regina Bruderschaft 6 fl. mit 3 /i 9 v\ Zins ab seinem Haus an 
der Straßgassen. 

1526 Nov. 17. Mathis Reckolver zu B. verkauft an Hanns 
Creutzer als Kaplan des St. Johannes Altares 5 /^ ^ jährl. Zinses 
ab Haus u. Garten auf dem Bühel um 5 d^ ^. 



razö Rieder. 

1544 Aug. 2. Lamprecht Bürli zu B. nimmt von Johann 
Krauwein als Besitzer der St. Sebastiansaltar-Pfründe 100 ll. 
Hauptgut auf mit 5 fl. zu verzinsen ab seinen 2 Häusern gen. 
zum Hom. 

1544 Dez. 22. Ulrich Beren zu Jechtingen schuldet der 
Präsenz 20 fl. Hauptgut u, i fl. Zins ab seinem Haus zu Jechtingen. 

1546. Lienhardt Glockh zu B. leiht von der Präsenz 15 fl. 
Hauptgut mit 9 ß 4^; »2 >a zu verzinsen ab seinem Haus ausserhalb 
des Gütgesellentors. 

1548 Aug. 16. Hanns v. Ensisheym, Zimmermann zu B., 
entleiht von Jacob Regenschyt als Jnnhaber der St. Margarethen- 
kaplanei im Münster 20 S Hauptgut mit i ft Zins ab einem 
Haus an der Vischerhalden. 

1551 Dez. 6. Jacob Boltz v. Oberbergen schuldet dem 
Münsterfond 20 fl mit i fl. Zins ab ^j^ Juch. Reben am Hohen- 
berg u. ab i Juch. Reben im Langeneck. Auf einem beigelegtem 
Papier ist bemerkt: die 1/2 Juch. Reben im Hochenberg ist seyt 
dem schwedischen wesen, alß bei 30 jähren, nimmermer gebauwen 
u. noch odt. Nach gehaltenem Augenschein 17. Martii 1683. 
Johann Kern. 

1553 März 23. Schuldbrief des Hans Peyer zu B. für die 
Präsenz um 30 fl. 

1554 März 5. Michel Zump v. Oberbergen schuldet dem 
Sebastian Bieche zu B. 20 fl. u. i fl. Zins. — ^5^5 Jan. 7 
kauft diesen Gulden Petrus Sattler, Caplan der St. Magdalenen- 
pfründe, von Bastian Bueche um 20 fl. 

1556 Juli 23. Schuldbrief des Hans Schocher zu Ach- 
karren für Petrus Sattler als Innhaber der St. Michaelspfründe 
um 20 fl. 

1557 Nov. 20. Schuldbrief des Arbogast Thoman zu Ach- 
karren als Vogt der Margarethe Löffler für die Präsenz um 20 fl. 

1558 Juli 23. Hans Koy zu B. schuldet der St. Laurentius- 
pf runde 10 fl, 

155g Mai 6. Andreas Bäler zu Niederrimsingen entleiht 
von der St. Laurentiuspfründe 30 fl. Hauptgut mit i^/o fl. zu 
verzinsen. 

1560 Jan. 25. Hans Hess, Küfer zu B., schuldet der 
Präsenz 40 fl. 

1561 Febr. 28. Hanns Frölich zu Colmar schuldet dem 
Diebolt Artlieb zu Colmar als Vogt der Magdalena Heim- 
burger 100 fl. 

1561 April I. Veitin Stedelin zu Bischoffingen schuldet 
U. L. Frauenaltarpfründe 10 fl. 

1561 April 10. Georg Dietrich v. Ensisheim, ZimmermaDO 
zu B., schuldet der St. Laurentiuspfründe 20 fl. 

1561 Juli 5. Jacob Schmidt zu B. entleiht von U. L. Frauen- 
pfründe 10 fl. 



m28 Rieder. 

1590 Febr. 17. Schuldbrief der Elsbeth Eberstein zu Nieder- 
rimsingen für die Präsenz um 40 fl. 

1593 Nov. 3. Samuel Herman, Metzger zu B., schuldet 
den Kaplänen 26 ü. 

J595 April 13. Hans Lindenschmid zu Achkarren schuldet 
der Präsenz 20 fl. 

1597 März 30. Georg Meyer, Viceguardian der Francis- 
kaner zu B., beurkundet, dass Johann Heinrich Christian, Pfarrer 
zu B., eine Schuld von 10 fl. abgelöst habe. 

1597 Nov. 14. Schuldbrief des Hanns Greyer u. Georg 
Frey zu Sultzberg für die Präsenz um 100 fl. 

1599 Febr. 27. Hanns Ell zu Achkarren schuldet der 
St. Barbara-Kaplanei 20 fl. 

1599 April 29. Michael Freytag zu B. entleiht von Erasmus 
Ber als Schaffner der Präsenz 100 fl. mit 5 fl. zu verzinsen. 

1599 Juni 5. Schuldbrief des Martin Bertichin zu B. für 
die Präsenz um 20 fl. 

1599 Dez. 29. Hanns Baumann zu B. schuldet der Elisabet 
Gerhard 200 fl. mit 10 fl. Zins ab seinem Hause an der Vischer- 
halden. 

1600 Juni 15. Hanß Gering zu Bischoffingen nimmt von 
der Präsenz 30 fl. auf. 

1600 Juni 22. Leonhardt Schmidtler, Procurator zu B., 
schuldet der Präsenz 40 fl. 

1602 Mai 23. Hanß Kuenlin entleiht von der Präsenz 70 fl. 

1602 Okt. 20. Stephan Schwanz v. Mördingen schuldet 
dem Nicolaus Bierkhlin u. Friederich Huober, Kapläne u. Präsenz- 
schaff'ner, 40 fl. 

1602 Dez. 15. Andreß Vischer zu B. schuldet denselben 
30 fl. 

1603 Jan. Q. Gall Wolff" zu B. schuldet denselben 40 fl. 
1603 Aug. 18. Schuldbrief Simon Moltter v. Mördingen für 

die Präsenz um 40 fl. 

1603 Sept. II. Schuldbrief des Gall VVeyßlämblin zu B. 
für dieselbe um 20 fl. 

1603 Okt. 16. Schuldbrief des Georg Grisel zu Oberbergen 
für die Präsenz um 10 fl. 

1603 Okt. 20. Schuldbrief des Matern Eürckhlin zu B. für 
dieselbe um 90 fl. 

1604 Febr. 7. Schuldbrief des Andreas Seitz zu B. für die 
Präsenz um 40 fl. 

1604 Dez. 9. Hanß Witzig zu Niederrimsingen schuldet 
der Präsenz 80 fl. 

1605 I^ßz. 10. Michael Seytz zu B. entleiht von Hanns 
Caspar Butzman 267 fl. 

1606 Mai 28. Schuldbrief des Thengi Brotbeckh zu B. für 
die Präsenz um 40 fl. 



m30 



Kieder. 



1621 Jan. 2. Lienhart Heitz von Nieder rimsingen entleiht 
von der Präsenz 40 fl. 

162 1 Jan. 9. Georg Kober, Zunftmeister zum Roten Kopf 
entleiht als Vogt der Katharina Stockherin von der Präsenz 40 fl. 

1621 Aug. 12. Hans Ludwig von Newenstein entleiht von 
derselben 80 fl. 

1622 Okt. 17. Der Zunftmeister Georg zu B. gibt der 
Kaplanei als Unterpfand für 3 ji::^ 9 ^ Bodenzins von einem Haus 
in der Stroßgassen 6 Mansh. Reben. 

1622 Dez. 3. Schuldbrief des Martin Schmidt zu Jechtingen 
für die Präsenz um 20 fl. 

1627 Jan. g. Christian Brotbeck zu Bickensol schuldet der 
Präsenz 60 fl. 

1627 Febr. i. Malheiß Wiedeman v. Bickensol schuldet 
derselben 80 fl. 

1627 Juni 14. Jacob Weber v. Bickensol entleiht von der- 
selben 40 11. 

1627 Juli 4. Martin Strohmeyer v. Bickensol schuldet der 
Präsenz 50 fl. 

1627 Juli 27. Schuldbrief des Hanß Brotbeck v. Bickensol 
für die Präsenz um 40 fl. 

1628 Febr. 29. Hanß Wehlin v. Bantzenheim schuldet der- 
selben 100 fl. 

1651 Nov. 20. Schuldbrief des Claus Spillman, Zimmer- 
mann zu Mördingen, für die Präsenz um 200 fl. 

1658 Juni 4. Georg Liggart v. Ebringen entleiht von der 
Präsenz zu B. 20 fl. 

1629 März 12. Andreas Schumacher v. Ihringen leiht von 
Balthasar Büchlin, Gerichtschreiber zu B., 40 fl. 

1664. Christian Haag von Mördingen entleiht von der 
Präsenz 100 fl. 

1665 Dez. I. Schuldbrief des Hannß Haag u. Wendlin 
Schoph V. Mördingen für die Präsenz um 25 fl. 

1668 Juni 23. Martin Müller zu B. entleiht von dem 
Präsenzschaffner Johann Conrad Müderer 50 fl. mit 2^/0 fl. Zins 
ab Haus u. Hof in der Stroßgassen. 

1680 April 27. Simon Scherer v. Oberbergen entleiht von 
der Präsenz 100 fl. 

1680 Mai 26. Mathiß Goldschmidt zu Achkarren entleiht 
von dem Präsenzschafiner Bartholome Dietherich 10 fl. 

8. Beraine, Rechnungen, Renovationen. 

1485 — 1585. »Verzeichnis der Gültbriefe der Präsenz* 
angelegt von Hamerer. Fol. 307 Bl. 

1500 — 15 17. Gülten Verzeichnis. Or. Pap. 

1520 ff. Zinsregister über die Pfründe des St Erhardsaltars. 
Or. Pap. 



j 



m'iz Rieder. 

der kirchherr von Brisach; meisler Walter der Schulmeister; 
Cunze ze Rine; Rüdiger v. Munzenheim; Heinz v. Hochstatt; 
Wernherr v. Pforr; Friderich v. Hoppach und Hug der Scherr. 
■ 1272. Derselbe legt dem Kloster Marienau auf, daß die Äbtissin 
den Schwestern und Brüdern, die zu dem Kloster gehören, am 
Palmsonntag u. Ptingstag Wein, Brod u. Fische genug geben 
soll ab den Gütern, die seine Hauswirtin Anna v. Tonsol dem 
Kloster übergab. 

127Q. Lükart v. Scherzingen schenkt dem Kloster Marienau 
gen. Gülten zu Munzenheim, Widensol u. Urshein. 

1283. Die Äbte der Klöster Schönthal u. Lützel verordnen, 
daß Marienau während 6 Jahren keine Klosterfrauen aufnehmen 
dürfe, »ne ipsa domus nimietate personarum oppressa in despe- 
rationis baratrum laberetur*. 

1285. Die Äbtissin Berchte v. Rüvach beurkundet, daß 
Agnes, Tochter der Frau von Bischoffingen, 20 Viertel Korngülie 
dem Kloster übergeben habe zur Nutznießung ihrer zwei im 
Kloster sich befindlichen Schwestern Gute u. Diemut. 

1291 Juli 22. Die Äbtissin Katharina beurkundet, daß das 
Kloster von Heinrich sei., dem Leutpriester zu St. Martin bei 
Waldkirch, i R Gülte ab einem Weingarten am Eckhardsberg 
bisher bezogen hat, welches jetzt an seinem Jahrzeittage in dem 
Reventer verwendet werden soll. 

I2g8. Wernher v. Girbaden, Bürger zu B., kauft von 
Marienau 6 Juch. Acker, welche nach seinem Tode an das 
Kloster zurückfallen sollen. 

129g Okt. 12. Die Töchter der Frau von Elsenhein, Guta und 
Katharina im Kloster Marienau kaufen von der Wittwe des Matis 
sei. von Ihringen 6 Vrtl. Korngülte ab dem Gute im Ursheimer 
Banne, das früher dem Schultheissen Peter von Andolsheim gehörte. 

1300 April 4. Irmengard, Wittwe des Hugo Scherer, ver- 
macht zur Jahrzeit ihres Mannes gen. Gülten zu Heitersheim, 
Eiisißheim etc. Wenn das Kloster die Jahrzeit nicht hielte, so 
sollen diese Gülten an die »St. Steflfans kilchen ze Brisach« fallen. 

1301 Febr. 2^. Das Gericht zu Kolmar legt einen Güter- 
streit bei zwischen den Farben des Ulrich sei. von Schaffhausen 
einerseits u. dem Kl. Marienau u. Pairis anderseits betr. das 
Gut zu Sunthoven. 

130J Mai 10. Anna, Wittwe des Albrecht v. Merdingen, 
übergibt ihrer Tochter Elisabeth, Klosterfrau zu Marienau, gen. 
Äcker u. Gülten zu Breisach. 

1301 Mai ig. Die Äbtissin Bertha v. Ruvach verspricht 
Güter u. Gülten, welche Johann v. Pforr zu Breisach dem Kloster 
wegen seiner Töchter, Schwester Klara u. Agnes, übergeben hat, 
nicht zu verkaufen oder zu versetzen. 

1 303 Dez. 8. Das Kloster Unterlinden bei Kolmar verkauft 
an die Kinder des Eberhard Vcschelin sei. von Breisach 3 t( *^ 
Gülten ab Häusern zu Br. für die Jahrzeit ihres Vaters. 



0134 



Rieder. 



1329 Dez. 12. Erblehensbrief des Kl. Amtenhauseo für 
Swarz Üllin, Bürger zu Br., über 1/2 Juch. Ackers zu Br. u. einen 
Garten am Hartwege. 

132Q Dez. 12. Johann v. Aufen (Uffhein), Ritter, u. sein 
Bruder Konrad, Edelknecht, verkaufen an das Kl. Marienaa 
Äcker im Banne v. Tiemhein um 6 2? -a. 

1330 Juni 13. Katharina, Wittwe des Clewi v. Pforr, über- 
gibt mit Zustimmung ihres Sohnes Heinrich ihren Töchtern 
Katharina u. Tiiie im Kl. Marienau verschiedene Gülten. 

1331 Juni 13. Die Äbtissin Katharina verleiht dem Kuntz 
V. Nambsheim einen Garten am Eckhardsberg zu einem Erblehen 
um 5 /J -A. 

1332 Jan. 21. Testament des Johann v. Pforr, Bürgers zu 
Br., wornach unter andern bestimmte Güter erhalten sollen: 
Agnes u. Anna, seine Töchter im KI. Marienau; seine Bruders- 
kinder ebenda; ferner 5 /) an sant Stephans werk ze Brisach; 
5 ß die Minoriten; 5 ß die Augustiner; 5 ß die Schwestern, die 
in der v. Baldolzheim hus sint, etc. 

1333 Jan. 7. Bürgi Hünler verkauft an das Kl. Marienau 
I Juch. Reben. 

1334 April 26. Abt Heymo v. Lützel bestätigt einen Schuld- 
brief des Konrad v. Merdingen an das KI. Pairis für 100 m. s. 

1335 März 13. Abt Johann v. Pairis verkauft mit Zustimmung 
des Abtes Heymo v. Lützel, ihres Visitators, den Schwestern 
Katharina u. Tilie, Töchter des Klaus sei. v. Pforr, im KI. 
Marienau 3 U ^ ß Gülten ab Haus u. Garten zu Breisach um 
36 ff 8 /y -Ä. 

1335 März 15. Schuldbrief des Kl. Pairis für die Kloster- 
frauen Guta u. Katharina gen. v. Elsenhen zu Marienau um 
14 ff ^ mit I ff Zins ab einem Hause auf dem Berge. 

1335 Dez. 23. Schuldbrief desselben für Katharina u. Tilie 
V. Pforr für 27 ff -ä. 

1336 Aug. 17. Schuldbrief des Peter zum Rust für die 
Äbtissin Katharina v. Pforr u. den Konvent des Kl. Marienau. 

1339 Juli 14. Das Kl. Unterlinden verkauft an Margaretha 
Boss V. Breisach gen. Korngülten, welche Heini zem Rine den 
Klosterfrauen Katharina u. Agnes zem Rine zu einem Sei- 
geräte gab. 

1 34 1 Sept. 1 1 . Johann Schultheiß v. Dossenheim verkauft 
an das Kl. Marienau i ff ^ Gülte, womit die Klosterkirche jährlich 
ausgebessert werden soll, ab dem Priesterhause des Johann v. 
Hindisheim zu Breisach gelegen, um i8ff^. Auf dem Hause 
ruht der Bischofzins u. eine Wachsgülte. 

1343 Jan. 25. Clewi v. Hochstetten verkauft dem Kl. 
Marienau seinen Hof zu Breisach neben dem Kloster um 1 25 i^ x 

1345 Juli I. Clewi Schöngerwer gen. Böcklin verkauft 
dem Kl. Marienau 13 Juch. Acker, die Peter sei. zum Rust 
gehörten, um 273 ff ^. 



m36 Rieder. 

1362 Sept. 7. Kunz Vogler zu Kolmar empfangt v. Katha- 
rina, Wittwe des Werlin v. Limperg, Haus u. Hof gen, zum 
Heiden um 10 f2^ ^ als Erblehen. 

13Ö4 Mai 10. Johann Wurmelin von Kolmar übergibt dem 
Kl. Marienau 10 BS ^ Gülten ab der Fleischerbank zu K. u. ab 
gen. Gütern zum Eintritt seiner Tochter Klara in das Kloster. 

1365 März 21. Grede, Wittwe des Hennin v. Kaisersberg, 
übergibt ihrer Tochter Anna zum Eintritte in das Kloster 4 ^ ^ 
Gülten ab dem Kaisersberger Hof zu Niederbach. 

1366 Sept 4. Gültverkauf des Kunz Nies von Kolmar an 
Katharina Widensölin. 

1367 April 23. Gültverkauf der Brüder Lutzmann u. Conrad 
zem Rine an Conrad von Merdingen, gen. Waltman. 

1375 M^^ 27« Henni Büheler von Burgheim verkauft eine 
Weingülte an die Klosterfrau Elsa v. Jnstein zu Br. 

1376 Febr. i. Abt Ludwig v. Pairis verkauft einem Juden 
gen. Vinilkint zu. Br. das sogen. Heimenratz Haus um 1256. 

1380 Dez. 22, Mathias v. Gundlingen leiht von Junker 
Franz Gotzkuchen als Vogt der Klosterfrau Anna Sumpstin 10 ^ Ji. 

1381 März 22, Heinrich u. Wernher v. Pforr übertragen 
dem Kl. Marienau zu zahlende g t( ^ Gülten ab einem Hause 
zu Br. auf Güter daselbst. 

1386 Febr. 7. Clara Hüglerin zu Br. überträgt eine an den 
Kaplan der Pforr Pfründe zu zahlende Gülte ab einem Stalle an 
der Rinhalden auf das Haus des Hamman Haller. 

1386 Juli 24. Erblehensbrief des Ulmann Schaggmann für 
Clewi Isenhut über ein Haus in der v. Muntzenheimgassen. 

1389 Juni 30. Johann Flesche v. Rapoltsweier, Edelknecht, 
verkauft den Klosterfrauen Elisabeht v. Istein u. Agnes Schulthin 
9 Mut Roggen Gülte um 8 m. s. 

1390 Juli 24. Katherina, Frau des Konrad v. Büsisheim, 
übergibt dem Kl. Marienau statt der früher ihrer Tochter Anna 
sei. vermachten Gülten andere näher bezeichnete zum Teil ab 
dem Hof bi dem Judentum, gen. der zum Rin-Hof. 

1394 Mai 25. Erblehensbrief des Kl. Marienau für Hammann 
Röttelin zu Br. über das Haus an dem Salzhofe, zinst den 
Bischofszins u. i Huhn der Klosterfrau Schillingin. 

1395 Jan, 20. Das Gericht zu Br. entscheidet einen Gülten- 
streit zwischen dem Kl. Marienau u. Siegfrid Schillinger. 

1395 März 15. Elsa v. Limperg, Wittwe des Johann 
Wurmlin, verkauft an die Klosterfrauen Thine Schilling u. Clara 
Wurmelin zu Br. 3 fi. Zins ab einem Garten bei Br. um 45 fl. 

1403 April. Gültverkauf des Henni Waser an die Kloster- 
frau Agnes Schultheiß zu Br. 

1407 April 21. Gültverkauf des Johann Sflgelin, Barfüsser 
zu Br., an die Klosterfrau Adelheid v. Volgelsheim zu Br. 

14 13 Dez. 9. Das Gericht zu Schlettstadt entscheidet eine 
Klage der Clara Wurmelerin, Äbtissin, u. der Klosterfrauen 



m38 Rieder. 

1456 Okt. 22, Gerichtliche Klage des Kl. Marienau gegen 
Hanns Vogeler wegen eines Gartens in der Baslergassen. 

1460 Juni 9. Klage des Kl. Marienau gegen Henni Zimmer- 
mann V. Kolmar wegen eines Gutes zu Widensohl, von dem 
H. Zimmermann ohne Wissen des Klosters Zins eingenommen. 

14Ö4 Juli 26. Die Äbtissin Agatha u. der Konvent v. 
Marienau verkaufen an Flenni Bälmer ihre Rechte am Hofe zu 
Künheim. 

147 1 Jan. 14. Der Notar Ludwig Scherrer gen. Engelfrid 
gibt auf Bitten des derzeitigen Beichtigers Theodorich u. des 
Schaffners Peter Ries vom KI. Marienau ein Vidimus eines 
Kaufbriefes des Henni Waser für Agnes Schulthessin. 

1472 Nov. 9. Derselbe entscheidet eine Klage der Äbtissin 
Anna, der Elisabeth v. Brugh, Priorin, der Ursula Stadler, Groß- 
kellerin, u. der Margaretha v. Wittenheim einerseits u. Clewi 
Schuhmacher u. Henni Schlegel v. Br. anderseits. 

1473 Juli I. Schuldbrief des Hans v. Überlingen zu Br. 
gegen das Kl. Marienau für 30 fl. Hauptgut und 1^/2 fl. Zins 
ab seinem Hause unterhalb des Münsters u. von einem Rebstück. 

147Ö Jan. 10. Die Äbtissin Agnes des Kl. Säckingen 
bestätigt dem Fridolin Buggli als Vogt der Kinder des Eudi 
Issenthal die Zehntfreiheit ab einer Matten in der Au zu S. 

1478 Aug. 18. Das Hofgericht zu Ensißheim entscheidet 
einen Streit zwischen dem Ritler Hans Veschelin u. dem Kl. 
Marienau wegen 3 Juch. Acker zu Widensohl. 

1480 Febr. 19. Schuldbrief des Jacob Byrenmüly, Metzger 
zu Br., gegen das Kloster für 15 fl. Hauptgut mit i il. Zins ab 
dem Hause zu dem Hirtzen. 

i486 März 3. Der Guardian Nicolaus Rott u. der Konvent 
des Barlüßcrklosters zu Br. beurkunden eine Gültablösung des 
Kl. Marienau. 

149 1 April 23. Die Äbtissin Ursula u. der Konvent des 
Kl. Marienau verkaufen an Matheus Scherer ^/^ Saum Weingälte 
ab 6 Mannsh. Reben in den Hirtzlishalden um 2 U ^, 

1499 Okt. 23. Das Br. Gericht spricht dem Kl. Marienau 
das Haus des Wirlin Kieffer sei. zu Br. wegen versessener 
Zinsen zu. 

1501 März 18. Konrad Kischer zu Br. schuldet der Äbtissin 
Ursula u. dem Konvent des Kl. Marienau 20 fl. Hauptgut mit 
I fl. Zins. 

1501 April 26. Beatus Hiwibe (?), Prior, u. der Konvent 
des Augustinerklosters zu Br. beurkundet eine Gültablösung der 
Äbtissin Ursula u. des Konvents v. Marienau. 

1503 März 6. Schuldschein der Stadt Obernberckheym für 
das KI. Marienau um iioofl. 

1503 Juni 26. Hanns Ruch von Volgelsheim (Volckeltzhinj 
verkauft an Clewi Kind v. Br. seinen Garten am Hartweg. 



Illi|.0 Rieder. 

1572 Okt. 25. Schuldschein des Protasius Bentelin v. Br. 
für das Kl. Marienau um 650 fl. mit dem Unterpfand seines 
Hauses gen. zum Hohensteg. 

1575 Sept. I. Appellationsinstrument an das Hofgericht zu 
Rottweil über Güter zu Munzenheim u. Volgelsheim, welche dem 
Kl. Marienau gehörten. 

'575 Nov. 18. Dem Kl. Marienau wird durch das Br. 
Gericht das Haus des Melchior Ditzinger am W6rdt gerichtlich 
zugesprochen. 

1600 Juli 15. Schuldbrief des Andreas Fischer v. Br. für 
Marienau um 30 fl. mit Unterpfand seines Hauses am Lanenweg. 

1627 März 12. Georg Haller verkauft an Peter Keppler zu 
Br. sein Haus am Werth. 

1662 April 4. Schuldbrief des Balthasar Gaß, Bockwirt zu 
Br., für das Kl. Marienau um 32 fl. 

1665 Aug. 25. Renovation der Güter, welche Hannß Kretz- 
meyer zu HaulSen an der Möhlin zu Erblehen hat. 

1708 Dez, 4. Schuldbrief des Johannes Braun v. Merdingen 
für das Kl. Marienau um 25 fl. 

1736 Aug. 8. Im Namen der Kaiserin Maria Theresia, des 
Kommandanten Freiherrn v. Rodt u. des Pfarrektors Franz 
Joseph Blöchle legt der Pfarrherr u. Dr. V. Vikari den Eckstein 
zu der neuen Klosterkirche. Anwesend waren: Frau v. Rodt 
geb. v. Sickingen, Anna v. Rumpf geb. Gräfin v. Loßa u. die 
1 1 Klosterfrauen : Theresia Battaille, Superiorin; Johanna Maim- 
bourg, Assistentin; Elisabeth Ditta, Josepha Pimpelle, Maria 
Framoise, Leopoida Weißin, Therese Höltzler, Viktoria Schweif- 
gut, Antoinette de Morphy, Maria Rosa Scolarin, Cäcilia Siglerin. 
Baumeister war der kais. Baumeister Joseph della Maria; Maurer- 
meister Johannes Greber v. Breisach führte die Klosterkirche auf. 
Sie wurde durch die Franzosen verbraunt 17Q3 Sept. 15. 

Beraine u. Renovationen der Güter zu Bülßheim (1480), 
Heitteren (15 16), Breisach (1570), Biengen (1581, 1657, 17 16). 
— Quittungen aus den Jahren 1628 ff. — 1687 Febr. 25. 
Renovation der dem adelichen Stifte zu Otmarsheim gehörenden 
Güter. — 1730 ff. Erblehensbrief für die Schaffner 3 Stück. — 
1743. Rechnungen über die an die Karthaus zu Freiburg 
gelieferten Gülten aus dem Rotweiler Bann. — Rechnungen des 
Kl. Marienau v. 161 5 an. — Registraturen über 265 Briefe vom 
16. Jahrhundert an. 102 Bl. 



Archivalien aus Orten des Amtsbezirks 

Neustadt i. Schw/). 

Verzeichnet vod dem Pfleger 
Landgerichtsrat Ad. Birkenmayer in Freiburg i. B. 



I. Bubenbach. 

(Kathol.) Pfarrei. 

1700 ff. Kirchenbücher. — ^793 ff. Akten über den Bau 
der Kirche und des Pfarrhauses. — o. J. Anniversarienbuch. — 
1800 Juli 7. Bräunungen. Magistratsbeschiuss über die Regelung 
der gottesdienstlichen Handlungen. — 1807 ff. Taufbuch der 
neu errichteten Pfarrei. — 1808 ff. Pfarr- und Bruderschaftsbuch. 
— Im Jahr 17QI wurde zu B. eine Lokalpfarrei unter der Pfarrei 
Bräunlingen eingerichtet. 

2. Dittishausen. 

Gemeinde. 

1745 ff. Gemeinderechnungen. — '769 ff. VVaisenrech- 
nungen und Teilzettel. — 1778 ff. Feuerversicherungsbuch. — 
1780 ff. Gedruckte fürstenbergische Feuerordnung und sonstige 
Regierungsdekrete. — '792 ff. Akten über Herrenfrohnden; 
Errichtung eines Sau- und Tiergartens. — 1796 ff. Rechnungen 
über Kriegsleistungen. - 1804. Steuer-Rodel. 

3. Eisenbach. 
Gemeinde. 

1802 ff. Ausgabenbuch der Gemeinde für die Landschaft^ 
Kontributionen, Lieferungen, Fuhrleistungen. — 1804. Gewähr- 
buchsbeilagen. 



*) Vgl. Mitt. Nr. 17, 43 — 46. Nr. 19, 50 — 51. Es wird auch hier auf 
die Bemerkung in Mitt. 14, 72 hingewiesen. Die sehr ausführlichen Auf> 
Zeichnungen des Herrn Birkenmayer werden im Generallandesarchiv auf- 
bewahrt. 

Mitt. d. Bad. Hist. Kom. Nr. 24. ^ 



xnA2 Birkenraayer. 

4. Fischbach. 

Gemeinde. 

1746. Kopie der fürstl. fürstenbergischen Forst- und Jagd- 
ordnung. — 179Ö ff. Darstellungen und Berechnungen der 
Kriegslieferungen und Kontributionen und deren Austeilung auf 
die einzelnen Gemeinden und Herdstätten. — 1800 ff. Gemeinde- 
beschlussbuch. — 18 10 ff. Akten über alte Abgaben, Ausübung 
der Jagd und Errichtung eines Tiergartens. — 1 813 ff. Frohnd- 
buch. — 18 14 ff. Berechnung der Kriegskosten (von 1806 
— 1816 für Fischbach: 17429 fl. 14 kr.). — 1819. Lagerbuch 
der Vogtei Fischbach. 

5. Friedenweiler. 

A. Gemeinde. 

18 13 Nov. 22. Gedruckter Erlass des Direktoriums des 
Donaukreises zu Villingen, die Verpflegung der alliierten Truppen 
betr., mit einem Register über die Verteilung der Einquartierungs- 
last. — 1815. Berechnung der Steuerkapitalien in der Gemeinde 
Fr. — 18 15. Güteranschläge der Gesamtgemeinde, ohne jene 
der Standesherrschaft, 39433 fl. — 181 7. Verzeichnis über den 
neuen Steuerfuss der Gemeinde mit Einzugstabelle. — 1820 ff. 
Gemeinderechnungen. — 1824. Unterpfandsbuch. — 1828. 
Gewährbuch. 

B. (Kathol.) Pfarrei. 

1502 ff. Heft. Abschrift des Stiftungsbriefes über den sog. 
»Grossen Jahrtag« in der Kirche zu Fr. nebst einer Darstellung 
über den Ursprung dieses Jahrtages mit einem Verzeichnis der 
neuen Vermächtnisse von 1767 an. — 1585 Febr. 9. Abschrift 
Konsekration des Hochaltars. — 1648 Mai 31. Kurzer Bencht 
über die Exemption der Kirche zu Fr. von der bischöflichen 
Jurisdiktion und über die Zugehörigkeit derselben zum Kloster 
Thennenbach. — 1660 Mai 14. Konstanz. Bestätigung und 
Vereinbarung dieser Abmachung zwischen Thennenbach und dem 
Bischof von Konstanz. — 1668 ff. Catalogus Infantium. — 1682 
Okt. 6. Bericht des Pfarrers P. Martinus zu Fr., dass neben 
dem »Seelgerecht und anderen Gerechtigkeiten« zu Fr. immer 
auch der Bannschatz (bannalia) bezahlt worden sei. — 1726 ff. 
Rechnungen über Einnahmen und Ausgaben der Pflegschaft St. 
Wendelin in der Langenordnach. — 1727 Mai 23. Jahrtagsbrief 
für Jakob Göringer und ganze Freundschaft zu Langenordnach. 
— 1731. Rechnung über den Neubau des Kirchleins St. Wen- 
delin zu L. — 1731- Bericht über die wieder neu gebaute 
Kirche zu L. — 1732 ff. Ehedispense. — 1 741 ff. Aktenstücke 
über Erhebung des Bannschatzes oder Springhabers. — 1 741 ff. 
'iber die Feier der Sonn- und Festtage. — 1741. Papst- 



XXiAA. Birkenmayer. 

Ackerfeld, das sog. »neue Haus«, von der Standesherrschaft zum 
Preise von 2100 fl. 

6. Goschweiler. 

Gemeinde^). 

1764. Regelung der Forstfrohnden. — 1765 ff. Gemeinde- 
protokollbuch. '767. Gemarkungsplan. — 1773 ff. Akten 
über Anlage und Unterhaltung der Strassen und Wege. — 
1774 ff. Waisenrechnungen. — ^775 ff. Akten über öffentliche 
Reinlichkeit und Brunnen- Anlagen. — 1777 ff. Verzeichnisse 
über Leistung von Jagdfrohnden. — 1782 Mai 8. Erlass des 
Fürsten Josef Wenzel zu Fürstenberg, Abhilfe gegen die Hegung 
des Hochwildes etc. — '794 ff. Akten über Gefalle, Gälten 
and Zinse der Gemeinde G. — 1805 ff. Gemeinderechnungen. 

— 180Ö ff. Rekrutenstellung der Gemeinde G. — 18 16 ff. 
Akten über Kriegslieferungen u. Kapitalaufnahmen hierwegen. 

7. Hammereisenbach-Bregenbach. 

A. Gemeinde. 

1785 ff. Akten über die Errichtung, Besetzung und Ver- 
waltung der Kaplanei Hammereisenbach-Bregenbach. — 1789 fl. 
Urbarium über die Vogtei Bregenbach. — 1804 ff. Akten über 
das Pflegschaftswesen. — 181 3 ff. Akten über das Grund- und 
Pfandbuchswesen. Vorzugsrecht bei liegenden Erbschaften. — 
1815 ff. Gemeinderechnungen von Hammereisenbach mit Ver- 
zeichnissen über Kriegsleistungen, Einquartierungen, Durchmärsche. 

— 1832. Bürgerbuch für Bregenbach. — o. J. Bürgerbuch fär 
Hammereisenbach. — Durch Gesetz vom 7. Mai 1896 wurde 
die Gemeinde Bregenbach auf i. Januur 1897 aufgelöst und 
mit der Gemeinde Hammereisenbach, welche von da an den 
Namen Hammereisenbach-Bregenbach führt, zu einer einfachen 
Gemeinde vereinigt. 

B. (Kathol.) Pfarrei. 

1741 ff. Akten über Schulverhältnisse und Schulreform. — 
1822 ff. Kirchenbücher. Die Pfarrei wurde 1887 errichtet; 
vorher Kaplanei unter der Pfarrei Urach. 

8. Löffingen. 

(Kathol.) Pfarrei 2). 

I. Urkunden: 1440 Juni 16. Kauf einer Wiese durch 
Pfarrer Hans Kessler in Löffingen. Perg. — 15 10. Urkunde 
über den Zehnten zu Reiselfingen. Perg. — 1525. Zinsbrief des 



*) Pfarrei (Kathol.) s. Mitt. 17, 44. — ') S. auch Mitt. 19, 50—51. 



11146 Birkenmayer. 

Stücke über kirchliche Anordnung von Kollekten. — 1707 flf, 
Akten über die Verleihung von Ablässen. — 17 10 ff. Akten 
über die Scapulierbruderschaft u. über Diöcesanandachten. — 
17 14 ff. Vorschriften über die Ordnung des Gottesdienstes. — 
17 16 flf. Die Rosenkranzbruderschaft. — 17 18 ff. Akten über 
Abhaltung von Volksmissionen. — 1720 ff. Anniversarienstiftungen. 

— 1726 ff. Güter der Kaplaneipfründe. — 1729 ff. Akten über 
die Feier des Palrocini umfestes; Patron der Pfarrkirche: St. 
Demetrius Martyr. — 1738 ff. Nachweisungen über die Kompetenz 
der Kaplanei. — 1742 ff. Akten über die Gottesdienstordnung 
in der Filialkirche zu Seppenhofen. — 1744 ff. Akten über die 
Pfarrpfründe und die Bewirtschaftung der Pfarrgüter. — 1 751 ff. 
Anordnungen bezüglich der Kirchhöfe und der Begräbnisse. — 
1753 ff. Verschiedene Erlasse der geistlichen und weltlichen 
Obrigkeit. — 1764 ff. Auszüge aus den Geburts- und Sterb- 
büchern. — 1765 ff. Akten über Anschaffung verschiedener 
Kirchenbedürfnisse. — ^7^7 ^* Erteilte Dispense bei Ehe- 
schliessungen. — 1773 ff. Akten über den Pfarrkirchen fond zu 
L. — 1790 ff. Feier des Frohnleichnamsfestes, Prozessionsord- 
nung, Militärparade. — 1793 ff. Abhaltung der Rorate-Andachten* 
Spendung der Firmung, Abhaltung geistlicher Konferenzen. — 
1795 ff. Akten über Ehesachen. 

9. Oberbränd. 

Gemeinde. 

1792. Grundbuch für die Gemeinde Oberbränd und Spitz- 
wald. — 1808 ff. Akten über Kriegs- und Militärsachen. — 
1824. Kontraktenbuch der Gemeinde O. 

IG. Schwärzenbach. 

Gemeinde. 

1751 ff. Schatzungsanlagen der Gemeinde Schw. — 1785 ff. 
Pfiegrechnungen und Waisenprotokolle. — 1790. Buch. Urbar- 
beschrieb der Vogtei Schw. 

II. Unterlenzkirch. 

Gemeinde. 

1777. Gedruckte Brand-Assekurranz-Ordnung. -- 1780 ff. 
Einzugsrodel für die Brandversicherungsbeiträge. — 1 781 ff. 
Akten über die Bestallung der Feuerreiter, Feuerschauer und 
Kirchenvögte. — 1790. Verschiedene Beschwerden der Gemeinden 
Oberlenzkirch, Unterlenzkirch und Saig. — 1796. Hirtenbuch. 

— 1796 — 98. Holzrechnungen. — 1797 ff. Rechnungsbüchcr 
und Gemeinderechnungen. — 1 799 ff. Rechnungen über Kriegs- 
lieferungen und deren Verteilung auf die einzelnen Gemeinden 
und Herdstätten. Die Leistung der Landschaft Neustadt betrag 
vom 13. Juni 1796 bis Ende Mai 1797: 177 700 fl., daran hatte 



11148 Birkenmayer. 

liehen Gerechtigkeit zu W. — 1560 ff. Akten über die Conse- 
cration und Benediktion der Kapelle, Kirche, Altare und Kreuz- 
wegstationen, sowie über die zwei Reliquien zu W. — 1590 ff. 
Pergamentheft mit Einträgen über die Kapelle und die kirch- 
lichen Stiftungen zu W. — 1762 ff. Akten über den Kircbenban 
zu W. — 1765 ff. Sammlung von Geburts- und Taufbuch- 
Auszügen. — 1771 Nov. 14. Abschrift. Vergleich zwischen 
dem Stift St. Peter und der Gemeinde W. bezüglich des Pfarr- 
hauses. — 1780 ff. Akten über Heiratsgesuche. — ^787 ff. 
Kirchenbücher. — 1793 Febr. 14. Freiburg. Aufforderung der 
breisgauischen Landstände (Consesses) zur Leistung von Bei- 
trägen zu den Kriegskosten. — 1793. Akten über das Verbot 
von Tanzbelustigungen während der Kriegszeit und Anordnung 
von Betstunden zur Erlangung des Sieges durch die kaiserlichen 
Waffen. — 1798 ff. Rechnungen der Pfarrkirche und über das 
Kirchenvermögen zu W. — 1802 ff. Akten über die Liegen- 
schaften der Pfarrei W. — 1804 ff. Akten über die Pfarrci- 
und Kirchenvisitationen. — 1809 ff. Kurze Obersicht des Pfründe- 
einkommens, der Stol- und anderer Berechtigungen; Verzeichnis 
der Anniversarien ; Gottesdienst- und Schulordnungen : Anschaffung 
der Kirchenuhr und Orgel. — 1809 — 18 15. Seelenverzeichnis 
der Pfarrei W. — 18 14 ff. Akten über die Kirchenparamente» 

— o. J. Urbar der Pfarrei W. nebst Familienbuch. — »833 ff. 
Akten mit Aufzeichnungen über den Ursprung der Kapelle zu 
\V. — Grabinschriften an der äusseren Kirchenmauer: a) Pfarrer 
Benedikt Unger, geb. 1777 in Rottweil a. N., gest. 3. Okt. 1814; 
b) P. Ulrich Rombach, geb. 1783, gest. 1826; c) Pfarrer Wen- 
delin Zipf^er, gest. 1831. 

14. Schluchsee. 

Landkapitel Stühlingen. 
Das Kapitelsarchiv, früher in Obcrlenzkirch, befindet sich jetzt in S< hluchsec. 

1478. Zinsbrief über den Zins in Mauchen. Perg. — 1485 
Aug. 19. Konstanz. Statuten des Kapitels Stühlingen mit einem 
Verzeichnis der zugehörigen Kirchen. — 1542 Febr. 15. Othmar 
Würth von Slühlingen verkauft an das Kapitel 3^5/? Heller 
von seinen zu St. gelegenen Gütern. — 155Ö ff. Register über 
die Einnahmen und Ausgaben des Kapitels. — I57i- 1Ö44. 
Bücher über Zinse, Gülten, Einkommen und Schulden des 
Kapitels St — 1652 April 9. öhningen. Auszug aus dem 
Übereinkommen zw. dem Bischof von Konstanz und dem Gottes- 
haus St. Blasien wegen der Visitation und Besetzung der Pfarreien. 

— 1653 ff. Akten über das Kapitels- Vermögen, Urkunden über 
Kapitalien und Grundgefalle, Auszüge aus Berainen. — 1667. 
Buch. Beiträge der einzelnen Pfarreien an das Kloster St. Blasien. 

— 1667 — 1723. Kapitelsprotokoll. — 1679 Juni 10. Zinsver- 
schreibung des Hans Kohl von Schwenningen über 80 fl, Perg. 



Archivalien aus Orten des Amtsbezirks Neustadt i. Schw. 



m49 



— 1681 ff. Akten über die Kapitelsversammlungen. — 1701 
Juni 27. Bonndorf. Vergleicb, das »mortuarium San Blasia- 
num« betr. — 1725 ff. Akten des Kapitelvorstandes. — 1728 
— 1729. Erneuerte Statuten des Kapitels Stühlingen mit der 
Einleitung: »Quoniam sanctissima Dei genitrix Virgo sine labe 
concepta, venerabilis Capituli nostri Patrona agnoscitur et vene- 
ratur, sie ante omnia ponenda est ejusdem efiigies immaculatae 
conceptionis«. — 1 781 ff. Akten über Pfründ- und Besteuerungs- 
sachen. — 1782 Mai 23. Konstanz. Erlass der bischöllicben 
Behörde des Inhalts, dass die Pfarrer und Beneficiaten der 
»Brandgesellschaft« beitreten mögen. — 1794 flf. Akten über die 
bischöflichen Gerechtsame, Taxen und Gebühren. — 1802 ff. 
Akten über Einkommen, Provisorien, Bauschillinge, Pfründsachen, 
Kirchenbaulasten, Kompetenzen u. s. w. — 1804 ff. Akten über 
die Pfründe-Einkommen. - 1807. Akten über den Vollzug der 
Aufhebung der Klöster und die Massnahmen in Bezug auf das 
Landkapitel. — 1807 Dez. 31. Erlass des Generalvikariats zu 
Konstanz, die Auflösung des Landkapitels St. Blasien und die 
Zuteilung der Pfarreien zu den angrenzenden Kapiteln. — 1S07 
Jan. 3. Cirkular-Erlass der bischöfl. Konstanz, geistl. Regierung, 
die Aufhebung der breisgauischen Stifter und Klöster und die 
Gleichstellung des Regularklerus mit dem Wellpriesterstande 
betr. — 18 19 ff. Akten über die Statistik des Landkapilels St. 

Schluss-Notiz. 

Die Gemeinden Bärenthal, Bubenbach, Falkau, Hinler- 
zarten, Langenordnach , Löffingen, Neuglashütteii , Rudenborg, 
Schollach, Vierthäler und Waldau, sowie die Kolonie Grünwald 
besitzen keine Archivalien. 



Mitt. d. Bad. Hist. Korn. Nr. 34. 



Archivalien aus Orten des Amtsbezirks 

OfFenburg*). 

Verzeichnet von den Pflegern 
Professor Fr. Platz und Professor Ignaz Scheuermann in Ofüenbarg. 

(Die mit f bezeichneten Pfarrarchive hat Professor Scheuermann, 
alle übrigen Archive Prof. Platz durchgesehen.) 



1. Appenweier^j. 

t (Kathol.) Pfarrei. 
1654 flf. Kirchenbücher. 

2. Berghaupten^). 

(Kathol.) Pfarrei. 

1736 ff. Kirchenbücher. Im Jahr 1736 wurde hier eine 
selbständige Kaplanei errichtet. 

3. Bohlsbach«). 

(Kathol.) Pfarrei. 

1790 ff. Kirchenbücher. Die hiesige Pfarrei wurde im Jahr 
1790 errichtet. 

4. Bühl. 

(Kathol.) Pfarrei. 

1600 — 1761. 1797 ff. Kirchenbücher. Sonstige Archivalien 
sind nicht vorhanden. 



») Vgl. Mitt. Nr. 5, 261—267; Nr. 7, 53—66; Nr. 14, 64—67; 
Nr. 17, 46—50; Nr. 19, 51 — 54. — «) Gemeinde s. Mitt. 17, 47. — 
^) Gemeinde u. kathol. Pfarrei s. Mitt. 5, 262. — *) Gemeinde s. 
Mitt. 17, 48. 






m52 



Platz. — Scheuermann. 



7. Ebers weier. 

t (Kathol.) Pfarrei. 

1703 ff. Kirchenbücher. — Ein gut erhaltenes Strassburger 
Rituale von 1742. 

8. Elgersweier *). 

(Kathol.) Pfarrei. 

1768 — 76. Päpstliche und bischöfliche Dekrete, Privilegien, 
Gnadenbriefe, etc. — 1768-76. Streitsachen über die Susten- 
tierung der Pfarrei E. zwischen dem Kloster Gengenbach und 
der vorderösterr. Regierung; dabei kurze Chronik über Ereig- 
nisse in der Gemeinde E. von 1734 an. — 1769 ff. Gedruckte 
kaiserliche, päpstliche und bischöfliche Verordnungen über Min- 
derung der Festtage, der Fasten, Sammlungen für Kirchen und 
Klöster, gottlose Bücher, Begräbnisse, Asylrechte, etc. — 1770. 
Verzeichnis der Einkünfte des Administrators von der Gemeinde E. 
— 1770 ff. Schriftwechsel mit der bischöflichen Kanzlei in Strass- 
burg über die Pfarrkompetenz. — 1786 ff. Kirchenbücher. Elgers- 
weier erhielt 1786 eigene Pastoration, vorher war dieser Ort ein 
Filial von Offenburg. 

9. Gengenbachs). 

t (Kathol.) Pfarrei. 
1625 ff. Kirchenbücher. 



IG. Griesheim. 

A, Gemeinde. 

1773 ff. Protokolle über Kauf- und Tauschsachen. — 1777 ff. 
Rechnungen des k. k. Landgerichts G. — 1790 ff. Häuser- und 
Güterverschreibungen. — 1816. Errichtung einer Landwehr. — 
1823 ff. Akten über den Salzverkehr. 

B. (Kathol.) Pfarrei. 

1619. Verzeichnis des Einkommens der Pfarrei. — 17201!. 
Anniversarien-Verzeichnis. — 1726 ff. Kirchenbücher. — 1767. 
Beschreibung der Pfarrgüter. — 1782 ff. Erlasse der Bischöfe 
von Strassburg, — 1796. Inventar der Kirchengeräte, von denen 
nachher die meisten von den Franzosen geraubt wurden. — Das 
Pfarrarchiv wurde 1670 nach Staufenberg verbracht, wo das 
Meiste verbrannte; viele Archivalien gingen in den Jahren 1793 ff. 
zu Grunde. 



*) Gemeinde, s. Mitt. Nr. 5, 263. — •) Gemeinde, s. Mitt Nr. 5, 263. 



ni54 



Platz. — Scbeuermann. 



i6. Nordrach. 

(Kathol.) Pfarrei. 

1608 ff. Kirchenbücher. — 1752. Abschrift eines Vertrags 
zwischen dem Pfarrer Stoll von N. und der Abtei Gengenbach 
wegen Pastorierung der Einwohner der Kolonie Nordrach-Fabrik. 
— 1809/10. Auskunftschreiben des Amtskellers Scheffel in 
Gengenbach über die Baupfiicht in N. und den Besoldungswein 
des Geistlichen daselbst. 

17. Offenburg. 

A. Stadtgemeinde. 

Ein Band mit 45 Kopien der der Stadt Offenburg von 
13 15 — 1767 erteilten und bestätigten kaiserlichen und könig- 
lichen Privilegien. - 1528. Erneuerung der Zinse und Gefalle, 
welche das Gotteshaus Schuttern im Dorf und Bann zu Gotten- 
heim jährlich zu beziehen hat. — 1543« Beschreibung und 
Erneuerung der Spitals-Gülten und -Zinse in der Landvogtei 
Ortenau. — 1550 — 1796. Kontraktenprotokolle. — 1572. Er- 
neuerung der Güterzinse zu Kürzell für Junker Chr. von Hagen- 
bach. — 1585 ff. Ratsprotokolle, auch über Hexenprozesse. — 
1598. Erneuerung des Bühler Amts und Stabs. — 1599. Lager- 
buch des Amts Grossweier (Groschweyer). Dasselbe umfasst die 
Orte Grossweier, Balzhofen, Breithurst, Gebersberg und Wald- 
steg, Henchhurst, Hesselbach, Hesselloch, Neusatz, Oberwasser, 
Oberbruch , Oberweier, Unzhurst , Vimbuch und Zell und 
beschreibt ihre Rechte, Pflichten und Gewohnheiten. — 1601. 
Erneuerung der dem Kloster Lichtenthai {zugehörigen Zehnten, 
Renten, Zinse, Gefalle, Güter und Gerechtigkeiten im Stadt- 
Kirchspiel Steinbach, wozu gehören: Steinbach, Affenthal, Eisen- 
thal, Gallenbach, Müllenbach, Nägelsfirst, Neuweier, Ottenhofen, 
Schenkenbach, Umweg und Varnhalt. — 1622. Herbolzheimer 
Erneuerung. — 1626. Lagerbuch über die hochfürstl. badischen 
Gefalle, Renten und Zinse im Amt Bühl. — 1654. Lagerbuch 
des Amts Steinbach. — 1660. Ettenheimer Bannbeschreibung 
aller Matten, Felder, Häuser, Hofstätten und Gärten. — 1663. 
Erneuerung über den Bodenzins der Hubgüter zu Niederschopf- 
heim. — 1666. Erneuerung des deip Gotteshaus Allerheiligen 
zuständigen sog. Wolfzehntens zu Oberkirch. — 1^74. Er- 
neuerung der zu Renchen fälligen Gülten und Zinse. — 1685. 
Erneuerung der fleckensteinischen Bodenzinse, Gefälle und Gülten 
zu Renchen und Wagshurst. — 1700. StoUhofen, erneuertes 
Amtslagerbuch mit Beschreibung der Rechte, Pflichten und 
Gewohnheiten der Orte Hügelsheim, Iffezheim, Ottersdorf, Plitters- 
dorf, Sandweier und Wintersdorf. — 1700. Erneuerung über 
das Thal Neusatz, Waldsteg und Gebersberg. — 1702. Kopie 
des Bühler Amts-Lagerbuchs. — O. J. Erneuerung der der 



n}c5 Platz. — Scheuermano. 

Galten und Bodenzinse. — 1810. 18 14. Oberachern, Emeaerung 
der von dem Kloster Allerheiligen herrührenden Bodenzinse und 
Komgülten. — 18 14. Önsbach, Emeoerong über die herrschaft- 
lichen, vormals dem Stift und Kloster Allerheiligen zugehörigen 
Geld- und Geflügelzinse, Korn- und Erbsengülten von gewöhn- 
lichen und fallbaren Gütern. — 1814. Sasbachwalden, Erneuerung 
der Grossweierer Amts-, Geld- und Bodenzinse, Geflügel- und 
Habergülten und Hubzinsgefalle. — 18 14. Erneuerung der vom 
jungen St. Peter herrührenden, im Gericht Renchen und Achem 
fälligen Bodenzinse. — 18 15. Tiergarten, Beschreibung und 
Erneuerung der Grossweierer Amtszinse. 

B. (Kathol.) Pfarreii). 

1608 flf. Kirchenbücher, 31 Bände, für die Stadt und für 
die Filialorte Elgersweier, Ortenberg, Zell, Hesselbach, Weiersbach, 
Rammersweier, Bohlsbach bis zur Lostrennung der letzteren von 
der Mutterpfarrei. 

C. (Evangel.) Pfarrei. 

Es sind keine Archivalien vorhanden, da die Pfarrei erst 
im Jahr 1854 errichtet wurde. 



18. Ohlsbach'). 

t (Kathol.) Pfarrei. 

Die Pfarrei war bis 1881 Filial von Gengenbach und besitzt 
ausser einem Familienbuch vom Anfang des 19. Jahrhunderts 
keine Archivalien. 

19. Ortenberg»). 

(Kathol.) Pfarrei. 

1788 ff. Kirchenbücher. Die Pfarrei wurde 1788 errichtet; 
vorher war O. Filial von Offenburg, woselbst sich auch die 
Kirchenbücher aus der Zeit vor 1788 befinden. 

20. Schutterwald. 

(Kathol.) Pfarrei. 

1681 ff. Kirchenbücher. 



») Die übrigen Archivalien der kathol. Pfarrei s. Mitt. 5, 264. — 
«) Gemeinde s. Mitt. 5, 265. — *) Gemeinde s. Mitt. 17, 48. — *) Gemeinde 
s. Mitt. 5, 266. 



msS 



Platz. — Scheuermann. 



Oberamtliches Urteil in Sachen der Gemeinde Griesheim vndei 
die Gemeinden Weier und Bühl, den Wald betr. — 17^7. 
Akten über den Vergleich der drei Gemeinden bezüglich der 
Allmend. — 1787 ff. Akten über Schulsachen, Anstellung, Be- 
soldung und Dienstverhältnis der Lehrer. — Urkunde der k. k. 
vorderösterr. Regierungskommission in Offenburg über die 
Gerechtsame und Pflichten der Gemeinde W. und der übrigen 
Gemeinden der Landvogtei Offenburg. — 1788. Zeugnis der 
Bürger, dass bis 1788 nicht mehr als ein Allmendlos auf jedes 
Haus gegeben wurde. — ^793» Obereinkommen zwischen dem 
Pfarramt und der Gemeinde über den Pfarrplatz. — 1809. 
Instruktion für die Ortsplantagenaufseher und Akten über die 
Aufhebung der Platitageninspektionen. — 181 2 — 24. Urkunden 
und Akten über die Vorteilsgerechtigkeiten in der Gemeinde W. 
und in den Gemeinden der Landgerichte Griesheim und Orten- 
berg und über die Beschränkung dieser Vorteilsgerechtigkeit auf 
die Häuser zu gunsten des jüngsten Sohnes oder in Ermangelung 
von Söhnen zu gunsten der ältesten Tochter. — 1812 ff. Akten 
über Wasserbau, Eindämmung der Kinzig und Erhebung der 
Dammbaukosten. — 1818 ff. Akten über Liquidation und Aus- 
gleichung der Kriegskosten. — 1827 ff. Akten über die Auf- 
hebung und Ablösung der alten Abgaben; Ablösung der von 
den Gotteswaldgemeinden an die Mühlenbesitzer zu Offenburg 
zu leistenden Holzabgabe. — 1833 ff. Akten über die Ablösung 
des ärarischen Zehntens auf der Gemarkung W. 

B. (Kathol.) Pfarrei. 

1655. Colligenda der Gefälle und des Einkommens der 
Pfarrkirche St. Johannes Ev. zu W. — 1724. Der Bürger His 
von Ramsweier verpfändet für eine Schuld der Kirche zu W. 
drei Haufen Reben in der Wolfshalde. — 1775 ff. Kirchen- 
bücher; die früheren Einträge sind in Bühl bei Offenburg zu 
finden. — 1 782 ff. Akten über den Kirchenbaufond und das 
Einkommen der Pfarrkirche. — 181 2 ff. Gottesdiensdiche An- 
ordnungen, Kirchengebete. — 1818 ff. Anniversarien und andere 
Stiftungen. 

25. Windschläg. 

' (Kathol.) Pfarrei. 
1 703 ff. Kirchenbücher. 

26. Zell a. H.»). 
(Kathol.) Pfarrei. 

1654 ff, Kirchenbücher. 



*j Gemeinde und kathol. Pfarrei s. Mitt. 19, 53 — 54. 



mÖO Platz. — Scheuermann. 

t B. (Kathol.) Pfarrei. 

1559. Kopie. Das Dorf Zunsweier und desselben Rechte 
und Gerechtigkeiten, Grenzen, Besoldungen, Gerichtsordnung. 

— 1736 ff. Kirchenbücher. — ^767 ff. Kirchenrechnungen. — 

— 1787 ff. Familienbuch. 

Schluss-Notiz. 

Die Gemeinden Bermersbach, Bühl, Ebersweier, Hofweier, 
Marien, Müllen, Nordrach, Oberentersbach , Oberharmersbach, 
Reichenbach, Unterentersbach , Unterharmersbach und Wind- 
schläg, sowie die kathol. Pfarrei Oberharmersbach besitzen keine 
Archivalien. 



J 



Archivalien aus Orten des Amtsbezirks 

Kehl'). 

Verzeichnet von dem Pfleger 
Pfarrer Ludwig Hilspach in Auenheim. 



I. Auenheim. 
A. Gemeinde. 
Dieselbe besitzt keine älteren Akten und Urkunden. 

B. (Evangel.) Pfarrei. 

1561 — 1717. Kirchenbücher für Auenheim und Leutes- 
heim, 1718 ff. für Auenheim allein. 

2. Bodersweier. 

A. Gemeinde. 

1498 — 1804. 33 Urkunden über Vergleiche, Kauf- und 
Tauschhandlungen. 

B. (Plvangel.) Pfarrei. 

1507 — 18 10. Kirchenbücher für Bodersweier und Zierols- 
hofen. Die Tauf- und Copulationsprotokolle von 1623— 1703 
wurden 1 703 von den Franzosen zerrissen. 

3. Diersheim 2). 
(Evangel.) Pfarrei. 

1732 ff. Kirchenbücher. Diersheim war vorher ein Filial 
der Pfarrei Rheinbischofsheim, erhielt 1731 eine eigene Kirche 
und wurde 1732 selbständige Pfarrei. 

4. Eckartsweier. 

A. Gemeinde. 

16 13 ff. Erbteilungsakten und -Inventare. — 1623 ff. Ge- 
meinderechnungen. — 17*9. Reskript der gräfi. Hanau-Lichten- 



>) Vgl. Mitt. Nr. 16. 136—138; Nr. 17, 89. — «) Gemeinde und Pfarrei 
s. Mitt. Nr. 16, 136. 



m62 Hilspach. 

bergischen Kanzlei, womit die Gemeinden Eckartsweier und 
Hesselhurst aufgefordert werden, ihre Streitigkeiten bezüglich des 
Waldallmendgenusses beizulegen und es bei dem Vergleich vom 
Jahr 1 7 1 5 zu belassen. — 1 748. Vertrag der Gemeinden Eckarts- 
weier und Hesselhurst über die Waldung. — 1760 Sept. 26. 
Abschrift. Erlass des Erbprinzen Ludwig von Hessen, wonach 
der Ankaufspreis des Korker Amthauses für die beiden Ämter 
Lichtenau und Willstatt von 10 000 fl. auf 8000 fl. ermässigt wird. 
1801 flf. Akten über die Verhandlungen zwischen der reichs- 
fürstlichen Regierung zu Lichtenberg und dem Schultheissen zu 
Eckartsweier und Hesselhurst bezüglich des Loosholzes und der 
zum Bauen alljährlich aus den Gerichtswaldungen zu verabfol- 
genden Schwellen nebst einem Protokollauszug des kurfürstl. bad. 
Hofgerichts zu Rastatt vom 15. November 1803, das Loos- und 
Schwellenholz, sowie den Weidetriftsanteil betr. 

B. (Evangel.) Pfarrei. 
1642 ff. Kirchenbücher für Eckartsweier und Hohnhurst. 

5. FreistettO. 
(Evangel.) Pfarrei. 

1621 ff. Kirchenbücher (ausgenommen 1731 — 35). 

6. Graueisbaum. 

Gemeinde. 

Die Gemeinde besitzt keine Archivalien, sie ist erst seit 
1834 selbständig und gehörte vorher zu Lichtenau. 

7. Hausgereuth. 

Gemeinde. 
1790 ff. Kaufbriefe. — 1795 ff. Gemeinderechnungen. 

8. Helmlingen. 

Gemeinde. 
1717 ff. Gemeinderechnungen. 

9. Hesselhurst. 
A. Gemeinde. 

1739 — 1782. Kauf- und Tauschbriefe. — Eine sog. »Geige«. 

B. (Evangel.) Pfarrei. 
1765 ff. Kirchenbücher. 



*) Gremeinde und Pfarrei s. Mitt. 16, 136 — 137. 



m64 Hilspach. 

kaiserlichen Approbation von 1699. — 1699 April 3. Mandat 
des Markgrafen Ludwig Wilhelm über Religionsfreiheit in Kehl. 

— 1752 Okt. 26. Kaiserl. Erlass über die Zusicherung des 
Lehens Kehl an das Haus Baden-Baden für immer. 

14. Kehl, Stadt. 

A. Gemeinde. 

Die vorhandenen Bücher und Schriftstücke reichen nicht 
über 100 Jahre zurück. Es ist ein ca. 40 cm hoher zinnerner 
Zunfthumpen mit Aufschrift und Deckel vorhanden. 

B. (Kathoi.) Pfarrei. 

17 17 — 1809. Kirchenbücher; von 1797 — 1809 wurden die 
Einträge durch das Bezirksamt Kork beglaubigt. 

15. Kork. 

A. Gemeinde. 

1608. Anfrage der 5 Heimburger und 36 Geschworenen 
des Korkerwaldes und der 5 Dörfer Appenweier, Bodersweier, 
Kork, Linx und Windschläg an den Kaiserlichen Notar wegen 
Feststellung des Wortlautes des jährlich öffentlich vorzunehmenden 
Spruches. — 1608 ff. Gemeinde- und Waldrechnungen. — Die 
übrigen Archivalien sind im Jahr 1885 beim Brand des Rat- 
hauses zu Grunde gegangen. 

B. (Evangel.) Pfarrei. 
1636 ff. Kirchenbücher. 

16. Legelshurst. 

A. Gemeinde. 

1447 ff. Akten über die Kirchenbaulichkeiten. — 1689. 
Schuldschein der Schultheissen von Willstätt, Legelshurst und 
Auenheim, worin dem Münzmeister Martin Bitsch in Strassburg 
1800 11. verschrieben sind. — i737 ^« Abhaltung von General- 
synoden, Kompetenz der Pfarrei, Tilgung der Kriegsschulden. 

— 1789 ff. Akten über den Messner- und Sigristendienst. — 
1796 ff. Pfandbriefe, 

B. (Evangel.) Pfarrei. 
16 16 ff. Kirchenbücher. 

17. Leutesheim. 
A. Gemeinde. 

Dieselbe besitzt keine Schriftstücke aus der Zeit vor 1806. 



m66 HilspÄch. 

Dekrete über Kopulationen , Taufen , Erziehung unehelicher 
Kinder, Kirchenrügen, Benützung von Kirchenstühlen, sittenpoli- 
zeiliche Anordnungen. 

19. Linx. 

A. Gemeinde. 

147Ö. Abschrift des Korker Waldbriefs. — 1657. Erneuerung 
der Banne Linx und Hohbühn. — 1686 ff. Gemeinderechnungen. 
"~ ^737* Güterversteigerung. 

B. (Evangel.) Pfarrei. 

1603 ff. Kirchenbücher mit einigen zeitgenössischen Be- 
merkungen. — 1720 ff. Ein Band, enthaltend Hessen-Hanau- 
Lichtenbergische Reskripte und Verordnungen an die Pfarrei 
Linx in Kirchen- und Religionssachen. — 1736. Dekret des 
Konsistoriums zu Buchsweiler bezüglich der unehelichen Geburten 
vor der Kopulation. — 1742. Verordnung gegen das Nacht- 
schwärmen. — 1744. Verfügung wegen der Sonntagsfeier. — 
1771. Abbestellung der Unordnungen bei Hochzeiten. 

20. Membrechtshofen 1). 
(Evangel.) Parrei. 

J792 ff. Kirchenbücher. 

21. Muckenschopf. 
Gemeinde. 
177g ff. Gemeinderechnungen. 

22. Neumühl. 

Gemeinde. 
1775 ff. Geraeinderechnungen. 

23. Odelshofen. 

Gemeinde. 
Die Gemeinderechnungen und Akten beginnen erst nach 1 806. 

24. Querbach. 

Gemeinde. 
Dieselbe besitzt keine Archivalien. 



*) Gemeinde s. Mitt. 16, 137. 



m68 Hilspach. 

durch die französische Invasion vom 25. Juni bis incl. 16. Sept. 
1796 für Lieferungen und sonstige Abgaben erlitten hat, 
Sa. 468995 fl. 10 kr. — 1805. Verzeichnis der von der Ge- 
meinde W. an die französischen Truppen gelieferten Fuhren und 
Pferde: 82 Wagen, 312 Pferde. 

B. (Evangel.) Pfarrei. 

1608 ff. Kirchenbücher. — 1668. Abschrift der Beschreibung 
der Kircheneinweihung zu W. (s. oben). 

29. Zierolshofen. 

Gemeinde. 

1476. Abschrift des Korker Waldbriefs, beglaubigt vom 
Grossh. Oberforstamt des Kinzigkreises im Jahr 18 14. — 1781. 
Abteilungsvertrag zwischen den Gemeinden Bodersweier und 
Zierolshofen mit Aufzählung des gesamten Gemeindeguts und 
besiegelt mit dem Siegel des fürstlichen Amtes zu Lichtenau. 



König Sigmunds Einkünfte aus dem Zehnten 

des Bistums Strassburg. 

Von 

Hans Kaiser. 
(Fortsetzung.) 



Jtem der kircherre zu Mackenheim hett gehaben diß noch- 
geschriben. 

Jtem zürn ersten 1 40 viertel rocken und gersten zu 3 /? -a. 
Jtem 2^/2 3^ 6^/2 /J -A für oppfer. 

Düt in gelt 2^ U it ß ^. Dovon gebürt 
2 U j ß 7 ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Dentener, lütpriester zu Marckoltzheim, 
het verzehendet diß nochgeschriben für sich und sinen under- 
lütpriester. 

Jtem zum ersten 133 viertel i sester rocken und gersten 
zu 3 ß ^. 

Jtem 5^/2 0^ -A von dem kleinen zehenden, von oppfer und 
andern züvellen. 

Düt in gelt 25 I? g ß 5 ^. Dovon gebürt 
2 fi I o /3 10^, alß daz die zedel ußwiset. 

Jtem her Erhart, kirche [!] zu Artoltzheim, hett gehaben 
diß nochgeschriben. 

Jtem zum [ersten] 43^/2 omen wins für 3 ff 15 Z^^. 
Jtem 17 viertel rocken zu 3^2 ß ^' 
Jtem 3 0f 9 /? 8 ^ in pfennig Zinsen. 

Düt in gelt 10 S^ 2 ^. Dovon gebürt 
i U ^t alß daz sin zedel wiset. 

Jtem her Claus frügemesser zu Yebeßheim, hett gehaben. 
Jtem zum ersten 43 viertel rocken und gersten zu 3 /? 'A. 
Jtem i U ^ in oppfer und von andern züvellen. 
Düt in gelt 6 tf 18 /? 3 ^. 

Mitt. d. Bad. Hitt. Kom. Nr. 24. 9a 



mi32 



* Kaiser. 



Jtem lierselb her Claus hett verzehendet diß nochgeschriben 
von der lütpriesterie zu Artoltzheim. 

Jtem zürn ersten 28 viertel rocken und gersten, den rocken 
zu 3^/2 f? -Ä und die gerste zu 2 ß ^. 

Jtem 6 mosse hunigeß für t ß ^ und 4 gense zu 6 ^, 

Jtem I pfunt waß für 20 *s und 14 hüner zu 4 -ä. 

Jtem 1 Ü ij ß ^ von oppfer, von houwe zehenden and von 
andern züvellen. 

Düt in gelt 6 9* 8 /3 4 ^s. Dovon den beden pfrunden 
gebürt zu zehenden 

i tt 6 ß j ^^ alß daz die zedel ußwiset. 

dirre hett J^®"^ ^®^ Conrat Bömgarter, kircherre zu Botzen. 

geben noch het gehaben, 
der rech- Jtem zum ersten 20 viertel rocken zu 3V o ß ^' 

nunge. j^^j^ jq viertel garsten zu 2^ o ß 'A und 10 viertel 

habern zu 2 ß ^, 

Jtem 7 jtf 6 ^ von oppfer und andern züvellen. 
Düt in gelt 6 rt 2^ ,> ß ^s. Dovon gebürt 
12/3 3 ^s, alß daz die zedel ußwiset. 

Jtem her Wernher, frügemesser zu Mackenheim, hett gehaben 
von derselben pfrunden nüt me denn 8/7' 16 /::? >a in kom gülten, 
in pfennig zinsen und in andern züvellen. Dovon gebürt 
ij ß 7 ^s, alß daz die zedel wiset. 

Jtem her Heinrich Schultheß, kircherre zu Volratzwilr, hett 
geben von derselben kirchen zu zehenden 

i fi 3 /:? 4 >vS, und ist die zedel verlorn. 

Jtem her Bernhart von Rotzenhusen, kircherre zu Elsenheim, 
hett geben zu zehenden von derselben kirchen 
8 guldin, und ist die zedel verlorn. 

dirre hett Jtem Lutze von Richenstein, kircherre zu Mouchen- 

nüt geben, heim, hett gehaben. 

Jtem zum ersten 24 viertel rocken zu 3^/2 ß *s. 
Jtem 24 viertel gersten zu 2^;.) ß ^. 

Düt in gelt j [[ 4 ß ^, Jtem dovon gebürt zu zehenden 
14 ß 4 ^s, alß daz die zedel wist. 

Summa des ertzpriester ampts zu Mackenheim 17 i( 
\2 ß 5 vS und 8 gülden. 



Daz ertzpriester ampt zu Sleczstat. 

Jtem der Johans Wangenberg, kircherre zu Künigeßheim, 
hett gehaben. 

Jtem zum ersten 5 füder 8 omen wins, ein fuder für 2 S j^ 
Jtem 14 viertel 5 sester weissen zu 4^/2 ß ^. 



mi34* Kaiser. 

Jtem derselbe her Lienhart hett verzehendet diß noch- 
geschriben von der capplonien in dem spittal zu Sleczstat gelegen 
6 9^ ^ in pfennig zinsen und von oppfer. Dovon gebart zu 
zehenden 

12 ß ^t aiß daz die zedel ußwiset. 

Jtem her Behtolt, lütpriester zu Wilr in Obrehtstal, hett 
gehaben. 

Jtem zum ersten i füder wins für 3 tt, 

Jtem I o viertel rocken zu 4 /? ^ und 5 viertel habem zÄ 

2I/2 ß ^' 

Jtem I cappen und 2 hüner für 16 .a. 

Jtem 20 U[ ^ für oppfer, von seigere te und andern züvellen. 

Düt in gelt 2^ f( 12 ß ^%, Dovon geburt 

2 i( 11 ß 2 ^, 3}ü daz die zedel ußwiset. 

Jtem derselbe her Behtolt het verzehendet von der frügemesse 
zu sant Martin in Obrehtztal gelegen 6 if 11^. Dovon gebart 
12 ß 1 ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Hennikin, capplon zu allen heiligen alter 
in dem closter zu Syle und capplon zu sant Niclaus alter in dem 
spittal zu Sleczstatt, hett gehaben diß nochgeschriben von beden 
pfrönden. 

Jtem zürn ersten 9 viertel rocken und habem zu 3 /? -a. 

Jtem 7 omen 6 mosse wins für 10 j^ ^. 

Jtem I cappen für 6 ^. 

Jtem iS it 6 ^ in pfennig zinsen und von presencien. 
Döt in gelt ig it 13V2 ß -*• I^ovon gebürt 

I i( ig ß 4 .A, alß daz die zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Hanseler, capplon zu sant Johans alter 
zu Syle in Sleczstat, hett verzehendet diß nochgeschriben. 

Jtem zum ersten 1 5 viertel rocken und gersten zu 3 /^ -a. 
Jtem 20 omen wins zu 2 ß ^. 
Jtem i it ^ ß ^ in pfennig zinsen. 

Düt in gelt 5I/2 ft ^. Dovon geburt zu zehenden 

I I jC? .A, alß daz die zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Kestenholtz, capplon zu sant Peters und 
sant Niclaus alter zu Kestenholtz, hat nüt me gehaben von 
derselben pfründen denn ö^jo it ^. Dovon gebürt zu zehenden 
1^ ß ^ alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Heinrich, lütpriester zu Kestenholtz, hatt verzehendet 
von der iütpriesterie und von sant Catherinen alter diß noch- 
geschriben. 

tem zum ersten i fäder wins zu 2^/2 it -a. 

tem 2^/2 it -A von den vier oppfem und 6 8^^ von dem 
selbüch. 



.^ . u.i 



mißö* Kaiser. 

Jtem zürn ersten i fäder wins für 2^/2 Sf ^. 
Jtem 1 2 viertel rocken zu 4 /? 'ä. 

Jtem gU 11^21^'* ^on oppfer, von Zinsen und andern 
züvellen. 

Döt in gelt 149^ g (i 6 ^. Dovon gebürt 
I ^ 8 /? 1 1 ^, alß daz die zedel ußwiset. 

Jtem her Wernher, frügemesser zu Wilr in Obrehtztal und 
lütpriester zu sant Mauricien, hett gehaben. 

Jtem zürn ersten 40 omen wins für ^ it ^ über kosten. 
Jtem 7 omen zu 18 ^. 

Jtem 1 1 i( 17 ß 4 ^ von oppfer und von andern züvelien. 
Düt in gelt 15 ßf j fi 10 ^. Dovon gebürt 

1 ft 10 j^ 10 ^, alß daz die zedel wiset. 

Jtem der apt von sant Genen tal hett gehaben von dem 
halben teil der kirchen zu Onheim diß nochgeschriben. 
Jtem zum ersten go viertel rocken zu 3 1/2 ß *%. 
Jtem 90 viertel garsten zu 2 ß ^. 

Döt in gelt 24 ^ 1^ ß ^, Dovon gebürt 

2 f^ g ß 6 ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem derselbe apt hett verzehendet von dem halben teil 
von der kirchen zu Botzheim diß nochgeschriben. 
Jtem zum ersten 20 viertel rocken zu 3^/2 ß ^. 
Jtem 20 viertel habern zu 2 ß ^, 

Düt in gelt 5^/2 fi -a. Dovon gebürt zu zehenden 
11/:/^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Friderich Heilgenstein, kircherre zu Orßwilr, hett 
gehaben. 

Jtem zum ersten füder wins zu 2^j2(t^, 
Jtem II viertel rocken zu 3^/2/?'* und 2 cappen zu 10 »s. 
Jtem 1 i( ö ß ^ von houwe zehenden. 
Düt in gelt iS U 6 ß 2 ^. 

Jtem dez ist yme abgeslagen 3 fl^ 3 /^ -^t den obgeschriben 
win zu buwen und inzüsammen. 

Jtem alß ein sum ab der andern geslagen blipt die summe 
zu verzehenden 15 /? ^ ß 2 ^, Dovon gebürt zu zehenden 
30 /? 7 .A, alß daz sin zedel wiset. 

Jtem her Friderich zu Ryne, kircherre zu Onheim, hett ge- 
haben von dem halben teil der vorgeschriben kirchen nüt me 
denn 54 güldin. Dovon gebürt 

5 guldin ^ ß 10 ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Heinrich Mon hett verzehendet von der lütpriesteryen 
zu Onheim. 

Jtem zum ersten 33 viertel rocken und gersten zt ^ ß a. 



111138* Kaiser. 

Daz ertzpriester ampt zu Heilgenstein. 

Jtem her Rfidolff Sch6belin, thfimherre zu Andela und 
capplon zu sant Michels alter doselbest, hett gehaben diß nocb- 
geschriben. 

Jtem zu ersten 7 viertel 4 sester rocken und gerste für 
i U 5 ß ^. 

Jtem 4I.2 föder 2 omen wins für 6^/2 U -a, und ist der koste 
abgeslagen. 

Jtem 1 6 cappen und hfinre für 1 1 /? 4 ^. 

Jtem 14 H^ 10/?^ in pfennig zinsen, in oppfer und dem 
selbüch. 

Döt in gelt 22 fi lö ß ^. Dovon gebürt 
2 U 5^12 ß '^t ^^^ ^^^ s^^ zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Kremer, lütpriester zu Heilgenstein, hett 
gehaben. 

Jtem zum ersten 60 omen wins, dfint 4 df 14 /? 2 ^. 

Jtem ein viertel rocken für o^l^ ß -*. 

Jtem 13^ 16/? 4^ in pfennig zinsen und andern züvellen. 

Döt in gelt 18 f? 14 /? ^. Dovon gebürt 

37 /^ 4 .A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Conrat Kottman, lütpriester zu sant Andres zu 
Andela, hett gehaben diß nochgeschriben. 

Jtem zum ersten 6 füder 5^/2 omen zu 3 9^ -ä. 
Jtem 16 viertel rocken und gersten zu ^ ß ^, 
Jtem I cappen und 1/2 sester nuß für i j^ ^. 
Jtem 32 ?? 2 ß ^ von oppfer zinsen und andern züvellen. 
Düt in gelt 53 iff ^ ß 4 ^. Dovon gebürt 
^ fi ö ß S ^f alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Heinrich Habhöher, frügemesser zu Blienswilr, hett 
gehaben. 

Jtem zum ersten 6 viertel rocken zu 3^/2 ß ^. 
Jtem 6 viertel gersten zu 3 /? ^. 
Jtem 19 omen wins für 30 ß ^. 

Jtem 4 ^ 19 jC^ ^ in pfennig zinsen, oppfer und andern züvellen. 
Düt in gelt SU 4 /? ^. Dovon gebürt 
16 ß 5 ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Conrat von Eppingen, capplon zu sant Johans 
ewangelisten alter zu Hohenburg, hett gehaben. 

Jtem zum ersten 21 viertel 3I/2 sester rocken zu 4 /fi? ^. 
Jtem 22 viertel 3^/2 sester gersten zu 3 /? ^. 
Jtem 2 I omen wins für 2 t( 7 ß 9 -a. 

Düt in gelt 10 U ^ ß i ^. Dovon gebürt 
I /t 5 ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Conrat Holstein, capplon zu sant Peters, sant 
Pauls und des heiligen crutzs alter zu Andela, hett gehaben von 



mi40* Kaiser. 

Jtem 5^1^ von oppfer, von selgerete und andern zä- 
vellen. 

Döt in gelt g ft 1 5 /C^ -a. Dovon gebürt 
19 |C^ ö ^f alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Gantzwerg, capplon zu sant Niclaus alter 
zu Andela, hett gehaben diß nochgeschriben. 

Jtem zürn ersten 2 U S ß i ^ für win, der yme worden ist. 
Jtem 3 ?? 6 /^ 5 -A in pfennig zinsen. 
Jtem ^/2 omen rotes wins für einen ß -a. 

Düt in gelt 6 9f 5I/2 ß ^. Dovon gebürt 
12^12 ß^t alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem derselb her Johans het verzehenet von der capplonien zÄ 
sant Johans zu Andelo diß nochgeschriben. 

Jtem zum ersten 7 viertel rocken zu 3 1/2 ß ^. 
Jtem 6^/2 viertel gersten zu 21/0 ß ^ und i cappen zu 8 -a. 
Jtem 15 omen wins für 31 /? i -a. 

Jtem 5^/2 t( ^ von presencien, pfennig zinsen und von andern 
züvellen. 

Düt in gelt 9 tt 2^/2 ß -a. Dovon gebürt 
18 /? 3 -A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem derselb her Johans Gantzwerg, capplon zu Nothalden, 
het gehaben. 

Jtem zum ersten 10 ff ^ in pfennig zinsen. 
Jtem 6 omen wins für 12 ß ^, 

Düt in gelt i o ift 12 ß ^. Dovon gebürt 
I ^ 14 'A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Walther, tümherre zu Andela und capplon zu 
Castelberg, hett verzehendet diß nochgeschriben. 

Jtem zürn ersten 15 viertel 4 sester rocken zu S^jo ß ^. 
Jtem 6 viertel gersten zu 3 /? ^s. 
Jtem 4 füder 10 omen wins zu 2^/2 ß -a. 
Jtem 3 /X' 9 pf 4 .A in pfennig zinsen. 
Düt in gelt 18 ff -a. Dovon gebürt 

i ff 16 ß ^%, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Gehe, lütpriester zu Goxwilr, hett gehaben. 
Jtem zum ersten 20 viertel rocken zu 3^/2 ß -a. 
Jtem 1 8 omen wins zu 2 ß ^, 

Jtem IG /? 4 /? 'A von zinsen, oppfer und andern züvellen. 
Düt in gelt 15^/2 /?>a. Dovon gebürt zu zehenen 
i ff 1 1 /[^ .A, alß daz sin zedel ußwiset. 

such dez Jtem her Claus Heinrich, capplon zu unser frouwen 

zedel by alter zu Barre, hett gehaben diß nochgeschriben. 

den capplon j^^^ ^üm ersten ii viertel 2 sester rocken 

zu sant AI ^ 

Martin zu ^ 3/2 ß ^' 

Straßbarg. Jtem IG viertel 1 sester gersten zu 2^l^ß^. 



mi42* Kaiser. 

Jtem her Joffrid Gunterfort, kircherre zu Barre, hett gehaben. 

Jtem zürn ersten 14 füder wins zu 2 U ^. 

Jtem 13 viertel rocken zu 3V2 i^ -* ^^^ ^ viertel gersten zu 

2V2 ß ^' 

Jtem 273" 13/?^ in zinsen, oppfer und andern züvellen« 

Döt in gelt 58 g 3I/2 ß ^. 

Jtem dez ist yme abgeslagen g U ^ für kosten, den obge- 

schriben win inzüsamen. 

Jtem alßo eine summe ab der andern geslagen blipt die 

summe zu verzehenden 49 tC 3 1/2 ß ^. Dovon gebürt zu zehenden 

4 0^ f8 /? 4 ^, alß daz sin zedel wiset. 

Jtem her Peter von Eppfich, kircherre zu Gertwilr, 
dez zedel hett gehaben. 

*?A^t^^^^° Jtem zum ersten 100 viertel rocken zu 3^ .» rf -a. 
tumnerreD . ^ ■ - r 

zö alten Jtem 3 1/2 2? .A in pfennig zinsen. 

sant Peter. Jtem dez git er sinem lütpriester i f&der wins 

und 24 viertel rocken. 
Jtem alßo ein summe ab der andern geslagen blipt die summe 
zu verzehenden 

16 ^ 16 ß ^. Dovon gebürt zu zehenden 

1 ?? 13 /? 7 -A» alß daz die zedel wiset. 

Jtem her Conrat Lembelin, lütpriester zu Gertwilr, hett 
gehaben. 

Jtem zum ersten 24 viertel rocken zu 3I/2 ß -a. 
Jtem I füder wins für 2^/2 it t ß ^. 
Jtem I U ^ von nuß zehenden und houwe zehenden. 
Jtem 12 it ^ in zinß, oppfer und andern züvellen. 
Düt in gelt 20 U ^s. Davon gebirt zu zehenden 

2 U A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Heyden, lütpriester zu Blienßwilr, hett 
gehaben. 

Jtem zum ersten 5 tt -a von den vier opfern. 
Jtem 4 S^ ^s von oppfer, drissegisten und andern züvellen. 
Jtem 6 0f ^ von dem selbüch und 5 tt von dem houwe 
zehenden. 

Jtem 3 füder wins für 5 it über kosten. 
Düt in gelt 24 it ^. Dovon gebürt 
2 it S ß ^%, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Claus Wissenburg» capplon zu Lantsperg by Truten- 
husen gelegen, hett gehaben dazselbe jar "j it t ß 10 «s. Dovon 
gebürt 

14 p^ 8 ß, alß daz die zedel ußwiset. 

,. , ,, Jtem her Claus, lütpriester zu Stotzheim, hett ge- 

dirre hett 1 w j /i u u -u 

nüt geben, haben diß nochgeschriben. 

Jtem zürn ersten 40 viertel rocken zu 3^/2 ß a. 



mi44 



♦ Kaiser. 



Jtem alßo ein summe ab der andern geslagen, blipt die 
summe zu verzehenen 30 f? 6 /? 9 s. Dovon gebiirt 
^ t( 14 vS, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Heiden, capplan zu unser fröwen alter zu 
Ehenheim hett. 

Jtem zum ersten 3 füder wins zu 3 tf, 

Jtem 12 viertel rocken zu 3^2 Z^-'^- 

Jtem 2 (ff 1 8 (3 ^ in pfennig zinsen. 
Düt in gelt 14 i( ^. 

Jtem dez ist yme abgeslagen 2 it a fiir kosten, den obge- 
schriben win zu buwen und inzusammen. 

Jtem alßo ein summe ab der andern geslagen, blipt die 
summe zu verzehenden 12 it »s. Dovon gebürt zu zehenden 
1/7 4 /j? -*s, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Heinrich Meder, lütpriester zu Roßheim, hett 
gehaben. 

Jtem zum ersten 32 viertel rocken zu 3^/2 /^ •a« 

Jtem 2 füder wins für 5 tt .% und 2 viertel gersten für 5 p? *^. 

Jtem iq [{ ^% von oppfer, selgerete und in pfennig zinsen. 
Düt in gelt 2g it 12 ß ^^. 

Jtem dez ist yme abgeslagen 3 i? ^ für koste der obge- 
schriben früht. 

Jtem 3 flf 1 /3 tS git er je[r]lichen dem capitel zu der hohen 
Stift zu Straßburg. 

Jtem alßo ein sum ab der andern geslagen, blipt die summe 
zu verzehenden 2^ 'ii 11 fi ^. Dovon gebürt 

2 i( 7 ß I ^^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Obreht Fulysen, lütpriester zu Beise, hett gehaben. 

Jtem zürn ersten i füder wins für 3 Sf 5 /3 ä. 

Jtem 34 omen wins sint yme gewassen zu 3 ^ ^\, 

Jtem 4 sester weissen für 3 jC? 4 -ä und 3 viertel ^ o sester 
rocken zu 4 /3 ^. 

Jtem i^;2 sester habern für 9 a und 2 sester gersten 
für 1 ß .s. 

Jtem 2^/2 cappen zu 10 -»s und 6 hünre zu 6 -a und 2 sester 
nuß für 18 ^s. 

Jtem 20 tt 7^/2 ß -A von oppfer, von zinsen und andern 
züvellen. 

Düt in gelt 2g ti 16 ß a. 

Jtem dez ist yme abgeslagen 2 tt 'A für kosten dez wins, 
den er selber gebuwen hett. 

Jtem alßo ein summe ab der andern geslagen blipt die 
summe zu verzehenden 27 i( lö ß ^%, Dovon gebürt zu zehenden 
2 if' i^ ß 7 Ai alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Conrat Hüter, frügemesser zu Nidernehenheim, 
hett gehaben. 



111146* Kaiser. 

Jtem her Johans Gehe, capplon zu Vinhege, hett gehaben 
diß nochgeschriben. 

Jtem zürn ersten 3^ i8/3 8^ in pfennig Zinsen. Dovon 
git er jerlichen 5 /3 ^ dem kircherren zu Oberkirche by Ehenheim. 

Jtem 7 viertel 2 sester rocken zu 4 |^ -a. 

Jtem 2 viertel 2 sester gersten zu 3 /3 ^ und 12 ß von 
houwe. 

Jtem 13 omen wins für 13 /?a über kosten. 
Düt in gelt 6 Sf 15 ß-s. Dovon gebürt 
13^/2/?^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Walther, tümherre und capplon zd sant Salvators 
alter zu Nydernmünster, hett gehaben diß nochgeschriben. 
Jtem zum ersten 1 5 viertel rocken zu 4 /? -a. 
Jtem 7 viertel gersten zu 2^/2 ß ^ und 3 sester nuß für 18 **. 
Jtem 2 tüder wins für 4 9f t ß ^. 
Jtem 3^/2 S '»^ ^^ pfennig zinsen und von presencien. 
Düt in gelt 1 1 0f 1^ ß ^, Dovon gebürt 
i U 3^12 ß *"^> ^^ß ^^2 die zedel ußwiset. 

Jtem der frügemesser zu Berse hett verzehendet diß noch- 
geschriben. 

Jtem zum ersten 6 ff 2 ß a in pfennig zinsen und i cappen 
für 10 ^. 

Jtem 3I/2 füder und 3^/2 omen wins für b ti 12 ß ^, 
Düt in gelt 12 % 14 /? 10 .%. 

Jtem dez ist yme abgeslagen 4 Ä 7 /? 4 .a für bu und kosten. 

Jtem alßo ein summe ab der andern geslagen, blipt die 
summe zu verzehenen 8 Jt 7^/2 ß »*. Dovon gebürt 
it ß 9 >v%, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Schilt, lütpriester zu Berenbach, hett gehaben. 
Jtem zum ersten 14 viertel rocken zu 4 ß ^. 
Jtem 13 viertel habern zu 2I/0 ß ^ und 7 ff i /!? -a in pfennig 
Zinsen. 

Jtem 3^/2 ff von dem selbüch. 

Düt in gelt 15 ff a. Dovon gebürt 

I ff 10 /:/-*%, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Claus Swop, tümherre zu Nidernmunster, hett 
gehaben 10 viertel rocken zö 3 ß S ^% und 15 /? a in pfennig zinsen. 
Düt in gelt 2 tT 1 1 /:^ 8 ^s. Dovon gebürt 
5 /J 2 ^s, alß daz die zedel ußwiset. 

Jtem her Paulus Prüß, kircherre zu Jngmerßheim, hett 
gehaben. 

Jtem zum ersten 138 viertel rocken und gersten zu 3^2/^^^« 
Jtem 4 füder 1 vierling wins für 8 ff i^ ß ^, 
Jtem 3 fl A von dem selbüch. 
Düt in gelt 35 ff 18 /?.%. 



mi48* Kaiser. 

Jtem zum ersten 5 föder 2 omen wins zu 3 fl'. 
Jtem 10 fi *': in pfennig Zinsen und 10 cappen für 8 ß «v 
Jtem so hett die lütpriesteri getan 24 guldin geltz. 
Döt in gelt 27 ff S ß ^. Do von geburt 
2 t( 14 ß g ^, alß daz sin zedel wiset. 

Jtem her Johans Sch61der, capplon zu sant Niciaus alter zu 
Hohenburg, hett. 

Jtem zum ersten 23 viertel 4 sester rocken zu 31/2 ß. 
Jtem 2 viertel gersten zu 2^,0 ß *^ ^^^ 3 viertel nuß für 

Jtem 32 omen wins für 38 /3 -a über kosten. 
Jtem 6 ^ 1 7 /j ^ in zinsen, in presencien und andern züvellen. 
Düt in gelt 13 irT 17 /3 9 -a. Dovon geburt 
i ii "j ß g ^t älß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Claus Styfey, dümherre zu Hohenburg, hett gehaben. 

Jtem zum ersten 9 viertel rocken zu 4 ß ^. 

Jtem 4 fuder wins zu 2 U 5 ß 'A und 1 1 viertel gersten zu 
2 1/2 ß ^. 

Jtem 4 cappen und 2 hünre für 4^/2 ß *s. 

Jtem 5 f? 51,2 ^ -A in pfennig Zinsen. 
Dfit in gelt 17 ff 13^2 ß -*• 

Jtem diß ist yme abgeslagen 2 ff ^\ die git er zu zinse 
dem closter zu Andelo und 2 ff ^ für kosten dez wins und 
der früht. 

Jtem alßo ein summe ab der andern geslagen blipt die 
summe zu verzehenden 13 ff I3^2/''*' J^o^on geburt 
I ^ 6 /3 9 ^s, alß daz die zedel wiset. 

Jtem her Wernher von Baldburn, tümherre zu Hohenburg 
und capplon zu unser frouwen alter zu Obernehenheim, hett 
gehaben. 

Jtem zürn ersten 9 viertel 3 sester rocken zu 3^/2 ß -a. 
Jtem 11^/2 viertel gersten zu 5^/2 ß '^ ^^^ ^3 onien wins 
für 2 0* 18 ^. 

Jtem 3 8f 6 j3 -Ä in pfennig zinsen. 

Düt in gelt S ff 9 /? 6 -A. Dez het er geben 

10 ß ^. Daz überige ist yme faren gelossen von dez 
brandes wegen zu Hohenburg, alß daz sin zedel wiset. 

Jtem her Johans von Vilingen, capplon zu sant Niciaus und 
sant Catherinen alter zu Nidernmünster, het verzehendet von 
derselben pfründen under dem ertzpriester ampt zu Rynouwe. 

Dirre hett Jtem her Friderich Schencke, kircherre zu Ober- 

geben noch kirche by Roßheim, hett gehaben nüt me denn 13 S 
der reche- ^ ß ^ [u kom, in win und in pfennig zinsen. Dovon 
geburt zu zehenden 

I ff 6V2 ß ^^ ^^^ ^^^ s^ zedel ußwiset. 



mi50* Kaiser. 

Jtem 1 2 viertel rocken zu 4 /? -A und 1 2 viertel babern zö 3 ^ -a. 
Döt in gelt 1 3 U ^. Dovon gebürt 

i tt t ß ^j alß daz die zedel ußwiset. 

Jtem her Johans von Vilingen, kircherre zu Büsseßheim und 
capplon zu sant Niclaus und sant Catherinen alter zu Nidem- 
münster, hett gehaben von beden pfründen diß nochgescbriben. 

Jtem zum ersten 9 viertel 3 sester rocken zu 3^0 ß ^' 

Jtem 7 viertel 3 sester gersten zu 2^2 ß ^ ^^^ 2 cappen 
für 18 ^. 

Jtem 37 viertel rocken und gersten zu 3 /J ^. 

Jtem 5 it 2 -Ä in pfennig zinsen und von andern zövellen. 

Jtem I f&der wins für 2 U ^ und 4 omen wins für 8 ß ^. 

Jtem dez sint yme abgeslagen 46 viertel rocken, die git er 
syme lütpriester. 

Jtem und alßo blipt die summe zö verzehenen 15 tt 17V2 ß '^' 
Dovon gebürt 

31 ]8 g ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans, kircherre zu Bloppeßheim, hett gehaben. 

Jtem zum ersten 51^/2 viertel rocken und gersten zu 3^/2 ß -a. 

Jtem 4 viertel nuß zu 4 ß, 

Jtem 4 S* I ß 'A von oppfer, von selgerete und andern züvellen. 

Jtem dez ist yme abgeslagen 12 ß ^ für ein ewig lieht zu 
belühten. 

Jtem alßo blipt die summe zu verzehenden 13 /T 5/5 3 Ji. 
Dovon gebürt 

1 /? 6^/2 ß 'A, alß daz die zedel ußwiset. 

Jtem her Jacob Külleman, kircherre zu Sunthuß, hett gehaben. 

Jtem zum ersten 82 viertel rocken zu S^ioß^, 

Jtem 8 2 viertel habern zu 2 ß ^% und 2 cappen für 1 6 a. 

Jtem dovon git er jerlich 2 viertel rocken und habern 
zu zinse. 

Jtem und alßo blipt die summe zu verzehenen 22 ^ 
6/3 10 -A. Dovon gebürt 

2 f( ^ ß S ,\, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Martin, lütpriester zu Musich, hett gehaben. 
Jtem zum ersten 2 1 viertel rocken und gersten zu 3 /? •^. 
Jtem 2 gense für i ß ^. 

Jtem ^ fi I /3 *s von zinsen, oppfer und von andern züfellen. 
Düt in gelt 7 tf 1 5 |3 a. Dovon gebürt 
15^/2 /3 a, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Gebur, kircherre zu Obenheim, hett gehaben. 
Jtem zum ersten 53 viertel rocken und gersten zu 3 /3 a. 
Jtem 2 if 6 ß ^ von oppfer und pfennig zinsen. 
Düt in gelt 10 ff 5 /3-a. Dovon gebürt 
1 tt 6 >A, alß daz sin zedel ußwiset. 



mi52 



* Kaiser. 



Jtem dez ist yme abgeslagen 12 fj[ i^ ß S ^ für zinse und 
kosten der obgeschriben früht. 

Jtem alßo ein summe ab der andern geslagen blipt die 
summe zu verzehenden 40 fi, Dovon gebürt zu zehenden 

4 tt ^f alß daz sin zedel wiset. 

Jtem her Johans Schoner, kircherre zu Lönickein, hett 
gehaben dazselbe jor nüt me von derselben kirchen denn 4 S, 
Dovon gebürt zu zehenden 

5 ß ^, alß daz die zedel ußwiset. 

Jtem her Jacob Ryse, kircherre zu Möterßholtz, hett gehaben. 
Jtem zum ersten 45 viertel rocken zu 3^/2 ß -a. 
Jtem 20 viertel gersten zu 2^/2 ß -a. 
Jtem 2 1 viertel habem zu 2 ß ^, 

Düt in gelt 121/2 t( ^. Dovon gebürt 

1 ^ 5 ß ^t alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Heinrich, lütpriester zu Möterßholtz, hett gehaben. 
Jtem zum ersten 20 viertel 3 sester rocken zu 3 1/2 ß -a. 
Jtem 13 viertel gersten zu 2 /3 -A und 2 -a. 
Jtem 1 6 ff* 5 ß ^ von oppfer, von zinsen und andern züvellen. 
Düt in gelt 21 tf 14 /3 10 ^. Dovon gebürt 

2 ff 3 /3 5 -A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Volmar Isenhouwer, kircherre zu Eschouwe, hett 
gehaben. 

Jtem zum ersten 54 viertel 3 sester rocken zu 3^/2 ß -ä. 

Jtem 16 viertel weissen zu 4 /3 ^ und 3 sester linsen für 
2\:o ß ^. 

Jtem 45I/2 viertel gersten zu 2 ß ^, und 15 viertel habem 
zu 2 ß ^. 

Jtem 4 viertel nuß zu 4 /3 4 -a. 

Jtem 1 sester erweissen für 10 ^. 

Jtem S it ^ von zinsen, lember zehenden und andern züvellen. 
Düt in gelt 2g ff. 18 /3 5 ^. 

Jtem dez ist yme abgeslagen 10 i^ 3 /3 ^ für allen kosten 
der obgeschriben früht und für ein ewig lieht zu belühten, 

Jtem und alßo ein summe ab der andern geslagen blipt 
die summe zu verzehenden 19 f? 15 /3 5 -^• Dovon gebürt zu 
zehenden 

I f( ig ß 6 ^. alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Conrat Ehenwilr, kircherre zu Musich, hett gehaben. 

Jtem zum ersten 46 viertel rocken zö 3 /3 -a und 4 ^, 

Jtem 46 viertel habern zu 2^/2 /3 ^. 

Jtem 8 /) >A für krut zehenden. 

Jtem 3 ff ^ von dem kleinen zehenden. 

Düt in gelt 16 ff 8/3 8 ^. Dovon gebürt 
I ff 12 ß IG ^, alß daz sin zedel ußwiset« 



König Sigmunds Einkünfte etc. mi53* 

Jtem her Johans Baldburn, lütpriester zu Eberßheimmünster, 
het gehaben. 

Jtem zürn ersten i6 viertel rocken und habern, den rocken 

^^ 3^.2 ß '^ ""^ ^®^ habern zu 2 ß ^. 

Jtem 14 it S ß ^ von houwe zehenden und andern züvellen. 
Düt in gelt 16 tt 12 /3 ^. Dovon gebürt zu zehenen 
i i( ^3 ß 2 ^f alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Michel, kircherre zu Schonouwe und zu Sassen- 
heim, hett verzehendet von der kirchen zu Sassenheim und von 
der lütpriesteri zu Schonowe. 

Jtem zum ersten 56 viertel rocken zu 3I/0 ß *s. 
•Jtem 56 viertel habern zu 2/34^. 
Jtem 4^/2 ß ^ in pfennig Zinsen von einer matten. 
Düt in gelt lö it 11 ß 2 ^. Dovon gebürt 
1 ifT 13/3 I -A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Ulrich Bock, capplon zu sant Annen alter in dem 
münster zu Straßburg gelegen und lütpriester zu Illekirche, hett 
gehaben. 

Jtem zum ersten 27^.^ viertel rocken zu 3 /j 8 -s. 
Jtem 7^ 2 viertel gersten zu 2 /3 4 >A. 

Jtem 13 /? 15 /?>A in Zinsen, bihtegelt und andern züvellen. 
Düt in gelt 19/7" 7 i^ -a. Dovon gebürt 
I fT* 1 8 ^ 8 >A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem die cappelanie zu sant Oswaltz alter zu Illekirche 
hett gehaben. 

Jtem zürn ersten 12 viertel rocken zu 0^,2 ß *. 
Jtem 25 viertel gersten zu zß^ und 8 cappen zu 10 -a. 
Jtem 7 gense zu 6 -.% und 3 vierling wahsses für 18 -a. 
Jtem 7 /T 7 /j 4 ^% von zinsen und andern züvellen. 
Düt in gelt i 2 /T i i /3 -a. Dovon gebürt 
i i( S ß '^ '^^t 2ilß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Jocob Fei, kircherre zu Witteßheim, hett gehaben. 
Jtem zum ersten 13 viertel rocken zu 3^2/^*'^» 
Jtem 18 viertel gersten züi 2 ß ^s. 
Jtem 24 viertel habern zu 2 ^ -A. 
Jtem 2^2 ff ^^ "^ Zinsen und in andern züvellen. 
Düt in gelt g ff one 6 ^^. Dez hett er geben 

13/3 4 A. Daz überige ist yme abgeslagen von siner 
armüt wegen, alß daz sin zedel wiset. 

Jtem Symunt, kircherre zu Dubelßheim und frügemesser zu 
Rynowe, hett verzehendet diß nochgeschriben. 
Jtem zum ersten 30 viertel rocken zu 4 f} a. 
Jtem 29 viertel 5 sester habern zu 2^ 2 ß *'• 
Jtem 2 verlin für 2 ß /. und 2 gense für i ß «\. 
Jtem 20 pfunt wahseß zti 2 ß a. 



mi54* Kaiser. 

Jtem 7 S 4 /3 Ä in pfennig zinsen, in oppfer und andern 
züvellen. 

Düt in gelt ig S, *s. Dovon gebürt 

I If i8 ^.s alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Erhart Francke hett verzehendet für den capplon 
zu Nüfratzheim. 

Jtem zürn ersten 5 viertel weissen zu 4^/2 ß ^, 
Jtem 20 viertel rocken zu ^^o ß *•».. 

Jtem 20 viertel gersten zu 2 /!? *s und 20 viertel habem 
zti 2 ß .s. 

Jtem 3 /3 v», für oppfer und 2 1/2 mosse huniges für 25 ^s, 
Düt in gelt 7 Ä ij ß j *s. Dovon gebürt 
15/3 9 -A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Conman Grünevvalt, lütpriester zu Herboltzheim, 
hett gehaben. 

Jtem zum ersten 15 viertel rocken zu 3 /3 4 ^. 
Jtem 15 viertel habern zu 2 j3 4 ^\. 

Jtem 7^/2 Ä ^ von dem kleinen zehenden und andern züvellen. 
Düt in gelt 11 ff 15^^. Dovon gebürt 
I ff 31/0 ß .*, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Wernher, lütpriester zu Nünkirche, hat gehaben 
diß nochgeschriben. 

Jtem zum ersten 21 viertel rocken zu 3^12 ß^^' 

Jtem 20 viertel habern zu 2 /3 vS und 3 gense für 1 8 ^. 

Jtem 6 ferlin für 6 ß -^ und i ß ^s für bonen und erweissen. 

Jtem 2 viertel nuß für 6 ß v,. 

Jtem 5 ff 2 ß ^ in pfennig zinsen, in oppfer und andern 
züvellen. 

Düt in gelt iii/2ff-A. Dovon gebürt 
I ff 3 /3 ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem N., capplon zu sant Erhart alter zu Rynow, hett gehaben. 
Jtem zum ersten 5 ff one 7 ^ in pfennig zinsen. 
Jtem 4^/2 sester gersten für 22^ o -^ ^^^ 5^2 sester rocken 
für 3 /3 ^. " 

Düt in gelt 5 ff 4^0 ß '^« I^ovon gebürt 
10I/2 ß '^'^» ^^ß ^^2 ^^^ zedel ußwiset. 



Daz ertzpriester ampt zu Bolsenheim. 

Jtem her Ulrich Gantz zu Vegerßheim, kircherre, hett gehaben. 

Jtem zum ersten 45 viertel rocken zu 3 /3 8 -a. 

Jtem 45 viertel gersten zu 2I/2 ß ^. 

Jtem 6 ff von selgeret und oppfer und in andern züvellen. 

Düt in gelt 19 ff 17I/2 ß ^. 
Jtem dez ist yme abgeslagen i ff 5 /3 'A» die git er jerlichen 
einer eptissen zu Eschouwe. 



König Sigmunds Einkünfte etc. 



mi55* 



die zwene 

hant ein 

zedel. 



Jtem und alßo ein summe ab der andern geslagen blipt 
die summe zu verzehenden i8 Ä 12^/2 /3>a. Dovon gebürt zu 
zehenden 

I iE ^7 ß 3 ^t älß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Schilteckein, frügemesser zu Hündeßheim, 
hett gehaben. 

Jtem zum ersten 1 1 viertel rocken zu 31. 2 ß -ä. 
Jtem 12 viertel gersten zu 2^12 ß^ und 5 cappen zu 10 ^. 
Jtem 3^/2 omen wins zu 28 ^% und 20 -a für 4 sester oppfel. 
Jtem 6 ff 3 /3 7 ^ in pfennig zinsen und von oppfer. 
Düt in gelt 10 Ä 4 /? S ^\. Dovon geburt 
i U 5 ^t alß daz sin zedel wiset. 

Jtem her Conrat Küniglin, capplon zu Erstheim, hett gehaben. 
Jtem zum ersten 10 viertel rocken zu 31,2 ß '^' 
Jtem 10 viertel gersten zu 2^/2 ß ^ und 2 cappen 
für 20 ^. 

Jtem 8 /? ^ in pfennig zinsen. 

DÄt in gelt 3 ff 9 /3 8 -A. Dovon gebürt 
6\ 2 ß *^* ^^ß ^32 sin zedel ußwiset. 
Jtem her Johans Küniglin , capplon zu unßer 
frouwen alter zu Northuß, hett. 

Jtem zum ersten 15 viertel rocken zu 3^/2 j3 -a. 
Jtem 15 viertel gersten zu 2I/2 /3 v\. 
Jtem I S 3 ß ^^ in pfennig zinsen. 

Düt in gelt 5 ff 13 ß ^%, Dovon gebürt 
II ß 3 ^'•«i alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Ymeler, capplon zu sant 
Niclaus alter zu Osthuß, hett nüt me gehaben von 
derselben pfründen in allen gülten denn 50 viertel 
rocken und gersten zu 3 /j ^%, 

Düt in gelt 7^,2 ® ^'*- I^ovou gebürt 
15 ß ^%, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Goß, lütpriester zu Hündeßheim, hett 
gehaben diß nachgeschriben. 

Jtem zum ersten 46 viertel rocken und gersten zu 3 13 a. 
Jtem 8 sester honen zu 8 a und 8 sester nusse zu 8 -a. 
Jtem 7 cappen zu 10 >a. 

Jtem 1 1 ff 1 1 /!^ 4 ^s in zinsen, oppfer, bihtgelt und andern 
züvellen. 

Düt in gelt 19 ff iS ß ^, Dovon gebürt 
2 U one 2 ^\ alß daz sin zedel ußwiset. 



dez zedel suche 

under dem 

ertzpriester 

ampt zu 

Bischofsheim 

by Roßheim. 



Jtem her Reimbolt von Achenheira, kircherre zu Lüpoltz- 
heim, hett gehaben. 

Jtem zum ersten 108 viertel rocken und gersten zu 3 /) a. 



mi56* Kaiser. 

Jtem I Ä 17 /3 4 ^ in oppfer und von andern züvellen. 
Düt in gelt 1 8 r7 16^. Dovon gebürt zu zehenen. 
I Ä 16 |3 2 -A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Balthasar, lütpriester zu Matzenheim, hatt gehaben. 
Jtem zürn ersten 32 viertel rocken und gersten zu 3 /3 -». 
Jtem 2 tt 9 *«» in pfennig zinsen, in oppfer und andern 
züvellen. 

Düt in gelt 7 fC 9 /? -ä. Dovon gebürt 

1 4 /j 11^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Claus, capplon zu sant Catherinen alter zu Nidem- 
hittenheim, hett. 

Jtem zum ersten 23^/2 viertel rocken zu 3^/2 ß -ä. 
Jtem 15^/2 viertel gersten zu 2^/2 ß ^. 
Jtem 4 1t 5 /3 ^ in pfennig zinsen. 

Düt in gelt 10 fi 6 /3 -a. Dovon gebürt 

I t£ 7 ^s, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans, frügemesser zu Utenheim, hett gehaben. 
Jtem zum ersten 3 viertel rocken zu 3 j3 3 ^s. 
Jtem 12 viertel gersten und habern zu 2 ß ^ ^. 
Jtem 4 f£ ^ in pfennig zinsen. 

Düt in gelt 5 S 17/39*%. Dovon gehurt 

II ß g ^,y alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem derselb her Johans hett verzehendet von der lütpriesterie 
zu Bolsenheim diß nochgeschriben. 

Jtem zum ersten 3 viertel habern zu 2 /3 4 *\. 

Jtem 3 sester rocken für 21 -a, 

Jtem 7^/2 Ä^ von oppfer, von selgerete und von andern 
züvellen. 

Düt in gelt 7^/2 B? 8 /5 9 .%. Dovon gebürt 

15 ^ 10^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans von Zabern, capplon zu sant Niciaus alter 
zu Benfeit, hett gehaben diß nochgeschriben. 

Jtem zum ersten 1 2 viertel rocken und gersten zu 3 /? -a. 
Jtem 7 fi 11^ 1 1 j^ in pfennig zinsen. 

Düt in gelt 9 Ä y ß 1 1 *%. Dovon gebürt 
iS ß 10;)», alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans KempfF, capplon zu sant Dyonisien alter 
zu Lümerßheim, hett gehaben diß nochgeschriben. 

Jtem zum ersten 17^/2 viertel rocken zu 3^/2 ß a. 
Jtem 7^'2 viertel gersten zu 2 /3 4 ^\, 
Jtem 10 ft <»% in pfennig zinsen und andern züvellen. 
Düt in gelt 1 3 f£ 1 8 /3 1 1 .a. Dovon gebürt 
I *Bb y ß 1 1 v*\, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem derselb her Johans hett verzehendet von der cappellen 
zu sant Luden. 



König Sigmunds Einkünfte etc. 111157* 

Jtem zürn ersten 43 viertel rocken und gersten zu 3 /3 -»*.. 
Jtem I ff 7 /3 »^ in zinsen und von andern züvellen. 
Düt in gelt 7 ff ib ß a, Dovon gebürt 
^5 ß 1 ^^i ^^^ ^^^ s^^ zedel ußwiset. 

Jtem her G6tze von Geispoltzheim , lütpriester dez zedel 
zu Geispoltzheim, hett. suche under 

Jtem 2Üm ersten 140 viertel 2 sester rocken und ^?"™ ®'^' 
•' « >, pnestertum 

gersten zu 3 jS.s. *^^^ ^^„t 

Jtem 16 ff I 5 /^ *'^ in zinsen, in oppfer und von Laurentien. 

andern züvelllen. 

Döt in gelt 40 ff 15 /3 ^.. Dovon geburt 

4 ff \% ß ^>,i alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Claus Kabisser, lütpriester zu Osthuß, hett gehaben. 
Jtem zum ersten 17^0 viertel rocken zu 3^2 Z^*'^« 
Jtem 14 viertel gersten zu 2^1., ß a. 

Jtem S^jo^'^ von oppfer, von bihtegelt und von andern 
züvellen. 

Düt in gelt 10 ff 6 ß x%. Dovon gebürt 
in 7 A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem derselbe her Claus, frögemesser zu Sant by Benefelt 
gelegen. 

Jtem zürn ersten g viertel rocken zu 3^/2 ß *"^« 

Jtem lo^o viertel gersten zu 2 ^ ,\ und 2 hünre für 6 a. 

Jtem 2^2^*'^ "^ pfennig zinsen. 

Düt in gelt 5 ff 3^0 ß x",, Dovon gebürt 
10 /? 5 ^s, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Conrat Kabisser, capplon zu sant Benedicten alter 
zu Erstheim und lütpriester zu Northuß, hett gehaben von beden 
pfründen. 

Jtem zum ersten 52 viertel 2 sester rocken und gerste 
zu 3 /3 A. 

Jtem 3 ff von oppfer, bihtgelt und von andern züvellen. 
Düt in gelt 10 ff i'j ß ^. Dovon geburt 
I ff 20 A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Claus ^luseler, kircherre zu Kertzfelt, hett gehaben. 

Jtem zum ersten 44 viertel i^;^ sester rocken zu 3^2/^*"** 

Jtem 16 viertel weissen zu ^^j^ ß ^s. 

Jtem 8 viertel 4^,2 sester gersten zu 2^ ^ ß » • 

Jtem 15 viertel 2 sester habern und 5 sester erweissen 
für 5 /3 A. 

Jtem 2 viertel bonen zu 4 /? «s und i vierling erweissen 
für 4 .^. 

Jtem 9 sester nuß für 6 ß .\ und 2^2 ß *'■» ^^^ ^*^« 

Jtem 4 cappen zu 8 a. 

Jtem 4 ff 4 /y A von houwe zehenden und von strouwe und 
spniwer. 



IIII58* Kaiser. 

Jtem dez ist yme abgeslagen 4 Ä 13 /^ a für kosten und 
Ion der früht. 

Jtem und alßo ein summe ab der andern geslagen blipt 
die summe zu verzehenden 15 Ä 5 jCi? 9 -vS. Dovon gebürt zu 
zehenden 

30 ß 7 ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

dez zetlel Jtem derselbe her Niclaus hett verzehendet von 

suche by d^r liitpriesterien zu Kertzfelt. 
den capplon t^ <i . . - tj 

zu sant Jtem zum ersten 3 sester weissen für 27 -a. 

Aurelieo in Jtem 27 viertel 2 sester i vierling rocken zfi 

her Claus 3I/2 ß .">. 
Muselers j^^^ ^ viertel gersten zu 2^2 ß -*^. 

Jtem I viertel erweissen und bonen für 5 ß *>. 
Jtem 3 viertel nuß für \2 ß ^, 

Jtem 6^/0 omen wins zu 2 ß ^% und 2 mosse oley für 2 ^ ^, 
Jtem 5 % i6i;\) ß ^ in pfennig Zinsen und von andern 
züvellen. 

Döt in gelt 1 3 ft 1 5 /? ^^ 3 heilbelinge. Dovon gebürt 
I % j^^y ß .%, alß daz sin zedel ußwiset. 

jtem her Johans Dieffental, kircherre zu Bolsenheim, hett 
gehaben. 

Jtem zum ersten 62 viertel rocken zu 3^.2 ß -'••• 
Jtem 20 viertel gersten zu 2^ .> ß tV. 
Jtem 10 pfunt flaß zu 5 :-., 

Düt in gelt 12 fi 6 ß ^, Dovon gebürt 
I ff 4 jS 7 ^^, alß [daz] sin zedel ußwiset. 

Jtem der lutpriester zu Ele hett gehaben diß nochgeschriben. 
Jtem zum ersten 20 viertel rocken zu 4 /3 *^. 
Jtem 20 viertel gersten zu 2^/2 ß ^■ 
Jtem 4 viertel habern zu 28 ,s und 8 hünre für 4 ^ -a. 
Jtem 4 omen wins für lOjS^s und 6 enten für 2^2/^*^. 
Jtem 6 Ä y^o ß ^^ ^ür houw zehenden, für oppfer und 
für was. 

Jtem 5 viertel nuß zu 4 j3 ,s und 6 gense für 3 ß *%. 
Jtem 12 ß x<, von dem selbüch und i ß .s für kelber zehenden. 
Jtem 3 % han ich von houwe gelöset. 
Düt in gelt 19 S vS. Dovon gebürt 

i % 18 /J .^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Heinrich Wyse, kircherre zu Sant by Benefelt 
gelegen, hett. 

Jtem zum ersten 75 viertel rocken zu 3^2 ß ^* 
Jtem 75 viertel gersten zu 2 ß 4 .^. 
Jtem 20 gense für \o ß a und 8 cappen für 6 ß ^, 
Jtem 4 lember für t ß ^% und 8 yerlin für 8 ß *\. 
Jtem ein viertel nuß für 4 /? a. 



mi6o* Kaiser. 

Jtem der kircherre zu Westhuß by Benefelt gelegen hett 
verzehendet. 

Jtem zum ersten 29 viertel 3 sester weissen zu 4^0 ß *'^- 
Jtem 21 viertel 4 sester rocken zu 3I/2 ß *?.. 
Jtem 27 viertel i sester gersten zu 2^:2 ß *%. 
Jtem 4 viertel habern zti 2 ß ^ und 3 sester bonen für 3 ^ j^. 
Jtem 1^/2 viertel nuß für ö ß ^. 
Jtem 67 viertel rocken und gersten zu 3 /^ ^, 
Döt in gelt 24 fi 14 ß /%. Dovon gebürt 
2 % g ß S '^f alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Eberhart von Andela, kircherre zu Erstheim, hett 
gehaben. 

Jtem zum ersten 155 viertel rocken zu 3^12 ß'^- 
Jtem 155 viertel gersten zu 2^/2 ß ^, 
Jtem 4 Ä -A von der vischentzen zu Erstheim. 
Düt in gelt 50 Ä 7 /:? ^\. Dovon gebürt 
$ % S ß, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Ott Nibelung, lütpriester zu Westhuß by Benfeit, helt, 
Jtem zum ersten 20 viertel rocken zu 3^/0 ß -a. 
Jtem 81/2 U -s von oppfer, von selgerete und von andern 
züvellen. 

Düt in gelt 12 U ^. Dovon gebürt 
1 'S 4 /3 vS, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Mathis Borlang, frögemesser zu Kertzfelt und 
capplon zu sant Catherinen alter zu Erstheim, hett gehaben diß 
nochgeschriben. 

Jtem zum [ersten] 78 viertel rocken und gersten zu 3 /3 •\. 
Jtem 5 U nS in pfennig zinsen und von andern züvellen. 
Düt in gelt 16 fi lö ß ^. Dovon gebürt 
I fC 13 ß y ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Summa 44 fi 14 ß 1 1 ^s, ut supra defectus^). 



Daz ertzpriester ampt zu Meinoltzheim. 

Jtem her Johans Lampreht, kircherre zu Steingewürcke, hett 
gehaben. 

Jtem zum ersten 130 viertel rocken und habern zu 2^/2 /^ *'^' 

Jtem 3 füder wins zu 2 fi ^% und 1 fi ^ von houwe. 

Jtem 9 güldin von houwe zehenden und lember und von 
anderm vihe. 

Düt in gelt 26 fi 10/^9 guldin. 

Jtem dez git er sim lütpriester jerlichen 28 viertel rocken 
und 16 omen wins und 2 ß ^ ^ für allen andern kosten. 



>) V. Meigers Hd. hinzugefügt. 



mi62* Kaiser. 

Jtem alßo ein summe ab der andern geslagen blipt die 
summe zu verzehenen 40 /f J ß 2 ^s. Dovon gebürt zu zehenden 
4 /? 8 -A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Wiferßheim, kircherre zu Stützheim und 
lütpriester doselbest, hett verzehendet von den beden pfründen 
diß nochgeschriben. 

Jtem zum ersten 40 viertel weissen zu 4 /!? -vS. 

Jtem 70 viertel rocken zu 31,0 ß *s. 

Jtem 2 S \t ß ^ von oppfer, von selgerete und andern züvellen. 
Düt in gelt 23 ^ i ß ^, 

Jtem dez ist yme abgeslagen ^ ß ^ für ein ewig lieht zu 
belühten. 

Jtem alßo ein summe ab der andern geslagen blipt die 
summe zu verzehenden 22 S 13 /3 -A. Dovon gebürt zu zehenden 
2 tt 5\ 2 /^ '^* ^^^ ^^2 s^^ zedel ußwiset. 

Jtem her Adam, lütpriester zu Truterßheim und zu Wiferß- 
heim, hett. 

Jtem zum ersten 63 viertel rocken zu 3^0 ß *s. 
Jtem 2 viertel gersten zu 27 ^. 

Jtem 8 f? -Ä für oppfer, selgeret, kleinen zehenden und 
andern züvellen. 

Düt in gelt 19 /T 5 ß ^. Dovon gehurt 
i U iS ß 6 >A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Hasforter, lütpriester zu Pfetteßheim, hett 
gehaben. 

Jtem zum ersten 30 viertel rocken zu 3 /3 8 -a. 
tem ^12 füder wins für 30 ß ^%. 

tem g K 1 8 /3 -a in pfennig zinsen und von andern z vellen. 
Düt in gelt 16 /T 17 ß .^. Dovon gebürt 
i ti 1 3 ß S ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

dez zedel Jtem her Heinrich Lymer, frügemesser zu Truterß- 

de''^^ '°s ^^^^' ^^" gehaben. 

zedel von Jtem züm ersten 17 viertel rocken zu 3^/0 /5 -a^ 

Nuwilr. Jtem 8^/2 flf A in pfennig zinsen. 

Düt in gelt 11 f( g ß b ^\, Dovon gebürt 
i ii 2 ß 11^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Ulrich Spiegel, kircherre zu Snerßheim, hett ver- 
zehenet diß nochgeschriben. 

Jtem züm [ersten] 45 viertel 2 sester weissen zu 4/^4^. 
tem 53 viertel 2 sester rocken zu 3^/0 ß *'.. 
tem 53 viertel 2 sester gersten und habern zu 2 ß ^ a. 
Jtem I viertel erweissen und linsen für 6 ß ^. 
Jtem 7 omen wins zu 2 ß ^. 
Jtem \ it. 2 ß ^ in pfennig zinsen. 

Düt in gelt 27 flf 13 /} 4 ^. Dovon gebürt 
2 S[ 15 /? 4 .A, alß daz sin zedel ußwiset 



mi64* Kaiser. 

Jtem 15 viertel habem zu 22 ^s. 

Jtem 8 füder houwes zu 10 /3 vS. 

Jtem 3^6/3^ in zinsen, oppfer, bihtegeld und andern 
züvellen. 

DÄt in gelt 20 it i ß ^s. 

Jtem dez ist yme äbgeslagen 2^/2 ^ a für kosten, den win 
zu buwen. 

Jtem und 30 /3 ^ für kosten der früht. 

Jtem 2 f( für kosten dez houwes. 
Düt in gelt 6 9f -a. 

Jtem alßo ein summe ab der andern geslagen blipt die 
summe zu verzehenden 1 4 flf i ß ^. Dovon gebürt zu zehenden 

1 1^ 8 /3 I A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Reinfrid, lütpriester zu Meinoltzheim, hett gehaben. 

Jtem zum ersten 30 viertel rocken zu 3 1/2 ß ^^. 

Jtem 30 viertel habern zu 2 ß ^s und 6 cappen zu 8 *s. 

Jtem 4 füder wins zu 2 S -»%. 

Jtem 8 karrich mit houwe zu 5 /3 a. 

Jtem 5 1/2 U ^s in zinsen, oppfer, bihtegeld und andern 
züvellen. 

Düt in gelt 23 S 19 j3 ^%. 

Jtem dez ist yme äbgeslagen 3 <? 1 1 /3 a für kosten der 
obgeschriben fruht. 

Jtem alßo ein summe ab der andern geslagen blipt die 
summe zu verzehenen 20 % S ß .*,. Dovon gebürt 

2 El 9 a%« alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Bartholomeus L6selin hett verzehendet diß noch- 
geschriben von der kirchen zu Ingenheim. 

Jtem zum ersten 5 viertel weissen zu 4^/2 ß -s und 2 viertel 
gersten zu 3 j3 .'^. 

Jtem 46I/2 viertel rocken zu 3 1/2 ß ^ und 8 viertel habem 
zu 2 |3 A. 

Jtem 4 sester bonen, erweissen und linsen für 4 ß *s. 

Jtem 20 omen wins für 2 %^%. 

Jtem 5^/2 9^ A von oppfer, von selgeret und von allen andern 
züvellen. 

Düt in gelt 1 7 S 12 ß 1 1 a. Dovon gebürt 
i U 1 5 j8 4 ^s, alß daz sin zedel ußwiset. 

Item derselbe herre hett verzehendet von einer kleinen 
pfrunden 6 ß -a, alß daz dieselb zedel ußwiset. 

Jtem die frügemesse zu Duntzenheim hett gehaben nüt me 
denn 20 viertel rocken und \o ß ^ in pfennig zinsen. 
Düt in gelt 4 XC ^. Dovon gebürt 
8 ß .A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Swartz, lütpriester zu Fessenheim, hett 
gehaben. 



nai66* Kaiser. 

Jtem 7^/2 /? -A von oppfer und von andern züvellen. 
Döt in gelt 38^. Dovon gebürt 
t ß ^f alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans von Lyningen, frögemesser zu Mcißmünster, 
hett gehaben. 

Jtem zum ersten 12 viertel rocken zu 3 /? 8 ^. 
Jtem 10 omen wins für i f{ ^. 
Jtem 9 ft ^ in pfennig zinsen. 

Düt in gelt 12 'S 2 (i ^. Dovon gebürt 
I fC 4 /? 2 ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Ott von Gugenheim, capplon zu sant Laurencien 
alter in der closen zu Zabern und capplon zu sant Johans 
doselbst, hett gehaben. 

Jtem zum ersten 1 1 viertel rocken zu 3^2 ß ^' 
Jtem 7 viertel habern zu 2 ß ^. 
Jtem I 'S S ß ^ in pfennig zinsen. 

Döt in gelt 4^7^. Dovon gebürt 
S ß ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Claus, lütpriester zu Lütenheim, hett gehaben diß 
nochgeschriben. 

Jtem zum ersten 15 viertel rocken zu 3V2 /^ '*• 

Jtem 1 5 viertel habern zu 2 /? ^. 

Jtem 12 omen wins für 12^2/''* über kosten. 

Jtem 5I/2 ^ ^ in oppfer von dem kleinen zehenden und 
andern züvellen. 

Düt in gelt 10 Ä 5 /3 -A. Dovon gebürt 

1 'S 6 ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Jocob, lütpriester und frügemesser zu Wasselnheim» 
hett gehaben. 

Jtem zum ersten 27^/2 viertel rocken zu 3I/2 ß -A. 

Jtem 3 viertel habern zti 2 ß ^ und 40 omen wins für 

4 w "A. 

Jtem II US ß ^ in oppfer, selgeret und von andern 
züvellen. 

Düt in gelt 20 Ä 10 /? 3 -A. Dovon gebürt 

2 fi i ß ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans, lütpriester zu Otterwilr by Zabern gelegen, 
het gehaben. 

Jtem zum ersten 8 viertel rocken und gersten zu 3 ß -a. 

Jtem 11!? 5 ß ^ in zinsen, oppfer und von andern züvellen. 
Düt in gelt 1 2 S 9 /S ^. 

Jtem dez ist yme abgeslagen 5 ß «s, git er zu zinse einem 
apt zu Morßmünster. 

Jtem und alßo ein summe ab der andern geslagen blipt 
die summe zu verzehenen 12^ 4 /3 ^. Dovon gebürt 
I ^ 4 /? 4 ^, alß daz sin zedel ußwiset. 



mi68* Kaiser. 

Jtem her Jocob Zürn, kircherre zu Mittelbum, hett ver- 
zehendet. 

Jtem zürn ersten 24 viertel 3 sester rocken zu 3^/2 /? '*• 
Jtem 2 viertel geraten zu 2 /? ^ und 6 cappen zu 6 ^. 
Jtem 1 8 viertel habem zu 2 ß ^. 

Jtem 3 S one 4 ^ von oppfer und von andern züvellen. 
Döt in gelt 9 ^ 8 /3 -*. Dovon gebürt 
16 ß 10^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Claus, capplon zu Rytenburg, hett gehaben diu 
nochgeschriben von drigen viertel jors. 

Jtem zum ersten i f&der wins für 2^/2 9f ^. 
Jtem 5 viertel 2^/2 sester 3 Vierlinge rocken zt ^ ß a, 
Jtem 9 sester habern für 3 /3 4 -* und 6 hünre für 2 ß j^. 
Jtem 7 Ä 3 /3 5 ^ von oppfer und andern züvellen. 
Düt in gelt 1 1 8^ 1 1 -a. Dovon gebürt 
1 U 2 ß 1 ^f alß daz sin zedel ußwiset. * 

Jtem her Rychwin Symeler, kircherre zu Westhuß, hett 
gehaben. 

Jtem zum ersten 43 viertel rocken zu 3^/2 ß -a. 

Jtem 62 viertel habem zu 2 /3 ^ und 2 U ^ von houwe 
zehenen. 

Jtem I füder wins für 2 U ^. 
Düt in gelt 170^ 10 |3 4 -A. 

Jtem dez ist yme abgeslagen i 0^ ^ für kosten, die früht 
inzüsammen. 

Jtem alßo ein summe ab der andern geslagen blipt die 
summe zu verzehenen ib^j^'ä 4 **. Dovon gebürt zu zehenden 
i U 13 ß '^t alß cläz sin zedel ußwiset. 

Jtem derselb her Rychwin het verzehendet von der lüt- 
priesterien zu Westhuß. 

Jtem zum ersten 25 viertel i sester rocken zu 3^/2 |5 -*• 

Jtem 10 omen wins für i U ^ und 5 viertel habern zu 
2 ß ^, 

Jtem 6 gense zu 6 -A und 3 verlin für 3 /3 -A. 

Jtem 3 cappen zu 8 ^ und 30 pfunt flasses für 15/} ^. 

Jtem I viertel lynsamen für 10 ^ .A. 

Jtem 4 f? 6 ^ .A für oppfer, selgerete und andern züvellen. 

Jtem so ist yme abgeslagen 7 ß ^ für kosten dez wins und 
flasses. 

Jtem alßo ein summe ab der andern geslagen blipt die 
summe zu verzehenen 11 tC 10 /3 5 -A. Dovon gebürt zu 
zehenden 

1 U 4 /3 «A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Heinrich Nagel, lütpriester zu Üttelnheim, hett 
gehaben. 

Jtem zürn ersten 24 viertel rocken zu 3^/2 /8 ^. 



mi70* Kaiser. 

Jtem zürn ersten i füder wins für 30 ^ ^ über kosten. 
Jtem 18 viertel 4 sester rocken zu 3^/2 ß -a. 
Jtem 31/38^ in pfennig Zinsen. 

Dftt in gelt 5 ^ 1 1 /3 8 ^. Dovon geburt 
1 1 /3 2 ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Dirre hett Jtem her Claus Swinde, lütpriester zü Wilgotheim, 

nüt geben, hett gehaben. 

Jtem zum ersten 40 viertel rocken und gersten zü 3 ß ^. 
Jtem I füder wins für 2 Ä 5 ß ^. 

Jtem 8 ^ 5 j3 iS von oppfer, selgeret und von andern 
züvellen. 

Düt in gelt 161/2^^. Dovon geburt 

1 U 1 3 /3 'A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Dirre hett Jtem her Johans Otterstal, lütpriester zü Frideß- 

nüt geben, heim, hett gehaben von oppfer, von selgerete und 
von allen andern züvellen nüt me denn 4 Sf 4 /3 a. Dovon geburt 
zü zehenden 

8/3 5 -A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Summa 43 ^ 16 ß g^, ut supra deficit^). 

Daz ertzpriester ampt zü Sauden. 

Jtem her Johans Brünig, frügemesser zü Sanden, hett 
gehaben. 

Jtem zum ersten 3 viertel rocken zü 3^/2 /J -a. 
Jtem 4 cappen zü 8 ^%. 

Jtem 1 4 Ä 9 /? A von zinsen und von andern züvellen. 
Düt in gelt 1 5 üS **»». Dovon geburt 
30 ß A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Symunt Scherer, lütpriester zü Obemzelle, hett 
gehaben. 

Jtem zum ersten 20 viertel rocken zü 4 /3 ^. 

Jtem I füder wins für 2^/2 U und 60 hünre für i Ä .a. 

Jtem 179^^% in pfennig zinsen und 3 güldin, einen güldin 
gerechenet für 10 3 ^ von oppfer, bihtgelt und andern züvellen. 
Düt in gelt 24 Ä. Dovon geburt 

2 3f S ß A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Schatz, kircherre zü Halmenspach, heit 
gehaben. 

Jtem zum ersten 20 viertel rocken zü 4 /3 ^. 
Jtem 20 viertel habern zü 2 /3 4 a. 

Jtem IG S I /3 Ji von oppfer, zinsen, bihtgeld und andern 
züvellen. 

Düt in gelt 16 fl» y ß 8 a. Dovon geburt 
I ^ 12 ß g ^%, alß daz sin zedel ußwiset. 

*) Von Meigers Hand hinzugefügt. 



miy2 



♦ Kaiser. 



Jtem zürn ersten i8 viertel rocken zu 3^/2 ß >a. 
Jtem 3 viertel nuß zu 5 /? -a. 

Jtem 1 1 af ^ von oppfer, selgeret und von andern züvellen. 
Döt in gelt 14 ^ 18 /? ^. Dovon gebürt 
1 1t g ß 9 'A, alß daz die zedel wiset. 

Jtem her Gerg Beldel, capplon zu sant Stephans, sant 
Johans und sant Catherinen alter in der bürge zu Hagenouwe 
gelegen, hett gehaben diß nochgeschriben. 

Jtem zum ersten 40 viertel rocken zu ^ ß 10^. 

Jtem 4 füder wins für S f( ^, 

Jtem 24 a^ 16 /J 8 -A in pfennig zinsen. 

Döt in gelt 40 fl^ 10 /? ^. Dovon gebürt 
4 H iß ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Conrat Bock, capplon zu sant Jocobs alter in dem 
nuwen spittal zu Hagenouw, hett gehaben. 

Jtem zum ersten 24 viertel rocken zu 3^/2 ß >ä. 

Jtem 1 7 omen wins für 1 ^ >ä über kosten. 

Jtem I cappen für 8 a. 

Jtem 1 3 3i 7 ß ^ in pfennig zinsen. 
Düt in gelt 1 9 S^ 11/? i ^. 

Jtem dez ist yme abgeslagen 1 U 13 -a, die git er zu zinse. 

Jtem alßo ein summe ab der andern geslagen blipt die 
summe zu verzehenen 18 ?? 10 /? ^. Dovon gebürt 
I ^ 17 ß ^f alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Negellin, lütpriester zu Ettendorff und 
capplon zu sant Dieboltz alter in dem nuwen spittal zu Hage- 
nowe, hett gehaben von beden pfründen diß nochgeschriben. 
Jtem zum [ersten] i viertel weissen für 4^/2 ß ^. 
Jtem 25 viertel rocken zu 3V2 /^ '^• 

Jtem t füder wins für 2 S* ^ und 3 sester nuß für 2^/2 /?*^. 
Jtem j U iS ß A von zinsen und von houwe zehenden. 
Düt in gelt 14 f? 7^/2 /? -A. Dovon gebürt 
I f?' 8 /? 9 >A, alß daz die zedel ußwiset. 

Dez zedel Jtem [her] Heinrich Lymer, frügemesser zu Win- 

sfich by dez gerßheim und capplon zu sant Gregorien alter in 
apts zedel dem closter zu Nuwilr gelegen, hett gehaben von 
von Nuwilr. bg^jen pfründen diß nochgeschriben. 

Jtem zum ersten 36^/2 viertel rocken zu 3V2 ß 'A. 

Jtem I füder wins und 20 moß für 36 /? 8 ^ über kosten. 

Jtem 8 s;' 12 ß A in pfennig zinsen und 7 cappen zu 7 ^. 

Düt in gelt 17^ 6 -a. 
Jtem dez ist yme abgeslagen 11/?^ für kosten der obge- 
schriben früht. 

Jtem alßo ein summe ab der andern geslagen blipt die 
summe zu verzehenden 16^/2 ff. «A. Dovon gebürt zu zehenden 
33 ß ^t ^^^ däz sin zedel ußwiset. 



mi74* Kaiser. 

Jtem 3 1/2 ^ -A in pfennig Zinsen, von zehenden und von 
winkouff. 

Düt in gelt 158^ 5 /^ -*• Dovon gebürt 
i ÜL 10 /? 6 ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Schultheiß, capplon zu unser frouwen alter 
zu Nuwilr, hett gehaben diß nochgeschriben. 

Jtem zum ersten 10 sester rocken für 5 /? -a. 

Jtem 2 sester habem für 8 ^ und i viertel nuß für 4 ß ^, 

Jtem 6 omen wins für 7^/2 ß ^. 

Jtem 19^ 18/?^ in pfennig zinseu. 

Düt in gelt 20 d 16 /^ ^. Dovon gebürt 

2 ^ 19 ^f alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Martin Zwecker, lütpriester zu Wülfeßheim und 
capplon zu unser frouwen alter zu Pfaffenhofen, hett gehaben 
von beden pfründen. 

Jtem zürn ersten 80 viertel rocken zu 3^/2 /^ ^'^• 

Jtem 5 füder wins one i omen zu 35 /? -a. 

Jtem 4 cappen für 2 ß ^ und 4 sester erweissen für 2 ß *s. 

Jtem 13 ff 18 -A in zinsen, oppfer, selgeret und andern 
züvellen. 

Düt in gelt 36 ff ^. Dovon gebürt 

3 ff 12 ß ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Friderich Ingolt, lütpriester zu Nuwilr, hett gehaben. 
Jtem zum ersten 26 viertel rocken zu 3 /5 ^A. 
Jtem f 2 omen wins für 12 ß ^ über allen kosten. 
Jtem 38^/2 ff -A in oppfer, zinsen, selgeret und von andern 
züvellen. 

Düt in gelt 43 Ä ^. Dovon gebürt 

4 % b ß ^%f alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Hartliep, lütpriester zu Hochfelden, hett gehaben 
diß nogeschriben. 

Jtem zum ersten 61 viertel i^/o sester rocken zu 4 ß ^. 

Jtem 41 omen wins zu 27 ^%. 

Jtem 44 ff 31 >A von oppfer, von selgeret und von andern 
züvellen. 

Düt in gelt 58 ff 10 ^. 

Jtem dez ist yme abgeslagen 3 ff 12 ^ a für kosten dez 
wins, den er selber gebuwen hett, und von andern kosten 
der früht. 

Jtem alßo ein summe ab der andern geslagen blipt die 
summe zu verzehenden 54 ff^ 8 ß 10 *s. Dovon gebürt 
5 ff 8 ß :.y alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Härtung Künig, capplon zu sant Catherinen alter 
zu Rystenhusen by Hagenouw, hett gehaben diß nochgeschriben. 
Jtem zum ersten 12 viertel rocken zu 3^2 ß ^« 



mi7Ö* Kaiser. 

Jtem 1 7 ff ^5 ß '^ von oppfer, selgeret und andern züvellen. 
Düt in gelt zy tt ^. Do von gebiirt 

2^/2 fi 4 ß ^f alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Claus HittendorfF, capplon zu sant Johans alter 
in dem nuwen spittal zu Hagenow, hett gehaben diß noch- 
geschriben von derselben capplonien und von der lütpriesterien 
zu Eckendorff. 

Jtem zum ersten 41 viertel rocken zu 3V2 /^ ^^* 

Jtem 4 viertel 2 sester nuß für i'] ß ^, 

Jtem 12 omen wins für ein pfunt ^. 

Jtem 14 /3 -A von dem kleinen zehenden. 

Jtem II U 5 /? 8 ^ in Zinsen, in oppfer, selgeret und 
andern züvellen. 

Düt in gelt 21 tt i ß ^, Dovon hett er geben 
2 U 23 ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans von Achenheim, lütpriester zu Hittendorff, 
hett gehaben. 

Jtem zum ersten ig viertel 3 sester rocken zu 3^/2 ß -a. 

Jtem 5 -Ä 5 /? -A von oppfer, selgerete und von andern züvellen. 
Düt in gelt 8 S 13 /? 3 -'». 

Jtem derselbe her Johans hett ouch verzehendet diß noch- 
geschriben von der frügemesse zu Mimferßheim. 

Jtem zum ersten 25 viertel rocken zu 3^/2 ß ^^. 

Jtem 2 füder one 3 omen wins für 3 ff 2 /3 -a. 

Jtem 6 /3 8 ^s in pfennig zinsen. 
Düt in gelt 7^/2 ff 6 /? 2 >a. 

Jtem dez ist yme abgeslagen 3 /? 3 ^A und i viertel rocken 
und I vierling wasses, git er jerlich von yme zu zinse. 

Jtem alßo ein summe ab der andern geslagen blipt die 
summe von beden pfründen zu verzehenden 16 ff 2 /3 3 o 
Dovon gebürt 

I ff 12 ß 2 ^f alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Richwin Symler, frügemesser und capplon zu 
Richßhofen, hett verzehendet diß nochgeschriben. 

Jtem zum ersten 19 viertel 4 sester rocken zu ^^jo ß ^• 
Jtem 12^/2 viertel 2 sester habern zu 2 ß a, 
Jtem 3 ff t ß ^ von oppfer, selgeret und von houwe. 
Jtem dez ist yme abgeslagen 17 /? 4 ^ für kosten dez 
houwes. 

Jtem alß ein summe ab der andern geslagen blipt die 
summe zu verzehenden 7 ff o ß ^, Dovon gebürt 
14 /? 3 >A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Eckendorff, kircherre zu Morßwilr, hett 
gehaben. 

Jtem zürn ersten 8 füder wins zu 30 ß -ä. 
Jtem 40 viertel rocken zu 3^/2 ß ^. 



miyS* Kaiser. 

Jtem 2 föder 6 omen wins für 3^2^-* über allen kosten. 
Düt in gelt 15?? S ß 2 ^. Dovon gebürt 
30 /? 10 ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Heinrich Schaffener, kircherre zu Bischoffsholtz, 
hett gehaben. 

Jtem zürn ersten 28 viertel 5 sester rocken zt ^ ß ^. 

Jtem 1 1 viertel habern zfa 2 ß ^ und 3 viertel dinckelß 
zu 2^l2ß^. 

Jtem 5 /? 4 /? >A von oppfer, selgeret und von andern züvellen. 
Döt in gelt 1 1 0f ^. Dovon gebürt 

1 ^ 2 ß ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Symund, lütpriester zu Mertzwilr, hett gehaben 
diß nochgeschriben. 

Jtem zum ersten 26 viertel rocken zu 3^/2 ß -ä. 
Jtem 3 viertel habern zfi 2 ß ^ und 10 cappen zu 7 -a. 
Jtem 153^ 14 /? -A von houwe, oppfer und von andern zÄvellen. 
Düt in gelt 20 ^ 3 1/2 ß >a. Dovon gebürt 

2 3f 4 ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Claus R6it, lütpriester zu Altenricheßhofen, hett 
gehaben. 

Jtem zum ersten 34 viertel rocken zu 3 1/2 ß ^. 

Jtem 10 viertel dinckelß zu 2^/2 /3 .a und 6 viertel habem 
zu 2 ß ^, 

Jtem 2 omen wins für 4 /? ^ und i viertel nuß für 5 ß -a. 

Jtem 6 gense für 3 /^ 'A und 5 ß /, von flaß. 

Jtem tu 5 /? A in Zinsen, oppfer, selgeret und von andern 
züvellen. 

Düt in gelt 14 '/? 13 /Ja. Dovon gebürt 
I ^ 9 /3 3 >A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Claus Meiger, kircherre zu Windenberg und frü- 
gemesser zu Hochfelden, hett verzehendet von beden pfrönden 
diß nochgeschriben. 

Jtem zum ersten 9 föder 12 omen wins zu 35 ß ^, 

Jtem 3 viertel rocken zu 3I/2 ß a und 6 lember für \o ß a. 

Jtem 3 9* 15 /^'A von oppfer und von andern züvellen. 

Jtem dez ist yme abgeslagen 3 U I3^'2 ß -^ ^^^ kosten 
dez wins. 

Jtem alßo ein summe ab der andern geslagen blipt die 
summe zu verzehenden 17 fb 14 /3 6 ^^. Dovon gebürt zu zehenden 
I jft 15/? 6 ^%, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Wencker, frügemesser zu Oflfwilr und 
capplon zu unser frouwen alter zu Hochfelden, hett gehaben 
von beden pfrunden. 

Jtem zum ersten 30 viertel rocken zu 3^2 ß -a. 

Jtem 15 viertel habern zu 2 /? a und i füder wins für 
2 U ^. 



mi8o* Kaiser. 

Jtem her Johans Pfaffenhofen, kircherre zu Ülwilr, hett 
gehaben. 

Jtem zum ersten 4 lember für 5^/2 /3 'A und 3 gense zu 6 -A. 

Jtem 3 ferlin für 3 /? ^a und 6^/2 ^ -a für houwe. 

Jtem 2 viertel nuß zu 4 /? ^ und 2 sester erweissen für 1 8 -*. 

Jtem 41 viertel rocken zu 3 /3 4 ^ und 30 viertel habem 
zu 2 ß ^. 

Jtem 1^/2 füder wins für 3 F? ^ und 22 ^ für flaß. 

Jtem I HS 18^/2 ß -A von oppf^r, zinsen und von andern 
züvellen. 

Düt in gelt 22 U 6^2 ß -a. Dovon gebürt 
2 U 4/3 8 ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Cönman von Detvvilr, lütpriester zu Waltenheim, 
hett gehaben von derselben pfründen nüt me denn 4 ff ^. 
Dovon gebürt 

S ß ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem derselb her Cönman hett verzehendet von der früge- 
messen zu Obemsultzbach diß nochgeschriben. 

Jtem zum ersten b U i ß a in pfennig zinsen und 2 sester 
nuß für 16 -A. 

Jtem 8 viertel rocken zu 3^/2 /? 'A und 2 viertel habem 
zu 2 /3 ^. 

Düt in gelt y ff 14/34^. Dovon gebürt 
^7 ß 5 'A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem derselb her Cünman hett verzehendet von der pfr&nden 
uff unser frouwen alter in dem nuwen spital zu Hagenouw und 
hett gehaben nüt me von derselben pfründen denn 10^ lO/J. 
Dovon gebürt 

I K i ß ^t alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem [her] Herman von Steinbach, frügemesser zu Ymmeß- 
heim, hett gehaben. 

Jtem zum ersten i füder wins für 35 /J ^. 
Jtem 6 Sf 7 /3 4 /A in pfennig zinsen und von oppfer. 
Düt in gelt S ff 2 /? 4 ^. Dovon gebürt 
16 /? 3 'A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Bertholt, kircherre zu Gynbreht, hett gehaben diß 
nochgeschriben. 

Jtem zum ersten 40 viertel rocken zu 3^/2 ß ^. 
Jtem 20 viertel weissen zu 4^/2 ß -ä und 10 viertel habem 
zu 2 ß ^. 

Jtem 7 fli 5 /3 -A von win zehenden, dez git er «von ymc 
3 /S ^ zu zinse. 

Düt in gelt 19 ^ 12 ß ^. Dovon gehurt 
I ff ig ß 2 jt, alß daz sin zedel ußwiset. 



miS2* Kaiser. 

Jtem 4 fflder 4 omen wins zu 2 tf ^ und i sester linsen 
für 18 -A. 

Jtem 5^2/^4^ von cappen, nuß zinsen, flaß, lember and 
von andern züvellen. 

Dflt in gelt 30 8[ 1 1 /? a. 

Jtem dez ist yme abgeslagen 4 ^ ^5^1^ ß ^ ^^i* kosten der 
obgeschriben früht. 

Jtem alßo ein summe ab der andern geslagen blipt die 
summe zu verzehenden 25 ^ 15 /3 ^. Do von geburt zu zehenden 
2' ff ii^l2 ß ^t äl^ <^^^ sin zedel ußwiset. 

Jtem her Rüdolflf Wenck, kircherre zu Nidernbum, hett 
gehaben. 

Jtem ztan ersten 34 viertel rocken. 

Jtem 90 viertel habern. 

Jtem 16 viertel nuß. 

Jtem 5 cappen. 

Jtem 7 gense. 

Jtem 1/2 sester erweissen. 

Jtem 1 8 ff ^ in oppfer» selgeret und von andern züvellea. 
Dovon hett er geben zu zehenden. 

7 K 4 ß ^t älß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Burekart, lütpriester zu Lutzelstein, hett gehaben. 

Jtem zum ersten 30 viertel zu 3^/2 ß ^. 

Jtem 15 viertel habem zu 26 ^ und 1/2 fuder wins fÄr 

171/2/»^. 

Jtem 13 viertel gersten zu i^J^ß ^. 

Jtem 10^/2 ff ^ in oppfer, selgeret und von andern züvellen. 

Düt in gelt 19 ff 17^/2/?^. Dovon gebdrt 

2 ff one 3 ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Gerge von Wickersheim, kircherre zu Pfafifenhofen, 
hett gehaben. 

Jtem zum ersten 100 viertel rocken zA 3 j9 ^. 
Jtem 20 K ^ von oppfer, selgeret und von allen andern 
züvellen. 

Düt in gelt 35 ff ^. Dovon gebürt 
3^/2 K ^A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans Blanck, lütpriester zu Romerßheim, hett 
gehaben. 

Jtem zum ersten 30 viertel rocken zu 3^/2 ß ^. 
Jtem 4 ff 6^/2 ß ^ von oppfer, von selgeret und von andern 
züvellen. 

Düt in gelt 9 ff 11I/2 /? ^. Dovon gebürt 
19 /) ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Johans von Müteßheim, lütpriester zA Sultzbach, 
hett gehaben. 



nil84* Kaiser. 

Jtem I viertel habern für 2 j5 -a und 3 viertel kycherren 
zu 5 /? -Ä. 

Jtem 7^/2 U -Ä in pfennig Zinsen und in andern züvellen, 
Döt in gelt g fi 4 /? ^. Dovon gebiirt 
18 /? 4 ^, alß daz sin zedel ußwiset. 

Daz stifft zu sant Adolif zu Nuwilr. 

Jtem her Anßhelm Keller zö Nuwilr hett verzehendet diß 
nochgeschriben für die 1 1 dümherren zu Nuwilr. 

Jtem zürn ersten 138 viertel weissen zu 4^/2(5^. 

Jtem 184 viertel rocken zu 3V2 i^ -*• 

Jtem 107V2 viertel habem zu 26 ^. 

Jtem 62 füder wins zu 35 /? ^a. 

Jtem 1 1 0^ 1 1 /? 2 ^ in pfennig zinsen. 

Jtem dovon ist ynen abgeslagen 34 S 2 /? -a für kosten, die 
obgeschriben fruht ze buwen und inzüsamen. 

Jtem alßo ein summe ab der andern geslagen blipt die 
summe zu verzehenden 1 60 U one 2 ß ha, Dovon gebürt 
15 ^ 19 /9 8 ^, alß daz die zedel ußwiset. 

Jtem her Conrat Truttinger, capplon zu Nuwilr, hett gehaben, 
Jtem zum ersten 30 viertel rocken zu 3^/2 ß -A. 
Jtem I füder wins für 35 /? -A. 
Jtem 1 ii S ß ^ von zinsen und von oppfer. 
Düt in gelt 8 fb 5 /? -a. Dovon gebürt 
ib^l^ß^i alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Heinrich Zageier, capplon zu Nuwilr, hett gehaben. 
Jtem zum ersten 30 viertel rocken zu 3V2 /^ '*• 
Jtem 22 omen wins für 30 /3 5 ^. 

Jtem 2 U g ß J A in zinsen, oppfer und andern züvellen. 
Düt in gelt 9 ^ 5 /^ -a. Dovon gebürt 
1 8^/2 ß >A, alß daz sin zedel ußwiset. 

Jtem her Conrat Nüttenöttel, capplon zu sant Gertroden 
alter zu Nuwilr, hett gehaben diß nochgeschriben. 

Jtem zum ersten 4 viertel rocken zu 3^/2 ß. 

Jtem 3^/2 viertel habern zu 26 ^ und 6 cappen zu 7 Jk. 

Jtem 1 1 omen wins für ^ 1 5 /J Jk. 

Jtem 2 ^ "] ß 2 A von zinsen, oppfer und von andern 
züvellen. 

Düt in gelt ^ U 7 ß 3 a. 

Jtem dez git er jerlich von yme \o ß a> in die meigerie zu 
iScherleheim. 

Jtem und 3 /!? ^ für kosten dez obgeschriben wins. 

Jtem alßo blipt die summe zu verzehenden 38^ 1 2 /J 3 a. 
Dovon gebürt 

y ß 2 At alß daz sin zedel ußwiset. 



mi86* Kaiser. 

dirre hett Jtem her Syfrit Scherer, frflgemesser zu Mittelhuß, 

▼eneheDdet j^^^^ verzehendet vor dem von Zolr von derselben 

von Zolre pfründen und bleip schuldig 5 j3 -a, dieselben hett 

und bleip er mir dechan